Das Herz eines Kundschafters

Rainer Imming

© SoundWords, published: 29.01.2019

Einleitung

Die Zeichen der Zeit erkennen, „Wolken und Wind“ richtig einordnen, sich selbst und anderen einen Weg finden zu einem guten Ziel – Kundschafter werden gebraucht. Wer noch von Karl May verbildet ist, weiß, wie wichtig sie sind. Aber nicht nur bei Karl May, sondern auch in Gottes Wort wird ihre Aufgabe thematisiert. Der Herr Jesus Christus sagt in Matthäus 16,2.3: „Wenn es Abend geworden ist, so sagt ihr: Heiteres Wetter, denn der Himmel ist feuerrot; und frühmorgens: Heute stürmisches Wetter, denn der Himmel ist feuerrot und trübe. Das Aussehen des Himmels wisst ihr zwar zu beurteilen, aber die Zeichen der Zeit könnt ihr nicht beurteilen?“ Und im Alten Testament ist die Rede von „Männern, die Einsicht hatten in die Zeiten, um zu wissen, was Israel tun musste“ (1Chr 12,33).

Gewissheit

Kundschafter werden ausgesandt, weil man eine Situation nicht richtig einschätzen kann und mehr Informationen benötigt. Anstelle der Ungewissheit soll Gewissheit treten. In diesem Sinne sandte David Kundschafter aus, um Gewissheit über das Verhalten und die Pläne Sauls und seiner Soldaten zu erhalten (1Sam 26,4).

Verantwortung – Leichtsinn

Es ist klar, dass Kundschafter damit eine große Verantwortung haben. Diejenigen, die sie ausgesandt haben, werden aufgrund ihrer Berichte eine Entscheidung treffen. Wenn die Kundschafter das, was sie sehen und erfahren, falsch einschätzen, kann das für viele andere fatale Folgen haben. Die Kundschafter, die Josua nach Ai sandte, meinten, die vor ihnen liegende Aufgabe sei einfach und leicht zu bewältigen (Jos 7,3). Das Ergebnis dieses Leichtsinns war eine krachende Niederlage.

Verantwortung – Gottvertrauen

Nicht lange zuvor hatte Josua bekanntlich zwei Kundschafter nach Jericho gesandt. Bei der Wahrnehmung ihrer Aufgabe kamen sie auch in große persönliche Gefahr (worüber bei den Kundschaftern in Ai – warum auch immer – nichts berichtet wird). Ihr Kundschafterbericht ist nicht  leichtsinnig, sondern von Gottvertrauen geprägt: „Der HERR hat das ganze Land in unsere Hand gegeben“ (Jos 2,24). Und im Vertrauen auf diesen Gott traf Josua eine Entscheidung und sie überwanden die Mauern von Jericho.

Perspektiven

Diese zwei Kundschafter waren sich in ihrem Bericht über Jericho einig. Das war natürlich gut für Josua, der sie ausgesandt hatte. Dass dem nicht immer so sein muss, hatte Josua selbst einmal erlebt. Er gehörte zu den zwölf Kundschaftern, die Mose mit Gottes Auftrag aus der Wüste in das verheißene Land gesandt hatte (4Mo 13 und 14). Alle zwölf Kundschafter sahen das Gleiche, den Reichtum wie auch die Gefahren des Landes. Zehn von ihnen stellten in ihrem Kundschafterbericht die Gefahren in den Vordergrund, zwei – Josua und Kaleb – den Reichtum und das Vertrauen in Gottes Versprechen. Die Empfänger dieser Berichte reagierten – ganz modern – auf die „bad news“: Sie wollten die zwei anderen Kundschafter der „good news“ sogar steinigen (4Mo 14,10).

Das Herz eines Kundschafters

Rückblickend auf diese Tage sagt Josua später: „Ich brachte Antwort, wie es mir ums Herz war“ (Jos 14,7). – Ich frage mich: Wie ist es mir ums Herz, wenn ich überlege, in welcher Welt wir leben? Aus welcher Perspektive schildere ich dass, was ich sehe? Ist es Leichtsinn oder Gottvertrauen? Stelle ich die Gefahren oder Gottes Zusagen in den Vordergrund? Mache ich mir Gedanken, wie meine Worte auf andere wirken, ob sie Zuversicht oder Verzweiflung hervorrufen?

„Auf meine Warte will ich treten und auf den Turm mich stellen und will spähen, um zu sehen, was er mit mir reden wird … Da antwortete mir der HERR und sprach: … Der Gerechte aber wird durch seinen Glauben leben“ (Hab 2,1-4)


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