Werdet erfüllt mit dem Geist!
Epheser 5,18-21

Hans-Jörg Ronsdorf

© H.-J. Ronsdorf, online seit: 05.02.2009, aktualisiert: 10.09.2018

Leitverse: Epheser 5,18-21

Eph 5,18-21: Und berauscht euch nicht mit Wein, in dem Ausschweifung ist, sondern werdet mit dem Geist erfüllt, redend zueinander in Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern, singend und spielend dem Herrn in eurem Herzen, danksagend allezeit für alles dem Gott und Vater im Namen unseres Herrn Jesus Christus, einander untergeordnet in der Furcht Christi.

Einleitung

Mit dem Geist Gottes erfüllt werden, kann nach diesem Bibelwort nur erstrebenswert sein, mehr noch, es ist sogar ein Befehl. Und selbst ohne großes Vorstellungsvermögen kann man sich denken, das dies etwas Großartiges sein muss. Doch gehen Christen sehr kontrovers mit diesem Wort um und erklären es in so unterschiedlichen Varianten, dass diese teilweise nichts mehr miteinander zu tun haben.

Was würden wir antworten, wenn wir gefragt werden: Bist Du vom Heiligen Geist erfüllt?

Paulus fragte einmal die Jünger in Ephesus (Apg 19,1-7), ob sie den Heiligen Geist empfangen haben, nicht aber, ob sie von ihm erfüllt sind. Die erste Frage von Paulus sollte jeder Christ auf Anhieb beantworten können, die zweite Frage – die Erfüllung mit dem Geist – soll uns in diesem Aufsatz beschäftigen. Leider gibt es darüber Ansichten, die weit über das hinausgehen, was die Bibel dazu sagt.

Interessant ist, dass diese Aufforderung oder besser dieser Befehl nur ein einziges Mal im Neuen Testament vorkommt. Deshalb wird dieses Wort kaum für sich alleine erklärbar sein und bedarf eines gründlichen Abgleichs mit dem ganzen Gottes Wort, denn keine Schrift ist von eigener Auslegung (2Pet 1,20). Doch warum diese Mühe? Weil wir dann verschont bleiben vor falschen Erwartungen und Praktiken, als auch vor bitteren Enttäuschungen. Nur so findet man den Weg zu einem von Gott gewolltem und Gott erfüllten Christsein im biblischen Sinn.

Bevor wir versuchen, diesen geistlichen Zustand der „Geist-Erfüllung“ mit Lebensbeispielen und praktischen Erfahrungen heutiger Zeit zu erklären (diese gibt es ja aus biblischer Zeit), gehen wir zuerst den Weg, eine Grundlage aus der Schrift zu erarbeiten.

Der direkte und der weitere Textzusammenhang

In welchem Textumfeld und Sinnzusammenhang schreibt Paulus eigentlich diese Aufforderung? Man kann ja nicht einfach ein Wort aus seinem Zusammenhang lösen, denn auf diese Weise könnte man fast alles begründen.

Der direkte Textzusammenhang zeichnet uns eine Situation, wo gemeinsam gesungen und Gott im Namen Jesu gedankt wird. Das kann nur das Zusammensein von Christen beschreiben. Anlässe dafür können verschieden sein; hier jedoch geht es wohl zuerst um das Zusammenkommen als Gemeinde zum Mahl des Herrn und zur Verkündigung seines Wortes (1Kor 11,18.20; s.a. Eph 3,10.21). Durch die Erfüllung mit dem Geist sind die Versammelten der Gemeinde in der Lage, sich gegenseitig zu erbauen, wobei durch die Nennung von verschiedenen Liederarten offensichtlich der Aspekt des Gotteslob, des Lobpreises und des Dankes im Vordergrund steht. Das gesungene christliche bzw. geistliche Lied und eventuell die unterstützende und/oder begleitende Musik an sich beweisen das Erfülltsein mit dem Heiligen Geist noch nicht, solange es nicht aus vom Geist erfülltem Herzen kommt.

Dieser Text ist übrigens neben dem 11. und 14. Kapitel des 1. Korintherbriefes einer der wenigen Hinweise im Neuen Testament, was in den Zusammenkünften als Versammlung geschah.

Doch wäre es zu kurz gegriffen, die Erfüllung mit dem Geist auf das Zusammenkommen der Gemeinde zu beschränken, wie auch die praktischen Beispiele aus dem Leben Jesu, der Apostel und der ersten Christen zeigen werden. Der „weitere“ Textzusammenhang im Epheserbrief, in dem dieser Befehl eingebunden ist, beschreibt unser Leben als neue Menschen, die bereits diesen Geist in sich wohnend haben. Als neue Menschen in Christus werden alle Beziehungen angesprochen, in denen wir jeden Tag stehen. Dazu gehört die Gemeinde, nicht nur wenn sie zusammenkommt, sondern immer, wenn ich mit Glaubensgeschwistern zusammen bin/-komme. Als direkte Folge der Erfüllung mit dem Geist wird das „Einander-unterwürfig-Sein“ innerhalb der Gemeinde und der Ehe genannt.

Auch in der Welt, unter meinen Arbeits- und Schulkollegen soll ich zeigen, dass ich ein neuer Mensch bin. Um es vorwegzunehmen: Vom Geist erfüllt sein ermöglicht mir, als neuer Mensch, der von Gott geschaffen ist (Eph 4,20-24), auch tatsächlich zu leben. Anders zu leben als die Welt und der alte Mensch funktioniert nur, wenn wir mit Gottes Geist erfüllt sind.

Also ist das „Spielfeld“, in dem die Geistesfülle gebraucht wird, zum einen das Zusammenkommen der Gemeinde, zum anderen aber auch jede Sekunde meines Alltags als ein neuer Mensch in Christus. Die Geistesfülle ist nötig, um als Christ zu leben. Damit ist jeder Christ angesprochen, unabhängig von seiner Reife oder seinem Alter oder seinem Dienst. Dieser Befehl Gottes, durch sein Wort, geht an alle seine Kinder, damit sie das „normale Christenleben“ leben.

Was bedeutet es, „mit dem Geist erfüllt“ zu werden?

Es handelt sich um einen Imperativ, also um einen Befehl, mich mit dem Geist erfüllen zu lassen. Negativ gesehen kann ein Christ auch das Gegenteil erleben, nämlich nicht vom Geist erfüllt zu sein. Dieser Hinweis ist deshalb wichtig, weil die Schlussfolgerung daraus nicht sein darf, dass der Christ in diesem Fall dann „leer“ ist vom Geist, bzw. dass der Geist dann nicht in ihm ist. Es ist nämlich eine Tatsache, dass der Geist Gottes in jedem Kind Gottes bleibend und für immer wohnt (siehe u.a. Eph 1,13; 1Kor 6,19; Joh 14,15-19). Demnach kann die „Innewohnung“ des Geistes und das „Erfülltsein“ mit dem Geist nicht dasselbe sein. Natürlich stehen auch diese beiden Dinge in Beziehung zueinander, denn die Innewohnung muss als Voraussetzung für die Erfüllung mit dem Geist gesehen werden.

Der Sinn des Wortes ist nicht, dass wir einmal mehr und einmal weniger Gottes Geist in uns haben. Es ist keine Frage der „Quantität“ des Geistes, sondern eher eine Frage der Qualität, natürlich nicht der des Geistes, sondern der unserer Hingabe. Der Geist wohnt ja immer in uns, nicht einmal mehr und einmal weniger. Paulus selbst gibt einen guten Vergleich, wenn er diesen Befehl der Erfüllung mit dem Geist durch ein Negativbeispiel einleitet: „Berauscht euch nicht mit Wein, … sondern werdet mit dem Geist erfüllt.“ Der Alkohol hat pharmakologisch gesehen eine beruhigende Wirkung, er hemmt die wichtigsten Zentren im Gehirn, die das Verhalten kontrollieren. Die Folge von Trunkenheit ist deshalb verbale Ausschweifung, Streit, Schlägerei und Unmoral bis hin zu orgiastischen, d.h. zügellosem Verhalten. Der Alkohol beeinflusst massiv das Verhalten in negativer Weise. In totalem Gegensatz dazu soll uns Gottes Geist erfüllen und kontrollieren. Erfüllt zu sein mit dem Geist heißt nicht, mehr von Gottes Geist zu haben, sondern dass Er mehr von uns hat. Er will uns kontrollieren zu unserem Segen, Er will uns beleben und aktiv machen, Er will uns führen!

Erfüllt zu sein vom Geist Gottes ist nicht ein Zustand, der entweder da ist oder nicht da ist wie ein elektrisches Licht, das durch einen Lichtschalter an- und ausgemacht wird. Man könnte es, wenn überhaupt, mit einem Lichtdimmer vergleichen, mit dem man das Licht heller oder dunkler machen kann. Die Erfüllung mit dem Geist ist ein Zustand, der mehr oder weniger erlebt wird und der davon abhängt, wie weit ich diesem Befehl gehorche.

Um als Christ in einer gottfeindlichen Welt zu bestehen, muss ich von Gott selbst erfüllt sein. Wenn ich von mir und meinen Interessen erfüllt und kontrolliert bin oder von Wut und Zorn oder auch von Angst, dann ist es genau das, was den Geist dämpft und zurückdrängt.

Wie bereits bemerkt, benötigen wir weitere Texte mit ähnlichem Inhalt, weil es keinen weiteren gibt, der exakt dasselbe sagt. Bevor wir im Epheserbrief Parallelen suchen, was immer der erste Schritt sein sollte, gehen wir zu einem Wort, das eine auffallende Ähnlichkeit hat:

Kol 3,16: Lasst das Wort des Christus reichlich in euch wohnen, indem ihr in aller Weisheit euch gegenseitig lehrt und ermahnt mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern, Gott singend in euren Herzen in Gnade.

Bei offensichtlicher Ähnlichkeit gibt es mindestens diesen für unsere Untersuchung relevanten Unterschied: Anstatt mit dem „Geist Gottes“ erfüllt zu werden, ist es hier das „Wort des Christus“. Das Wort des Christus beschreibt nicht nur die zu seiner Lebzeit gesprochenen Worte, wie in den Evangelien verzeichnet, sondern auch seine Worte geschrieben durch seine Apostel und Propheten; zusammengefasst also das Neue Testament, in dem Christus der Dreh- und Angelpunkt ist. Ich würde jetzt nicht vorschlagen, dass man diese Worte einfach austauschbar verwendet, als seien sie exakt das Gleiche, aber als Verständnishilfe für den Ephesertext ist es uns sehr willkommen.

Um mit dem Geist erfüllt zu sein, muss also auch das Wort des Christus reichlich in mir wohnen. Das ist vielleicht greifbarer für unser Verständnis, als der Begriff „vom Geist erfüllt zu sein“. Das Wort Gottes zu lieben, es mit offenem Herzen zu lesen, durch das Wort zur Freude und Anbetung geführt zu werden, es zu bewahren und zu tun, sich dadurch korrigieren zu lassen, sich durch das Wort auch im Alltag leiten lassen, Christus darin zu finden, das alles bedeutet, dieses Wort reichlich in uns wohnen zu lassen.

Paulus benutzt den Befehl, mit dem Geist erfüllt zu werden, nur ein einziges Mal an die Epheser. Warum sagt er es nicht auch den anderen Gemeinden, wenn es einen so wichtigen geistlichen Zustand beschreibt? Nun, eigentlich tut er das ja auch, er gebraucht nur andere Worte für dieselbe oder ähnliche Sache. Das soll an den beiden mächtigen Texten sichtbar werden, wo das Wirken des Heiligen Geistes in unserem Glaubensleben in überragender Weise beschrieben wird:

  • Röm 8,13-16: Denn wenn ihr nach dem Fleische lebet, so werdet ihr sterben, wenn ihr aber durch den Geist die Handlungen des Leibes tötet, so werdet ihr leben. Denn so viele durch den Geist Gottes geleitet werden, diese sind Söhne Gottes. Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, wiederum zur Furcht, sondern einen Geist der Sohnschaft habt ihr empfangen, in welchem wir rufen: Abba, Vater! Der Geist selbst zeugt mit unserem Geiste, dass wir Kinder Gottes sind.
  • Gal 5,16-18: Ich sage aber: Wandelt im Geiste {o. durch den Geist}, und ihr werdet die Lust des Fleisches nicht vollbringen. Denn das Fleisch gelüstet wider den Geist, der Geist aber wider das Fleisch; diese aber sind einander entgegengesetzt, auf dass ihr nicht das tuet, was ihr wollt. Wenn ihr aber durch den Geist geleitet werdet, so seid ihr nicht unter Gesetz.

Diese Worte zeigen, dass es nicht nur um das Wohnen, sondern um das mächtige Wirken des Geistes in uns geht, genauso wie die Erfüllung mit dem Geist, die auch mehr ist als nur Innewohnung. Aber für Paulus ist es normal, davon zu sprechen, dass der Geist mehr in uns wirkt als in uns zu wohnen. Wir werden durch den Geist auch geleitet, bringen die für unsere Umgebung sichtbare Frucht des Geistes hervor und besiegen die Sünde bzw. das Fleisch, unsere alte Natur. Das ist eine andere Beschreibung davon, was es bedeutet, mit dem Geist erfüllt zu sein.

Die Erfüllung mit dem Geist äußert sich in noch weiteren Aspekten des Glaubenslebens:

  • 2Tim 1,7: Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

  • Eph 1,17: … auf dass der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch gebe den Geist der Weisheit und Offenbarung in der Erkenntnis seiner selbst.

  • Phil 1,19: Denn ich weiß, dass dies mir zur Seligkeit ausschlagen wird durch euer Gebet und durch Darreichung des Geistes Jesu Christi.

  • 1Thes 1,6: Und ihr seid unsere Nachahmer geworden und des Herrn, indem ihr das Wort aufgenommen habt in vieler Drangsal mit Freude des Heiligen Geistes.

  • Gal 5,5: Denn wir erwarten durch den Geist aus Glauben die Hoffnung der Gerechtigkeit.

  • 2Kor 6,6: … in Reinheit, in Erkenntnis, in Langmut, in Gütigkeit, im Heiligen Geiste, in ungeheuchelter Liebe.

  • Eph 6,18: … zu aller Zeit betend mit allem Gebet und Flehen in dem Geiste, und eben hierzu wachend in allem Anhalten und Flehen für alle Heiligen.

  • Eph 2,18: Denn durch ihn haben wir beide den Zugang durch einen Geist zu dem Vater.

Untersucht man das Neue Testament im Blick auf das, von dem wir erfüllt sein können und sollen, dann findet man folgende Dinge, die gewiss auch mit der „Erfüllung des Geistes“ einhergehen:

  • Apg 5,41: Sie nun gingen aus dem Synedrium hinweg, voll Freude, dass sie gewürdigt worden waren, für den Namen Schmach zu leiden.

  • Röm 15,14: Ich bin aber, meine Brüder, auch selbst betreffs euer überzeugt, dass auch ihr selbst voll Gütigkeit seid, erfüllt mit aller Erkenntnis und fähig, auch einander zu ermahnen.

  • Kol 1,9: Deshalb hören auch wir nicht auf, von dem Tage an, da wir es gehört haben, für euch zu beten und zu bitten, auf dass ihr erfüllt sein möget mit der Erkenntnis seines Willens in aller Weisheit und geistlichem Verständnis.

  • Apg 6,8: Stephanus aber, voll Gnade und Kraft, tat Wunder und große Zeichen unter dem Volke.

  • Phil 1,11: … erfüllt mit der Frucht der Gerechtigkeit, die durch Jesum Christum ist, zur Herrlichkeit und zum Preise Gottes.

  • Apg 9,36: In Joppe aber war eine gewisse Jüngerin, mit Namen Tabitha, was verdolmetscht heißt: Dorkas; diese war voll guter Werke und Almosen, die sie übte.

  • 1Pet 3,8: Endlich aber seid alle gleichgesinnt, mitleidig, voll brüderlicher Liebe, barmherzig, demütig.

Menschen, die vom Geist erfüllt wurden

Es folgen nun Zeugnisse der Schrift selbst über Menschen, die vom Heiligen Geist erfüllt waren bzw. wurden.

Johannes der Täufer und seine Eltern

  • Lk 1,15: Denn er (Johannes der Täufer) wird groß sein vor dem Herrn; weder Wein noch starkes Getränk wird er trinken und schon von Mutterleibe an mit Heiligem Geiste erfüllt werden.

  • Lk 2,40: Das Kindlein (Johannes der Täufer) aber wuchs und erstarkte, erfüllt mit Weisheit, und Gottes Gnade war auf ihm.

  • Lk 1,41: Und es geschah, als Elisabeth den Gruß der Maria (der mit Jesus schwangeren) hörte, hüpfte das Kind (Johannes der Täufer) in ihrem Leibe; und Elisabeth wurde mit Heiligem Geiste erfüllt.

  • Lk 1,67: Und Zacharias, sein Vater, wurde mit Heiligem Geiste erfüllt und weissagte und sprach: …

Jesus, der vollkommene Mensch und Diener

Nachdem Jesus getauft war und der Heilige Geist auf IHN herabgekommen war, heißt es:

  • Lk 4,1: Jesus aber, voll Heiligen Geistes, kehrte vom Jordan zurück und wurde durch (in der Kraft des) den Geist in der Wüste vierzig Tage umhergeführt.

Wir wissen, dass die ganze Fülle der Gottheit zu aller Zeit, von seiner Geburt an, in IHM war (Kol 1,19; 2,9). Doch in diesem Wort wird der Beginn seines öffentlichen Dienstes beschrieben, Er beginnt mit seiner Taufe und den darauf folgenden Versuchungen durch den Teufel in der Wüste. Die ganze Kraft des Geistes Gottes war in IHM, der Geist leitete IHN in dieser extremen Konfrontation mit der Macht des Bösen über einen Zeitraum von vierzig Tagen. Herr Jesus, welch einen Kampf hast Du gekämpft und welch ein Vorbild bist Du für uns!

Die Apostel und die ersten Christen in der Apostelgeschichte

Die Apostelgeschichte beschreibt uns einige Male den Zustand des Geist-Erfülltseins.

  • Apg 2,4: Und sie [die 120] wurden allemit Heiligem Geiste erfüllt und fingen an, in anderen Sprachen zu reden, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.
  • Apg 4,8: Da sprach Petrus, erfüllt mit Heiligem Geiste, zu ihnen: Oberste des Volkes und Älteste!

  • Apg 4,31: Und als sie gebetet hatten, bewegte sich die Stätte, wo sie versammelt waren; und sie wurden alle mit Heiligem Geiste erfüllt und redeten das Wort Gottes mit Freimütigkeit.

  • Apg 6,3: So sehet euch nun um, Brüder, nach sieben Männern aus euch, von gutem Zeugnis, voll [Heiligen] Geistes und Weisheit, die wir über dieses Geschäft bestellen wollen.

  • Apg 7,55: Als er [Stephanus vor seiner Steinigung] aber, voll Heiligen Geistes, unverwandt gen Himmel schaute, sah er die Herrlichkeit Gottes, und Jesum zur Rechten Gottes stehen.

  • Apg 9,17: Da ging Ananias hin und trat in das Haus; und er legte ihm [Paulus] die Hände auf und sprach: Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir erschienen ist auf der Straße, die du herkamst, damit du weder sehend wirst und erfüllt wirst mit dem Heiligen Geist!

  • Apg 11,24: Denn er [Barnabas] war ein guter Mann und voll Heiligen Geistes und Glaubens; und eine zahlreiche Menge wurde dem Herrn hinzugetan.

  • Apg 13,9: Saulus aber, der auch Paulus heißt, erfüllt mit Heiligem Geiste, blickte unverwandt auf ihn hin und sprach: O du, voll aller List und aller Bosheit, Sohn des Teufels, Feind aller Gerechtigkeit!

  • Apg 13,52: Die Jünger aber wurden [nachdem sie verfolgt und vertrieben wurden] mit Freude und heiligem Geiste erfüllt.

Verschiedene Aspekte dieser Schriftworte bestätigen das bisher Gesagte oder ergänzen es. Bei Stephanus war die Erfüllung mit dem Heiligen Geist ein „Dauerzustand“, genau das, wozu Paulus die Epheser und damit uns auffordert. Er war auch mit Weisheit erfüllt, was mit Erfüllung des Geistes einhergeht. „Ein Leben gegeben für den Herrn der Welt“ bis zur letzten Konsequenz des Märtyrertodes war das Ergebnis, dass er von diesem HERRN und seinem Geist erfüllt war und sein Glaubensauge auf diesen Herrn gerichtet war.

So ist es auch bei Paulus und Barnabas, die Gottes Gegenwart und Freude in der Verfolgung auf besondere Weise erleben.

Aus den zitierten Versen ist weiter ersichtlich, dass neben dem Zustand, dass wir ständig voll des Geistes sind, auch in besonderen Momenten besondere Geistesfülle brauchen. Wenn das Wort verkündigt wird, wie in der Apostelgeschichte der Fall, oder bei den Eltern von Johannes, wirkt der souveräne Geist mit besonderer Kraft in dem ergebenen Diener.

Aus der Ansammlung der Schriftstellen kann man folgende Kennzeichen und Auswirkungen der Geistesfülle herausstellen:

  • Gotteslob (Eph 5,19.20; Apg 2,11)
  • freimütige und wirkungsvolle Predigt (Apg 4,31)
  • Weissagung (Apg 4,8)
  • Erfüllung mit Freude (Apg 13,52)
  • Erfüllung mit Weisheit (Apg 6,3)
  • Erfüllung mit Kraft
  • Reden in fremden Sprachen (Apg 2,4)
  • Empörung (Apg 13,9)

Ein, wenn auch schwaches Beispiel, das diese beiden Aspekte der Erfüllung mit dem Geist verdeutlicht: Es gibt Wasserauffangbecken, die für Regenwasser genutzt werden und gleichzeitig von einer beständig fließenden Quelle versorgt werden. Beide Zuflüsse sind notwendig, um beständig ausreichend Wasser zu haben. Der Regen, der nicht immer, sondern nur manchmal vom Himmel fällt, kann eingefangen werden genauso wie das Wasser, was immer fließt.

Für besondere Momente, wo der Diener des Herrn, welche wir alle sind, eine besondere Aufgabe hat, eine besondere Herausforderung erlebt, darf er auf die besondere Fülle, Kraft und Leitung des Heiligen Geistes hoffen und darum flehen.

Zusammenfassung: Was bedeutet es, durch oder mit dem Geist erfüllt sein?

„Erfüllung mit dem Heiligen Geist“ kann fast nicht für sich selbst erklärt werden. An die Epheser hat Paulus schon vorher von „Erfüllung“ geschrieben und dafür in ergreifender Weise gebetet:

Eph 3,14-19: Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater [unseres Herrn Jesus Christus], von dem jede Familie in den Himmeln und auf der Erde benannt wird, damit er euch gebe, nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit mit Kraft gestärkt zu werden durch seinen Geist an dem inneren Menschen; dass der Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne, indem ihr in Liebe gewurzelt und gegründet seid, damit ihr völlig zu erfassen vermögt mit allen Heiligen, welches die Breite und Länge und Höhe und Tiefe sei, und zu erkennen die die Erkenntnis übersteigende Liebe des Christus, damit ihr erfüllt sein mögt zu der ganzen Fülle Gottes.

Auch hier wird deutlich, dass „Erfülltsein mit dem Geist“ keinen isolierten Sonderfall beschreibt, sondern in einer Reihe steht mit dem Wirken Gottes, das immer das Ziel hat, uns zu erfüllen zu unserem Segen und zur Anbetung und zum Lobpreis Gottes.

In diesem Gebet fleht Paulus auf Knien – diese Brisanz sollte uns im Herzen treffen zur Nachahmung –

  • um Stärkung durch den Geist an dem inneren Menschen (der Geist gibt und erfüllt mit Kraft)
  • Christus soll in unseren Herzen wohnen (es ausfüllen und regieren)
  • die die Erkenntnis übersteigende Liebe des Christus sollen wir erkennen (auf das sie uns erfüllt)
  • alles das führt dazu, dass wir zu der ganzen Fülle Gottes erfüllt werden (schon jetzt, nicht erst im Himmel).

Das wird Gott in unserem Leben tun und mehr, wenn wir Ihn darum bitten! Und das führt, so wie unser Leitvers sagt, zum Lobpreis seiner Herrlichkeit in der Gemeinde (Eph 3,20.21).

Wie werde ich mit dem Geist erfüllt?

Die Grammatik dieses Befehls ist durchaus bemerkenswert. Es ist eine sogenannte Imperativ-Passiv-Form. Erstens ist es ein Imperativ, ein Befehl. Doch gleichzeitig ist es eine Passiv-Form. Wir können uns nicht selbst mit dem Geist erfüllen; ist es doch Gott selbst und nicht eine Sache oder eine Kraft, die man kontrollieren, handhaben oder beeinflussen kann z.B. durch Musik oder gewisse Körper- oder Geisteshaltungen. Der Befehl soll uns bereit machen und die Voraussetzungen schaffen, dass der Geist uns kontrollieren und leiten kann. Es ist meine Verantwortung, dazu bereit zu sein. Der Geist wartet darauf, uns zu erfüllen, wenn wir die Bereitschaft dazu beweisen durch Gehorsam dem Wort gegenüber. John Bunyan verglich dies mit dem Segel eines Schiffes, das ausgefahren werden muss, um den Wind einzufangen und vorangetrieben zu werden. Ist das Segel durch Sünde oder ein fleischliches, weltliches oder egoistisches Leben defekt, ist ein geistliches Vorankommen unmöglich.

Es geht darum, von uns selbst loszukommen, aus unserem Leben zu entfernen, was nicht in die Gemeinschaft mit Gott passt. Es geht darum, das Gefäß unseres Lebens und unserer Herzen sauber zu halten, damit Gott es erfüllen und kontrollieren kann.

Wir wollen diesen Begriff „erfüllt“ werden aber letztlich nicht einfach nur mit anderen Begriffen gleichsetzen, weil der Geist Gottes in diesem Fall sich für dieses Wort entschieden hat. „Erfüllung“ bedeutet, dass der Geist Gottes uns mehr und mehr in Besitz nehmen will, indem er uns durchdringt bis in den letzten Winkel unseres Lebens, indem er uns hilft im Dienst, indem er uns zum Lobpreis bringt und auch zur ständigen Dankbarkeit.

Auch hier sei der unmittelbare Textzusammenhang, in der unser Leitvers steht, erwähnt, weil er uns einige Dinge aufzeigt, die man als Voraussetzung der Erfüllung mit dem Geist betrachten kann:

Eph 5,15-17: Gebt nun acht, wie ihr sorgfältig wandelt, nicht als Unweise, sondern als Weise, die die gelegene Zeit auskaufen, denn die Tage sind böse. Darum seid nicht töricht, sondern verständig, was der Wille des Herrn sei.

Wichtig soll uns immer sein, dafür zu beten, dass der Geist frei wirken und sich entfalten und uns kontrollieren kann. Gleichzeitig sollten wir auch dafür beten, auch keine falsche Vorstellung oder Erwartung zu haben von der Erfüllung mit dem Geist. Es geht nicht zuerst um große Dinge, sondern um unseren normalen Alltag, in dem wir als Christen leben, denken, handeln und reden wollen. Das alleine bedarf schon einer enormen Fülle des Geistes, oder nicht?

Was muss ich tun, um „nicht“ erfüllt zu werden?

Das ist eine provokante Frage, aber ihre Beantwortung kann aufdecken, warum unser Christenleben so ausgetrocknet, so kraftlos und so gleich der Welt ist, die weder Gott noch seinen Geist kennt.

Wenn mir meine Interessen, meine Hobbys (auch christliche) wichtiger sind als Gottes Reich und Gemeinde, dann werde ich Gottes Geist und sein Wirken nicht erleben. Wenn ich voll bin von Zorn und Wut, von Egoismus in meiner Ehe und Familie, dann habe ich zu meiner Schande erreicht, vor dem Paulus warnt:

Eph 4,30: Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, durch den ihr versiegelt worden seid auf den Tag der Erlösung. {Jes 63,10}

Der Heilige Geist schuf die Einheit der Kinder Gottes (Eph 3,1-3) und Er tut alles, damit diese auch gelebt und realisiert wird. Jeder Streit und jede Trennung ist deshalb zur Betrübnis des Geistes Gottes. Er ist eine Person, ER ist Gott. Wenn uns bewusster wäre, dass wir auch als Kinder Gottes Gott betrüben können, würden wir manchmal anders miteinander umgehen und den Frieden mehr suchen.

1Thes 4,19.20: Den Geist löscht nicht aus; Weissagungen verachtet nicht;

Gott spricht zu uns durch sein Wort und die Verkündigung desselben, auch durch Geschwister, die in diesem Sinne direkt zu uns sprechen. Wenn wir alles dies an uns abprallen lassen, löschen wir sogar den Geist aus, der hier mit einem Feuer verglichen wird, allerdings dieses Mal nicht in Verbindung mit Gericht, sondern damit, dass unsere Herzen für den Herrn Jesus und seine Sache brennen sollen.

Bewusst oder unbewusst?

Wir fragen uns, ob man die Erfüllung mit dem Geist emotional wahrnehmen kann. Bei allen Zeugnissen der Schrift über Personen, die das erfuhren, sagen sie dies nicht von sich selbst. Die Erfüllung war an sich auch nicht das wahrnehmbare Ereignis, sondern vielmehr worin es sich äußerte. Natürlich ist „Freude“ eine starke und wahrnehmbare Emotion, aber es gibt auch den „Befehl“ zur Freude, der genauso wie der zur Erfüllung mit dem Geist zu jeder Zeit gilt (Phil 4,4). Es gibt Zeiten besonderer Freude, wie es die Jünger in der Verfolgung erfuhren, aber auch Zeiten der Freude an unserem Heil, ohne außergewöhnliche Anlässe in unserem Leben.

Mir ist wichtig, dass wir die „Erfüllung mit dem Geist“ nicht abhängig oder „messbar“ machen an unseren Gefühlen, weil sie uns auch täuschen können. In anderen Worten: Erfüllung mit dem Geist ist kein Gefühl, aber es kann durchaus solche Momente geben, wie uns die Schrift ja berichtet. Bei der Verkündigung des Wortes fühle ich mich oft schwach und völlig unfähig, aber wenn hernach Geschwister dankbar sind für das Wort und die Erbauung, die sie erfahren haben, dann war ich erfüllt vom Geist „ohne es zu merken“.

Keine Ausnahmen – beständig, jetzt und immer

Auch wenn es bereits thematisiert wurde, ist es wichtig, diesen Aspekt der Erfüllung mit dem Geist nie zu vergessen. Nicht besondere Momente hat Paulus im Sinn, sondern unser ganzes Leben, jeden Tag, jede Stunde. Lasst Euch beständig, immer und zu jeder Zeit erfüllen von Gottes Geist. Seid immer Gott ausgeliefert. Vertraut Ihm ganz. Erwartet alles von Ihm. Gebt der Sünde und dem Teufel keinen Raum, zu keiner Zeit.

Erfüllung „durch“ oder „zum“ Gotteslob und Dankbarkeit?

Es wäre allerdings eine Einengung des Textes, wenn wir die genannten Dinge, die mit dem Gotteslob zu tun haben, nur als „Folge“ oder „Auswirkung“ der Erfüllung mit dem Geist betrachten. Sie sind doch gerade auch dazu gedacht, dass wir das Wirken des Geistes erfahren, indem wir untereinander bzw. zueinander reden und singen. Das ist gegenseitige Erbauung und Ermunterung. Jeder wird wohl auch das als eine Hilfe gerne annehmen, um mit dem Geist erfüllt zu werden. Das bestätigt auch unsere Erfahrung im Zusammenkommen der Gemeinde oder bei anderen Anlässen, wo Christen zusammenkommen, wenn die Freude des Heiligen Geistes durch gemeinsames Singen zum Gotteslob in unsere Herzen einzieht.

Hier besteht die Gefahr, dass wir diese Dinge so instrumentalisieren, dass alleine das Musizieren, alleine das Singen von Liedern automatisch zur Erfüllung mit dem Geist führt. Ein „Lobpreis-Event“ oder eine „Worship-Night“ ist noch keine Garantie, diese Erfüllung zu erleben. Der Lobpreis fängt im Herzen an, es kommt dann auch zuerst Gott zu und ist keine Aktivität, bei der wir uns etwas abholen. Natürlich ist echtes Gotteslob und Anbetung, auch wenn es alleine von uns weg auf den Herrn gerichtet ist, eine besondere Erfahrung, bei der wir gesegnet und erfüllt werden.

Was Geistesfülle nicht ist

Viele Christen denken, mit dem Geist erfüllt zu sein, wäre ein außergewöhnlicher Moment wunderbarer Gefühle und Erfahrungen oder der Ekstase. In unserem Leitvers geht es nicht um besondere Momente, sondern um unser ganzes Leben. Die Erfüllung mit dem Geist soll zuerst eine normale und ständige Erfahrung des Christen sein.

Die ersten Symptome der Erfüllung mit dem Geist sind deshalb nicht das Reden in Zungen, auch keine besonderen Zeichen. Es ist in unserem Leitvers das Gotteslob, das aus dem Herzen kommt, das durch den Geist, das Wort und durch Christus erfüllt wird.

Der Befehl, mit dem Geist erfüllt zu werden, folgt dem Befehl, nicht durch übermäßigen Alkoholgenuss unkontrolliert – oder anders ausgedrückt: vom Alkohol kontrolliert zu werden. Dieser Vergleich ist keine Parallele in dem Sinn, dass Betrunkene und vom Geist erfüllte eine Ähnlichkeit aufzeigen. Es ist eine „Gegen-Parallele“. Die Übereinstimmung besteht darin, von etwas „voll“ und kontrolliert zu sein, aber die Ergebnisse sind total verschieden: Auf der einen Seite Unkontrolliertheit, Unnüchternheit höchster Stufe und Ausschweifung, aber Nüchternheit, Gotteslob, Dank und gegenseitige Unterwürfigkeit auf der anderen Seite.

Es ist wirklich fatal, mit diesen Worten zu begründen, dass Geisterfüllung zu bestimmten Anlässen zu einem Verhalten führt, das man auch als Trunkenheit deuten oder damit vergleichen könnte.

Dazu sagt Paulus, dass wir den Geist der Besonnenheit, der Selbstkontrolle, des gesunden Sinnes und der Beherrschtheit empfangen haben (2Tim 1,7). Das steht im krassen Gegensatz zu folgenden Phänomenen, die man als durch den Geist Gottes gewirkt erklären möchte:

  • Menschen die unkontrolliert, laut und unnatürlich lachen
  • Menschen, die hin- und hergeschüttelt werden, die umfallen oder umgeworfen werden
  • Menschen, die in unverständlichen Lauten reden, was man fälschlicherweise Zungenreden nennt
  • Menschen die sich in einem entrückten und abgehobenen Geisteszustand befinden.

Solches Verhalten – man muss nicht eine solche Zusammenkunft besuchen, man kann dies auf www.youtube.de in allen Varianten anschauen – wird an keiner einzigen Stelle als Folge der Erfüllung mit dem Geist beschrieben.

Ein einziges Mal lesen wir von einer Situation, aus der man dies ableiten könnte:

  • Apg 2,13: Andere aber sagten spottend: Sie sind voll süßen Weines.

Dieser Spott bezieht sich auf die Tatsache, dass ungebildete Leute plötzlich in fremden, aber damals existenten Sprachen redeten, die von den Ausländern, die zu diesem Augenblick in Jerusalem waren, verstanden wurden. Es war unberechtigter Spott, der Gutes – nämlich das Sprechen gewöhnlicher Leute in ausländischen Sprachen – in den Schmutz zog. Man kann nicht diese Reaktion, den Spott ungläubiger Menschen als Begründung heranziehen, vom Geist erfüllte Menschen könnten mit Betrunkenen verglichen werden oder gar, dieser Zustand sei erstrebenswert. Der Name Jesu sollte Grund für den Spott der Welt sein und nicht ein ekstatisches Verhalten.

Wer die Betonung auf besondere Momente und besondere Phänomene legt, kann sich selbst leicht etwas vormachen.

Vorsicht vor der Vorsicht

Es geht aber andererseits auch nicht darum, vorzuschreiben, wie es sich ausdrückt, wenn der Geist Gottes einen Christen in besonderer Weise für einen besonderen Moment erfüllt. Der Herr Jesus sagt einmal, dass man vor Freude „hüpfen“ soll (Lk 6,23), wenn wir um seines Namens willen verfolgt werden, was wir in der Apostelgeschichte mehrmals gefunden haben. Doch kennen wir in unseren westlichen Ländern wohl kaum die Verfolgung, von der hier gesprochen wird.

Denken wir daran, wie Freude bei den verschiedenen Völkern aller Breiten- und Längengrade dieser Welt geäußert wird. Die Äußerung der Freude des Heiligen Geistes ist keinem Schema unterworfen, der Geist wirkt, wie und wo Er will (Joh 3,8), aber niemals im Widerspruch zu dem Wort, das Er selbst inspiriert hat.

Satan hat leider auch gepunktet, wenn er uns so ängstlich gemacht hat vor dem Extremismus, der mit dem Heiligen Geist in Verbindung gebracht wird, dass wir in Furcht vor dem Falschen das Richtige verpassen. Wir sollen uns wieder mehr darauf verlassen, dass der Heilige Geist in uns wohnt, in uns wirkt und uns zu einem siegreichen Christenleben gegeben wurde.

Geistestaufe und Geistesfülle

Auch diese beiden Begriffe können leicht verwechselt werden. Sie haben zwar beide mit dem Geist zu tun, bedeuten aber nicht dasselbe. Mit der Taufe mit dem Heiligen Geist war das Ereignis zu Pfingsten gemeint, das Paulus im Rückblick so beschreibt:

  • 1Kor 12,13: Denn auch in einem Geiste sind wir alle zu einem Leib getauft worden, es seien Juden oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geiste getränkt worden.

Gemeint ist hier, dass jedem Gläubigen der Heilige Geist gegeben wurde, d.h. damit getränkt oder wie der Begriff Taufe meint, darin eingetaucht wurde. Zu Pfingsten wurde durch die Gabe des Heiligen Geistes der Leib Christi, die Gemeinde, gebildet. Auch heute hat diese Taufe noch ihre Auswirkung, wenn ein Mensch zum Glauben kommt und mit dem Heiligen Geist versiegelt wird und dadurch in den Leib Christi eingefügt wird. Diese Taufe wiederholt sich nicht. Die Erfüllung mit dem Geist ist aber im Gegensatz dazu ein ständiger Prozess der Inbesitznahme durch den Geist, der mit unserer täglichen Bereitschaft einhergeht.

Durst nach Gott

Unser Glaubensleben sollte geprägt sein von einem echten Verlangen nach Gott. Um die Erfüllung mit dem Geist zu erfahren, ist unser Verlangen und tägliches Gebet, dass der Geist uns erfüllt, dass Gott uns erfüllt, dass die Liebe Jesu uns erfüllt. Haben wir diese Sehnsucht erlebt, gehört sie zu unserem normalen Empfinden, so wie es die Söhne Korahs ausdrücken?

  • Ps 42,2.3: Wie ein Hirsch lechzt nach Wasserbächen, also lechzt meine Seele nach dir, o Gott! Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott: Wann werde ich kommen und erscheinen vor Gottes Angesicht?

Auch das Gebet Davids ist uns eine Hilfe. Wir wollen uns nicht auf alttestamentlichen Boden stellen, wenn wir dieses Gebet so oder ähnlich sprechen oder diesen Text in einem Lied singen. Unsere Bitte ist nicht, dass Gott uns den Geist nicht wegnimmt, sondern dass sein Wirken nicht aufhört:

  • Ps 51,10.11: Schaffe mir, Gott, ein reines Herz, und erneuere in meinem Innern einen festen Geist! Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und den Geist deiner Heiligkeit nimm nicht von mir! Lass mir wiederkehren die Freude deines Heils, und mit einem willigen Geiste stütze mich!

Zum Schluss: Ein Bild der Geistesfülle

Manchmal wird das Bild gebraucht von einem Glas, in das Wasser gegossen wird, um damit die Fülle des Geistes zu verdeutlichen. Doch dieses Bild hinkt ein wenig, denn der Geist wohnt immer in uns in vollem Maße sozusagen, wir sind ein für alle Mal mit dem Geist versiegelt worden (Eph 1,13). Ich werde auch nicht aufgefordert, dass der Geist in mir „wohnen“ soll, denn Er ist bereits da. Besser passt das Bild von einem Glas, das keinen Boden hat; ein Rohr also, durch welches das Wasser hindurchfließen kann. So kann der Geist durch uns wirken und wie der Herr Jesus sagt: Ströme lebendigen Wassers aus uns hervorfließen lassen zum Segen für andere (Joh 4,14; 7,37-39).

Mit dem Geist erfüllt zu werden, bedeutet die Aufgabe unseres Willens, unserer Wünsche, unserer Zeit und Talente. Das bedeutet, unser Leben als ein Schlachtopfer hinzugeben (Röm 12,1.2). Das ist ein ständiger Prozess der Erneuerung durch den Geist.

In Galater 5,5 zitierten wir: „Denn wir erwarten durch den Geist aus Glauben die Hoffnung der Gerechtigkeit.“ So ist der Heilige Geist bemüht, die Hoffnung auf das baldige Kommen Jesu, um seine Brautgemeinde in das Vaterhaus zu holen, wachzuhalten. Es ist fast so, als wollte der Geist selbst mit der Brautgemeinde nach Hause: „Und der Geist und die Braut sagen: Komm!“ (Off 22,17). Hat der Geist die Wirkung auf uns, dass wir seinen Ruf hören und darauf die Antwort geben: Komm!?


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