Was verhindert die Gemeinschaft z.B. beim Brotbrechen?
Zum Thema Verunreinigung

SoundWords

© SoundWords, online seit: 09.05.2001, aktualisiert: 13.01.2018

Frage/Anmerkung

zu dem Artikel „Anmerkungen zum Lake Geneva Conference Report“ der SoundWords-Redaktion

Liebe Brüder von SoundWords,

ich möchte einige Gedanken zu den Anmerkungen zum Lake Geneva Conference Report beitragen. Jeder Christ wird sicher zustimmen, dass es richtig ist, biblische Begriffe und Zusammenhänge zu analysieren und dann auf das Leben anzuwenden ( wie z.B. den Begriff „Verunreinigung“). Nur darf man m.E. nicht die andere Seite, die Lebenspraxis, außer Acht lassen. Genauso wenig wie die Bibel ein klassisches Lehrbuch ist, sondern die Erzählung der Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen, und genauso wenig wie der Herr Jesus in erster Linie ein Lehrer der Gedanken Gottes war, sondern sie lebte, so wenig entscheidet sich „christliche Qualität“ an einem theoretischen Verständnis bestimmter Begriffe, sondern am praktischen Lebensvollzug, an der mitunter sehr schwierigen Umsetzung meist sehr einfacher göttlicher Gedanken im täglichen Leben.

Nehmen wir ein Beispiel: Ein Freund von mir ist Prediger in einer Landeskirchlichen Gemeinschaft. Wir besuchen uns gegenseitig, wissen auch einiges über unsere Motive und Gedanken ( was man meist überhaupt nur wissen kann, wenn man sich gut kennt). Sicher werde ich normalerweise bei einem Besuch unsere Gastfamilie sonntags nicht in der Kirche abgeben, sondern in die „Versammlung“ mitnehmen. Die Lehre des Herrn Jesus über Verunreinigung ist eindeutig und auch einfach. Auf unsere Gäste angewandt heißt das, dass Böses bei ihnen nicht erkennbar ist bzw. bereut und von Gott vergeben wird. Ihr Bekenntnis ist glaubwürdig und ich hätte auch niemals die Absicht, die zu beurteilen, weil ich einfach keinen Grund zum Zweifel an ihrer „Reinheit“ habe. Als Kinder Gottes haben sie das natürliche Recht und die Pflicht, an seinem Tisch Platz zu nehmen. Hier gibt es jedoch ernsthafte Bedenken. In der evangelischen Kirche gibt es eine Vermischung von Gläubigen und Ungläubigen. Von der Kanzel kann die Bibel als Märchenbuch abqualifiziert werden. Viele Teile dieser Kirche passen sich dem Zeitgeist an (Beispiel: „Trauung“ von Homosexualität praktizierenden Menschen). Da es, wie in eurem Artikel dargelegt, eine „mystische“ Verunreinigung nicht gibt, stellt sich die Frage, ob ein Gläubiger, der aktives Mitglied dieser Kirche ist, Gleichgültigkeit gegenüber dem Bösen zeigt, also selbst böse ist. Wir haben diese Fragen miteinander besprochen. Ist meinem Freund der Zustand „seiner“ Kirche bewusst? Ja. Möchte er die Mitgliedschaft beenden? Nein. Möchte er 2. Timotheus 2,14-26 in seinem Leben umsetzen? Ja. Wie will er das machen? Indem er in dieser Kirche, an dem Platz, wo er ist, Gottes Wort verkündigt, das Evangelium weitersagt und versucht, die Gläubigen in seiner Umgebung zu stärken. Ich kann das kritisieren, sagen, dass es sowieso keinen Zweck hat usw., aber die Frage ist: Verurteilt der Herr Jesus eine solche Entscheidung? Ich denke nicht, weil es Gottes Wort nicht tut. Persönlich habe ich mich von erkanntem Bösen zu distanzieren, aber wie sieht das konkret aus? Fast alle Gemeinden im NT zeigen beklagenswerte Zustände und werden von Gott darauf aufmerksam gemacht. Sollten die Gläubigen dort in jedem Fall weggehen? Ich sehe meine Aufgabe u.a. darin, meinen eigenen Zustand in Gottes Licht zu beurteilen und auch nach dem Zustand meiner Gemeinde am Ort zu fragen. Dort wird vielleicht Gottes Wort nicht von der Kanzel herab verleugnet, aber doch oft in der Tat. Wie sieht es aus mit Bruderliebe, Thema Geld, mit sozialem Ausgleich, Sexualität, Offenheit für Ungläubige mit Wahrhaftigkeit und Realitätssinn? Es gibt genug zu tun. Sollte ich wegen offensichtlich auch bei uns vorhandener Sünden und der Gleichgültigkeit ihnen gegenüber diese Gruppe nun verlassen und eine noch „heiligere“ Gemeinde suchen? Das, was Gottes Geist erreichen will, ist die Feinausbildung unseres (meines eigenen) Gewissens. Auf Gewissensfragen gibt es oft keine einfache Antwort, die für jeden gilt. Definitionsversuche von „Verunreinigung“ allein helfen nicht weiter. Mich interessieren die Fragen: Würdet ihr wirklich eure Brüder und Schwestern suchen? Nehmt ihr das Bekenntnis von Mitgeschwistern ohne Argwohn ernst, solange euch nichts anderes bekannt wird? Seid ihr bereit, jeden Gläubigen ohne Wenn und Aber anzunehmen? Stellt euch Gläubige in eurer Umgebung vor, die ihr kennt und von denen ihr lernt. Ist es euer Anliegen, mit ihnen volle Gemeinschaft zu haben, und beschäftigt euch die Frage, wie das in dieser schwierigen Zeit wohl möglich sein könnte, oder versucht ihr, die Hinderungsgründe zu definieren?

Wenn es nicht den Spielraum des persönlichen Gewissens wie in obigem Beispiel gibt, sind Spaltungen unter Christen die logische Folge. Gottes Segen, auch für eure exzellente Web-Seite, wünscht euch

T.

Antwort

Lieber T.,

wir haben uns wirklich sehr über deine Gedanken zum Thema „Verunreinigung“ gefreut. Es ist lehrmäßig gesehen tatsächlich leichter, darüber zu sprechen, als dies in der Praxis umzusetzen. Und wir geben dir unbedingt recht, dass eine lehrmäßige Betrachtung unbedingt auch eine praktische Auswirkung haben muss. Alles andere wäre tatsächlich heuchlerisch. Reine Theorie ist unbefriedigend.

Bitte habe Verständnis, wenn wir in unseren „Anmerkungen zum Lake Genova Report“ nicht auf diesen praktischen Aspekt detaillierter eingehen konnten, dass hätte den Rahmen gesprengt.

Nun zu deinem Beispiel mit dem Prediger aus der landeskirchlichen Gemeinschaft. Du führst unsere „Anmerkungen zum Lake Genova Report“ an, indem du sagst, dass es ja eine „mystische“ Verunreinigung nicht gebe, und dazu stehen wir auch nach wie vor, ob aber nun deine Schlussfolgerung richtig ist, wollen wir nun sehen. Der angesprochene Prediger ist selbst ein treues Kind Gottes und wandelt nach dem Maß an Licht, das der Herr ihm gegeben hat. Angenommen, der Prediger weiß nicht, was in seiner sog. Kirche alles geduldet wird – in unserer Zeit in Deutschland bei der erforderlichen Ausbildung eigentlich gar nicht möglich –, oder er ist völlig unwissend über die Belehrungen aus 2. Timotheus 2, wo wir aufgefordert werden, uns von der Ungerechtigkeit zu reinigen: In diesem Fall wollen wir diesen Bruder (Prediger) aufnehmen; würden wir es nicht tun, würden wir uns nicht nur sektiererisch verhalten, sondern auch das Maß an Licht, das jemand hat, zum Maßstab für die Aufnahme beim Brotbrechen machen. Das hätte unser Herr sicherlich nicht getan und wir wollen es auch nicht. Aber wir wollen erst mit ihm ein persönliches Gespräch suchen, bevor er am Brotbrechen teilnimmt, so dass er ein Verständnis über die Stelle z.B. in 2. Timotheus 2 bekommen kann. Natürlich können wir nicht erwarten, dass jemand diese Belehrungen sofort versteht und auch praktisch danach handelt, wir müssen auch hier Geduld haben, so viel Geduld, wie der Herr auch mit uns gehabt hat (in vielen anderen Dingen). Nun kommt aber der Fall, dass dieser Prediger sehr gut weiß, was in seiner sog. Kirche los ist, und auch darüber belehrt ist, dass wir uns von der Ungerechtigkeit zu trennen haben – wie in deinem Fall. Aber er sagt: Ich will nicht, ich habe so viele Freunde hier, alle meine Verwandten gehen hierhin, ich kann doch noch ein Zeugnis sein (nebenbei: Lot hat sicher auch solche Ausreden gehabt) usw. In solch einem Fall geht zwar nicht die Verunreinigung der Kirche auf den Prediger über, aber sein Herz ist doch gleichgültig gegenüber dem Bösen in seiner Kirche, und genau das ist es, was uns verunreinigt nach Markus 7,15-23: „Alles, was aus dem Herzen hervorgeht …“ Hierbei geht es überhaupt nicht darum, ob es nun Zweck hat, dort zu bleiben oder nicht, sondern es geht darum, dass Gottes Wort eindeutig ist, wenn es sagt: „Wenn sich jemand von diesen wegreinigt …“ Gott kann jemand, der diesem Wort nicht folgt, eben nicht als „ein Gefäß zur Ehre, nützlich dem Hausherrn, zu jedem guten Werk bereitet“ ansehen. Diese Tatsache muss dann allerdings auch unser Verhalten zu solch einem Menschen bestimmen.

Ein ganz wichtiger Punkt an dieser Stelle ist jedoch noch, dass es verschiedene Stufen der Absonderung gibt. Wenn mir Böses bewusst wird oder ich Böses erkenne, dann bin ich verantwortlich, mich sofort davon zu distanzieren. Das gilt jedoch nicht für die Gruppe von Christen, mit der ich mich versammle. Hier kann und muss ich mich erst dann trennen/absondern, wenn Anstrengungen, meine Mitgeschwister vom Bösen zu überzeugen, fehlgeschlagen sind. John Nelson Darby sagte in Bezug auf Verunreinigung einmal sinngemäß: „Verunreinigung in demselben Moment, wo das Böse auftritt, lehrt das Neue Testament weder für den Moment, wo das Böse vorhanden ist, noch für den Moment, wo das Böse offenbar wird; wohl aber für den Moment, wo das offenbare Böse geduldet wird.“ Das ist hier tatsächlich das Problem, das von vielen oftmals übersehen wird. Oft meinen viele ernste Christen, gleich den zweiten Schritt (Absonderung von der Gruppe, mit der ich in Verbindung stehe) vor dem ersten tun zu müssen, weil man vergisst, dass der Herr Trennungen hasst und möchte, dass jemand, der in Sünde gefallen ist, wieder zurechtgebracht wird. Wenn jemand aber gegen das Böse gezeugt hat und ihm kein Gehör verliehen wurde, so ist er gezwungen, sich von dem Bösen abzusondern, und zwar nicht nur persönlich (dazu ist er natürlich sofort verpflichtet), sondern auch gemeinschaftlich. Aber wie gesagt erst in dem Moment, wo er das Böse dulden muss.

Sicherlich hast du recht: Wenn wir uns mit jemand anderem beschäftigen, dann sollten wir nicht blind für den eigenen Zustand bzw. den Zustand der Christen sein, mit denen man sich selbst versammelt. Auch hier gilt das gleiche Prinzip. Wenn wir auf Dauer statt Bruderliebe nur Ablehnung von den Geschwistern erfahren oder grundsätzlich an der Evangeliumsverkündigung kein Interesse mehr besteht oder Geschwister nachweislich unwahrhaftig leben und nur noch das Geld im Kopf haben, dann sind wir verantwortlich, den Geschwistern in der rechten Weise zu dienen. Wenn aber eine Gemeinde so tot ist, dass sich nichts mehr ändern lässt, dann bleibt uns nichts anderes übrig, als dieses System zu verlassen. Oder glauben wir, dass der Herr Jesus sich auf Dauer zu einem System bekennt, wo keine Bruderliebe vorhanden ist oder wo man kein Interesse mehr an der Evangeliumsverkündigung hat? Dies sind ernste Fragen! Prüfen wir uns selbst: Kann der Herr sich noch zu uns bekennen?

Nun hast du uns noch einige herzerforschende Fragen gestellt, und wir wollen mit Freuden auf alle Fragen mit Ja antworten, aber auch gleich einschränkend bekennen, wie schwach und jämmerlich diese Dinge oft bei uns sind. Aber es ist unser aufrichtiger Wunsch, mit denen den Herrn anzurufen, die den Herrn lieben und reinen Herzens sind. Ob sie viel oder wenig Erkenntnis haben, spielt keine Rolle; die einzige Bedingung für Gemeinschaft ist, dass man bereit ist, sich von erkanntem Bösem zu distanzieren. Wir wollen niemals die Wahrheit aus dem Auge verlieren, dass der Herr Jesus dafür gestorben ist, die zerstreuten Gotteskinder in eins zu versammeln, und dass die Versammlung Gottes aus allen wahren Heiligen besteht. Unser Wunsch ist, dass dies auch sichtbar wird. Dies ist unser Trost und auch unsere Freude. Wir wollen mit Dankbarkeit sagen, dass wir durch persönliche Kontakte oder auch durch Hauskreise etliche Kontakte pflegen zu solchen, die in allerlei andere Gemeinden gehen. Zwei von drei Redaktionsmitgliedern sind aus der Welt zum Glauben gekommen und haben dadurch auch noch einige Kontakte zu Ungläubigen, die wir weiterhin pflegen, damit auch jene zum Herrn finden. Auch die Arbeit mit SoundWords richtet sich in erster Linie an solche, die nicht unbedingt den gleichen kirchlichen Weg gehen wie wir. Dies ist ein sehr wichtiger Punkt bei der Frage, welche Zielgruppe wir erreichen wollen.

Wir haben nun einiges über Absonderung gesprochen, dabei wollen wir auch noch darauf hinweisen, dass eine gottgemäße Absonderung immer zwei Seiten hat: eine negative und eine positive. Wir müssen uns trennen von etwas, aber wir werden verbunden mit jemand, und dies ist kein Geringerer als unser Herr. Also lasst uns zu Ihm hinausgehen … Wenn man nur die negative Seite sieht, wird man schnell engherzig, pharisäisch und sektiererisch. Das ist in unseren Tagen eine ernste Gefahr.

Wir hoffen, unsere Gedanken ein wenig klargemacht zu haben, und würden uns freuen, wenn du auch weiterhin sagst, womit du eventuell nicht einverstanden bist. Wir alle erkennen immer nur stückweise.

Liebe Grüße
die SoundWords-Redaktion

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Hinweis der Redaktion:

Die SoundWords-Redaktion ist für die Veröffentlichung des obenstehenden Artikels verantwortlich. Sie ist dadurch nicht notwendigerweise mit allen geäußerten Gedanken des Autors einverstanden (ausgenommen natürlich Artikel der Redaktion) noch möchte sie auf alle Gedanken und Praktiken verweisen, die der Autor an anderer Stelle vertritt. „Prüfet aber alles, das Gute haltet fest“ (1Thes 5,21). – Siehe auch „In eigener Sache ...