Vorträge über den Brief an die Philipper (1)
Philipper 1

John Nelson Darby

© SoundWords, online seit: 13.11.2011, aktualisiert: 17.10.2016

Leitverse: Philipper 1

Verse 1.2

Phil 1,1.2: 1 Paulus und Timotheus, Knechte Christi Jesu, allen Heiligen in Christus Jesus, die in Philippi sind, mit den Aufsehern und Dienern: 2 Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!

In den Briefen an die Epheser und an die Kolosser zeigt uns Gott unseren Platz mit Christus; in dem Brief an die Philipper hingegen sehen wir den Gläubigen durch diese Welt gehen, als Christ in derselben wandeln. Es handelt sich darin nicht um eine Lehre, sondern wir sehen den Gläubigen in der Kraft des Geistes Gottes dem Kampfpreis entgegeneilen; denn das wahre Kennzeichen des Christen ist, dass er den Wettlauf ganz und gar in dieser Kraft des Geistes vollbringt. Daher wird in diesem Brief nicht von der Sünde gesprochen – das Wort Sünde kommt nicht ein einziges Mal vor – auch nicht vom Kampf im eigentlichen Sinne des Wortes. Nicht als ob der, der läuft, den Preis schon erlangt habe, aber er tut stets nur eins: Er jagt in der Kraft des Geistes Gottes hin zu dem Kampfpreis. Er hat ihn noch nicht ergriffen, jedoch sein einziges Bestreben ist, ihm entgegenzueilen. Er ist über alles erhaben, was in ihm und was in der Welt ist, ja völlig erhaben über alle Umstände.

Der Brief an die Philipper ist der Brief der Erfahrung, aber einer Erfahrung gemäß der Kraft des Geistes Gottes. Wir lernen in derselben, dass, obgleich wir fehlen, es dennoch möglich ist, in der Kraft des Geistes Gottes zu wandeln – nicht als ob das Fleisch verändert sei oder man dem Gedanken Raum geben dürfe, das Ziel sei erreicht (denn auf der Erde gibt es keine Vollkommenheit); wohl aber ist es möglich, stets in einer Weise zu handeln, die mit unserer Berufung, Christus in der Herrlichkeit zu erreichen, übereinstimmt. Da gibt es kein Streben nach stufenweisen Fortschritten in der Welt; der Christ wird betrachtet als erhaben über jede Art von Umständen, Widerwärtigkeiten und Schwierigkeiten; er sieht seinen Pfad über diesem allen.

Das Vorhandensein eines Pfades für uns beweist, dass wir den Ort, wohin Gott den Menschen gestellt hat, verlassen haben; der Pfad zeigt an, dass wir nicht daheim sind. Es ist gesegnet, in der Wüste einen Weg zu haben, und dieser Weg ist selbstredend Christus. Adam bedurfte keines Weges; er hätte ruhig in Eden bleiben können, wenn er Gott gehorsam gewesen wäre. Wir aber sind von Ägypten ausgezogen und noch nicht in Kanaan angelangt, wir eilen dem Ziel entgegen. Zahllose Dinge kommen auf dem Weg zum Vorschein; das Einzige jedoch, was uns zu tun obliegt, ist, zu laufen. Bei jedem Schritt gewinnen wir mehr von Christus, so wie wir von einer Lampe, die am Ende eines langen Weges brennt, immer mehr Licht empfangen, je näher wir kommen: Die Lampe selbst haben wir nicht erreicht, wohl aber nimmt ihr Licht für uns mit jedem Schritt zu. Wir sind von der Herrschaft des eignen Ichs gänzlich befreit und werden durch einen Beweggrund geleitet, der über den Umständen steht, so dass dieselben, obgleich wir nicht unempfindlich gegen sie sind, keinen Einfluss auf uns ausüben.

Verse 3-5

Phil 1,3-5: 3 Ich danke meinem Gott bei all meiner Erinnerung an euch 4 allezeit in jedem meiner Gebete, indem ich für euch alle das Gebet mit Freuden tue, 5 wegen eurer Teilnahme an dem Evangelium vom ersten Tag an bis jetzt, …

Die Philipper hatten regen Anteil am Evangelium genommen und ein liebendes Herz gezeigt. Wie unaufhörlich war der Apostel im Flehen für sie alle! So oft er betete, erwähnte er ihrer. Er trug die Versammlung Gottes auf dem Herzen und ebenso jeden einzelnen Heiligen. Er dachte an all das Gute unter ihnen und dankte Gott dafür. Welch ein Interesse hatte er für die Heiligen! Stets waren seine Gedanken mit ihnen beschäftigt. Sogar zu den Korinthern sagt er: „Ich danke meinem Gott allezeit eurethalben“ (1Kor 1,4).

Woran Christus denkt, daran sollten auch wir denken. Wenn Christus mein Leben und durch den Geist die Quelle meiner Gedanken ist, so werde ich in allen Dingen seine Gedanken haben; denn dann ist das vorhanden, was Christus angemessen ist. Ich habe mich inmitten der Umstände so zu verhalten, wie Christus sich verhalten würde: Das ist das christliche Leben. Es ist nie notwendig für uns, irgendetwas Böses zu tun; es ist nie notwendig, irgendwie nach dem Fleisch zu handeln; wenn auch das Fleisch vorhanden ist, warum sollte ich meine Gedanken durch das Fleisch leiten lassen? Ich werde es nicht tun, wenn ich mit Christus erfüllt bin, denn Er ist es, der mir die Gedanken einflößt.

Wenn ich in den Sinn und die Gedanken Christi eingegangen bin, so werde ich nicht ertragen können, in den Heiligen Böses zu erblicken; ich wünsche, sie Christus ähnlich zu sehen. Christus wirkt jetzt in den Herzen der Heiligen – „damit er sie heiligte, sie reinigend durch die Waschung mit Wasser durch das Wort“ (Eph 5,26) –, und es geziemt mir, mit Ihm in demselben Geist zu wandeln; aber dies vermag ich nur dann, wenn bei mir selbst alles in Ordnung ist. Christus gibt sich zuerst selbst für die Seinigen hin, und dann ist Er damit beschäftigt, sie zu reinigen und so darzustellen, wie Er sie haben will; das sollten auch unsere Herzen durch die Fürbitte zu tun begehren. Die Kraft dazu ist reichlich vorhanden, obwohl unser Standpunkt ein höchst niedriger ist. Der Herr kann seine Gnade entfalten, wie in den herrlichsten Tagen des Apostels. Zur Zeit, da man David nachjagte, „wie man einem Rebhuhn nachjagt auf den Bergen“ (1Sam 26,20), gab es viel mehr Ursache zur Freude als inmitten all der Herrlichkeit Salomos: In den Tagen der Leiden Davids war die Macht des Glaubens vorhanden.

Wir sollen mit allen Heiligen „völlig erfassen“ (Eph 3,18). Wir schmälern unsere Segnung, wenn wir nicht alle einschließen. Wir sind mit Christus dazu befähigt, und wenn wir mit Ihm wandeln, so müssen wir ihretwegen in Frieden sein. Die Fürbitte für die Heiligen befähigt denjenigen, der sie ausübt, alles Gute zu sehen, das in ihnen ist. Dies beweisen uns die Briefe, mit Ausnahme des Briefes an die Galater, in dem der Apostel nicht von dem spricht, was er loben konnte. Er greift hier von vornherein das Böse an, weil die Galater sich von der Grundlage des Christentums abwandten. Würden wir mehr für die Heiligen beten, so würden wir mehr Freude an ihnen haben, und unser Mut in Betreff ihrer würde zunehmen. Es ist immer verwerflich, wenn wir hinsichtlich der Heiligen den Mut verlieren, wiewohl es möglich ist, dass wir in die Lage des Propheten Jeremia kommen, zu dem der Herr sprach: „Bitte nicht für dieses Volk“ (Jer 7,16). Der Herr ist stets gegenwärtig, und an seiner Liebe wird es nie fehlen; wir dürfen daher mit Freude, Trost und Mut auf diese Liebe rechnen. Selbst nachdem der Apostel zu den Galatern gesagt hatte: „Ich bin euretwegen in Verlegenheit“, fügte er, indem er alsbald seinen Blick auf Christus richtete, hinzu: „Ich habe Vertrauen zu euch im Herrn“ (Gal 4,20; 5,10). Er sah die Heiligen unter dem sorgsamen Auge Christi, der stets bereit war, sie zu segnen.

Vers 6

Phil 1,6: … indem ich eben darin guter Zuversicht bin, dass der, der ein gutes Werk in euch angefangen hat, es vollenden wird bis auf den Tag Jesu Christi; …

Inwieweit betrachten wir alle Heiligen mit dem Herzen Christi und sind also getröstet und ermuntert, weil wir wissen, dass dort Gnade genug für sie vorhanden ist? „… indem ich eben darin guter Zuversicht bin, dass der, der ein gutes Werk in euch angefangen hat, es vollenden wird bis auf den Tag Jesu Christi“; und wie wir weiter unten lesen: „… damit ihr untadelig und lauter seid, unbescholtene Kinder Gottes“ (Phil 2,15).

Vers 7

Phil 1,7: … wie es für mich recht ist, dass ich dies über euch alle denke, weil ihr mich im Herzen habt und sowohl in meinen Fesseln als auch in der Verteidigung und Bestätigung des Evangeliums ihr alle meine Mitteilnehmer der Gnade seid.

Wir fühlen nur sehr schwach, wie wirklich die Einheit des Geistes ist; wir haben die Verwirklichung der Einheit in hohem Grade verloren, wiewohl wir sie als eine Wahrheit anerkennen. Es ist eine Einheit durch eine lebendige Macht, die sich in jedem Heiligen findet, so dass, wenn ein Glied leidet, die anderen Glieder nicht nur mitleiden sollen, sondern notwendigerweise mitleiden. Der Leib mag in einem solch unempfindlichen Zustand sein, dass er nur sehr wenig fühlt; und doch, angenommen der Heilige Geist wäre in Indien sehr wirksam, würden dadurch nicht die Heiligen hier in Europa belebt werden? Ebenso verhielt es sich in Bezug auf Paulus: Als die Heiligen für ihn beteten und Gott ihn stärkte, stieg Lob und Dank aus aller Mund empor (vgl. auch 2Kor 1,11). Die Wirksamkeit des Heiligen Geistes übt ihren gesegneten Einfluss auf alle Hörenden aus. Als aber der Apostel sagen musste: „Alle haben mich verlassen“ (2Tim 4,16; zwar hatten sie nicht Christus verlassen, allein es fehlte ihnen der Mut, sich der Gefahr preiszugeben), da setzte er seinen Weg allein fort. Wir wissen gar wohl, dass, wenn unser Körper einen Schmerz empfindet, alle unsere Nerven darunter leiden; wir können nicht so gut arbeiten wie sonst. Es kann sogar eine Lähmung unserer Geistesnerven eintreten, so dass wir beinahe alles Gefühl verloren haben, aber gänzlich kann dieses nicht zerstört werden.

Vers 8

Phil 1,8: Denn Gott ist mein Zeuge, wie ich mich nach euch allen sehne mit dem Herzen Christi Jesu.

Im achten Vers gelangen wir zu dem dem Brief eigentümlichen Charakter. Der Apostel war nicht vergesslich; er erinnert sich eines jeden, wenn auch noch so geringen Beweises der Liebe gegen ihn und fleht in seinen Gebeten, dass sie alle Erkenntnis und geistliche Einsicht erlangen möchten, um das zu tun, was sich zu tun geziemte – um zu verstehen, worin sich ein Ding vom anderen unterschied –, damit sie Kenner des christlichen Pfades würden, indem sie nicht nur nicht in Sünde fielen, sondern die nötige Einsicht hätten, um in den vorliegenden Umständen das Richtige zu tun; denn unser Maßstab ist die Befriedigung des Herzens Christi, und es geziemt uns nicht, bei dieser oder jener Sache zu sagen: Ich sehe nichts Böses darin. Der Apostel wünschte, dass die Philipper die Dinge jetzt so unterschieden, wie sie am Tag Christi im Licht erscheinen werden. Er sagt mit anderen Worten: Ich wünsche, dass ihr an den Herrn Jesus denkt und wisst, was sein Herz erfreut. Denn dann genießt man durch die wirksame Energie des Geistes Gottes die Wonne, Christus zu gefallen, und man erfreut sich an den Dingen, die vor Ihm so wohlgefällig sind.

Verse 12-19

Phil 1,12-20: 12 Ich will aber, dass ihr wisst, Brüder, dass meine Umstände mehr zur Förderung des Evangeliums geraten sind, 13 so dass meine Fesseln in Christus offenbar geworden sind in dem ganzen Prätorium und allen anderen, 14 und dass die meisten der Brüder, indem sie im Herrn Vertrauen gewonnen haben durch meine Fesseln, viel mehr sich erkühnen, das Wort [Gottes] zu reden ohne Furcht. 15 Einige zwar predigen den Christus auch aus Neid und Streit, einige aber auch aus gutem Willen; 16 diese aus Liebe, da sie wissen, dass ich zur Verteidigung des Evangeliums gesetzt bin; 17 jene verkündigen den Christus aus Streitsucht, nicht lauter, wobei sie meinen Fesseln Trübsal zu erwecken gedenken. 18 Was denn? Wird doch auf alle Weise, sei es aus Vorwand oder in Wahrheit, Christus verkündigt, und darüber freue ich mich, ja, ich werde mich auch freuen; 19 denn ich weiß, dass dies mir zum Heil ausschlagen wird durch euer Gebet und durch Darreichung des Geistes Jesu Christi …

Beachten wir ferner, wie Paulus über den Prüfungen seiner vierjährigen Gefangenschaft (er war zwei Jahre in Cäsarea und zwei in Rom) erhaben ist: „Ich will aber, dass ihr wisst, Brüder, dass meine Umstände mehr zur Förderung des Evangeliums geraten sind.“ Er hätte sagen können: Wäre ich nicht nach Jerusalem gegangen, hätte ich dort den Juden, die mich veranlassten, dieses und jenes zu tun, nicht Gehör gegeben, so könnte ich noch frei umhergehen und das Evangelium predigen. Doch er spricht nicht so, und ich möchte bei dieser Gelegenheit bemerken, dass nichts törichter ist, als auf Nebenursachen zu blicken. Es ist wohl möglich, dass wir nicht weislich gehandelt haben; allein derjenige, der über den irdischen Dingen lebt, weiß, dass alle Dinge uns zum Guten einwirken müssen: „Ich weiß, dass mir dies zur Seligkeit ausschlagen wird durch euer Gebet und durch Darreichung des Geistes Jesu Christi“ (PHil 1,19).

Wir lernen hieraus ferner, dass es eine wachsende Tätigkeit und Energie des Geistes Gottes gibt, die der Apostel „die Darreichung“ nennt, so dass, wenn wir auch nicht eine abermalige Ausgießung des Heiligen Geistes in der Weise erwarten können, wie sie bereits stattgefunden hat, wir dennoch auf die Darreichung des Geistes und auf seine durch das Wort dienende Gnade rechnen dürfen und sollen.

Verse 20-26

Phil 1,20-26: 20 … nach meiner sehnlichen Erwartung und Hoffnung, dass ich in nichts werde zuschanden werden, sondern mit aller Freimütigkeit, wie allezeit, so auch jetzt Christus erhoben werden wird an meinem Leib, sei es durch Leben oder durch Tod.21 Denn das Leben ist für mich Christus, und das Sterben Gewinn. 22 Wenn aber das Leben im Fleisch mein Los ist – das ist für mich der Mühe wert, und was ich erwählen soll, weiß ich nicht. 23 Ich werde aber von beidem bedrängt, indem ich Lust habe, abzuscheiden und bei Christus zu sein, denn es ist weit besser; 24 das Bleiben im Fleisch aber ist nötiger um euretwillen. 25 Und in dieser Zuversicht weiß ich, dass ich bleiben und bei euch allen bleiben werde zu eurer Förderung und Freude im Glauben, 26 damit euer Rühmen in Christus Jesus meinethalben überströme durch meine Wiederkunft zu euch.

Wir sehen hieraus, dass der Gedanke an eine Vollkommenheit im Fleisch nur Torheit ist, denn Paulus erwartete, Christus in der Herrlichkeit ähnlich zu sein. Das Herz ist immer auf seinem rechten Platz, wenn es sagen kann: Das Leben ist für mich Christus. Paulus hatte keinen anderen Gegenstand als Christus. Tag für Tag war Christus der Beweggrund seines Wandels; Er war sein Gegenstand und sein Charakter. Auf seinem ganzen Weg war Christus durch die Macht des Geistes Gottes sein Leben, so dass der Hass der Menschen und des Satans keine Macht über ihn hatte. Das Ich war praktischerweise verschwunden. Dachte er an sich selbst, so wusste er nicht, was er wählen sollte, ob hingehen und bei Christus ruhen oder bleiben und dienen. Bei Christus zu sein, war weit besser, aber dann konnte er nicht länger für Ihn tätig sein. So war das Ich als Triebfeder verschwunden, und Paulus rechnete hinsichtlich der Versammlung auf Christus; doch sobald er erkennt, dass das Bleiben im Fleisch nötiger ist um ihretwillen, so sagt er: „Und in dieser Zuversicht weiß ich, dass ich bleiben und bei euch allen bleiben werde zu eurer Förderung und Freude im Glauben.“ Er selbst entscheidet sein Urteil vor Nero. Wenn er an sich dachte, so wusste er nicht, was er wählen sollte; wenn er aber an diejenigen dachte, die Christus teuer waren und seiner Anwesenheit bedurften, so sagte er: „Ich weiß, dass ich bleiben werde.“

Der Herr gebe, geliebte Brüder, dass Er unser einziger Gegenstand sei und wir uns nie von ihm abwenden lassen, damit wir sagen können: Eins tue ich. Er schenke uns Gnade, die wahren Briefe Christi zu sein, bis Er kommt. Welch ein glänzendes und gesegnetes Zeugnis würde dann die Versammlung Gottes sein! Wenn wir weniger Kampf und Furcht haben als Paulus, so hat dies seinen Grund darin, dass wir weniger Energie besitzen.

Verse 27-30

Phil 1,27-30: 27 Wandelt nur würdig des Evangeliums des Christus, damit, sei es, dass ich komme und euch sehe oder abwesend bin, ich von euch höre, dass ihr feststeht in einem Geist, indem ihr mit einer Seele mitkämpft mit dem Glauben des Evangeliums 28 und euch in nichts erschrecken lasst von den Widersachern; was für sie ein Beweis des Verderbens ist, aber eures Heils, und das von Gott. 29 Denn euch ist es im Blick auf Christus geschenkt worden, nicht allein an ihn zu glauben, sondern auch für ihn zu leiden, 30 da ihr denselben Kampf habt, wie ihr ihn an mir gesehen habt und jetzt von mir hört.

Bevor ich auf das zweite Kapitel näher eingehe, möchte ich zuerst noch einige Worte über die letzten Verse des ersten Kapitels sagen: „… und euch in nichts euch erschrecken lasst von den Widersachern; was für sie ein Beweis des Verderbens ist, aber eures Heils, und das von Gott. Denn euch ist in Bezug auf Christus geschenkt worden, nicht allein an ihn zu glauben, sondern auch für ihn zu leiden.“

Der Apostel will die Philipper nicht nur vor dem Erschrecken im Blick auf die Widersacher schützen, sondern er zeigt ihnen auch, dass der Kampf der naturgemäße Zustand des Christen ist: „… da ihr denselben Kampf habt, wie ihr ihn an mir gesehen und jetzt von mir hört.“ Die Philipper befanden sich in einer bestimmten Prüfung; allein das ganze christliche Leben ist ein Leben des Kampfes mit Satan. Nicht als ob dies stets ein Gegenstand unserer Gedanken sein müsse, wenn wir anders mit der ganzen Waffenrüstung Gottes bekleidet sind; wenn wir aber nicht in dem Bewusstsein des Sieges Christi stehen, so laufen wir Gefahr, erschreckt zu werden. Obwohl wir diesen Kampf nicht wie Paulus und die Philipper kennen, so kennen wir doch ein wenig davon. Wenn dem Satan widerstanden wird, so ist Christus im Kampf; und wir wissen, dass Er ihn gebunden und vollständig überwunden hat. Daher sagt Jakobus: „Widersteht aber dem Teufel, und er wird von euch fliehen“ (Jak 4,7). Wenn wir mit Christus wandeln, so ist anscheinend die Macht aufseiten Satans und der Welt viel größer als auf der unsrigen; doch alle diese Macht ist nichts; wir lassen uns täuschen, wenn wir durch sie erschreckt werden.

Wenn auch die Mauern einer Stadt bis an den Himmel reichen, was hat es zu bedeuten, wenn sie zusammenstürzen und man auf ihren Trümmern hineingehen kann? Beachten wir, geliebte Freunde, dass die Schwierigkeiten nicht in Betracht kommen, wie wir dies bei Petrus sehen, als er auf dem See wandelte. Er wandelte auf dem Wasser, um zu Jesus zu gelangen; als er aber den starken Wind sah, erschrak er. Doch wenn selbst der See so ruhig gewesen wäre wie ein Mühlteich, so hätte er doch nicht darauf wandeln können; man hat nie von einem Menschen gehört, der fähig gewesen wäre, auf irgendwelchem Wasser zu wandeln. Petrus irrte sich gänzlich in Betreff des Gegenstandes, auf den er blickte. Woran wir zu denken haben, ist, dass Christus den Satan gebunden hat und ihn seiner Güter berauben kann. Vielleicht erlaubt Er dem Satan, etliche ins Gefängnis zu werfen, damit sie geprüft werden; allein Satan gewinnt nichts dadurch; wenn er einem Menschen begegnet, der mit Christus wandelt, so hat er durchaus keine Gewalt über ihn. Wir mögen zu leiden haben; allein das ist es eben, was Gott „gegeben“ hat, wie wir bei Mose sehen, der – der Apostel sagt nicht „die Schmach“, sondern – „die Schmach des Christus für größeren Reichtum hielt als die Schätze Ägyptens“ (Heb 11,24-26.) Es ist ganz dasselbe, ob der See stürmisch oder ruhig ist: Wir sinken, wenn Christus nicht bei uns ist, und wir wandeln auf dem Wasser, wenn Er es ist.


Erschienen unter dem Titel „Das Buch der Erfahrung“ im Botschafter des Heils in Christo, Jahrgang 1878, S. 17-24, 29-32

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