Schweigen in den Gemeinden
1. Korinther 14,34.35

Christian Briem

© CSV, online seit: 11.01.2003, aktualisiert: 11.01.2018

Leitverse: 1. Korinther 14,34.35

1Kor 14,34.35: [Eure] Frauen sollen schweigen in den Versammlungen, denn es ist ihnen nicht erlaubt zu reden, sondern unterwürfig zu sein, wie auch das Gesetz sagt. Wenn sie aber etwas lernen wollen, so sollen sie daheim ihre eigenen Männer fragen; denn es ist schändlich für eine Frau, in der Versammlung zu reden.

Frauen sollen nicht reden

Wie sind die Menschen gegen diese Verse 34 und 35 Sturm gelaufen, besonders in unserer Zeit, die die „Gleichstellung der Frau“ gleichsam als höchste Segnung für die Menschheit auf ihre Fahnen geschrieben hat! Wie ernst ist die Gefahr, dass dieser Geist der Welt auch in die Mitte der Kinder Gottes eindringt! Das Wort Gottes jedoch ist unverrückbar und seine Befolgung voller Segen.

Dieser Abschnitt gefällt dem Menschen, besonders dem religiösen Menschen überhaupt nicht. Er hat eine Fülle von Argumenten bereit, um diese Worte Gottes auszuhöhlen und wirkungslos zu machen. Aber wenn der Mensch anfängt zu argumentieren, ist das der sicherste Beweis dafür, dass er nicht gehorchen möchte. Und zudem, seine Argumente schmelzen wie Schnee vor der Sonnenglut des Wortes Gottes dahin. Hören wir uns einige dieser Argumente an:

  1. Diese Anordnung des Apostels bezieht sich nur auf die damalige Zeit und die Frauen der Korinther, die besonders geschwätzig waren. Sie sollten nicht tuscheln und schwätzen. Das meint das griechische Wort für reden.
  2. Es handelt sich nur um Ehefrauen, denn es heißt eure Frauen.
  3. In den heiligen Dingen Gottes hat die Frau dieselben Vorrechte wie der Mann, denn es steht geschrieben: „Da ist nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus“ (Gal 3,28).
  1. Dass das erste Argument nicht stichhaltig ist, haben wir durch die Anrede in diesem Brief schon gesehen: Er richtet sich an alle christlichen Bekenner, nicht nur an die „Versammlung Gottes, die in Korinth ist“ (1Kor 1,2). Und was das griechische Wort laleo angeht, es bedeutet „sprechen“, „reden“, und nicht „tuscheln“ oder „schwätzen“. Von den 241 Vorkommen dieses Wortes im Neuen Testament bedeutet es auch nicht an einer einzigen Stelle „schwätzen“. Schon in unserem Kapitel begegnete es uns, in Vers 29: „Propheten aber lasst zwei oder drei reden“ (1Kor 14,29).

  2. Zum zweiten Einwand: Es ist absurd, anzunehmen, dass verheiratete Frauen nicht reden durften, wohl aber unverheiratete. Die Belehrungen des Wortes Gottes über die Stellung der Frau sind immer grundsätzlicher Art und umfassen stets alle Frauen, ob verheiratet oder nicht. Auch ist interessant, dass die besten und zuverlässigsten Handschriften hier einfach lesen: „Die Frauen sollen …“

  3. Der dritte Einwand hat auf den ersten Blick mehr Gewicht, aber auch nur auf den ersten Blick. Der Apostel hatte zu Beginn des elften Kapitels die Ordnung Gottes in der Schöpfung vorgestellt: Gott – Christus – Mann – Frau. Diese Schöpfungsordnung ist im Übrigen keine Wertordnung – die Frau ist ebenso wertvoll wie der Mann, sie hat sogar feinere Züge als er –, sondern es ist eine Machtordnung. Danach steht die Frau unter dem Mann, wie der Mann unter Christus steht. Ihre Stellung ist durch Unterwürfigkeit unter den Mann gekennzeichnet, wie auch das Gesetz sagt (vgl. z.B. 4Mo 30,3-16). Diese Stellung der Frau als unter dem Mann stehend ist durch das Christentum weder verändert noch gar aufgehoben worden. Ganz im Gegenteil: Sie soll gerade in der Versammlung gesehen werden.

Gewiss, „in Christus Jesus“ sind wir alle einer, ist nicht Mann und Frau. Was ihre Stellung in Christus angeht, hat die Frau genau dieselben Vorrechte wie der Mann. Sie ist zum Beispiel genauso wahrhaftig ein Anbeter wie der Mann. Aber „in der Versammlung“ bestehen diese Unterschiede und sollen sie vor Gott, den Engeln und den Menschen dargestellt werden, solange die Kirche auf der Erde ist. „In der Versammlung“ – ein in unserem Kapitel häufig gebrauchter Ausdruck für das christliche Zusammenkommen – ist die Frau eben nicht wie der Mann, ist die Schwester kein Bruder. Beachten wir also: „In Christus Jesus“ – „da ist nicht Mann und Frau“; aber „in der Versammlung“ – „eure Frauen sollen schweigen“.

Der 34. Vers „Eure Frauen sollen schweigen in den Versammlungen“ schließt sich ja unmittelbar an Vers 33 an. Dort fanden wir, was alle Versammlungen der Heiligen kennzeichnen sollte: Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens. Wo Gott wahrhaft geehrt wird, wird auch die natürliche Schicklichkeit beobachtet werden. Wenn sich in uns nicht alles auflehnt beim Gedanken an einen öffentlichen Dienst der Frau, so zeigt das, wie weit wir dem Zeitgeist schon Raum gegeben haben. Die griechische Welt zur Zeit, als dieser Brief verfasst wurde, hätte es jedenfalls als ungeheuerlich empfunden, wenn eine Frau sich in öffentlichen Versammlungen zu Wort gemeldet hätte. Ist es nicht überaus demütigend, dass es gerade der Christenheit vorbehalten blieb, diese ursprünglich von Gott gegebene und selbst von den Heiden beobachtete Ordnung vollständig auf den Kopf zu stellen?

In einem früheren Kapitel hatte der Apostel ausdrücklich die Freiheit der Frau sowohl zum Gebet als auch zur Weissagung festgestellt (1Kor 11,5-16). Aber in den Zusammenkünften sollte ihre Stimme nicht gehört werden, es sei denn als Teil jenes allgemeinen Lobgesangs, der gewöhnlich aus solchen Zusammenkünften zu Gott emporstieg (Röm 15,6). Der Dienst der Frau geschieht im inneren, im häuslichen Bereich (Tit 2,4.5), und Unterwürfigkeit kennzeichnet ihren Platz (Eph 5,22-24.33). Das lehrt das Alte wie das Neue Testament gleichermaßen, und wahrer Glaube hat das zu jeder Zeit verwirklicht. Sara gehorchte Abraham und nannte ihn Herr (1Pet 3,6). Wenn Mirjam weissagte, dann geschah das vor den Frauen Israels (2Mo 15,20.21). Wenn Debora als Richterin in Israel erweckt wurde, so war das ein richterliches Zeichen für die Unehre der Nation, die ihre wahre Stellung durch Untreue verloren hatte (Ri 4). Wenn die Stimme der Prophetin Hulda in den noch späteren Tagen des Abfalls Judas gehört wird, dann geschah das von dem „zweiten Stadtteil“, der „Unterstadt“ Jerusalems aus (2Kön 22,14.15; Zeph 1,10). So zeigt die Schrift überall, dass das Hervortreten der Frau nicht in Übereinstimmung mit dem ursprünglichen Gesetz der Schöpfung und mit der Sittsamkeit und Sanftmut ist, die in den Augen Gottes die Frau zieren.

Dass eine Frau nicht lehren und über den Mann herrschen soll, ob in der Versammlung oder sonst wo, wird an anderer Stelle betont und damit begründet, dass, als die Frau zu Anfang einmal die Führung übernahm, sie in die Sünde geführt hat (1Tim 2,12-14). Welch ein ernstes Abweichen vom Wort und der Ordnung Gottes bedeutete es daher in der Geschichte der Kirche auf der Erde, als man dem „Weib Jesabel“, das sich eine „Prophetin“ nennt, gestattete, zu lehren und die Knechte Gottes zu verführen (Off 2,20)! Ist es nicht überaus bezeichnend, dass die verderblichsten Irrlehren in der Christenheit wie Christliche Wissenschaft, Theosophie und Spiritismus durch Frauen gegründet und geleitet wurden? Gibt es uns nicht auch ernstlich zu denken, dass die moderne Gabe der Sprachen in charismatischen Kreisen in der Hauptsache durch Frauen ausgeübt wird? Der Apostel spricht in einem Endzeitbrief von „Weiblein“, „welche, von Sünden beladen, von mancherlei Lüsten getrieben werden, die immerdar lernen und niemals zur Erkenntnis der Wahrheit kommen können“ (2Tim 3,6.7).

Die fromme, gottesfürchtige Frau jedoch wird nach dem handeln, was Gott durch Seinen Apostel für alle gläubigen Frauen festgelegt hat: Sie wird in den Versammlungen schweigen. Und hat sie Fragen und will sie lernen, so wird sie daheim ihren eigenen Mann fragen; „denn es ist schändlich für eine Frau, in der Versammlung zu reden“. Und die Unverheiratete? Sie kann die Hilfe erfahrener Frauen suchen, die im Glauben älter sind als sie (Tit 2,3-5). Wie schön, möchte ich mit einem Seitenblick auf die Ehemänner und älteren Frauen bemerken, wenn die Hilfesuchenden bei ihnen tatsächlich auch gottgemäße Antwort auf ihre Probleme finden können!


Aus Da bin ich in ihrer Mitte, S. 330–333
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