Kurzbiographie: Paul Wilson (1899–1966)
„Christus ist das vollkommene Vorbild“

Gabriele Naujoks

© Gabriele Naujoks, online seit: 18.05.2018, aktualisiert: 18.05.2018

Der US-amerikanische Bruder Paul Wilson ist in Deutschland kaum bekannt, und vermutlich sind die für SoundWords übersetzten Artikel die einzigen Schriften von ihm auf Deutsch. Er schrieb unzählige Artikel für Zeitschriften sowie Bücher und Broschüren und war bis ins Alter als Konferenzredner in ganz Nordamerika unterwegs. Dabei lagen ihm besonders junge Menschen am Herzen.  

Familie

Paul Wilson wurde am 21. November 1899 in St. Louis, Missouri, geboren. Er war das älteste Kind von John Wilson (*1875) und seiner Frau Emma Reinbold (1872–1927) und hatte noch drei Brüder und zwei Schwestern: Clement (1901–1981), Lucas (1903–1989), Rhoda (1905–1992), Eneas (1907–1987) und Lois (1908–1999). Die Großeltern väterlicherseits stammten aus Schottland, die Großeltern mütterlicherseits aus Deutschland.

Viele Jahre lebten die Wilsons als Großfamilie zusammen im selben Haus und später in zwei benachbarten Häusern. Zunächst wohnten sie im Haus der Großeltern Wilson in St. Louis. James Wilson (*1836), ein Mühlenbauer, und Agnes Richmond Markland (*1847) hatten 1870 in Stewarton, Ayrshire, Schottland, geheiratet und waren ein Jahr später in die USA ausgewandert. 1875 war dann Pauls Vater John Wilson in St. Louis geboren worden. Nach Johns Heirat mit Emma Reinbold Ende der 1890er Jahre zog die junge Ehefrau, Pauls Mutter, mit ins Haus. Schließlich wohnten nach Pauls Geburt und der seiner Geschwister drei Generationen Wilson unter einem Dach: Paul mit seinen Geschwistern, seine Eltern sowie die Großeltern Wilson, die vermutlich irgendwann zwischen 1910 und 1919 starben.

Im Alter von 20 Jahren heiratete Paul die eineinhalb Jahre ältere Anna Phebe Waite (*15.2.1898) aus Bloomington, Illinois, Tochter von Edward Waite (1870–1963) und seiner Frau Margaret Emma Soapes (1875–1951). Anna war damals Büroangestellte bei einem Optiker; vielleicht im selben Geschäft wie ihr Vater, der selbst Optiker war. Pauls und Annas einziges Kind Arthur John wurde 1922 in St. Louis geboren.

In den 1920er Jahren zogen Paul Wilson und seine Familie zusammen mit seinen Eltern und seinen beiden noch unverheirateten Schwestern von St. Louis in Missouri 1400 Kilometer westwärts nach Englewood, unweit von Denver in Colorado. Auch dort lebte die Großfamilie wieder nahe beieinander, und zwar in zwei benachbarten Häusern. Zwischen 1930 und 1935 verließ Paul Wilson mit seiner Familie Englewood und zog 100 Kilometer südlich nach Colorado Springs, während seine Eltern in Englewood blieben. Später zog er noch einmal 2000 Kilometer weiter westwärts nach Oakland in Kalifornien und schließlich noch einmal 650 Kilometer südlich nach Los Angeles.

Beruf

Der junge Paul besuchte acht Jahre die Volksschule und erlernte anschließend wie sein Vater den Beruf des Mechanikers. Irgendwann zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr scheint er seinen Beruf aufgegeben zu haben, um vollzeitlich im christlichen Dienst zu arbeiten: War er nach dem US-Census von 1930 noch District Manager für Schreibmaschinen, gab er 1940 seinen Beruf mit „Kirchlicher Mitarbeiter“ an. Auch sein Vater John Wilson war gläubig und arbeitete – wenigstens zeitweise – nicht in seinem weltlichen Beruf, sondern um 1930 als „Prediger“ bei den „Brüdern“.

Autor und Herausgeber

Paul Wilson gehörte zu den „Brüdern“ der sogenannten Tunbridge-Wells-Gruppe. Einer seiner Dienste war die Literaturarbeit, wo er sowohl als Schreiber wie auch als Herausgeber tätig war. In den 1940er Jahren schrieb er die Leitartikel für The Young Christian, eine Zeitschrift für junge Christen, die seit 1911 bei Bible Truth Depot, St. Louis, erschien. Nach dem Ende der Zeitschrift gab er ab 1948 insgesamt 18 Jahre lang die Nachfolgerzeitschrift Christian Truth for the Household of Faith heraus, für die er ebenfalls die Leitartikel und viele Artikel verfasste sowie zahlreiche Leserfragen beantwortete. Diese Zeitschrift erschien nun bei Bible Truth Publishers (BTP), dem Nachfolger von Bible Truth Depot[1]. Nach Paul Wilsons Tod im Jahr 1966 wählte Ralph Gordon Rule (1907–1984) – ein Enkel von Alexander Hume Rule (1843–1906) aus Des  Moines – in den nächsten 18 Jahren die Artikel für die Zeitschrift aus, und Anna Wilson, Pauls Witwe, bereitete sie für den Druck vor. R.G. Rule hatte viele Jahre mit Paul und Anna Wilson zusammengearbeitet. Nach seinem Tod Anfang 1984 war noch genügend Textmaterial vorhanden, dass die schon hochbetagte Anna Wilson – sie war inzwischen 86 Jahre alt – die Christian Truth bis Ende 1985 weiterführen konnte.[2]

Paul Wilson war Autor zahlreicher Schriften, auch für junge Leute. Einige seiner Artikel, die zunächst als Serie in Christian Truth erschienen, wurden später bei BTP als Bücher und Broschüren herausgebracht. Die Themen umfassten ein vielfältiges Spektrum: z.B. Dispensationalismus, Calvinismus und Arminianismus, Gottes Souveränität, Israel und die Juden, Prophetie, Christ und Politik, Heirat und Ehe, Sekten (Siebenten-Tags-Adventisten, Weltweite Kirche Gottes von Herbert W. Armstrong), Evolution, Ökumene. Er schrieb auch Artikel zu vielen Themen des aktuellen Zeitgeschehens in Gesellschaft, Kultur, Naturwissenschaft, Politik und Christenheit. Auch nach seinem Tod erschienen in den Zeitschriften Christian Truth und The Christian bei BTP immer wieder Artikel von ihm.

Anfang der 1960er Jahre wurde in Denver die Wilson Foundation ins Leben gerufen, eine Stiftung, die (wahrscheinlich nur bis Ende der 1970er Jahre) Paul Wilsons eigene Schriften und Andachtsbücher druckte sowie Nachdrucke von Büchern bekannter Brüder wie W. Kelly, J.G. Bellett, W.T.P. Wolston, H. Smith, E. Dennett, C. Stanley, A.H. Burton oder A. Van Ryn. Auch Kinderbücher wurden herausgegeben oder neu aufgelegt, zum Beispiel Bücher der bekannten slowakischen Schriftstellerin Kristina Roy.

Unterwegs als Redner

Nicht nur als Autor war Paul Wilson produktiv; auch im Vortragsdienst war er sehr aktiv. In ganz Nordamerika war er unermüdlich unterwegs: Von Ontario im Osten Kanadas über Washington, Ohio, Michigan, Illinois, Iowa, Colorado und Kalifornien im Südwesten bis Oregon im Nordwesten war er bis kurz vor seinem Tod ein regelmäßiger Redner auf Konferenzen.[3] Manche seiner Vorträge wurden verschriftlicht, und aus den 1950er und 60er Jahren existieren Mitschnitte einiger Vorträge, die online zu hören sind.

Ermutigung für junge Christen

Mit seiner Begabung, seine Botschaften für junge Leute leichtverständlich, anschaulich und mit einfachen Worten zu erklären, konnte er auch Kinder und Jugendliche gut erreichen. In speziellen Vorträgen wandte er sich an junge Christen, um sie in ihrem Glaubensleben zu ermutigen und zu einem gottesfürchtigen Leben anzuleiten. Er legte es ihnen sehr ans Herz, bei allen Fragen in Glauben und Alltag Gottes Führung und seinen Willen zu suchen, gerade auch dann, wenn sie beispielsweise darüber nachdachten, in eine andere Stadt umzuziehen. Er selbst habe in jungen Jahren Fehler gemacht und sei manchmal eigene Wege gegangen, wie er in einem Vortrag vor jungen Leuten zugab:

Ich glaube, es gibt in unserem Leben kaum eine Zeit, in der wir mehr dazu neigen, unser Leben selbst bestimmen und planen zu wollen, als in der Jugend. […] Ich spreche als jemand, der einige Erfahrungen gemacht hat; als jemand, der oft seinen eigenen Weg gewählt hat – auch wenn ich damit nicht sagen möchte, dass es ein böser Weg war. Wie viele Dinge im Leben gibt es, wo wir eine Wahl treffen müssen! Ich stelle heute fest, und zwar mehr als damals, als ich ein junger Mann war: Junge Leute neigen dazu, zu glauben, sie wüssten alle Antworten. Sie scheinen der Meinung zu sein, sie seien weiser als ihre Eltern und die Ältesten in der Gemeinde. Selten denken sie darüber nach, ihren Weg wirklich dem Herrn anzubefehlen und seine Führung zu suchen.

Vor kurzem habe ich von einem jungen Mann gehört, der die Entscheidung traf, in eine andere Stadt umzuziehen. Ich sage nicht, dass so etwas falsch ist oder dass ein Christ niemals umziehen sollte. Aber ich hatte den Eindruck, dass er in dieser Sache sehr wenig die Gedanken Gottes und seine Führung gesucht hat. Es gibt immer menschliche Argumente für oder gegen einen Umzug: gute berufliche Möglichkeiten, viele Arbeitsplätze, ausgezeichnete Verdienstmöglichkeiten. […] Wir erkennen kaum, welche folgenreichen Konsequenzen von unseren Entscheidungen abhängen. […]

Ihr lieben jungen Leute, bitte sucht die Führung des Herrn, wenn ihr umziehen wollt. Ich spreche als jemand, der Fehler gemacht hat. Ich bin mehrere Male umgezogen[4]; zu einigen Umzügen hat der Herr mich bewegt. Ich erinnere mich an einen Umzug, bei dem es so schien, als solle ich umziehen. Heute bezweifle ich, dass ich damals die Gedanken des Herrn dazu kannte. Aber wenn ihr einmal umgezogen seid – denkt daran, dass ihr es nicht mehr ändern könnt![5]

Junge Christen sollten Gottes Wort lesen, um einen „Reiseführer“ zu haben, der sie auf den richtigen Weg leitet:

Vergesst nicht: Die Bibel ist der göttliche Reiseführer […], und ihr müsst diesem Führer aufmerksam folgen. Wenn ihr Gottes Wort nicht lest, wenn ihr Gottes Gedanken für euren Weg nicht versteht, werdet ihr wahrscheinlich in den falschen Weg einbiegen und auf diesem Weg vielleicht einen Tag, einen Monat oder das ganze Leben gehen. […] Gott hat uns nicht nur einen Reiseführer gegeben […], sondern eine Person, der ihr folgen könnt: Jesus Christus ist das vollkommene Vorbild und ein vollkommener Reiseführer.[6]

Tod

Paul Wilson starb am 9. Oktober 1966 im Alter von 66 Jahren in Inglewood, Los Angeles, Kalifornien. Er ist begraben auf dem Friedhof Forest Lawn Memorial Park, Hollywood Hills, Los Angeles. Seine Frau Anna überlebte ihren Mann 31 Jahre. Nach Pauls Tod half sie noch fast 20 Jahre bei der Herausgabe der Zeitschrift Christian Truth. Sie starb am 24. September 1997 im Alter von 99 Jahren in Winchester, Kalifornien, und ist in San Jacinto auf dem San Jacinto Valley Cemetery begraben.

 

Anmerkungen

[1] Bible Truth Depot wurde 1885 in St. Louis, Missouri, gegründet. John Telford Armet (1858–1923) und seine Frau Abigail „Abbie“ Harwood Smith (1864–1948) mieteten zunächst eine Ecke im Schreibwarengeschäft eines Verwandten, verlegten dann jedoch das Schriftendepot in ihre Privatwohnung. 1915 eröffneten sie schließlich einen vollwertigen Buchladen, wo sie Monatszeitschriften, Bücher, Broschüren, Traktate, Liederbücher und Bibeln verkauften. Im Jahr 1948 wurde eine gemeinnützige Gesellschaft gegründet und Bible Truth Depot in Bible Truth Publishers umbenannt. 1951 wurde BTP von St. Louis, Missouri, nach Oak Park, Illinois, verlegt; seit 1977 befindet sich BTP in Addison, Illinois.

[2] Die Nachfolgerzeitschrift von Christian Truth for the Household of Faith (1948–1985) war Christian Treasury (1986–1996), danach folgte The Christian Shepherd (1997–2004) und seit 2005 The Christian.

[3] Einige Konferenzorte, soweit bekannt: Ottawa (Kanada); Walla Walla (Washington); Detroit, Grand Rapids (Michigan); Addison, Wheaton, Oak Park, Chicago (Illinois); Columbus (Kentucky); Des Moines (Iowa); Denver (Colorado); Toledo (Ohio); Los Angeles, Pasadena, Burbank (Kalifornien), Walla Walla (Kalifornien); Portland (Oregon).

[4] Einige Wohnorte von Paul Wilson, soweit bekannt: St. Louis, Missouri; Englewood, Colorado; Colorado Springs, Colorado; Oakland, Kalifornien; Arlington, Los Angeles, Kalifornien; Inglewood, Los Angeles, Kalifornien.

[5] Aus einem Vortrag für junge Leute, gehalten im Mai 1964 in Sierra Madre, Kalifornien. Unter dem Titel Choose the Path bei Bible Truth Publishers heute noch als Broschüre erhältlich.

[6] Aus einem Vortrag für junge Leute, gehalten im Jahr 1948 auf einer Konferenz in Walla Walla, Washington: „We need to Follow a Road Map“.

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