Gottes Souveränität bei der Erlösung des Menschen (Anhang 7)
Der Gedanke von der „gemeinschaftlichen Erwählung der Gemeinde“

Roy A. Huebner

© SoundWords, online seit: 10.08.2014, aktualisiert: 02.01.2018

Der Gedanke von der „gemeinschaftlichen Erwählung der Gemeinde“ ist ein Kunstgriff, um die individuelle Erwählung, die völlige Verlorenheit des Menschen, loszuwerden und um die Vorstellung eines moralisch freien Willens Gott gegenüber aufrechtzuerhalten. J.N. Darby verwarf den Gedanken einer gemeinschaftlichen Erwählung der Gemeinde:

Diese [oben angeführten Zitate] sind gleichermaßen und ausdrücklich entgegengesetzt zu dem arminianischen (so genannt, aber eigentlich pelagianischen) Gedanken der zukünftigen Werke [engl.: prospective works] oder auch zu dem neuen (und, wenn man so will, melanchthonischen) Gedanken der gemeindlichen Auserwählung, der im Gegensatz steht zu der individuellen Auserwählung.[1]

W. Kelly verwarf ebenfalls den Gedanken von der gemeinschaftlichen Erwählung der Gemeinde:

Wir hatten Gottes Erwählung der Heiligen in Christus Jesus, aber nicht der Gemeinde. Erwählung ist etwas Individuelles (Lectures on the Gospel of Matthew, London: A. S. Rouse, S. 361, 1896).[2]

… Vom Anfang seines ersten Briefes an streicht Petrus den Kontrast zwischen der christlichen Stellung und ihrer [der jüdischen Gläubigen] alten jüdischen Stellung heraus. Nicht, dass die Juden nicht als Volk erwählt gewesen wären, aber darin genau stehen sie im Kontrast zu dem Christen. Was auch immer man in Liedern oder Predigten oder in der Theologie finden kann – die Schrift weiß von keinem solchen Ding wie einer erwählten Gemeinde. Es gibt einen Anschein davon im letzten Kapitel des ersten Petrusbriefes, aber dies liegt einzig und allein an der sich einmischenden Hand des Menschen. So lesen wir in Kapitel 5 seines ersten Briefes: „Es grüßt euch aus Babylon die Gemeinde, die mit euch auserwählt ist“ [1Pet 5,13; Luther-Übersetzung] [Anm. der SW-Red.*], aber alle räumen ein, dass die Worte „die Gemeinde“ von den Übersetzern eingefügt worden sind; sie besitzen keinerlei Autorität. Petrus bezog sich auf eine Einzelperson und nicht auf eine Gemeinde. Es war wahrscheinlich eine gut bekannte Schwester dort und daher war eine einfache Anspielung auf sie ausreichend. „Es grüßt euch die Miterwählte in Babylon.“ Genau darum geht es beim Christentum: dass es in Bezug auf die Erwählung persönlich ist – streng individuell. Das ist genau das, was diejenigen, die gegen die Wahrheit von der Erwählung streiten, immer am stärksten fühlen: Sie gestatten es einer Art Körper, auf allgemeine Weise erwählt zu sein, und sagen dann, dass die Einzelpersonen, die diesen Körper bilden, sozusagen bedingt hereingebracht werden müssen, nämlich abhängig von ihrem guten Verhalten. Im Wort Gottes lässt sich keine solche Vorstellung aufspüren. Gott hat Individuen erwählt. Wie es im Epheserbrief heißt: Er hat uns erwählt, nicht die Gemeinde, sondern jeden Einzelnen von uns [vgl. Eph 1,4]. „Die Gemeinde“ als solche wird erst am Ende des ersten Kapitels erwähnt. Zuerst haben wir Einzelpersonen, die von Gott vor Grundlegung der Welt auserwählt wurden.[3]

[Anm. der SW-Red.*: Folgende Übersetzungen (u.a.) haben in Vers 13 „die Gemeinde“ ergänzt: die englische King-James-Bibel (auf die Kelly sich wahrscheinlich bezieht: „the church that is at Babylon, elected together with you“); Hoffnung für alle („Die Gemeinde hier in Babylon, die genauso von Gott auserwählt ist wie ihr“); Neue Genfer Übersetzung („Die Gemeinde hier in Babylon, die wie ihr von Gott erwählt ist“); Gute Nachricht Bibel („Eure Schwestergemeinde hier in Babylon, die so wie ihr von Gott erwählt wurde“); Menge-Übersetzung („die miterwählte (Gemeinde) in Babylon“); Bruns-Übersetzung („die mit euch erwählte Gemeinde zu ,Babylon‘“). Folgende Übersetzungen (u.a.) übersetzen in Vers 13 ohne den Zusatz „die Gemeinde“: Darby-Translation („She that is elected with [you] in Babylon); Schlachter 2000 („die Mitauserwählte in Babylon“); Neues Testament nach Ludwig Albrecht („Die Miterwählte in Babylon“); Neues Testament nach Herbert Jantzen („die Miterwählte in Babylon“); Elberfelder [Edition Hückeswagen] („die Miterwählte in Babylon“); Revidierte Elberfelder („die Miterwählte in Babylon“). Einige Übersetzungen lassen die Auserwählung in Vers 13 ganz aus: Neues Leben. Die Bibel („Eure Schwestergemeinde hier in Babylon lässt euch grüßen“); Neue Evangelistische Übersetzung („Die Gemeinde in dem Babylon hier lässt euch grüßen“).]

Schriftstellen, die angeblich die gemeinschaftliche Erwählung der Gemeinde lehren, seien Epheser 1,4; 1. Thessalonicher 1,4; 2. Thessalonicher 2,13.14; Hebräer 3,1; 1. Petrus 2,9. In diesen Texten geht es nicht um die Gemeinde als solche in Verbindung mit dem Haupt oder um den Leib Christi als solchen in Einheit mit dem Haupt.

„Gemeinschaftliche Erwählung“ ist ein Ausdruck, der anscheinend in Bezug auf Israel verwendet wird, und zwar um eine falsche Analogie zu einer fälschlichen „gemeinschaftlichen Erwählung“ der Gemeinde zu bilden. In Jesaja 45,4 lesen wir: „Israels, meines Auserwählten“. Dies bezieht sich auf das, was national und irdisch ist. Die Auserwählung Israels gilt für eine irdische Vormachtstellung unter den Völkern. Es gibt wirklich keine Analogie dazu in Bezug auf die Gemeinde.

In Bezug auf die Worte „wie er uns auserwählt hat in ihm“ (Eph 1,4) schreibt Dr. D.A. Waite (ein Vier-Punkte-Arminianer):

Ich erkläre dies gern durch eine „gemeinschaftliche Erwählung“. Ich glaube zum Beispiel, dass der Herr das Volk Israel als eine „gemeinschaftliche“ Körperschaft zu einem auserwählten Volk erwählte. Ich glaube, Er hat die Gemeinde auch als eine „gemeinschaftliche“ Körperschaft oder Gruppe auserwählt. Ich glaube, dass Er die Gemeinde als ein Wesen auserwählt hat. Dies wird „gemeinschaftliche Auserwählung“ genannt. Der Herr gründete und etablierte die Gemeinde als eine gemeinschaftliche Körperschaft vor Grundlegung der Welt.[4] Sowie Gläubige Christus als Heiland und Erlöser vertrauen, werden sie zu Gliedern dieser/s gemeinschaftlichen Körperschaft/Leibes, der Gemeinde, die vor Grundlegung der Welt erwählt war. Auf diese Weise bringe ich all diese Dinge miteinander in Einklang.[5]

Es gibt überhaupt keinen Einklang, sondern vielmehr offensichtliche Auslassungen sowie auch eine Verwirrung bezüglich der Haushaltungen. Wir wollen sechs Punkte betrachten:

  1. Der Gedanke einer gemeinschaftlichen Erwählung erklärt nicht die „auserwählten Engel“ (1Tim 5,21). Offensichtlich sind diejenigen, die fielen, nicht auserwählt; die andern sind es.

  2. Der Gedanke der „gemeinschaftlichen Erwählung“ erklärt nicht die Heiligen vor der Bildung des Volkes Israel. Henoch, Noah und Hiob zum Beispiel waren Heilige und waren aus Gott geboren und hatten eine neue Natur. Die Heiligen, die lebten, bevor Israel gebildet wurde, waren nicht Teil einer „gemeinschaftlichen Erwählung“. Ihre Erwählung war deshalb zwangsläufig individuell, was genau das ist, was der Gedanke von einer „gemeinschaftlichen Erwählung“ beiseitezuschieben versucht. Selbstverständlich könnte man behaupten, dass sie, wenngleich Heilige, keine Auserwählten waren, aber das wäre eine höchst seltsame und verzweifelte Vorstellung. Wenn man den Einwand gelten lässt, dass die Schrift das Wort „auserwählt“ in Bezug auf sie nicht verwendet, warum leugnet man dann die Stichhaltigkeit des Arguments, dass in der Schrift solch ein Ausdruck wie „die Gemeinde, meine Auserwählte“ oder „meine auserwählte Gemeinde“ in Analogie zu „Israel, mein Auserwählter“ nicht vorkommt?

  3. Wenn das alttestamentliche Israel unter dem mosaischen System gemeinschaftlich auserwählt war, dann waren die Ungläubigen unter ihnen Teil der gemeinschaftlichen Auserwählung. Ist das analog zu einer gemeinschaftlich auserwählten Gemeinde? Schließt die gemeinschaftlich erwählte Gemeinde Ungläubige ein? Wenn man sagt, die gemeinschaftliche Auserwählung Israels habe nur denen unter ihnen gegolten, die aus Gott geboren waren, dann schließt man die anderen aus der Zugehörigkeit zu dem Volk aus. In solch einem Fall mussten die Wiedergeborenen ein unsichtbares Volk gewesen sein und Gottes an das Volk gerichteter Tadel muss diesbezüglich wegerklärt werden. Sogar das Ausbrechen der natürlichen Zweige (Juden) aus dem Olivenbaum von Römer 11 muss im Einklang mit der „gemeinschaftlichen Erwählung Israels“ erklärt werden, wenn sich „gemeinschaftliche Erwählung“ nur auf die Wiedergeborenen unter ihnen bezieht.

  4. In der Zukunft wird Israel eine nationale Stellung erfahren, die in Römer 9,4 als Sohnschaft bezeichnet wird, und dies wird unter der Herrschaft des Messias erfüllt werden, wenn jeder Israelit persönlich erwählt sein wird. Es ist das neue Israel unter dem neuen Bund (Heb 8). Dieses Volk wird in einem Augenblick geboren werden (Jes 66,8), nachdem die Rebellen von ihnen ausgesondert worden sein werden (Hes 20,38) und nachdem die anderen in das Band des Bundes hineingebracht worden sein werden (Hes 20,37). Der Erlöser wird dann nach Zion kommen und alle Gottlosigkeit von Jakob abwenden (Röm 11,26), und sie sollen lauter Gerechte sein (Jes 60,21). Es wird kein Ungläubiger unter ihnen sein. Dies ist Gottes Absicht für sie auf Erden. Sie werden auf Erden eingesetzt werden, wenn ich es so ausdrücken darf, gemäß Israels irdischer Berufung. So werden diejenigen, die zu dieser Zeit das Volk ausmachen werden, alle individuell zur Erlösung ausgewählt sein; und darüber hinaus sind sie Teil einer nationalen Erwählung zur Vormacht über die Heidenvölker.

    Während Daniels 70. Jahrwoche (nach der Entrückung) wird ein jüdischer Überrest aus Gottesfürchtigen gebildet werden. Sie sind ebenfalls auserwählt, obwohl das Volk Israel noch nicht von Gott als sein eigen anerkannt ist, noch nicht als „Ammi“ (Hos 2: „Mein Volk“) bezeichnet ist, aber noch nicht im Genuss der „Sohnschaft“ und der nationalen Erwählung zur Vormacht über die Nationen. Sie sind noch nicht das Volk Israel – nicht Teil eines nationalen Wesens, das Gott gehört. Wo ist ihre gemeinschaftliche Auserwählung? Sie sind zu diesem Zeitpunkt nicht im Genuss der nationalen Erwählung oder „Sohnschaft“ (Röm 9,4). Dass die gottesfürchtigen Juden in der Zeit von Daniel 70. Jahrwoche tatsächlich als „Auserwählte“ bezeichnet werden, sieht man in Matthäus 24,22.24.31 und Markus 13,20.22.27 – aber zu dieser Zeit existiert Israel nicht als das öffentlich anerkannte Volk, weil es zu dieser Zeit immer noch „Lo-ammi“ (Hos 1: „Nicht-mein-Volk“) ist. „Aber um der Auserwählten willen, die er auserwählt hat, hat er die Tage verkürzt“ (Mk 13,20). Und zur Vorbereitung der Errichtung Israels in seinem zukünftigen nationalen Status „wird er die Engel aussenden und seine Auserwählten sammeln von den vier Winden her, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels“ (Mk 13,27). Diese Auserwählten sind Individuen. Dass es zu dieser Zeit auserwählte Juden gibt, zeigt, dass es so etwas wie eine individuelle Erwählung von Juden unabhängig von der nationalen Erwählung gibt. Aber „gemeinschaftliche Auserwählung“ dient als ein Kniff, um zu leugnen, dass es jenseits einer „gemeinschaftlichen“ Auserwählung eine individuelle Auserwählung gibt.

    Während Daniels 70. Jahrwoche gibt es die versiegelten Juden, die versiegelten „Knechte unseres Gottes“ aus Offenbarung 7,3-8. Will man, um aufrechtzuerhalten, dass Erwählung nur gemeinschaftlich geschieht, leugnen, dass solche Personen auserwählt sind? Matthäus 24 und Markus 13 nennen sie „auserwählt“. Und was ist mit den 144.000 in Offenbarung 14,3-5? Abgesehen von diesen Juden, was ist mit der Schar aus allen Heidenvölkern in Offenbarung 7,9-17, die aus der großen Trübsal kommen? Und in Matthäus 25,31-46 haben wir nicht nur die Brüder des Königs (die Gottesfürchtigen aus dem Überrest Israels in Daniels 70. Jahrwoche), sondern auch die Heiden, die ihrer Botschaft glaubten. Sind keine von ihnen auserwählt? Was für eine „gemeinschaftliche Auserwählung“ gilt für sie? Was ist mit den erlösten Heiden im Tausendjährigen Reich – was ist ihre „gemeinschaftliche Auserwählung“? Wenn Sie sagen, dass die Schrift in Bezug auf sie das Wort „auserwählt“ nicht verwendet, lassen Sie mich wiederholen, dass die Schrift solche Ausdrücke wie „die Gemeinde, meine Auserwählte“ oder „meine auserwählte Gemeinde“ nicht verwendet – warum also denken Sie in solchen Begriffen?

    Es ist eine klare Tatsache, dass die Schrift die Auserwählung von Individuen als Individuen zeigt. Der Gebrauch einer „gemeinschaftlichen Auserwählung“ der Gemeinde ist nichts als ein Kunstgriff, mit dem man sich der unliebsamen Wahrheit von der individuellen Auserwählung von Christen zu entledigen versucht.

  5. Der Christ hat eine himmlische Berufung (Heb 3,1) und Erwählung. Diese himmlische Berufung wird in einem Brief festgestellt (Heb), der die Christen in der Wüste sieht (bildlich gesprochen). In dem Brief, der den Christen (bildlich gesprochen) in Kanaan sieht, sitzt er in der Himmelswelt in (noch nicht mit) Christus Jesus (Eph 2,6). Jeder dieser einzelnen Gläubigen ist vor Grundlegung der Welt in Christus Jesus erwählt; und da er mit dem Geist versiegelt ist, wird er als im Himmel eingesetzt betrachtet – in Christus Jesus. Dies ist ein großer dispensationaler Unterschied zu Israel. Die Heiligen sind himmlisch und die Gemeinde ist nicht ein Zeitalter unter den irdischen Zeitaltern. Die meisten „Dispensationalisten“ sehen das nicht. Die Schlussfolgerung von den nationalen Verhältnissen Israels, sei es unter dem alten Bund oder unter dem neuen Bund, auf die Erwählung und Stellung der Heiligen jetzt ist ein schwerer Fehler. Sie vermischt das Himmlische und das Irdische mit dem Erfolg, dass das Himmlische erniedrigt wird und der Judaismus einzieht.

  6. Es gibt zwei Formulierungen, die uns den Unterschied vor Augen stellen zwischen Gottes Absicht und Handeln mit der Erde und seinem Handeln mit uns als Himmlischen:

(A) Von Grundlegung der Welt an

Diese Formulierung hat mit der Erde und mit Israel zu tun.

Lk 11,50: … damit das Blut aller Propheten, das von Grundlegung der Welt an vergossen worden ist, von diesem Geschlecht gefordert werde.

„Dieses Geschlecht“ bezieht sich auf eine moralische Klasse, eine Klasse, die sich erstreckt von den Moses’ bis zur Erscheinung Christi in Herrlichkeit, um sich mit Israel zu befassen.

Heb 4,3: So schwor ich in meinem Zorn: „Wenn sie in meine Ruhe eingehen werden“, obwohl die Werke von Grundlegung der Welt an geworden waren.

Der Christ geht in eine andere Ruhe ein als diejenige, in die das beiseitegesetzte Israel nicht einging. Das neue Israel unter dem neuen Bund wird in diese Ruhe eingehen (die tausendjährige Ruhe auf Erden), die Gott für sie beabsichtigt hat. Da es eine Ruhe auf Erden ist, wird sie als von Grundlegung der Welt an geworden bezeichnet – nicht von vor Grundlegung der Welt.

Wir kommen nun zu zwei Schriftstellen, die mit Daniel 70. Jahrwoche zu tun haben, natürlich nach der Zeit, wenn wir entrückt worden sein werden:

Off 13,8: Und alle, die auf der Erde wohnen, werden es anbeten, jeder, dessen Namen nicht geschrieben ist im Buch des Lebens des geschlachteten Lammes von Grundlegung der Welt an.

Off 17,8: Und die, die auf der Erde wohnen, deren Namen nicht in dem Buch des Lebens geschrieben sind von Grundlegung der Welt an, werden sich verwundern, wenn sie das Tier sehen.

Auf ähnliche Weise ist die nationale Sohnschaft Israels mit der Erde als ihrem eigens angemessenen Bereich verbunden und wird als mit der Grundlegung der Welt verbunden betrachtet. Was nun himmlisch ist, steht im Gegensatz dazu.[6]

Wir könnten nun noch bemerken, dass Hebräer 9,26 sagt, dass, wenn Christus oftmals hätte leiden müssen, Er das von Grundlegung der Welt an hätte tun müssen (was sich vermutlich auf Adams Sünde ganz am Anfang bezieht). Übrig bleibt die Verwendung in Matthäus 13,35, die sich auf das bezieht, was die Propheten redeten – was mit der Erde zu tun hatte. Christus und die Gemeinde ist kein Thema der alttestamentlichen Prophezeiungen. Es ist ein Geheimnis, über das im Alten Testament geschwiegen wurde (Röm 16,25.26). So war das Geheimnis natürlich von Zeitaltern und Generationen verborgen (Kol 1,26). Es war nicht im Alten Testament verborgen; es war in Gott verborgen (Eph 3,9).

(B) Vor der Grundlegung der Welt

Diese Formulierung hat mit den jetzigen Heiligen zu tun wegen der besonderen und einzigartigen Stellung, die wir haben. Tatsächlich ist Christi Stellung unsere Stellung – als Begnadigte in dem Geliebten (Eph 1,6). Eine absolut überwältigende Wahrheit!

Im Gebet des Herrn in Johannes 17 drückt Er sein Verlangen danach aus, dass wir bei Ihm sein sollen, wo Er ist. (Beachte: Er hatte ihnen gesagt, dass Er wiederkommen würde, um sie zu sich zu nehmen, „damit, wo ich bin, auch ihr seid“ [Joh 14,1-3].). Er sprach von der Liebe des Vaters für Ihn, wie folgt:

Joh 17,24: Vater, ich will, dass die, die du mir gegeben hast, auch bei mir seien, wo ich bin, damit sie meine Herrlichkeit schauen, die du mir gegeben hast, denn du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt.

Unserer Erwählung ist verbunden mit der Liebe vor Grundlegung der Welt:

Eph 1,4: … wie er uns auserwählt hat in ihm vor Grundlegung der Welt.

Die Geltung des Blutes Christi für uns ist ebenfalls in dieser Weise verbunden:

1Pet 1,19.20: … mit dem kostbaren Blut Christi, als eines Lammes ohne Fehler und ohne Flecken; der zwar zuvorerkannt ist vor Grundlegung der Welt …

Vorheriger Teil

 

Anmerkungen

[1] Collected Writings, 3:18. 

[2] Es schmerzt mich, sagen zu müssen, dass die Ausgabe der Loizeaux Brothers von W. Kellys Matthäus verfälscht worden ist, insbesondere im Bereich von Matthäus 18,20. Man besorge sich daher eine originalgetreue Ausgabe.

[3] Lectures Introductory to the Study of the Acts, the Catholic Epistles, and the Revelation, S. 224, 1870.

[4] Der Herr gründete und etablierte die Gemeinde am Pfingsttag. Seine Absicht ist das, was vor Grundlegung der Welt da war.

[5] Ephesians, Collingswood: The Bible for Today Press, S. 5 (2002).

[6] Es mag sinnvoll sein, hier festzuhalten, dass die nationale Stellung für Israel mit der gegenwärtigen Erde zu tun hat und nicht mit der neuen Erde. Diese nationale Stellung wird im Zusammenhang mit der Schöpfung des neuen Himmels und der neuen Erde enden, und so lesen wir von der Hütte Gottes bei den „Menschen“ (Off 21,3). Die irdische Unterscheidung vergeht. Nicht so hingegen die himmlische Stellung der Gemeinde (Eph 3,21).


„Appendix 7: The Notion of the ,Corporate Election of the Church‘“
aus God’s Sovereignty and Glory in the Election and Salvation of Lost Men
Present Truth Publishers, Jackson, 2003

Übersetzung: S. Bauer


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