Die Himmelfahrt Jesu Christi

Hans-Jörg Ronsdorf

© H.-J. Ronsdorf, online seit: 30.04.2007, aktualisiert: 28.09.2018

Leitverse: 1. Timotheus 3,16; 2. Könige 2,9-14

Als der Prophet Elia in den Himmel auffuhr, wünschte sich sein Nachfolger Elisa das Doppelte der Kraft des Elia. Die Voraussetzung, dieses zu bekommen, ist bemerkenswert: Nur wenn Elisa sähe, wie Elia in den Himmel auffuhr, dann würde er dieses Teil bekommen. Deshalb war Elisa sehr konzentriert, diesen Moment der Auffahrt nicht zu verpassen. Er verpasste sie nicht und wurde Zeuge einer beeindruckenden Szene (2Kön 2,9-14).

Auch heute könnte es genauso wichtig sein, die Auffahrt des Herrn nicht zu verpassen. Natürlich, sie ist längst geschehen und nicht mehr zu verpassen. Aber die Bedeutung der Himmelfahrt Jesu wird selten herausgestellt. Sie hat ihren wichtigen Platz in der Heilsgeschichte so wie die Kreuzigung und Auferstehung.

Aufgenommen in Herrlichkeit

Zu dem Geheimnis der Gottseligkeit, die Basis des Glaubens, welches uns in der Person Christi geöffnet wird, gehört, dass ER aufgenommen wurde in Herrlichkeit:

  • 1Tim 3,16: Und anerkannt groß ist das Geheimnis der Gottseligkeit: Er, der offenbart worden ist im Fleisch, ist gerechtfertigt im Geist, gesehen von den Engeln, gepredigt unter den Nationen, geglaubt in der Welt, aufgenommen in Herrlichkeit.

Nicht nur, dass die Herrlichkeit der Ort war, zu dem Er auffuhr. Der ganze Einzug in den Himmel war eingehüllt in Herrlichkeit. Die Wolke der Herrlichkeit Gottes nahm Ihn auf und war das Geleit für seinen Einzug in den Himmel. Er wurde aufgenommen in der Wolke: „Und als er dies gesagt hatte, wurde er emporgehoben, indem sie es sahen, und eine Wolke nahm ihn auf von ihren Augen weg“ (Apg 1,9).

Ich glaube, dass diese Auffahrt des Herrn nicht weniger beeindruckend war als die des Elia. Es ist der Sohn des Vaters, der seine Mission mit dem Einsatz seines Lebens erfüllt hat, der jetzt in den Himmel eintritt, hinaufsteigt zur Krönung, um von Gott dem Vater begrüßt zu werden. Es beginnt mit seiner Auffahrt, seiner Inthronisierung. Jesus, der verachtete Nazarener, wird unmittelbar darauf zum Herrn und Christus gemacht. Er nimmt jetzt Platz auf dem Thron des Vaters. Ein Mensch, der der Sohn Gottes ist, betritt als erster Mensch den Himmel, den Thronsaal Gottes und wird mit allen Ehren, Begeisterung und Bewunderung, die Gott der Vater seinem Sohn geben kann, empfangen und begrüßt. Der Himmel ist Zeuge dieser einmaligen Szene, die Rückkehr Jesu in das himmlische Reich, von dem Er ausgegangen war (Joh 3,13; 6,62). Der Sohn kommt wieder nach Hause und Er sagt: Ich habe dich verherrlicht auf der Erde; das Werk habe ich vollbracht, das du mir gegeben hast, dass ich es tun sollte. Und nun verherrliche du, Vater, mich bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war“ (Joh 17,4.5).

Schon zuvor hören wir Ihn sagen: „Als er nun hinausgegangen war, spricht Jesus: Jetzt ist der Sohn des Menschen verherrlicht, und Gott ist verherrlicht in ihm. Wenn Gott verherrlicht ist in ihm, so wird auch Gott ihn verherrlichen in sich selbst, und sogleich wird er ihn verherrlichen“ (Joh 13,31.32).

Die Himmelfahrt, die zehn Tage vor dem Pfingstfest und vierzig Tage nach seiner Auferstehung stattfand, ist eng verbunden mit seiner Verherrlichung. Wir dürfen uns die Freude des Himmels vor Augen malen, wie unser Herr, als unser Vorläufer, im Himmel empfangen wird.

Sieg und Triumph

Die Himmelfahrt ist der Beweis seines Triumphes. Die Schlacht ist geschlagen, der Kampf gewonnen. Und der Himmel will Ihn zurück:

  • Mk 16,19: Der Herr nun wurde, nachdem er mit ihnen geredet hatte, in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes.

  • 1Pet 3,22: Jesus, in den Himmel gegangen, ist zur Rechten Gottes, indem Engel und Gewalten und Mächte ihm unterworfen sind.

  • Eph 4,10: Der hinabgestiegen ist, ist derselbe, der auch hinaufgestiegen ist über alle Himmel, damit er alles erfüllte.

Wenn seine Auferstehung schon der Beweis einer vollbrachten Erlösung war, dann ist mit dem Einnehmen des höchsten Ehrenplatzes im Universum endgültig besiegelt, dass der Christus Gottes alle Forderungen Gottes erfüllt, ja übertroffen hat. Freiwillig stieg Er hinab, lebte wie wir – ausgenommen die Sünde –, starb den Tod für Sünder, stieg hinab in die unteren Örter der Erde.

Das Wort spricht wiederholt von seinem Abstieg und Aufstieg. Es ist diese unendliche Distanz, diese grenzenlose Erniedrigung, die nötig war, um Gottes Rat zu erfüllen. Und seine Erhöhung daraufhin ist genauso grenzenlos, so hoch und erhaben wie nie ein Mensch hätte kommen können. Und es ist atemberaubend, dass, weil Er sich so erniedrigte, Er den Himmel für uns öffnet. Er hat nicht nur den Weg frei gemacht, wir sind in Ihm schon jetzt dorthin mitversetzt.

Die Ehre seines Platzes auf dem Thron kann man nur dann ermessen, wenn man seine tiefe Erniedrigung empfindet.

„Damit Er alles erfüllte!“ Es ist so, als ob in jedem Winkel des Himmels sein Name zu lesen ist, alles ist von Ihm geprägt und erfüllt!

  • Apg 2,36: Das ganze Haus Israel wisse nun zuverlässig, dass Gott ihn sowohl zum Herrn als auch zum Christus gemacht hat, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.

Auch dieses Wort macht die heilsgeschichtliche Dimension seiner Auffahrt und Verherrlichung deutlich. Die Reichweite seiner Verherrlichung hat Konsequenzen für die ganze Welt. Das Haus Israel verliert sein Monopol auf Gottes Heil, die ganze Welt kann Christus den Herrn, den Gesalbten Gottes, kennenlernen.

Erlösung ist vollbracht!

Natürlich ist die Erlösung schon in der Auferstehung von Gott besiegelt. Im Hebräerbrief aber wird vor dem Hintergrund der nie endenden Opfer und Dienste des Alten Bundes die Einmaligkeit und ewige Gültigkeit der Hingabe und des Wertes seines Blutes direkt in Verbindung gebracht mit seinem Eingang in das himmlische Heiligtum.

  • Heb 9,12: Er ist auch nicht mit {o. durch} Blut von Böcken und Kälbern, sondern mit {o. durch} seinem eigenen Blut ein für alle Mal in das Heiligtum eingegangen, als er eine ewige Erlösung erfunden hatte.

Auf Golgatha gab Er sein Blut, d.h. sein Leben, und ging geistlicherweise in das Allerheiligste mit seinem Blut. In diesem Schriftwort geht es aber darum, dass Er ein einziges Mal hineinging und nicht wieder neu hineingehen musste wie der irdische Hohepriester und dass Er sich zur Rechten Gottes gesetzt hat. Der „Dienst“ der Erlösung ist vollbracht, Christus sitzt auf dem Thron.

Er ist der Urheber, der Schöpfer ewigen Heils. Wer kann diesen atemberaubenden Anspruch stellen, wer kann sagen, dass er solches vollbracht hat?

  • Heb 5,9.10: Vollendet worden, ist er allen, die ihm gehorchen, der Urheber ewigen Heils geworden, von Gott begrüßt {o. angeredet} als Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks.

Doch nur der, den Gott begrüßt und in seinem Heiligtum willkommen heißt, Platz zu nehmen auf seinem Thron, den höchsten Platz, den es gibt. Welch eine Begrüßung! Der Sohn kommt nach 33 Jahren zurück! Und Er bekommt den Ehrentitel „Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks“!

Die Anrede des Vaters beinhaltet dieses Wort: „Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde lege zum Schemel deiner Füße!“ (Ps 110,1).

Vertretung im Himmel – Rettung auf der Erde!

Er ist durch die Himmel gegangen. Das ist seine Himmelfahrt, die Voraussetzung ist für sein Hohepriesteramt. Er fuhr auf in einem Triumphzug, gesehen von allen Engeln.

  • Heb 4,14-16: Da wir nun einen großen Hohenpriester haben, der durch die Himmel gegangen ist, Jesus, den Sohn Gottes, so lasst uns das Bekenntnis festhalten; denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht Mitleid zu haben vermag mit unseren Schwachheiten, sondern der in allem versucht worden ist in gleicher Weise wie wir, ausgenommen die Sünde. Lasst uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu rechtzeitiger Hilfe.

Er schaut nicht nur zu, wie wir es oft tun, nein, Er verwendet sich für uns bei Gott, dass wir auf dem schmalen Weg zur Herrlichkeit nicht aufgeben: „Daher vermag er auch völlig die zu erretten, die durch ihn Gott nahen, indem er immerdar lebt, um sich für sie zu verwenden {o. sie zu vertreten, für sie zu bitten}“ (Heb 7,25).

Gottes Geist: Lebendiges Wasser, Beistand und Kraft aus der Höhe

Die Bedingung, dass Gottes Geist zu Pfingsten auf die Erde gesandt würde, war ein in den Himmel aufgefahrener und verherrlichter Christus!

  • Joh 7,38.39: Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen. Dies aber sagte er von dem Geist, den die an ihn Glaubenden empfangen sollten; denn noch war der Geist nicht da, weil Jesus noch nicht verherrlicht worden war.

Der Geist Gottes sollte von einem verherrlichten Christus zeugen, uns diese Herrlichkeit lebendig sein lassen auf unserem Weg zum Ziel, der rein äußerlich nichts von dieser Herrlichkeit Christi, die Er mit uns teilen wird und die jetzt schon unser Besitz ist, erkennen oder erahnen lässt. In diesem Sinne können wir auch von Kraft aus der Höhe sprechen, der Inbegriff und die Auswirkung der Herrlichkeit in der Höhe.

Es ist in der Tat unser Geheimnis, dass unser Herr jetzt der Herr der Herrlichkeit ist und dass wir auf dem Weg in gerade diese Herrlichkeit sind. Er will uns seine Herrlichkeit zeigen, die der Vater Ihm gab aufgrund seines vollbrachten Werkes.

Zu Pfingsten kam dieser Geist und wurde die Kraft aus der Höhe für die Jünger. Aber dieser Tag wurde eben auch durch den Geist die Geburtsstunde der Gemeinde Gottes: „Nachdem er nun durch die Rechte {o. zur Rechten} Gottes erhöht worden ist und die Verheißung des Heiligen Geistes vom Vater empfangen hat, hat er dies ausgegossen, was ihr seht und hört. Denn nicht David ist in die Himmel aufgefahren; er sagt aber selbst: ,Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde hinlege als Schemel deiner Füße‘ {Ps 110,1}“ (Apg 2,33-35).

An diesem Tag wurden alle Jünger mit einem Geist getränkt und zu einem Leib getauft. Haupt und Leib sind Bild und Realität der innigen und untrennbaren Verbindung Christi und der Gemeinde. Und es sollte ein verherrlichter Christus das Haupt sein, der, der alles in allem erfüllt. Nicht ein auferstandener Christus vor seiner Himmelfahrt, als Er noch auf der Erde war, sondern der, dem die Zukunft gehört, der, welcher diese Herrlichkeit für immer mit der Gemeinde teilen will. Er wird nirgends mehr sein, ohne dass die Gemeinde dabei ist, weil Haupt und Leib untrennbar sind.

Dass der Herr Jesus die Jünger verlassen würde, musste sie traurig machen. Doch der Meister macht ihnen klar, und auch uns durch das ganze NT, wie wichtig und absolut nötig es ist, dass Er zurückging. In diese Leere würde der Geist Gottes treten und sie erfüllen und in ihnen wohnen. Er würde wiederkommen, in diesem Geist, der auch „Geist Christi“ genannt wird.

  • Joh 16,5-7: Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat, und niemand von euch fragt mich: Wohin gehst du? Doch weil ich dies zu euch geredet habe, hat Traurigkeit euer Herz erfüllt. Doch ich sage euch die Wahrheit: Es ist euch nützlich, dass ich weggehe, denn wenn ich nicht weggehe, wird der Sachwalter {o. Fürsprecher, Tröster, Beistand} nicht zu euch kommen; wenn ich aber hingehe, werde ich ihn zu euch senden.

ER bereitet unsere Ankunft vor!

Die Himmelfahrt hat auch direkt mit unserer Hoffnung zu tun. Er muss hingehen, um uns dort, wo Er mit dem Vater immer war, eine Wohnung einzurichten. Er kümmert sich persönlich darum, dass wir an diesen Ort kommen können.

  • Joh 14,2.3: In dem Haus meines Vaters sind viele Wohnungen; wenn es nicht so wäre, hätte ich es euch gesagt; denn ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten. Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit, wo ich bin, auch ihr seiet.

  • Joh 14,28: Ihr habt gehört, dass ich euch gesagt habe: Ich gehe hin, und ich komme zu euch. Wenn ihr mich liebtet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe, denn der Vater ist größer als ich.

Der Heiland lässt hier in sein Herz schauen. Er wollte nach Hause! Er war in der Welt nicht zu Hause. Er war ein Fremdling, ein Diener konzentriert auf seinen Auftrag. Aber Er wollte, dass sein Zuhause auch unser Zuhause wird.

So werden wir nicht auf der Erde zu Hause sein, sondern bei Ihm. Wir werden als ehemals Irdische wohl nichts vermissen, auch wenn uns solche Gedanken dann und wann beschleichen wollen.

Jesus ist als unser Vorläufer vorausgeeilt, und Er ist jetzt im Heiligtum, welches denselben Ort beschreibt wie das Haus des Vaters, unter einem anderen Aspekt natürlich.

  • Heb 6,19.20: Wir haben die vor uns liegende Hoffnung als einen sicheren und festen Anker der Seele, der auch in das Innere des Vorhangs hineingeht, wohin Jesus als Vorläufer für uns eingegangen ist, der Hoherpriester geworden in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.

Ein Vorläufer hat Nachfolger und die sind wir. Er ist der Anfänger und Vollender des Glaubens. Wir werden Ihm auf demselben Weg folgen, den Er durch die Himmel gegangen ist. Auch um unsere „Abholung“ wird Er sich persönlich kümmern.

ER hinterlässt einen Auftrag!

  • Mk 16,15: Und er sprach zu ihnen: Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung.

Es wäre eine Unterlassung, diese Worte des Meisters in den Augenblicken seines Abschiedes von Jüngern nicht zu zitieren. Der Auftrag ist eindeutig. Es ist das Evangelium von der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Christi (2Kor 4,6). Es ist aber auch die Botschaft von ewigem Heil, für die Christus starb und auferstand und auffuhr zum Himmel. Und der Platz auf Gottes Thron gibt uns die Vollmacht, zu gehen. Es ist eben nicht die Botschaft eines Versagers, der am Kreuz endete. Es ist die Botschaft des Siegers, der wiederkommt, der lebt!

ER kommt wieder!

  • Apg 1,11: Männer von Galiläa, was steht ihr und seht hinauf zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird ebenso kommen, wie ihr ihn habt auffahren sehen in den Himmel.

Auf dem Ölberg wird Er stehen: „Und seine Füße werden an jenem Tag auf dem Ölberg stehen, der vor Jerusalem gegen Osten liegt; und der Ölberg wird sich in der Mitte spalten nach Osten und nach Westen hin, zu einem sehr großen Tale, und die Hälfte des Berges wird nach Norden und seine andere Hälfte nach Süden weichen“ (Sach 14,4).

Er sitzt jetzt auf dem Thron des Vaters. Dann, wenn Er kommt, wird Er herrschen auf seinem Thron, zu dessen Füßen alle seine Feinde liegen werden (Off 3,21).

Die Herrlichkeit, die Er jetzt schon hat, wird hervorbrechen wie die Sonne!

So gewiss es den Tag seiner Auffahrt gab, so gewiss wird es den seiner Wiederkunft geben!

Alles dies werden wir aus unmittelbarer Nähe miterleben. Halleluja!


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