Der Prophet Joel
Kapitel 3

Henry Allen Ironside

© SoundWords, online seit: 09.06.2018, aktualisiert: 12.06.2018

Kapitel 3

Dann spricht der HERR:

Joel 3,1-5: 1 Und danach wird es geschehen, dass ich meinen Geist ausgießen werde über alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, eure Greise werden Träume haben, eure Jünglinge werden Gesichte sehen. 2 Und sogar über die Knechte und über die Mägde werde ich in jenen Tagen meinen Geist ausgießen. – 3 Und ich werde Wunder geben im Himmel und auf der Erde: Blut und Feuer und Rauchsäulen; 4 die Sonne wird sich in Finsternis verwandeln und der Mond in Blut, ehe der Tag des HERRN kommt, der große und furchtbare. – 5 Und es wird geschehen: Jeder, der den Namen des HERRN anrufen wird, wird errettet werden; denn auf dem Berg Zion und in Jerusalem wird Errettung sein, wie der HERR gesprochen hat, und unter den Übriggebliebenen, die der HERR berufen wird.

Ich habe diese interessante Passage komplett zitiert, um den Bibeltext auch wenig geübten Bibellesern vor Augen zu stellen, damit sie die Verbindung zum vorherigen Kapitel entdecken. Diese Verse stehen nicht isoliert von dem übrigen Bibelbuch da. Im Gegenteil, die Ordnung ist göttlich vollkommen und genau am richtigen Ort, im Einklang mit den Ereignissen des Tages des HERRN, den der Prophet entfaltet hat. Offensichtlich können sich diese Zeilen nicht eher erfüllen, bis das Volk Israel im eigenen Land wiederhergestellt ist. Dann wird Gott seinen Segen weit darüber hinaus senden und seinen Geist über „alles Fleisch“ ausgießen; so werden die übriggebliebenen Nationen in die herrlichen Vorrechte des Tausendjährigen Reiches eingeführt! Alt und Jung sollen mit dem Heiligen Geist gesalbt und erleuchtet werden. Sie werden weissagen, Träume haben und Gesichte sehen. Daran sollen nicht nur die Männer teilhaben, sondern auch die Frauen gleicherweise. Aber beachte: Die Wunder von Joel 3,3.4 werden alle stattfinden, bevor dieser Tag des Herrn eingeläutet wird. Dann wird die Erlösung ausgeweitet werden zu den Nationen, die niemals von dem Evangelium dieser Epoche der Gnade gehört haben: „Jeder, der den Namen des HERRN anrufen wird, wird errettet werden“ (Joel 3,5). Aber warum? Die Antwort ist: „Denn auf dem Berg Zion und in Jerusalem wird Errettung sein“ (Joel 3,5); so wird das wiederhergestellte Israel das Zentrum des Segens für die ganze Erde sein. Das ist nicht die gleiche Sache wie die Verkündigung des Evangeliums der Gnade Gottes in der heutigen Zeit. Der Berg Zion und Jerusalem sind noch nicht die Verwalter des Segens für die Nationen. Das Gegenteil ist der Fall! Aber wenn die Kirche – der Leib Christi – weggenommen sein wird, um für immer bei dem Herrn zu sein (vgl. 1Thes 4,14-18), und Gott den Faden mit den Juden wieder aufgenommen haben wird, um sie zu einem Heilmittel für die heidnischen Nationen zu machen, dann wird sich die Prophezeiung Joels buchstäblich erfüllen.

Ich denke, es muss jedem aufmerksamen Leser klar sein, dass dies die einzige ungezwungene, unverkrampfte und natürliche Erklärung des Textes ist. Aber das wirft sofort die Frage auf, wie der Apostel Petrus diese Bibelstelle am Pfingsttag einsetzt. Sollten wir dem erbärmlichen Gedanken Raum geben, dass er die Prophezeiung falsch angewandt hat? Oder kann es auf der anderen Seite sein, dass die Leser seinen Gebrauch falsch verstanden haben? Ich bin davon überzeugt, dass Letzteres richtig ist.

Es fällt auf, dass Petrus nicht sagt: „Dies ist die Erfüllung“ der Prophezeiung. Er findet einfach in diesen Worten von Joel die Erklärung für die bemerkenswerten Ereignisse dieses wunderbaren Pfingsttages; und er erklärt: „Das ist es!“ Mit anderen Worten: Petrus hat nicht die Ereignisse an sich identifiziert; er hat lediglich die gleiche Macht identifiziert. Das, was an Pfingsten stattgefunden hatte, war genau dasselbe, was, wie Joel sagte, stattfinden würde, wenn der Tag des HERRN gekommen war. Dass der Tag, von dem gesprochen wurde, nicht gekommen war, wusste Petrus sehr wohl, und anderswo hat er es deutlich erklärt (2Pet 3,10). Aber genau dieselbe Kraft des Heiligen Geistes, die an jenem Tag wirkte, wird auch wirken, wenn das Königreich nach und nach eingeführt wird. Es gibt hier also keinen Widerspruch und schon gar keine Fehlanwendung. Pfingsten war ein Beispiel für das, was Joel vorhergesagt hatte; und der Apostel benutzt die Passage erläuternd, nicht indem er sie als an Pfingsten erfüllt erklärt. Seine eigene Erklärung in 2. Petrus 1,20 sollte jeden davon abhalten, anzunehmen, dass Petrus beabsichtigt, die Verse aus Joel 3 aus dem Zusammenhang zu lösen und sie speziell auf die Einführung der christlichen Haushaltung anzuwenden.

In seinem vollen Zusammenhang betrachtet, wird sich Joel 3 in erster Linie auf die Einführung des Friedensreiches beziehen – nicht auf die Kirche. Aber die gleiche Kraft, die am kommenden Tag wirken wird, zeigte sich an Pfingsten, als Petrus seine denkwürdige Predigt hielt.

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Originaltitel: „Notes on the Prophecy of Joel“
aus Notes on the Minor Prophets, 1909

Übersetzung: Stephan Isenberg

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