Beispiel eines Christus-zentrierten Lebens
Philipper 1

Hamilton Smith

© SoundWords, online seit: 05.10.2003, aktualisiert: 17.12.2018

Leitverse: Philipper 1

Einführung

In dem Brief an die Philipper wird der Christ gesehen als himmlischer Pilger, der durch diese Welt geht und auf dem Weg ist zu Christus in der Herrlichkeit. In dem Apostel Paulus haben wir ein Beispiel von jemand, der diesen himmlischen Weg nach den Gedanken Gottes geht. Auf diesem Weg des Pilgers muss er Ketten und Gefangenschaft erleiden. Er muss den Realitäten von Leben und Tod ins Auge sehen. Feinde stehen ihm gegenüber, er erduldet Verfolgungen und erleidet den Verlust aller Dinge. Er wandelt durch eine dunkle Welt inmitten eines verdrehten und verkehrten Geschlechts. Er begegnet Krankheit und Trauer. Er muss gegen Hunde, böse Arbeiter und die Zerschneidung kämpfen. Er trauert über solche, die ihre eigenen Angelegenheiten suchen, und weint über die Feinde des Kreuzes Christi. Bisweilen leidet er Mangel und Not.

Trotz all dieser Schwierigkeiten vergisst er die Dinge, die hinter ihm liegen, und streckt sich aus nach dem, was vor ihm liegt. Bei jedem Schritt seines Weges wird er aufrechterhalten durch die Tatsache, dass er das herrliche Ende der Reise im Blick hat – den Preis der Berufung Gottes droben in Christus Jesus.

Aber der Brief zeigt uns nicht nur den Pilgerpfad, sondern auch die Erfahrungen, die derjenige genießt, der auf diesem Weg geht. Diese Erfahrung ist wahre christliche Erfahrung, allerdings nicht notwendigerweise die Erfahrung der Christen. Ach! Die Erfahrung der Christen ist oft weit unter dem Niveau normaler christliche Erfahrung. Manchmal ist der Christ deprimiert in seinen Gedanken, verwirrt in seinem Geist und kalt in seinem Herzen. Offensichtlich sind solche Erfahrungen keine normale christliche Erfahrung. Der Brief zeigt uns auf eine sehr schöne Weise die Erfahrung, die genossen wird von jemand, der auf seiner Reise durch diese Welt das christliche Leben in seinem Normalzustand unter der Kraft des Geistes Gottes lebt.

Wir wissen, dass der Geist Gottes gekommen ist, um von den Dingen Christi zu nehmen und sie uns zu zeigen. So wird Christus in uns gestaltet, indem er uns vorgestellt wird als unser Leben, als unser Vorbild, als unser Ziel, als unsere Kraft. Und insoweit wir Nachfolger Christi werden nach dem Beispiel des Apostels, so werden wir auch wahre Repräsentanten Christi werden und wahre christliche Erfahrung genießen.

In Philipper 1 wird Christus gezeigt als unser Leben, und konsequenterweise wird alles gesehen in Verbindung mit Christus. Der Schlüsselvers ist: »Das Leben ist für mich Christus“ (Phil 1,21).

In Philipper 2 wird Christus dargestellt in Erniedrigung als unser Vorbild, wie Er dem christlichen Leben Gnade schenkt. Der Schlüsselvers ist: »Lasst diese Gesinnung in euch sein, die auch in Christus Jesus war“ (Phil 2,5).

In Philipper 3 wird Christus in der Herrlichkeit als unser Ziel vorgestellt, der dem christlichen Leben Energie gibt. Der Schlüsselvers ist: »Ich jage hinzu dem Kampfpreis der Berufung Gottes nach oben in Christus Jesus“ (Phil 3,14).

In Philipper 4 wird Christus gezeigt als unsere Kraft, die uns über die Sorgen und Ängste des Pilgerpfads erhebt. Der Schlüsselvers ist: »Alles vermag ich durch den (Christus), der mich kräftigt“ (Phil 4,23).

Seit wenigstens vier Jahren war Paulus ein Gefangener, und in den Wegen Gottes war es so vorgesehen, dass er Mangel leiden sollte. Nachdem die Philipper von seiner Not gehört hatten, waren ihre Herzen bewegt worden und sie hatten ihm eine Gabe gesandt. Diese Gabe hatte nun einen rührenden Brief der Anerkennung seitens des Apostels hervorgebracht. Er schreibt den Brief nicht als ein Apostel, sondern als ein Diener Jesu Christi und verbindet Timotheus mit sich selbst. So ist die Erfahrung, von der er spricht, nicht nur apostolisch, sondern etwas, was für alle Christen normal ist.

Kapitel 1 – Christus unser Leben

Verse 1-4

Phil 1,1-4: Paulus und Timotheus, Knechte Jesu Christi, allen Heiligen in Christus Jesus, die in Philippi sind, mit den Aufsehern und Dienern: Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus! Ich danke meinem Gott bei aller meiner Erinnerung an euch allezeit in jedem meiner Gebete, indem ich für euch alle das Gebet mit Freuden tue.

In dem ersten Kapitel wird Christus gesehen als die Quelle und das Motiv des christlichen Lebens, das wir auf dieser Erde leben. Paulus kann schreiben: „Das Leben ist für mich Christus.“ Andere mögen wohl davor zurückschrecken, öffentlich zu sagen: „Das Leben ist für mich Christus“, obwohl es vielleicht wirklich das Begehren des Herzens sein mag. Paulus, geleitet durch den Geist, konnte das in aller Wahrheit sagen. Der Mensch dieser Welt lebt für Geld oder Vergnügen oder Ehre, und der Verlust dieser Dinge würde ihn seines Lebenszieles berauben. So lebte Paulus allein für Christus. Und wäre es möglich gewesen, ihm Christus zu rauben, würde nichts übrig geblieben sein, für das er hätte leben können.

Es ist klar, dass das Leben eines Menschen dadurch regiert wird und gesehen wird in Verbindung mit dem, was das Ziel im Leben ist. Wenn er für Geld lebt, wird alles gesehen werden in Verbindung mit Geld. Wenn es Vergnügen ist, wird alles gesehen werden in Verbindung mit Vergnügen. Andere Dinge mögen zu Zeiten seine Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen, aber das, was sein Leben ist, wird seine Gedanken und Handlungen beherrschen. Es ist auch nicht anders mit dem Christen. Und wenn Paulus sagen kann: „Das Leben ist für mich Christus“, bedeutet das in der Praxis, dass alles im Leben des Paulus gesehen wird in Verbindung mit Christus und seinen Interessen.

Der natürliche Mensch lebt für sich selbst und sieht alles in Verbindung mit sich selbst. Es ist das Vorrecht des Gläubigen zu wissen, dass Gott in dem Kreuz Christi mit diesem „Selbst“ gehandelt hat, so dass wir nicht mehr mit dem „Selbst“ in irgendeiner Weise beschäftigt sein müssen. Unser alter Mensch ist mit Christus gekreuzigt worden, und so haben wir das Recht, uns der Sünde für tot zu halten. Diese Haltung ist die Grundlage praktischen Christentums. Darin eingeschlossen ist die völlige Beiseitesetzung des alten Menschen in dem Gericht am Kreuz und die Einführung eines neuen Menschen in einer neuen Welt, Christus in der Herrlichkeit.

Ach! Unsere Erfahrungen als Christen sind oft so niedrig, weil wir die Dinge sehen in Verbindung mit uns selbst. Die wahre christliche Erfahrung, so wie sie uns in diesem Kapitel vorgestellt wird, ist das Ergebnis davon, dass man alles sieht in Verbindung mit Christus. Das wird uns in deutlichster Weise vorgestellt in Fall des Apostel Paulus. Alles, was er in diesem Eröffnungskapitel anfasst, wird gesehen in Verbindung mit Christus.

1. Die Gabe der Philipper

Vers 5

Phil 1,5: … wegen eurer Teilnahme an dem Evangelium vom ersten Tage an bis jetzt …

Nach den Einführungsversen bezieht sich der Apostel in einer indirekten Art und Weise auf die Gabe, die ihm durch die Philipper zugesandt worden war. Darin sieht er einen frischen Ausdruck ihrer Gemeinschaft. Da Christus allerdings sein Leben ist, sieht er diese Gabe nicht in Verbindung mit sich selbst, sondern in Verbindung zu dem Evangelium des Christus. Daher spricht er von dieser Gabe als „Gemeinschaft in dem Evangelium.“ Hätte er allein an sich selbst gedacht, würde er gesagt haben: „Gemeinschaft mit mir.“ Aber er vergaß sich selbst und seine direkten Bedürfnisse und sieht in der Gabe ein Beweis der Gnade des Herrn, die in den Philipper am Wirken war.

2. Die Versammlung der Philipper

Vers 6

Phil 1,6: … indem ich eben dessen in guter Zuversicht bin, dass der, welcher ein gutes Werk in euch angefangen hat, es vollführen wird bis auf den Tag Jesu Christi …

Die Gabe führt den Apostel dazu, an die zu denken, die die Gabe gesandt hatten. Da Christus sein Leben ist, sieht er die Philipper, so wie er zuvor ihre Gabe gesehen hatte, in Verbindung mit Christus. Indem er sie so sieht, kann er sagen: „Der, welcher ein gutes Werk in euch begonnen hat, wird es vollführen bis auf den Tag Jesu Christi.“ Sehen wir die Heiligen in Verbindung mit dem Fleisch, das in ihnen ist, mit der Welt, die um sie herum ist, mit dem Teufel, der gegen sie ist, oder den Schwierigkeiten, von denen sie umgeben sind, dann können wir vielleicht verzweifeln, wenn wir an sie denken. Als der Apostel für einen Moment an die Gläubigen in Galatien dachte in Verbindung mit ihren Wegen, da musste er sagen: „Ich bin euretwegen in Verlegenheit.“ Direkt danach allerdings sieht er sie in Verbindung mit Christus, und dann kann er sagen: „Ich habe Vertrauen zu euch im Herrn“ (Gal 4,20; 5,10).

So ist es mit den Philippern. Da er sie in Verbindung mit Christus sieht, kann er davon sprechen, dass er „Vertrauen hatte“, dass das Werk, das in ihnen begonnen wurde, „vollendet wird an dem Tag Jesu Christi“.

3. Die Liebe des Apostels

Verse 7.8

Phil 1,7.8: … wie es für mich recht ist, dass ich dies in Betreff euer aller denke, weil ihr mich im Herzen habt, und sowohl in meinen Banden als auch in der Verantwortung und Bestätigung des Evangeliums ihr alle meine Mitteilnehmer der Gnade seid. Denn Gott ist mein Zeuge, wie ich mich nach euch allen sehne mit dem Herzen Christi Jesu.

Wenn der Apostel an die Philipper denkt, dann führt ihn das notwendigerweise dazu, von seiner Liebe zu ihnen zu sprechen. Er kann sagen: „Gott ist mein Zeuge, wie sehr ich mich nach euch sehne mit dem Herzen Jesu Christi.“ Christus ist sein Leben und so sieht er diese Liebe zu den Philipper in Verbindung mit Christus. Er sehnt sich nicht nach ihnen mit rein menschlicher Zuneigung, wo es immer Aufs und Abs gibt, je nachdem wie der andere handelt, sondern mit tiefer göttlicher Zuneigung – dem Herzen Jesu Christi. Das bedeutete, mit einer Liebe, die, nachdem sie geliebt hatte, liebte bis zum Ende (Joh 13,3).

4. Das Gebet des Apostels

Verse 9-11

Phil 1,9-11: Und um dieses bete ich, dass eure Liebe noch mehr und mehr überströme in Erkenntnis und aller Einsicht, damit ihr prüfen möget, was das Vorzüglichere sei, auf dass ihr lauter und unanstößig seid auf den Tag Christi, erfüllt mit der Frucht der Gerechtigkeit, die durch Jesus Christus ist, zur Herrlichkeit und zum Preise Gottes.

Solche, die wir lieben, für die beten wir. So war es bei dem Apostel: Da er die Philipper liebte, betete er für den Zustand ihrer Seele, damit ihre Liebe noch mehr und mehr überströme. Wenn er allerdings für ihren Zustand betete, dann tut er das in Verbindung mit Christus. Er betet nicht für einen guten Zustand in Verbindung mit sich selbst, dass sie etwa ein gutes Zeugnis für ihn sein sollten oder dass sie irgendetwas vor Menschen sein würden am Tage des Menschen. Er betet für sie im Blick auf den Tag Christi. Darüber hinaus begehrt er, dass ihr Leben erfüllt sein möge mit der Frucht praktischer Gerechtigkeit. Das verbindet er wieder sofort mit Christus, denn solche praktischen Früchte kann es nur geben durch Jesus Christus. Er begehrt diese Früchte auch nicht, damit er gerühmt wird oder damit die Philipper gerühmt würden, sondern für die Herrlichkeit und den Preis Gottes.

5. Die Umstände auf dem Weg

Verse 12-14

Phil 1,12-14: Ich will aber, dass ihr wisset, Brüder, dass meine Umstände mehr zur Förderung des Evangeliums geraten sind, so dass meine Bande in Christus offenbar geworden sind in dem ganzen Prätorium und allen anderen und dass die meisten der Brüder, indem sie im Herrn Vertrauen gewonnen haben durch meine Bande, viel mehr sich erkühnen, das Wort Gottes zu reden ohne Furcht.

Der Apostel rechnet damit, dass die Philipper ein liebendes Interesse an ihm selber haben; und so kommt er auf sich und seine Umstände zu sprechen. Wiederum sehen wir, dass, da Christus sein Leben ist, er seine Umstände in Verbindung mit Christus und seinem Evangelium sieht. Er sagt: „Ich will aber, dass ihr wisst, Brüder, dass meine Umstände mehr zur Förderung des Evangeliums geraten sind.“ Die Umstände waren derart, dass sie auch das härteste Herz zum Beben brachten. Seit vier Jahren war er ein Gefangener in Ketten unter der Herrschaft des Tyrannen Nero. Er war nicht länger fähig, in den Versammlungen zu dienen oder vor Mengen zu predigen. Hätte er seine Umstände in Verbindung mit sich selbst betrachtet, dann hätte er wohl niedergeschlagen sein können. Dann hätte er sich möglicherweise selbst getadelt für Handlungen in der Vergangenheit, die zu seiner Gefangennahme geführt hatten. Er erhebt sich aber über alle Betrachtung seiner selbst – sei es Mangel an Weisheit in der Vergangenheit oder Erleichterung und Komfort in der Gegenwart –, sondern sieht seine Umstände völlig in Verbindung mit Christus. Er fragt nicht: Wie berühren diese schlimmen Umstände mich?, sondern: Wie fördern sie die Interessen Christi? – Indem er die Umstände so sieht, bemerkte er, dass Gott über allen Umständen ist, selbst wenn sie hauptsächlich dadurch hervorgebracht sind, dass wir selbst Fehler begangen haben und dass Gott die unvorteilhaftesten Umstände, die man sich wohl denken könnte, zur Förderung des Evangeliums gereichen lassen kann. Wenn er die Umstände im Lichte Christi und seiner Interessen betrachtet, dann werden sie eine Gelegenheit, Freude im Herrn zu erfahren – so wie er sagt: „Und darüber freue ich mich, ja, ich werde mich auch freuen.“

6. Streitsüchtige Brüder

Verse 15-18

Phil 1,15-18: Etliche zwar predigen Christus auch aus Neid und Streit, etliche aber auch aus gutem Willen. Diese aus Liebe, indem sie wissen, dass ich zur Verantwortung des Evangeliums gesetzt bin; jene aus Streitsucht verkündigen Christus {o. den Christus} nicht lauter, indem sie meinen Banden Trübsal zu erwecken gedenken. Was denn? Wird doch auf alle Weise, sei es aus Vorwand oder in Wahrheit, Christus verkündigt, und darüber freue ich mich, ja, ich werde mich auch freuen.

Paulus hat allerdings nicht nur mit widrigen Umständen zu tun, er muss auch mit streitsüchtigen Brüdern handeln. Solche gab es zur Zeit des Paulus, und es gibt sie auch heute noch – Menschen, die einen Dienst tun mit unreinen Motiven. Was sollen wir davon halten? Hätte Paulus sie gesehen in Verbindung mit sich selbst, dann würde er wohl unwillig geworden sein, denn er wusste zu gut, dass sie erhofften, ihm noch mehr Not in seinen Ketten zuzufügen. Wenn Paulus anwesend gewesen wäre, dann wären sie wohl still gewesen. Jetzt, wo er abwesend ist, geben sie ihrem Neid Ausdruck, indem sie sich selbst in den Vordergrund bringen und glauben, dass sie so Paulus geringschätzen und sich selbst großmachen können. Paulus allerdings weigert sich, sie zu sehen in Verbindung mit sich selbst, und so versagen ihre Anstrengungen, Paulus zu ärgern. Denn für Paulus war das Leben Christus, und daher sieht er die Handlungen dieser Menschen in Verbindung mit Christus. Das führt zu dem Ergebnis, dass er ganz klar sieht, dass, was auch immer ihr Motiv war, doch „Christus gepredigt wird“. Das wiederum führt zu christlicher Erfahrung: „Darüber freue ich mich, ja, ich werde mich auch freuen.“

7. Die gegenwärtige Errettung des Apostels

Vers 19

Phil 1,19: … denn ich weiß, dass dies mir zur Seligkeit ausschlagen wird durch euer Gebet und durch Darreichung des Geistes Jesu Christi, …

Der Apostel fährt fort, davon zu sprechen, wie er die Befreiung von all den frustrierenden Auswirkungen der traurigen Umstände und der streitsüchtigen Brüder erfahren hat. Letztere dachten Trübsal für den Apostel zu erwecken (Phil 1,17). „Nein“, sagt der Apostel, „durch eure Gebete wird mir dies alles zur Rettung ausschlagen“ (Phil 1,19). Er wird befreit werden davon, niedergeschlagen zu sein wegen seiner Ketten und auch befreit von dem Selbstvertrauen, als wenn das Werk völlig von ihm selbst abhängen würde. Aber diese Errettung von den Gefahren, die seine Seele bedrängten, verbindet er mit Jesus Christus. Sie wird zustande kommen durch die gnädige „Darreichung des Geistes Jesu Christi“.

8. Der sterbliche Körper

Vers 20

Phil 1,20: … nach meiner sehnlichen Erwartung und Hoffnung, dass ich in nichts werde zuschanden werden, sondern mit aller Freimütigkeit, wie allezeit, so auch jetzt Christus hoch erhoben werden wird an meinem Leibe, sei es durch Leben oder durch Tod.

Von den Gefahren, die seine Seele bedrängten, geht er nun weiter und kommt auf seinen Körper zu sprechen. Wenn er an seinen Körper denkt, dann sind seine Gedanken nicht damit beschäftigt, wie er ihn nähren und kleiden mag. Auch nicht damit, wie er ihm Bequemlichkeit verschaffen könne. In der Tat hätte er daran gedacht, wenn er seinen Körper sehen würde in Verbindung mit sich selber. Für Paulus allerdings ist das Leben Christus und deswegen denkt er an seinen Körper in Verbindung mit Christus. Und so ist seine „sehnliche Erwartung“, dass „Christus hoch erhoben“ werde an seinem Leibe. Für Paulus war sein Körper nur ein Gefäß, in welchem Christus dargestellt werden sollte.

9. Leben und Tod

Verse 21-26

Phil 1,21-26: Denn das Leben ist für mich Christus und das Sterben Gewinn. Wenn aber das Leben im Fleische mein Los ist, das ist für mich der Mühe wert, und was ich erwählen soll, weiß ich nicht. Ich werde aber von beidem bedrängt, indem ich Lust habe, abzuscheiden und bei Christus zu sein, [denn] es ist weit besser; das Bleiben im Fleische aber ist nötiger um euretwillen. Und in dieser Zuversicht weiß ich, dass ich bleiben und mit und bei euch allen bleiben werde zu eurer Förderung und Freude im Glauben, auf dass euer Rühmen in Christus Jesus meinethalben überströme durch meine Wiederkunft zu euch.

Der Apostel steht den großen Realitäten von Leben und Tod gegenüber. Er spricht von dem Leben, was er auf der Erde lebt. Hätte er sein Leben gesehen als das Leben eines natürlichen Menschen mit all seinen großen Fähigkeiten, Vorteilen der Geburt und Vorteilen der Ausbildung, wäre es dann nicht voller Möglichkeiten und schwindelerregenden Aussichten gewesen? Doch Christus ist sein Leben, und so weigerte er sich, das Leben hier in Verbindung mit sich selbst zu sehen und kann sagen: „Das Leben ist für mich Christus.“

Jetzt kommt der Tod vor seine Blicke. Für den natürlichen Menschen ist der Tod der König der Schrecken und der Schrecken der Könige. Er bedeutet den Verlust all der Dinge, die man wertgeschätzt hat. Der Apostel sieht den Tod in Verbindung mit Christus, und daher bedeutet er nicht länger Schrecken für den Apostel. Er bedeutete auch keinen Verlust. Im Gegenteil konnte er sagen: „Denn … das Sterben [ist] Gewinn.“ Denn abzuscheiden bedeutete, „bei Christus zu sein“. Derjenige, der Geld zu seinem Ziel macht, wird den Tod nicht als einen Gewinn empfinden. Er wird von diesem Gegenstand nicht mehr bekommen durch den Tod. Er würde alles das verlieren, für das er gelebt hatte, denn das letzte Hemd hat keine Taschen. Wenn Christus das Ziel ist, dann ist der Tod Gewinn, denn durch den Tod gewinnt man mehr von diesem gesegneten Ziel, und durch den Tod verschwinden alle die Dinge, die den Genuss an Christus hindern.

Wenn allerdings Paulus noch eine Weile am Leben und bei den Gläubigen bleiben sollte, dann würde das zu ihrer Förderung und Freude des Glaubens sein. Immer noch denkt er nur an Christus. Er hat keinen Gedanken daran, hierzubleiben, damit die Gläubigen sich an Paulus durch Jesus Christus freuen, sondern dass sie sich in Jesus Christus freuen durch Paulus (V. 26).

10. Das Verhalten der Philipper

Verse 27-30

Phil 1,27-30: Wandelt nur würdig des Evangeliums des Christus, auf dass, sei es dass ich komme und euch sehe, oder abwesend bin, ich von euch höre, dass ihr feststehet in einem Geiste, indem ihr mit einer Seele mitkämpfet mit dem Glauben des Evangeliums und in nichts euch erschrecken lasset von den Widersachern; was für sie ein Beweis des Verderbens ist, aber eures Heils und das von Gott. Denn euch ist es in Bezug auf Christus geschenkt worden, nicht allein an ihn zu glauben, sondern auch für ihn zu leiden, da ihr denselben Kampf habt, den ihr an mir gesehen und jetzt von mir höret.

Ob Paulus nun abwesend ist oder bei den Gläubigen, er begehrt, dass ihr Verhalten würdig sei des Evangeliums Christi. Er denkt nicht an ihr Verhalten in Verbindung mit sich selber – dass es dem Paulus würdig sei –, sondern in Verbindung mit Christus. Daher begehrt er, dass sie feststehen in einem Geiste, mit einer Seele und gemeinsam für den Glauben des Evangeliums kämpfen.

Schließlich gibt es Feinde, mit denen man zu tun hat, und Leiden, die man aushalten muss. Wenn wir diese Dinge sehen in Verbindung mit uns selbst, mag uns das wohl erschrecken, denn wir sind schwach und sie sind stark. Paulus sieht sie in Verbindung mit Christus und kann sagen: „Denn euch ist es in Bezug auf Christus geschenkt worden, nicht allein an ihn zu glauben, sondern auch für ihn zu leiden.“ Das Leiden wird seines Schreckens beraubt und als ein christliches Vorrecht angesehen, das uns in Gnade gegeben wurde und eine schöne Belohnung in der Herrlichkeit mit sich bringt.

Nach diesem schnellen Überblick über dieses Kapitel ist es klargeworden, dass alles gesehen wird in Verbindung mit Christus. Sei es eine Gabe von den Gläubigen, die Gläubigen selber, oder die Liebe zwischen dem Diener und den Gläubigen; sei es der Zustand der Gläubigen oder die Frucht, die sie hervorbringen, die Umstände, die ihnen begegnen, die streitsüchtigen Leute, mit denen sie zu tun haben, der Körper, in dem sie sich bewegen müssen, das Leben, das sie hier auf der Erde leben, oder der Tod, der das Leben beendet; sei es die Gegenwart oder Abwesenheit eines begabten Führers, die Feinde, die den Gläubigen widerstehen oder die Leiden, die sie auszuhalten haben – alles wird gesehen in Verbindung mit Christus. Dieser gesegnete Blickpunkt ist das Ergebnis davon, dass man Christus als sein Leben hat.

Darüber hinaus ist das Ergebnis davon, dass man Christus als sein Leben hat und alles sieht in Verbindung mit Christus, dass man echte christliche Erfahrung genießt. So drückt der Apostel seine Dankbarkeit aus, wenn er sich an die Heiligen erinnert (Phil 1,3); seine Freude, wenn er für sie betete (Phil 1,4); sein Vertrauen auf ihre Zukunft (Phil 1,6); sein liebendes Interesse an ihrer gegenwärtigen Wohlfahrt (Phil 1,7-11); seine beständige Freude, dass Christus gepredigt wird. Er hatte keine Spur von Furcht in Gegenwart von Leben oder Tod oder Feinden oder Leiden. Er ist erfüllt mit Freude bei dem Gedanken, abzuscheiden und bei Christus zu sein. Er ist erfüllt mit Ruhe und Frieden in Gegenwart der Feinde, sollte er noch eine Weile hier auf der Erde für Christus bleiben. Das sind die glücklichen und echten christlichen Erfahrungen eines Menschen, der Christus als sein Leben besitzt. So wie es in dem Apostel dargestellt wird, können wir nicht anders, als dieses Leben bewundern, obwohl es uns demütigt, dass wir zu bekennen haben, wie weit wir darin versagen, dieses Leben zu leben.

Nächster Teil


Originaltitel: „The Epistle to the Philippians“
aus Scripture Truth, Jg. 22, 1930, S. 63–65, 89–90


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