„Wenn dein Bruder gegen dich sündigt …“
Matthäus 18,15

Botschafter

© SoundWords, online seit: 21.04.2012, aktualisiert: 06.12.2017

Leitvers: Matthäus 18,15

Mt 18,15: Wenn aber dein Bruder gegen dich sündigt, so geh hin, überführe ihn zwischen dir und ihm allein. Wenn er auf dich hört, hast du deinen Bruder gewonnen.

In diesen Worten unseres Herrn steckt ein Grundsatz von der größten Wichtigkeit. Wenn er mehr beachtet und befolgt würde, so würde manche Schwierigkeit im Keim erstickt und manche Wurzel der Bitterkeit ausgerottet werden, ehe sie Zeit hätte, viele Herzen zu verunreinigen.

„Wenn dein Bruder gegen dich sündigt“

Es handelt sich um ein persönliches Vergehen, um eine Beleidigung vielleicht, ein böses, scharfes Wort, ein Unrecht oder dergleichen. Es ist keine Sache, die allgemein bekannt ist oder die (wenigstens zunächst nicht) Schmach auf den Namen des Herrn bringt. Es ist eine Angelegenheit zwischen mir und meinem Bruder. Wie soll ich da handeln? – Was hat Gott getan, als wir, fern von Ihm, auf unseren Sündenwegen dahingingen? Hat Er gewartet, bis wir zu Ihm kamen und Ihm unsere Sünden bekannten? Nein, Er sandte seinen eingeborenen Sohn, um uns, seine Feinde, zu suchen und zu erretten. Nach demselben Grundsatz soll nun ich handeln. Ich soll nicht den Beleidigten spielen, auch nicht die Sünde auf meinem Bruder dulden und wie einst Kain sagen: „Bin ich meines Bruders Hüter?“ Ich soll auch nicht zu anderen hingehen und ihnen mitteilen, wie hässlich mein Bruder an mir gehandelt hat. Nichts von alledem! Ich soll – so mächtig sich mein altes Ich auch dagegen sträuben mag – zu ihm hingehen. Das heißt, ich soll den ersten Schritt tun. Ich soll in dem Geist der Gnade, in der Gesinnung Jesu Christi, den niedrigsten Platz einnehmen und meinem Bruder die Füße zu waschen suchen.

„Überführe ihn zwischen dir und ihm allein

Und wenn er dir noch so sehr Unrecht getan hat, rede zunächst mit ihm allein, und zwar in Demut und Liebe, nicht um deinetwillen – wann denkt die Liebe je an sich? –, sondern um des Bruders willen, dessen Herz unmöglich glücklich sein kann, solange seine Sünde ungerichtet bleibt. Nicht der Beleidiger steht vor der Seele, sondern der Bruder, das geliebte Kind Gottes, der, für den Christus gestorben ist.

„Und wenn er auf dich hört, so hast du deinen Bruder gewonnen

Welch ein kostbarer Preis! Die Sünde wird bekannt, vor Gottes Augen hinweggetan, und die irrende Seele wird wiederhergestellt. Kein Zweiter oder Dritter braucht von der Sache je zu hören. Sie ist in göttlicher Weise und im Segen geordnet.


Aus Botschafter des Heils in Christo, 1904, S. 27–28
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