Wie Gott das Gebet belohnt
Daniel 6

J. B.

© SoundWords, online seit: 05.10.2003

Leitverse: Daniel 6,5b.11

Dan 6,5b.11b: Aber sie konnten keinen Anklagegrund und keine schlechte Handlung finden. … Und dreimal des Tages kniete er auf seine Knie und betete.

Der große Kampf in diesem Kapitel geht um das Gebet. Zu wem soll gebetet werden? Wenn wir auf Daniel 9,1 und 11,1 blicken, werden wir eine Hilfe zur Betrachtung von Kapitel 6 finden. Die Worte „das erste Jahr des Darius“ in beiden Schriftstellen scheinen auf die Zeit dieses Kapitels hinzuweisen und das Gebet Daniels in Kapitel 9 mit seinem Gebet in Kapitel 6 zu verbinden. Es erregte die Bosheit Satans gegen ihn. Wenn der Engel dem Darius nicht beigestanden hätte „als Helfer und Schutz“, so würde Satan seine Liebe zur Schmeichelei benutzt haben, damit dieser Mann, in dem die Macht Gottes war, vom Erdboden verschwunden wäre. Wir sehen in Kapitel 10, dass Satan seine bösen Geister in den höchsten Örtern hat, die für seine teuflischen Ziele kämpfen, und zwar besonders hinsichtlich solcher Völker, die Macht und Einfluss in den Dingen Gottes und seines Volkes haben.

In Babylon war dieser böse Einfluss am Werk, als man dort einen Feuerofen für diejenigen herrichtete, die sich einem falschen Gott nicht hatten beugen wollen. Jetzt kam der Fürst von Persien, um eine Löwengrube für die zu bereiten, die nicht aufhören würden zu beten. Ein Gebet, wie das in Kapitel 9 berichtete, rief einen Kampf im Himmel hervor, und ein Mensch, der betete und sich nicht beugen wollte, konnte in Persien, das damals das Weltreich war, nicht geduldet werden. Gewiss, die eifersüchtige Bosheit der Vorsteher und Satrapen sowie die leichtfertige und gedankenlose Eitelkeit des Königs waren der zweite Grund, aber die Engel Gottes und die Engel des Teufels gerieten um den Diener Gottes und seinen irdischen Mittelpunkt Jerusalem in unversöhnlichen Kampf.

Das Erbarmen Gottes macht einen großen Unterschied in dem Gericht. Der König war nicht der Urheber der Bedrängnis Daniels und dachte nicht, dass seine Torheit so unheilvolle Folgen haben würde. Er brachte die Nacht mit Fasten zu und war wegen des Ergebnisses seiner leichtfertigen Eitelkeit besorgt.

Daniel dagegen verbrachte jene Nacht in Gemeinschaft mit dem Engel Gottes, „und keine Verletzung wurde an ihm gefunden, weil er auf seinen Gott vertraut hatte“. „Der Drache kämpfte … und siegte nicht“ (Off 12,7). Die Knechte Gottes in Kapitel 3 fanden „den Sohn Gottes“ im Feuer und Daniel „den Engel Gottes“ in der Löwengrube.

Zeigt nicht diese wunderbare Erzählung, wie Gott das Gebet schätzt, das der Teufel so hasst? Wirft dies nicht Licht auf den beharrlichen und entschlossenen Widerstand gegen das Gebet im Kämmerlein wie auch in der Gemeinde? Die leeren Gebetszusammenkünfte, die unvorhergesehenen Störungen, die unerklärlichen Ausbrüche von Unwohlsein sind auf böse Mächte zurückzuführen, denen der Wert des Gebetes bekannt ist. Daniel befand sich in einer Stellung öffentlichen Vertrauens und großer Verantwortlichkeit, seine Arbeit war sehr wichtig, doch „in seinem Hause“, „auf seinen Knien“ fand er Zeit zum Beten und zwar hinsichtlich des Mittelpunktes der Interessen Gottes auf Erden. Der Teufel hat die Löwengrube für den Mann des Gebets, doch er ist ein „Vielgeliebter“, und dem Engel wird befohlen, wegen seiner Worte schnell zu ihm zu fliegen. Der „Fehler“, den der Teufel an ihm fand, war, dass er dreimal des Tages niederkniete zum Gebet.

Das persische Reich war niedriger als das babyIonische Reich. Es wird in dem Bild des 2. Kapitels durch die „Brust und Arme von Silber“ in dem Tier des 7. Kapitels als ein Bär und in dem Tier des 8. Kapitels als ein Widder dargestellt. Es war nicht unmittelbar von Gott errichtet, die Macht des Königs war nicht unumschränkt, und bei ihm war nicht der Unterhalt und Schutz für die, welche sich seiner Autorität unterwarfen wie bei Nebukadnezar. Dem Bär wird nur gestattet, „aufzustehen und viel Fleisch zu fressen“, seine tierischen Begierden zu stillen, da war keine „Herrlichkeit und kein Glanz“ oder gottgegebene Herrschaft über alle Dinge. Der Widder „stieß“ nur, „wurde größer“, bis ihn eine andere Macht hinwegtat.

Daniel erprobte die Verheißung, die Gottes zerstreutem Überrest gemacht worden war: „So bin ich ihnen doch ein wenig zum Heiligtum geworden in den Ländern, wohin sie gekommen sind“ (Hes 11,16). Auch seine irdische Weisheit empfing er von Gott und schrieb sie Ihm zu – er tat die Geschäfte des Königs und diente Gott ohne Unterlass, dass selbst das Auge des Neides keinen Anklagegrund, der ihrer Bosheit hätte Vorschub leisten können, fand. Aber „der Eifer ist hart wie der Scheol“, und er wird einen Deckmantel finden, sei es auch die unleugbare Ergebenheit seines Opfers. Und an dieser Art von Leiden nahm der Herr selbst, von dem Daniel ein so treffendes Vorbild ist, in Vollkommenheit teil, und in so rührender Weise machte Er sich mit seinem Volke in dieser Sache eins, dass Er sagen konnte: „In allen unseren Schritten haben sie uns jetzt umringt, sie richten ihre Augen, uns zu Boden zu strecken. Er ist gleich einem Löwen, der nach Raub schmachtet, und wie ein junger Löwe sitzend im Versteck“ (Ps 17,11.12). Das Meisterstück teuflischer List ist in der Art zu sehen, wie „die Mächte, welche sind“ an ihre Stelle gesetzt werden, was in den Worten beschrieben wird: „Wenn du diesen losgibst, bist du des Kaisers Freund nicht“ (Joh 19,12). Wie so mancher unglückliche Vertreter der Macht, sowohl der weltlichen als auch der geistlichen, hat in jener „Stunde der Finsternis“ geurteilt, dass es nützlich ist, dass „dieser Mensch“ geopfert werde. Daniel ist längst in seine Ruhe eingegangen, der Herr Jesus ist zum Vater zurückgekehrt, aber „der Gott Daniels ist ein Gott, immer und ewiglich“.

Die Vorsteher hatten keinen Engel, der ihnen mutig beistand in jener Nacht, und als der Morgen kam, fanden sie keinen Engel in der Löwengrube. Sie dachten, sie hätten Daniels Untergang besiegelt, genau wie der Hohepriester, als er nach einem Siegel auf das Grab verlangte, die beißende Antwort empfing: „Sichert es, so gut ihr es wisset.“ – „Der im Himmel thront, lacht, der Herr spottet ihrer“ (Ps 2,4).

Ein minderwertigerer Teil des Bildes mag bleiben, der Bär mag seine Gier stillen, der Widder mag stoßen und größer werden, und auch bei den weltlich Gesinnten unter dem Volk Gottes mag dies so sein, doch die Daniels Gottes gehen ihren Weg, denn sie werden „ruhen und auferstehen zu ihrem Los am Ende der Tage“. Auch ihre Gesichte werden versiegelt, ein köstliches Geheimnis zwischen Gott und denen, die Ihn fürchten (Dan 12,4.13).

Gottes reiche Antwort auf das Gebet Daniels sehen wir in Esra 1. Sein Wille geschah, als Er Nebukadnezar sandte, die Stadt und das Heiligtum zu zerstören und die Geräte des Tempels wegzunehmen, um sie in dem Schatzhause seines Gottes zu verwahren, doch Er konnte und wollte ebenso das Gebet Daniels erfüllen, und so veranlasste Er das Haupt des nächsten Weltreiches, den Befehl zum Wiederaufbau der Stadt und des Heiligtums zu geben. Er wollte auch diesem erwählten Mann seines Vorsatzes „verborgene Schätze und versteckte Reichtümer geben“ (Jes 45,3), damit sie seinem Volk und ihrem Platz wieder zugeführt würden. Wenig dachte Belsazar daran, dass er so bald auch durch die Hand des Gottes fallen würde, den er verhöhnte, dass jene Gefäße, aus denen er und seine Zechgenossen getrunken, durch denselben Gott ihrem Zweck wieder zugeführt werden würden, der nach seinem Willen es für eine Zeit erlaubt hatte, dass sie weggenommen worden waren. „Gebet ändert die Dinge!“

Doch dies alles genügte Gott noch nicht, um Daniels Herz damit zu erfreuen. Es hätte genug sein können und war in der Tat wunderbar, denn ein glücklicher Teil bereuender Juden kehrte in sein Land zurück, versehen mit der Erlaubnis und dem Material zum Wiederaufbauen und im Besitz der wertvollen Gefäße, die wieder ihrer Obhut anvertraut worden waren, doch der Engel, der „schnell flog“, um den geliebten Mann zu berühren, teilte ihm noch Geheimnisse mit, die allein für sein Ohr, als dem Vertrauten Gottes, bestimmt waren. Die Zukunft „vom Ausgehen des Befehles, Jerusalem wiederherzustellen, bis zum Fall des vierten Tieres“ wurde geoffenbart, und den Schmerz aller Schmerzen, Kummer, der noch für das Herz Gottes aufbewahrt war, tat Er seinem geliebten Daniel kund, nämlich dass nach all diesen richterlichen Wegen mit seinem erwählten Volk Er ihnen, da Er noch einen Sohn, seinen Eingeborenen hatte, diesen senden würde, indem Er sagt: „Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen“, mit dem einzigen Ergebnis: „Nach den zweiundsechzig Wochen wird der Messias weggetan werden und nichts haben.“ Konnte es möglich sein, dass Daniels Volk dem Herrn so vergelten würde? Würde ihre wunderbare Rückkehr aus der Gefangenschaft, die eine Antwort auf Daniels Gebet war, so enden? Welch eine Ehre war es für ihn, dieses ernste, herzerschütternde Geheimnis so viele Jahre vorher mitgeteilt zu erhalten, den leidenden Messias vorauszusehen, der in der Mitte seiner Tage hinweggetan werden würde, indem Er sprach: „Meine Seele ist sehr betrübt, bis zum Tode“, Ihn sozusagen vorher zu beobachten und die Hoffnung Israels vernichtet zu sehen.

Das hilft uns die sonst überraschende Tatsache verstehen, dass Daniel nicht mit den Übrigen nach Jerusalem zurückkehrte. Er bewahrte Gottes feierliches Geheimnis in seinem Herzen auf und trauerte und fastete und bekannte, so wie sein Volk an einem künftigen Tage tun wird, wie dies in Sacharja 12,10 vorausgesagt ist.

Wir haben notwendigerweise ein gut Teil dessen vorausgenommen, was in den späteren Kapiteln folgt, um zu sehen, wie weitgehend Daniels Gebet beantwortet und geehrt wurde. Von jener Zeit an nahm er eine Stellung bemerkenswerter Vertrautheit Gott gegenüber ein und durfte Gemeinschaft mit Ihm in seinem größten Leid, nämlich dem Tod seines geliebten Sohnes, haben. Andere hatten ähnliche Vorrechte, wenn auch nicht so groß. Hesekiel hatte den Wunsch, nichts mehr zu sehen, weil das verehrte Heiligtum Gottes zerstört und sein Volk hinweggeführt worden war. Hosea kannte die Schmach eines verunreinigten Hauses und den Schmerz unerwiderter Zuneigung, denn des Herrn Haus war befleckt und seine Liebe wurde verachtet. Baruch war zufrieden mit kleinen Dingen, weil sie des Herrn waren (siehe Hes 24; Hos 3; Jer 45).

Letzte Aktualisierung: 17.08.2016


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