Wie gehen wir zum Abendmahl?
1. Korinther 11,23-29

William Kelly

© EPV, online seit: 06.02.2015

Leitverse: 1. Korinther 11,23-29

1Kor 11,23-29: Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich auch euch überliefert habe, dass der Herr Jesus in der Nacht, in der er überliefert wurde, Brot nahm, und als er gedankt hatte, es brach und sprach: Dies ist mein Leib, der für euch ist; dies tut zu meinem Gedächtnis. Ebenso auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; dies tut, sooft ihr trinkt, zu meinem Gedächtnis. Denn sooft ihr dieses Brot esst und den Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt. Wer also irgend das Brot isst oder den Kelch des Herrn trinkt in unwürdiger Weise, wird des Leibes und des Blutes des Herrn schuldig sein. Jeder aber prüfe sich selbst, und so esse er von dem Brot und trinke von dem Kelch. Denn wer unwürdig isst und trinkt, isst und trinkt sich selbst Gericht, indem er den Leib nicht unterscheidet.

Wir alle wissen, dass der Herr dem Apostel Paulus nicht die Taufe, sondern das Abendmahl des Herrn offenbart hat, wie es in dem gleichen Brief, aus dem wir schon mehrere Stellen angeführt haben, aufgezeichnet ist (1Kor 11). Diese heilige Anordnung ist der deutliche äußere Ausdruck der Einheit des Leibes Christi, deren Entfaltung die besondere Aufgabe des Paulus war, und beide sind engstens miteinander verbunden. Daher sehen wir, dass der Herr Paulus diese Wahrheit hier aufs Neue offenbart. Er hatte Paulus, wie dieser sagt, nicht ausgesandt, um zu taufen, sondern um das Evangelium zu predigen. Es besteht kein Zweifel, dass er wirklich getauft hat und dass er recht tat, wenn er taufte. Aber die Taufe, die nach der Auferstehung des Herrn den Elfen so ausdrücklich aufgetragen wurde, ist nicht nur eine einmalige einführende Handlung – „eine Taufe“ –, sondern sie ist für jeden Einzelnen das Bekenntnis der Grundwahrheit des Todes und der Auferstehung Christi. Der Täufling steht jetzt als solcher da, der an Den glaubt, Der gestorben und auferstanden ist. Er ist daher kein Jude oder Heide mehr, sondern ein Bekenner Christi. Das Abendmahl des Herrn bezieht sich jedoch auf die Versammlung und ist ein zu Herzen gehender und wichtiger Gegenstand in der Anbetung der Heiligen Gottes. In erster Linie und genau genommen ist es das beständige Zeichen unseres einzigen Fundamentes: Es ist das Zeugnis seiner Liebe bis zum Tode und seines Werkes, aufgrund dessen solche wie wir anbeten können. Es ist daher nicht zu verwundern, dass es der Apostel Paulus ist, der zeigt, welchen wichtigen und gesegneten Platz das Mahl des Herrn in den Offenbarungen, die der Herr ihm gab, einnimmt. „Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich auch euch überliefert habe, dass der Herr Jesus in der Nacht, in der er überliefert wurde, Brot nahm, und als er gedankt hatte, es brach und sprach: Dies ist mein Leib, der für euch ist; dies tut zu meinem Gedächtnis. Ebenso auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; dies tut, sooft ihr trinkt, zu meinem Gedächtnis. Denn sooft ihr dieses Brot esst und den Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt“ (1Kor 11,23-26). An diesen Worten ist leicht zu erkennen, welch einen großen und wichtigen Platz der Tod des Herrn in seinem Abendmahl einnimmt. Keine Freude, kein Erstrahlen der Gunst Gottes im Himmel, keine daraus hervorgehende Gemeinschaft oder Hoffnung auf ewige Segnungen mit Ihm dürfen auch nur für einen Augenblick uns von dem Tode des Herrn ablenken oder ihn überschatten. Gerade das Gegenteil ist der Fall: Je mehr der Tod des Herrn den Ihm gebührenden zentralen Platz für den Christen einnimmt, desto strahlender, schöner und rührender werden alle diese anderen Dinge für unser Herz. Der gleiche Apostel, der das gesegnete Werkzeug Gottes war, um das volle Ausmaß der Vorrechte des Christen zu entwickeln, ist es auch, der uns zusammenführt um den Tod des Herrn als etwas, das mehr als alles andere jedes Herz, das seinen Namen liebt, anzieht und erfüllt.

Aus Apostelgeschichte 20,7 geht deutlich hervor, dass die Gläubigen am ersten Tage der Woche, und nicht nur einmal im Monat oder Vierteljahr, Brot brechen sollten. Es geschieht am Tage der Auferstehung, nicht dem seines Todes, als ob wir berufen wären, in Trauer wie für einen Toten zusammenzukommen. Er ist auferstanden, und deshalb empfangen wir das Abendmahl mit dankbarer, tiefer Freude an dem Tage, der von seiner Auferstehungsmacht spricht. Ich glaube mit Sicherheit, dass der Heilige Geist den Tag erwähnt, um uns auch in dieser Hinsicht zu unterweisen, aber auch, um uns zu zeigen, zu welchem Zweck die Gläubigen in erster Linie zusammenkamen. Der Apostel, der nach einem kurzen Aufenthalt weiterziehen wollte, hat ohne Zweifel zu denen, die dort versammelt waren, gesprochen; aber sie kamen an jenem Tage zusammen, um Brot zu brechen. Denken und handeln wir anders? Oder handeln wir als solche, die glauben, dass der Heilige Geist die beste, wahrste, heiligste und glückseligste Weise, Gott wohlzugefallen und Christus zu ehren, kennt und uns zeigt? Der Tod des Herrn erinnert uns ständig an unsere Armut als ehemalige schuldige Sünder, an die völlige Tilgung aller unserer Sünden durch sein Blut, an die Verherrlichung Gottes bis zum Tode, ja, vor allem im Tode selbst, an die Offenbarung der vollkommenen Gnade und zugleich der Gerechtigkeit Gottes darin, dass Er uns gerechtfertigt hat, und schließlich an die vollkommene Herrlichkeit des Heilands. Alles dies und unendlich viel mehr liegt für uns in den einfachen aber wunderbaren Worten „der Tod des Herrn“!

Das Abendmahl in der Erinnerung an den Herrn zu nehmen und so seinen Tod zu verkündigen, ist der wichtigste Wunsch und Zweck bei unserem Zusammenkommen. Über die Bedeutung des Wortes Gottes, das uns dies zu unserem Trost und zu unserer Erbauung mitteilt, kann kein Zweifel bestehen; aber wer würde auf den Gedanken kommen, dass dies sein Wille ist, wenn man die Praxis der Christen sieht? Man braucht nur das, was sie Sonntag für Sonntag tun, mit den klaren Belehrungen der Schrift und der Absicht des Herrn, wenn Er uns darin seine Gedanken offenbart, zu vergleichen, um zu erkennen, dass dieses einfache, rührende Erinnerungszeichen von wahren Gläubigen verachtet und sein Charakter überall in der Christenheit verdreht worden ist. Ich meine damit nicht äußerliche Dinge, sondern das Prinzip – die Tatsache, dass man sich bei der Art, es zu feiern, solche weitgehenden Eingriffe erlaubt hat, dass kaum noch etwas von dem, was der Herr eingesetzt hat, übriggeblieben ist.

Niemand denke, dass irgendetwas anderes ebenso wichtig ist wie die rechte Verkündigung des Todes des Herrn. Das Abendmahl des Herrn erfordert eindeutig den ersten Platz in der Anbetung der Gläubigen. Das soll nicht heißen, dass die reine Feier oder Handlung zeitlich in der Mitte der Zusammenkunft liegen muss. Es ist bemerkenswert, wie der Geist Gottes es vermeidet, Gesetze über das Abendmahl (und das gilt auch für das Christentum ganz allgemein) aufzustellen – ein Umstand, der von vielen treulos missbraucht wird, der aber dem Geist christlicher Liebe und christlichen Gehorsams eine ganz entscheidende Bedeutung einräumte. Wir können ruhig sagen, dass der Zeitpunkt des Brotbrechens keine wesentliche Frage ist. Überaus wichtig ist, dass das Abendmahl des Herrn der alles beherrschende Gedanke ist, wenn die Gläubigen zu diesem Zweck am Tage des Herrn versammelt sind; und dieser große Gegenstand sollte weder dadurch, dass viele beten, noch dadurch, dass irgendjemand lehrt, beiseitegedrängt werden. Im Dienst, wie geistlich er auch sein mag, hat der Mensch einen Platz; beim Abendmahl, wenn es in der rechten Weise gefeiert wird, wird nur der Herr erhoben, der Sich so tief erniedrigt hat. Es kann vorkommen, dass der Heilige Geist es ganz so leitet, dass das eigentliche Brotbrechen relativ früh stattfindet, aber ebensogut kann es sein, dass es erst ganz am Ende der Zusammenkunft geschieht; jede Regel, die es an den Anfang, die Mitte oder das Ende legen will, wäre ein menschlicher Eingriff in die Rechte Dessen, der allein berechtigt ist, bei allen Gelegenheiten zu entscheiden.

Diese Freiheit mag solchen seltsam erscheinen, die an starre Formen gewöhnt sind, selbst wenn es sich nicht um schriftlich fixierte Regeln handelt. Der Grund dafür ist, dass sie durch ihre bisherige Gewohnheit mit der tatsächlichen Gegenwart und Leitung des Heiligen Geistes in der Versammlung überhaupt nicht rechnen und dass ihnen deshalb diese wunderbare Tatsache keine vertraute Erfahrung ist. Wo man jedoch dem Geist die Freiheit lässt, in schriftgemäßer Weise zu wirken, und wo die Versammlung ein rechtes Gefühl für den gegenwärtigen Zustand hat, da kann der Geist Gottes, der alle Dinge in ihrem wahren Licht sieht, auf irgendeine Weise im rechten Augenblick wirken und uns durch die Tatsache, dass Er die Leitung hat, erquicken, wenn nur das Vertrauen unserer Seelen auf den Herrn gerichtet ist.

Vielleicht kommt jemand manchmal enttäuscht vom Tisch des Herrn nach Hause, weil er keine Auslegung des Wortes oder Ermahnung zu hören bekam. Ist es möglich, dass man zum Gedächtnis und zur Verkündigung des Todes des Herrn geht und doch mit unbefriedigten Gefühlen zurückkehrt? Woran kann das liegen? Ist es nicht der krankhafte Einfluss des gegenwärtigen Zustandes der Christenheit? Das menschliche Herz liebt das, was gerade Mode ist und gewöhnt sich daran, und es verlangt nach dem Reiz der Nahrung Ägyptens, wenn es das himmlische Manna als „lose Speise“ verachtet. Es ist demütigend und betrübend für mich, dass ein Vortrag erforderlich zu sein scheint, um das Brotbrechen in seiner Schönheit sehen zu lassen, und dass der Gedanke aufkommt, dass an einer Versammlung, in der der Tod des Herrn vor den Herzen gestanden hat, noch etwas fehlen kann, wo man sich doch im Namen des Herrn mit denen die Ihn lieben, um Ihn Selbst versammelt hat! Glauben wir denn, dass es für Gott Selbst irgendeinen wohlgefälligeren Dienst geben kann als die einfache Erinnerung an Christus in seinem Abendmahl?

Dies alles wird oft einfach vergessen. Das Abendmahl wird in vielen Fällen wesentlich seltener gefeiert, als es die Schrift sagt. Seinen Charakter hat man verändert und die Anweisungen, die der Herr gegeben hat, so völlig vernachlässigt, dass diese Feier jede Bezeichnung eher verdient als den Namen „Abendmahl des Herrn“. Man mag es ein Sakrament nennen, aber wenn es das ist, könnte man bezweifeln, ob es das Abendmahl des Herrn ist. Die Korinther hielten am Tag des Herrn ein gemeinsames Mahl, denn in jener Zeit fühlten die Christen noch stark den sozialen Charakter des Christentums, und man kann es bedauern, dass man dieses Anliegen seither so sehr aus dem Auge verloren hat. Nach dem Mahl feierten sie das Abendmahl des Herrn. Der Teufel verstand es jedoch, Schande und Verwirrung aus der bei diesem Mahl vorkommenden Zügellosigkeit in Korinth hervorkommen zu lassen. Manche von ihnen waren betrunken. Das bedeutete zweifellos eine furchtbare Schande für den Namen des Herrn. Aber lasst uns nicht zu hart urteilen. Wir müssen uns vor Augen halten, dass die damaligen Christen geradewegs aus dem Heidentum gekommen waren, und es war ein Teil des Götzendienstes, sich zu Ehren der Götzen zu betrinken. Anders als wir heute sahen die Heiden damals hierin keine Unsittlichkeit. Damals war es nichts Unstatthaftes, sich bei den religiösen Feiern so und noch schlimmer zu betragen. Es ist daher wahrscheinlich, dass es in dieser jungen Versammlung in Korinth nicht als etwas so Außergewöhnliches betrachtet wurde wie bei uns heute, wenn Christen bei einem Liebesmahl (agape) den Herrn so sehr vergaßen. Schlimmer war, dass sie das Abendmahl des Herrn dort scheinbar mit dem Liebesmahl vermischten. Ein solches Verhalten wirkte zerstörend auf den Charakter seines Abendmahles. Wer so aß und trank, aß und trank sich selbst Gericht (1Kor 11,29). Was im Geist begonnen worden war, endete im Fleisch. Ich erwähne dies nur, um zu zeigen, dass der wahre Charakter und Zweck dieses heiligen Zusammenkommens durch die Einführung eines fleischlichen Feierns verlorengeht oder zerstört wird.

Ohne an ein bestimmtes System zu denken, ist es klar, dass die Gewohnheit, besondere Personen zu ernennen, deren alleiniges Recht und Vorrecht es ist, Brot und Wein den Teilnehmenden zu reichen, im deutlichen Widerspruch zur Lehre der Schrift steht und ebenso wie das betrübende Verhalten der Korinther das genaue Gegenteil der offenbaren Absicht Gottes ist. Denn was ist das Abendmahl des Herrn? Ist es nicht das Fest der Familie Gottes? Wenn man die Ordnung des Vaters unter den Gliedern seiner Familie durcheinanderbringt oder solche einführt, die nicht zu seiner Familie gehören, ist sein Charakter verloren und es ist kein Familienfest mehr. Lasst uns deshalb den günstigsten Fall annehmen, dass die Versammelten nur aus Christen bestehen. Aber wenn die sogenannte Austeilung des Abendmahles des Herrn einem wahren Diener Christi oder allen, die seine Diener sind, anvertraut ist, weil sie als Diener das ausschließliche Recht dazu haben – ich nehme also für landläufige Begriffe den günstigsten Fall an –, dann ist das unter allen Umständen eine menschliche Erfindung, die nicht nur der Autorität Christi entbehrt, sondern die sich sogar im deutlichen Gegensatz zu der Lehre und den Tatsachen, wie wir sie in der Schrift sehen, befindet. Ich trete voll und ganz für den Dienst ein, aber das Abendmahl des Herrn hat mit dem Dienst nichts zu tun. Sobald die Austeilung von Brot und Wein das Recht der Führer wird, hat es nicht einmal mehr eine äußere Ähnlichkeit mit dem Abendmahl des Herrn. Dann wird es ein Sakrament, nicht mehr sein Abendmahl; eine offenbare Neuerung und ein willentliches und vollständiges Abweichen von dem, was der Herr in seinem Worte niedergelegt hat. Schon der Gedanke, dass eine besondere Person seine Austeilung als Recht beansprucht, ändert und zerstört das Abendmahl des Herrn. Nach der Schrift lässt dieses Abendmahl keinen Raum für die Entfaltung einer menschlichen Vorrangstellung, wie sie in der Anmaßung der besonderen Klasse von Geistlichen zum Ausdruck kommt, am wenigsten noch zur Zeit der Apostel. So gesegnet und geehrt diese auch bei der Feier des Abendmahles des Herrn waren, so waren sie doch in seiner Gegenwart als solche, die von der Sünde und dem Gericht durch den Tod des Herrn gerettet waren. In Verwaltungsfragen der Versammlungen, bei der Wahl von Ältesten und bei der Ernennung von Dienern besaßen sie die ihnen eigene Stellung apostolischer Würde. Das Wort Gottes beweist jedoch klar und vollständig, dass die Bedienung des Abendmahls von einem angestellten Geistlichen eine menschliche Idee und Überlieferung ist, der jede Stütze in der Schrift fehlt.

Da ist noch ein Punkt, durch den Seelen oft beunruhigt und sogar gequält werden, selbst wenn das Brot in heiliger, einfacher und schriftgemäßer Weise gebrochen wird: die Gefahr, unwürdig zu essen und sich dadurch „Gericht“ zuzuziehen. Der Apostel zeigt, wie wichtig es ist, dass wir zum Tisch des Herrn, zu dem wir zu Beginn jeder Woche geladen sind, mit Herzen gehen, die erfüllt sind von dankbarer Erinnerung an die aufopfernde Liebe Christi, der zur Sühnung starb, damit wir durch Ihn gerettet wurden. Was ist das Ergebnis eines leichtfertigen, gleichgültigen Zustandes beim Abendmahl des Herrn? Wenn wir bei diesem heiligen Festmahl das Brot und den Wein so nehmen, wie wir die gewöhnliche Nahrung essen, die Gott uns in unseren Häusern gibt, indem wir den Leib des Herrn nicht unterscheiden – mit anderen Worten, wenn wir unwürdiglich essen und trinken –, dann essen wir nicht das Abendmahl des Herrn, sondern Gericht für uns selbst. Solchen wird der Herr entgegentreten, wie uns der Apostel an dem Beispiel der Unordnung in Korinth zeigt. Aber sogar in diesem schwerwiegenden Fall war es ausdrücklich ein zeitliches Gericht, damit sie nicht „mit der Welt verurteilt“ würden. Andererseits gibt es keine Entschuldigung für ein eigenwilliges Fernbleiben vom Tisch des Herrn. Wir können uns der Hand des Herrn nicht entziehen, außer dadurch, dass wir uns demütigen und Ihn durch Selbstgericht rechtfertigen und dann kommen. Das Mahl des Herrn ist für alle die Seinigen, außer für die, die unter Zucht stehen, ebenso sehr ein herrliches Vorrecht wie eine ernste Pflicht. Wenn wir an die Liebe denken, die Er uns in dem grenzenlosen Opfer gezeigt hat, das Er für uns gebracht hat, die völlig unverdiente Befreiung, die Er für uns durch seine tiefe Erniedrigung und sein Leiden unter dem Zorn Gottes am Kreuz zustande gebracht hat, und darüber hinaus an all die gnädige Ermunterung, die darin zu unserem Trost, unserer Ermahnung und zu unserer Stärkung im Kampf in dieser Welt zum Ausdruck kommt, dann können wir die dankbare Erinnerung an den Tod des Herrn nur als eine überaus wichtige Verpflichtung betrachten, die wir unter keinen Umständen vernachlässigen sollten.

Die Sünde eines anderen sollte mich nicht fernhalten. Wenn sie einen Einzelnen zu Recht fernhält, dann müssten eigentlich alle fernbleiben. Sollte denn der Herr gleichsam vergessen werden, nur weil irgendjemand eine Zurechtweisung verdient? Derjenige, der sich im Unrecht befindet, muss zurechtgewiesen oder sein Fall muss auf sonstige Weise schriftgemäß behandelt werden, aber für mich gilt: „Dies tut zu meinem Gedächtnis“! Auch sollte der Gedanke an meine eigene Fehlerhaftigkeit mich nicht zurückhalten. „Ein jeder aber prüfe sich selbst, und also esse er“ – nicht: bleibe er zurück! Wer sich vom Abendmahl des Herrn zurückzieht, bringt damit praktisch zum Ausdruck, dass er nicht zu den Seinigen gehört.


Aus dem Buch Die Versammlung Gottes, Ernst-Paulus-Verlag, Neustadt/Weinstraße, 1970, S. 115-124

Letzte Aktualisierung: 20.08.2016


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