Versöhnung (6)

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In den vorangegangenen Artikeln haben wir über die negative Seite der Versöhnung nachgedacht, das heißt über die Frage: Was passiert, wenn Menschen unversöhnt in die Ewigkeit gehen? Wir haben gelernt, dass der Gedanke an eine Allversöhnung – so wünschenswert er auch sein mag – nicht mit dem Wort Gottes übereinstimmt. Aber wir wollen nicht nur darüber nachdenken, welche Konsequenzen es hat, wenn man die Versöhnung zu weit zieht (wie es die Allversöhnung tut), sondern wir wollen auch die positive Seite der Versöhnung betrachten: Was ist Versöhnung ihrem Wesen nach? Es ist sehr bedauerlich, wenn wir die Tragweite der Versöhnung nicht erkennen und wie weit Gott uns in unserer Feindschaft und Entfremdung von Ihm entgegengekommen ist.

Sühnung und Versöhnung

Sühnung (hilasmos) und Versöhnung (katallagē) sind nicht dasselbe. Sowohl im Deutschen als auch im Griechischen handelt es sich hierbei um zwei ganz unterschiedliche Wörter, die auch eine unterschiedliche Bedeutung haben. Bei der Sühnung geht es neben der Genugtuung Gott gegenüber in Bezug auf die Sünde (Singular) auch um das Hinwegnehmen der Sünden (Plural) der Gläubigen. Man kann es vielleicht auf diesen Nenner bringen: Menschen werden versöhnt, das heißt, sie werden aus der Entfremdung und Feindschaft zurückgeholt; Sünden werden gesühnt, das heißt vor allen Dingen, dass sie hinweggenommen werden (1Joh 3,5: „damit er unsere Sünden wegnehme“). Damit Menschen mit Gott versöhnt werden konnten, musste ein Sühnopfer gestellt werden. Das Sündopfer sorgt einerseits für Genugtuung Gott gegenüber in Bezug auf die Sünde an sich und in gewisser Weise auch aller Sünden (den Gedanken finden wir auch bei der Sühnung für die ganze Welt; 1Joh 2,2); andererseits ist das Sündopfer zur Stellvertretung in Bezug auf den Menschen, indem Christus stellvertretend die Strafe für die Sünden der Gläubigen – nicht aller Menschen – getragen hat.

Vor allem der Apostel Paulus stellt uns das Wesen und die Auswirkungen der Versöhnung vor.

Zwei Dienste des Apostels Paulus

In 2. Korinther 3–5 beschreibt der Apostel Paulus zwei Dienste: den Dienst des neuen Bundes und den Dienst der Versöhnung.

Der Hauptaspekt des Dienstes des neuen Bundes betrifft die Haltung Gottes dem Menschen gegenüber: wie Gott den Menschen Gunst erweist. Er schenkt dem Menschen die Vergebung der Sünden und schreibt seine Gedanken in dessen Herz. Damit ist der Mensch in der Lage, Gott zu erkennen.

Der Hauptaspekt des Dienstes der Versöhnung betrifft die Haltung des Menschen Gott gegenüber: so wie Er durch eine Veränderung dieser Haltung etwas für sich selbst bewirkt:

Gott wollte

  • Menschen „vor sich hinstellen“ (Kol 1,22)
  • „alle Dinge mit sich … versöhnen“ (Kol 1,20) und uns „mit sich selbst versöhnen“ (2Kor 5,18) beziehungsweise
  • dass wir „mit Gott versöhnt“ würden (Röm 5,10)
  • dass wir „nahe“ (Eph 2,14) für Ihn werden
  • dass wir „Zugang … zu dem Vater“ (Eph 2,18) haben.

Dass Menschen nahe bei Ihm sein mögen, hatte Gott sich schon bei dem Volk Israel in der Wüste gewünscht. Sein Werk, das Er an Israel getan hatte, fasst Er folgendermaßen zusammen: Ihr habt gesehen, was ich an den Ägyptern getan habe, wie ich euch auf Adlers Flügeln getragen und euch zu mir gebracht habe“ (2Mo 19,4). Das Erlösungswerk hatte also dieses Ziel, das Volk zu Gott zu bringen.

Den Gedanken, dass wir durch die Versöhnung zu Gott nahe gebracht werden, finden wir nicht nur bei Paulus, sondern auch bei Petrus: „Denn es hat ja Christus einmal für Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten [das ist Sühnung], damit er uns zu Gott führe [das ist Versöhnung]“ (1Pet 3,18). Die Versöhnung (d.h., dass wir zu Gott geführt werden) scheint der höchste Punkt zu sein, zu dem das Werk des Herrn uns bringen kann.

Zusammenfassend können wir sagen: Der Dienst des neuen Bundes zeigt uns, was Gott für den Menschen ist; der Dienst der Versöhnung zeigt uns, was der Mensch für Gott ist.

Rechtfertigung und Versöhnung

Es ist bemerkenswert, dass es in Kolosser 1,22 nicht heißt: „Er hat euch versöhnt …, um euch heilig und untadelig und unsträflich zu machen“, oder: „… um euch heilig und dadurch unsträflich vor der Welt hinzustellen“, sondern es heißt: „… um euch heilig und untadelig unsträflich vor sich hinzustellen.“ Gott möchte die Menschen, die seine Feinde und Ihm entfremdet waren, jetzt heilig (= abgesondert für Gott) vor sich stehen haben. Er möchte Menschen, die durch Sünde, Schmutz und Flecken entstellt waren, jetzt „heilig und untadelig“ vor sich stehen haben und solche, die nur Strafe und Gericht verdient hatten, jetzt „unsträflich vor sich selbst hinstellen“. Weil es hier nicht um Satan, Welt und Engel geht, ist das Thema hier auch nicht unsere Rechtfertigung. Nein, es geht um Gott selbst und um das, woran Er Freude haben kann. – Bei der Rechtfertigung haben wir es mit der Schuld des Menschen zu tun und mit der Stellung unter seinen Mitgeschöpfen; bei der Versöhnung dagegen mit dem verdorbenen Zustand des Menschen und seiner Stellung vor Gott. Durch die Rechtfertigung ist der Gläubige in einen Zustand gebracht worden, als hätte er nie gesündigt. Versöhnung dagegen bringt die Beziehungen des Menschen zu Gott in Ordnung. Seine Empfindungen, seine Gedanken, seine Wünsche werden in einen Zustand gebracht, an dem Gott Wohlgefallen hat und in dem der Mensch Gott mit Freude und in Liebe entgegentreten kann.

Was bedeutet Versöhnung?

Das griechische Wort für „Versöhnung“ [katallage] kommt ursprünglich aus dem kaufmännischen Bereich und bedeutet: Zwischen zwei Geschäftspartnern wird eine Summe ausgeglichen, so dass beide Beteiligten mit dem Ergebnis zufrieden sind. Das heißt: Versöhnung des Menschen in Bezug auf Gott bedeutet nicht nur, dass die Einstellung des Menschen Gott gegenüber geändert wird, so dass der Mensch nicht mehr negativ über Gott denkt. Versöhnung bedeutet auch, dass die Dinge, die zwischen Gott und dem Menschen standen, vollkommen in Ordnung gebracht werden, so dass einer freudigen Gemeinschaft mit Gott nichts mehr entgegensteht.

Kolosser 1,21 zeigt, worum es bei der Versöhnung des Menschen mit Gott geht: „Und euch, die ihr einst entfremdet und Feinde wart nach der Gesinnung in den bösen Werken …“ Die Entfremdung und die Feindschaft des Menschen musste beseitigt werden. Der entfremdete und noch dazu Gott feindlich gesinnte Mensch sollte Gott wieder nahe gebracht (viel näher als Adam Gott im Garten Eden [1]) und ein Mensch werden, an dem Gott Freude haben kann, weil er Gott liebt. Etwas allgemeiner ausgedrückt: Es geht bei der Versöhnung darum, dass etwas wieder zurück in Übereinstimmung mit Gott gebracht und so gestaltet wird, dass Gott Freude daran haben kann – aus einem Feind wird ein Freund.

Wenn sich zwei Menschen versöhnen, müssen manchmal beide nachgegeben, haben beide etwas zu verurteilen, beide etwas zu bekennen und beide eine Entfremdung zu überwinden, da die Fehler, die Feindschaft und Entfremdung oft auf beiden Seiten liegen, wenn auch vielleicht nicht immer im selben Maß. Diesen Gedanken dürfen wir nicht auf das Verhältnis zwischen Gott und Menschen übertragen. Wenn das Verhältnis zwischen Gott und Menschen in Ordnung gebracht wird, heißt das nicht, dass zwei „Parteien“ einander entgegenkommen und jeder ein wenig nachgibt. Weder war Gott der Feind des Menschen noch hatte Gott eine Kluft zwischen sich und dem Menschen errichtet. Der Mensch war ein Feind Gottes geworden, er hatte sich von Gott abgewandt und entfernt. Daher muss nicht Gott mit dem Menschen versöhnt werden, wie manchmal fälschlicherweise gesagt wird, sondern der Mensch muss mit Gott versöhnt werden.

Jakob ist in seinen Bemühungen, Esau zu versöhnen (siehe 1Mo 32,1–33,11), das Bild eines Menschen, der sich (heutzutage) bemüht, die Versöhnung mit Gott aus eigener Kraft zustande zu bringen. Weil der Mensch meint, Gott müsse versöhnt werden, versucht er, diese Versöhnung durch vielerlei Anstrengungen, Geschenke (finanzielle Opfer), rituelle Dienste, Selbstdemütigungen (bis zur Selbstgeißelung) usw. zu erreichen. Doch der Mensch erkennt nicht, dass nicht Gott versöhnt werden muss, sondern dass er selbst mit Gott versöhnt werden muss. Hätte Gott versöhnt werden müssen, dann hätte die Feindschaft auf Gottes Seite liegen müssen. Die Feindschaft und die Entfremdung lag jedoch nicht auf Gottes Seite, sondern auf der Seite des Menschen: Nicht Gott hat sich vom Menschen entfernt, sondern der Mensch hat sich von Gott entfernt.

Was die Situation zwischen dem Menschen und Gott angeht, so müssen wir feststellen, dass die Entfernung zwischen beiden zunächst sogar immer größer wird. Denn es hat sich gezeigt, dass die Feindschaft des Menschen Gott gegenüber sich nicht nur nicht änderte, nein, sie wurde sogar nur umso schlimmer, je mehr und länger Gott seine Hand nach dem Menschen ausstreckte und ihm Liebe erwies.

Wir sehen das in der Geschichte des Volkes Israel. Zunächst macht sich das Volk ein Bildnis von dem Gott, der sie aus Ägypten geführt hat. Nachdem Gott das Volk gezüchtigt hat, erbarmt Er sich wieder über sie. Auf der nächsten Stufe wendet das Volk sich zu den Göttern der Nationen. Dennoch schenkt Gott ihnen Richter, die sie retten. Doch immer wieder wenden sie sich den Götzen zu. Später schickt Gott ihnen Propheten, um sie zu warnen. Doch jetzt werden diese Warner verfolgt und manche von ihnen werden sogar getötet. Als Gott schließlich sogar noch seinen Sohn sendet, wird dieser sogar von ihnen umgebracht. Das Gleichnis vom Weingärtner in Markus 12 spielt darauf an: Gott sendet (im Bild) mehrfach seine Knechte aus, um sein Volk für sich zu gewinnen. Als alles vergeblich war und die Menschen in ihrer Feindschaft blieben, sandte Er seinen geliebten Sohn. Doch auch Ihm standen die Menschen feindlich gesinnt gegenüber: „Und sie nahmen ihn und töteten ihn und warfen ihn zum Weinberg hinaus“ (Mk 12,8).

Die Feindschaft des Menschen liegt in seinem Willen begründet, und dieser Wille ist und bleibt unveränderlich gegen Gott gerichtet. Da diese Feindschaft also nicht änderbar war, musste dieser (alte) Mensch vor Gott beseitigt werden und eine neue Schöpfung zustande gebracht werden, damit die Feindschaft des Menschen beseitigt würde. Im Tod Christi wurde dieser (alte) Mensch vor Gott beseitigt. Römer 6,6 drückt diesen Gedanken so aus: „… dass unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde abgetan sei, dass wir der Sünde nicht mehr dienen.“ Deshalb werden wir auch aufgefordert: „Tötet nun eure Glieder, die auf der Erde sind“ (Kol 3,5). Weil wir eine neue Natur empfangen haben und Gott uns jetzt „in Christus“, dem zweiten Menschen, sieht, ist die Feindschaft aufgehoben und Freundschaft an die Stelle getreten. Und nur weil wir jetzt „in Christus“ sind und neues göttliches Leben, eine neue Natur, erhalten haben, sind wir überhaupt fähig, Gott zu lieben und uns in seiner Gegenwart wohlzufühlen.

Mit unserem Verstand mögen wir die Bedeutung der Versöhnung verstanden haben, aber das Wesen der Versöhnung werden wir nur verstehen, wenn wir mit dem Herzen wirklich erfassen, was Gott getan hat: „… dass er uns geliebt und seinen Sohn gesandt hat als Sühnung für unsere Sünden“ (1Joh 4,10). Sühnung bedeutet, wie oben bereits erwähnt, nicht dasselbe wie Versöhnung – es sind zwei unterschiedliche Wörter im Grundtext –, aber durch die Sühnung hat Gott die Grundlage für die Versöhnung gelegt: um uns aus der Fremde in seine Nähe zu holen und um aus Feinden Kinder zu machen. Sünden werden gesühnt (hinweggenommen), aber Menschen werden versöhnt, das heißt, die Entfernung wird durch Nähe ersetzt und die Feindschaft durch Freundschaft beziehungsweise Kindschaft und Sohnschaft. [2]

Es geht bei der Versöhnung um diese zwei Aspekte: einerseits die Beseitigung unserer Feindschaft, aber auch um die Beseitigung der Entfernung von Gott, die unsere Sünden herbeigeführt hatte.

Wenn nur die Feindschaft weggenommen worden wäre, nicht jedoch unsere Sünden, so hieße das nämlich noch nicht, dass Gott Freude an uns haben müsste. Wir könnten Gott immer noch neutral gegenüberstehen. Vielleicht könnte so viel erreicht werden, dass Gott – weil unsere Feindschaft weggenommen ist – nicht mehr mit Traurigkeit auf uns blicken müsste. Jetzt aber sind wir nicht nur keine Feinde mehr. Auch der Sündenberg, der uns von Gott trennte, ist beseitigt. Deswegen können wir in Gottes Nähe sein. Und da wir solche geworden sind, die Gott lieben, kann Gott jetzt mit Freude auf uns blicken.

Nachdem Gott alles getan hatte, um zu zeigen, dass der Mensch nicht wiederherstellbar ist, hat Er den ersten Menschen im Tod Christi am Kreuz beseitigt. Für Ihn zählt jetzt nur noch der zweite Mensch, der durch Christus in die Welt gekommen ist. Der Mensch kann deshalb vor Gott nur wohlgefällig sein, wenn er zu dem zweiten Menschen gehört, das heißt, wenn er durch die neue Geburt dessen Natur besitzt.

Versöhnt in dem Leib seines Fleisches 

Der Zustand der Feindschaft und Entfremdung von Gott musste nicht nur weggetan, er musste auch gerichtet werden. „Versöhnt in dem Leib seines Fleisches durch den Tod“ (Kol 1,22) weist auch darauf hin, dass es nicht um unsere Schuld geht (die wurde mit dem Blut bezahlt), sondern um unseren Zustand. Nicht nur unsere Sünden sind in Gottes Augen ein Problem, sondern auch unsere verdorbene, sündige Natur, das sündige Fleisch. Deshalb hat Christus nicht nur sein Blut für viele vergossen „zur Vergebung der Sünden“ (Mt 26,28), sondern Er hat auch seinen heiligen, unbefleckten „Leib seines Fleisches“ hingegeben, und zwar nicht, um unser Fleisch zu verbessern, sondern um es richterlich zu beseitigen und uns eine neue Natur (seine göttliche Natur) zu schenken (vgl. 1Joh 5,1).

Warum Versöhnung notwendig wurde

Im Paradies war der Mensch Gott ungehorsam, indem er Gottes Gebot übertrat. So kam durch den Sündenfall die Sünde (als böses Prinzip) in die Welt. Aber nicht nur das: Weil die Sünde in die menschliche Natur eingedrungen war, hatte der Mensch auch eine Entfremdung zwischen sich und Gott bewirkt. Gemeinschaft war nicht mehr ohne weiteres möglich. Der Mensch versteckte sich vor Gott, so dass Gott den Menschen rufen beziehungsweise suchen musste: „Wo bist du?“ (1Mo 3,9). Der Mensch fühlte sich wegen seiner Sünde in Gottes Nähe nicht mehr wohl und entfernte sich von Gott. Das, was Gott geschaffen hatte, war verdorben und von Gott entfremdet worden. Deshalb muss es wieder in einen Zustand gebracht werden, in dem es dem Zweck entspricht, zu dem es geschaffen wurde: zur Verherrlichung Gottes zu dienen.

Bereits im nächsten Kapitel (1Mo 4,16) lesen wir von Kain, dass er sich von Gott sogar noch einen Schritt weiter entfernte als seine Eltern: „Und Kain ging weg vom Angesicht des Herrn.“ Bei Kain hatte sich die Feindschaft gegen Gott bereits offenbart, als er zornig auf Gott war, weil Gott sich zu Abels Opfer bekannte und zu seinem nicht. Kains Feindschaft erstreckte sich dann auch noch auf seinen Bruder und ging schließlich so weit, dass er seinen Bruder tötete. Die Bosheit des Menschen wurde dann so groß, dass es Gott in sein Herz hinein schmerzte, „dass er den Menschen gemacht hatte“ (1Mo 6,6). Schließlich sandte Gott die Flut und vernichtete alle Menschen außer Noah und seiner Familie.

Nachdem Gott die Ausübung von Autorität in die Hand Noahs gegeben hatte, sehen wir, wie der Mensch schon zu Noahs Lebzeiten hierin versagte und nicht einmal sich selbst beherrschen konnte. Die weitere Geschichte des Menschen ist voll davon, wie der Mensch Autorität missbrauchte. So wurden auch Regierung und Autorität in der Hand des Menschen dazu benutzt, die Entfernung von Gott zu vergrößern. Dabei sollten die Hände des Menschen eigentlich dazu dienen, Gottes Willen zu tun, damit der Mensch zu Gottes Ehre wäre (Jes 43,7). Doch stattdessen wurde die Feindschaft des Menschen gegen Gott immer größer. Das zeigte sich zum Beispiel darin, wie Israel die Boten Gottes, die das Volk zu Gott zurückbringen sollten, behandelte. Schließlich erreichte die Feindschaft des Menschen gegen Gott den Höhepunkt, als der Herr Jesus auf die Erde kam. Er musste selbst sagen: „Sie haben mich ohne Ursache gehasst“ (Joh 15,25; vgl. Ps 69,5). Ihr Hass gipfelte in dem Ausruf: „Kreuzige, kreuzige ihn!“ (Lk 23,21; Joh 19,6). Die Liebe Gottes brachte die Feindschaft des Menschen nur umso deutlicher hervor.

All dies zeigt, wie viel nötig war, um die Feindschaft und die Entfremdung zu beseitigen und die Ehre Gottes wiederherzustellen. Wäre der Zustand der Feindschaft und Entfremdung so geblieben, hätte Satan Ursache gehabt, sich zu freuen und einen Triumph zu feiern. Es wäre ihm gelungen, Gott seine Schöpfung zu entreißen.

Was für eine Weisheit Gottes, in Übereinstimmung mit seiner Gerechtigkeit und Heiligkeit einen Weg zu finden, wie Er den Menschen, der gar nicht zurückgebracht werden wollte, in einen versöhnten Zustand versetzen konnte! Die Versöhnung bewirkt nun, dass Gott es nicht mehr reut und in sein Herz hinein schmerzt, wenn Er auf die Gläubigen sieht. Die Freude seines Herzens heute ist viel größer als der Schmerz, den Er einmal empfand. 


Fußnoten

[1] Adam kannte Gott zum Beispiel nicht als seinen Vater.

[2] Zum weiteren Studium siehe die Artikel „Der Unterschied zwischen Sühnung und Versöhnung“ und „Ein Wort über Versöhnung, Sühnung und Stellvertretung“.

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