Satan – der Kampf des Gläubigen gegen ihn (6)
Epheser 6,11-18

Frederick Charles Jennings

© EPV, online seit: 06.02.2005

Leitverse: Epheser 6,11-18

Einleitung

Wir haben im Vorhergehenden das Wesen und den Beweggrund der Tätigkeit Satans unter den Menschen betrachtet. Wir haben auch kurz gesehen, wie Gottes Liebe und Weisheit alles zum Segen für Seine Geschöpfe ausschlagen lässt, indem Er durch den „überschwänglichen Reichtum seiner Gnade“ und Seine „mannigfaltige Weisheit“ der List des großen Feindes begegnet. Ich möchte diesen Teil unserer Betrachtung nicht schließen, ohne die Vorkehrungen aufzuzeigen, die der Herr getroffen hat, damit wir in unserem Kampf gegen die unzähligen untergeordneten, aber mächtigen Geister siegen können, die im 6. Kapitel des Epheserbriefes als „Fürstentümer und Gewalten“ und als „geistliche Mächte der Bosheit“ bezeichnet werden.

Die Schrift lehrt uns, dass jedem Teil unseres Wesens, Geist, Seele und Leib, ein besonderer Widersacher gegenübersteht. Der Leib steht in ständiger Gefahr, unter die Knechtschaft des „Fleisches“ zu geraten. Der Seele steht die Welt feindlich gegenüber, während der Geist logischerweise von jenem bösen Geist befehdet wird, dem Teufel. Diese Dreizahl des Bösen steht überdies der göttlichen Dreieinheit des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes ebenfalls feindlich gegenüber. Dem Vater steht die Welt gegenüber: „Wenn jemand die Welt liebt, so ist die Liebe des Vaters nicht in ihm“ (1Joh 2,15). Dem Sohn steht der Teufel als Gegner gegenüber; das finden wir in der Schrift immer wieder. Dem Geist Gottes widersteht das „Fleisch“, wie wir im Galaterbrief lesen: „Wandelt im Geiste, und ihr werdet die Lust des Fleisches nicht vollbringen. Denn das Fleisch gelüstet wider den Geist, der Geist aber wider das Fleisch; diese aber sind einander entgegengesetzt“ (Gal 5,16.17).

Da die Welt, das Fleisch und der Teufel eng miteinander verbunden sind, mag es manchmal schwierig sein, zwischen dem einen und dem anderen zu unterscheiden. Indem wir uns mit jedem kurz befassen, wollen wir die Anweisungen des Wortes Gottes beachten, wie jedem dieser feindlichen Elemente zu begegnen ist.

Das „Fleisch“

Zunächst das Fleisch – was ist darunter zu verstehen? Es ist damit nicht der Leib gemeint, denn dieser soll geheiligt sein und ist „einer gewissen Ehre“ wert (Kol 2,23), da er der Tempel des Heiligen Geistes ist. Jeder Versuch, durch Kasteiungen des Leibes das „Fleisch“ zu erreichen, musste daher fehlschlagen. Das „Fleisch“ ist die Natur des von Gott abgefallenen ersten Menschen und seine Gesinnung ist „Feindschaft gegen Gott und dem Gesetz Gottes nicht untertan“ (Röm 8,7). Die Befreiung von seiner Macht wird, gemäß Gottes Wort, nicht durch Ankämpfen gegen das Fleisch oder durch Widerstand erreicht. Wir sollen uns vielmehr von ihm „wegwenden“. „Die jugendlichen Lüste aber fliehe“ (2Tim 2,22); „enthaltet euch von den fleischlichen Lüsten“ (1Pet 2,11); „fliehet die Hurerei“ (1Kor 6,18).

Römer 7 zeigt uns den aussichtslosen Kampf eines hilflosen Gefangenen gegen das Fleisch, nicht den Widerstand eines gewappneten Kämpfers. Wir müssen uns Römer 8,2, zuwenden, um das Geheimnis des Sieges zu entdecken; nicht durch Ankämpfen, sondern durch Abwenden. Das „Gesetz des Geistes“ wendet meinen Blick zum „Leben in Christus Jesus“ hin, der mich frei gemacht hat von dem „Gesetz der Sünde und des Todes“.

Die Welt

Den Begriff „Welt“ müssen wir wieder klar unterscheiden von der Schöpfung Gottes, der Natur um uns her, deren Schönheit wir in Gemeinschaft mit Gott genießen dürfen. Unter der „Welt“ ist das gegenwärtige System zu verstehen, das sich auf moralischem, politischem und religiösem Gebiet in Unabhängigkeit von Gott befindet. Sein Wort ermahnt uns, nicht „gleichförmig dieser Welt“ zu sein (Röm 12,2), sie nicht zu lieben (1Joh 2,15) und kein „Freund der Welt“ zu sein (Jak 4,4). Die Welt steht dem „Vater“ feindlich gegenüber, jenem Namen, der unser Kindschaftsverhältnis zu Gott ausdrückt. Wenn ich Gott als meinen Vater kenne, verliert die Welt ihre Macht, mich zurückzuhalten, denn ich eile der himmlischen Heimat entgegen. Es ist der Sohn, der uns den Vaternamen geoffenbart hat (Joh 17,6), und der Glaube an Jesus als den Sohn Gottes „überwindet die Welt“ (1Joh 5,4). Die Welt wird vom Teufel, ihrem Fürsten, beherrscht. Sie ist in ihrem Wesen den Wünschen des Fleisches vollkommen angepasst. Das Gotteskind durchschreitet diese Welt (ohne vor ihr zu fliehen) als ein Fremdling und Pilger, während sein Herz sich nach einem besseren Zuhause sehnt.

Der Teufel

Mit dem dritten Feind müssen wir uns etwas eingehender befassen. Es ist der Teufel, dem wir in entschiedenem Kampf widerstehen müssen. Hier gilt die göttliche Anweisung des „Fliehens“ nicht. Wir werden vielmehr wiederholt aufgefordert, dem Teufel zu widerstehen. Dabei wird uns in Jakobus 4,7 die ermunternde Zusicherung gegeben, dass er in diesem Fall von uns fliehen wird, nicht etwa wegen unserer überlegenen Kraft, sondern weil er ein besiegter Feind ist. Unser Herr Jesus Christus ist sein Besieger, und wir sind die Gefolgsleute des Siegers.

Was ist zu einem erfolgreichen Widerstand gegen den Teufel erforderlich, und wie äußern sich seine Angriffe? Die Schrift nennt ihn einen Lügner und Mörder; somit besteht das Wesen seiner Angriffe in einem Verderben der Wahrheit und in der Anwendung von Gewalttätigkeit zum Erreichen seiner Ziele. Auf diese Weise handelte er bei Bileam und Balak. Er versuchte Gewalt anzuwenden, indem er das Volk Gottes verfluchen lassen wollte; doch Gott wandelte seinen Fluch in Segen. Darauf versuchte er, das Volk zu verderben. Diese Handlungsweise war, wenigstens für eine Zeit lang, recht erfolgreich. Die Verführungen der Moabiterinnen ließen die Kinder Israel ihren Pilgrimscharakter für eine Weile vergessen. Die gleiche Taktik hat der Teufel auch bei der himmlischen Braut, der Kirche, angewandt. In den Tagen von Smyrna (Off 2,8-11) übte er gewalttätige Verfolgung aus. Doch auch hier verwandelte der Herr die Leiden in Segen. Zur Zeit von Pergamus änderte er dann sein Vorgehen, indem er erneut die „Lehre Balaams“ einführte (Off 2,11), und auch diesmal mit weit größerem Erfolg. Die Kirche vergaß ihren Pilgrimscharakter und „wohnte“ dort, wo der Thron Satans ist.

Auch gegen den einzelnen Christen tritt Satan entweder als „brüllender Löwe“ (1Pet 5,8) oder als listige Schlange (Eph 6,11) auf. Sein Bemühen ist stets darauf gerichtet, das Herz, die Liebe und das Vertrauen des Gläubigen von Gott wegzuwenden. Unsere Seite des Kampfes ist somit die Aufrechterhaltung unseres Glaubens, trotz aller Angriffe des Widersachers. Der Apostel Petrus ermahnt uns, „standhaft im Glauben“ zu widerstehen. Der Apostel Paulus ruft in seinem letzten Brief freudig aus: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe den Glauben bewahrt“ (2Tim 4,7), und uns ruft er zu: „Kämpfe den guten Kampf des Glaubens“ (1Tim 6,12).

Die Gewalttätigkeit Satans benützt auch andere Mittel gegen uns. Wir lesen z.B. von Ismael, dass „der nach dem Fleische Geborene den nach dem Geiste Geborenen verfolgte“ (Gal 4,29). Diese Verfolgung bestand nicht in körperlicher Gewalttat, sondern in seinem Spott (1Mo 21,9). Gott bezeichnet also auch das Verhöhnen und Verspotten Seiner Kinder als „Verfolgung“, sind wir nicht schon oft vor dem Spott der Menschen zurückgeschreckt, sind ihm, um einen hohen Preis, ausgewichen? Der Herr Jesus bezeichnet Seine Jünger als „glückselig“, wenn die Menschen sie „schmähen und verfolgen“. Wir sind ständig in Gefahr, am Arbeitsplatz, in Gesellschaft und zu Hause, unsere Zugehörigkeit zum Herrn aus Furcht vor dieser Art der „Verfolgung“ zu verleugnen.

Eine andere erfolgreiche Art der Versuchung besteht darin, dass der Feind uns durch die Umstände, durch Nöte, die wir durchleben, und durch Unglücke und Naturkatastrophen zu erschüttern sucht. Er weckt in unseren Herzen die Frage: „Könnte Gott das zulassen, wenn Er die Menschen wirklich liebte und um sie besorgt wäre?“ In dunklen Stunden will er selbst Zweifel an der Existenz Gottes in uns wecken. Ist nicht der Mensch doch nur der Spielball eines blinden, erbarmungslosen Zufalls?

Die ganze Waffenrüstung Gottes

Gott sei dafür gepriesen, dass Er uns für unseren Kampf mit dem Teufel und seinen Heerscharen eine vollständige Waffenrüstung zur Verfügung stellt. Wir finden sie im Epheser 6,11-18 beschrieben.

Eph 6,11: Ziehet an die ganze Waffenrüstung Gottes, damit ihr zu bestehen vermöget wider die Listen des Teufels.

Wir brauchen keine andere Rüstung, müssen aber sicher sein, die ganze Rüstung angezogen zu haben, und sie auch anbehalten. Der Feind kennt unsere schwachen Seiten, sowie den günstigen Augenblick für seinen Angriff. Sind wir uns seiner fast unbegrenzten Überlegenheit an natürlichen Fähigkeiten, Geschicklichkeit und List nicht bewusst, so stehen wir bereits in der Gefahr, von der göttlichen Waffenrüstung nicht den rechten Gebrauch zu machen. Die Schrift beschreibt uns daher dann die Macht des Feindes im Einzelnen:

Eph 6,12: Denn unser Kampf ist nicht wider Fleisch und Blut [denen wir vielleicht gewachsen sein könnten], sondern wider die Fürstentümer [also nicht nur untergeordnete Geister, sondern Anführer der einzelnen Gruppen abgefallener Engel], wider die Gewalten [die Befehlshaber, welche die Angriffe lenken], wider die Weltbeherrscher dieser Finsternis [der Ausdruck „Weltbeherrscher“ deutet auf die Ausdehnung ihres Machtbereichs hin; „Finsternis“ kennzeichnet den Charakter ihres Machtbereichs in der Loslösung von Gott, der „Licht“ ist; da Satan der Fürst dieser Welt ist, üben seine Engel die Herrschaft über die von Gott abgefallene Welt unter seinem Befehl aus]; wider die geistlichen Mächte der Bosheit [also die bösen Geister] in den himmlischen Örtern.

Es handelt sich um das Gegenbild des Kampfes, den das Volk Israel im Buch Josua zu führen hatte. Wir werden jenseits des Todes (des Flusses Jordan) innerhalb des Landes oder der „himmlischen Örter“ gesehen. Dort stellt sich uns nicht, wie bei dem Volk Israel, „Fleisch und Blut“ entgegen, sondern der mächtigste aller bösen Geister. Wie damals die Kanaaniter, so halten die finsteren Mächte unser himmlisches Erbe noch in ihrem Besitz und möchten uns an dessen Genuss hindern. Das Erbe befindet sich im „himmlischen Bereich“, in welchem sich alle unsere Segnungen und auch wir selbst, als Gläubige, befinden. Dieser Ausdruck ist, wie auch ähnliche Worte dieses Abschnitts, in einem geistlichen oder moralischen Sinn zu verstehen; nicht etwa ein Ort „über den Sternen“, sondern der Bereich höchster geistlicher Vorrechte für den Gläubigen. Das „Königreich der Himmel“ wird auf der Erde in Erscheinung treten; die „himmlischen Örter“ dagegen sind nicht irdisch, sondern geistlicher Natur.

Eph 6,13: Deshalb nehmet die ganze Waffenrüstung Gottes, auf dass ihr an dem bösen Tage [d.h. in Zeiten besonderer Kämpfe und Anfechtungen, wie sie in jedem Leben vorkommen] zu widerstehen und, nachdem ihr alles ausgerichtet habt, zu stehen vermöget.

Ist eine Schlacht geschlagen, so ist der Krieg noch nicht beendet. Nach jedem Kampf müssen wir daher, auf den nächsten vorbereitet, dastehen. Der arme „Mann Gottes“ aus Juda hatte einen prächtigen Kampf des Glaubens bestanden. Danach stand er aber nicht fest da; er setzte sich unter eine Terebinthe und wurde schließlich von einem Löwen getötet (1Kön 13). Wir werden aus dem Kampf erst entlassen, wenn unser Herr wiederkehrt! Nun aber zu den einzelnen Stücken der Waffenrüstung:

Eph 6,14a: Stehet nun, eure Lenden umgürtet mit Wahrheit …

Der Gürtel stützt den Kämpfer und hält ihn aufrecht. Wie schön, dass die Wahrheit den ersten Platz in der göttlichen Waffenrüstung einnimmt! Ich muss wissen, dass die Wahrheit meine Stütze ist, wie kann ich sonst die Angriffe zurückschlagen? Beachten wir, es geht um die Wahrheit, nicht um Tatsachen oder Erfahrungen; denn bei diesen kann man Gott weglassen. „Der Lügner“ ist in erster Linie derjenige, „der da leugnet, dass Jesus der Christus ist“ (1Joh 2,22). Die Wahrheit beinhaltet die gesamte Offenbarung Gottes dem Menschen gegenüber. Sie wird heute auf allen Seiten von Satan angegriffen. Alles, was früher als sicher und unumstößlich akzeptiert worden ist, wird heute in Frage gestellt. „Ist die Bibel wirklich Gottes an den Menschen gerichtetes Wort? Wie kann Christus der ewige Sohn Gottes sein, da ein Vater doch vor seinem Sohne existieren muss?“ Die Lehre von der Dreieinheit Gottes, der Jungfrauengeburt, die Begriffe Hölle, Teufel, leibliche Auferstehung und Wiederkunft des Herrn werden als überholtes Gedankengut hingestellt, an das heute kein vernünftiger Mensch mehr glaubt. Nun, wir müssen solchen Angriffen ins Auge sehen und keinen Zollbreit zurückweichen, wie manche Christen es leider tun. Diese Wahrheiten gehören gerade zu dem Gürtel der Wahrheit. So, wie dein Kind dir glaubt, ohne alles verstehen zu können, was du sagst – geradeso übersteigt manches in der Offenbarung Gottes an den Menschen unseren menschlichen Verstand, weil es eben göttlich ist. Sei gewiss, dass du in der Schrift die Wahrheit besitzest, lege sie dir als Gürtel um und lasse sie dir durch nichts im Himmel oder auf Erden rauben, sondern verteidige sie gegen alle Angriffe des Teufels und der Menschen.

Eph 6,14b: … und angetan mit dem Brustharnisch der Gerechtigkeit …

Die Gerechtigkeit muss sich in unserem Wandel als Folge der Wahrheit zeigen, die wir „angelegt“ haben. Hier haben heute viele von uns ihre schwache Stelle. Wir besitzen wohl viel von der „Wahrheit“, aber wie wenig wird sie von uns praktisch ausgelebt! Seit den Tagen der Apostel war die Erkenntnis der Wahrheit wohl noch nie so groß wie inmitten mancher Gläubiger unserer Tage. Sind wir aber im gleichen Maße dem Herrn geweiht, von der Welt abgewandt und in unserer Zuneigung jedem Gotteskind gegenüber ebenso warm und himmlisch gesinnt wie die Gläubigen jener Tage? Besitzen nicht manche sogar „die Wahrheit in Ungerechtigkeit“ (Röm 1,18)? Wir haben allen Grund, uns hierüber vor dem Herrn zu beugen.

Eph 6,15: … und beschuht an den Füßen mit der Bereitschaft des Evangeliums des Friedens, …

Hier geht es um den Schutz für die Füße; denn sind sie nicht richtig gewappnet, so kann man weder sicher stehen noch gehen, ohne zu straucheln, noch erfolgreich kämpfen. Hierzu ist der Friede von besonderer Wichtigkeit. Die Israeliten waren in Ägypten keine Kämpfer, sondern Sklaven. Das Passah war für sie ein „Evangelium des Friedens“. Sie aßen es mit „ihren Schuhen an ihren Füßen“, die sie, bildlich gesprochen, nicht mehr ablegen durften und die auch an ihren Füßen nicht zerrissen. Sie befähigten die Kinder Israel „stillzustehen“, „auszuziehen“ (2Mo 14,8) und zu „streiten“ (2Mo 17,9). Sind wir richtig beschuht für den Kampf oder schleppen wir uns manchmal nur barfuß dahin? Beachten wir, dass der Friede zur Kampfbereitschaft gehört. Wer keinen Frieden mit Gott besitzt, kann nicht den Kampf gegen die geistlichen Mächte aufnehmen. Ich muss die Gewissheit haben, dass Gott mich liebt und dass der Tod und das Gericht für mich beseitigt sind. Denn die Pfeile des Bösen richten sich gerade gegen meine Geborgenheit in Gott.

Eph 6,16: … indem ihr über das alles ergriffen habt den Schild des Glaubens, mit welchem ihr imstande sein werdet, alle feurigen Pfeile des Bösen auszulöschen.

Satan und seine Helfershelfer zielen mit „feurigen Pfeilen“ auf uns. Sind wir nicht durch die Waffenrüstung gedeckt, so verursachen diese Pfeile große Schmerzen. Ein Hiob wehrte sie in der rechten Weise ab, als er ausrief: „Der HERR hat gegeben, und der HERR hat genommen; der Name des HERRN sei gepriesen!“ Tage der Trauer sind besonders günstig für die feurigen Pfeile; da will der Feind uns einflüstern, Gott liebe uns gar nicht und sorge nicht für uns. Der Glaubensschild, die Gewissheit Seiner Liebe, wie sie im Kreuz Seines geliebten Sohnes offenbart ist, befähigen uns, die Angriffe des Feindes zurückzuschlagen.

Eph 6,17a: Nehmet auch den Helm des Heils …

Gott reicht ihn uns gewissermaßen dar, wir brauchen ihn nur zu ergreifen. Wenn es sich um unser Heil handelt, so können wir stets nur „nehmen“. David fragt in Psalm 116,12: „Wie soll ich dem HERRN alle seine Wohltaten an mir vergelten?“ Und er beantwortet seine eigene Frage: „Den Becher der Rettungen will ich nehmen und anrufen den Namen des HERRN.“ Manche meinen, die Heilsgewissheit sei eine Angelegenheit des Herzens; sie müsse von Empfindungen begleitet sein. Nein, der „Helm des Heils“ gehört auf das Haupt, was auf den Verstand, die Vernunft, das Gewissen hindeutet. Mit ihm bekleidet, verbreiten wir Licht um uns her; sehr zum Ärgernis der „Weltbeherrscher dieser Finsternis“, denn sie hassen jede Freude über das Heil Gottes.

Wir müssen aber auch eine Angriffswaffe haben, und die wird jetzt genannt:

Eph 6,17b: … und das Schwert des Geistes, welches Gottes Wort (oder: Gottes Aussprüche) ist,

Auch das Schwert brauchen wir nur zu „nehmen“. Die göttliche Liebe hat es bereitgestellt und legt es in unsere Hände. Beachten wir, es ist nicht das Schwert des Fleisches, sondern des Geistes. Der „alte Mensch“ darf es nicht anrühren, er würde damit nur Schaden anrichten. Wie oft ist es schon in den elenden Streitereien innerhalb der Christenheit auf diese Weise missbraucht worden! Vom Fleisch eingesetzt, wirkt es stets zerstörerisch auf alles, was Gottes Volk nährt, tröstet und auferbaut. Der Geist Gottes allein kennt seinen rechten Gebrauch. Ohne Seine Leitung können selbst die weisesten Gläubigen Schriftstellen falsch anwenden. Für jeden Notfall und für jeden Angriff des Bösen stehen uns die geeigneten „Aussprüche Gottes“ zur Verfügung. Wenn wir den Heiligen Geist nicht betrüben, wird Er uns auf sie aufmerksam machen.

Nun bleibt noch ein eigenartiges Stück der Waffenrüstung übrig; es wird „alles Gebet“ genannt:

Eph 6,18: … zu aller Zeit betend mit allem Gebet und Flehen in dem Geiste …

Es handelt sich um eine sehr notwendige und erfolgreiche Waffe, denn Satan zittert, wenn er den schwächsten Gläubigen auf den Knien sieht. Beachten wir die Anweisung „zu aller Zeit“. Wir müssen die Waffe sowohl in Zeiten der Freude wie der Anfeindung, des Wohlergehens wie der Krankheit, des Ausruhens wie der Tätigkeit, am Arbeitsplatz wie auch zu Hause stets zur Hand haben; denn jeder Zustand, jede Zeit birgt ihre besonderen Gefahren in sich. Wir müssen „mit allem Gebet“ bereit sein, denn verschiedene Notlagen erfordern verschiedene Gebete. Bestehen unsere Gebete immer wieder aus den gleichen Worten, so ist die Gefahr groß, dass wir uns in „ausgefahrenen Gleisen“ bewegen, ohne die Bedürfnisse des Augenblicks erfasst zu haben. Unsere Gebete sind eine Form geworden. Denken wir an den Hilferuf des Petrus, als er im Wasser versank! Da ging es ihm nicht um eine „Gebetsform“. Auch das Flehen gehört dazu. Das Gebet soll anhaltend sein; das „Flehen“ gilt für Zeiten besonderer Not. Das Gebet drückt unsere Abhängigkeit von Gott aus; das Flehen ist der Ruf der Seele nach Seiner Hilfe in Notlagen.

Geliebte Brüder und Schwestern, möge der Gebrauch der ganzen Waffenrüstung unser ernstes Anliegen sein. Moderne Waffen dieser Welt werden in einigen Jahren überholt sein; diese Waffenrüstung bleibt stets zeitgemäß. Sie nützt uns aber nur, wenn wir sie wirklich „angezogen“ haben.


Aus der Monatszeitschrift Hilfe und Nahrung, Jahrgang 1982
Ernst-Paulus-Verlag, S. 176-185

Letzte Aktualisierung: 26.07.2016


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