Regen und fruchtbare Zeiten
Gottes Güte gegen alle Menschen

Christian Briem

© CSV, online seit: 04.03.2006, aktualisiert: 16.08.2016

Leitverse: Apostelgeschichte 14,15-18

In Apostelgeschichte 14 wird uns die Heilung des von Kindheit an gelähmten Mannes in Lystra berichtet. Diese Begebenheit wirft helles Licht auf einen bestimmten Zug im Wesen Gottes, der uns immer wieder zur Anbetung leitet, wenn wir darüber nachdenken – die Güte Gottes Seinen Geschöpfen gegenüber.

Paulus und Barnabas waren auf ihrer ersten Missionsreise in diese von götzendienerischen Heiden bewohnte Stadt in Lykaonien gekommen und hatten dort das Evangelium verkündigt (Apg 14,6,7).

Interessanterweise bemerkte Paulus beim Reden, dass dieser gelähmte Mann den Glauben besaß, geheilt zu werden, und er rief ihm zu: „Stelle dich gerade hin auf deine Füße!“ (Apg 14,10). Als der dann aufsprang und vor den Augen der Menge umherging, wollten die Bewohner der Stadt auf dieses Wunder hin den beiden Männern göttliche Verehrung darbringen in der Meinung, zwei ihrer Götter, Jupiter und Merkur, seien als Menschen zu ihnen herabgekommen. Mit aller Entschiedenheit wehrten jedoch die Apostel der Volksmenge, die ihnen opfern wollte. Sie sprangen unter sie und riefen und sprachen:

Apg 14,15-18: Männer, warum tut ihr dieses? Auch wir sind Menschen von gleichen Empfindungen wie ihr und verkündigen euch, dass ihr euch von diesen nichtigen Götzen bekehren sollt zu dem lebendigen Gott, welcher den Himmel und die Erde und das Meer gemacht hat und alles, was in ihnen ist; der in den vergangenen Geschlechtern alle Nationen in ihren eigenen Wegen gehen ließ, wiewohl er sich doch nicht unbezeugt gelassen hat, indem er Gutes tat und euch vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gab und eure Herzen mit Speise und Fröhlichkeit erfüllte. Und als sie dies sagten, stillten sie kaum die Volksmengen, dass sie ihnen nicht opferten.

Vielleicht hat sich mancher Leser schon gefragt, warum diese Menschen bei diesen Worten so außer sich gerieten, dass sie kaum davon abgehalten werden konnten, den Aposteln Opfer darzubringen. Die Erklärung ist eigentlich einfach und demütigend zugleich: Der von Gott entfremdete Mensch kennt Gott nicht. Satan malt ihm das falsche Bild vor, Gott sei nicht wirklich gut, ja, Er werde eifersüchtig, wenn sich die Menschen freuen. Solcherart sind dann auch die Götter, die sich die Menschen unter der Anleitung des Widersachers Gottes machen. Deshalb sehen die Gottheiten vieler heidnischer Völker schrecklich und Furcht erregend aus; deswegen auch die stete Angst vor ihnen und die Bemühungen, sie günstig zu stimmen.

Doch wie so ganz anders sieht die Wirklichkeit, sieht die Wahrheit aus! Dafür sei Gott gepriesen! Es ist wahr, dass die beiden Abgesandten des lebendigen Gottes hier ein sehr einfaches Evangelium verkündigen. Sie reden so, wie diese Menschen es zu hören vermochten. Aber einen ersten, einen richtigen Eindruck von dem wahren Gott zu vermitteln stellt einen wichtigen, nicht zu unterschätzenden Schritt in der Verkündigung der guten Botschaft dar. Das gilt auch für uns und unsere Tage und darf uns ermutigen, Gleiches zu tun. Ist es nicht der Mühe wert, den Menschen einen rechten Eindruck von Gott zu vermitteln und wäre es nur ein erster? Satan versucht stets, Gott falsch darzustellen, um Ihn so der Anbetung zu berauben. Wir aber haben die erhabene Aufgabe, den Menschen zu zeigen, wer Gott und wie Gott wirklich ist. Und womit beginnen die beiden Prediger, Paulus und Barnabas, ihren Appell? Wodurch suchen sie diese armen, unter die Macht Satans verkauften Menschen zu bewegen, sich von den nichtigen Götzen zu dem lebendigen Gott zu bekehren? Sie stellen ihnen den einen, wahren Gott als Schöpfer alles dessen vor, was sie um sich her sahen, und zeigen, wie Er in großer Güte Seine Geschöpfe trägt und unermüdlich für sie besorgt ist. Das war so völlig neu für diese Menschen, so überwältigend, dass sie kaum davon abgehalten werden konnten, den Überbringern dieser Botschaft zu opfern.

Bewegt diese Wahrheit auch uns noch? Gewiss, wir dürfen diesen erhabenen Schöpfergott als unseren Vater in Christus Jesus kennen und uns noch höherer Segnungen erfreuen. Aber bringen wir Ihm auch als unserem Schöpfer Dank und Anbetung dar für Seine Güte an den Menschenkindern? Schenkt Er nicht immer noch Sonne und Regen, Saat und Ernte, Sommer und Winter? Ist Er es nicht, der „selbst allen Leben und Odem und alles gibt“ (Apg 17,25)? Wenn die Menschen im Allgemeinen Ihm den Dank vorenthalten, der Ihm, dem Heiland-Gott, dem Erhalter aller Menschen für Seine Gütigkeiten gebührt, sollten dann nicht wenigstens wir als Seine Kinder Ihm jede Ehre geben? In 1. Timotheus 2 werden wir ermahnt, nicht allein Flehen, Gebete und Fürbitten für alle Menschen darzubringen, sondern auch Danksagungen (1Tim 2,1). Wir vergessen das leider oft.

Auch der Herr Jesus hatte von der Schöpfer-Güte des himmlischen Vaters gesprochen und gezeigt, dass Er sogar für die Vögel des Himmels und die Lilien des Feldes besorgt ist (Mt 6,26-30) und dass Er seit Menschengedenken Seine Sonne aufgehen lässt über Böse und Gute und regnen lässt über Gerechte und Ungerechte (Mt 5,45). Das ist es, was Paulus und Barnabas auch den Leuten von Lykaonien vorstellten. Wenn dieser Gott für menschliche Augen auch unsichtbar war, so hatte Er Sich doch an den Menschen nicht unbezeugt gelassen und ihnen Gutes getan: Er hatte ihnen vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben. Wie würde die Erde aussehen ohne dieses gütige Walten Gottes?

Und dann wird noch etwas hinzugefügt, was für mich persönlich immer von besonderem Wert war: Gott wollte in Seiner überreichen Wohltätigkeit Seinen Geschöpfen Gutes tun und ihre Herzen mit Speise und Fröhlichkeit erfüllen. Wunderbarer Gott! Wenn Er ihnen Speise gab, so war sie nicht nur für den Bauch, sondern auch für ihr Herz gedacht, damit sie voller Fröhlichkeit wären. So gütig ist Gott, so gütig zu Menschen, die nichts von Ihm wissen wollen! Haben wir schon einmal bedacht, dass, wenn sich natürliche Menschen noch freuen können, dies auch eine Gabe des Schöpfers ist? Und haben nicht auch wir als Seine Kinder immer währenden Anlass, Ihm für Seine Gütigkeiten in unseren äußeren Verhältnissen dankbar zu sein?

Wenn wir uns noch über manches freuen können, was uns Seine Güte in unserem Leben beschert, so brauchen wir uns dieser Freude nicht zu schämen, als gezieme sie sich nicht für uns. Nur lasst sie uns zusammen mit Ihm, dem Geber und Ursprung aller Freude, genießen und verwirklichen, dass es darüber hinaus Freuden gibt, die in Christus Jesus unser eigentliches, christliches Teil sind. Diese Freuden über geistliche Dinge sind nicht vorübergehender Natur und sind deswegen auch unverlierbar und ewig. Wenn wir das festhalten, werden wir davor bewahrt bleiben, die Ruhe für unsere Seelen in den äußeren Umständen zu suchen. Doch das Bewusstsein davon, dass Gott auch unsere Herzen mit Speise und Fröhlichkeit erfüllt, lässt uns dankbar zu Ihm emporschauen (vgl. auch 1Tim 4,4; 6,17) und bewahrt uns vor „verbogenen“ Vorstellungen über unseren Gott, die Seiner nicht würdig sind. Die ersten Christen „nahmen Speise mit Frohlocken und Einfalt des Herzens“. Und dann wird das hinzugefügt, was sich immer für die geziemt, die Seine Güte in Anspruch nehmen dürfen: Sie „lobten Gott“ (Apg 2,46.47). So muss es immer sein: Was von Gott, dem Geber jeder guten Gabe, auf uns herabkommt (Jak 1,17), muss schließlich zu Ihm zurückgehen – als Dank und Lob und Anbetung.


Aus der Monatszeitschrift Ermunterung und Ermahnung, 1992, S. 268
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