Nehemia – ein treuer Dienstknecht Gottes (6)
Nehemia 6

Stephan Isenberg

© SoundWords, online seit: 15.06.2017

List

Neh 6,1-3: Und es geschah, als Sanballat und Tobija und Geschem, der Araber, und unsere übrigen Feinde erfuhren, dass ich die Mauer gebaut hätte und dass keine Lücke mehr darin wäre – doch hatte ich bis zu jener Zeit die Flügel noch nicht in die Tore eingesetzt –, da sandten Sanballat und Geschem zu mir und ließen mir sagen: Komm und lass uns in einem der Dörfer in der Talebene von Ono miteinander zusammentreffen! Sie beabsichtigten aber, mir Böses zu tun. Und ich sandte Boten zu ihnen und ließ ihnen sagen: Ich führe ein großes Werk aus und kann nicht hinabkommen. Warum sollte das Werk ruhen, wenn ich es ließe und zu euch hinabkäme?

Art des Widerstandes: Der Feind ändert hier seine Kampfweise. Als er einsah, dass Streit aussichtslos sein würde wegen der Wachsamkeit und der Kampfbereitschaft Nehemias und der Juden, griff er zur Kriegslist und sagte: „Komm, und lass uns … miteinander zusammentreffen!“ Darin lag etwas sehr Bestechendes. Da sie mit offener Feindschaft nichts ausrichteten, griffen sie zu geheuchelter Freundschaft. Der Feind hatte nicht mehr viel Zeit, denn die Mauer stand kurz vor der Vollendung und bald würden alle Tore eingesetzt sein und dann würde es noch schwerer sein, etwas gegen Jerusalem auszurichten (Neh 6,1).

Der Feind muss anerkennen, dass ein Zusammentreffen innerhalb der Mauern unmöglich war. So versucht er, Nehemia aus der Stadt zu locken. Wir müssen schon die ganze Waffenrüstung Gottes tragen:

  • „… damit ihr zu bestehen vermögt gegen die Listen des Teufels“ (Eph 6,11).

Es gibt auch in unserer Zeit eine ökumenische Bewegung und eine Allianzbewegung. Diese Bewegungen versuchen, die Christen an einen anderen Ort zu „locken“, um dort mit Christen Gemeinschaft zu haben, mit denen man sonst wegen fundamental falscher Lehre niemals Gemeinschaft ausüben würde. Bei dieser Bewegung geht es nicht in erster Linie darum, wahre Kinder Gottes zu versammeln, sondern verschiedene Gruppen, Systeme und Kirchen zu vereinigen. Das ist jedoch niemals der Gedanke der Heiligen Schrift.

Es mag sein, dass nicht alles schlecht ist, was in solchen Bewegungen geschieht, und dennoch sind wir nicht dazu gerufen, dort mitzumachen. Als Johannes einmal dem Herr vorstellte: „Lehrer, wir sahen jemand, der uns nicht nachfolgt Dämonen austreiben“, da sagte der Herr Jesus: „Wehrt ihm nicht“, aber Er sagte nicht: „Folgt ihm nun nach.“ Es ist nicht unsere Sache, solche Bewegungen zu verbieten oder gegen sie zu kämpfen. Oftmals macht man ja sogar aus lauteren Bewegungen und Motiven mit; dennoch sind wir nicht gerufen, dort mitzumachen.

Wiederholung

Obendrein griff der Feind zu einer seiner beliebtesten Waffen: der Wiederholung. Viermal versuchte er, Nehemia aus Jerusalem herauszulocken. Kennen wir diese Waffe des Feindes nicht auch aus unserem persönlichen Leben? Vielleicht sind wir beim ersten Mal noch standhaft, eventuell auch noch beim zweiten und dritten Mal; aber wie oft kommt es vor, dass wir früher oder später doch vor dem Feind einbrechen? Denken wir an Simson, der sieben Tage lang von seiner Frau bedrängt wurde, um sein Rätsel schlussendlich doch an seine Frau zu verraten (Ri 14). Oder an seine andere Frau Delila, die ihn ebenfalls bedrängte, um das Geheimnis seiner Kraft zu erfahren; und Simson wurde am Ende doch schwach:

  • „Da sprach sie zu ihm: Wie kannst du sagen: Ich habe dich lieb – und dein Herz ist doch nicht mit mir? Nun hast du mich dreimal getäuscht und mir nicht kundgetan, worin deine große Stärke besteht. Und es geschah, als sie ihn alle Tage mit ihren Worten drängte und ihn plagte, da wurde seine Seele sterbensmatt; und er tat ihr sein ganzes Herz kund“ (Ri 16,15-17).

Denken wir noch an unseren Herrn, wie Er in der Wüste dreimal vom Teufel versucht wurde. Was war seine kurze und knappe Antwort? „Es steht geschrieben.“ Nehemia blieb in dieser Situation standhaft. Warum?

Gegenmittel: Nehemia hatte die Gabe der Unterscheidung der Geister (vgl. 1Kor 12,10; 1Joh 4,1). Er war so sehr in der Gegenwart Gottes, dass er den Winkelzug des Feindes sofort durchschauen konnte. Die Antwort war ebenso kurz und knapp wie die Antwort des Herrn in der Wüste, als der Teufel ihn versuchte:

Neh 6,3: Ich führe ein großes Werk aus und kann nicht kommen.

Wenn wir mit jemand nicht innerhalb der Mauer zusammenkommen können, dann können wir es auch nicht außerhalb – wir können auch nur dort mit Christen zusammenkommen (als Gemeinde), wo der Herr Jesus seinen Namen wohnen lassen möchte. Wenn wir zum Beispiel die vielen bösen Lehren in der Namenschristenheit erkannt haben, dann wird es uns niemals in den Sinn kommen, dorthin zu gehen, um einen Gottesdienst zu feiern. Dafür bedarf es an dieser Stelle nicht einmal eines Gebetes von Nehemia.

Es gibt heutzutage die Neigung, zu sagen: Solange wir nicht gemeinsam das Brot brechen, können wir auch Gemeinschaft mit solchen Gläubigen haben, die einen unordentlichen Wandel führen oder sogar in tieferen Sünden leben. – Das ist eine völlig unbiblische Sichtweise (vgl. 1Kor 5; 2Tim 2 u.v.a.m.).

Offene und falsche Beschuldigungen

Neh 6,5-9: Da sandte Sanballat auf diese Weise zum fünften Mal seinen Diener zu mir mit einem offenen Brief in seiner Hand. Darin stand geschrieben: Unter den Nationen verlautet, und Gaschmu sagt es, dass ihr, du und die Juden, beabsichtigt, euch zu empören; darum bauest du die Mauer; und du wollest, nach diesem Gerücht, ihr König werden; auch habest du Propheten bestellt, damit sie in Jerusalem über dich ausrufen und sagen: Es ist ein König in Juda! Und nun wird der König diese Gerüchte vernehmen. So komm nun, dass wir uns zusammen beraten. Da sandte ich zu ihm und ließ ihm sagen: Es ist nicht geschehen nach diesen Worten, die du sprichst; sondern aus deinem eigenen Herzen erdichtest du sie. Denn sie alle wollten uns in Furcht versetzen, indem sie sprachen: Ihre Hände werden von dem Werk ablassen, und es wird nicht ausgeführt werden. Und nun, stärke meine Hände!

Art des Widerstandes: Nachdem der Feind den vorherigen Angriff viermal probiert hatte, greift er zu einer stärkeren Form der List, indem er einen offenen Brief schreibt und Nehemia und sein Werk in Misskredit bringt. Was ist mit offenen Briefen schon viel Unheil angestiftet worden, und wie oft wurden ernsthafte Christen durch solche Briefe mit falschen Dingen in Verbindung gebracht; wie hat man ganze Versammlungen/Gemeinden durch solch unseligen Briefe in Misskredit gezogen!

Gegenmittel: Nehemia stellt die Wahrheit an ihren Platz. Wir müssen nicht alles kampflos an uns vorüberziehen lassen. Wenn wir zu Unrecht angegriffen werden, kann es auch einmal ratsam sein, eine Gegendarstellung zu schreiben; das lehrt uns die Handlungsweise Nehemias. Wir lesen auch von dem Herrn Jesus, dass Er zu mancher falschen Anklage schwieg, aber auch, dass Er auf eine falsche Anklage hin sagte:

  • „Jesus antwortete ihm: Wenn ich übel geredet habe, so gib Zeugnis von dem Übel; wenn aber recht, warum schlägst du mich?“ (Joh 18,23).

Es ist sehr bemerkenswert, dass Nehemia in diesem Zusammenhang sagt: „Und nun, stärke meine Hände!“ – er geht mit jeder Not zu Gott, das ist der Charakter eines wahren Dienstknechtes Gottes. Auch hier denken wir an unseren Herrn, der in größter Not das Angesicht Gottes im Garten Gethsemane suchte. Nehemia erkennt an, dass seine Kraft gegen diese Angriffe bei weitem nicht ausreichen würde. Er stützt sich ganz auf Gott!

Schüren von Angst

Neh 6,10-14: Und ich kam in das Haus Schemajas, des Sohnes Delajas, des Sohnes Mehetabeels, der sich eingeschlossen hatte. Und er sprach: Lass uns im Haus Gottes, im Innern des Tempels, zusammenkommen und die Türen des Tempels verschließen, denn sie werden kommen, um dich zu ermorden. Und zwar werden sie bei Nacht kommen, um dich zu ermorden. Aber ich sprach: Ein Mann wie ich sollte fliehen? Und wie könnte einer, wie ich bin, in den Tempel hineingehen und am Leben bleiben? Ich will nicht hineingehen! Und ich merkte, dass nicht Gott ihn gesandt hatte, sondern er sprach diese Weissagung gegen mich, und Tobija und Sanballat hatten ihn gedungen. Darum war er gedungen worden, damit ich mich fürchten und so handeln und mich versündigen sollte und damit sie ein böses Gerücht hätten, um mich in Verruf zu bringen. Gedenke es, mein Gott, dem Tobija und dem Sanballat nach diesen ihren Werken, und auch der Prophetin Noadja und den übrigen Propheten, die mich in Furcht versetzen wollten!

Art des Widerstandes: Der Feind versucht, Nehemia in Angst und Schrecken zu versetzen. Dabei schreckt er nicht davor zurück, einen Priester für seine Zwecke zu dingen [1]. Wenn geistliche Führer des Volkes versagen, ist das immer eine besondere Herausforderung für Gottes Volk. Manche sehen sehr geistlich aus, aber ihr Herz ist weit entfernt von einem Leben mit Gott. Vielleicht ist es gar nicht so selten in unserer Zeit, dass einige am Sonntag schöne Gebete sprechen können und in der Woche von einem geistlichen Leben mit Gott nichts zu sehen ist. Der Herr Jesus zitierte einmal den Propheten Jesaja mit den Worten:

  • „Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist weit entfernt von mir“ (Mt 15,8).

Tobija und Sanballat gaben dem Priester Schemaja Geld, um Nehemia Furcht einzuflößen und ihn zu einer Tat zu provozieren, die dem Feind in die Karten gespielt hätte. Für Nehemia, der nicht aus priesterlichem Geschlecht war, war es verboten, sich im Tempel einzuschließen; nur die Priester hatten Zugang zum Tempel, und Nehemia wusste das sehr wohl. Offensichtlich kannte er die Geschichte Ussijas, der ins Heiligtum ging, um zu räuchern, und dann mit Aussatz geschlagen wurde (vgl. 2Chr 26,16-21).

Es ist schrecklich, wenn wir feststellen müssen, dass Brüder oder Schwestern, denen wir jahrelang vertraut haben, sich nun als Werkzeug des Feindes benutzen lassen – dabei kann sich das erst einmal sehr schmeichelhaft und ehrenhaft anhören, aber es bleibt doch Lüge und Unwahrheit. Der Angriff kam direkt aus dem Haus Gottes, denn es ging nicht nur um den Priester Schemaja, sondern auch um die Prophetin Noadja und der übrigen Propheten. Hoffentlich sind wir in unseren Tagen so nahe beim Herrn wie Nehemia und erkennen die List des Feindes. Wenn fremde Elemente in unsere Gemeinden einzudringen drohen, können wir dann noch erkennen: „Das ist nicht die Stimme meines Herrn“?

Gegenmittel: Nehemia stand auf der Seite eines starken Gottes. Er war durchaus nicht überheblich, als er sagte:

Neh 6,11a: Ein Mann wie ich sollte fliehen?

Das wird sofort klar, wenn wir lesen, wie der Vers weitergeht:

Neh 6,11b: Und wie könnte einer, wie ich bin, in den Tempel hineingehen und am Leben bleiben? Ich will nicht hineingehen!

Nehemia ging es um das Werk Gottes und den Gehorsam seinem Gott gegenüber. Gott hatte Nehemia mit diesem Werk betraut, und dann würde Er auch die Kraft geben, es auszuführen, ohne gegen klare Gebote dessen zu verstoßen, der ihn zum Dienst gesandt hatte.

Nehemia war sich bewusst, dass Gott stärker war als alle seine Widersacher. Nehemia war ein Mann, der das Wort Gottes sehr gut kannte. So hatte er gelernt, die Geister zu unterscheiden. Je mehr wir das Wort Gottes kennen, desto besser können wir die Listen des Teufels erkennen. Wir werden sofort merken, wenn es sich nicht um die Stimme des Herrn handelt, selbst wenn sie in einem scheinbar geistlichen Gewand daherkommt.

Nehemia besaß die Gabe der Unterscheidung der Geister:

  • „Geliebte, glaubt nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind; denn viele falsche Propheten sind in die Welt ausgegangen“ (1Joh 4,1).
  • „Einem anderen aber sind gegeben Wunderwirkungen, einem anderen aber Weissagung, einem anderen aber Unterscheidungen der Geister; einem anderen [aber] Arten von Sprachen, einem anderen aber Auslegung der Sprachen“ (1Kor 12,10).
  • „Die feste Speise aber ist für Erwachsene, die infolge der Gewöhnung geübte Sinne haben zur Unterscheidung des Guten sowohl als auch des Bösen“ (Heb 5,14).

Wie oft versuchten gerade die Ältesten, die Schriftgelehrten, Hohenpriester und Pharisäer, den Herrn in eine Falle zu locken. Wie muss es den Herrn geschmerzt haben, in das Seinige zu kommen und zu sehen, dass die Seinigen Ihn nicht wollten.

Den Feind ins gute Licht rücken

Neh 6,17-19: Auch ließen in jenen Tagen Edle von Juda viele Briefe an Tobija abgehen, und solche von Tobija kamen an sie. Denn es gab viele in Juda, die ihm Treue geschworen hatten, denn er war ein Schwiegersohn Schekanjas, des Sohnes Arachs; und sein Sohn Jochanan hatte die Tochter Meschullams, des Sohnes Berekjas, genommen. Auch redeten sie vor mir von seinen guten Taten und hinterbrachten ihm meine Worte; und Tobija sandte Briefe, um mich in Furcht zu versetzen.

Art des Widerstandes: Ein ebenfalls sehr beliebter Schachzug des Teufel ist, den Feind in ein gutes Licht zu stellen. Da bringt jemand eine verderbliche Irrlehre (z.B. die Allversöhnungslehre) und es eilt ihm der Ruf voraus: „Das ist ein ganz lieber Bruder, der hat so viel Gutes getan, der kümmert sich um die Armen und Schwachen, das ist ein fleißiger Mitarbeiter im Reich Gottes“ usw. Paulus warnte bereits sehr früh vor den „Wölfen im Schafspelz“. In der Endzeit würde der Antichrist wie ein Lamm aussehen, aber wie ein Drache reden (Off 13,11). Auch heute gibt es viele, die von außen wie liebliche Lämmer aussehen und doch reißende Wölfe und vom Drachen (Teufel) inspiriert sind und die Herde nicht schonen (vgl. Apg 20,29).

Gegenmittel: Hier lesen wir nicht direkt, was Nehemia gegen diese List des Feindes anwendete. Aber wir wissen doch eines: Er ließ sich nicht aus der Fassung bringen. Er setzte das Werk Gottes unbeirrt fort. Das lesen wir dann in Nehemia 7.

Es gehört wohl zu dem ganz Besonderen des Buches Nehemia, diesen Mann Gottes immer wieder in der Nähe Gottes zu sehen; so überstand er alle Angriffe des Feindes. Es ist beeindruckend, wie gut dieser „Normalo“ Nehemia das Wort Gottes kannte. Er war ja weder Priester noch Prophet noch Schriftgelehrter, noch hatte er eine Bibel, die er ständig mit sich herumtragen konnte. Für uns ist es so einfach, in der Bibel zu lesen, und doch vernachlässigen wir es doch so oft. Hoffentlich ist uns Nehemia eine große Ermutigung, die Bibel jeden Tag zur Hand zu nehmen. Es sind schon ganz andere Männer Gottes vor dem Feind eingebrochen – denken wir an den Propheten Elia oder an den Apostel Petrus. Wenn schon der Herr Jesus keine andere Waffe kannte als das „Es steht geschrieben!“ – wie viel mehr dann wir?


Anmerkung

[1] Aus Kapitel 10,9 können wir schließen, dass Schemaja ein Priester war.

Letzte Aktualisierung: 07.06.2017

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