Nehemia – ein treuer Dienstknecht Gottes (5)
Nehemia 5

Stephan Isenberg

© SoundWords, online seit: 09.06.2017

Dieses Kapitel wird uns die Wirkungen des Fleisches in uns offenbaren: „Denn das Fleisch begehrt gegen den Geist“ (Gal 5,17).

Neh 5,1-8: Und es entstand ein großes Geschrei des Volkes und ihrer Frauen gegen ihre Brüder, die Juden. Und es gab solche, die sprachen: Unsere Söhne und unsere Töchter, wir sind viele; und wir müssen Getreide erhalten, damit wir essen und leben! Und es gab solche, die sprachen: Wir mussten unsere Felder und unsere Weinberge und unsere Häuser verpfänden, damit wir Getreide erhielten in der Hungersnot. Und es gab solche, die sprachen: Wir haben Geld geliehen auf unsere Felder und unsere Weinberge für die Steuer des Königs. Und nun, unser Fleisch ist wie das Fleisch unserer Brüder, unsere Kinder sind wie ihre Kinder; und siehe, wir müssen unsere Söhne und unsere Töchter dem Knechtsdienst unterwerfen; und manche von unseren Töchtern sind schon unterworfen, und es steht nicht in der Macht unserer Hände, sie zu lösen; unsere Felder und unsere Weinberge gehören ja anderen. Und als ich ihr Geschrei und diese Worte hörte, wurde ich sehr zornig. Und mein Herz hielt Rat in mir, und ich stritt mit den Edlen und mit den Vorstehern und sprach zu ihnen: Auf Wucher leiht ihr, jeder seinem Bruder! Und ich veranstaltete eine große Versammlung gegen sie; und ich sprach zu ihnen: Wir haben unsere Brüder, die Juden, die den Nationen verkauft waren, soweit es uns möglich war, losgekauft; und ihr wollt etwa eure Brüder verkaufen, und sie sollen sich uns verkaufen? Da schwiegen sie und fanden keine Antwort.

Äußerlich am richtigen Platz

Wir fragen uns: Was war denn hier los? Sollte es möglich sein, dass Kinder Gottes sich gegenseitig so behandeln?

Wir lernen hier, dass man äußerlich zwar am richtigen Platz, innerlich jedoch von Gottes Gedanken weit entfernt sein kann. Umgekehrt kann es sein, dass jemand, der äußerlich nicht am richtigen Platz ist, wie zum Beispiel Daniel in Babylon, doch in Gemeinschaft mit Gott wandelt und sogar als „Vielgeliebter“ bezeichnet wird.

Wir sagen sehr schnell, dass wir uns nach Matthäus 18,20 versammeln und dass der Herr in unserer Mitte ist. Aber geht uns das nicht manchmal sehr lässig und leicht von den Lippen? Wenn wir „zu seinem Namen hin“ versammelt sind, dann muss sich auch alles nach seinem Namen richten. Dann muss der Herr Jesus in unseren Zusammenkünften auch alle Rechte bekommen – abgesehen davon, wie schwach dies manchmal praktiziert wird, aber das ist dann nicht das Versagen des Herrn, sondern unser Versagen.

Wenn eine Gruppe von Gläubigen innerhalb einer örtlichen Gemeinde meint, sie müsste die ganze Zusammenkunft von vorne bis hinten durchorganisieren – können wir dann wirklich sagen, dass der Herr Jesus alle Rechte hat? Es würde uns das doch sehr befremden, wenn jemand zu uns nach Hause kommt und uns sagen würde, wie wir uns in unserem Haus zu verhalten haben. Wenn wir selbst es sind, die die Leitung im Haus des Herrn übernehmen – wie will man dann praktizieren, was im Korintherbrief steht?

  • „Dies alles aber wirkt ein und derselbe Geist, einem jeden insbesondere austeilend, wie er will“ (1Kor 12,11).
  • „Wenn ihr zusammenkommt, so hat jeder [von euch] einen Psalm, hat eine Lehre“ (1Kor 14,26).

Wenn wir zum Tisch des Herrn zusammenkommen, um das Brot zu brechen – ist dann auch wirklich der Herr Jesus der Tischherr oder planen und leiten wir selbst die Stunde, wie es uns oder gar einem Einzelnen gefällt?

Wir müssen uns die Frage stellen, ob wir wirklich am richtigen Platz sind, und wenn wir diese Überzeugung gewonnen haben, dann darf es nicht nur ein Lippenbekenntnis sein, sondern Wahrheit. Die Israeliten dachten zur Zeit Jeremias auch, dass ihnen ja nichts passieren könne; schließlich hätten sie ja den Tempel. Aber lesen wir selbst:

  • „So spricht der HERR der Heerscharen, der Gott Israels: Macht eure Wege und eure Handlungen gut, so will ich euch an diesem Ort wohnen lassen. Und verlasst euch nicht auf Worte der Lüge, indem man spricht: ,Der Tempel des HERRN, der Tempel des HERRN, der Tempel des HERRN ist dies!‘“ (Jer 7,3.4).

Wenn unsere Taten und Handlungen nicht mit den Gedanken Gottes übereinstimmen, dann kann es uns passieren, dass auch unser Zusammenkommen nicht mehr als eine Farce ist. Stelle für dich sicher, dass du dich an dem Ort befindest, wo der Herr Jesus alle Rechte hat und wo Er nach seiner Verheißung in der Mitte sein möchte. Diesen Ort musst du suchen! Und zwar nicht, indem du von einer Gemeinde zur nächsten tingelst, sondern indem du dir aus dem Wort Gottes darüber klarwirst, wie der Ort aussehen muss, von dem der Herr Jesus sagt: „Da bin ich in ihrer Mitte.“

Nehemia kannte diesen Ort. Er hatte diesen Ort in der Heiligen Schrift gefunden, und sein ganzes Herz war mit diesem Ort beschäftigt. Dafür verließ er die Bequemlichkeit des Königshofes in Persien, und dafür machte er sich auf eine mühevolle Reise von weit über 1000 Kilometern. Dafür nahm er die Anfeindungen seiner Widersacher in Kauf und riskierte er sein Leben.

Hindernisse von innen

Art des Widerstandes: In Kapitel 4 greift der Feind von außen an. In  Kapitel 5 haben wir es mit einem Angriff des Teufels der besonderen Art zu tun. Der Teufel versucht, das Volk Gottes von innen heraus zu zerstören. Und so war das Volk Israel dazu gekommen, dass sich ein Bruder dem anderen verkaufte. Sie ließen einander kaum Luft zu atmen. Wie schnell kann es auch in der Gemeinde dazu kommen, dass wir meinen, eine bessere Position zu haben, und diese dann zu unserem Vorteil auszunutzen! Um einen eigenen Vorteil herauszuschlagen, schreckten die Israeliten nicht davor zurück, sich untereinander auf Wucher und Zins zu leihen, so dass manche Familien sogar so verarmt waren, dass sie ihre eigenen Kinder zum Knechtsdienst verkaufen mussten.

Wenn die Liebe zum Wort Gottes nachlässt, dann werden wir durch Selbstsucht und Egoismus fortgezogen. Das Volk hatte das Wort Gottes vernachlässigt, denn darin stand:

  • „Du sollst deinem Bruder keinen Zins auferlegen, Zins an Geld, Zins an Speise, Zins an irgendeiner Sache, die verzinst wird“ (5Mo 23,20).
  • „Wenn du irgend das Oberkleid deines Nächsten zum Pfand nimmst, so sollst du es ihm zurückgeben, ehe die Sonne untergeht“ (2Mo 22,25).

Wie sehr gilt das erst für unsere Zeitepoche:

  • „Wer aber irgend irdischen Besitz hat und sieht seinen Bruder Mangel leiden und verschließt sein Herz vor ihm, wie bleibt die Liebe Gottes in ihm?“ (1Joh 3,17).
  • „Wenn [aber] ein Bruder oder eine Schwester nackt ist und der täglichen Nahrung entbehrt, jemand von euch spricht aber zu ihnen: Geht hin in Frieden, wärmt euch und sättigt euch!, ihr gebt ihnen aber nicht das für den Leib Notwendige – was nützt es?“ (Jak 2,15.16).

Gegenmittel: Es heißt von Nehemia:

Neh 5,7: Und mein Herz hielt Rat in mir.

Wie das genau aussah, wird uns nicht mitgeteilt, aber wir können doch davon ausgehen, dass es ähnlich wie in Kapitel 2 war, als Nehemia vor dem König stand und betete. Sicherlich fragte Nehemia seinen Gott um Rat. Er war so ein „glückseliger Mann, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen“ (Ps 1,1), und er sprach sicher zu Gott: „Durch deinen Rat wirst du mich leiten“ (Ps 73,24). Nehemia wusste: „Er bewahrt klugen Rat auf für die Aufrichtigen“ (Spr 2,7).

Die Folge war, dass das Volk der Aufforderung Nehemias nachkam, jegliche Forderungen an ihre Brüder zu erlassen. Das führte dazu, dass

Neh 5,13b: die ganze Versammlung sprach: Amen! Und sie lobten den HERRN. Und das Volk tat nach diesem Wort.

Nehemia hielt sich nicht für etwas Besseres

In den Versen 14-18 lesen wir von der vorbildlichen Haltung Nehemias. Sein Eifer wurde auch deshalb belohnt, weil er nicht sich selbst suchte, sondern sich selbst für nichts hielt:

Neh 5,14-18: Auch von dem Tag an, als er mich bestellt hatte, um ihr Statthalter im Land Juda zu sein, vom zwanzigsten Jahr bis zum zweiunddreißigsten Jahr des Königs Artasasta, zwölf Jahre lang, habe ich mit meinen Brüdern die Speise des Statthalters nicht gegessen. Aber die früheren Statthalter, die vor mir gewesen waren, hatten das Volk beschwert und Brot und Wein von ihnen genommen, dazu vierzig Sekel Silber; auch ihre Diener herrschten willkürlich über das Volk. Ich aber tat nicht so, aus Furcht vor Gott. Und auch am Werk dieser Mauer fasste ich mit an; und wir kauften kein Feld; und alle meine Diener waren dort zum Werk versammelt. Und die Juden, sowohl die Vorsteher, 150 Mann, als auch die, die aus den Nationen, die ringsumher wohnten, zu uns kamen, waren an meinem Tisch. Und was für einen Tag zubereitet wurde: ein Rind, sechs ausgewählte Schafe und Geflügel wurden mir zubereitet; und alle zehn Tage allerlei Wein in Menge; und trotzdem forderte ich nicht die Speise des Statthalters, denn der Dienst lastete schwer auf diesem Volk.

Nehemia achtete den anderen höher als sich selbst und verleugnete seine Rechte, die ihm an sich zustanden. Treue Dienstknechte des Herrn Jesus schauen so sehr auf ihren Meister, dass sie in sein Bild verwandelt werden. Es ist überaus schön, einen Nehemia im Alten Testament zu sehen, der so viele schöne Charakterzüge des Herrn Jesus aufweist, dass man von ihm sagen könnte: „… als sähe er den Unsichtbaren“ (vgl. Heb 11,27). Wie Mose, ohne Christus zu kennen, die Schmach des Christus tragen konnte, so konnte auch Nehemia Charakterzüge des Herrn an sich tragen, obwohl er Ihn noch nicht gesehen hatte. Nehemia lebte praktisch aus, was Paulus später den Gläubigen in Ephesus schreiben musste:

  • Habt acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in der euch der Heilige Geist als Aufseher gesetzt hat, die Versammlung Gottes zu hüten“ (Apg 20,28).

Nehemia hatte sein Auftreten im Privatleben mit seinem Auftreten in der Öffentlichkeit in Übereinstimmung gebracht. Die geistliche Kraft und Autorität, die Nehemia unter dem Volk offenbarte, rührte daher, dass er „acht auf sich selbst hatte“. Prediger des Wortes Gottes werden nur so viel geistliche Kraft und Autorität haben, wie das, was sie predigen, mit dem übereinstimmt, was sie leben. Auch Paulus konnte sagen:

  • „Ich habe niemandes Silber oder Gold oder Kleidung begehrt. Ihr selbst wisst, dass meinen Bedürfnissen und denen, die bei mir waren, diese Hände gedient haben. Ich habe euch in allem gezeigt, dass man, so arbeitend, sich der Schwachen annehmen und der Worte des Herrn Jesus gedenken müsse, der selbst gesagt hat: Geben ist seliger als Nehmen“ (Apg 20,33-35).

Das vollkommene Beispiel ist auch hier der Herr Jesus, der auf die Frage „Wer bist du?“ antworten konnte: „Durchaus das, was ich auch zu euch rede“ (Joh 8,25).

Letzte Aktualisierung: 06.06.2017

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