Nehemia – ein treuer Dienstknecht Gottes (10)
Nehemia 10

Stephan Isenberg

© SoundWords, online seit: 15.07.2017, aktualisiert: 15.07.2017

Ein göttlicher Grundsatz

In den Kapiteln 8, 9 und 10 können wir einen inneren Zusammenhang erkennen. Die Folge der Anerkennung von Gottes Wort in Kapitel 8 war die Demütigung und wahre Buße in Kapitel 9, und so folgt auf die Absonderung vom Bösen aus Kapitel 9 nun die Hinwendung zum Guten in Kapitel 10.

Neh 10,1: Und auf all dieses hin schließen und schreiben wir einen festen Bund. Und auf der untersiegelten Schrift stehen die Namen unserer Obersten, unserer Leviten und unserer Priester.

Neh 10,29.30: Und das übrige Volk, die Priester, die Leviten, die Torhüter, die Sänger, die Nethinim, und alle, die sich von den Völkern der Länder zum Gesetz Gottes abgesondert hatten, ihre Frauen, ihre Söhne und ihre Töchter, alle, die Erkenntnis und Einsicht hatten, schlossen sich ihren Brüdern, den Vornehmen unter ihnen, an und traten in Eid und Schwur, nach dem Gesetz Gottes, das durch Mose, den Knecht Gottes, gegeben worden ist, zu wandeln und alle Gebote des HERRN, unseres Herrn, und seine Rechte und seine Satzungen zu beachten und zu tun

Es ist ein Grundsatz im Alten wie im Neuen Testament: Zuerst steht immer die Absonderung vom Bösen, und dann folgt die Hinwendung zum Guten. Einige Beispiel mögen dies verdeutlichen:

  • „Wascht euch, reinigt euch; schafft die Schlechtigkeit eurer Handlungen mir aus den Augen, lasst ab vom Übeltun. Lernt Gutes tun, trachtet nach Recht, leitet den Bedrückten; schafft Recht der Waise, führt der Witwe Sache“ (Jes 1,16.17).
  • „Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten“ (Röm 12,9).
  • „Stehe ab von der Ungerechtigkeit …; strebe aber“ (2Tim2).
  • „Die Gnae Gottes unterweist uns, damit wir, die Gottlosigkeit und die weltlichen Lüste verleugnend, besonnen und gerecht und gottselig leben in dem jetzigen Zeitlauf“ (Tit 2,12).
  • „Denn sie selbst berichten von uns, welchen Eingang wir bei euch hatten und wie ihr euch von den Götzenbildern zu Gott bekehrt habt, um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen" (1Thes 1,9).

Man hört schon mal das Beispiel von einem Kleinkind, das immerzu in Richtung Steckdose krabbelt. Um es nun von dem Übel abzubringen, winkt man mit einem Luftballon; so würde das Kind vom Gegenstand des Übels ablassen und sich dem Guten zuwenden. An sich ist das natürlich auch nicht ganz falsch, aber es wird immer dann geistlich falsch, wenn man daraus den Schluss ziehen möchte, dass man das Böse nicht zu verurteilen habe, sondern sich einfach dem Guten zuwenden müsse. Wie die obigen Bibelstellen zeigen, reicht es nicht aus, sich lediglich dem Guten zuzuwenden, sondern wir müssen auch das Böse verurteilen. Es reicht nicht, allein den Herrn Jesus vor die Blicke zu stellen. Der göttliche Weg ist, den bösen Weg zu verlassen und dann das Gute zu suchen bzw. zu tun.

In 1. Chronika 12 lesen wir, dass sich viele Männer zu David in die Höhle absonderten. Bevor sie jedoch zu David kamen, trennten sie sich bewusst von dem bösen König Saul. Erst danach waren sie in der Lage, in die Gegenwart Davids zu kommen. Aber dieses Beispiel zeigt auch noch eine andere Seite: Es reicht nicht aus, einfach das Böse zu lassen, sondern man muss sich auch bewusst dem Guten zuwenden.

Die Hebräer sollten nach der Kreuzigung das jüdische Lager verlassen, aber was wäre es gewesen, wenn sie das Lager zwar verlassen hätten, aber sich nicht zu Ihm – dem Herrn Jesus – hin abgesondert hätten:

  • „Deshalb lasst uns zu IHM hinausgehen, außerhalb des Lagers, seine Schmach tragend“ (Heb 13,13)

Alles wäre vergeblich gewesen.

Es ist nötig, wieder neu zu lernen, was es heißt, das Böse wirklich zu verurteilen. Ansonsten werden wir nicht fähig sein, das Gute zu tun und nach göttlichen Dingen zu streben.

Der Bund

Nachdem das Volk sein Abweichen entdeckt und bereinigt hat, entsteht der Wunsch, mit Gott einen Bund zu schließen, um ein mögliches Abweichen in Zukunft zu vermeiden. Was das Volk noch lernen musste, war: Auch noch so viele Bünde, Schwüre oder Eide können uns keine Kraft geben, um vor dem Abweichen bewahrt zu bleiben. Wenn wir auch aus der Geschichte wissen, dass der Bund nicht lange hielt, so war er doch aufrichtig und ehrlich gemeint. Der Bund betraf den gesamten Umgang mit Gott und Mensch. Er wurde geschlossen in Bezug auf …

  • ihren persönlicher Wandel (Neh 10,29-31)
  • ihr Verhältnis zu den umliegenden Nationen (Neh 10,29)
  • ihr Verhältnis zu Gott im Halten des Sabbats (Neh 10,32)
  • ihr Verhältnis zum Haus Gottes (Neh 10,32-39)

Die Erneuerung des Bundes umfasste folgende Bereiche:

  • keine Ehe mit fremden Völkern
  • Ehren des Sabbattages
  • im siebten Jahr das Land brachliegen lassen und auf Darlehen verzichten
  • Erstlinge des Landes zum Haus des Herrn bringen
  • das Haus des Herrn nicht verlassen

Sollen Christen heute noch einen Bund machen?

Wir sollten heute solche Bünde, Eide oder Schwüre nicht machen. Wir befinden uns hier im Buch Nehemia unter Gesetz und in einer Zeit, in der Gott sich in seiner Prüfung des Menschen, ob er wiederherstellbar wäre, an das Fleisch, an den natürlichen Menschen, wendet. Aber das alte, verdorbene Fleisch sollte nur zeigen, wie verdorben es wirklich ist. Schon zwei Kapitel später werden wir lesen, wie die Israeliten in diesen Dingen gänzlich versagten.

Das Neue Testament zeigt uns die Einführung eines neuen Menschen. Wir stehen als Christen nicht mehr unter dem alten Menschen, dessen Haupt der erste Mensch Adam war, sondern wir stehen nun unter dem Haupt des neuen Menschen und haben auch das Leben des neuen Menschen bekommen. Es ist das Leben des Herrn Jesus selbst. Es wäre völlig fehl am Platz, wenn wir noch einen Bund schließen oder einen Eid ablegen würden, denn unsere ganze Identität besteht in Christus, und das Leben Christi ist makellos und hat nicht nötig, in einen Bund zu treten, denn es kann nicht sündigen und von Gottes Wort abweichen.

Wenn wir dennoch sündigen, dann liegt das nicht an der neuen Natur in uns, sondern an der Wirkung des Fleisches, das uns immer noch anhaftet. Aber unser Leben ist seit unserer Bekehrung Christus. Und Christus hat nie einen Bund mit seinem Vater machen müssen. Sein Leben steht in völliger Harmonie mit dem Wesen Gottes des Vaters, und unser neues Leben tut es auch.

Wer heute noch dem Herrn schwört, einen Eid ablegen oder einen Bund schließen möchte, hat die Verdorbenheit des Fleisches möglicherweise noch nicht kennengelernt oder ist sich der Konsequenzen nicht bewusst. Es mag in Aufrichtigkeit geschehen, aber man steht damit nicht auf neutestamentlichem Boden.

Für den sogenannten Ehebund gilt das natürlich nicht. Hier halten sich Christen an die Vorschriften der jeweiligen Obrigkeit. Gott nimmt es sehr ernst, wenn wir einen Bund – in welcher Form auch immer – schließen. Gerade in Bezug auf den Ehebund heißt es: „Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden“ (Mt 19,6; vgl. Hes 17,12-19).

Weitere Artikel des Autors Stephan Isenberg (72)


Hinweis der Redaktion:

Die SoundWords-Redaktion ist für die Veröffentlichung des obenstehenden Artikels verantwortlich. Sie ist dadurch nicht notwendigerweise mit allen geäußerten Gedanken des Autors einverstanden (ausgenommen natürlich Artikel der Redaktion) noch möchte sie auf alle Gedanken und Praktiken verweisen, die der Autor an anderer Stelle vertritt. „Prüfet aber alles, das Gute haltet fest“ (1Thes 5,21). – Siehe auch „In eigener Sache ...