Mit Gott im Licht
1. Johannes 1,5.7

Christian Briem

© CSV, online seit: 04.03.2006, aktualisiert: 11.10.2016

Leitverse: 1. Johannes 1,5.7

1Joh 1,5.7: Und dies ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen: dass Gott Licht ist und gar keine Finsternis in ihm ist … Wenn wir aber in dem Licht wandeln, wie er in dem Licht ist, so haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde.

Was bedeutet Licht?

Gott ist nicht nur im Licht, sondern Er ist auch Licht (1Joh 1,5.7). Licht ist Sein Wesen, ist, was Ihn kennzeichnet. Nun ist es gar nicht so einfach zu sagen, was diese Aussage in sich schließt. Allein um das natürliche Licht zu erklären, haben die Wissenschaftler eine ganze Reihe von Theorien entwickeln müssen. Dennoch können sie nicht genau sagen, was Licht wirklich ist Wenn das schon im natürlichen Bereich so schwer ist, wer könnte sich dann anmaßen, das unerschaffene Licht zu definieren?

Doch scheint mir, dass wir, wenn es um Licht im geistlichen Sinne geht, zwei Gedanken unterscheiden können:

  • Licht umschreibt sittliche Eigenschaften.
  • Licht redet von Offenbaren, von Sichtbarmachen.

Ohne Frage liegt der erste Sinn in 1. Johannes 1,5 vor:

1Joh 1,5: Und dies ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen: dass Gott Licht ist und gar keine Finsternis in ihm ist.

Licht und Finsternis tragen jeweils eine sittliche Bedeutung. Licht ist ein Wesenszug Gottes. Er ist nicht nur das Licht oder ein Licht, sondern Er ist Licht. Das will uns gewiss sagen: Gott ist die vollendete Reinheit, Er ist in Sich absolut heilig und vollkommen und makellos. Sünde ist Ihm wesensfremd. Er ist „zu rein von Augen, um Böses zu sehen“ (Hab 1,13). Es ist auffallend, wie der Apostel Johannes dahin geleitet wird, die Wahrheit nicht nur im positiven, sondern auch im negativen Sinn auszudrücken. So folgt der Botschaft, dass Gott Licht ist, sogleich die Feststellung, dass gar keine Finsternis in ihm ist. Das stellt eine starke Betonung dessen dar, was ausgedrückt werden soll.

Auf der anderen Seite macht das Licht auch alles offenbar. Der Herr Jesus hatte in diesem Sinne von Sich als dem Licht der Welt gesprochen, das in die Welt gekommen war. Aber die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, „denn ihre Werke waren böse. Denn jeder, der Arges tut, hasst das Licht und kommt nicht zu dem Lichte, auf dass seine Werke nicht bloßgestellt werden; wer aber die Wahrheit tut, kommt zu dem Lichte, auf dass seine Werke offenbar werden, dass sie in Gott gewirkt sind“ (Joh 3,19-21). Der Herr Jesus ist „Gott, offenbart im Fleische“. Als Er hier auf der Erde war, brachte Er alles in seinem wahren Charakter ans Licht, Gutes wie Böses. Ja, mehr noch, Er offenbarte Gott Selbst und das auf vollkommene Weise.

Das ist etwas Wunderbares. Im Alten Testament konnte Gott Sich nur bruchstückartig kundgeben, weil die Frage der Sünde noch nicht gelöst war. Deswegen war Er im Dunkel (2Mo 20,21), redete Er aus dem Dunkel und der Finsternis (5Mo 5,22.23), deswegen hatte Er gesagt, Er wolle im Dunkeln wohnen (1Kön 8,12). In Sich Selbst war und ist Gott immer Licht. Aber in Seinen Wegen mit den Menschen, besonders mit Israel, konnte Er Sich noch nicht völlig offenbaren. Er hätte sie verzehren müssen. Der Israelit wandelte nicht in dem Licht der Offenbarung Gottes. Gott wohnte im Dunkeln, durch Vorhänge und Opfer und Priester von den Menschen abgeschirmt. Aber in Seinem Sohn persönlich und dann nach vollbrachtem Erlösungswerk im Christentum konnte Gott Sich ganz und gar kundgeben, Seine Gnade und Seine Wahrheit ungehindert zeigen (Joh 1,17). Insofern ist Er heute im Licht. Das zu verstehen ist wesentlich. In einem, im sittlichen Sinn ist Licht ein brennendes Wort, aber im anderen Sinn bezeichnet es eine unendliche Gnade. Dass Gott Sich Menschen gegenüber offenbart – und Er tut das in der Person Seines Sohnes Jesus Christus –, ist eine unvorstellbare Segnung, deren Ausmaß wir gar nicht absehen können. Das führt uns direkt zum siebten Vers in 1. Johannes 1:

1Joh 1,7: Wenn wir aber in dem Lichte wandeln, wie er in dem Lichte ist, so haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde.

Dieser Vers enthält drei grundsätzliche Segnungen. Jede von ihnen ist für den Christen charakteristisch. Von jeder kann das Kind Gottes beglückt sagen: „Das ist mein Teil, das ist wahr auch von mir.“ Lasst uns im Glauben fest „unseren Fuß darauf setzen“!

Kinder Gottes wandeln im Licht

Wenn Gott in Seiner Natur Licht ist, so waren wir Menschen von Natur aus das ganze Gegenteil – Finsternis. Wir waren nicht allein in der Finsternis, waren nicht nur verfinstert am Verstande, sondern wir waren Finsternis (Eph 4,18; 5,8). Aber Gott sei Dank! – wir waren es, wir sind es nicht mehr: „Denn einst wäret ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht in dem Herrn.“ Als wir durch die Gnade Gottes und die Wirksamkeit des Heiligen Geistes die neue Geburt erlebten (Joh 3,3-8), pflanzte Gott Seine eigene Natur in uns hinein, das ewige Leben. Und diese Natur ist auch in dem Gläubigen durch Licht und Liebe gekennzeichnet. Sie kann sich in dem Kind Gottes nicht anders zeigen als in Gott Selbst.

Aber wir sind jetzt nicht nur Licht in dem Herrn, sondern wir wandeln auch in dem Licht: „Wenn wir aber in dem Lichte wandeln …“ Vielleicht stößt sich jemand an dem „Wenn“ und sagt: „Wir sind dazu berufen, in dem Licht zu wandeln, wir sollten es tun.“ Das ist jedoch nicht die Bedeutung dieser Stelle. Der Apostel stellt in diesem Teil des Briefes immer das Wahre in dem Kind Gottes dem Bekenntnis derer gegenüber, die sich wohl nach Seinem Namen nennen, aber zur Familie des Teufels gehören. So steht der siebte Vers „Wenn wir aber in dem Lichte wandeln …“ dem sechsten Vers gegenüber: „Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und wandeln in der Finsternis, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit.“ Sagen und nicht tun ist das, was das bloße Bekenntnis kennzeichnet, ist Lüge. Kann es etwas geben, was mehr wahrem Christentum zuwider ist, als sich zu einer großen christlichen Wahrheit zu bekennen und nicht danach zu handeln?

Wenn der Apostel dennoch in beiden Fällen „wir“ sagt, dann deswegen, weil er sich und alle Kinder Gottes auf den Boden des Bekenntnisses stellt. Wenn du ein Kind Gottes sein darfst, bist du dann nicht jemand, der sich zum Herrn bekennt? Natürlich. Doch du bist ein echter Bekenner, der göttliches Leben bleibend in sich hat. Es gibt jedoch auch solche Menschen, die nur ein äußeres Bekenntnis haben, aber nicht von neuem geboren sind. Sie macht der Apostel durch seine Tests „Wenn wir sagen“, „Wer da sagt“ offenbar. Solche Menschen wandeln in der Finsternis – grundsätzlich, sie tun nichts anderes. Ihr ganzes Leben ist eine Lüge. Sie mögen für sich beanspruchen, in dem Licht zu sein. Wenn sie aber zum Beispiel den, dessen Bruder zu sein sie bekennen, hassen, dann wird dadurch nur offenbar, dass sie bisher nirgendwo anders waren als in der Finsternis. „Wer da sagt, dass er in dem Lichte sei, und hasst seinen Bruder, ist in der Finsternis bis jetzt … Wer aber seinen Bruder hasst, ist in der Finsternis und wandelt in der Finsternis …“ (1Joh 2,9-11).

Das Kind Gottes dagegen wandelt grundsätzlich im Licht. Das ist seine von Gott verliehene Stellung. Wie trefflich bemerkt worden ist, geht es hier nicht darum, wie, sondern darum, wo wir als Kinder Gottes wandeln. Wir wandeln in dem Licht der vollen Offenbarung, die Gott von Sich gegeben hat. Wir wandeln nicht immer gemäß dem Licht. Das müssen wir uns zu unserer Beschämung sagen. Aber wenn wir überhaupt Kinder Gottes sind, dann wandeln wir in dem Licht. Als Ergebnis des vollbrachten Sühnungswerkes Christi ist der Vorhang zerrissen und wir wandeln mitten im Licht der Gegenwart und der Offenbarung Gottes. Wunderbares Teil! Genießen wir es in der Praxis unseres täglichen Lebens?

Der Gedanke, dass ein Kind Gottes, das sündigt, zumindest vorübergehend aus dem Licht in die Finsternis fällt, entspricht nicht der Heiligen Schrift. Der Apostel Johannes spricht hier überhaupt nicht von der Möglichkeit, dass ein Gläubiger sündigt. Erst zu Beginn des zweiten Kapitels kommt er darauf zu sprechen. Er stellt vielmehr die unverbrüchlichen Vorrechte derer vor, die aus Gott geboren sind und daher zur Familie Gottes gehören. Dabei benutzt er eine absolute oder abstrakte Form der Sprache, er sagt die Dinge so, wie Gott sie sieht.

Ein unseren Gegenstand betreffendes Beispiel finden wir auch in seinem Evangelium, wo er uns folgende Worte des Sohnes Gottes wiedergibt: „Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben“ (Joh 8,12). „Wer mir nachfolgt“ – das ist von allen Kindern Gottes wahr, so sieht es Gott –, „wird nicht in der Finsternis wandeln.“ Durch diese abstrakte Redeweise lernen wir die Dinge kennen, wie sie wirklich sind. Wir sollten daher Gott dafür preisen, dass Er uns die Dinge in dieser Weise vorstellt und sollten nicht immer unsere leider oft erbärmliche Praxis in derartige Stellen hineinbringen.

Dann geht ganz rasch das verloren, was Gott uns sagen wollte, und der Eindruck der Wahrheit verblasst. Ich bin überzeugt, dass unser praktisches Leben, würden wir mehr das Licht der Wahrheit darauf fallen lassen, sich stark und wie von selbst verändern würde.

Greifen wir in dieser Verbindung noch einmal den Fall auf, dass wir doch sündigen. Ist es uns schon bewusst geworden, was das tatsächlich bedeutet? Wir sündigen mitten im Licht! Was könnte ernster sein? Kinder Gottes sündigen nicht in der Finsternis, nein, sie sündigen mitten im Licht! Doch Gott sei gepriesen! Er hat in Seiner Gnade auch für diesen traurigen Fall Vorsorge getroffen: Wir haben einen Sachwalter bei dem Vater, Jesus Christus, den Gerechten (1Joh 2,1)!

Gemeinschaft miteinander

Eine zweite Segnung wird mit den Worten umschrieben: „So haben wir Gemeinschaft miteinander.“ Gemeinschaft miteinander – mit wem? Mit dem Vater und mit Seinem Sohn Jesus Christus? Nein, das ist der gesegnete Gegenstand des dritten Verses. Das unergründliche Vorrecht, in diese göttliche Gemeinschaft gebracht zu sein, gründet sich auf den Besitz des ewigen Lebens. In unserem Vers geht es jedoch nicht um die Gemeinschaft mit göttlichen Personen, sondern um die Gemeinschaft innerhalb der Familie Gottes, um die Gemeinschaft mit Kindern Gottes. Das Wort miteinander deutet eine gewisse Gegenseitigkeit an, und unmöglich könnte Gott als „unser Genosse“ gerade so viel Gemeinschaft mit uns haben wie wir mit Ihm. Nein, so redet die Schrift nicht. Wenn der Herr zum Beispiel von unseren Beziehungen zu Gott und dem Vater in Auferstehung spricht, dann sagt Er nicht: „Ich fahre auf zu unserem Gott und Vater“, sondern Er drückt sie so aus: „Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, und zu meinem Gott und eurem Gott“ (Joh 20,17).

Ist diese Gemeinschaft miteinander nicht eine wunderbare Sache? Wir treffen einen uns völlig fremden Menschen. Im Verlauf des Gesprächs stellen wir fest, dass unser Gegenüber ein Kind Gottes ist. Wie freuen wir uns! Wir haben jemand getroffen, der dasselbe Leben, denselben Heiligen Geist besitzt wie wir. Und nicht nur freuen wir uns, wir lieben ihn, lieben ihn mehr als einen ungläubigen Verwandten, den wir schon seit Jahrzehnten kennen. Das ist die Realität der Familie Gottes. Es hat mich oft erquickt, dass die Beziehungen innerhalb der Familie Gottes auch heute noch intakt sind. Gewiss, Kinder Gottes gehen heute in kirchlicher Hinsicht auf tausend verschiedenen Wegen. Das kann uns nur tief demütigen. Aber unser Vers redet nicht von kirchlicher Gemeinschaft, etwa von Gemeinschaft am Tisch des Herrn. „Kirchliches“ ist überhaupt nicht der Gegenstand der Schriften des Johannes. Er zeigt uns vielmehr die beglückende Seite der Gemeinschaft, die aufgrund eines gemeinsamen Lebens besteht: Kinder Gottes haben in diesem Sinn stets Gemeinschaft miteinander. Danken wir Gott dafür, dass es so ist! Gerade in Tagen der Zerrissenheit und der Spaltung braucht unser Herz diese Wahrheit, diesen Trost. Auch werden wir dadurch vor einem sektiererischen, trockenen Geist bewahrt.

Reinigung von aller Sünde

Drittens beschreibt der Apostel in abstrakter Weise die große Segnung, den bleibenden Trost für Sein Volk: Das Blut Jesu Christi bleibt in seiner Kraft und Wirksamkeit immer bestehen. Wir kennen den Wert des Opfers des Sohnes. „Das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde.“

Das ist ebenfalls eine absolute Feststellung – das Blut reinigt. Es ist nicht eine Frage der Zeit, wann das geschieht. Noch weniger wird auf ein beständiges Reinigen mittels des Blutes hingewiesen. Das wäre ein der Schrift vollkommen fremder Gedanke (vgl. Heb 10,14-18). Zeitlich gesehen, wird das Blut nur einmal auf den Menschen angewandt: wenn er sich bekehrt. Aber abstrakte Aussagen stehen sehr oft in der Präsensform (Gegenwartsform), so auch hier. Das ist die Wirkung des Blutes Jesu Christi: Es reinigt – nicht nur von dieser oder jener, sondern von aller Sünde. Glückseliges Bewusstsein! Ewig gültige Grundlage! Nein, wir müssen nicht immer wieder das Blut anwenden, wenn wir gesündigt haben. Aber wenn wir, bildlich gesprochen, durch den zerrissenen Vorhang in das Heiligtum eintreten, finden wir stets das Zeugnis des siebenfach vor den Sühndeckel gesprengten Blutes vor (vgl. 3Mo 16,14). Es ist ein vollkommenes Zeugnis von der ewig gültigen Kraft des Blutes Jesu Christi, das für uns vergossen wurde. Und wie beglückt uns dieser Gedanke: Das Licht, das schonungslos unsere Sünde kundmachte, fällt nun in voller Fülle auf das Blut Christi, das sie auf ewig hinwegnahm!


Aus der Monatszeitschrift Ermunterung und Ermahnung, 1991, S.289-297


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