Ich elender Mensch
Römer 7 und 8

John Nelson Darby

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Leitverse: Römer 7 und 8

Es gibt nichts, was für unsere Herzen so schwierig ist, als in der Gnade zu ruhen, praktisch zu verwirklichen, dass „wir nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade sind“ (Röm 6,15). Durch diese Gnade sind unsere Herzen befestigt worden (Heb 13,9), doch gibt es nichts Schwierigeres für uns, als diese Gnade in ihrer Fülle zu erfassen – jene „Gnade Gottes, in der wir stehen“ (Röm 5,2) – und in ihrer Kraft und ihrem Bewusstsein zu leben. Nur in der Gegenwart und Gemeinschaft Gottes können wir sie kennenlernen, und unser Vorrecht ist es, sich damit zu beschäftigen. In dem Augenblick, wo wir uns aus dieser Gemeinschaft entfernen, werden immer unsere eigenen Gedanken in uns anfangen zu arbeiten; und unsere Gedanken können uns niemals zu den Gedanken Gottes bringen, zu dieser Gnade Gottes.

Es ist unmöglich für uns, richtige Gedanken über Gnade zu haben, bis wir wirklich auf dieser festen Grundlage der Gnade – Gottes Gabe in dem Herrn Jesus – gegründet sind. Keine Vernunftschlüsse unserer Herzen könnten jemals aufsteigen zu dieser Gnade Gottes, aus dem einfachen Grund, weil sie direkt und frei von Gott her ausströmt. Hätte ich auch das kleinste Recht, sie zu erwarten, so könnte es nicht die reine, freie Gnade, diese Gnade Gottes sein.

Aber selbst dann, wenn wir geschmeckt haben, wie „gnädig der Herr ist“, so ist es sehr natürlich für unsere eigenen Gedanken, dass sie anfangen zu arbeiten, sobald wir die Gemeinschaft mit Gott verlassen; und in dem Moment, wo wir so etwas tun, sei es, dass wir mit unseren Sünden oder mit irgendwelchen anderen Dingen beschäftigt sind, verlieren wir die Bedeutung der Gnade Gottes und können nicht länger auf sie rechnen.

Das Heraustreten aus der direkten und bewussten Gemeinschaft mit Gott ist die Quelle all unserer Schwachheit als Heilige, denn in der Kraft Gottes kann ich alles tun: „Wenn Gott für uns ist, wer wider uns?“ (Röm 8,31), „Wir sind mehr als Überwinder“ (Röm 8,37). Wenn unsere Gedanken nicht über uns selbst und auch nicht über unsere Umstände sind, wird alles ganz einfach. Aber wir können nur in der Gemeinschaft mit Ihm alles entsprechend der Gnade messen und beurteilen.

Was sind unsere Gedanken über uns selbst? Wenn wir in der Gemeinschaft mit Gott in seiner Gnade ruhen, kann uns nichts mehr beunruhigen. „Wer wird wider Gottes Auserwählte Anklage erheben?“ (Röm 8,33). „Wer wird uns scheiden von der Liebe des Christus?“ (Röm 8,35). Aber sobald wir außerhalb der Gemeinschaft mit Gott sind, können wir nicht länger in dieser Gnade ruhen, als wenn wir die Gemeinschaft genießen.

Noch einmal, nehmen wir den Zustand der Dinge um uns herum wahr? Wir mögen uns deshalb Sorgen machen, im Bewusstsein des Bösen, der Not und des Verfalls, in dem alles liegt, so wie auch der Herr Jesus es selbst empfand, als Er „tief seufzte im Geist und sich erschütterte“ (Joh 11,33). Aber es ist unmöglich, solange wir die enge Gemeinschaft mit dem Herrn genießen, davon erdrückt zu werden; was immer es auch sein mag (und sei es der Zustand der Kirche). Denn wir rechnen auf Gott, und dann werden alle Dinge eine Sphäre und Szene für das Wirken der Gnade Gottes.

Die Natur rechnet nie auf Gottes Gnade. Sie mag auf die Gnade rechnen im Sinne des Hingehenlassens der Sünden, aber nur weil sie Ihm dieselben Eigenschaften zusprechend sich vorstellt, dass Gott genauso gleichgültig in Bezug auf Sünde sei, oder sogar, dass Er gar kein Recht habe, die Sünde zu richten. Die Gnade, wenn sie von der Seele wirklich verstanden wird, ist genau das Gegenteil; sie ist auf dem gerechten Verständnis in Bezug auf die Schrecklichkeit des Bösen der Sünde gegründet. Und wenn wir in unserem Maß gelernt haben, Gottes Beurteilung in Bezug auf die Sünde anzunehmen, werden mir mit Erstaunen über diese Gnade, die all die Schrecklichkeit der Sünde austilgt, erfüllt, dass Er seinen Sohn gegeben hat, um deshalb zu sterben. Was der natürliche Mensch unter Gnade versteht, ist dabei absolut nicht das Austilgen der Sünde durch Blutvergießen des Herrn, sondern das Hingehenlassen der Sünde in Gleichgültigkeit. Das ist nicht Gnade.

Wenn das Gewissen erweckt wird und Gedanken der Verantwortung entstehen ohne Ergreifen der Gnade, so wird das Erste, was es tun wird, sein, dass es sich unter ein Gesetz zu stellen sucht; es kann nicht anders. Und der natürliche Mensch tut das oft. Er kennt keine andere Art, als Gott durch Gehorsam zum Gesetz zu gefallen. Und so, unwissend über Gott und sich selbst, denkt er, er würde es schaffen. Jedoch das einfache Wissen über die Gnade ist die Quelle unserer Kraft als Christen. Und das Bleiben in dem Verständnis der Gnade in der Gegenwart Gottes ist das ganze Geheimnis der Heiligkeit, des Friedens und der Ruhe des Geistes.

Es gibt zwei Dinge, die den Frieden des Geistes stören können; und diese, die gelegentlich verwechselt und missverstanden worden sind, lassen Schwierigkeiten in den Gedanken der Heiligen entstehen:

Erstens, ein beunruhigter Zustand des Gewissens in Bezug auf Annahme und Errettung; zweitens, ein Seufzen des Geistes, gleichbedeutend mit dem, was Paulus in Römer 8,23 erwähnt, bewirkt durch die Umstände und Dinge um uns herum, die uns bekümmern und versuchen.

Wo dieses Beunruhigtsein des Gewissens ist (1), ist die Liebe nicht in Anwendung, sondern das Selbst und Ich ist im Zentrum! Aber wenn die Beunruhigung wegen des Zustands der Dinge um uns herum ist (2), so ist genau das Gegenteil der Fall. Wie groß war doch die Beunruhigung der Seele unseres Herrn! Und doch floss es über von der Liebe und einem vollkommenen Verständnis dessen, was die Gnade Gottes ist. Wenn die Gnade völlig, das heißt einfach genossen wird, wenn wir in Gott (als für uns seiend) ruhen und wissen, dass Er Liebe ist, dann kann kein Missverständnis zwischen diesen zwei Ursachen der Unruhe der Seele entstehen. Aber wenn wir nicht verstehen, was Gnade ist, werden wir das sofort durcheinanderwerfen.

Gibt es in uns noch Befürchtungen des Gewissens wegen unserer Annahme, dann müssten wir uns recht sicher sein, dass wir nicht durch Gnade befestigt worden sind. Es ist wahr, dass in einem in der Gnade befestigten Menschen noch Sünde ist, aber das ist etwas ganz anderes, als die Unruhe des Gewissens in Bezug auf die Annahme. Das Verlangen nach Frieden kann durch zwei Dinge hervorgerufen werden: Entweder ich bin noch nie zu dem Punkt, der Gnade wirklich zu vertrauen, eingeführt worden, oder ich habe durch Unachtsamkeit das Verständnis der Gnade verloren, was so leicht geschieht. „Die Gnade Gottes“ ist so unbeschränkt, so vollständig und vollkommen, dass, wenn wir für einen Augenblick aus der Gegenwart des Herrn austreten, wir nicht das wahre Bewusstsein dieser Gnade haben, und wir haben auch keine Kraft, sich ihr zu nähern. Wenn wir dann versuchen, es ohne Ihn zu schaffen, werden wir nur noch in Ausschweifung und Zügellosigkeit verfallen.

Wenn wir nur auf die einfache Wahrheit sehen, was Gnade wirklich ist, dann wird sie keine Grenzen oder Banden haben! – Seien wir, was wir sind, und wir können nicht schlechter sein, als wir sind: Gott neigt sich in Liebe zu uns! Weder unsere Freude noch unser Friede ist abhängig von dem, was wir für Gott sind, sondern allein davon, was Er für uns ist. Und das ist Gnade!

Gnade setzt die Sünde und all das Böse in uns voraus und ist die gesegnete Offenbarung, dass durch Jesus die Sünde und all das Böse hinweggetan worden ist. Eine einzige Sünde ist für Gott schrecklicher als für uns tausend, nein als alle Sünden in der Welt. Und doch, in dem vollsten Bewusstsein dessen, was wir sind, gefällt es Gott, uns in Liebe zu begegnen. Es ist vergeblich, einen Unterschied in dem Ausmaß der Sünde zu machen: Eine Person mag (ich spreche nach Menschenweise) ein großer Sünder sein oder ein geringer; aber das ist überhaupt nicht die Frage. Gnade steht in Verbindung mit dem, was Gott ist, und nicht in Verbindung mit dem, was wir sind; außer der Tatsache, dass durch die Größe unserer Sünden die „Gnade Gottes überströmend geworden“ ist (Röm 5,15). Aber hier müssen wir uns auch daran erinnern, dass das Ziel und die notwendige Folge der Gnade die ist, dass sie unsere Seelen in Gemeinschaft mit Gott bringen möchte, um uns zu segnen, indem unsere Seelen dahin gebracht werden, dass sie Gott kennenlernt und Ihn liebt. Daher ist die Kenntnis der Gnade die wahre Quelle der Heiligung und Weihung.

Wenn nun Gnade das beinhaltet, was Gott für mich ist, und nichts damit zu tun hat, was ich bin, und ich beginne, über mich selbst nachzudenken – obwohl ich weiß, dass Gott mich wegen der Sünde in mir richten und verurteilen müsste –, dann ist es offensichtlich, dass ich dann nicht bewusst „in der Gnade Gottes stehe“ (Röm 5,2). Ganz natürlicherweise hat das Herz diese Gedanken (und es ist wirklich eine der Folgen, nachdem man erweckt worden ist; denn das Gewissen beginnt sofort darüber nachzudenken, wie Gott darüber und über ihn denkt); aber das ist nicht Gnade. Die Seele kehrt dann zurück zu sich selbst, um Gottes Urteil über sich selbst kennenzulernen und wie Er mit ihr umgehen wird; aber das ist nicht ein Sichstützen auf das, was Gott ist, nicht das Stehen in der Gnade.

Ich habe gesagt, dass es zwei ganz ähnliche Dinge gibt, aber doch ganz verschiedene, die niemals von den Heiligen verwechselt werden sollten: erstens ein schlechtes Gewissen und zweitens das Seufzen eines geistlichen Menschen verursacht durch das Böse, das ihn umgibt. In dem Augenblick, wo wir uns etwas von der wahren Bedeutung und dem wahren Sinn und Inhalt der Gnade entfernen, stehen wir in Gefahr, diese zwei Seelenübungen miteinander zu vermengen. Wir nehmen zum Beispiel einmal an, dass ein Heiliger, der sehr feinfühlig das schreckliche Gewicht des Bösen um sich herum empfindet und darunter seufzt, diese Seelennot mit der Beunruhigung des Gewissens vermischt: Er hat das wahre Verständnis der Liebe Gottes nicht mehr und stellt sich selbst unter ein Gesetz. Aber trotzdem mag ein Gläubiger seufzen, ohne dass er das Bewusstsein dieser Liebe – vorausgesetzt er hat es – verliert.

Als der Herr Jesus tief in sich selbst seufzte und am Grab des Lazarus weinte, da tasteten seine tiefen Sorgen über die Sünde und das, was sie mit in die Welt gebracht hatte, seine Empfindungen und den Genuss der Liebe seines Vaters nicht an. Zu derselben Zeit sehen wir Ihn, wie Er die Sprache des tiefsten Vertrauens in die Liebe Gottes benutzt: „Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast.“ Und so kann auch ein Christ betrübt sein, ohne dass er gleich die wahre Bedeutung der Gnade verliert oder gar meint, Gott wäre nicht mehr Liebe. Liebe zu anderen verbunden mit einem geistlichen Verständnis dessen, was Sünde ist, wird die Betrübnis in uns wachrufen, die der Herr Jesus in viel größerem Maß erlitt, als wir es überhaupt könnten, weil die Macht der Liebe, die in Seinem Herzen viel größer war (und ist), Ihn so überaus empfindsam machte im Blick auf das schreckliche Gewicht des Bösen, das so schwer auf den Herzen der Anderen lastete. Er empfand die Not um Ihn herum genauso, wie Er sich auch den Segnungen und der Liebe Gottes in seiner Gegenwart bewusst war.

In Römer 8 wird von „Leiden“ und „Seufzen“ gesprochen. Der Apostel Paulus seufzte in sich selbst wegen des Bewusstseins seiner Hinfälligkeit, Schmerzen, Leiden und Erprobungen usw.; aber alles das ließ keine Frage hinsichtlich der Tatsache der Liebe Gottes in ihm aufsteigen, genau das Gegenteil! Je mehr wir uns bewusst sind, dass der Geist Gottes in uns wohnt, desto mehr kennen wir die Liebe Gottes und die Auswirkungen dieser Liebe, desto mehr werden wir auch über das Gegenwärtige um uns herum betrübt; doch diese Dinge werden nicht die kleinste Wolke über der Gnade und Gunst Gottes aufsteigen lassen. Paulus spricht von einem Seufzen im Geiste, und warum? Er nahm das Ergebnis und die Auswirkungen der Gnade, in der er stand, wahr. Durch die Kraft des Glaubens und das Bewusstsein der Segnungen, die ihm gehörten, seufzte er. Aber niemals so, als bestünde der geringste Zweifel bezüglich seiner Errettung. Er war befreit von aller Ungewissheit zu der Fülle und der Freiheit der Gnade Gottes, die sich an ihn richtet. In dem vollen Bewusstsein hierüber seufzte er in sich selbst, „erwartend die Sohnschaft, die Erlösung des Leibes“ (Röm 8,23).

Das Ende von Kapitel 7 beschreibt eine ganz andere Art des Seufzens; und doch, wie wir schon bemerkt haben, werden diese so völlig verschiedenen Dinge (Kap. 7 und 8) oft miteinander verwechselt; solche, die noch nicht wirklich in der Gnade befestigt sind, erkennen diesen Unterschied nicht, denn die Sünde wohnt in jedem von uns (in unserem Fleisch). Es mag noch erwähnt werden, dass das Ende des siebten Kapitels voll ist davon, was die Menschen Erfahrung nennen, und nicht davon, was typisch christliche Erfahrungen sind. Dieser Abschnitt zeigt uns die Gedanken eines Menschen über sich selbst, der nur von sich selbst erfüllt ist. Der beschriebene Zustand ist der eines in der Tat schon erweckten Menschen, aber dessen Fülle der Gedanken nur sich selbst zum Mittelpunkt hat. Sehr oft benutzt er Wörter wie „ich, mir, meiner, mich“; die letzte Hälfte des Kapitels ist voll davon.

Beachte die unterschiedliche Ausdrucksweise in Vers 14, wo Paulus sagt: „Denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist“ (Röm 7,14). Alle Christen wissen das. Aber dann sagt er nicht: „Wir aber sind fleischlich und unter die Sünde verkauft“, sondern: „Ich aber bin fleischlich und unter die Sünde verkauft.“ Er wendet sich sofort wieder zu sich selbst und zu dem Urteil, das er durch sein erwecktes Gewissen und seine Erfahrungen über sich fällt. Sich selbst unter ein Gesetz stellend, beginnt er, Schlüsse zu ziehen, was er wohl vor Gott ist, denkt aber noch nicht darüber nach, was Gott für ihn ist! Und die Folge davon ist dieser Ausruf: „Ich elender Mensch! Wer wird mich retten von diesem Leibe des Todes?“ (Röm 7,24). Dies ist ein beispielartiges Vorgehen. So ist es auch bei uns – wir beginnen sofort Vernunftschlüsse über uns selbst zu ziehen und können dann nur noch sagen: „Ich elender Mensch!“ Was soll ich denn machen? Ich hasse Sünde, ich möchte Gott gefallen und bezeuge auch, dass das Gesetz gut ist; aber je mehr ich die Dinge so sehe, desto schlechter steht die Sache mit mir, desto schlechter bin ich!

Gibt es hier ein Wort der Gnade? Nicht ein einziges! Doch sobald er Christus mit hineinbringt, kann er Gott danken, denn er sagt: „Ich danke Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn!“ (Röm 7,25).

Das Kapitel ist von großen Erkenntnissen der Wahrheit durch die Forschungen des erweckten Menschen. Aber sie enden kurz vor der Wahrheit der Gnade und der einfachen Tatsache, wie schlecht und böse sein Zustand auch immer sein mag, dass Gott Liebe ist und auch ihm gegenüber nur Liebe ist! Anstatt auf Gott zu blicken, heißt es immer „ich, ich, ich“. Allein in Vers 15 spricht er über sechsmal von sich selbst und seinen Gedanken; und obwohl einige davon geistlich sind, heißt es dann doch: „… sondern was ich hasse, das übe ich aus“ (Röm 7,15). – „Wenn ich Gutes tun würde, dann wäre doch das Böse immer mit mir.“ Alles das mag eine sehr gewinnbringende Erfahrung sein, die uns zu der Überzeugung unserer völligen Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit bringt. Aber lasst uns dies an den richtigen Platz stellen und bedenken, dass dies nicht die typische christliche Erfahrung ist, sondern dass dies die Empfindungen einer Seele sind, die noch diese so einfache Tatsache nicht völlig und wirklich gelernt hat, dass „Christus, da wir noch kraftlos waren, zur bestimmten Zeit für Gottlose gestorben ist“ (Röm 5,6). Oder es können auch die Erfahrungen eines Menschen sein, der durch das Wirken des Fleisches zurückgehalten ist und wieder auf sich selbst schaut und auf das, was er ist – oder auch getan hat –, anstatt auf Gott zu sehen und auf seine Gnade!

Der Glaube lässt viele Auswirkungen in unseren Herzen entstehen, immer entsprechend zu dem, worauf er gerade blickt. Wenn er zum Beispiel auf das Gesetz sieht, dann sieht er seine geistliche Bedeutung viel klarer, als dass es die Natur überhaupt könnte. Wenn er dann auch das Fleisch in seiner Verdorbenheit sieht und es mit seinem geistlichen Verständnis über das Gesetz beurteilt, ohne noch weiter zu der Gnade zu sehen, dann muss er sich unter das Verdammungsurteil bringen und das Bewusstsein seiner Schuld, und Schwachheit wird ihn nicht froh werden lassen. Er wird das Böse hassen und versuchen, sich davon zu lösen, aber das wird dann auch alles sein. Alles wird ihn dahin bringen, dass er verzweifelt ausruft: „Welch elender Mensch bin ich doch!“ Und so, wie sein Licht zunehmen wird, so wird auch sein Versagen und damit auch seine Not zunehmen!

Aber wenn dann der Glaube auf Gott sieht und wie Er sich in Gnade offenbart hat, wird er in Übereinstimmung damit urteilen. Seine „Vernunftschlüsse“ werden dann nie mehr auf dem Erfolg und der erbrachten Frucht ruhen. Die Frucht der Gnade ist dann, wiederum nach Gnade auszuschauen. Wenn denn Leben in uns ist, wird sich auch die „Frucht des Geistes“ zeigen. Der Gläubige weiß zum Beispiel, dass „Frieden gemacht worden ist durch das Blut seines Kreuzes“ (Kol 1,20). Die Folge ist, dass Liebe hervorquillt, er wird empfinden, dass er für die Segnungen berufen worden ist und seine Füße beschenkt worden sind „mit der Bereitschaft des Evangeliums“ (Eph 6,15). Während er in seine eigene Seele die Liebe Gottes aufsaugt, werden „aus seinem Leibe Ströme lebendigen Wassers hervorströmen“ (Joh 7,38). Doch obwohl diese Früchte hervorgebracht werden, rechnet der Glaube nie auf seine eigenen Früchte. Er kann nur in der Offenbarung, die Gott über sich selbst als der „Gott der Gnade“ gegeben hat, ruhen, das ist der typische Bereich, in dem er sich aufhalten darf und soll.

Das natürliche Herz zieht nur Vernunftschlüsse über sich selbst, und in dem Gläubigen urteilt es nach der Frucht. Das muss notwendigerweise Unruhe anstelle von Frieden mit sich bringen! In sich selbst sieht es nichts als Sünde; und wenn es trotz allem in die Lage versetzt wird, Frucht zu bringen, dann wird das so sehr mit Unvollkommenheiten vermischt sein, dass das dann nur noch eine Sache der Beurteilung – obwohl es das Urteil des Vaters ist – sein kann, aber das kann keinen Frieden geben. Der wirkliche Friede kann nur darin gefunden werden, was Jesus erkämpft hat, in der Gnade, die in Christus Jesus ist.

Was ist nun die Situation in Römer 7? Als Allererstes zeigt der Apostel das große Prinzip auf, dass der Gläubige „dem Gesetz getötet worden ist“. Dann beschreibt er die Bemühungen einer erweckten Seele, die, wissend, dass das Gesetz geistlich ist, sich immer noch als unter dem Gesetz stehend sieht und dadurch schließlich gezwungen wird, in aller Verzweiflung „Ich elender Mensch! Wer wird mich retten von diesem Leibe des Todes?“ (Röm 7,24) auszurufen.

An wen denkt er bei all diesem? An sich selbst! Jetzt möchte ich einmal ganz einfach folgende Frage stellen: Bin denn ich selbst oder mein Zustand der Gegenstand des Glaubens? Nein, sicherlich nicht. Der Glaube hat nicht als Gegenstand, was in meinem Herzen ist, sondern vielmehr, was Gott in seiner Gnade von sich geoffenbart hat! Wenn wir auf dem halben Weg anhalten und nichts als nur (das) Gesetz sehen, dann wird es uns nur unseren verdammungswürdigen Zustand aufdecken und uns beweisen, dass wir ohne Kraft sind! Sobald Gott uns gestattet, genug von dem Gesetz und den beschriebenen Erfahrungen kennengelernt zu haben und uns unseren wirklichen Zustand gezeigt hat, dann ist der Zeitpunkt gekommen, wo die Gnade uns begegnet, um uns freizumachen.

Es bedeutet nicht, dass der Konflikt, von dem hier die Rede ist, nicht weitergeht. Gnade kann überhaupt nicht kennengelernt werden, wo Konflikte dieser Art nicht bekannt sind. Nur Ungläubige leben ohne sie. Aber nachdem die Gnade in ihrer Fülle erkannt worden ist, wird der Kampf andauern, sich selbst zu verurteilen, das Gesetz als geistlich, sich selbst aber als „fleischlich, unter die Sünde verkauft“ zu beurteilen, jedoch nicht mehr in dem Geist der Bitterkeit und hilflosen Verzweiflung. Nur wenn jemand die Liebe Gottes nicht als seine eigene verwirklicht, wird er zu diesem Ausruf der Verzweiflung kommen.

Es ist klar, dass, solange die Erfahrungen von Römer 7 empfunden werden, der einfache Glaube in die Gnade Gottes nicht vorhanden ist; es ist noch nicht der klare Blick vorhanden für das, was Gott für mich ist in Christus. Denn wenn die Seele das be- und ergreift und die Fähigkeiten des neuen Menschen mit seinen entsprechenden Zielrichtungen ausgelebt werden, dann ist vollkommener Friede vorhanden. Und doch: Ein Konflikt besteht noch, aber die Seele ist in Frieden: „Der Kampf ist nicht der unsrige, sondern der des Herrn.“

Aber wie kann ich wissen, was die Gedanken in Bezug auf mich sind? Lerne ich es durch die Beurteilung dessen, was ich in mir selbst finde? Sicherlich nicht. Selbst wenn ich Gutes in mir finden würde und von Gott erwarte, darauf Rücksicht zu nehmen, wäre das Gnade? Es mag ein Maß der Vernunft in dieser Schlussfolgerung liegen. Denn wenn das Leben vorhanden ist, dann wird auch offensichtlich Frucht vorhanden sein. Aber das wird mir nicht Frieden geben, solange das Böse, das in mir ist, mich hindert, diesen Frieden zu genießen. Ähnliche Vernunftschlüsse erwähnt der Apostel, wenn er sagt: „Das Gesetz ist geistlich, ich aber fleischlich … ich elender Mensch!“ Aber darin ist nichts von Gnade enthalten. Aber führt uns die Gewissheit der Gnade aus allen Schwierigkeiten heraus? Nein. Ich werde auch nicht die Tatsache verneinen, dass es in der Tat, solange wir in dem sündigen Leib sind, Konflikte geben wird und geben muss, der Kampf von Geist und Fleisch. Aber dann werden wir den Kampf in dem Bewusstsein führen, dass Gott für mich ist, weil ich „unter Gnade“ bin. Dies ist verständlicherweise etwas ganz anderes, als den Kampf in der Angst, dass Er gegen mich ist, zu führen, weil ich mich noch als „unter Gesetz“ stehend sehe.

Wenn ich Böses in mir sehe (und das werde ich hier immer finden, wenn auch nur in der Wurzel und möglicherweise noch nicht in seinen Früchten) und denke, dass Gott deshalb gegen mich sein wird, dann werde ich für einen Kampf keine Kraft haben, völlig niedergeworfen sein und in Bezug auf meine Annahme verzweifelnd seufzen. Aber sobald klar ist, dass Gott für mich ist, wird mir dieses Bewusstsein Mut und Sieg geben und mich sogar befähigen zu sagen: „Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne meine Gedanken! Und sieh, ob ein Weg der Mühsal bei mir ist, und leite mich auf ebenem Wege“ (Ps 139,23.24). In dem Vertrauen in die Liebe und Gnade Gottes kann ich Ihn bitten, all das Böse in mir zu erforschen, was ich sonst nicht zulassen würde, damit mich nicht völlige Verzweiflung ergreife. Gott ist dann mein Freund: für mich und gegen das Böse in mir!

Der Apostel spricht in Kapitel 8 von der „Gesinnung des Fleisches, die Feindschaft ist gegen Gott“ (Röm 8,7); aber dann hat Gott in der Gabe des Herrn Jesus die gesegnete Wahrheit gezeigt, dass Gott dem Menschen in Liebe begegnete, als er in der Feindschaft gegen Gott stand: Unserer Feindschaft begegnete Er in Liebe! Der Triumph der Gnade wird dort gesehen, als der Mensch den Herrn durch die Kreuzigung von der Erde verwarf und die Liebe Gottes zu derselben Zeit Errettung einführte und Sühnung stattfand für die Sünden derer, die Ihn ablehnten. Im Blick auf die größte Entfaltung der Sünde des Menschen erfasst der Glaube die völlige Offenbarung der Gnade Gottes. Wo sieht der Mensch die größten Tiefen der Sünde des Menschen? An dem Kreuz. Und bei demselben Blick sieht er auch das größte Ausmaß der triumphierenden Liebe und Gnade Gottes dem Menschen gegenüber. Der Speer des Kriegsknechts, der die Seite des Herrn durchbohrte, konnte nur das hervorbringen, was von überströmender Gnade spricht.

Der Apostel fährt fort und zeigt, dass solche, die einst in Feindschaft gegen Gott waren, jetzt Gottes Erben geworden sind und dass die Kenntnis hierüber gegründet ist auf der Kenntnis der Gnade: „Ihr habt nicht wiederum einen Geist der Knechtschaft empfangen“ (Röm 8,15). Die Gnade macht uns zuerst zu Kindern Gottes, dann gibt sie uns die Kenntnis darüber und sagt uns dann, dass wir sogar auch noch Erben sind.

Aber wie groß ist nun das Ausmaß der Gnade, die sich an uns richtet? Sie hat uns dasselbe Teil gegeben, das auch der Herr Jesus hat. Wir sind „Erben Gottes und Miterben Christi“ (Röm 8,17). Es ist also nicht nur sicher, dass die Gnade uns begegnet ist und uns gefunden hat, als wir noch „tot waren in unseren Sünden und Vergehungen“ (Eph 2,1), sondern es ist genauso sicher, dass sie uns in die Stellung von Christus gestellt hat. So werden wir in allem mit dem Herrn Jesus identifiziert – außer in seiner Herrlichkeit, die Er allein als Gott besitzt. Die Seele weiß sich somit in das volle Bewusstsein der vollkommenen Liebe Gottes gestellt, und deshalb sagen wir, wie es in Kapitel 5 steht, dass „wir uns Gottes rühmen“ (Röm 5,11).

Ich habe mich von der Gnade Gottes wegbewegt, sobald sich der kleinste Zweifel oder das geringste Bedenken in Bezug auf Gottes Liebe eingeschlichen hat. Ich mag sagen: „Ich bin so unglücklich, weil ich nicht das bin, was ich sein sollte.“ Aber das ist nicht die Frage. Die Frage ist doch, ob Gott das für uns ist, was Er für uns sein sollte, und ob der Herr Jesus für uns alles ist, was wir uns wünschen. Sobald das Bewusstsein dessen, was wir sind und was wir in uns selbst finden auch nur irgendeine andere Auswirkung hat, außer dass es uns demütigt, als dass es die Anbetung und Verehrung unseres Herrn steigert, dann befinden wir uns nicht mehr auf dem Boden reiner Gnade. Die unmittelbare Auswirkung des Bewusstseins, was wir in uns selbst sind, sollte sofort unsere Herzen nach Gott und seiner Gnade, die alles überströmt, verlangen lassen.

Obwohl Gnade uns vollkommenen Frieden gibt, bewahrt sie uns nicht vor Leiden. Der Gläubige sollte sogar so leiden, wie der Herr Jesus selbst vollkommen in die Leiden eintrat und in seinem Inneren über das Böse um Ihn herum erschüttert war, als Er hier auf der Erde war, so dass Er sogar als „ein Mann der Schmerzen und mit Leiden vertraut“ (Jes 53,3) beschrieben wurde. So sollte auch der Gläubige in seinem Maß das Schwergewicht des Bösen wahrnehmen und auch ein Mann der Schmerzen sein. Genau so, wie wir in der Gnade ruhen, werden wir auch ein Empfinden für das Ausmaß des Bösen um uns her bekommen und mit der auf die Erlösung wartenden Schöpfung seufzen.

Aber liegt in diesem Seufzen irgendeine Ungewissheit bezüglich der Errettung? Nein, ganz im Gegenteil. Es ist die sichere Gewissheit, dass alle Dinge uns gehören, die uns zum Seufzen bringt, während wir die Zusicherung und den Vorgeschmack der Herrlichkeit haben, sind uns alle Dinge hier auf der Erde im Gegensatz dazu viel schmerzlicher. Das, womit der Gläubige hier schon bekleidet ist, ist völlig verschieden von dem, was momentan um ihn herum ist. Je mehr er die Freude kennt, in der Gegenwart Gottes zu wohnen, je größer seine Erkenntnis von der Liebe und Gnade Gottes wird, je mehr er die Segnungen seiner Stellung der Herrlichkeit genießt, zu der er berufen worden ist, desto mehr wird er „seufzen“!

Wie unterscheidet sich doch dieses Bedrücktsein von einem belasteten Gewissen! Lasst uns diese Dinge nicht miteinander vermischen: das Seufzen dessen, der vollkommen freigemacht worden ist von dem Gesetz der Sünde in Kapitel 8, und das Seufzen des belasteten Gewissens in Kapitel 7.

Unachtsamkeit im Wandel und das hierdurch verlorene Bewusstsein der Gnade mag ihn in der Tat wieder den feurigen Pfeilen des Bösen aussetzen, obwohl er einst bewusst in der Macht der Erlösung stand. Aber das ist nicht, wie vorher schon bemerkt, typisch christliche Erfahrung. Wenn das Herz erfüllt ist von den reichen Segnungen des Christus, dann wird es nicht mehr umkehren, um sich selbst zu durchbohren.

Es ist das große Vorrecht für uns, die Gläubigen, zu wissen, dass „keine Verdammnis ist für die, die in Christus Jesus sind“ (Röm 8,1). Denn „das Gesetz des Geistes des Lebens hat mich freigemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes“ (Röpm 8,2). Aber wir dürfen hier nicht haltmachen! Es muss den Fortschritt geben, dass wir erkennen, was wir als „Söhne Gottes“ sind: „Erben Gottes und Miterben Christi“, wie selbst der Geist Gottes mit unserem Geiste Zeugnis gibt. Gott hat uns in Christus gegründet, hat uns gesalbt und den Ernst des Geistes in unsere Herzen gegeben. Wenn wir somit die völlige Erkenntnis darüber haben, dass Gott in Liebe an uns gedacht hat und uns auch zuvorbestimmt hat, dem Bild seines Sohnes gleichförmig gemacht zu werden, seine Herrlichkeit zu teilen, und dass seine Liebe in seinen Regierungswegen mit uns wiederzufinden ist, dann werden wir deshalb seufzen, weil wir noch nicht in der Herrlichkeit, sondern in unserem Leib sind und wegen des Bösen um uns herum.

„Wir selbst, die wir die Erstlinge des Geistes haben, auch wir selbst seufzen in uns selbst, erwartend die Sohnschaft, die Erlösung des Leibes“ (Röm 8,23). Der einzige Grund unseres Seufzens ist nun, weil wir die Erstlinge des Geistes haben, und eben nicht wegen eines schlechten Gewissens. Es ist der Geist Gottes, der in uns seufzt. Somit ist dieses Seufzen immer begleitet von völligem Gottvertrauen. So wie der Herr Jesus „in seinem Geiste seufzte und erschüttert war“ an dem Grab des Lazarus und sagte: „Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast“, so ist es auch dem Gläubigen gegeben, das gleiche Vertrauen zu besitzen (siehe 1Joh 5,14.15). Diese Zuversicht sollte sogar dann nicht weichen, wenn wir nicht wissen, wie wir bitten sollen; denn es wird hinzugefügt: „Denn wir wissen, dass alle Dinge zum Guten mitwirken.“ Gott achtet nicht auf Gleichgültigkeit, aber Er beantwortet den „Sinn des Geistes, indem er sich verwendet für Heilige Gott gemäß“ (Röm 8,27). Ich sollte sowohl davon, dass Gott alle Dinge lenkt, überzeugt sein als auch davon, dass alle Dinge zum Guten mitwirken. Und wenn eine Seele in diesem Zustand ist, komme, was wolle: Unruhe, Sorge, Enttäuschung, Grämnisse, was es auch sein mag – alles ist Friede! Die Seele ruht auf Gott und schaut nicht wie in Kapitel 7 auf sich selbst.

Die Sorgen, die wir dann haben, fließen aus dem Bewusstsein, dass die Liebe Gottes unendlich ist und dass uns in Christus alles gehört! Der Herr Jesus kannte wie kein anderer die Gemeinschaft mit Gott und den Genuss seiner Liebe und seufzte, weil Er aus dieser Gemeinschaft kommend solche fand, die das nicht kannten. Das Leben, das ich jetzt besitze, verbindet mich nicht mit Verantwortung wie unter Gesetz, sondern mit Christus, der das Gericht für ein übertretenes und gebrochenes Gesetz für mich trug. Anstatt arm und elend zu sein, weil ich als unter Gesetz befindlich auf mich blicke, genieße ich das Bewusstsein der Erlösung, das Ruhen in Gnade und das Frohlocken in der Hoffnung der Herrlichkeit Gottes. Aber sobald wir eine dieser Herrlichkeiten des Christus als unsere eigene ansehen, wird diese Welt für uns eine Umgebung der Knechtschaft und Niederlagen.

Dieses Seufzen infolge des Bösen um uns her ist immer in sich verbunden mit Liebe. Wenn ich zum Beispiel einen Gläubigen sündigen sehe, dann führt mich das zuallererst zu der Gnade, gegen die er gesündigt hat. Es ist das Bewusstsein göttlicher Gnade, die ich besitze und ihm gegenüber habe, die mich um ihn besorgt macht. Während ich mir um seine Sünden Sorge mache, freue ich mich in Gott.

Nun, lieber Freund, wenn diese Dinge wirklich so sind und uns die Gnade Gottes hierhin führt, wie steht es mit dir? Wenn nun Gott reine Liebe ist und uns gegenüber nichts als Liebe ist und keine gemischten Gefühle uns gegenüber hegt und du trotzdem keine völlige Freude in Ihm hast und es irgendeine Unsicherheit deiner Seele bezüglich deiner Stellung vor Gott gibt, dann kannst du nicht einfach in seiner Gnade ruhen. Du magst tatsächlich Glauben haben, aber du brauchst die Einfachheit des Herzens, auf Gottes Gnade zu blicken.

Es ist besser, darüber nachzudenken, was Gott ist, als darüber, was wir sind. Dieses Auf-uns-selbst-Blicken und das sorgenvolle Bewusstsein, dass wir für nichts gut sind, ist im tiefsten Sinne ganz einfach Stolz. Bis wir das verstehen, dann werden wir von uns selbst wegblicken, auf Gott selbst. Manchmal mag der Blick auf das Böse in uns ein kleines Hilfsmittel sein, uns zu unterweisen. Aber sogar das ist nicht wirklich das, was wir brauchen. Wenn wir auf Christus blicken, dann ist es unser Vorrecht, uns selbst zu vergessen! Wahre Demut besteht nicht im Wesentlichen daraus, schlecht von sich selbst zu denken, sondern darin, gar nicht an sich zu denken. Ich bin zu schlecht, als dass ich wert wäre, darüber nachzudenken. Was meine Seele sucht, ist, sich selbst zu vergessen und auf Gott zu sehen, der es wirklich wert ist, Gegenstand aller meiner Gedanken zu sein. Ist es da nicht nötig, dass wir gedemütigt werden?

Wenn wir dahin gekommen sind, zu sagen, dass in uns nichts Gutes wohnt, dann haben wir wirklich genug über uns nachgedacht. Lasst uns dann über Ihn nachdenken, der mit Gedanken der Gnade und nicht des Bösen über uns dachte, lange bevor wir überhaupt Gedanken über uns selbst haben konnten. Lasst uns erforschen, was seine Gedanken der Gnade über uns sind, und lasst uns die Worte des Glaubens sprechen: „Wenn Gott für uns ist, wer wider uns?“


„Why do I groan?“ aus Collected Writings, Bd.12, S. 186-197

Letzte Aktualisierung: 08.10.2016

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