Ich bin innerlich bewegt ...
Markus 8,1-9

Charles Stanley

© J. Das, online seit: 21.05.2004

Leitverse: Markus 8,1-9

Mk 8,1-9: In jenen Tagen, als wiederum eine große Volksmenge da war und nichts zu essen hatte, rief er seine Jünger herzu und spricht zu ihnen: Ich bin innerlich bewegt über die Volksmenge, denn schon drei Tage weilen sie bei mir und haben nichts zu essen; und wenn ich sie nach Hause entlasse, ohne dass sie gegessen haben, so werden sie auf dem Wege verschmachten; denn etliche von ihnen sind von ferne gekommen. Und seine Jünger antworteten ihm: Woher wird jemand diese hier in der Einöde mit Brot sättigen können? Und er fragte sie: Wie viele Brote habt ihr? Sie aber sagten: Sieben. Und er gebot der Volksmenge, sich auf der Erde zu lagern. Und er nahm die sieben Brote, dankte und brach sie und gab sie den Jüngern, auf dass sie vorlegten; und sie legten der Volksmenge vor. Und sie hatten einige kleine Fische; und als er sie gesegnet hatte, hieß er auch diese vorlegen. Sie aßen aber und wurden gesättigt; und sie hoben auf, was an Brocken übrigblieb, sieben Körbe voll. Es waren aber derer, welche gegessen hatten, bei viertausend; und er entließ sie.

Beachte den Anfang dieser Schilderung! Jesus rief Seine Jünger zu Sich. Das ist für jeden Prediger in unserem Land von Bedeutung. Hast du den Ruf Jesu vernommen? Bist du zu Ihm gekommen? Kennst du Ihn? Du kannst kein Strom lebendigen Wassers sein, wenn du nicht zu Ihm gekommen bist und selbst getrunken hast. Wenn du Ihn nicht kennst, kannst du das Brot des Lebens nicht für andere brechen. Wenn du nicht weißt, dass deine eigenen Sünden vergeben sind, kannst du nicht im Glauben die Vergebung der Sünden anderen predigen. Wenn du Ihn jedoch kennst, dann komme nur zu Ihm; Er hat uns etwas zu sagen. Er sagt sozusagen: Ich will euch mitteilen, was Ich bezüglich der Millionen verlorener Seelen auf der Erde, wo ihr jetzt wohnt, empfinde. Ich bin innerlich bewegt über die Volksmenge. Ich bin am Kreuz zur Sühnung geopfert worden. Ich gab Mich freiwillig als Opfer. Ich bin der Gnadenstuhl. Gott, Mein Vater, ist gerecht, wenn Er diesen Millionen eine freie Gnadenbotschaft sendet. Aber ihr habt sie ihnen nicht mitgeteilt. Ihr habt die Vergebung der Sünden in Meinem Namen den Millionen innerhalb eurer Reichweite nie verkündigt. Ich bin innerlich bewegt über die Volksmenge.

Da war eine große Volksmenge schon drei Tage lang bei dem Herrn Jesus; und er sagt: „Sie … haben nichts zu essen.“ Um uns herum sind „Volksmengen“ toter Bekenner – religiös sehr aktiv, aber sie haben nichts zu essen. Sie haben Sakramente, einen äußeren Gottesdienst, religiöse Zeitschriften und Bücher; und trotzdem haben sie häufig nichts zu essen. Sie sind nicht bekehrt, sind in ihren Sünden und schuldig vor Gott. Dabei eilen sie dem Gericht entgegen. Doch ist ihnen buchstäblich nie ein wahres Evangelium vorgestellt worden, welches passend ist für verlorene, schuldige Sünder, welche die Hölle verdient haben.

Jesus sagt: „Ich bin innerlich bewegt über sie.“ Er sagt weiter: „Wenn ich sie nach Hause entlasse, ohne dass sie gegessen haben, so werden sie auf dem Wege verschmachten; denn etliche von ihnen sind von ferne gekommen.“

Mein lieber Leser, ist dein Haus sehr weit von Jesus entfernt? Ist Jesus in deinem Haus bekannt? Weilt dort der heilige Wohlgeruch Seiner Gegenwart? Fühlt ein Fremder, der dein Haus betritt, dass Christus dort regiert; oder handelt es sich bei dir nur um ein Sonntagsbekenntnis, während in der Woche Satan und die Welt zählen? Ach, wenn du nur am Sonntag kommst, dann kommst du von weit her. Aber Jesus ist innerlich bewegt über dich. Er weiß, wie es mit dir endet, falls du nicht errettet bist – wenn dein Herz aufhört zu schlagen und Schweigen über deinem Hause liegt und alle flüstern: „Er ist abgeschieden.“ Aber, ach, wohin? Willst du das Mitgefühl Christi ablehnen, bis es zu spät ist? Wo wirst du dann sein? Willst du deine Augen an dem Ort der Qual öffnen? Was für eine Barmherzigkeit ist es doch, dass es jetzt, während du diese Zeilen liest, noch nicht zu spät ist! Denke also an das Mitgefühl Jesu!

Wie wenig empfanden damals die Jünger mit dem Herrn Jesus! Wie wenig heute! Sie sagten: „Woher wird jemand diese hier in der Einöde mit Brot sättigen können?“ Vergaßen sie nicht ihren Herrn? Er, der ein Millionenvolk vierzig Jahre lang täglich auf ihrer Wüstenreise gespeist hatte, der Jehova aus den Tagen Mose, war in ihrer Mitte. Sie vergaßen die unendlichen Hilfsquellen, die sie in Ihm besaßen. Erinnern wir uns denn immer an das Mitgefühl und die Macht dessen, der sagt: „Ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters“ (Mt 28,20)? Ist für den Herrn etwas zu schwierig? Wie wenig fühlen wir die Ansprüche und Bedürfnisse dieser umkommenden Millionen! Wie wenig empfinden wir mit jenen hingebenden Dienern des Herrn, welche als wahre Verteiler das Brot des Lebens in den Gegenden fern ihrer Heimat und aller Bequemlichkeit austeilen! Doch sie erfreuen sich der Gemeinschaft mit Dem, der gesagt hat: „Ich bin innerlich bewegt über die Volksmenge.“ „Und er fragte sie: Wie viele Brote habt ihr? Sie aber sagten: Sieben.“ Sie verfügten über die vollkommene Anzahl und, mit Seinem Segen, über mehr als genug für alle Bedürfnisse.

Und nun, meine lieben Mitjünger Jesu, Dessen Herz voll innigen Mitgefühls und Liebe zur Volksmenge ist, wie viele Brote haben wir? Nehmen wir zuerst die große Volksmenge der Christenheit, der kein Brot des Lebens dargereicht wird! Sie bekommen genug an Un- und Aberglauben geliefert, jedoch kein Brot des Lebens. Was haben wir für sie empfangen? Sagst du: „Nur ein paar Brote für so viele Menschen“? Jesus spricht: „Gebet ihr ihnen zu essen“ (Mt 14,16)!

Und bedenkt auch, dass unter diesen liebe und erlöste Kinder Gottes sind, die verschmachten auf dem Weg. Schon lange müssen sie auf die Nahrung verzichten, die wirklich ernährt. „Gebet ihr ihnen zu essen!“ Ein Mittel dazu, welches der Herr in reichem Maß gesegnet hat – Er allein weiß wie! –, besteht in der Verteilung von christlichen Traktaten. Besitzt du diese „Brocken“? Allerdings müssen wir heute ganz besonders aufpassen, dass sie kein Gift enthalten; denn wir finden selbst dort das Gift, wo wir es am wenigsten erwarten. Gib niemand etwas zu essen, was du nicht selbst gekostet hast und von dem du nicht weißt, dass es das Brot des Lebens ist!

„Und er gebot der Volksmenge, sich auf der Erde zu lagern.“ Er, der dieses ungeheure Universum ins Dasein rief – der gebot und es geschah –, Er gebietet hier der Volksmenge, sich auf der Erde zu lagern. Schaue Ihn dir an inmitten jener Volksmenge! Alle Augen wandten sich Ihm zu. Ja, es war dieselbe Volksmenge, die Ihn in Kapitel 5 bat, aus ihren Grenzen wegzugehen. O, herrlicher Herr Jesus, Du warst innerlich bewegt über die Menschen, welche ihre Schweine Dir vorzogen! Hast du, mein Leser, Seine Stimme gehört? Bist du dahin gebracht worden, dich in Seiner gesegneten Gegenwart niederzusetzen? Alle nötige Versorgung kommt von Ihm. „Und er nahm die sieben Brote, dankte und brach sie und gab sie den Jüngern, auf dass sie vorlegten; und sie legten der Volksmenge vor. Und sie hatten einige kleine Fische; und als er sie gesegnet hatte, hieß er auch diese vorlegen.“

Die Jünger verteilten nur das, was sie empfangen hatten. Möchte es auch bei uns immer so sein! Es ist eine große Ermunterung, wenn wir von Seelen in so vielen fernen Ländern hören, die zu Jesu Füße gebracht wurden – welche in Seiner teuren Gegenwart sitzen und ruhen, indem sie Sein zartes Mitgefühl erfahren, um danach selbst das Brot des Lebens zu verteilen. Es wird überall so sein, wo Gläubige Gemeinschaft mit Ihm in Seinem Mitgefühl für verlorene Sünder haben. O, meine Brüder, wo wären wir, wenn Er nicht Mitleid mit uns gehabt hätte? Er will Sich erbarmen, wessen Er Sich erbarmen will (2Mo 33,19).

„Und sie hatten einige kleine Fische; und als er sie gesegnet hatte, hieß er auch diese vorlegen.“ Hast du einige kleine Traktate, die das wahre Evangelium Gottes enthalten? Willst du auf Ihn blicken, dass Er sie segne? Kannst du Ihm im Glauben gehorchen? Er gebietet dir, sie denen vorzulegen, die nichts zu essen haben. Heutzutage hast du das Vorrecht, Traktate in vielen Sprachen verteilen zu können. Willst du sie denen geben, die keine Speise für ihre Seelen haben? Unser mitleidvoller Herr Jesus benutzt sie trotz der Gefühlskälte Seiner Jünger in Gegenden, wohin wir nie kommen werden. O, wie schön ist es, ein Nachahmer Dessen zu sein, welcher innerlich bewegt über die Volksmenge war! O, gesegneter Herr, dass wir Dir mehr ähnlich wären!

Sieben Brote und einige kleine Fische schienen sehr wenig zu sein für viertausend Personen. Sie wären bei Weitem nicht ausreichend gewesen, aber Jesus war da; und Er liebt es, unsere Kleinheit, unsere Schwachheit, unser Unvermögen zu benutzen. Auf diese Weise wird Seine Fülle und Seine Allgenugsamkeit offenbar. Waggons voll Brote und Schiffe voll Fische hätten den Vorstellungen der damaligen und heutigen Jünger mehr entsprochen. Ja, wenn wir Sünder zu Ihm bringen wollen, dann besteht das große Geheimnis darin, dass Er alles und der Jünger nichts ist. Das gefällt dem Menschen nicht. Die Bedürfnisse rundherum sind groß. lasst sie uns an Seiner unendlichen Fülle messen!

„Sie aßen aber und wurden gesättigt; und sie hoben auf, was an Brocken übrigblieb, sieben Körbe voll.“ Nun, mein Leser, hast du gegessen? Bist du satt geworden? Wenn ja, dann wirst du nie mehr hungern. Jesus sagt: „Ich bin das Brot des Lebens: wer zu mir kommt, wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, wird nimmermehr dürsten“ (Joh 6,35). Das ist das sichere Merkmal dessen, der zu Seinen Füßen gesessen hat, um Ihn, das Brot des Lebens, zu empfangen: Er hungert nicht mehr. Er kennt die Wahrheit des Wortes: „Aus ihm aber seid ihr in Christo Jesu, der uns geworden ist Weisheit von Gott und Gerechtigkeit und Heiligkeit und Erlösung“ (1Kor 1,30). Er dürstet nicht mehr. Ihm fehlt nichts, um Ihn für das Allerheiligste passend zu machen. Er ist in Christus vollendet und besitzt vollkommenen Frieden und ewige Ruhe.

Wenn das deine einzigartige und glückliche Stellung ist, was machst du dann mit deinem Korb? Willst du nichts zu denen senden, die nichts zu essen haben? Hast du kein Mitleid mit der Volksmenge? Das ist ein wunderbares Festmahl – wir lassen immer so viel übrig, wie wir am Anfang hatten. Wenn Christus für dich genügt, dann auch für jeden armen, schuldigen Sünder auf der Erde, welcher die Hölle verdient hat. O, dass wir mit unseren Körben hinausgingen, um denen gute Essensportionen zu bringen, für die nichts bereitet ist! „Es waren aber derer, welche gegessen hatten, bei viertausend; und er entließ sie.“ Willst du Ihn fragen, wohin du mit deinem Korb gehen sollst?

O, welch eine gesegnete Offenbarung Gottes, des Herzens Gottes und der Liebe Gottes gegen eine verlorene und schuldige Welt! Ja, Jesus sagt: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“ (Joh 14,9). „Wir alle aber, mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauend, werden verwandelt nach demselben Bilde von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, als durch den Herrn, den Geist“ (2Kor 3,18). Das wünsche ich einem jeden Christen, der diese Zeilen liest.


Aus der Zeitschrift Altes und Neues von J. Das, Kiel

Letzte Aktualisierung: 23.07.2016


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