Geistliche Segnungen in der Himmelswelt
Epheser 1,1-3

Hans-Jörg Ronsdorf

© H.-J. Ronsdorf, online seit: 16.07.2004

Leitverse: Epheser 1,1-3

Einleitung

Eph 1,1.2: Paulus, Apostel Christi Jesu durch Gottes Willen, den Heiligen und Treuen in Christus Jesus, die in Ephesus sind: Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!

Die Begrüßungsworte der Briefe des NT haben viel Ähnlichkeit miteinander. Wir haben uns an sie gewöhnt. Aber schon die ersten Worte dieser Briefe enthalten wesentliche Begriffe, die den ganzen Reichtum und das, was das Christentum ausmacht, beschreiben. Bedenken sollte man auch, dass die Christen, an die auch dieser Brief gerichtet war, in der Anfangszeit vielleicht nur wenige Briefe zu sehen bekamen. Sie lauschten viel mehr auf jedes Wort, das vorgelesen wurde, als wir es heute tun, die den ganzen Kanon der Schrift in der Hand halten.

Paulus, Apostel Christi Jesu

Paulus stellt sich als der Schreiber des Briefes vor, so wie er es in allen seinen Briefen tut. Er schreibt diesen Brief als Apostel Christi Jesu. Dessen Wille hat Paulus dazu gemacht. Vom Christus-Verfolger Saulus wurde er zum Christus-Nachfolger Paulus. Oft erinnert sich Paulus an diese Begegnung, die ihm das Heil brachte. Die eindrucksvolle Begegnung auf dem Weg nach Damaskus, die Paulus mit dem in Licht glänzenden und strahlenden Christus hatte, krempelte nicht nur sein Leben um, sondern das, was er sah, prägte seinen ganzen Dienst (Apg 9; 22,6-11; 26,12-18; s.a. 1Kor 9,1). Wie kein anderer Apostel oder Schreiber des NT enthüllt er die Herrlichkeit des Gottessohnes. Als Apostel der Nationen hat er eine besondere Sendung, die besonders für uns in Europa das Heil brachte. Die Heiden werden nun Teil des Heilsplan Gottes, was auch Thema dieses Briefes ist.

Als Apostel hatte er apostolische Autorität. Aber Paulus stützt sich nicht auf diese formale Autorität. Sein Leben ist gekennzeichnet von Hingabe an Christus und seine Gemeinde. Er achtet sein Leben nicht als teuer für sich selbst! Er kann wirklich sagen, das wir seine Nachahmer sein sollen (1Kor 4,16; 11,1; Phil 3,17; 1Thes 1,6).

Durch Gottes Willen

Der souveräne Wille Gottes ist das Thema des Briefes. Nicht nur Paulus wurde Apostel durch den göttlichen Willen, sondern der ganze Ratschluss Gottes und der göttliche Heilsplan sind Ausdruck des vollkommenen und unwiderstehlichen Willens Gottes. Es geht in diesem Brief um das, was Er wollte für sich selbst, zu seinem Wohlgefallen und zum Preis und Lob seiner Herrlichkeit und Gnade!

Heilige und Treue in Christus Jesus

Die Empfänger des Briefes haben außerordentliche Titel. Nicht Paulus hat sie gegeben, auch keine Kirche oder Kirchendiener. Gott selbst hat die Epheser von Sündern zu Heiligen gemacht (Eph 1,4). Herausgenommen aus der Welt, obwohl noch in der Welt, sind sie in der Stadt Ephesus ein Volk Gottes und Lichter an einem dunklen Ort. Sie sind, wie Paulus sogleich schreibt, Gegenstände des ewigen Planes Gottes.

Sie sind ebenfalls Treue oder Gläubige. Das Wort hat beide Bedeutungen. Sie waren Treue, weil sie auf Christus vertrauten und das Evangelium des Heils angenommen hatten. Sie waren Treue, weil sie darin verharrten. Aber beide, sowohl Heiligkeit als auch Treue und Glauben, sind Gnadengeschenk und Besitz in Christus, niemals außerhalb von Ihm. Es ist nicht der Verdienst der Epheser, nicht ihre fromme Anstrengung, die sie dazu gemacht hat, sondern das Eingreifen Gottes.

Hier wird in wenigen Worten die einzigartige Stellung, die wir in und durch Christus haben, beschrieben. Manchmal sind die ersten Verse eines Briefes wie eine Inhaltsangabe, die andeuten, was dann ausführlich behandelt wird. So ist auch in diesem Brief die Stellung des Gläubigen in Christus ein besonderes Thema.

Gnade

Am Anfang und auch am Ende des Epheserbriefes steht dieser Segenswunsch, den auch wir vielleicht heute wieder mehr bei Begrüßung und Abschied aussprechen sollten.

Was ist Gnade? Ein unverdientes Geschenk von einem freundlichen Geber, der keinerlei Gegenleistung und Bezahlung erwartet. Elfmal kommt das Wort Gnade in diesem Brief vor. Es ist zuerst die rettende Gnade (Eph 1,6.7; 2,5.8; 3,2.7). Es ist die Gnade, die uns über die Errettung hinaus reich beschenkt, bis in die Ewigkeit hinein (Eph 2,7). Es ist das, womit jeder Gläubige ausgerüstet ist, um seinen Dienst innerhalb der Gemeinde und in der Welt verrichten zu können (Eph 4,7; 3,8). Unser Umgang und Reden miteinander ist davon geprägt (Eph 4,29). Sie gilt allen, die Jesus lieben (Eph 6,24).

Nicht nur der Sünder braucht Gnade, um errettet zu werden. Auch der Gläubige braucht sie. Der Gläubige steht in der Gnade, sein ganzes Sein ist geprägt von Gnade. Jeder Tag ist ein Tag der Gnade. Seine Gnade füllt allen Mangel aus. Auf diese Gnade hoffen wir. Wir haben Zugang zum Thron der Gnade, wo wir um sie flehen. Es ist kein passives Warten auf einen willkürlichen Geber. Es ist der Vater, der uns liebt, der uns mit seinem Sohn alles schenken will! Der Gläubige hat kein Grundrecht auf Segen, Gelingen und Erfolg. Wird es ihm geschenkt, ist es Gnade. Und das Maß der Gnade ist göttlich bemessen, d.h., es wird nie zu wenig sein.

Friede

So wie die Gnade ist auch der Friede ein wichtiges Element unseres Glaubensleben. Es wurde uns der Frieden verkündigt (Eph 2,17) und wir tun es auch (Eph 6,15). Untereinander sollen wir in Frieden sein (4,3). Es ist der Friede Gottes, der alle logischen Erwägungen und Gedanken übersteigt (Phil 4,6.7). In der Zeit des Endes, in der wir stehen, wird die Not zunehmen. Wirtschaftliche Not und Verfolgung um Jesu willen werden Gläubige in Unruhe und Sorge versetzen, ihren Geist beunruhigen. Aber in dieser Lage kennen sie ihren himmlischen Vater und ihren Heiland Jesus Christus als den Anker ihrer Seelen, der ihrem Geist den Frieden Gottes schenkt. Dieser Friede entsteht, wenn alle Sorgen auf Ihn geworfen werden. Gott selbst will unsere Last tragen. Dieser Friede ist eine existentielle Lebenserfahrung, die es so nirgends gibt. Wir kennen den lebendigen Gott und Christus, und Er ist erfahrbar. Jesus stellt seinen Frieden der Angst und Bestürzung der Welt gegenüber: „Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht wie die Welt gibt, gebe ich euch. Euer Herz werde nicht bestürzt, sei auch nicht furchtsam“ (Joh 14,27).

Wir haben Frieden mit Gott (Röm 5,1) und wir kennen den Frieden Gottes. Es ist göttliche Harmonie, Ruhe des Herzens in dem Gott des Friedens (2Kor 13,11; Röm 15,13.33; 16,20; Phil 4,7.9; 2Thes 3,16; Heb 13,20).

Petrus und Judas schreiben am Anfang ihrer Briefe, dass uns Gnade und Friede vermehrt werde. Wir können wachsen und zunehmen im Verständnis und in der praktischen Erfahrung derselben.

Gott, unser Vater, und der Herr Jesus Christus

Diese Personen sind die Quelle von Gnade und Frieden. Es ist Gott, der in diesem Zusammenhang unser Vater genannt wird. Gott ist die unversiegbare Quelle, der El-Schaddai (Allmächtige und Allgenugsame), der Allwissende und Allgegenwärtige. Als Vater liebt Er seine Söhne und Kinder und setzt alles für sie ein.

Ebenso ist der Herr Jesus Christus, der hier mit vollem Titel, der seine ganze Größe und Herrlichkeit andeutetet, die Quelle von Gnade und Friede. Der Name Jesus erinnert uns an sein Erdenleben und auch Leidensweg. Er kennt das Menschsein aus Erfahrung. Aber Er ist zum Herrn und Christus gemacht worden (Apg 2,36) und nimmt den höchsten Ehrenplatz des Universums ein. Er ist Christus (Messias), der Gesalbte Gottes. Er ist der Auserwählte Gottes, der Gottes Verlangen ganz erfüllt.

Diese göttlichen Personen stehen hinter dem Leben des Glaubens, auch wenn es vor den Augen der Welt oft so nicht aussieht. Gnade und Friede werden oft erst dann groß, wenn wir ganz klein sind und von uns selbst und anderen nichts mehr erwarten können (2Kor 12,1-10).

Gott als der Gebende

Eph 1,3: Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christus.

Nach der Begrüßung und den Segenswünschen kommt Paulus sogleich zur Sache und überrascht uns damit, unseren Gott (wieder) als den Gebenden vorzustellen. Wenn Er das auch immer schon war, so übertrifft das, was Er jetzt gibt, alles Bisherige. Mehr als das, was hier beschrieben wird, kann es nicht geben. Kann Er uns mehr schenken, als den Himmel zu öffnen, uns dorthin einzuladen und mit allem zu beschenken, was es dort gibt?

Lobpreis und Dank sind die einzige Reaktion darauf, wenn man erkennt, wie Gott uns gesegnet hat. Das Wort „Segen“ findet sich in einem Art Wortspiel gleich dreimal in diesem Vers. Segnen bedeutet „Gutes wünschen und reden“ im Blick auf den Nächsten. So ist Gottes Haltung uns gegenüber. Er tat alles Gute, um uns von weit herzuholen und uns mit allem Guten zu beschenken. Unsere Antwort an Ihn ist dasselbe. Nicht dass wir Gott beschenken. Wir geben Ihm unser Lob, Dank und Anbetung (Heb 13,15; Kol 1,12), persönlich und als Gemeinde, allezeit hier auf der Erde und bald für immer in seinem Haus.

Er ist der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus. Darin liegt das Geheimnis, wie Gott so gut zu uns sein konnte. Der ewige Sohn wurde Mensch. Das war der Plan, den Gott der Vater und Gott der Sohn vor aller Zeit hatten.

So stellt dieses Wort zu Beginn heraus, das Er Herr, Jesus, Christus, Gott und Mensch zugleich ist und dadurch erst der Ratschluss Gottes erfüllt werden kann.

Geistliche Segnungen

Was könnten wir uns mehr wünschen, als von Gott gesegnet zu sein? Was kann noch größer sein? Er hat es getan, Er wollte uns segnen. Das ist unser Gott. Der Segen ist geistlich. Damit wird dieser Segen irdischem, materiellem Segen gegenübergestellt. Er wird in den Himmeln geschenkt. Auch das zeigt, das es kein materieller Segen ist. Haben wir deshalb keinen irdischen Segen? Natürlich haben wir auch irdischen Segen, denn unser himmlischer Vater ist der Erhalter aller Menschen, besonders der Gläubigen (1Tim 4,10). Aber der irdische Segen (und leider verwechseln wir das manchmal mit Überfluss) ist uns nicht verheißen. Wir sollen dankbar sein, wenn wir Nahrung und Bedeckung haben – das meine ich mit irdischem Segen (1Tim 6,8). Aber bei dem geistlichen Segen können wir von Reichtum und Überfluss sprechen, denn es sind uns alle Segnungen geschenkt worden.

Doch hier stehen wir vor einer gewaltigen Wahrheit, die über Essen und Trinken und allen irdischen Reichtum hinausgeht. Das, was bislang für Menschen unerreichbar war, wird jetzt unser Besitz. Das, was die Herrlichkeit, den Reichtum, die Liebe, die Reinheit und das Leben des Himmels ausmacht, ist uns in Christus geschenkt. Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, lässt uns in Christus, dem auferstandenen und inthronisierten Menschensohn, an den Segnungen in der Herrlichkeit des Himmels teilhaben. Ein verherrlichter Mensch im Himmel bahnt uns den Weg und nimmt uns mit zur himmlischen Schatzkammer Gottes.

Alle geistlichen Segnungen, die es dort gibt, sind unser Besitz geworden. Nur in Christus empfangen wir, was niemals ein Mensch zu träumen gewagt hätte. Gott hat uns seinen einzigen Sohn geschenkt und Ihn um unsertwillen nicht verschont. Er wird uns mit Ihm alles schenken (Röm 8,32). Und Er hat es getan. Wissen wir, was die Segnungen und himmlischen Schätze sind, die uns in Christus geschenkt sind?

Wenn Paulus diese Aussage seinem Brief direkt voranstellt wie eine Inhaltsangabe dessen, worum es in dem Brief geht, dann sollten wir auch zuerst hier nach den Segnungen suchen und dann über den Brief hinaus im NT Parallelen und weitere Segnungen suchen. Dieser Brief enthält Herrlichkeiten, die uns immer wieder neu überraschen. Versuchen wir die geistlichen und himmlischen Segnungen zu finden. Auf der Suche unterscheiden wir zwischen dem, was Gott an uns tat und wozu Er uns gemacht hat, und dem, was wir bekommen haben. Das eine ist der Weg und der Zugang zu den Schätzen, das andere ist der Schatz selbst.

Unter diesem Blickwinkel begegnen wir auf unserem Streifzug beeindruckenden Segnungen. Auch die Kundschafter, die Kanaan ausspionierten, glaubten manchmal ihren Augen nicht (4Mo 13). Die Fülle und der Reichtum Kanaans war beeindruckend. Er sollte tatsächlich ihnen gehören. Das, was wir in diesem Brief finden, gehört uns hier und jetzt, alles ohne Ausnahme. Wir warten nicht auf einen besonderen Segen, wir besitzen ihn. Doch es heißt zugreifen, suchen, schauen und genießen, damit der Reichtum uns auch das Bewusstsein gibt, das wir als Söhne Gottes reich sind und nicht erst in der Zukunft sein werden. Wir sollten solche sein, die ihr Erbe kennen. „Du aber bist reich“, sagt Christus der Gemeinde in Smyrna (Off 2,9), die an materiellen Werten arm war. Hier geht es um einen anderen Reichtum, nicht um Geld, Häuser und Autos. Es hat große Bedeutung für unser tägliches Leben, den Reichtum zu kennen, den Gott gegeben hat. Was nützt es einem Menschen, der nicht weiß, dass er ein Erbe großer Reichtümer ist und in Armut lebt? Sein Denken, seine ganze Lebenshaltung und sein Hoffen wäre anders, wenn er es wüsste! Deshalb betet Paulus (zweimal in diesem Brief (Eph 1,15-18; 3,14-19) so intensiv, dass unser Auge geöffnet wird, um den Segen zu kennen.

  • Beginnen wir unsere Suche. In Vers 11 heißt es, das wir ein Erbteil erlangt haben. Wir sind als Söhne Gottes Erben Gottes (Röm 8,17; Jak 2,5) geworden. Was ist hier mit dem Erbe gemeint? Es geht zuerst um Christus, den Gott bald als Erben aller Dinge (Heb 1,3) über alles stellen wird. Er ist schon jetzt über alle Dinge erhoben, aber es wird bald offenbar, d.h. sichtbar für die ganze Schöpfung. Und in dieser Regierung in Herrlichkeit haben wir einen Anteil. Wir sind unmittelbar dabei. Wir sind als Gemeinde sein Leib, dem die Verwaltung aller Dinge übergeben wird. Das ist eine zukünftige Segnung. Diese ist aber jetzt schon unser Besitz, denn die Gemeinde ist jetzt der Leib Christi (Eph 1,22.23).

  • In Verbindung mit dem Erbe gibt es eine weitere himmlische Segnung: der Heilige Geist, der das Unterpfand ist zur Sicherstellung und Einlösung des Erbes (Eph 1,13.14). Der Geist ist also unser Besitz und uns geschenkt als der Geist der Weisheit und Offenbarung (Eph 1,17). Einerseits ist es der Geist, der uns mit dem Reichtum vertraut macht, andererseits ist Er der, der uns zum Vater führt (Eph 2,18). Es ist der Geist, der uns an dem inneren Menschen stärkt, also eine täglich erfahrbare Segnung (Eph 3,16; s.a. Eph 4,23.30; 5,18; 6,18). Es ist der Geist Gottes, durch welche die Gemeinschaft des Leibes Christi entstanden ist und der sie belebt und durchdringt (Eph 4,3). Diese Segnung ist keine Sache, sondern eine Person, eine göttliche Person.

Aus den genannten Versen können wir entnehmen, dass in Verbindung mit dem Geist diese himmlische Segnungen unser Besitz wurden:

  • Der Zugang zum Vater und Gemeinschaft mit Ihm: Durch Ihn, den Geist, haben nun Juden und Heiden gemeinsam Zugang zum Vater (Eph 2,18). Dies ist in der Tat eine geistliche und himmlische Segnung. Sie ist geistlich, weil wir das im Glauben erfahren. Sie ist himmlisch, weil es unser himmlischer Vater ist, der im Himmel wohnt. Es ist atemberaubend, besonders aus dem Blickwinkel ehemaliger Sünder, dass wir ohne Furcht im Bewusstsein vollkommener Annahme als Söhne vor den Vater treten dürfen. Das ist nicht der Moment der Buße zu Gott. Das ist ein ständiges Vorrecht. Dort dürfen wir in Stille sein in Gemeinschaft mit dem Vater. Dort pflegen wir gemeinsame Interessen. Die Beschäftigung mit dem Sohn der Liebe des Vaters ist eine solche. Dort dürfen wir unser Leben ausbreiten, alle Freuden, alles Leid. Dort erfahren wir Trost und Ermutigung. Dort finden wir Gnade zur rechtzeitigen Hilfe, wie es in Hebräer 5 heißt. Denn es ist ja Christus dort, unser himmlischer Hoherpriester am Thron Gottes.
    Die Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn wird besonders von dem Apostel Johannes in seinem Evangelium und in seinen Briefen beschrieben. Wir haben das ewige Leben, das Leben des Himmels, des Vaterhauses, in dem Sohn. Wir sind Kinder und Söhne Gottes die in dieser Beziehung täglich leben.

  • Die Gemeinschaft der Gläubigen ist ein himmlischer Segen. Es ist ein himmlisches Volk. Alle Gläubigen teilen dasselbe Leben und haben das gleiche Ziel. Diese Verbundenheit, diese Einheit der Kinder Gottes in einem Leib und in einem Haus war Gottes Plan. Sie teilen dasselbe Leben und sind verbunden mit dem Himmlischen. Es ist ein Stück des Himmels, wenn die Gläubigen untereinander herzliche Gemeinschaft pflegen, in Liebe miteinander umgehen, sich helfen und unterstützen nach Geist, Seele und Leib.

  • Der Heiligen Geist ist vom Himmel gesandt, der uns in die göttliche Wahrheit einführt, damit wir die Dinge kennen(lernen), die uns von Gott geschenkt sind (1Kor 2,12; Joh 16,13; 14,17). Dies ist nicht der Platz für eine Ausarbeitung über den Heiligen Geist. Aber in diesem Brief wird Er dreizehnmal genannt, und das verlangt doch die entsprechende Beachtung. Er ist selbst für uns eine himmlische Gabe und ist gleichzeitig der, der uns die Dinge des Himmels eröffnet für die Augen des Herzens.

Die Segnungen sollen unser praktischer Gewinn sein. Machen wir ernst damit, unseren Reichtum zu erkunden und zu erleben. Bleiben wir nicht stehen bei der Erkenntnis, dass wir begnadigte Sünder sind, sondern gehen wir weiter, um unsere Stellung in Christus zu erkennen und in diesem Sinne auch „festzustehen im Herrn“. Die Taktik des Feindes Gottes ist es, uns genau davon abzulenken, damit wir nur den Verzicht und die Schwierigkeiten auf unserem Glaubensweg sehen, besonders im Vergleich zu den Menschen um uns herum, denen es vielleicht besser geht, die leben und tun können, was sie wollen. Dieser Blick macht uns mürbe und nimmt uns die Freude, die wir eigentlich haben sollen. Lasst uns wie Israel das Land, was ihnen gehörte, auch erobern. Das ist der Wille Gottes: Nimm in Besitz, was Er dir geschenkt hat!

Himmlische Örter

Dieser Ausdruck steht für die zentrale Botschaft des Briefes. Fünf mal verwendet Paulus diesen Begriff und eröffnet jeweils einen neuen Aspekt (s.a. die Erklärung beim jeweiligen Vers):

  1. Epheser 1,3 sagt, dass dort der geistliche Segen geschenkt und empfangen wird.
  2. Epheser 1,20 zeigt, dass Christus dort zur Rechten Gottes thront. Der Thron Gottes ist einerseits der Mittelpunkt und zeigt aber gleichzeitig, wo diese himmlischen Örter sind.
  3. Epheser 2,6 macht klar, dass wir dorthin gebracht sind, in Christus. Anders könnten wir den Segen nicht erhalten. Das ist unsere Stellung und bald auch praktische Wirklichkeit.
  4. Epheser 3,10 fügt hinzu, dass nicht nur der Gläubige als Individuum dort ist, sondern die Gemeinde als Ganzes und dort von Engeln gesehen wird, die sich auch dort aufhalten.
  5. Epheser 6,12 ergänzt, dass es Engel gibt, die nicht Diener Gottes, sondern des Teufels sind. Sie haben dort Zugang. Ihr finsteres Werk haben sie in der Welt, auf der Erde (wo auch wir noch sind).

Wir können aus diesen Worten folgern, das es sich um die unmittelbare Nähe Gottes handelt, seinen Wohnort, den Ort seines Thrones. Die Wortwendung „in himmlischen [Örtern]“ kommt nur in diesem Brief vor. Es handelt sich um eine Ortsangabe, was mit der Beifügung „Örter“ – im griechischen Text nicht vorhanden – verdeutlicht wird. Man könnte auch übersetzen „in den Himmlischen“. Andere übersetzen „Himmelswelt“, „Regionen“, „Gefilde“. Das ist der Ort, wo der geistliche Segen zugeteilt wird. Der Begriff sagt nicht nur, dass es himmlische Segnungen sind. Es geht um den Ort, wo wir diese Segnungen in Empfang nehmen. Es geht auch um einen Gegensatz, nämlich den von Himmel und Erde, und um den von sichtbar und unsichtbar.

Der Ewige war immer ein segnender und gebender Gott. Besonders das Volk Israel empfing den Segen des Höchsten. Es waren irdische Segnungen: ein eigenes Land, reiche Ernte, Nachwuchs, Gesundheit und vieles mehr war Beweis für die Güte Gottes. Aber jetzt geht es um Segen, wie es ihn vorher nicht gab. Zuvor gab es Segen auf der Erde. Jetzt gibt es Segen im Himmel, also himmlische Segnungen. Und das bedeutet, dass wir dort sein müssen, wenn wir ihn empfangen sollen. Und das ist genau die Botschaft, die in dem Ausdruck „himmlischen Örter“ liegt: Der Himmel steht offen für uns, dort ist unser Platz, unsere Heimat, unser Zuhause. Wir sind im Gegensatz zu Israel ein himmlisches Volk. Gott will uns bei sich haben und der Weg dorthin ist frei durch den auferstandenen und verherrlichten Gottes- und Menschensohn. Er führte uns zu Gott, nicht nur, um das Schuldproblem zu lösen, sondern um uns nach Hause zu bringen an das Herz Gottes. Wie der verlorene Sohn werden wir von unserem himmlischen Vater empfangen in seinem Haus und dort mit allem beschenkt – unverdient –, was der Vater hat (Lk 15,11-32). Wir sind als Söhne an- und aufgenommen und als solche Erben, denen alles gehört, was der Vater besitzt.

Warum werden uns die geistlichen Segnungen in den himmlischen Örtern geschenkt? Warum ist das wichtig? Weil wir dort sein sollen, wo der verherrlichte Christus ist. Mit Ihm sind wir untrennbar verbunden für immer, persönlich und gemeinsam als sein Leib, die Gemeinde.

Wir werden immer Menschen bleiben, geschaffen nach dem Bild Gottes. Aber durch Gottes Eingreifen in Christus werden wir das Bild des Himmlischen tragen und dann werden auch wir Himmlische sein (1Kor 15,48.49). Es gibt Wesen, die immer zu dieser Region gehörten. In diesem Brief werden sie Gewalten und Fürstentümer genannt. Das sind Engel (Phil 2,10), himmlische Wesen. Wir sind irdische Wesen, die durch Christus zu Himmlischen werden, was aber mit den genannten Wesen nicht zu vergleichen ist.

Nicht nur der Brief an die Epheser lenkt unseren Blick auf das himmlische Teil. Wenn man einen Brief liest, wird man immer erst den Sinn dort zu erkennen suchen, aber nie darf man dies isoliert betrachten. Keine Weissagung der Schrift ist von eigener Auslegung (2Pet 1,20). Es ist die Offenbarung des ganzen NT, dass die Gemeinde ein himmlisches Volk ist:

  • Der Sohn Gottes kam, um uns das Himmlische zu offenbaren, was zuvor nicht bekannt war und nur von dem Sohn Gottes selbst mitgeteilt werden konnte (Joh 3,12).
  • Wir haben teil an dem himmlischen Reich unseres Herrn Jesus Christus (2Tim 4,18).
  • Wir stehen in der himmlischen Berufung, berufen aus dem Himmel für den Himmel (Heb 3,1).
  • Wir haben eine himmlische Gabe erhalten, die wir schmecken, d.h. genießen (Heb 6,4).
  • Die Erzväter trachteten schon nach einem himmlischen Vaterland, wir erst recht (Heb 11,13-16).
  • Wir haben ein Bürgertum in dem Himmel (Phil 3,20).
  • Wir haben eine Hoffnung, die aufgehoben ist in den Himmeln (Kol 1,5).
  • Wir sinnen auf das, was droben ist, wo der Christus ist (Kol 3,1-4).
  • Ein unverwelkliches Erbe ist für uns in den Himmeln aufbewahrt (1Pet 1,4).
  • Wir schauen nicht auf das, was man mit den Augen sieht, sondern was man im Glauben mit den Augen des Herzens sieht, Dinge, die nicht zeitlich, sondern ewig sind. Es geht um ein ewiges Gewicht von Herrlichkeit (2Kor 4,16-18).
  • Wir schauen mit den Augen des Herzens die Herrlichkeit Christi im Himmel (2Kor 3,18; Apg 7,55).

Es ist die Botschaft des NT, dass der Himmel, in dem Gott verborgen war, jetzt geöffnet ist (der Vorhang des Tempels zerriss, als Jesus starb) und dass der Zugang nicht in das irdische, jüdische, sondern in das himmlische Heiligtum geöffnet ist. Es ist genauso die Botschaft des NT, dass Gott sich vom Himmel her offenbart im Sohn und sich zeigt, wie Er wirklich ist. Es ist wie eine Himmelsleiter, die Erde und Himmel verbindet, die in jede Richtungen begehbar ist (Joh 1,51; 1Mo 28,12). Gott kommt zu uns und wir gehen zu Ihm. In diesem Brief schauen wir bis zum Thron Gottes, auf dem unser Herr den höchsten Ehrenplatz einnimmt, und Er wohnt gleichzeitig in uns, die noch auf der Erde sind (Eph 3,17). Und in diesem Sinne haben wir den geistlichen Segen als solche, die noch auf der Erde sind. Die himmlischen Örter sind gleichsam mit all dem Segen in unseren Herzen.

Letzte Aktualisierung: 09.10.2016


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