Fans, Stars, Idole

Jochen Klein

© J. Klein, online seit: 19.06.2006

Leitvers: Apostelgeschichte 14,15

Apg 14,15: Männer, warum tut ihr dieses?

Wer war bisher der beste Fußballspieler der Welt? Viele meinen: Pelé. Sie nennen ihn den „Größten der Fußballgeschichte“ und werden dadurch bestätigt, dass er von der FIFA zum Weltfußballer des vergangenen Jahrhunderts und vom Internationalen Olympischen Komitee zum Sportler des vergangenen Jahrhunderts gewählt wurde. Pelé hatte aber eine andere Meinung. Er nannte George Best „den größten Fußballer auf der Welt“. Und dieser sagte dazu: „Das ist das ultimative Lob für mich.“

Wer kennt aber heute noch George Best? Er wurde 1946 in Nordirland geboren. Seinen legendären Ruf als Ausnahmekönner hatte er wegen seiner Fähigkeit, auf engstem Raum Dribblings mit kurzen Haken und Körpertäuschungen durchzuführen. Best spielte zwischen 1963 und 1975 als Stürmer für Manchester United. Hierfür absolvierte er 466 Pflichtspiele, und er war in dieser Zeit der Toptorjäger mit 178 Treffern. Bereits mit 17 Jahren hatte er hier begonnen, in der nächsten Saison gewann er mit dem Verein die englische Meisterschaft. 1966/67 kam daneben auch noch der Gewinn des Europapokals der Landesmeister (erstmals für eine englische Mannschaft) hinzu. Als er im März 1966 nach zwei Treffern für Manchester United bei deren Sieg gegen Benfica in Lissabon im Viertelfinale des Europapokals aus Lissabon zurückkehrte, trug er einen großen, sombreroähnlichen Hut. Daraufhin bezeichneten ihn die Zeitungen als „El Beatle“. Ein Journalist meint: Damals „wurde er zum ersten Fußball-Superstar der Welt. Von da an sollte sein Leben nie wieder dasselbe sein“. Und so war es dann auch. Sein Ruhm nahm weiter zu: 1968 schoss er in der Liga 28 Tore und wurde zu Englands Fußballer des Jahres und zu Europas Fußballer des Jahres gewählt. Sein Freund Rodney Marsh sagte einmal über ihn: „Best war der schnellste, intelligenteste und zerstörerischste Spieler, den es je gab. Es gab keinen Mutigeren als ihn. Er konnte den Ball mit dem Kopf spielen, Tore schießen und auch Pässe spielen, beidbeinig natürlich. Und er hatte eine unglaubliche Kondition. Er wurde niemals müde.“

Lange nach Ende seiner Karriere folgten noch weitere Ehrungen. So wurde er 1997 von einer Jury aus 1000 Journalisten und Sportpersönlichkeiten zum größten britischen Sportler aller Zeiten gewählt. Und der Flughafen seiner Heimatstadt wurde kürzlich ihm zu Ehren von „Belfast City Airport“ in „George Best Airport“ umbenannt. Der Flughafenchef begründete dies damit, dass „die Umbenennung eine passende und bleibende Ehrung seiner fußballerischen Brillanz“ sei.

Im Spiegel special „Planet Fußball“ ist unter der Rubrik „Helden“ eine „Galerie der Legenden“ aufgeführt. Es geht um elf „Fußballidole“, „Stars, die mit ihren Toren, Tricks und Paraden die Welt in den vergangenen 50 Jahren verzaubert haben“. George Best ist zwar nicht dabei, aber auch diesen elf Männern wurden im Laufe ihres Lebens zahllose Ehrungen zuteil.

Der Starkult nimmt je nach Land und Person immer wieder unterschiedliche Formen an. Dass aber Ähnliches wie vor beinahe 2000 Jahren geschah, ist noch nicht berichtet worden: Damals wurden zwei Männer, Paulus und Barnabas, von einer Menschenmenge als Götter verehrt. Man wollte ihnen opfern. Sie waren davon aber nicht begeistert, sondern riefen entsetzt: „Männer, warum tut ihr dies?“ Sie versuchten, der Menge bewusst zu machen, dass sie ebenfalls nur Menschen aus Fleisch und Blut waren. Ihre Botschaft war einzig und allein, dass sich diese Leute von ihren Idolen abwenden sollten. Sie sollten umkehren zu dem lebendigen Gott und nicht auch noch sie zu ihren Idolen machen. Das hielt die Menge aber kaum davon ab, ihnen zu opfern (vgl. Apg 14,11-18).

Opfer gibt es heute nicht mehr. Dass aber der Kult um Stars quasi religiöse Züge angenommen hat, dürfte unumstritten sein. „Stars sind moderne Gottheiten“, behauptet Andrea Parr in ihrem Buch zu diesem Thema. Manche Stars sind bekannter als Staatspräsidenten. Die Nachfrage nach ihnen ist riesig. Auch gebe es Stars, die die moderne Welt zu einem „Vorbild und Heilsbringer zugleich“ gemacht habe, meint der Spiegel. Stars dienen als Leitfiguren, als Vorbilder. Sie vereinigen Sehnsüchte und Widersprüche in sich. „Die Zugehörigkeit zu einer Fanwelt ist Teil der jugendlichen Lebensbewältigung“ heutzutage (Kursbuch JugendKultur). Souvenirs mit den Bildern von Stars gehören zu den meistverkauften Gegenständen unserer Zeit.

Zu diesem Thema schreibt Matthias Matussek in seinem Artikel „Preis des Erfolges“ (in Spiegel Kultur: Wie aus Menschen Idole werden): „Die Tröstung durch Religion in früheren Zeiten bestand darin, dass sie dem Einzelnen das Gefühl der Einzigartigkeit vor Gott gab. Nun ist die Religion aus dem Alltag verschwunden und mit ihr das Gefühl des Angesprochenseins. Das Göttliche fehlt. Doch es hat einen Mangel zurückgelassen.“ Die Kirchen seien leer, so aber gebe es in unzähligen Haushalten gewissermaßen Altäre für unterschiedliche Stars. Und weiter: „Stars vertreiben die Einsamkeit … Was Groschenpresse, Fernsehen und Internet bewerkstelligt haben, ist eine ständig wachsende Durchlaufgeschwindigkeit an Berühmtheiten. Ständig ist Götzendämmerung, und immer nervöser suchen wir nach neuen Vorbildern. Götzen werden gebraucht in säkularen [heidnischen] Zeiten. Je verwechselbarer der Einzelne wird, desto mehr sehnt er sich nach dem Unverwechselbaren.“ – „Unser Verhältnis zum Ruhm also ist zynisch geworden. Es ist das Zeitalter einer ewigen Götzendämmerung, in der wir unglücklich aufgeklärt zu den bunt bemalten Lampions hinaufschauen, die wir selbst aufgehängt haben, und uns für eine Weile einbilden, sie seien die Sonne und vertrieben uns die Angst vor Einsamkeit und Nacht. Das ist das, was wir heute Ruhm nennen … eine schnell erlöschende Angelegenheit.“

Dass Ruhm eine schnell vorübergehende Angelegenheit ist, können wir auch anhand der Begebenheit vor beinahe 2000 Jahren sehen. Sofort nach der oben angeführten Begebenheit heißt es: „Es kamen aber aus Antiochia und Ikonium Juden an, und nachdem sie die Volksmenge überredet und Paulus gesteinigt hatten, schleiften sie ihn zur Stadt hinaus, da sie meinten, er sei gestorben“ (Apg 14,19).

Paulus hatte nicht immer die Einstellung gehabt, die hierzu führte. Bevor er von seinem alten Leben umgekehrt war, hatte er die Anhänger von Jesus Christus verfolgt und ihre Tötung für legitim gehalten. Kurz nach seiner Umkehr sagt Jesus aber: „Dieser ist mir ein auserwähltes Werkzeug … Denn ich werde ihm zeigen, wie vieles er für meinen Namen leiden muss“ (Apg 9,15-17). Da Paulus das Leben nach göttlichen Maßstäben mehr wert war als alles andere, wählte er bewusst diesen Weg und lehnte es folgerichtig später ab, als Idol verehrt zu werden. In seinem Brief an die Römer schreibt er, dass die Menschen sich lieber für vergängliche Idole begeistern, als den ewigen Gott zu ehren. Die Folgen seien ethischer und moralischer Verfall. Der Wunsch nach Unabhängigkeit von Gott führte also dazu, dass die Menschen immer wieder versuchten, ein sinnerfülltes Leben ohne Gott zu schaffen, und immer wieder scheiterten. Weil die Menschen Gott aus ihrem Leben strichen oder Ihn kaum beachteten, versanken sie in Mordlust, okkulte oder abergläubische Praktiken, Hurerei, Bosheit, Streit usw. Die Bibel nennt dies sündigen. Dazu gehört aber z.B. auch lügen, stehlen, habgierig und egoistisch sein, neiden, verleumden, sich berauschen und sich eigenen Idolen zuwenden. Jeder Mensch hat einmal gesündigt und ist somit Gott gegenüber schuldig. Die Folge davon ist ein unerfülltes Leben und nach dem Tod die Hölle.

Es gibt jedoch eine Möglichkeit, ein sinnerfülltes Leben zu bekommen und nach dem Tod für ewig gerettet zu sein. Dazu muss man einsehen, dass es nicht gelingt, Erfüllung und Befriedigung mit eigenen Methoden zu finden. Man muss von seinen bisherigen Vorstellungen umkehren und Jesus Christus – der an unserer Stelle für die Sünden starb – seine Sünden bekennen. Er verspricht: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen“ (Joh 6,37). Und: „Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod ins Leben hinübergegangen“ (Joh 5,24). Jesus Christus ist der Sohn Gottes und vom Himmel gekommen, am Kreuz gestorben und wieder auferstanden, um den zu besiegen, der Gewalt über den Tod hat, nämlich den Satan. Als Feind Gottes und der Menschen versucht der Satan mit List und durch Gewalt, zu entzweien, zu zerstören und Menschen in seinen Bann zu ziehen. Er will, dass sie sich nicht Gott, sondern der Esoterik, dem Aberglauben oder ausschließlich der Zerstreuung widmen. Er versucht auch, zu verhindern, dass die Menschen Hoffnung und eine gute Perspektive bekommen. In der Zukunft wird er dafür aber bestraft und auch zur Wirkungslosigkeit verurteilt werden.

Für den Kunsthistoriker Jakob Burckhardt war der Wille zum Ruhm Kennzeichen des „modernen Bewusstseins“. Sicher befürchten viele Menschen – meistens wahrscheinlich unbewusst –, ziemlich uninteressant zu sein, und so streben sie nach Ruhm. Aber dieser hat ein Doppelgesicht, da so alt wie der Wunsch nach Ruhm auch der Neid ist, den er auslöst. Und es gibt kaum einen Berühmten, der nicht davon träumt, noch berühmter zu werden. Eine große Rolle spielt dabei auch der Wunsch, dass der Ruhm nach dem Tod erhalten bleibt und somit eine gewisse Unsterblichkeit garantiert.

Dass ein Star zu sein nicht zwangsläufig zu einem erfüllten Leben führt, zeigt das Beispiel George Best. Der Erfolg brachte schon bald andere Folgen: Allmählich wurde er zu einem notorischen Nachtclubbesucher und Trinker. Dann begann er, gelegentlich das Training zu schwänzen, was für seine Zeit bei Manchester United den Anfang vom Ende bedeutete. Schließlich musste er auf Druck der Vereinsführung zurücktreten, weil er vormittags immer öfter angetrunken zum Training erschien. Er ließ seine Karriere dann in den nächsten Jahren bei anderen Vereinen langsam ausklingen. Als er 1997 zum größten britischen Sportler aller Zeiten gewählt wurde, kämpfte er bereits gegen den Alkoholismus und ein schweres Leberleiden. 2002 unterzog er sich einer Lebertransplantation und schwor dem Alkohol ein für alle Mal ab. Aber auch dieses Versprechen sollte er nicht halten können. 2004 wurde ihm wegen Trunkenheit am Steuer der Führerschein für 20 Monate entzogen. Die Folgen seines exzessiven Alkoholkonsums zeigten sich Ende Oktober 2005 bei seinen inneren Organen massiv. Er starb am 25. November 2005 infolge von Multiorganversagen. Einige hunderttausend Menschen gaben ihm in Belfast die letzte Ehre, was dieses Begräbnis zu einer der größten Beisetzungen in der Geschichte Großbritanniens machte. Er selbst sagte einmal: „Ich habe viel von meinem Geld für Alkohol, Frauen und schnelle Autos ausgegeben. Den Rest habe ich einfach verprasst.“ Auch Berichte über andere Stars lassen erkennen, dass sie von einem erfüllten Leben oft weit entfernt sind.

„Nicht Adel, nicht Geld, sondern Aufmerksamkeit“ sei seit einigen Jahren das höchste Gut, behauptet der Spiegel. Bei vielen Stars ist Aufmerksamkeit massenhaft garantiert. Dass dies aber letzten Endes nichts nützt, dürfte klar sein. Vielmehr nützt Aufmerksamkeit im Himmel etwas. Man merkt dort nicht nur auf, sondern man freut sich, wenn ein Sünder umkehrt (Lk 15,7). – Hat sich der Himmel Ihretwegen schon gefreut?

Letzte Aktualisierung: 11.07.2016

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