Esoterik
Aufklärung

Jochen Klein

© J. Klein, online seit: 01.01.2001

„Heilungsrituale“ ist das Thema, und die Frauen stehen – sich an den Händen haltend – im Altarraum einer Hamburger Kirche. Zuerst hieß es „erden, atmen und einfach mal hinspüren“, dann ruft – wie in der Hexenreligion üblich – die „Priesterin im Ritual“ die vier Elemente Wasser, Luft, Feuer und Erde in den Kreis, „weil so die Energie besser fließt“. Sie heißt Donathe Phanke (48) und ist Dozentin für Religionswissenschaften an der Universität Bremen. Als Deutschlands bekannteste neue Heidin und Anhängerin eines modernen Hexenglaubens wurde sie kürzlich zu einem Wochenend-Workshop der Offenen Kirche Alt-Hamburg eingeladen.

Ob Schamanismus, Hexenkult, Zwiesprache mit den Ahnen, Yoga usw. – der Markt der religiösen Möglichkeiten wird immer unüberschaubarer. Als Begriff dafür muss „Esoterik“ herhalten, was zunächst „innerlich“ meinte und noch im 19. Jahrhundert eine neue universalreligiöse Weltanschauung für Auserwählte bedeutete. Dazu zählte die russische Spiritistin Helena Blavatsky als Wortführerin der Theosophischen Gesellschaft, aber auch Rudolf Steiner, der später mit der Anthroposophischen Gesellschaft einen neuen Verein gründete. Heute aber dient „Esoterik“ als Sammelbegriff für manchen Aberglauben sowie für „moderne Spiritualität“ der Masse. Das Motto lautet: „Was göttlich ist, bestimme ich.“

Der Ethnologe und Kulturhistoriker Hans-Peter Duerr meint:

Wenn es keine objektiven Maßstäbe gibt, gilt die Devise „anything goes“. „Nichts ist wahr, alles ist erlaubt“, sagt Nietzsche. „Nichts ist unmöglich“, wirbt Toyota. Alles tendiert zur Gleich-Gültigkeit, jedes Urteil ist lediglich Geschmacksurteil, man wählt zwischen Weltanschauungen wie zwischen Kalbshaxe und Chop Suey. Multikulti ist die Gesellschaft, in der keine Tradition die andere mehr ausschließt: morgens Zen-Meditation, nachmittags Schamanen-Kurs, anschließend Bibelkreis und abends italienisch essen.

Auf diesem Hintergrund müssen wir auch den anhaltenden Boom um den Zauberlehrling Harry Potter betrachten. So lautete die Überschrift eines Zeitschriften-Artikels: „Ein Volk von Zauberlehrlingen. Der Medienhype um Harry Potter schafft eine Kultgemeinde auf Zeit. Auch im Alltag und im Kino macht sich ein neuer Spiritualismus breit. Viele Menschen sehnen sich nach Wiederverzauberung der technisch-rationalen Welt – und nutzen magisches Denken als Selbsttherapie“ („Der Spiegel“ 47/2000, S. 150). Im Text heißt es dann:

Das Magie-Opus hat den Nerv der Zeit getroffen … [Die] Verknüpfung von übersinnlichem Grusel und realen Schrecken ist nicht bloß im Fall Harry Potter ein Erfolgsrezept. Längst hat die Lust an beliebig gearteter Metaphysik, am Irrwitz und der Phantasmagorie die hauptberuflichen Traumproduzenten erfasst: Literaten und Filmemacher verwischen eifrig – und mitunter mit gigantischem Erfolg – die Grenzen zum Überwirklichen … Mit Blick auf die Kinder- und Jugendliteratur etwa überkommt die „Welt am Sonntag“ ein Gruseln: Harry Potter habe eine Lawine losgetreten, „die alle Rationalität zu begraben droht“ … Monika Blume vom „Arbeitskreis für Jugendliteratur“ in München: „Harry Potter macht es vor, und viele ziehen nach“ … Der Esoterikmarkt bietet dem fröhlichen Volk der Zauberlehrlinge massenhaft Anleitung zur Hebung des Selbstwertgefühls. „Auffällig viele 15- bis 25-jährige Mädchen“ kämen in letzter Zeit in seinen Laden, sagt etwa Jürgen Lipp, Inhaber des Esoterikfachhandels Wrage in Hamburg. Die jungen Frauen sind schwer an der Hexerei interessiert, „vielleicht liegt es ja an Potter.“ Lipps Kundinnen erkunden geheimnisvolle Bräuche … behängen sich mit Amuletten, tragen beinahe pfundweise Glücksarmbänder.

Fassen wir die Entwicklung zusammen: Heidnische, fernöstliche und okkulte Einflüsse gewinnen zunehmend an Bedeutung und versuchen in alle Bereiche vorzudringen. Dies wird selbst von ungläubigen Wissenschaftlern und Journalisten als Tatsache dargestellt. Das eigene Wohlbefinden und die eigene Meinung des Menschen stehen an erster Stelle. Das Ego wird zum Maßstab, und der Glaube soll als Mittel dienen, um die eigenen Wünsche optimal verwirklichen zu können.

Was lernen wir daraus? Die gläubigen Christen befinden sich in Deutschland in einem Land, das inzwischen kaum noch „christlich“ genannt werden kann. So werden die Maßstäbe zunehmend nicht mehr aus der Bibel abgeleitet, sondern man räumt zum Beispiel der persönlichen Freiheit und dem eigenen vermeintlichen Wohlergehen den höchsten Stellenwert ein. Die Auswirkungen davon können wir zum Beispiel in Römer 1 nachlesen. Gott hat die Menschen in ihrem Egoismus dahingegeben. Und: „Indem sie sich für Weise ausgaben, sind sie zu Toren geworden“ (Röm 1,22). In Offenbarung 22,15 heißt es: „Draußen sind die … Zauberer … und die Götzendiener und jeder, der die Lüge liebt und tut.“ Lüge ist alles, was gegen den einzig wahren Gott und gegen sein Wort, die Bibel, gerichtet ist. Wir sollten also versuchen, diese verderblichen Einflüsse zu meiden und den Herrn um Bewahrung, Weisheit und Nüchternheit in diesem nachchristlichen Zeitalter bitten. Und darum, dass noch Menschen das wirkliche Leben finden.

Letzte Aktualisierung: 11.07.2016

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