Die verschiedenen Gruppen des Volkes Israel in der Zukunft

Dirk Schürmann

© SoundWords, online seit: 29.07.2013, aktualisiert: 17.10.2016

Einleitung

Für das Verständnis der Prophetie und insbesondere auch für das Verständnis der Psalmen und der alttestamentlichen Propheten ist es wichtig, zu verstehen, mit welchen unterschiedlichen Gruppen des Volkes Israel wir in der Zukunft nach der Entrückung der Gemeinde zu rechnen haben.

Der ungläubige Teil des Volkes

Das ist wohl der größte Teil Israels, und dazu werden sicher die meisten derer gehören, die sich heute im Staatsgebiet von Israel befinden. Sie haben ihren Messias nicht angenommen und lehnen Ihn heute noch ab. Doch in der Zukunft werden sie den falschen Messias, den Antichrist, annehmen. Das wird ihre Sünde zum Vollmaß bringen und das Gericht einleiten. Ein Volk aus dem Norden (Syrien oder Iran) wird ihr Staatsgebiet erobern und Jerusalem belagern und einnehmen. Der allergrößte Teil der Juden wird dann dadurch vernichtet werden, und nur „eine Nachlese davon übrig bleiben wie beim Abschlagen der Oliven: zwei, drei Beeren oben im Wipfel, vier, fünf an seinen, des Fruchtbaumes, Zweigen, spricht der Herr, der Gott Israels“ (Jes 17,6).

Der Überrest – zwei Gruppen

Wenn die Gemeinde von der Erde entrückt ist, dann werden in Israel aber auch wieder Juden sein, die mit einem reinen und bußfertigen Herzen Gott dienen wollen. Sie werden im Gegensatz zu der Masse des Volkes den Antichrist nicht annehmen, sondern Gott treu bleiben. Dafür werden sie schreckliche Verfolgungen seitens des Antichristen und auch der ungläubigen Volksgenossen erleiden. Nach der großen Drangsal werden sie, soweit sie nicht als Märtyrer ihr Leben lassen mussten, den Kern des neuen Israels bilden, das im Tausendjährigen Reich die Führungsrolle in der Welt innehat. Insbesondere für die Psalmen ist es wichtig, zu wissen, dass sich dieser Überrest geographisch in zwei Gruppen aufteilt, die unterschiedliche Erfahrungen mitmachen werden. Diese Unterscheidung finden wir nicht nur in den Psalmen, sondern auch in den Propheten.

Es gibt eine Gruppe, die während der ganzen Drangsalszeit – der sogenannten 70. Jahrwoche, einer Woche von sieben Jahren, in denen Gott besonders mit Israel, aber auch mit der Welt im Allgemeinen handeln wird – in Jerusalem sein wird, mitten im Zentrum, wo der Antichrist herrscht; und es gibt eine andere Gruppe, die sich außerhalb der Grenzen Israels aufhalten wird. Wahrscheinlich hauptsächlich in Jordanien.

Zur Mitte dieser sieben Jahre wird ein bestimmter Gräuel in Jerusalem im Tempel aufgestellt. Wir lesen nicht, wie er aussehen wird, aber in der Offenbarung lesen wir von einem Bild des römischen Weltherrschers. Auf jeden Fall wird es ein Götze sein, den die Menschen aufgefordert werden anzubeten. Wenn er aufgestellt wird, fordert der Herr die, die in Judäa sind, auf, aus den Städten Judas in die Wüste fliehen. Dort, außerhalb von Israel, wird diese Gruppe des Überrestes besonders bewahrt. Wir finden das auch in Offenbarung 12. In Vers 3 lesen wir von dem feuerroten Drachen, der den Teufel darstellt.

Off 12,4b.5: Und der Drache stand vor der Frau, die im Begriff war zu gebären, damit er, wenn sie geboren hätte, ihr Kind verschlänge. Und sie gebar einen Sohn, ein männliches Kind, der alle Nationen weiden soll mit eiserner Rute; und ihr Kind wurde entrückt zu Gott und seinem Thron.

Dieses Kind ist der Herr Jesus, und hier am Ende wird seine Himmelfahrt beschrieben. Und jetzt geht es weiter (V. 6):

Off 12,6: Und die Frau floh in die Wüste, wo sie eine von Gott bereitete Stätte hat, damit man sie dort ernähre 1260 Tage.

Da ist also ein Schutzort von Gott für die Frau – hier in diesem Zusammenhang ist das der gläubige Überrest aus den Städten Judas, der eine von Gott bereitete Stätte hat, wo er ernährt und beschützt wird. Wir sehen dann auch in Vers 14:

Off 12,14: Und der Frau wurden die zwei Flügel des großen Adlers gegeben, damit sie in die Wüste fliege, an ihre Stätte, wo sie ernährt wird eine Zeit und Zeiten und eine halbe Zeit [entspricht den 1260 Tagen aus Vers 6], fern vom Angesicht der Schlange.

In Offenbarung 12,13 sehen wir, dass die Schlange bzw. der Drache – das ist Satan –, auf die Erde geworfen wird, und zwar genau um diese Zeit. Dann hat er besondere Wut und besonderen Zorn und will insbesondere, wie wir das auch in Vers 13 sehen, die Frau, die das männliche Kind geboren hatte, verfolgen. Das ist dieser gläubige Überrest in Israel. Dann bekommt dieser Überrest die Möglichkeit, zu entfliehen.

Off 12,15-17: Und die Schlange warf aus ihrem Mund Wasser, wie ein Strom, hinter der Frau her, um sie mit dem Strom fortzureißen. Und die Erde half der Frau, und die Erde tat ihren Mund auf und verschlang den Strom, den der Drache aus seinem Mund warf. Und der Drache wurde zornig über die Frau und ging hin, Krieg zu führen mit den Übrigen ihrer Nachkommenschaft, die die Gebote Gottes halten und das Zeugnis Jesu haben.

Von den Juden wird das der Teil sein, der in Jerusalem zurückbleibt. Von denen in Jerusalem heißt es nämlich nicht, dass sie auch fliehen sollen. In Jerusalem wird ein Überrest zurückbleiben, und einen bestimmten Anteil von diesem Überrest finden wir in Offenbarung 11 in Form der zwei Zeugen. Ob das buchstäblich zwei sein werden oder ob das hier symbolisch gemeint ist – zwei ist die Zahl des Zeugnisses – das sei dahingestellt. Auf jeden Fall wird es in Jerusalem Zeugen geben. Nach diesen 1260 Tagen werden diese getötet und drei Tage später wieder auferstehen.

Auf jeden Fall wird es also zwei Gruppen innerhalb dieses geistlichen Überrests geben, der eine außerhalb von Israel und der andere in Jerusalem. Der in Jerusalem wird besondere Not haben, weil er einerseits von dem Antichristen verfolgt wird und andererseits von dem König des Nordens, der aus Strafe für das Aufrichten dieses Götzenbildes nach Israel geschickt wird und der auch Jerusalem belagern und zum Teil einnehmen wird. Darunter werden sie auch zu leiden haben. Sie werden also von innen wie von außen bedrängt werden und daher ganz besonders schreckliche Not haben.

Aber den anderen, die außerhalb von Israel sind, wird es auch schlecht ergehen. Und für sie ist es besonders schlimm, dass sie so weit entfernt sind von dem Tempel. Vorher, in den ersten dreieinhalb Jahren dieser sieben Jahre, werden sie die Möglichkeit haben, im Tempel, der dann wieder hergestellt sein wird, ihren Gottesdienst auszuüben. Diese Möglichkeit werden sie dann außerhalb Israels nicht mehr haben, und mit Sehnsucht werden sie daran zurückdenken. Das wird für sie eine ganz besondere innere Not sein, dass sie so weit entfernt sind von dem Heiligtum Gottes.

Sie besitzen auch nicht das Vorrecht, das wir haben, die wir jeder Zeit Eintritt in das Heiligtum haben. Das kennen sie nicht. Das Heiligtum stand in Jerusalem, und davon sind sie dann kilometerweit entfernt. Dazu kommt, dass, wo sie sind, dort auch Völker sind, die letztendlich unter dem Einfluss dieses Königs des Nordens, dieses großen Feindes Israels, stehen werden. Deswegen werden sie auch von diesen umliegenden Völkern, wenn auch zum Teil geduldet, hauptsächlich doch angefeindet werden. Auch dadurch werden sie große Not mitmachen müssen.

Das zweite Psalmenbuch, worin sich auch unser Psalm 69 befindet, beschäftigt sich eigentlich hauptsächlich mit diesem Teil des Überrestes, der außerhalb von Israel seine Zuflucht finden wird. Ein prägnantes Beispiel dafür finden wir in dem ersten Psalm dieses zweiten Buches, in Psalm 42,5:

Ps 42,5: Daran will ich mich erinnern und in mir ausschütten meine Seele, wie ich einherzog in der Schar, mit ihnen schritt zum Haus Gottes, mit der Stimme des Jubels und des Lobes – eine feiernde Menge.

Da denkt der Gläubige zurück an eine wunderbare Zeit, die aber vorbei ist, wo er noch Gottesdienst ausüben und zum Haus Gottes kommen konnte; jetzt ist das vorbei und nur noch in Erinnerung. Jetzt befindet er sich (Ps 42,7) in „dem Land des Jordan und des Hermons“, auf dem „Berg Mitzhar“, also weit entfernt von Jerusalem. Wenn diese beiden Überreste in ihrer Not gesehen werden, dann werden sie häufig als „die Gefangenen“ bezeichnet. Das ist so ein Ausdruck, den wir sowohl in den Propheten als auch in den Psalmen finden. Es ist immer diese Gruppe von Gläubigen gemeint, die entweder in Jerusalem oder außerhalb unter ganz großem Druck von außen eingesperrt ist und nicht herauskommen kann. Die einen kommen nicht aus Jerusalem heraus, die anderen nicht wieder nach Israel hinein, sie können nicht wieder zum Heiligtum kommen. Aber diese Gefangenen werden einmal befreit werden. In Psalm 69,34 lesen wir:

Ps 69,34: Denn der Herr hört auf die Armen, und seine Gefangenen verachtet er nicht.

Das ist diese Rettung, die für diese beiden Gruppen des Überrestes kommen wird. In Vers 36 lesen wir dann:

Ps 69,36: Denn Gott wird Zion [die Gruppe aus Jerusalem] retten und die Städte Judas [die Gruppe, die aus Juda fliehen musste] bauen; und sie werden dort wohnen und es besitzen.

In Sacharja 9,11.12 werden diese beiden gefangenen Gruppen auch erwähnt:

Sach 9,11.12: Und du – um des Blutes deines Bundes willen entlasse ich auch deine Gefangenen aus der Grube, in der kein Wasser ist. Kehrt zur Festung zurück, ihr Gefangenen der Hoffnung! Schon heute verkündige ich, dass ich dir das Doppelte erstatten werde.

Es ist von zwei Gruppen die Rede; die einen in der Grube, das sind die, die in Jerusalem eingeschlossen waren und die von allen Seiten bedrängt wurden, sie kamen da nicht heraus. Die werden aus dieser Grube entlassen werden. Dann gibt es welche, die zur Festung, d.h. nach Jerusalem, zurückkommen können, um ihren Gottesdienst zu feiern. Das sind die Gefangenen der Hoffnung, die wieder von außen zurückkommen können. Wenn wir diese Stellen lesen und sie besser verstehen wollen, dann müssen wir darauf achten, um welche Gruppe es sich dann handelt. Es ist oft einfacher, zu verstehen, was die Empfindungen der Gruppe von Gläubigen, die dort beschrieben ist, nun sind, wenn wir wissen, um welche Gruppe es sich handelt.

Juden außerhalb des Nahen Ostens und die zehn Stämme

Es wird natürlich auch außerhalb von Israel noch Juden geben, die während der 70. Jahrwoche weder zu dem ungläubigen Teil des Staates Israel noch zu dem Überrest gehören. Sie werden sich zum Beispiel in Nordamerika aufhalten, wo heute noch sehr viel Juden sind. Nach der Drangsal ganz kurz vor oder nach der Aufrichtung des Tausendjährigen Reichs werden diejenigen von ihnen, die sich bekehrt haben und daher nicht in den Gerichten umgekommen sind, zurückkehren in ihr Land. So lesen wir zum Beispiel in Jesaja 11,12: „Die Zerstreuten Judas wird er sammeln von den vier Enden der Erde.“ Auch diese werden dann einiges an Not hinter sich haben. So lesen wir in Jesaja 18,7 von solchen zurückkehrenden, dass sie „weithin geschleppt und gerupft“ sind. Was besonders erwähnt wird nach ihrer Rückkehr, ist, dass „Kummer und Seufzen entfliehen werden“ (Jes 35,10). 

Aber es gibt noch andere: Während die zwei Stämme Juda und Benjamin nach der Wegführung in die Babylonische Gefangenschaft wieder zurückgeführt worden waren, sind die zehn Stämme aus der Wegführung in die Assyrische Gefangenschaft nicht wieder zurückgekehrt. Bis zum Beginn des Tausendjährigen Reiches werden sie das auch nicht. Doch dann werden die heute noch verschollenen Stämme gefunden und wieder zurückgeführt werden. Es wird aus jedem Stamm Versiegelte geben, wie uns Offenbarung 7 zeigt. In Hesekiel 20,30-44 finden wir dann auch, dass Gott die Empörer und die von ihm Abgefallenen aussortieren wird, und nur die Gläubigen, die Versiegelten, werden wirklich ins Land kommen. Aus Matthäus 24,30.31 und Jesaja 11 geht hervor, dass diese Rückkehr erst nach der Wiederkunft Christi stattfinden wird. „Nach der Herrlichkeit wirst du mich aufnehmen“ (Ps 73,24) bedeutet auch nicht „in die Herrlichkeit aufnehmen“ und hat nichts mit In-den-Himmel-aufgenommen-Werden zu tun, sondern spricht von der Aufnahme ins Land Israel, wenn die Herrlichkeit des Herrn bei seiner Wiederkunft erschienen ist. Nebenbei bemerkt, so wie das dritte Psalmbuch hauptsächlich von dem Überrest aus den Städten Judas außerhalb Israel handelt, so handelt das dritte Psalmbuch von dieser Gruppe, die erst später zu dem Überrest zustoßen wird, aber dann mit ihnen zu einem Volk vereinigt werden. Die Verse in Hesekiel 37,15-28 zeigen, wie diese Vereinigung stattfinden wird, so dass von dem Bruch, der unter Jerobeam und Rehabeam geschehen ist, nichts mehr übrigbleiben wird.

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