Die Funktion und der Platz von Musik in der ├Ârtlichen Gemeinde

Roger P. Daniel

© SoundWords, online seit: 07.10.2012

Leitverse: 1. Korinther 14,15; Epheser 5,18-19; Kolosser 3,16

Anmerkung der Redaktion
Diesem Artikel stimmen wir in der Grundausrichtung zu, wenn wir auch die Begleitung des Gesangs mit Musikinstrumenten im Gottesdienst nicht gänzlich ablehnen so wie der Autor. Unter bestimmten Umständen kann es in einer örtlichen Gemeinde sehr hilfreich sein, wenn zum Beispiel ein Klavier zur Begleitung eingesetzt wird.
Musik gab es bereits im Himmel, als es noch keinen Sündenfall gab und selbst Satan noch nicht gefallen war. Roger Liebi schreibt hierzu Folgendes: „Musik ist älter als die Sünde. Gott offenbart uns in der Bibel, dass es Musik schon vor Jubal gegeben hat. In Hesekiel 28,1-10 wird über den Fürsten von Tyrus gesprochen. In den Versen 11ff. geht es aber um den König von Tyrus, den Satan, der im Herzen des Fürsten von Tyrus wohnte und herrschte. Dieser ,König‘ war ein Engel, ,ein gesalbter Cherub‘, der einst von Gott vollkommen erschaffen worden war. Später fiel dieser mächtige Engel in Sünde und wurde zum ,Satan‘. Dieser Sündenfall fand natürlich noch vor dem Sündenfall des Menschen statt (1Mo 3). Hesekiel teilt uns mit, dass dieser Engel noch vor seinem Fall ein Künstler auf dem Gebiet der Musik gewesen war, insbesondere auf dem Gebiet der Schlag- und Blasinstrumente (vgl. den Ausdruck ,Tamburine‘, ,Pfeifen‘ kann man auch mit ,Flöten‘ übersetzen). Am Tag der Erschaffung dieses Engels waren auch seine Musikinstrumente bereitgestellt worden. Diese Enthüllungen haben uns viel zu sagen: Musik ist älter als die Sünde. Sie spricht von der herrlichen Zeit, als es das Böse noch gar nicht gab. Diese Einsichten können uns sehr behilflich sein, um zu einer unverkrampften, guten biblischen Haltung und Einschätzung im Blick auf die Musik zu gelangen“ (Zeit & Schrift, 3/1998).
Sicher ist es ebenso wahr (wie auch R.P. Daniel schreibt), dass in die Menschenwelt die Musik durch die Linie Kains eingeführt wurde.

Ganze Bücher wurden über sogenannte religiöse Musik geschrieben, doch nach einigen einleitenden Bemerkungen wollen wir uns auf Musik als Teil unserer örtlichen Zusammenkunft beschränken.

Einleitung

Es gibt nahezu dreihundert Hinweise in der Bibel zu Lobliedern, Singen und Musik. Die Psalmen sind ein Liederbuch: Viele dieser Lieder rufen nach Vergeltung und passen deshalb nicht für unser heutiges Kirchenzeitalter. Nur ungefähr ein Dutzend dieser dreihundert Hinweise finden sich im Neuen Testament, und lediglich die Hälfte davon hat einen direkten Bezug auf die Funktion in der Zusammenkunft. Im Alten Testament wurden Lieder oft von Instrumenten, häufig auch mit Tanzen begleitet – als Ausdruck des Lobpreises, der aus dem Herzen zu Gott aufsteigt. Doch wir wollen unsere Unterweisung für Musik in der örtlichen Gemeinde nicht aus dem Alten Testament ableiten, weil sich die gesamte Ordnung für die Anbetung geändert hat.

In der alten Haushaltung gab es viele Formen und Zeremonien, mit Trompetensignalen usw. In Israel wurde der Mensch im Fleisch geprüft, und alles – einschließlich der schönsten Musik, die die „Religiosität“ des natürlichen Menschen anspricht – war erlaubt, um zu beweisen, dass „der natürliche Mensch nicht annimmt, was des Geistes Gottes ist“ (1Kor 2,14). Dennoch war die Stunde gekommen, wenn die wahrhaftigen Anbeter den Vater „in Geist und Wahrheit“ anbeten müssen, wie der Herr der samaritischen Frau in Johannes 4,22-24 sagte. Diese Anbetung sollte aus dem Innersten („in Geist“) hervorkommen und in Übereinstimmung sein mit der Offenbarung des Christentums („in Wahrheit“). Eine neue Ordnung der Dinge wurde gerade eingeführt (Phil 3,3)! R.K. Campbell sagt: „Da Gott ein Geist ist, ist geistliche Anbetung das Einzige, was Er akzeptiert. Geistliche Anbetung steht im Gegensatz zu religiösen Formen und Zeremonien … Das setzt jegliche menschliche Einrichtung beiseite, eindrucksvolle Zeremonien und Rituale, hervorgebracht durch den menschlichen Willen.“

Die Kraft der Musik

Musik hat große Macht über den menschlichen Willen und die menschliche Physiologie, d.h. die funktionellen Lebensvorgänge im Organismus. Musik kann besänftigen, aufreizen oder beherrschen. Siehe zum Beispiel Daniel 3,5-7: Nebukadnezar machte ein großes Bild und forderte dann, dass alle davor niederfielen und es anbeteten, sobald sie „den Klang des Horns, der Pfeife, der Zither, der Sambuke, der Laute, der Sackpfeife und aller Art von Musik“ hörten. Diese Macht, den Geist und den Körper zu beherrschen, konnte man auch bei Soldaten sehen, die mit Begleitung von Dudelsack oder anderen Instrumenten in den Krieg marschierten. Heutzutage kann man dieses Phänomen bei vielen Rockkonzerten sehen, wo „normale“ Jugendliche schnell außer Kontrolle geraten und wo häufig Drogen, Alkohol und Sex ungehindert und hemmungslos konsumiert werden, weil aufgrund der Musik die natürliche Zurückhaltung verlorengeht. Vieles, was heute „christliche“ Musik genannt wird, fußt auf demselben Rhythmus und auf Wiederholung einer oder mehrerer christlich klingender Phrasen, um der alten Natur zu „gefallen“. Nur wenig bleibt übrig, was wirklich christlich ist. Wir sollten uns daran erinnern, dass Instrumentalmusik mit den Nachkommen Kains anfing (1Mo 4,16-24) und seitdem ein Werkzeug Satans ist, um die Seelen der Menschen zu versklaven. Wir müssen uns wappnen gegen die Einführung von allem, was bloß darauf aus ist, die alte Natur zu unterhalten und das Wort Gottes innerhalb der örtlichen Zusammenkunft (oder anderswo) zu verderben. M. Costella (Foundation, 1-2, 97) schreibt: „Das Lob, die Herrlichkeit und die Ehre, die wir in den Worten der Loblieder finden, sind dazu gedacht, Gott die Ehre zu geben und Ihn zu verherrlichen; sie sind nicht dazu gedacht, uns physisch zu erregen oder zu reizen.“

Singen mit dem Verstand

1Kor 14,15: Was ist es nun? Ich will beten mit dem Geist, ich will aber auch beten mit dem Verstand; ich will lobsingen mit dem Geist, ich will aber auch lobsingen mit dem Verstand.

Korinther 14 ist ein bedeutender Abschnitt darüber, wie die örtliche Gemeinde „funktioniert“. Vers 15 sagt: „Ich will beten mit dem Geist, ich will aber auch beten mit dem Verstand; ich will lobsingen mit dem Geist, ich will aber auch lobsingen mit dem Verstand.“ Siehe auch die Verse 14 und 19. Das griechische Wort für Verstand ist nous und enthält den Gedanken „der Fähigkeit zur Erkenntnis und zum Verstehen, Fühlen, Urteilen und Entscheiden“ (Vine). Wenn wir einen Choral singen, müssen wir mit dem Verstand erfassen, was gesungen wird, und unterscheiden und feststellen, ob es schriftgemäß ist. Wir sollten ein Lied nicht einfach deshalb singen, weil es gerade populär ist oder weil wir die Melodie mögen. Der Geist muss beim Singen aktiv sein – der Teil unserer Person, der uns ermöglicht, alles, was wir tun, verstandesmäßig vor Gott zu untersuchen, einschließlich der Lieder, die wir singen. Wir würden sicher zustimmen, dass wir keine unbiblischen Gebete beten sollten. Nun, dasselbe sollte hinsichtlich unserer Lieder und Choräle der Fall sein. Wir sollten keinen unbiblischen Choral singen.

Viele Choräle – sowohl alte als auch neue – enthalten einfach keine schriftgemäße Botschaft. Dennoch lernen wir mittels der Kraft der Musik aus diesen Liedern zumindest einen Teil unserer Theologie und ertappen uns schließlich selbst dabei, falsche Lehre zu glauben oder zumindest Lehre, die nicht für die Kirche ist, sondern für Israel in der Vergangenheit oder in der Zukunft. Das ist nicht „das Wort der Wahrheit recht teilen“ (2Tim 2,15). Zum Beispiel gibt es ziemlich viele populäre christliche Lieder, die immer wieder betonen, dass der König kommt. Ja, unser Herr ist der König der Könige, und Er wird kommen, um einmal über die Erde zu herrschen. Er wird jedoch nicht über uns herrschen! Er ist der „König der Nationen“ (Off 15,3). Wir werden mit Ihm herrschen wie eine Braut mit ihrem Bräutigam (Off 19–20). Manche dieser Lieder könnten sehr passend sein für die Gläubigen nach der Entrückung, sollten aber, wenn überhaupt, in der heutigen Haushaltung der Kirche mit großer Vorsicht gebraucht werden. Wenn wir nun einen Choral oder ein Sonntagsschullied finden, das nicht schriftgemäß ist, dessen Melodie uns aber gefällt – sind wir da nicht wirklich nachlässig, wenn wir dieses Lied nicht aus unserem Liederrepertoire entfernen?

Das Singen Einzelner im Neuen Testament

Apg 16,25: Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobsangen Gott; die Gefangenen aber hörten ihnen zu.

Paulus und Silas waren schwer geschlagen worden und hatten ihre Füße im Stock. Sie saßen im inneren Gefängnis. Es war dunkel, kalt und schmutzig. Dennoch flossen ihre Herzen über in ein Lied für Gott. Singen wir Choräle, weil wir die eingängige Melodie mögen oder weil eine bestimmte Formulierung gut bei uns ankommt, oder singen wir Choräle, weil wir Gott loben wollen? Ihr Singen war ein großes Zeugnis für die Gefangenen, denn als Gott die Türen öffnete und die Ketten löste, blieben alle Gefangenen im Gefängnis, anstatt zu fliehen. Diese Lieder wurden von Gott in den Umständen benutzt und führten zur Errettung des Kerkermeisters in Philippi. Wenn wir im Herrn glücklich sind, sollten wir Ihm Loblieder singen (Jak 5,13).

Epheser 5,19 und Kolosser 3,16

Diese beiden Verse sind die einzigen Verse, die unmittelbar auf das Singen in der Gemeinde hinweisen. Ich sage „in der Gemeinde“, weil beide Verse in Briefen stehen, die an örtliche Gemeinden gerichtet sind.

Eph 5,18.19: … sondern werdet mit dem Geist erfüllt, redend zueinander in Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern, singend und spielend dem Herrn.

Kol 3,16: Lasst das Wort des Christus reichlich in euch wohnen, indem ihr in aller Weisheit euch gegenseitig lehrt und ermahnt mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern, Gott singend in euren Herzen in Gnade.

Diese beiden Verse deuten an, dass es neben dem erforderlichen Lehrdienst in der Gemeinde auch Gesang geben sollte. Wir werden nicht versuchen, die Unterschiede zwischen den Liedarten zu benennen; sicherlich decken sie den weiten Bereich ab, der Anbetung, Lob, Dank und Ehre für den Herrn Jesus und für Gott, den Vater, hervorbringt. Wie wir schon oben hervorzuheben versucht haben, ist es notwendig, dass diese Lieder geistlich sind, damit sie wirklich zur Ehre des Herrn sind. Choräle, die das Wort der Wahrheit nicht „recht teilen“ (2Tim 2,15), sind keine Loblieder, die der Heilige Geist uns singen lässt! Das sind keine Lieder, die erkennen lassen, dass wir dem Wort Gottes erlauben, reichlich in uns zu wohnen!

Musikalische Begleitung

Fast überall in religiösen Zusammenkünften wird der Gesang durch Klavier oder Orgel begleitet oder sogar von einer Gitarre oder anderen kleinen Musikinstrumenten. Tatsächlich geben viele „Kirchen“ große Geldsummen aus, um riesige Pfeifenorgeln anzuschaffen und zu unterhalten, und engagieren einen studierten Organisten samt einem Musikdirektor. Diese „Kirchen“ verstehen es, mit der Kraft der Musik ein Publikum anzulocken und an sich zu binden, ob die Zuhörer errettet sind oder nicht oder ob sie geistlich ernährt werden oder nicht. Nur wenige von uns würden leugnen, dass sie sich ihre Lieblingschoräle nicht gern von einem 1000-Stimmen-Chor gesungen anhören, der von hervorragenden Instrumenten begleitet werden. Keine Kassette oder CD ließe sich an das allgemeine „christliche“ Publikum verkaufen ohne musikalische Begleitung. Wir finden nichts falsch an Musikinstrumenten oder musikalischer Begleitung als solche. Viele von uns nutzen das Klavier oder die Orgel zu Hause und in der Sonntagschule und einigen anderen Zusammenkünften. Und – der Gesang wird in unseren Ohren besser!

Es gibt zunehmend Druck, solch eine musikalische Begleitung in den Zusammenkünften einzuführen (wie im Newsletter 98-12 beschrieben wurde), statt einfach nur ohne Begleitung zu singen. Das Argument ist oft, dass wir unseren Gesang zum Zeugnis für diejenigen, die ihn hören, verbessern müssten. Noch einmal: Der Gesang wird in unseren Ohren besser! Doch würde unsere geistliche Wertschätzung des Herrn, wie sie in den gesungenen Worte ausgedrückt wird, besser werden, oder würden wir abgelenkt werden – unsere Seelen wären zwar glücklicher, während unser Geist aber nicht näher beim Herrn wäre? Wir begannen diesen Artikel mit einem Zitat von R.K. Campbell zu Johannes 4. Das Prinzip der Anbetung und des Lobes in der Gemeinde ist, dass keine „menschlichen Mittel“ gebraucht werden. Unser Geist ist in Gemeinschaft mit dem Herrn durch „geistliche Mittel“ (1Kor 2,13, JND). J.N. Darby schrieb: „Judaismus nahm die [menschliche] Natur, um zu sehen, ob sich Religion darauf aufbauen ließe, nur um zu beweisen, dass es nicht funktionierte … Wir … gehören zu einer anderen Welt … aber [Musik] verdirbt jede Anbetung, indem das Vergnügen, der Genuss der Sinne, des Gefühls eingeführt wird in das, was aus dem Geist Gottes sein sollte“ (Letters, Bd. 3, 1881, S. 476).

Die Leute werden uns sagen, dass „spielen“ in Epheser 5,19 sich vom griechischen Wort psallo ableitet und den Gedanken enthält: mit der Harfe singen. Ich habe andere Werke gelesen, die den Gebrauch von psallo in der Kirchengeschichte verfolgen, und diese Schreiber bestreiten, dass nach den Berichten im Neuen Testament die frühe Kirche psallo gebrauchte, um Instrumentalbegleitung zu rechtfertigen. Ich habe keine Möglichkeit, um festzustellen, was wann gebraucht wurde, doch ich kann feststellen, dass Epheser 5,19 sagt, dass ich in meinem Herzen „spielen“ soll! Und zwar nicht mit äußerlichen Mitteln, sondern indem ich mit dem Geist erfüllt bin! Lies den vorhergehenden Vers! Deswegen glauben wir fest daran, dass die Lehre der Versammlungspraxis die ist, dass in den Versammlungszusammenkünften keine Musikbegleitung stattfinden sollte, und wenn man es doch tut, bedeutet das, dass der Herr und der Heilige Geist nicht genug sind und dass wir mehr daran interessiert sind, wie wir in unseren Ohren klingen als in den Ohren des Herrn.

Nachdem der Herr seine Jünger belehrt hatte und sie im Begriff standen, auf den Ölberg zu gehen, und der Herr an das Kreuz, „sangen sie ein Loblied“. Was für eine schöne Art und Weise, ihre Zusammenkunft zu beenden. Es gibt dort keinen Gedanken an Musikbegleitung! Wie fehl am Platz wäre das gewesen!

Angemessene Lieder

Wenn wir mit dem Verstand singen und durch den Heiligen Geist geleitet sind, werden wir angemessene, passende Lieder vorschlagen und versuchen, sie so zu singen, dass wir wirklich glücklich sind über das, was wir singen. Lieder für eine Evangelisationsveranstaltung werden nicht die christliche Erfahrung betonen. Ein Evangeliumslied wird man nicht gerade während des Brotbrechens vorschlagen oder während der Anbetung des Herrn. In gleicher Weise werden wir, wenn wir das Brot brechen und dabei des Todes des Herrn gedenken, kein Lied über unsere christliche Erfahrung vorschlagen oder über den Herrn als auferstanden und verherrlicht. Nicht jede Strophe eines Liedes ist für den Anlass gerade passend. Das ist die praktische Seite des Verstehens, in der wir alle geübt sein sollten.


Aus: The Assembly Messenger, 98-16
Quelle: http://www.inthebeloved.org/pdf/am016.pdf

Übersetzung: Stephan Winterhoff

Letzte Aktualisierung: 20.07.2017


Hinweis der Redaktion:

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