Die Bibel studieren ...
Reines „Kopfwissen“ oder mehr?

Charles Henry Mackintosh

© SoundWords, online seit: 01.10.2007

Es ist nicht einfach, jemand anderem zu sagen, wie er am besten die Bibel studiert. Die Tiefen der Heiligen Schrift, wie zum Beispiel die unerschöpflichen Reichtümer in Gott und die moralische Herrlichkeit der Person Christi, entfalten sich nur dem, der glaubt, entsprechend seinen persönlichen Bedürfnissen. Dies macht das Bibelstudium wirklich einfach, denn wir müssen nicht besonders intelligent, sondern nur einfältig wie ein kleines Kind sein. Gott, der Autor der Heiligen Schrift, muss unser Verständnis öffnen, damit wir ihre kostbare Lehre empfangen können. Und Er wird es tun, wenn wir mit aufrichtigem Herzen auf Ihn warten.

An eines sollten wir immer denken: Unsere Erkenntnis wird nur in dem Maße zunehmen, wie wir nach dem handeln, was wir bereits erkannt haben, nicht aber, wenn wir die Bibel nur wie ein Bücherwurm lesen. Wir können unseren Verstand mit biblischem Wissen füllen, und wir können die Lehren der Bibel kennen, ohne jedoch geistliche Kraft zu besitzen. Wir müssen die Bibel so lesen, wie ein Durstender nach Wasser lechzt, wie ein Hungernder sich nach Essen sehnt, wie ein Seemann zur Seekarte greift. Auf diese Weise müssen wir die Bibel lesen, weil wir ohne die Bibel nicht leben können. Wir studieren die Schrift jedoch nicht nur, sondern wir ernähren uns auch von ihr. Die Instinkte der göttlichen Natur führen uns zum Wort Gottes, so wie ein Baby nach Milch verlangt, durch die es wachsen wird. Der neue Mensch wächst, wenn er sich mit dem Wort Gottes ernährt.

Wir sehen also: Die Frage, wie wir die Schrift am besten studieren, ist durchaus real und praktisch. Sie ist eng verbunden mit unserem moralischen und geistlichen Zustand, mit unserem täglichen Wandel, mit unseren Gewohnheiten und unserer Lebensweise. Gott hat uns sein Wort gegeben, damit es unseren Charakter formt und eine Richtschnur für unser Verhalten ist und den Kurs unseres Lebens bestimmt. Es ist sehr töricht, wenn wir viel Bibelwissen anhäufen, ohne dass das Wort einen prägenden Einfluss auf uns hat und unser Leben bestimmt. Dadurch werden wir nur aufgeblasen und irregeleitet: Wir werden gleichgültig, unser Gewissen wird unempfindsam und stößt andere ab. Nichts liefert uns dem Feind mehr aus wie großes Kopfwissen ohne ein empfindliches Gewissen, ohne ein mitfühlendes Herz und ohne Aufrichtigkeit. Besonders schlimm ist es, die Wahrheit nur zu bekennen, ohne dass sie auf unser Gewissen einwirkt und in unserem Leben sichtbar wird. Es ist besser, wenig Erkenntnis zu haben, die Kraft verleiht, als viel Wahrheit zu bekennen, die jedoch nur mit dem Verstand und nicht mit dem Herzen erfasst wird und die keinen prägenden Einfluss auf unser Leben hat. …

Sollen wir zum Bibelstudium die Schriften anderer benutzen? Ich denke, dass große Vorsicht angebracht ist. Zweifellos kann der Herr die Schriften seiner Diener gebrauchen – und Er tut es auch, ebenso wie Er zu unserer Unterweisung und Erbauung auch ihren mündlichen Dienst gebraucht. Der Herr wird uns in seiner Gnade und Fürsorge mit den Schriften seiner Diener ernähren. Wenn wir von Gott abhängig sind, wird Er uns das richtige Buch in die Hand geben und uns mit der Speise versorgen, die uns nützt. Die Speise, die Er uns gibt, ist frisch, lebendig, kraftvoll und verändert uns, so dass wir in der Gnade und in der Erkenntnis unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus wachsen. Ein kostbares Wachstum!

Halten wir fest: Die Heilige Schrift ist die Stimme Gottes. Wir können die Heilige Schrift nur verstehen, wenn der Heilige Geist uns belehrt; Er offenbart dem Glaubenden nach seinen persönlichen Bedürfnissen die lebendigen Tiefen der Schrift. Das wollen wir niemals vergessen.

Letzte Aktualisierung: 15.10.2016

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