Der lehrmäßige Unterschied zwischen einem himmlischen Gläubigen …
… und einem Gläubigen des Tausendjährigen Reiches

James Butler Stoney

© SoundWords, online seit: 26.11.2005

Leitvers: Hebräer 3,1

Heb 3,1: Daher, heilige Brüder, Genossen der himmlischen Berufung, betrachtet den Apostel und Hohenpriester unseres Bekenntnisses, Jesus.

Versagen in Praxis und Lehre

Während jeder Gläubige nicht viele Schwierigkeiten hat, seine Unvollkommenheit in der Praxis einzugestehen, so betrachtet er sich doch im Allgemeinen selbst als korrekt in der Lehre. Er mag anerkennen, dass er unwissend ist über einen großen Teil der Wahrheit, aber sein Gewissen würde ihn nicht in Ruhe lassen, wenn er im Glauben wäre, dass ein bestimmter Teil dessen, was er vertritt, falsch wäre. Deswegen ist es viel schwieriger, einen Gläubigen von seinem Irrtum in der Lehre zu überzeugen als von seinem Versagen in der Praxis.

Es kann aber keine gesunde Praxis geben mit einem ruhigen Gewissen, es sei denn, dass man auch korrekt ist in der Lehre. Wenn einmal ein Gläubiger von Gott belehrt ist, dass er himmlisch ist, was seine Berufung angeht (Heb 3,1), dann mag er viel darin versagen, praktisch himmlisch zu sein (vergleiche 1Kor 15,48), aber wenn er die Lehre seiner Berufung kennt, dann findet er heraus, dass ihm eine Kraft geschenkt ist – insoweit er sich zu dem Herrn wendet –, um seinen Weg als himmlischer Gläubiger zu gehen.

Die gemeinsame Grundlage

In dem ersten großen Punkt der Lehre befinden sich der himmlische Gläubige und der irdische Gläubige zusammen auf demselben Boden. Von beiden sind die Sünden weggewaschen im Blut des Lammes: Diese eine große Wahrheit ist beiden gemeinsam, und das gilt für jeden Gläubigen von Grundlegung der Welt an. Nun, weil diese große Lehre ganz klar und unzweifelhaft für beide gilt, besteht die Tendenz und der Fallstrick, daraus zu schließen, dass das auch mit allen anderen Lehren genauso ist. Und dieser Fallstrick wird immer in einer Abwärtslinie gehen. Es wird immer zu dem Irdischen hinziehen und nicht aufwärts zu dem Himmlischen. Das bedeutet, die Berufung und der Segen des himmlischen Gläubigen werden herabgebracht auf die Ebene des Irdischen.

Irdisch und himmlisch

Nun, in den Ausdrücken irdisch und himmlisch selbst ist ein immens wichtiger Unterschied beinhaltet. Und der ganze Rest wird schnell gelernt, wenn man einmal diesen großen Unterschied zugestanden hat. Die wahre Schwierigkeit liegt darin, die Gläubigen von der Tatsache gut zu überzeugen, dass sie himmlisch sind in dem wahren Sinn des Ausdrucks. Die Christen erkennen das natürlich in einem allgemeinen Sinn an, weil sie wissen, dass der Himmel irgendwann mal ihre Heimat sein wird, aber niemand kann die himmlische Stellung erkennen, der nicht sieht, dass Christus von der Erde verworfen ist und dass der Gläubige, wenn er mit Ihm jetzt vereint ist, mit Ihm im Himmel, wo Er sich jetzt befindet, vereinigt sein muss. Und er muss auch sehen, dass, wenn er nicht mit Ihm dort vereinigt ist, er dann keine Verbindung zu dem abwesenden Christus hat, auch wenn er durch das Blut Christi von seinen Sünden befreit ist. Darüber hinaus ist er auf der Erde, wo Christus nicht regiert (denn Er muss zuerst kommen, bevor Er regiert). Das bedeutet, dass das Teil des Gläubigen heute, wenn er nicht mit Christus im Himmel verbunden ist, unendlich schlechter ist als das eines Gläubigen im Tausendjährigen Reich.

Der Gläubige im Tausendjährigen Reich wird das glückliche Bewusstsein der Herrschaft Christi über alles haben. Satan wird gebunden sein und Christus wird alles moralisch regieren, so wie die Sonne den materiellen Tag regiert. Christus ist nun abwesend, und wenn der Geist Gottes den Gläubigen zu Ihm im Himmel verbindet, wo Er ist, dann ist klar, dass er auf der Erde in einer schlechteren Position ist als der irdische Gläubige. Aber der Gläubige ist nun vereinigt durch den Geist mit Christus, und weil er zu einem himmlischen Christus gehört, ist der auf dem Weg zum Himmel, zu dem Platz, der ihm gehört, selbst wenn er noch auf der Erde ist.

Die Verbindung mit Christus

Ich werde jetzt nicht auf die verschiedenen Lehren eingehen, die den himmlischen Heiligen besonders unterscheiden und ihm besonders gehören. Ich möchte die Tatsache betonen, dass der Gläubige heute himmlisch ist – sowohl was seine Stellung als auch was seine Hoffnung angeht, weil er mit Christus im Himmel verbunden ist – und dass der eine große Unterschied zwischen einem irdischen Gläubigen und einem himmlischen der ist, dass der irdische nicht mit Christus im Himmel verbunden sein wird, sondern dass er auf der Erde ist, wenn der Herr regiert. Der Herr ist nun verworfen. Deswegen muss der Gläubige entweder verbunden sein mit der Welt und der Ordnung der Dinge hier auf der Erde oder er ist getrennt von dem Menschen hier auf der Erde, weil er verbunden ist mit Christus im Himmel. Einen Mittelweg gibt es da nicht.

Der Unterschied zwischen der heutigen Zeit und dem Tausendjährigen Reich ist sehr groß. Der Herr regiert jetzt nicht, aber Er wird dann regieren. Der Gläubige ist verbunden mit dem Herrn und er ist ein Geist mit Ihm. Das beinhaltet sehr viel, und wenn man diesen Unterschied wirklich und wahrhaftig zugestanden hat, dann wird alles andere als Konsequenz daraus folgen.

Die besondere Befreiung

Wenn ich mit Christus vereinigt bin, dann ist Er mein Leben. „Das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.“ Ich bin nicht nur wiedergeboren – das ist nämlich wahr von jedem Gläubigen (siehe Joh 3,3-12) –, sondern ich genieße ein anderes Leben durch den Heiligen Geist, und das kann es nicht geben ohne deutliche und wirkliche Befreiung von dem Menschen im Fleisch, so dass das Leben, was ich jetzt lebe im Fleisch, „ich lebe durch Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat“ (Gal 2,20). Hier bin ich tot, und mein Leben ist verborgen mit Christus in Gott. Der irdische Gläubige lebt hier auf der Erde, er ist nicht vereinigt mit Christus, er ist nicht gestorben; er ist ein Mensch, der tadellos lebt in all den Geboten und Satzungen des Gesetzes. Als vereinigt mit Christus, habe ich Christus in mir lebend. Ich muss Ihn leben, der hier nicht ist, an dem Platz, wo Er nicht ist, und damit ich dazu befähigt bin, bin ich mit Ihm verbunden, dort wo Er ist.

Das ist nun der große Unterschied – der himmlische Gläubige hat ein vollkommenes Bewusstsein von der totalen Befreiung von dem Menschen im Fleisch. Der Gläubige des Tausendjährigen Reiches dagegen ist durch Gnade befähigt, das zu tun, was Gott von dem Menschen im Fleische gefordert hat. „Ich werde mein Gesetz in ihre Sinne geben und werde sie in ihre Herzen schreiben: und ich will Ihnen Gott sein und sie sollen mir Volk sein“ (Heb 8,10). Der himmlische Gläubige steht nicht unter diesem Niveau in seinem Wandel, sondern er befindet sich noch weit darüber hinaus. Und wenn er das nicht ist, dann geht es ihm schlechter als dem Gläubigen im Tausendjährigen Reich, weil er jetzt dort ist, wo Christus nicht anwesend ist und nicht regiert.

Die Anbetung im Heiligtum

Darüber hinaus ist der Weg in das Allerheiligste nun offenbart. Wir – die himmlischen Gläubigen – „haben Zugang zum Eintritt in das Heiligtum durch das Blut Jesu, auf dem neuen und lebendigen Weg, den er uns eingeweiht hat durch den Vorhang hin, das ist sein Fleisch“ (Heb 10,19). Der irdische Gläubige – obwohl er gereinigt ist von seinen Sünden durch das Blut – kann nicht davon reden, innerhalb des Vorhangs zu sein, weil seine Haushaltung, in der er lebt, mit dieser Erde verbunden ist. Wenn wir zugestehen, dass unser Platz als Anbeter innerhalb des Vorhangs ist, dann gestehen wir einen weiteren großen Unterschied zwischen einem himmlischen und einem irdischen Gläubigen zu.

Der Platz im Himmel

Noch einen weiteren Unterschied möchte ich feststellen: Der Gläubige, der vereinigt ist mit Christus im Himmel, kennt die vollkommene Befreiung in Ihm, und da er im Allerheiligsten anbetet, besitzt er im Himmel einen durch Christus für ihn bereiteten Ort, wovon der irdische Gläubige niemals sprechen kann. Natürlich kann er davon sprechen, dass er den Herrn des Himmels und der Erde kennt, und einmal wird er auf der neuen Erde sein, wo Gerechtigkeit wohnt, wenn alle Dinge neu gemacht sind. Aber er kann nicht davon sprechen, dass ihm ein Platz bereitet ist im Haus des Vaters. Noch weniger kann er davon sprechen, dass er heute schon auferstanden ist mit Christus und dass er mitsitzen darf in den himmlischen Örtern in Christus. So sehen wir, dass es viele große Unterschiede gibt in der Lehre zwischen dem himmlischen und dem irdischen Gläubigen:

  1. Die Verbindung mit Christus ist anders; die Heiligen während seiner Verwerfung sind mit Ihm vereinigt, das ist ein Vorrecht, welches keiner anderen Gruppe von Gläubigen bekannt war oder geschenkt worden ist, weder den Gläubigen vor seinem ersten Kommen noch den Gläubigen nach seiner Wiederkunft.
  2. Die Befreiung ist anders, weil die Gläubigen zu Ihm vereinigt sind, in Ihm sind, und weil Er ihr Leben ist.
  3. Die Anbetung ist anders, denn der Gläubige befindet sich in völliger Befreiung innerhalb des Vorhangs.
  4. Während die Gläubigen vor dem Kommen Christi die Ausschau nach einer Zukunft eines Himmels hatten – „sie schauten aus nach einer „Stadt, die Grundlagen hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist“ –, weiß der Gläubige der Jetztzeit, dass Christus nicht nur einen Platz für ihn bereitet hat im Himmel, sondern er weiß auch, dass durch den Geist Gottes er dort droben ist in Ihm durch den Glauben, auf der andern Seite der Gläubige des Tausendjährigen Reiches seine Hoffnung und seine Stellung rein irdisch hat.

Die Bedeutung für die Praxis

Wenn wir diese Unterschiede zwischen den drei Klassen der Gläubigen (und ich denke, das kann niemand leugnen) anerkennen, ist es klar, dass jeder Gläubige, der seine Berufung als himmlischer Gläubiger aus dem Auge verliert, schwach sein wird in seiner Seele im Bezug auf alle diese Segnungen, von denen ich gesprochen habe, nämlich seine Verbindung mit Christus, seine vollkommenere Befreiung, die wahre Anbetung und der Platz – das Kanaan, das ihm von Gott gegeben ist.

Alle Heiligen sind auf diese Erde gesetzt, aber jede dieser drei Klassen werden zu einer sehr speziellen Beziehung dazu berufen. Die alttestamentlichen Gläubigen fanden, dass der Ausblick auf den Himmel die Befreiung von dem Chaos und dem Bösen hier auf der Erde war. Der Gläubige des Tausendjährigen Reiches wird fähig sein, alles hier auf der Erde zu genießen, weil die Macht des Bösen zurückgehalten wird und der Herr herrschen wird. Es bleibt daher nur übrig, zu betonen, dass die Heiligen, die während der Abwesenheit Christi auf der Erde sind, nicht durch das Irdische geprägt sein sollten, sondern, weil sie größere Segnungen empfangen haben, hier auf der Erde während seiner Abwesenheit ihren Weg gehen sollten, indem sie erforschen, wie sie Ihm gleich sein können, Ihm, den die Menschen abgelehnt haben, und wie sie sich von denen unterscheiden können, die Ihn abgelehnt haben. Der Fallstrick ist, dass – weil ihre Sünden vergeben sind und sie von der Furcht des Gerichtes befreit sind – sie sich zur Erde zurückwenden und Gunsterweisung Gottes in Verbindung mit der Erde erwarten. Und wenn sie das tun, geben sie praktischerweise die großen Wahrheiten auf, die sie von den irdischen Gläubigen unterscheiden, und sie sind notwendigerweise schwach in ihrer Praxis, weil sie schwach sind in der Lehre. Sie versagen im Zeugnis und werden nach dem Licht und der Möglichkeit, auf die sie nicht geantwortet haben, der Züchtigung unterworfen: „Denn auch unser Gott ist ein verzehrendes Feuer“ (Heb 12,29), und: „Eifersucht ist grausam wie das Totenreich“ (Hld 8,6).


„The Difference in Doctrine between a Heavenly and a Millennial Saint“, übersetzt aus Ministry  by J.B. Stoney, Bd. 10, 1874-79, S. 36-40,
zuerst erschienen als „Thoughts for the Day“ in der Zeitschrift A Voice to the Faithful, Bd 8, 1874, S. 247-256

Letzte Aktualisierung: 04.10.2017


Hinweis der Redaktion:

Die SoundWords-Redaktion ist für die Veröffentlichung des obenstehenden Artikels verantwortlich. Sie ist dadurch nicht notwendigerweise mit allen geäußerten Gedanken des Autors einverstanden (ausgenommen natürlich Artikel der Redaktion) noch möchte sie auf alle Gedanken und Praktiken verweisen, die der Autor an anderer Stelle vertritt. „Prüfet aber alles, das Gute haltet fest“ (1Thes 5,21). – Siehe auch „In eigener Sache ...