Der gegenwärtige und der zukünftige Zeitlauf (7)
Die Entrückung – unsichtbar für die Welt!

Botschafter

© SoundWords, online seit: 23.08.2006

Leitverse: Johannes 14,19; 1. Mose 5,24; 2. Könige 2,11

Joh 14,19: Noch ein Kleines, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber sehet mich: Weil ich lebe, werdet auch ihr leben.

1Mo 5,24: Und Henoch wandelte mit Gott; und er war nicht mehr, denn Gott nahm ihn hinweg.

2Kön 2,11: Und es geschah, während sie gingen und im Gehen redeten, siehe da, ein Wagen von Feuer und Rosse von Feuer, welche sie beide voneinander trennten; und Elia fuhr im Sturmwind auf gen Himmel.

1. Die Entrückung – unsichtbar für die Welt!

Nicht nur hat die Welt an der Entrückung der Versammlung keinen Teil, sondern sie sieht sie auch nicht. Dies scheint wenigstens aus folgenden Erwägungen hervorzugehen:

  1. Nichts von dem, was das Wort von dieser Entrückung sagt, gibt Veranlassung zu glauben, dass sie für die Welt sichtbar sei.

  2. Die Reden des Herrn, die Er an seine Jünger richtete (Joh 14), lassen uns vielmehr das Gegenteil schließen. Er sagt ihnen: „Noch ein wenig und die Welt sieht mich nicht mehr. Ihr aber sehet mich; weil ich lebe, werdet auch ihr leben“ (Joh 14,19). Eine aufmerksame Erforschung dieser ganzen Rede zeigt uns, dass, wenn der Heiland sagt: „Ich gehe hin“, es nicht „zum Tode“ gemeint ist – im Gegenteil betrachtet Er sich, indem Er über den Tod hinweggeht, als hätte Er schon sein Werk vollbracht (Joh 13,31; 17,4 usw.) –, sondern „zum Vater“; Er geht in das Haus des Vaters (Joh 14,2.6.12.28; 16,16-23.28). – Als Er starb, befahl Er zwar seinen Geist in die Hände des Vaters (Lk 23,46); aber erst nach seiner Auferstehung, als Er auf dem Punkt war, in den Himmel zurückzukehren, sagte Er zu seinen Jüngern:
    „Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott“ (Joh 20,17). Das „noch ein wenig“, welches auf dem Hingang des Heilandes folgte, ist nicht die Zwischenzeit zwischen seinem Tod und seiner Auferstehung, wenn es auch wahr ist, dass sich Jesus nach seiner Auferstehung nur den Jüngern zeigte und nicht der Welt. Wir finden aber, dass seine Jünger Ihn noch nach der Auferstehung fragten (Joh 16,23), und Er warf ihnen ihren Mangel an Verständnis vor (Lk 24,25). – Seine Jünger wurden nach seiner Auferstehung auch nicht seines Lebens teilhaftig gemacht; denn dies wird erst bei seiner Wiederkunft stattfinden (Kol 3,2.3). Dann werden sie „erkennen“, dass Jesus in seinem Vater ist und sie in Ihm und Er in ihnen; dann werden sie Ihn nicht mehr fragen, sondern Ihn von Angesicht zu Angesicht sehen und Ihn anbeten und preisen. Wir sagen also, dass das „noch ein wenig“, welches auf den Hingang des Heilandes folgt, nicht die Zwischenzeit von seinem Tod bis zu seiner Auferstehung ist, sondern die Zwischenzeit von seiner Himmelfahrt bis zu seiner Wiederkunft, die Zeit der Gemeinde – ein Geheimnis, welches die Apostel dazumal noch nicht begriffen, welche Zeit sie aber später mit demselben Ausdruck „noch um ein gar Kleines“ bezeichneten (Heb 10,37). Was nun aus diesem allem folgt, ist dieses, wenn der Herr zu seinen Jüngern sagt: „Noch ein wenig und die Welt sieht mich nicht mehr; Ihr aber sehet mich; weil ich lebe, werdet auch ihr leben“, so kann sich dies nur auf seine Ankunft, um seine Versammlung zu holen, beziehen, eine Ankunft, welche also der Welt unsichtbar bleibt.
    Dasselbe wird uns in Hebräer 9,27.28 gelehrt, wo gesagt ist, „dass der Herr zum zweiten Mal ohne Sünde denen, die ihn erwarten, zur Seligkeit erscheinen wird“. Er wird also nicht von allen gesehen werden, wie es später sein wird, wenn Er kommt, um die Welt zu richten.

  3. Alle Vorbilder von der Entrückung der Versammlung geben uns Veranlassung, diese Entrückung als eine der Welt unsichtbare zu betrachten. Von Henoch ist gesagt, dass, nachdem er mit Gott gewandelt war, „er nicht mehr vorhanden war, weil ihn Gott hinwegnahm“ (1Mo 5,24); „dass er entrückt wurde, damit er den Tod nicht sehen sollte; und ward nicht gefunden, weil Gott ihn entrückt hatte“ (Heb 11,5). Dies setzt voraus, dass niemand seine Entrückung sah.
    Als Elia gen Himmel entrückt wurde, erhielt Elisa als eine besondere Gunst die Erlaubnis, ihn auffahren zu sehen. Die Prophetenkinder selbst sahen nichts davon, und obschon sie von dieser Entrückung benachrichtigt waren, wollten sie doch, nachdem sie geschehen war, nicht daran glauben (2Kön 2). Wenigstens meinten sie, dass der Geist Gottes ihn auf irgendeinen Berg oder in ein Tal geworfen hätte.
    Der Herr Jesus selbst, der Erstling seiner Versammlung, wurde bei seiner Himmelfahrt nur von den Jüngern gesehen.

So wird es auch der Versammlung gehen. Sie wird nicht mehr gefunden werden, weil Gott sie hinweggenommen haben wird. Und also wird sie auch in ihrer Entrückung den Titel „Geheimnis“, welchen das Wort ihr gibt, rechtfertigen; sie ist ein Geheimnis in ihrer Bildung (Kol 3,10.11) und ihrer Zusammensetzung (Joh 1,12.13), ein Geheimnis in ihrem verborgenen Leben mit Christus in Gott (Kol 3,3.4), ein Geheimnis in ihrer Wanderschaft durch diese Welt, welche sie nicht kennt (2Kor 6,9.10), wie auch endlich ein Geheimnis in ihrem Hingang aus dieser Welt.

Es ist zwar wahr, dass ein so außerordentliches Ereignis nicht unbemerkt vor sich gehen kann. Man wird dieses Verschwinden bemerken; man wird davon ohne Zweifel in Bewegung gebracht werden und davon reden, wer weiß? Einige werden vielleicht in ihrer menschlichen Weisheit darüber urteilen, wie auch die Prophetenkinder über die Entrückung des Elias; aber die Welt wird sich deshalb nicht bekehren. Und wenn wir nicht begreifen können, wie es möglich ist, dass sie einem so großen Zeichen widerstehen kann, so erinnern wir uns, was bei der Auferweckung des Lazarus und bei der des Herrn Jesus selbst geschah. Als Lazarus angesichts einer Menge Juden auferweckt wurde, glaubten nur einige; die andern gingen hin und erzählten die Sache den Pharisäern; und diese, darüber erzürnt, dass man zu Lazarus lief als einem Zeugen der Macht Jesu, suchten beide, sowohl Jesus als auch Lazarus, zu töten (Joh 11,46; 12,10.11). Wir wissen, was sie bei der Auferstehung Jesu Christi machten, als sie dieselbe nicht leugnen konnten (Mt 28,11-15).

So weit geht die Verhärtung des menschlichen Herzens, wenn dasselbe von Gott verlassen ist; und dies wird dann für eine Welt, welche die Wahrheit lange von sich gestoßen hat, der Fall sein. Es werden aber etliche sich bekehren; denn Gott hat zu allen Zeiten seine Auserwählten und Heiligen. Etliche werden sich bekehren und werden die Verkündiger des Evangeliums des Reiches sein, indem sie die unterbrochene Predigt des Johannes des Täufers wieder aufnehmen. Sie werden sagen: „Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe gekommen. … Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt. Jeder Baum, der nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und in das Feuer geworfen.“ Als Prediger der Gerechtigkeit werden sie gleich Noah unter einem verdorbenen Geschlecht sagen: „Fürchtet euch vor Gott und gebt ihm die Ehre; denn die Stunde seines Gerichts ist gekommen!“ (Off 14,7). Denn wie nach der Entrückung Henochs das Verderben der Menschen zunahm, bis dass die Sündflut über eine mit Ungerechtigkeit erfüllte Welt hereinbrach, so wird es auch sein, wenn die Versammlung Gottes aus der Welt genommen ist. Das Böse wird überströmend sein, bis dass es, durch die Lästerungen des Menschen der Sünde auf dem Höhepunkt angekommen, das Gericht des Herrn über sich herabzieht.

Lasst uns nun schnell diese dunklen Tage – diesen traurigen Schluss des gegenwärtigen bösen Zeitlaufes –, welche jedoch Vorläufer des herrlichen zukünftigen Zeitlaufes sind, durchlaufen.


Entnommen aus Botschafter des Heils in Christo, Jahrgang 1857, S. 101-104
aus dem Französischen übersetzt
von der Redaktion sprachlich leicht angepasst

Letzte Aktualisierung: 04.09.2016


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