Das Wort Gottes oder persönliche Offenbarungen: Was?
Sollen wir zu der alten römischen Lehre „Hört die Kirche!“ zurückkehren?

Julius Anton von Poseck

© SoundWords, online seit: 23.04.2005

Leitverse: Psalm 43,3; 97,11; 119,105; Johannes 17,17

Ps 43,3: Sende dein Licht und deine Wahrheit; sie sollen mich leiten.

Ps 97,11: Licht ist gesät dem Gerechten und Freude den von Herzen Aufrichtigen.

Ps 119,105:
Dein Wort ist Leuchte meinem Fuß und Licht für meinen Pfad.

Joh 17,17: Dein Wort ist Wahrheit.

Vorwort der Redaktion
Dieser Artikel aus dem 19. Jahrhundert ist von Interesse für solche, die sich in den exklusiven Gruppen der Brüderbewegung aufhalten. Auch ohne Kenntnis der damaligen Situation – d.h. der Bedeutung der Personen und Städte – ist es verblüffend, zu sehen, dass dieselben Probleme, die heute in diesen Kreisen noch immer für Not sorgen, schon vor so vielen Jahren dieselben waren wie heute. Geschätzte Brüder fordern Unterwerfung unter nicht nachvollziehbare Beschlüsse; es wird von Bösem gesprochen, das keiner benennen kann; moralisch verwerfliche Verhaltensweisen im „Kampf um die (vermeintliche) Wahrheit“ werden bagatellisiert; Suggestivbehauptungen werden eingesetzt, um die Frage nach einer biblischen Begründung für separatistische Verhaltensweisen zu umgehen.

Bemerkungen von J.A. v. Poseck zu einem Brief von C.H.M.
Ein Brief an einen Freund, leicht verändert

Lewisham, 31.12.1881

Mein lieber Bruder,

ich hätte schon längst auf Deinen Brief vom 18. antworten müssen. Leider haben aber verschiedene Beschäftigungen meine Zeit so in Anspruch genommen, dass ich dazu nicht gekommen bin. Zunächst möchte ich Dir für Dein brüderliches Vertrauen danken. Was allerdings den Inhalt Deines Briefes angeht, so kann ich zur gleichen Zeit allerdings nur meine Trauer und Überraschung zum Ausdruck bringen. Ich bin überrascht, dass solch ein Artikel wie der von C.H.M., der als Hirte und Evangelist, aber zugleich als schwach in Versammlungsfragen bekannt ist, Dein gesundes geistliches Urteil in einer so einfachen Sache wie dieser verwirrt hat. Ich sage ganz bewusst „einfach“, denn wenn es jemals einen klaren Fall gab, wenn wir für unsere Leitung die Schrift zu Rate ziehen und nicht unsere eigenen Gefühle oder die Gefühle und Übungen einiger guter Männer, dann ist es sicherlich dieser.

Es ist völlig wahr, dass wir „diese Frage völlig aus dem Gebiet des menschlichen Gedankens und der menschlichen Handlungen herausnehmen und diese Sache einfach im Licht der Gegenwart Gottes betrachten“ sollten. Aber wenn wir dort in der Realität und Nüchternheit des Heiligen Geistes sind, dann wird der Beweis, dass wir in der Gegenwart Gottes gewesen sind, darin bestehen, dass wir das Wort Gottes bewahren. Ich kann nicht verstehen, wie jemand wegen einer Frage in die Gegenwart Gottes geht und seine Bibel dabei zurücklässt. Es ist schon ganz in Ordnung, über das „Abwägen“ der Dinge „auf der Waagschale des Heiligtums“ zu reden, aber wir dürfen nicht vergessen, dass die Heiligen Schriften „die Waage des Heiligtums“ sind, womit alle Dinge im Lichte der heiligen und gnädigen Gegenwart Gottes gewogen, bereinigt und geordnet werden müssen.

Ein anderes Ergebnis davon, in der Gegenwart Gottes gewesen zu sein, ist die Fähigkeit, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, das heißt unterscheiden zu können zwischen allem, was von Gott ist, der gut ist, und dem, was vom Teufel ist, der böse ist. Wenn ich mit Gott, dem Urheber und der Quelle allem, was gut ist, beschäftigt bin, dann lerne ich, das Böse zu erkennen. Wenn ich Leute reden höre, die sehr wenig von Gott und seinem lieben Sohn zu sagen wissen, aber umso mehr vom „Richten des Bösen“ und von der „Trennung vom Bösen“, ohne fähig zu sein, mir zu sagen, was denn eigentlich das Böse ist, das zu richten und von dem sich zu trennen ist, dann sage ich zu ihnen: „Setzt nur einen Buchstaben vor euer Lieblingswort [Anm. d. Red.: evil = „Böse“ / devil = „Satan“] und dann werdet ihr die ,Wurzel der ganzen Angelegenheit‘ herausfinden“, um mit den Worten von C.H.M. zu sprechen.

Eins ist klar: Wo Satan am Wirken ist, da wird, wie jemand anders gesagt hat, „Wahrheit, ich meine Wahrhaftigkeit, immer fehlen. Das habe ich immer bestätigt gefunden, wo der Feind am Wirken ist“ (J.N. Darby, Collected Writings, Bd. 20, S. 17). (Fußnote von J.A.v. P.: „Ich möchte euch und allen Heiligen ganz besonders das intensive Studium dieses Bandes im Licht der Schrift empfehlen.“)

Das Licht der Gegenwart Gottes bringt einerseits in uns Selbstgericht hervor sowie auch Gnade und Duldsamkeit gegenüber den Fehlern unserer Brüder, soweit sie uns persönlich betreffen. Auf der anderen Seite verblendet sie aber auch nicht unsere Augen in Bezug auf die charakteristischen Merkmale des Wirkens des Feindes durch Gewalt und Bedrückung, durch Täuschung und Ungerechtigkeit. Gottes heilige, doch gnädige Gegenwart bringt uns niemals dazu, solche bösen Taten mit milden Bezeichnungen wie „Unbesonnenheit“, „Missverständnis“ oder „Versagen“ abzumildern.

Das heilige Licht der Gegenwart Gottes, mit dem wir es zu tun haben (lasst uns das nie vergessen) und vor dem „kein Ansehen der Person“ ist, bringt ein ganz anderes Ergebnis hervor, nicht nur in Bezug auf unser Selbstgericht, sondern auch in Bezug auf das Urteil über „diejenigen, die drinnen sind“, anstatt nur „sich unter das Urteil einer anderen Versammlung zu stellen“ und einfach „einen Platz außerhalb der Sphäre einzunehmen, wo das Böse gerichtet werden muss“. [Anm. d. Red.: Gemeint ist: Wenn ich mich einfach einem Urteil anschließe, brauche ich mich mit dem, was böse genannt wird, selbst gar nicht auseinanderzusetzen und muss es damit auch gar nicht selbst verurteilen.]

Ich habe den Artikel [Anm. der Red.: Hier ist ein anderer Artikel gemeint als der von C.H.M.], aus dem Du das oben Genannte zitierst, nicht gelesen. Ich stimme mit dem Schreiber des Artikels (wenn ich Dein Zitat daraus richtig verstanden habe) völlig überein. Was die Aufgabe der christlichen Versammlung und Einzelner betrifft, so geht es darum, selbst zu urteilen und nicht nur sich unter das Urteil einer bestimmten Versammlung zu stellen, wo allgemeine göttliche Grundsätze, welche die ganze Kirche Gottes betreffen, einbezogen sind, das heißt, wo es nicht mehr nur um eine Frage örtlicher Zucht geht. Lass mich das an dem Park-Street-Beschluss betreffs Mr. Jull und Guildford Hall erklären. Ob Park Street recht hatte, die Frage aufzunehmen und zu entscheiden, so wie sie es tat, darauf will ich hier nicht eingehen. Aber ich frage: Enthielt die Ramsgate-Frage nicht allgemeine Grundsätze göttlicher Wahrheit, zumal in einer weitaus brisanteren Weise als im Fall von Dr. Cronin? Und waren diese Grundsätze nicht allgemein wichtig, nein, von lebensnotwendiger Wichtigkeit für die ganze Versammlung? Trotzdem besteht Park Street und alle ihre Anhänger (C.H.M. mit eingeschlossen) darauf, dass die Versammlungen überall in der Welt sich unter den Park-Street-Beschluss beugen. Das bedeutet (nach Deinem Zitat aus dem genannten Artikel), einen Platz außerhalb (oder in Gleichgültigkeit) einzunehmen in Bezug auf das Richten des sogenannten Bösen von Abbot’s Hill.

Lieber Bruder, Du kannst die völlige Widersprüchlichkeit der Park-Street-Parteigänger in ihren Aussagen, Schriften und Handlungen nicht übersehen. Das ist nicht verwunderlich, denn sobald Christen die „terra firma“ [Anm. der Red.: den festen Boden] der Schrift verlassen, kommen sie in die Sümpfe.

Ich gebe Dir ein anderes Beispiel solcher Widersprüche. C.H.M. sagt in seinem Artikel: „Einige mögen fragen: Warum musste gerade Park Street sich in diese Angelegenheit einmischen? – Wir antworten: Sie haben sich nicht in diese Angelegenheit eingemischt; sie wurde ihnen aufgezwungen, sie waren verpflichtet, sich damit auseinanderzusetzen. Das könnte auch jeder anderen Versammlung in London oder sonst wo passiert sein, und wir hätten ihre Entscheidung akzeptieren müssen. Es ist ein Fehler, anzunehmen, dass Park Street in diesem Fall irgendeinen erzbischöflichen Einfluss oder eine derartige Position eingenommen hat.“ Es ist allerdings Tatsache, dass einige Zeit bevor Park Street sich der Ramsgate-Frage angenommen hat, eine andere Versammlung in London in der Hazelville Road sich schon dieser Angelegenheit angenommen hatte, als die Frage „ihnen aufgezwungen worden war“, um die Worte von C.H.M. zu gebrauchen. Sie hatten damals schon Abbot’s Hill abgewiesen. So waren sie also in Bezug auf Abbot’s Hill zu derselben Entscheidung gekommen, bevor Park Street auch diese Entscheidung gefällt hat. Jetzt frage ich: Wenn Park Street in diesem Fall keinen „erzbischöflichen Einfluss oder eine derartige Position eingenommen hat“, warum genügte dann die Entscheidung der Zusammenkunft in Hazelville Road in Bezug auf Abbot’s Hill nicht, und warum haben Park Street und die anderen Versammlungen in London und sonst wo „sich nicht daruntergestellt“, wie es Park Street jetzt von anderen verlangt? Du siehst, es ist alles widersprüchlich, von Anfang bis zum Ende.

Ich wage zu sagen, dass es kaum einen ernsthaften Gläubigen gegeben hat, der nicht genauso wie C.H.M. durch tiefe Konflikte und Übungen vor dem Herrn im verborgenen Kämmerlein gegangen ist, und so viel man auch solche verborgenen Übungen der Seele respektieren mag, insbesondere solche von einem alten und geehrten Diener Christi – doch wenn sie gedruckt werden sollen, müssen sie sich der Diskussion stellen, insbesondere wenn sie bewusst als Mittel benutzt werden, um die Heiligen Gottes in einer so ernsten Frage zu beeinflussen. C.H.M. sagt uns, dass er „geseufzt und geweint und gebetet und gelitten hat in einer Weise, die er nicht beschreiben kann“. Und nachdem er uns einen langen Bericht dieser Übungen gegeben hat, sagt er, dass „sie für das gehen müssen, was sie wert sind“. Aber er scheint offensichtlich zu denken, dass sie einen großen Weg gehen sollten, um das Urteil seiner Freunde und anderer zu beeinflussen. Das ist sicherlich nicht der Weg für Gottes geliebte Heilige, ihre Schwierigkeiten „göttlich gelöst“ zu bekommen. Der richtige Weg für solch eine Lösung ist: betende Beschäftigung mit der Schrift in der heiligen Gegenwart Gottes, so wie uns das Psalm 119 in den Versen 41, 42, 104, 105, 114, 125, 128, 130, 131, 133, 135, 136, 151, 152, 173 und 2. Timotheus 3,14-17 zeigen.

Der einzige Ausdruck, der sich in dem Brief von C.H.M. bezüglich dieser Frage der Schrift nähert, ist seine Aussage, dass es hier um eine Frage der „Einheit des Leibes“ geht und dass diese Einheit, „koste es, was es wolle, bewahrt und offenbart werden muss“. Doch ein Ausdruck, der sich der Schrift nähert, ist nicht die Schrift selbst und oft umso gefährlicher, je enger er sich der schriftgemäßen Wahrheit zu nähern scheint. In Epheser 4 wird uns gesagt, dass wir uns befleißigen sollen, „die Einheit des Geistes“ zu bewahren. Das ist etwas ganz anderes. Der Gedanke, die „Einheit des Leibes, koste es, was es wolle, zu bewahren“, ist ein großer Grundsatz in der römischen Kirche. Niemand hat daran gedacht, Dr. Cronin zu bezichtigen, er habe „die Einheit des Leibes“ verletzt, sondern vielmehr die „Einheit des Geistes“.

Und ich frage: Wer hat so gesündigt gegen die Wahrheit von der „Einheit des Geistes“ oder gegen das Bewahren der „Einheit des Leibes“ (wenn Du C.H.M.s Ausdrucksweise benutzen möchtest) wie jene, deren Urteil sich zu unterstellen C.H.M. empfiehlt, d.h. wie jene in Park Street?

Und wenn er fortfährt, indem er sagt, wir „dürfen niemals den göttlichen Boden des Versammelns verlassen, der in jenen kostbaren Worten ‚Da ist ein Leib‘ zum Ausdruck kommt“, dann kann ich nur sagen, dass ich die überaus große Bedeutung dieser Wahrheit voll anerkenne. Aber ist das „der Boden unseres Versammelns“? Es ist wahr, wir „werden aufgebaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten“; aber aufbauen ist nicht versammeln. Wir sind nicht versammelt zu einem Grundsatz, sondern zu einer Person. Die Gemeinde (als Wohnort oder Gebäude) wird aufgebaut auf einer Grundlage, aber versammelt zu einer Person. Deswegen von einem Boden des Versammelns zu reden (und einen Vers der Schrift, „da ist ein Leib und ein Geist“, zu diesem Boden zu machen) – ist das schriftgemäß? Ist das nicht ein theologischer Boden? Das einzige Zentrum unseres Versammelns ist die gesegnete Person unseres Herrn Jesus Christus, und wir sind zu seinem Namen hin versammelt. „Wo zwei oder drei versammelt sind zu meinem Namen hin, da bin ich in ihrer Mitte“, spricht der Herr. (Fußnote von J.A.v. P.: Die Realität des Leibes Christi und seine Vereinigung mit dem Haupt und der Glieder miteinander, die zuerst zu Pfingsten aufgerichtet wurde, muss deutlich unterschieden werden von dem Verständnis seines Charakters, und auf jener Grundlage zu sein, muss von der Erkenntnis davon unterschieden werden. Wenn wir zu dem Namen des Herrn versammelt sind, dann sind wir auf der Grundlage der Versammlung, die Christi Leib ist, versammelt.)

Ein Lehrsatz, wie gesegnet auch immer, kann nicht „die Grundlage unseres Versammelns“ sein. Dies würde uns zu einer Sekte mit einem Glaubensbekenntnis herabstufen. Die Versammlung als ein göttlicher Bau hat eine lebendige Grundlage, eben Ihn selbst, der Grund- und Eckstein ist und der Schlussstein, gepriesen sei für immer sein großer Name. Ich hoffe, dass Du und ich, lieber Bruder, uns nicht dahin bewegen, die „Grundlage der Apostel und Propheten“ auf einen einzigen Vers zu reduzieren und seine herrliche und wunderbare Person durch ein „Glaubensbekenntnis“ zu ersetzen oder seinen heiligen Namen durch menschliche Namen ersetzen zu lassen, wie etwa „Jull“ oder „Guildford Hall“, was sicherlich dann noch schlimmer wäre als „Paulus“ oder „Kephas“ oder „Apollos“.

Möge der gute Herr Dich befreien und leiten, geliebter Bruder, und es Dir schenken, dass Du erkennen kannst, dass Deine gegenwärtige „Buße“ sicherlich eine „zu bereuende Buße“ ist und Dich zu einer besseren „nicht zu bereuenden Buße“ führt.

In Treue und von Herzen
Dein Bruder in Christus
J.A. v. P.

PS.: C.H.M. hat die Gewohnheit, sich in Antithesen (das heißt mittels Gegensätze) auszudrücken, die dem oberflächlichen Leser sehr einleuchtend erscheinen, die aber sehr trügerisch sind. Zum Beispiel sagt er: „Wenn Gott Dir das Böse nicht zeigt, dann kann es kein Mensch; wenn Er es tut, braucht es kein Mensch mehr.“ Wir erkennen die Wahrheit von 1. Johannes 2,20.27 selbstverständlich voll an. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass Gott uns sein Wort als eine Lampe für unseren Fuß und als ein Licht für unseren Weg und zur gesunden Lehre gegeben hat. Außerdem hat der Herr uns Lehrer gegeben, begabt durch den Heiligen Geist, um das Licht seines geschriebenen Wortes in seinen ewigen Grundsätzen der Wahrheit anzuwenden, damit die praktischen Einzelfälle geklärt werden können. Wenn wir in betender Gemeinschaft mit Ihm sind, dann zeigt Er uns seinen Willen und seinen Weg. Er hat keine Freude daran, uns „das Böse zu zeigen“, sondern Er bringt uns dazu, das Böse zu „meiden“, indem Er uns das zeigt, was gut ist, und uns mit sich selbst beschäftigt, der gut ist, und mit seinem Christus, welcher der Abdruck seines Wesens ist, und indem Er uns durch seinen Geist auf den grünen Weiden seines Wortes nährt, die die Schönheiten und Herrlichkeiten Christi widerspiegeln.

Und wenn wir also beschäftigt sind nicht mit dem, was böse ist, sondern mit allem, was wirklich wahr und rein und gut ist, das heißt mit dem Göttlichen, dann werden wir im Licht seiner Gegenwart und seines Wortes klar sehen, um zu entdecken und zu richten, was böse ist. Es ist ein schlechtes Zeichen, wenn sich jemand auf besondere göttliche Offenbarungen stützt als Mittel, um das Böse zu entdecken und zu verurteilen.

C.H.M. sagt weiter: „Wenn jemand seine Beherrschung verliert, während er zu beweisen versucht, dass zwei und drei zusammen fünf sind, dann bin ich traurig, dass er seine Beherrschung verloren hat, aber deswegen bleiben doch zwei und drei fünf.“ C.H.M. zieht aus einer erst zu beweisenden Voraussetzung einen Schluss (was er seinen ganzen Artikel hindurch tut), anstatt erst einmal die Voraussetzung zu beweisen. Aber – um für einen Moment einmal seine eigene Illustrationen zu benutzen – wenn jemand, während er etwas zu beweisen versucht, von dem er glaubt, dass es wahr ist, nicht nur seine Beherrschung verliert, sondern sich zu allen Arten von Ungerechtigkeit und Unwahrhaftigkeit und Täuschung hinreißen lässt, wird er kaum Leute von der Wahrheit, die er aufrechterhalten will, überzeugen können. Solche arithmetischen Illustrationen haben wenig Sinn; sie sind sogar irreführend, wenn sie auf die göttliche Wahrheit angewendet werden, die nicht bewiesen werden muss, sondern sich selbst beweist und ihre eigene Autorität aufrechterhält. Diese göttliche Wahrheit bewahrt auch solche, die in Sanftmut, aber auch in Treue und Aufrichtigkeit davon Zeugnis tragen wollen auf dem geraden, wenn auch schmalen Weg der Gerechtigkeit und der Wahrheit und des Friedens, in dem Geist jener „Weisheit von oben“, die „erstens rein, dann friedsam, milde, folgsam, voll Barmherzigkeit und guter Früchte, unparteiisch, ungeheuchelt“ ist. „Und die Frucht der Gerechtigkeit wird denen gesät, die Frieden stiften.“

Jemand, der von der rein menschlichen Seite auf die göttliche Seite gegangen ist, der wird nicht Bosheit mit dem milden Ausdruck „hat seine Beherrschung verloren“ noch Unwahrhaftigkeit mit „Unbesonnenheit“ noch Lügen und Schlechtmachen mit „Irrtümern und Fehlern“ bezeichnen noch wird er solche, die keinen Weg sehen, sich den Handlungen und der kirchlichen Anmaßung und Unabhängigkeit von Park Street unterwerfen zu können, der Verletzung der Einheit des Geistes bezichtigen. Er wird auch nicht auf der anderen Seite solche rechtfertigen, die die Versammlung Gottes über das ganze Land hinaus trennen, indem er sagt, es sei wichtiger zu bewahren, was er [Anm. der Red.: gemeint ist wohl C.H.M.] „die Wahrheit“ nennt, als „die Leute zusammenzuhalten“.

In Bezug auf Park Street sagt C.H.M. weiter, dass, „das Einzige, was wir zu tun haben, ist, dankbar das Urteil unserer Brüder, die sich in Park Street versammeln, anzuerkennen. Wenn dieses Urteil falsch ist, wird Gott das zu seiner Zeit und auf seine Weise offenbar machen.“ Ich hörte neulich, wie ein junger dienender Bruder im Süden von England versuchte, das Urteil einer Versammlung zu einer Unterwerfung unter Park Street zu bekommen, indem er sagte, der sicherste Weg für sie würde sein, Park Street zu folgen; denn wenn sich herausstellen würde, dass Park Street richtig wäre, umso besser für sie; wenn sich aber herausstellen würde, dass Park Street falsch liegt, dann würden sie zumindest nicht dafür getadelt werden, dass sie ihrem Urteil gefolgt sind. Ich nehme an, dass dieser Bruder C.H.M.s Artikel gelesen hat; wenn das nicht die Schnellstraße nach Rom ist, dann weiß ich nicht, was es ist.

Es ist schmerzlich, lieber Bruder, so einen Artikel eines alten und geehrten Dieners Christi zu kommentieren. Aber Christus und seine Wahrheit ist wichtiger als selbst der herausragendste seiner Diener. Und wenn dieser Diener selbst irregeführt wird und ein Werkzeug des Feindes wird, um die kostbare Herde Gottes mittels seines Einflusses und seiner Stellung zu verführen, dann ist es Zeit, die Heiligen zu warnen, damit sie nicht „durch überredende Worte verführt“ werden.

„Für die Freiheit hat Christus uns frei gemacht; steht nun fest“ (Gal 5,1).


Originaltitel: “The word of God, or private revelations: which? Are we to return to the old Romish doctrine: ‘Hear the Church?’
Remarks on C.H. M[ackintosh]’s letter. A letter to a friend, slightly altered.”

Letzte Aktualisierung: 02.02.2017


Hinweis der Redaktion:

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