Bist du bereit, wenn der Herr heute käme?
Offenbarung 19,7.8

A.J. Atkins

© SoundWords, online seit: 08.04.2003

Leitverse: Offenbarung 19,7.8

Off 19,7.8: Lasst uns fröhlich sein und frohlocken und ihm Ehre geben; denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Frau hat sich bereitet. Und es ward ihr gegeben, dass sie sich kleide in feine Leinwand, glänzend [und] rein; denn die feine Leinwand sind die Gerechtigkeiten der Heiligen.

Einleitung

Der Herr kommt! Und Er kommt, wie wir glauben, sehr bald (Off 3,11). Dies scheint überall die tiefste Überzeugung geistlicher Christen zu sein. Beinahe ein Jahrhundert ist vorübergegangen [der Artikel wurde vor 1930 geschrieben; Anm. d. Red.], seit der Ruf durch die Christenheit ging: „Siehe, der Bräutigam.“ Seit jener Zeit haben sich die Anzeichen an Zahl und Bedeutung vermehrt. Jetzt sind sie sehr zahlreich. Selbst die Welt fühlt es seit langem, dass sich etwas zutragen wird. Die Gemeinde hat keine Zeichen nötig, doch dort scheinen sie gleich Leuchtsignalen und warnen alle, die Augen haben zu sehen, dass die Stunde der Erscheinung, der sichtbaren Wiederkunft Christi nahe herbeigekommen ist. Wenn nun die Entrückung der Heiligen der sichtbaren Wiederkunft Christi in Macht und großer Herrlichkeit einige Zeit vorausgeht, so müssen die Zeichen des Herannahens der letzteren auch Zeichen von der noch näheren Stunde der Entrückung nach 1. Thessalonicher 4 sein.

Passend gemacht

Da sein Kommen nun so nahe ist, erhebt sich mit großer Dringlichkeit die Frage: „Sind wir bereit?“

In einem Sinne ist dies gewiss jeder wahre Gläubige, denn wir lesen: „Danksagend dem Vater, der uns fähig gemacht hat zu dem Anteil an dem Erbe der Heiligen in dem Lichte“ (Kol 1,12). Ja, als „gewaschen, geheiligt und gerechtfertigt in dem Namen des Herrn Jesu und durch den Geist unseres Gottes“ ist jeder Heilige bereit zur Entrückung in die Herrlichkeit und wird in dieser Hinsicht dazu nie passender, denn dies ist völlig eine Sache der göttlichen Gnade. Kein Werk, das wir hätten tun können, hat hier eine Bedeutung. Unser Anrecht an die Herrlichkeit liegt nur in dem Blute Christi und in nichts anderem.

Praktisch passend sein

Doch es gibt noch eine andere Seite. Wenn wir die Schrift richtig lesen, finden wir, dass es auch ein praktisches Passendsein gibt, ein Zubereiten des Herzens und ein Richten der Wege, was eine Anzahl Stellen aufzeigen. Wir lesen z.B. unter anderem: „Die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Frau hat sich bereitet“ (Off 19,7). Dieses Fertigmachen, wie alles andere, ist die Frucht der Gnade, gegründet auf das große Werk auf Golgatha, aber da es ein praktisches Bereitmachen ist, so setzt es ein Werk voraus, in dem unsere Mitarbeit nötig ist. Denn beachte die Worte: „hat sich bereitet“. Dies ist, was wir betonen möchten, eine ernste und dringende Angelegenheit von der größten Bedeutung für einen jeden wiedergeborenen Christen.

Lasst uns nun ein wenig näher besehen, was dieses „Sichbereiten“ in sich schließt und wie es vonstatten geht. Vor allem ist es ein Zubereiten des Herzens und der Zuneigungen. Kenntnis des prophetischen Wortes ist gut und auch notwendig. Auch eine Unterscheidung der Wahrheit hinsichtlich der Zeitverwaltung ist wesentlich zu einem rechten Verständnis der Dinge des Glaubens. Doch in erster Linie schaut der Herr nach Liebe sowie einem Verlangen nach Ihm aus. Nichts anderes kann einen Mangel hierin ersetzen. Wenn aber Liebe vorhanden ist, dann zeigt sich dies sicherlich in einem freudigem Warten auf seine Wiederkehr (1Thes 1,9.10), in einem Bestreben, Ihm zu dienen, und darin, dass wir ein Empfinden dafür haben, was Ihm wirklich wichtig ist.

Es ist also gut, von Herzen und in Aufrichtigkeit die Fragen an uns zu stellen: Ist etwas zwischen unseren Herzen und Ihm? Gibt es geheime Vorbehalte in unseren Seelen? Haben wir Dinge geplant, die dazu angetan sind, in unseren Herzen den Gedanken an sein Kommen hinauszuschieben? Sind wir in Geschäfte verwickelt, von denen wir gern frei sein möchten, wenn wir wüssten, dass Er morgen wiederkommen würde? Sind wir mit irgendwelchen Bestrebungen, unguten Freundschaften oder mit solchen Dingen verbunden, die uns bei seinem Kommen beschämen würden? Möchten wir Gnade haben vor Ihm, über alle diese Dinge geübt zu sein und, wenn nötig, in seiner Gegenwart klar darüber zu werden, damit wir mit Herzen, die uns nicht verurteilen, in Liebe zu Ihm leben und mit Eifer uns bemühen, Ihm zu gefallen, und mit Freude nach seinem Reich und seiner Herrlichkeit ausschauen. Dies bedeutet, kurz gesagt, in Bezug auf unsere Zuneigung bereit zu sein.

Das Kleid von feiner Leinwand

Doch dies ist noch nicht alles. Wir lesen hinsichtlich der Frau des Lammes: „Und es ward ihr gegeben, dass sie sich kleide in feine Leinwand, glänzend und rein, denn die feine Leinwand sind die Gerechtigkeiten der Heiligen“ (Off 19,8). „Feine Leinwand“ erinnert uns an das Zelt der Zusammenkunft, wo sie einen auffallenden Platz einnahm und auf Christus hinwies und seine vollkommene und unbefleckte Reinheit als „den Gerechten“ darstellte. Wie liebt Er Gerechtigkeit und hasst Gesetzlosigkeit. Doch hier in dem Buch der Offenbarung sehen wir, dass das, was ohne Einschränkung von Ihm wahr war, dem Zustand nach wahr geworden ist von denen, die ewig an seiner Seite sein werden. Das Kleid, das sie dann tragen, wird jetzt bereitet. Jede gerechte Handlung auf Erden seitens der Heiligen fügt dem Gewebe und seiner Schönheit etwas hinzu. Es heißt: „Seine Frau hat sich bereitet“, und Psalm 45,14 lautet: „In Kleidern von Nadelarbeit wird sie zum König geführt werden.“ Kleider sind das, worin wir vor anderen erscheinen. Sie reden im Vorbild von unserem Wandel und unseren Wegen. Der Herr wünscht uns in einer Tätigkeit, die zeigt, dass wir auch hinsichtlich unseres Verhaltens bereit sind.

Aber Verhalten, Wandel und Wege sind äußerlich und zeugen davon, was wir innerlich sind. Daher ist ein inneres Passendsein ebenso nötig wie ein äußeres, Heiligkeit so sehr wie Gerechtigkeit. Deshalb lesen wir: „Jeder, der diese Hoffnung zu ihm hat, reinigt sich selbst, gleichwie er rein ist“ (1Joh 3,3). „Ohne Heiligkeit wird niemand den Herrn schauen“, das ist eine unbedingte Notwendigkeit, und doch, nach der Herrlichkeit der Gnade Gottes werden wir Ihm gleich sein, denn „wir werden ihn sehen, wie er ist“ (1Joh 3,3). Die Aussicht darauf – und so groß ist das „es ist noch nicht offenbar, was wir sein werden“ – ist eine Hoffnung, die eine wunderbar gestaltende Kraft und reinigende Wirkung in sich birgt. Es ist eine wahrhaft gesegnete Hoffnung, aber auch eine reinigende. Wir müssen auch dem Charakter nach bereit sein, und wenn wir über diese Hoffnung nachsinnen und ihr Raum geben, uns zu beeinflussen, dann wird dies jene persönliche Reinheit zuwege bringen, ohne die niemand Gott schauen wird.

Geschmückte Lampen

Dann möchten wir noch einen weiteren Gedanken betreffs des Passendseins aufnehmen, das in Bezug auf das Kommen des Herrn nötig ist. Es ist in dem Gleichnis von den zehn Jungfrauen in Matthäus 25 enthalten. Wohl ist es wahr, dass dieses Gleichnis von dem Reich der Himmel und nicht von der Kirche redet und dass die Jungfrauen nicht die Gemeinde vorbilden. Doch andererseits stellen die zehn Jungfrauen ein Verhältnis vor, in das solche gebracht sind, die der Gemeinde angehören. Aus diesem Grund hat jenes Gleichnis auch uns etwas zu sagen. Wir lesen: „Da standen alle jene Jungfrauen auf und schmückten ihre Lampen.“ Die klugen Jungfrauen hatten Lampen, sie hatten Öl, es war Licht da, aber das Licht war trübe geworden, weil der Docht nicht in Ordnung war. Es hat nun aber wenig Wert, den Docht in Ordnung zu bringen, wenn kein Öl da ist, und umgekehrt, wenn dieses vorhanden ist, muss auch der Docht in Ordnung sein, wenn das Licht scheinen soll. Das Licht redet vom Zeugnis. Wir sind als Lichter gesetzt, um in dieser finsteren Welt zu scheinen, „darstellend das Wort des Lebens“. Tun wir dies? Wenn nicht, ist dann nicht alle unsere Kenntnis von dem Kommen des Herrn in weitem Maße eitel? Denn nur wenn wir uns dieser Wahrheit entsprechend verhalten, ist sie jene Kraft, der keine andere gleichkommt, um das Volk Gottes in Bezug auf das Evangelium zu beeinflussen.

Wie wir in Offenbarung 22,17 lesen, ruft die Braut im Einklang mit dem Geist: „Komm.“ Doch dann blickt sie auch auf die Not der Welt und ruft: „Wen da dürstet, der komme.“ Dies ist der letzte Evangeliumsaufruf in der Schrift, und sein Platz ist höchst eindrucksvoll. Möchten wir alle, einzeln oder in Gemeinschaft, Gnade haben, alles hinwegzuräumen, was dem Ausstrahlen des Lichtes hinderlich ist, um ein beständiges Zeugnis von dem kommenden Christus zu sein, der all unserer Not begegnete und der groß und gnädig genug ist, um auch der Not der Welt zu begegnen. Lasst uns darauf achten, dass auch jene von seinem Kommen hören, die um uns herum sind. Gott allein weiß, wie viele noch von ihnen in letzter Stunde durch das Zeugnis dieser Wahrheit erwachen werden. Auf diese Weise werden wir auch bereit sein hinsichtlich des Zeugnisses, und wenn wir Ihn sehen, werden uns unsere Herzen uns nicht verurteilen.

Rebekka als Bild der Gemeinde

An letzter Stelle wollen wir noch eine schöne Andeutung beachten, die uns die Erzählung von Rebekka gibt. Wenn auch nicht genau vorbildlich, so ist ihre Geschichte doch ein schöner Hinweis auf die Gemeinde, die von dem treuen Knecht durch die Wüste geleitet wird, um mit dem geliebten Sohn des Vaters zusammenzutreffen. Es kam für sie der Augenblick, wo die lange Reise ein Ende fand und sie von Weitem den sah, dessen Braut sie bald sein sollte. Da lesen wir, dass sie sich vom Kamel herabwarf und den Schleier nahm, um sich zu verhüllen. Wenn wir über diese orientalische Sitte hinausblicken, sehen wir da nicht die Sittsamkeit wahrer Liebe in unseren Tagen? Wo wir doch um uns herum so viel von der falschen laodizeischen Gemeinde wahrnehmen, die sich in ihrem Größenwahn ihres scheinbaren Reichtums rühmt und in ihrem Selbstbetrug und ihrer Schamlosigkeit ihre heiligen Dinge der Welt preisgibt. Da ist es ein großer Trost, zu wissen, dass bald die wahre Kirche, die Gemeinde Gottes, die in Kürze entrückt wird, sich immer mehr der nahen Rückkehr ihres Bräutigams bewusst wird. Ihr Herz schlägt höher, sie hat das Verlangen, eine passende Gefährtin für Ihn zu sein, sie macht sich bereit, sie kleidet sich.

Möchten wir Gnade haben, in Übereinstimmung damit unser Ich in seinen Tod einzuhüllen, alles, was uns als Mensch nach dem Fleisch Ansehen verleiht. Und wenn unser Herr kommt, möchten wir bereit sein in der Empfindsamkeit der Liebe und Anbetung. Möge der Herr es geben, dass die Herzen der Seinen überall aufs Tiefste von seinem Kommen berührt werden und sich passend machen, damit sie in Bezug darauf bereit sind in Zuneigung, im Verhalten, in Reinheit, im Zeugnis und in Zartgefühl gegen Ihn. Alles, wir wiederholen es, ist völlig aus Gnade, aber diese Gnade, die uns ein vollkommenes Anrecht gibt und in vollkommener Weise Vorsorge trifft, wirkt es in uns, dass durch den Heiligen Geist eine praktische Zubereitung und ein ebensolches Passendsein für den zuvorbestimmten und für uns bereiteten Platz hervorkommt, der unser ist, weil wir zu denen gehören, die Er als „seine Gemeinde“ anspricht. Möchten wir ein für den Herrn zubereitetes Volk werden.


Dieser Artikel ist aus der Monatszeitschrift Der Dienst des Wortes, Jahrgang 1930
[Hinweis: Obiger Artikel wurde von der Redaktion sprachlich leicht bearbeitet.]

Letzte Aktualisierung: 26.07.2017

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