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Gideon und seine Eskorte (3) - C.H. Mackintosh
      
Der Autor Kurzbiographie
C.H. Mackintosh

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Gideon und seine Eskorte (3)
Grundvoraussetzung zum Dienst
C.H. Mackintosh
© SoundWords    Zugriffe: 8646    seit: 01.01.2001  
Foto: SI

 


Leitverse: Richter 6-8

Inhalt

Die Gefahr der Nachahmung des Glaubens

Verzagtheit kann zum Dienst untauglich machen

Der Diener muss bereit sein, sich selbst ganz aufzugeben

Es ist nicht einfach, völlig auf Gott zu vertrauen und sich ganz selbst aufzugeben

Selbstaufgabe darf nicht mit Mönchstum verwechselt werden

Haben wir nur Augen für Christus und seine Sache?

Gott belohnt Vertrauen und Selbstverleugnung

Selbstverleugnung besiegt auch missgünstige Brüder

Nach dem Sieg ist die Selbstverleugnung am schwersten

Die Gefahr der Nachahmung des Glaubens

Ri 7,1.2: Und Jerub-Baal, das ist Gideon, und alles Volk, das mit ihm war, machten sich früh auf, und sie lagerten sich an der Quelle Harod; das Lager Midians aber war nordwärts von ihm, nach dem Hügel More hin, im Tale. Und der HERR sprach zu Gideon: Des Volkes, das bei dir ist, ist zu viel, als dass ich Midian in ihre Hand geben sollte, damit Israel sich nicht wider mich rühme und spreche: Meine Hand hat mich gerettet! 

Der laute Schall der Posaune Gideons hatte eine zahlreiche und ansehnliche Schar um ihn versammelt; aber diese Schar musste geprüft werden. Es ist etwas anderes, durch den Eifer und die Energie eines ernsten Dieners Christi angeregt zu werden oder jene moralischen Eigenschaften zu besitzen, die allein einen Menschen befähigen können, selbst ein ernster Diener zu sein. Der Spur eines unterwürfigen Mannes Gottes zu folgen und sich durch seinen Glauben und seine Energie leiten zu lassen, ist etwas ganz anderes, als selbst mit Gott zu wandeln und sich in der Kraft eines persönlichen Glaubens auf Ihn zu stützen. Dies verdient unsere ernste Beachtung. Es ist immer Gefahr da, dass wir bloße Nachahmer des Glaubens anderer sind, dass wir ihr Beispiel kopieren, ohne ihre geistliche Kraft zu besitzen, ihre Besonderheiten übernehmen, ohne ihre persönliche Gemeinschaft zu haben. Wir sollten uns stets davor hüten.

Lasst uns einfältig, demütig und echt sein. Wir mögen sehr klein, unser Wirkungskreis mag beschränkt und unser Pfad ein zurückgezogener Pfad sein; dies macht jedoch gar nichts aus, vorausgesetzt, dass wir das sind, wozu die Gnade uns gemacht hat, dass wir den uns vom Herrn angewiesenen Platz einnehmen und den Weg gehen, den Er vor uns geöffnet hat. Es ist durchaus nicht nötig, dass wir groß, prominent, auffallend und bekannt sind; aber es ist absolut notwendig, dass wir echt und demütig, gehorsam und abhängig sind. So kann unser Gott uns gebrauchen, ohne befürchten zu müssen, dass wir uns selbst rühmen werden, und wir sind ruhig und voll Friede und Glück. Es gibt nichts Schöneres für einen treuen Diener Christi, als sich auf jenem verborgenen, unbekannten Weg zu befinden, wo das eigene Ich gänzlich aus dem Auge verloren und das herrliche Licht des Angesichts Gottes genossen wird — wo die Gedanken der Menschen nicht wichtig sind, während der Beifall Christi für die Seele alles ist.

Wir dürfen nie unser Vertrauen auf das Fleisch setzen. Es wird selbst den Dienst Christi zu einer Gelegenheit machen, um sich zu erhöhen. Es wird den Namen dessen, der sich selbst völlig erniedrigte, benutzen, um aus sich etwas zu machen. Es will sein eigenes Image aufbauen, indem es vorgibt, für den zu arbeiten, der sich selbst zu nichts machte. So ist das Fleisch, und so sind wir in uns selbst. Törichte, sich selbst erhebende Geschöpfe, die immer bereit sind, sich zu rühmen, während sie bekennen, nichts zu sein und nichts anderes zu verdienen als das unauslöschliche Feuer der Hölle.

Verzagtheit kann zum Dienst untauglich machen

Müssen wir uns über die Prüfung der Eskorte Gideons wundern? Sicherlich nicht. Der Dienst Christi ist eine sehr ernste und heilige Sache, und alle, die an ihm teilnehmen wollen, müssen frei von Selbstvertrauen sein, von sich selbst völlig entleert; aber nicht nur das, sie müssen sich auch mit unerschütterlichem Vertrauen auf den lebendigen Gott stützen. Das sind die großen Eigenschaften, die den Charakter des wahren Dieners Christi ausmachen sollten. Doch kehren wir zu unserer Erzählung zurück.

Ri 7,2.3: Des Volkes, das bei dir ist, ist zu viel, als dass ich Midian in ihre Hand geben sollte … Und nun rufe doch vor den Ohren des Volkes aus und sprich: Wer furchtsam und verzagt ist, kehre um und wende sich zurück von dem Gebirge Gilead. Da kehrten von dem Volke 22.000 um, und 10.000 blieben übrig.

Das Heer Gideons wurde hier der ersten großen Probe unterworfen, einer Probe, die bestimmt war, das Maß des einfachen Vertrauens eines jeden Herzens auf den HERRN zu offenbaren. Ein furchtsames Herz ist nicht geschickt für den Tag der Schlacht, ein zweifelnder Geist kann nicht im Kampf bestehen. Diesem Grundsatz begegnen wir in 5. Mose 20,8: „Und die Vorsteher sollen weiter zum Volke reden und sprechen: Wer ist der Mann, der sich fürchtet und verzagten Herzens ist? Er gehe und kehre nach seinem Haus zurück, damit nicht das Herz seiner Brüder verzagt werde wie sein Herz.“ Verzagtheit ist außerordentlich ansteckend. Sie verbreitet sich mit Windeseile. Sie schwächt den Arm, der den Schild tragen soll, und lähmt die Hand, die das Schwert schwingen sollte. Was uns allein vor diesem Übel schützen kann, ist ein einfältiges, kindliches Vertrauen auf Gott und sein Wort und eine wahre, persönliche Bekanntschaft mit Ihm. Wir müssen Gott in einer solchen Weise kennen, dass sein Wort alles für uns ist und dass wir mit Ihm allein wandeln und in der dunkelsten Stunde allein bei Ihm ausharren können.

Leser, ist das so bei dir? Hast du dies gesegnete Vertrauen auf Gott, diese feste Verbindung zu seinem Wort? Hast du tief unten in deinem Herzen solch ein erfahrungsmäßige Kenntnis Gottes und deines Christus, dass dich das aufrechtzuerhalten vermag, auch wenn du nicht die Unterstützung oder das Mitgefühl auch nur eines einzigen Mitgläubigen auf der ganzen Erde hättest? Bist du bereit, den Weg durch die Welt alleine zu gehen?

Das sind sehr wichtige Fragen. Und wir fühlen die Notwendigkeit, das mit allem Ernst auf die Kirche Gottes heute zu legen. Es gibt eine weite Verbreitung der kostbaren Wahrheit Gottes, und viele erfahren davon. Wie der Schall von Gideons Posaune, so hat das klare Zeugnis, das in den letzten Jahren verbreitet wurde, viele angezogen. Und, obwohl wir fühlen, dass da viel Grund für Dankbarkeit liegt, fühlen wir auch die Notwendigkeit ernster Reflexionen darüber.

Die Wahrheit ist eine sehr kostbare Sache, wenn sie in Wahrhaftigkeit aufgenommen und hochgehalten wird; aber lasst uns daran erinnern, dass genau in demselben Verhältnis zur Kostbarkeit der Wahrheit des Wortes Gottes auch die moralische Gefahr da ist, sich in einer geschäftsmäßigen Weise damit zu beschäftigen, ohne Selbstgericht im Herzen zu haben und ohne ein geübtes Gewissen zu besitzen.

Was wir wirklich nötig haben, ist Glauben — ungeheuchelten, ernsten einfachen Glauben, der die Seele in lebendiger Kraft mit Gott verbindet und uns befähigt, alle Schwierigkeiten und Entmutigungen des Weges zu überwinden. Von diesem Glauben gibt es keine Imitation. Entweder wir besitzen ihn wirklich oder überhaupt nicht. Jemand, der probiert, durch Glauben seine Weg zu gehen, wird, wenn er ihn in Wirklichkeit nicht hat, schnell wanken und fallen. Wir können den Heeren Midians nicht entgegengehen, wenn wir nicht volles Vertrauen auf den lebendigen Gott haben. Niemand kann zum Kampf gehen, außer dass er durch den Glauben die unsichtbaren Wirklichkeiten der Ewigkeit erfasst hat und ausharrt, als sähe er den Unsichtbaren. Mögen wir diesen Glauben in größerem Maße besitzen.

Es ist sehr belehrend für das Herz, zu sehen, welche Wirkung diese erste Probe auf das Heer Gideons ausübte. Sie lichtete seine Reihen in erstaunlicher Weise. 

Ri 7,3: Da kehrten von dem Volk zweiundzwanzigtausend um, und zehntausend blieben übrig.

Das war eine ernste Verringerung. Doch es ist weit besser, zehntausend zu haben, die auf Gott vertrauen können, als zehntausend mal zehntausend, die es nicht können. Was nützen zahllose Scharen, wenn sie nicht von einem lebendigen Glauben beseelt sind? Durchaus nichts. Es ist verhältnismäßig leicht, sich um eine Fahne zu scharen, die eine starke Hand aufgepflanzt hat, aber eine ganz andere Sache ist es, in dem wirklichen Kampf in persönlicher Energie standzuhalten. Hierzu ist nur ein echter, wahrer Glaube imstande. Sobald daher die Frage erhoben wird: „Wer kann auf Gott vertrauen?“, werden wir stets sehen, dass die ansehnlichen Reihen der Bekenner sich schnell lichten.

Der Diener muss bereit sein, sich selbst ganz aufzugeben

Doch die Gefährten Gideons wurden noch einer zweiten Probe unterworfen. 

7,4-7: Und der HERR sprach zu Gideon: Noch ist des Volkes zu viel, führe sie hinab ans Wasser, dass ich sie dir daselbst läutere; und es soll geschehen, von wem ich dir sagen werde: dieser soll mit dir ziehen, der soll Mit dir ziehen. Und jeder, von dem ich dir sagen werde: dieser soll nicht mit dir ziehen, der soll nicht ziehen. Und er führte das Volk ans Wasser hinab. Und der HERR sprach zu Gideon: Jeder, der mit seiner Zunge von dem Wasser leckt, wie ein Hund leckt, den stelle besonders, und auch jeden, der sich auf seine Knie niederlässt, um zu trinken. Und die Zahl derer, welche mit ihrer Hand zu ihrem Munde leckten, war dreihundert Mann; und das ganze übrige Volk hatte sich auf seine Knie niedergelassen, um Wasser zu trinken. Und der HERR sprach zu Gideon: Durch die dreihundert Mann, die geleckt haben, will ich euch retten und Midian in deine Hand geben, das übrige Volk aber soll gehen, ein jeder an seinen Ort. 

Hier begegnen wir einer zweiten großen moralischen Eigenschaft, welche stets diejenigen charakterisieren muss, die an einem bösen Tage für Gott und für sein Volk tätig sein wollen. Sie müssen nicht allein Vertrauen auf Gott besitzen, sondern auch bereit sein, sich selbst ganz aufzugeben. Wir können uns nur in dem Maß aufgeben, wie wir auf Christus vertrauen. Das ist ein allgemeiner Grundsatz im Dienst Christi. Es handelt sich nicht um die Frage, ob ich ein Kind Gottes bin, sondern darum, ob ich ein tauglicher Diener Christi bin. Die 31.700, die von dem Heer Gideons weggeschickt wurden, waren ebenso gut Israeliten wie auch die übrigbleibenden 300, aber sie waren nicht geeignet für den Augenblick des Kampfes; sie waren nicht die rechten Leute für die Stunde der Entscheidung. Und weshalb nicht? Weil sie nicht auf Gott vertrauen und sich selbst nicht ganz aufgeben konnten. Sie waren voll von Furcht, während der Glaube sie hätte erfüllen sollen. Der Gegenstand, der ihre Herzen beschäftigte, war nicht der Kampf, sondern die Erfrischung auf dem Wege. Welch ein ernster Gedanke!

Es ist nicht einfach, völlig auf Gott zu vertrauen und sich ganz selbst aufzugeben

Hier liegt das wahre Geheimnis für das Unpassendsein im Dienst. Gott kann solchen nicht vertrauen, die Ihm nicht vertrauen und sich nicht selbst aufgeben wollen. Wir leben heute in einer Zeit, wo man sehr leicht sich dem Bekenntnis anschließt, aber dabei gleichzeitig sich selbst pflegt. Erkenntnis kann man heute, mit nur ganz geringen Kosten sammeln. Happen von Wahrheit kann man überall her bekommen, secondhand. Wahrheit, die einige der geliebten Diener Christi Jahre tiefer Seelenübungen und herzerforschender Kämpfe kostete, ist nun frei überall verfügbar und kann nun intellektuell erfasst und leichtfertig bekannt werden von solchen, die überhaupt nicht wissen, was herzerforschende Seelenübungen sind. Aber lasst uns niemals vergessen, dass das Leben des Glaubens eine Realität ist, Dienst ist eine Realität, Zeugnis für Christus ist eine Realität. Und lasst uns weiter daran denken, dass, wenn wir Menschen für Notlagen, echte Diener, wahre Zeugen sein wollen, wir wirklich die Bedeutung dieser zwei Qualitäten lernen müssen, nämlich Vertrauen auf Gott und Selbstaufgabe.

Es gab Hunderttausende von wahren Israeliten, von wahren Gliedern des Bundes, den der HERR mit seinem Volk gemacht hatte, und dennoch waren unter ihnen nur dreihundert Männer, die für den Tag des Kampfes von Gott fähig und geeignet erachtet wurden. Unter tausend befand sich noch nicht einer, der imstande war, Gott zu vertrauen und sich selbst zu verleugnen.

Sollten wir darüber nicht tief und ernst nachdenken? Ist es nicht selbstverständlich, dass wir uns fragen müssen, ob das nicht im Moment anders bei uns ist? Ist es nicht schmerzlich klar, dass wir in einer Zeit leben, wo man das gesegnete geheime Vertrauen auf Gott kaum kennt, und noch viel weniger von der Übung der Selbstverleugnung? Es ist eine Tatsache, dass wir diese beiden Dinge niemals richtig von einander trennen können. Wenn wir versuchen, die Selbstaufgabe von dem Vertrauen auf Gott zu trennen, wird uns das in die tiefen und finsteren Abgründe des Mönchstums, des Asketizismus und des Ritualismus treiben. Dann wird die Natur versuchen, die Natur zu unterdrücken. Wir brauchen wohl kaum zu sagen, dass dies das direkte Gegenteil von Christentum ist. Das Letztere beginnt mit der herrlichen Tatsache, dass das alte Ich verurteilt und im Kreuz Christi beiseitegesetzt wurde, und deswegen kann es dann auch ganz praktisch jeden Tag durch die Kraft des Heiligen Geistes überwunden werden. Das ist die Bedeutung dieser schönen Worte in Kolosser 3: „Ihr seid gestorben und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott.“ Er sagt nicht: „Ihr solltet gestorben sein“, nein, sondern: „Ihr seid gestorben.“ Was dann? „Tötet nun eure Glieder, die auf der Erde sind.“ So ist es auch bei der gründlichen und kostbaren Belehrung in Römer 6: „Wir, die wir der Sünde gestorben sind, wie sollten wir noch in derselben leben? Oder wisset ihr nicht, dass wir, so viele auf Christum getauft worden, auf seinen Tod getauft worden sind?“ Was dann? „Also auch ihr, haltet euch der Sünde für tot, Gott aber lebend in Christus Jesus.“

Selbstaufgabe darf nicht mit Mönchstum verwechselt werden

Hier nun liegt das Geheimnis aller wahren Selbstverleugnung. Wenn man das nicht versteht und praktisch verwirklicht, wird einfach das Ich in der einen Form das Ich in der anderen Form unterdrücken. Das ist eine fatale Verirrung. Das ist eine Schlinge des Teufels, die allen jenen ernsten Gläubigen droht, die sich nach Lebensheiligung sehnen, aber die Kraft einer vollbrachten Erlösung und die Innewohnung des Heiligen Geistes nicht kennen — die nicht aufgebaut sind auf die solide Grundlage des Christentums.

Wir wollen besonders gegen diesen gefährlichen Irrtum warnen. Er begünstigt besonders Mönchstum und Asketizismus. Er kleidet sich in das Gewand der Frömmigkeit und Heiligkeit und ist besonders attraktiv für solche, die sich einen Sieg über die Lüste, Leidenschaften und Neigungen der Natur wünschen. Sie wissen nicht, wie sie ihn erreichen sollen, wenden daher Christus und seinem Kreuz den Rücken und sich gleichzeitig einer solchen falschen Religion zu.

Vor diesem äußerst irreführenden System warnt uns der Apostel in Kolosser 2: „Lasst niemand euch um den Kampfpreis bringen, der seinen eigenen Willen tut in Demut und Anbetung der Engel, indem er auf Dinge eingeht, die er nicht gesehen hat, in eitler Weise aufgeblasen von dem Sinn seines Fleisches und nicht festhaltend das Haupt, aus welchem der ganze Leib, durch die Gelenke und Bande Darreichung empfangend und zusammengefügt, das Wachstum Gottes wächst. Wenn ihr mit Christus den Elementen der Welt gestorben seid, was unterwerft ihr euch Satzungen, als lebtet ihr noch in der Welt? Berühre nicht, koste nicht, betaste nicht! (Dinge, welche alle zur Zerstörung durch den Gebrauch bestimmt sind) nach den Geboten und Lehren der Menschen (welche zwar einen Schein von Weisheit haben, in eigenwilligem Gottesdienst und in Demut und im Nichtverschonen des Leibes, und nicht in einer gewissen Ehre), zur Befriedigung des Fleisches“ (Kol 2,18-23).

Wir halten es für sehr wichtig, darauf hinzuweisen, damit keiner unserer Leser uns in Bezug auf den Gedanken der Selbstaufgabe missversteht. Wir wollen, dass es ganz klar verstanden wird, das der einzig mögliche Boden für Selbstverleugnung das Wissen um die vollbrachte Erlösung und unserer Vereinigung mit Christus durch die Kraft des Heiligen Geistes ist. Das ist die notwendige Grundlage für das gesamte christliche Verhalten. Um es kurz zu sagen: Die gekannte Errettung ist die Grundlage, der innewohnende Heilige Geist die Kraft, und das Wort Gottes ist die Richtschnur aller wahren Selbstaufgabe.

Haben wir nur Augen für Christus und seine Sache?

Aber was wussten Gideon und seine Genossen von all diesem? Nichts im Vergleich mit den Christen heute. Aber sie hatten Vertrauen auf Gott und hatten nicht ihre eigene Erfrischung oder Bequemlichkeit zum Ziel, sondern nahmen es einfach mit als ein Mittel zur Verfolgung des Ziel. Hierin geben sie eine Lektion selbst für solche, die das Vorrecht haben, im vollen Licht des Neuen Testamentes ihren Weg zu gehen. Wenn sie in dem Dämmerlicht, in dem sie damals lebten, Gott vertrauen und das Ich für den Augenblick vergessen konnten, was sollen wir dann sagen, die wir mit all unserem Licht und unseren Vorrechten so leicht bereit sind, Gott zu misstrauen und unsere eigenen Dinge zu suchen?

Ist es in unseren Tagen nicht ähnlich? Obwohl wir jetzt viel mehr Licht und Vorrechte besitzen als Gideon und seine Gefährten, so ist doch so wenig Bereitwilligkeit vorhanden, den Pfad des Dienstes und Kampfes zu betreten, zu dem wir berufen sind. Es herrscht unter uns ein beklagenswerter Mangel an wahrem Vertrauen auf den lebendigen Gott und an wahrer Selbstverleugnung. Gott wird nicht praktisch gekannt, und das eigene Ich wird erhoben und wertgehalten. Daher sind wir so wenig geschickt für den Kampf und ohne Kraft am Tage der Schlacht. Es ist etwas anderes, errettet zu sein oder als ein Kriegsmann zu kämpfen. Es ist etwas anderes, errettet zu sein oder ein Soldat zu sein. Ach!, es ist sehr zu fürchten, dass, wenn die zweifache Probe, der Israel in den Tagen Gideons unterzogen wurde, in diesem Augenblick auf alle angewendet würde, welche bekennen, Christus anzugehören, das praktische Resultat sich nur wenig von dem damaligen unterscheiden würde. Was wir nötig haben, sind Männer des Glaubens, Männer, deren Herzen befestigt und deren Augen einfältig sind, die keine Zeit haben für etwas anderes, als für Christus und seine Sache.

Gott belohnt Vertrauen und Selbstverleugnung

Doch wenden wir uns wieder zu unserem Gegenstand. Der Schluss von Kapitel 7 des Buches der Richter zeigt uns Gideon und seine Gefährten im Besitz des vollen Sieges. „Das Gerstenbrot“ und „die zerbrochenen Krüge“ vernichteten die ganze Macht der Midianiter und Amalekiter, obgleich diese „lagen im Tale, wie die Heuschrecken an Menge, und ihrer Kamele war keine Zahl, wie der Sand, der am Ufer des Meeres ist, an Menge“ (V. 12). Gott war mit dem Gerstenbrot und den zerbrochenen Krügen, wie Er stets mit denen sein wird, die bereit sind, den niedrigsten Platz einzunehmen, nichts zu sein und Ihn zu ihrem „alles in allem“ zu machen, auf Ihn zu vertrauen und sich selbst völlig zu vergessen. Möchten wir uns stets daran erinnern, dass dies der große Grundsatz in jedem Werk und in jedem Kampf ist! Ohne Ihn können wir nie Erfolg haben; mit Ihm wird der Sieg uns nie fehlen. Es macht nichts aus, wie groß die Schwierigkeiten oder die Zahl und die Macht unserer Feinde ist — alles muss verschwinden in der Gegenwart des lebendigen Gottes; und diese Gegenwart wird mit allen sein, die auf Ihn vertrauen und sich selbst verleugnen.

Selbstverleugnung besiegt auch missgünstige Brüder

Doch das ist noch nicht alles. Ein festes Vertrauen auf Gott und eine wahre Selbstverleugnung sind nicht nur das Geheimnis des Sieges über äußere Feinde, sondern auch der Überwindung und Entwaffnung neidischer und missgünstiger Brüder, obgleich diese oft viel schwieriger zu bekämpfen sind als offene Feinde. Kaum hatte Gideon den Sieg über die Unbeschnittenen errungen, als er berufen wurde, der kleinlichen und verächtlichen Eifersucht seiner Brüder zu begegnen: 

Ri 8,1: Und die Männer von Ephraim sprachen zu ihm: Was ist das für eine Sache, die du uns getan, dass du uns nicht gerufen hast, als du hinzogest, wider Midian zu streiten? Und sie zankten heftig mit ihm. 

Was für ein trauriges, unwürdiges Benehmen, und wie ungerecht die Beschuldigung! Hatten sie nicht den Schall der Posaune vernommen, die Israel zum Kampf aufforderte? Hatten sie nicht gehört, dass das Banner Gideons entfaltet worden war? Weshalb waren sie nicht die Ersten auf dem Kampfplatz gewesen? Es war eine leichte Sache, nach Beendigung des Kampfes zu erscheinen, um die Beute zu nehmen, und dann mit dem Mann zu rechten, der das eigentliche Werkzeug Gottes zu ihrer Befreiung gewesen war.

Doch wir wollen nicht länger bei dem traurigen Benehmen der Männer von Ephraim verweilen, sondern lieber sehen, in wie herrlicher Weise Gideon ihren ungerechten Anklagen begegnete: 

Ri 8,2.3: Und er sprach zu ihnen: Was habe ich nun getan im Vergleich mit euch? Ist nicht die Nachlese Ephraims besser als die Weinlese Abiesers? In eure Hand hat Gott die Fürsten Midians, Oreb und Seeb gegeben; und was habe ich tun können im Vergleich mit euch? Da ließ ihr Zorn von ihm ab, als er dieses Wort redete.

Das ist die richtige Weise, um neidische und eifersüchtige Brüder zu überwinden. Das Gerstenbrot und die zerbrochenen Krüge konnten sowohl eifersüchtige Ephraimiter als auch feindliche Midianiter besiegen. Ein demütiger Geist, der sich selbst in den Hintergrund stellt, ist das große Geheimnis des Sieges über Neid und Eifersucht in all ihren hässlichen Formen. Es ist schwierig, ja unmöglich, mit einem Menschen zu streiten, der sich in wahrer Selbsterniedrigung in den Staub niederbeugt. „Was habe ich tun können im Vergleich mit euch?“ Das ist die Sprache eines Mannes, der verstanden hatte, was es bedeutet, sich selbst zu vergessen. Und wir können sicher sein, dass eine solche Sprache stets den Neid und die Eifersucht des selbstzufriedensten Menschen entwaffnen wird. Möchten wir mehr und mehr diese Wahrheit verstehen!

Nach dem Sieg ist die Selbstverleugnung am schwersten

Die Schlussszene der interessanten Geschichte Gideons ist ebenfalls voll von Belehrung für jeden Diener Christi. Sie belehrt uns, dass es weit leichter ist, einen Sieg zu erringen, als den richtigen Gebrauch davon zu machen, weit leichter, eine Stellung zu erreichen, als sie in der rechten Weise zu behaupten. 

Ri 8,22.23: Und die Männer von Israel sprachen zu Gideon: Herrsche über uns, sowohl du, als auch dein Sohn und deines Sohnes Sohn; denn du hast uns aus der Hand Midians gerettet. Und Gideon sprach zu ihnen: ich will nicht über euch herrschen, und nicht mein Sohn soll über euch herrschen; der HERR soll über euch herrschen.

So weit war alles sehr schön. Es stand in völliger Übereinstimmung mit der bisherigen Selbstverleugnung Gideons. Jeder Diener Christi wird stets suchen, die Seelen mit seinem Herrn, nicht aber mit sich selbst zu verbinden. Gideon wünschte, dass der HERR um keinen Preis seinen Platz als Herrscher über Israel verlieren sollte. Doch ach! Sein großer Sieg erfüllt seine Gedanken. Er will das für immer glorifizieren mit einem goldenen Ephod (einem priesterlichen Gewand). Und das einfach deswegen, weil seine Selbstverleugnung nicht vollständig war. Es gab nur Einen, dessen Selbstaufgabe vollständig war, und dieser Eine muss in allem den Vorrang haben.

Ri 8,24-27: Und Gideon sprach zu ihnen: Eine Bitte will ich von euch erbitten: gebet mir ein jeglicher die Ohrringe seiner Beute; (denn sie hatten goldene Ohrringe, weil sie Ismaeliter waren). Und sie sprachen: Gern wollen wir sie geben, und sie breiteten ein Oberkleid aus und warfen darauf ein jeder die Ohrringe seiner Beute … Und Gideon machte daraus ein Ephod und stellte es in seiner Stadt auf, in Ophra. Und ganz Israel hurte demselben dort nach, und es wurde Gideon und seinem Hause zum Fallstrick.

So ist der Mensch, selbst der beste, wenn er sich selbst überlassen wird. Derselbe Mann, der seine Brüder soeben zu einem glänzenden Sieg über Midian geführt hatte, verleitete sie jetzt zu dem traurigsten Götzendienst. Die Ohrringe der Ismaeliter taten, was deren Schwerter nicht zu tun vermocht hatten; und die Liebesbeweise der Kinder Israel erwiesen sich als weit gefährlicher als das Gezänk der Männer von Ephraim. Während das Gezänk der Männer von Ephraim Gideon Gelegenheit gab, einen lieblichen Geist der Selbstlosigkeit zu offenbaren, wurden die Ohrringe und Liebeszeichen der Kinder Israel zu einem Fallstrick für ihn und sein Haus. Hätte Gideon die Ohrringe zurückgewiesen, wie er den Thron ausschlug, so würde es für ihn und seine Brüder zum besten gewesen sein; doch der Teufel legte eine Schlinge vor seine Füße, in die er selbst fiel und zugleich alle seine Brüder mit hineinzog.

Möchten wir uns alle durch den Fall Gideons warnen und durch seine Siege ermuntern lassen! Mögen wir uns immer daran erinnern, dass es eine Sache ist, einen Sieg zu erringen, und eine andere, einen guten Gebrauch davon zu machen. Es ist leichter, eine gewisse Position zu erreichen, als sie richtig auszufüllen. Möge Gott dem Leser und Schreiber dieser Zeilen mehr einfaches Vertrauen zu Ihm und mehr von dem Geist der Selbstaufgabe schenken. Möge dies das Ergebnis der Betrachtung von Gideon und seiner Eskorte sein.

Dieser Artikel besteht aus folgenden Teilen:
Teil 1 = Der Zustand des Menschen und Gottes Erbarmen

Teil 2 = Ausbildung in der Schule Gottes
Teil 3 = Grundvoraussetzungen zum Dienst

 


 

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