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Leitverse: Richter 6-8
Inhalt
Die Gefahr der Nachahmung des Glaubens Verzagtheit kann zum Dienst untauglich machen Der Diener muss bereit sein, sich selbst ganz aufzugeben Es ist nicht einfach, völlig auf Gott zu vertrauen und sich ganz selbst aufzugeben Selbstaufgabe darf nicht mit Mönchstum verwechselt werden Haben wir nur Augen für Christus und seine Sache? Gott belohnt Vertrauen und Selbstverleugnung Selbstverleugnung besiegt auch missgünstige Brüder Nach dem Sieg ist die Selbstverleugnung am schwersten
Ri 7,1.2: Und
Jerub-Baal, das ist Gideon, und alles Volk, das mit ihm war, machten sich früh
auf, und sie lagerten sich an der Quelle Harod; das Lager Midians aber war nordwärts
von ihm, nach dem Hügel More hin, im Tale. Und der HERR sprach zu Gideon: Des
Volkes, das bei dir ist, ist zu viel, als dass ich Midian in ihre Hand geben
sollte, damit Israel sich nicht wider mich rühme und spreche: Meine Hand hat
mich gerettet!
Der laute Schall der Posaune Gideons hatte
eine zahlreiche und ansehnliche Schar um ihn versammelt; aber diese Schar
musste geprüft werden. Es ist etwas anderes, durch den Eifer und die Energie eines
ernsten Dieners Christi angeregt zu werden oder jene moralischen Eigenschaften
zu besitzen, die allein einen Menschen befähigen können, selbst ein ernster
Diener zu sein. Der Spur eines unterwürfigen Mannes Gottes zu folgen und sich
durch seinen Glauben und seine Energie leiten zu lassen, ist etwas ganz anderes,
als selbst mit Gott zu wandeln und sich in der Kraft eines persönlichen
Glaubens auf Ihn zu stützen. Dies verdient unsere ernste Beachtung. Es ist
immer Gefahr da, dass wir bloße Nachahmer des Glaubens anderer sind, dass wir
ihr Beispiel kopieren, ohne ihre geistliche Kraft zu besitzen, ihre
Besonderheiten übernehmen, ohne ihre persönliche Gemeinschaft zu haben. Wir
sollten uns stets davor hüten.
Lasst uns einfältig, demütig und echt sein.
Wir mögen sehr klein, unser Wirkungskreis mag beschränkt und unser Pfad ein
zurückgezogener Pfad sein; dies macht jedoch gar nichts aus, vorausgesetzt, dass
wir das sind, wozu die Gnade uns gemacht hat, dass wir den uns vom Herrn
angewiesenen Platz einnehmen und den Weg gehen, den Er vor uns geöffnet hat. Es
ist durchaus nicht nötig, dass wir groß, prominent, auffallend und bekannt
sind; aber es ist absolut notwendig, dass wir echt und demütig, gehorsam und
abhängig sind. So kann unser Gott uns gebrauchen, ohne befürchten zu müssen, dass
wir uns selbst rühmen werden, und wir sind ruhig und voll Friede und Glück.
Es gibt nichts Schöneres für einen treuen Diener Christi, als sich auf jenem
verborgenen, unbekannten Weg zu befinden, wo das eigene Ich gänzlich aus dem
Auge verloren und das herrliche Licht des Angesichts Gottes genossen wird — wo
die Gedanken der Menschen nicht wichtig sind, während der Beifall Christi für
die Seele alles ist.
Wir dürfen nie unser Vertrauen auf das Fleisch setzen. Es wird selbst den
Dienst Christi zu einer Gelegenheit machen, um sich zu erhöhen. Es wird den
Namen dessen, der sich selbst völlig erniedrigte, benutzen, um aus sich etwas
zu machen. Es will sein eigenes Image aufbauen, indem es vorgibt, für den zu
arbeiten, der sich selbst zu nichts machte. So ist das Fleisch, und so sind wir
in uns selbst. Törichte, sich selbst erhebende Geschöpfe, die immer bereit
sind, sich zu rühmen, während sie bekennen, nichts zu sein und nichts anderes
zu verdienen als das unauslöschliche Feuer der Hölle.
Müssen wir uns über die Prüfung der Eskorte Gideons wundern? Sicherlich nicht. Der
Dienst Christi ist eine sehr ernste und heilige Sache, und alle, die an ihm
teilnehmen wollen, müssen frei von Selbstvertrauen sein, von sich selbst völlig
entleert; aber nicht nur das, sie müssen sich auch mit unerschütterlichem
Vertrauen auf den lebendigen Gott stützen. Das sind die großen Eigenschaften,
die den Charakter des wahren Dieners Christi ausmachen sollten. Doch kehren wir
zu unserer Erzählung zurück.
Ri 7,2.3: Des
Volkes, das bei dir ist, ist zu viel, als dass ich Midian in ihre Hand geben
sollte … Und nun rufe doch vor den Ohren des Volkes aus und sprich: Wer
furchtsam und verzagt ist, kehre um und wende sich zurück von dem Gebirge
Gilead. Da kehrten von dem Volke 22.000 um, und 10.000
blieben übrig.
Das Heer Gideons wurde hier der ersten großen
Probe unterworfen, einer Probe, die bestimmt war, das Maß des einfachen
Vertrauens eines jeden Herzens auf den HERRN zu offenbaren. Ein furchtsames Herz
ist nicht geschickt für den Tag der Schlacht, ein zweifelnder Geist kann nicht
im Kampf bestehen. Diesem Grundsatz begegnen wir in 5. Mose 20,8: „Und die
Vorsteher sollen weiter zum Volke reden und sprechen: Wer ist der Mann, der sich
fürchtet und verzagten Herzens ist? Er gehe und kehre nach seinem Haus zurück,
damit nicht das Herz seiner Brüder verzagt werde wie sein Herz.“
Verzagtheit ist außerordentlich ansteckend. Sie verbreitet sich mit Windeseile.
Sie schwächt den Arm, der den Schild tragen soll, und lähmt die Hand, die das
Schwert schwingen sollte. Was uns allein vor diesem Übel schützen kann, ist ein einfältiges, kindliches Vertrauen auf Gott und
sein Wort und eine
wahre, persönliche Bekanntschaft mit Ihm. Wir müssen Gott in einer solchen
Weise kennen, dass sein Wort alles für uns ist und dass wir mit Ihm allein
wandeln und in der dunkelsten Stunde allein bei Ihm ausharren können.
Leser,
ist das so bei dir? Hast du dies gesegnete Vertrauen auf Gott, diese feste
Verbindung zu seinem Wort? Hast du tief unten in deinem Herzen solch ein
erfahrungsmäßige Kenntnis Gottes und deines Christus, dass dich das
aufrechtzuerhalten vermag, auch wenn du nicht die Unterstützung oder das Mitgefühl
auch nur eines einzigen Mitgläubigen auf der ganzen Erde hättest? Bist du
bereit, den Weg durch die Welt alleine zu gehen?
Das
sind sehr wichtige Fragen. Und wir fühlen die Notwendigkeit, das mit allem Ernst
auf die Kirche Gottes heute zu legen. Es gibt eine weite Verbreitung der
kostbaren Wahrheit Gottes, und viele erfahren davon. Wie der Schall von Gideons
Posaune, so hat das klare Zeugnis, das in den letzten Jahren verbreitet wurde,
viele angezogen. Und, obwohl wir fühlen, dass da viel Grund für Dankbarkeit
liegt, fühlen wir auch die Notwendigkeit ernster Reflexionen darüber.
Die
Wahrheit ist eine sehr kostbare Sache, wenn sie in Wahrhaftigkeit aufgenommen
und hochgehalten wird; aber lasst uns daran erinnern, dass genau in demselben
Verhältnis zur Kostbarkeit der Wahrheit des Wortes Gottes auch die moralische
Gefahr da ist, sich in einer geschäftsmäßigen Weise damit zu beschäftigen,
ohne Selbstgericht im Herzen zu haben und ohne ein geübtes Gewissen zu
besitzen.
Was
wir wirklich nötig haben, ist Glauben — ungeheuchelten, ernsten einfachen
Glauben, der die Seele in lebendiger Kraft mit Gott verbindet und uns befähigt,
alle Schwierigkeiten und Entmutigungen des Weges zu überwinden. Von diesem
Glauben gibt es keine Imitation. Entweder wir besitzen ihn wirklich oder überhaupt
nicht. Jemand, der probiert, durch Glauben seine Weg zu gehen, wird, wenn er ihn
in Wirklichkeit nicht hat, schnell wanken und fallen. Wir können den Heeren
Midians nicht entgegengehen, wenn wir nicht volles Vertrauen auf den lebendigen
Gott haben. Niemand kann zum Kampf gehen, außer dass er durch den Glauben die
unsichtbaren Wirklichkeiten der Ewigkeit erfasst hat und ausharrt, als sähe er
den Unsichtbaren. Mögen wir diesen Glauben in größerem Maße besitzen.
Es
ist sehr belehrend für das Herz, zu sehen, welche Wirkung diese erste Probe auf
das Heer Gideons ausübte. Sie lichtete seine Reihen in erstaunlicher Weise.
Ri 7,3: Da kehrten von dem Volk zweiundzwanzigtausend um, und zehntausend blieben
übrig.
Das war eine ernste Verringerung. Doch es ist weit besser, zehntausend zu haben,
die auf Gott vertrauen können, als zehntausend mal zehntausend, die es nicht können.
Was nützen zahllose Scharen, wenn sie nicht von einem lebendigen Glauben
beseelt sind? Durchaus nichts. Es ist verhältnismäßig leicht, sich um eine
Fahne zu scharen, die eine starke Hand aufgepflanzt hat, aber eine ganz andere
Sache ist es, in dem wirklichen Kampf in persönlicher Energie standzuhalten.
Hierzu ist nur ein echter, wahrer Glaube imstande. Sobald daher die Frage
erhoben wird: „Wer kann auf Gott vertrauen?“, werden wir stets sehen, dass die ansehnlichen Reihen der Bekenner sich schnell lichten.
Doch
die Gefährten Gideons wurden noch einer zweiten Probe unterworfen.
7,4-7: Und der
HERR sprach zu Gideon: Noch ist des Volkes zu viel, führe sie hinab ans Wasser,
dass ich sie dir daselbst läutere; und es soll geschehen, von wem ich dir sagen
werde: dieser soll mit dir ziehen, der soll Mit dir ziehen. Und jeder, von dem
ich dir sagen werde: dieser soll nicht mit dir ziehen, der soll nicht ziehen.
Und er führte das Volk ans Wasser hinab. Und der HERR sprach zu Gideon: Jeder,
der mit seiner Zunge von dem Wasser leckt, wie ein Hund leckt, den stelle
besonders, und auch jeden, der sich auf seine Knie niederlässt, um zu trinken.
Und die Zahl derer, welche mit ihrer Hand zu ihrem Munde leckten, war
dreihundert Mann; und das ganze übrige Volk hatte sich auf seine Knie
niedergelassen, um Wasser zu trinken. Und der HERR sprach zu Gideon: Durch die
dreihundert Mann, die geleckt haben, will ich euch retten und Midian in deine
Hand geben, das übrige Volk aber soll gehen, ein jeder an seinen Ort.
Hier
begegnen wir einer zweiten großen moralischen Eigenschaft, welche stets
diejenigen charakterisieren muss, die an einem
bösen Tage für Gott und für sein Volk tätig sein wollen. Sie müssen nicht
allein Vertrauen auf Gott besitzen, sondern auch bereit sein, sich selbst ganz
aufzugeben. Wir können uns nur in dem Maß aufgeben, wie wir auf Christus
vertrauen. Das ist ein allgemeiner Grundsatz im Dienst Christi. Es handelt sich
nicht um die Frage, ob ich ein Kind Gottes bin, sondern darum, ob ich ein
tauglicher Diener Christi bin. Die 31.700, die von
dem Heer Gideons weggeschickt wurden, waren ebenso gut Israeliten wie auch die
übrigbleibenden 300, aber sie waren nicht geeignet für den Augenblick
des Kampfes; sie waren nicht die rechten Leute für die Stunde der Entscheidung.
Und weshalb nicht? Weil sie nicht auf Gott vertrauen und sich selbst nicht ganz
aufgeben konnten. Sie waren voll von Furcht, während der Glaube sie hätte erfüllen
sollen. Der Gegenstand, der ihre Herzen beschäftigte, war nicht der Kampf,
sondern die Erfrischung auf dem Wege. Welch ein ernster Gedanke!
Hier
liegt das wahre Geheimnis für das Unpassendsein im Dienst. Gott kann solchen nicht
vertrauen, die Ihm nicht vertrauen und sich nicht selbst aufgeben wollen.
Wir leben heute in einer Zeit, wo man sehr leicht sich dem Bekenntnis anschließt,
aber dabei gleichzeitig sich selbst pflegt. Erkenntnis kann man heute, mit nur
ganz geringen Kosten sammeln. Happen von Wahrheit kann man überall her
bekommen, secondhand. Wahrheit, die einige der geliebten Diener Christi Jahre
tiefer Seelenübungen und herzerforschender Kämpfe kostete, ist nun frei überall
verfügbar und kann nun intellektuell erfasst und leichtfertig bekannt werden
von solchen, die überhaupt nicht wissen, was herzerforschende Seelenübungen
sind. Aber lasst uns niemals vergessen, dass das Leben des Glaubens eine Realität ist,
Dienst ist eine Realität, Zeugnis für Christus ist eine Realität. Und lasst uns weiter daran denken,
dass, wenn wir Menschen für Notlagen, echte Diener,
wahre Zeugen sein wollen, wir wirklich die Bedeutung dieser zwei Qualitäten
lernen müssen, nämlich Vertrauen auf Gott und Selbstaufgabe.
Es
gab Hunderttausende von wahren Israeliten, von wahren Gliedern des Bundes, den
der HERR mit seinem Volk gemacht hatte, und dennoch waren unter ihnen nur
dreihundert Männer, die für den Tag des Kampfes von Gott fähig und geeignet
erachtet wurden. Unter tausend befand sich noch nicht einer, der imstande war,
Gott zu vertrauen und sich selbst zu verleugnen.
Sollten
wir darüber nicht tief und ernst nachdenken? Ist es nicht selbstverständlich, dass
wir uns fragen müssen, ob das nicht im Moment anders bei uns ist? Ist es
nicht schmerzlich klar, dass wir in einer Zeit leben, wo man das gesegnete
geheime Vertrauen auf Gott kaum kennt, und noch viel weniger von der Übung der
Selbstverleugnung? Es ist eine Tatsache, dass wir diese beiden Dinge niemals
richtig von einander trennen können. Wenn wir versuchen, die Selbstaufgabe von
dem Vertrauen auf Gott zu trennen, wird uns das in die tiefen und finsteren Abgründe
des Mönchstums, des Asketizismus und des Ritualismus treiben. Dann wird die
Natur versuchen, die Natur zu unterdrücken. Wir brauchen wohl kaum zu sagen, dass
dies das direkte Gegenteil von Christentum ist. Das Letztere beginnt mit der
herrlichen Tatsache, dass das alte Ich verurteilt und im Kreuz Christi beiseitegesetzt wurde, und deswegen kann es dann auch ganz praktisch jeden Tag durch die
Kraft des Heiligen Geistes überwunden werden. Das ist die Bedeutung dieser schönen
Worte in Kolosser 3: „Ihr seid gestorben und euer Leben ist verborgen mit
dem Christus in Gott.“ Er sagt nicht: „Ihr solltet gestorben sein“, nein, sondern:
„Ihr seid gestorben.“ Was dann? „Tötet
nun eure Glieder, die auf der Erde sind.“ So ist es auch bei der gründlichen und kostbaren Belehrung in Römer 6:
„Wir, die wir der Sünde gestorben sind, wie sollten wir noch in derselben
leben? Oder wisset ihr nicht, dass wir, so viele auf Christum getauft worden,
auf seinen Tod getauft worden sind?“ Was dann? „Also auch ihr, haltet
euch der Sünde für tot, Gott aber lebend in Christus Jesus.“
Hier
nun liegt das Geheimnis aller wahren Selbstverleugnung. Wenn man das nicht
versteht und praktisch verwirklicht, wird einfach das Ich in der einen Form das
Ich in der anderen Form unterdrücken. Das ist eine fatale Verirrung. Das ist eine Schlinge des Teufels, die allen jenen ernsten Gläubigen
droht, die sich nach Lebensheiligung sehnen, aber die Kraft einer vollbrachten
Erlösung und die Innewohnung des Heiligen Geistes nicht kennen — die nicht
aufgebaut sind auf die solide Grundlage des Christentums.
Wir
wollen besonders gegen diesen gefährlichen Irrtum warnen. Er begünstigt
besonders Mönchstum und Asketizismus. Er kleidet sich in das Gewand der Frömmigkeit
und Heiligkeit und ist besonders attraktiv für solche, die sich einen Sieg über
die Lüste, Leidenschaften und Neigungen der Natur wünschen. Sie wissen nicht,
wie sie ihn erreichen sollen, wenden daher Christus und seinem Kreuz den Rücken
und sich gleichzeitig einer solchen falschen Religion zu.
Vor
diesem äußerst irreführenden System warnt uns der Apostel in Kolosser 2: „Lasst niemand euch um den Kampfpreis bringen, der seinen eigenen Willen
tut in Demut und Anbetung der Engel, indem er auf Dinge eingeht, die er nicht
gesehen hat, in eitler Weise aufgeblasen von dem Sinn seines Fleisches und nicht
festhaltend das Haupt, aus welchem der ganze Leib, durch die Gelenke und Bande
Darreichung empfangend und zusammengefügt, das Wachstum Gottes wächst. Wenn
ihr mit Christus den Elementen der Welt gestorben seid, was unterwerft ihr euch
Satzungen, als lebtet ihr noch in der Welt? Berühre nicht, koste nicht, betaste
nicht! (Dinge, welche alle zur Zerstörung durch den Gebrauch bestimmt sind)
nach den Geboten und Lehren der Menschen (welche zwar einen Schein von Weisheit
haben, in eigenwilligem Gottesdienst und in Demut und im Nichtverschonen des
Leibes, und nicht in einer gewissen Ehre), zur Befriedigung des Fleisches“
(Kol
2,18-23).
Wir
halten es für sehr wichtig, darauf hinzuweisen, damit keiner unserer Leser uns
in Bezug auf den Gedanken der Selbstaufgabe missversteht. Wir wollen, dass es
ganz klar verstanden wird, das der einzig mögliche Boden für Selbstverleugnung
das Wissen um die vollbrachte Erlösung und unserer Vereinigung mit Christus
durch die Kraft des Heiligen Geistes ist. Das ist die notwendige Grundlage für
das gesamte christliche Verhalten. Um es kurz zu sagen: Die gekannte Errettung
ist die Grundlage, der innewohnende Heilige Geist die Kraft, und das Wort Gottes
ist die Richtschnur aller wahren Selbstaufgabe.
Aber
was wussten Gideon und seine Genossen von all diesem? Nichts im Vergleich mit
den Christen heute. Aber sie hatten Vertrauen auf Gott und hatten nicht ihre
eigene Erfrischung oder
Bequemlichkeit zum Ziel, sondern nahmen es einfach mit als ein Mittel zur
Verfolgung des Ziel. Hierin geben sie eine Lektion selbst für solche, die das
Vorrecht haben, im vollen Licht des Neuen Testamentes ihren Weg zu gehen. Wenn
sie in dem Dämmerlicht, in dem sie damals lebten, Gott vertrauen und
das Ich für den Augenblick vergessen konnten, was sollen wir dann sagen, die
wir mit all unserem Licht und unseren Vorrechten so leicht bereit sind, Gott zu misstrauen
und unsere eigenen Dinge zu suchen?
Ist
es in unseren Tagen nicht ähnlich? Obwohl wir jetzt viel mehr Licht und
Vorrechte besitzen als Gideon und seine Gefährten, so ist doch so wenig
Bereitwilligkeit vorhanden, den Pfad des Dienstes und Kampfes zu betreten, zu
dem wir berufen sind. Es herrscht unter uns ein beklagenswerter Mangel an wahrem
Vertrauen auf den lebendigen Gott und an wahrer Selbstverleugnung. Gott wird
nicht praktisch gekannt, und das eigene Ich wird erhoben und wertgehalten. Daher
sind wir so wenig geschickt für den Kampf und ohne Kraft am Tage der Schlacht. Es
ist etwas anderes, errettet zu sein oder als ein Kriegsmann zu kämpfen. Es ist
etwas anderes, errettet zu sein oder ein Soldat zu sein. Ach!, es ist
sehr zu fürchten, dass, wenn die zweifache Probe, der Israel in den Tagen
Gideons unterzogen wurde, in diesem Augenblick auf alle angewendet würde,
welche bekennen, Christus anzugehören, das praktische Resultat sich nur wenig
von dem damaligen unterscheiden würde. Was wir nötig haben, sind Männer des
Glaubens, Männer, deren Herzen befestigt und deren Augen einfältig sind, die
keine Zeit haben für etwas anderes, als für Christus und seine Sache.
Doch wenden wir uns wieder zu unserem Gegenstand. Der Schluss von Kapitel 7
des Buches der Richter zeigt uns Gideon und seine Gefährten im Besitz des
vollen Sieges. „Das Gerstenbrot“ und „die zerbrochenen Krüge“
vernichteten die ganze Macht der Midianiter und Amalekiter, obgleich diese „lagen
im Tale, wie die Heuschrecken an Menge, und ihrer Kamele war keine Zahl, wie der
Sand, der am Ufer des Meeres ist, an Menge“ (V. 12). Gott war mit dem
Gerstenbrot und den zerbrochenen Krügen, wie Er stets mit denen sein wird, die
bereit sind, den niedrigsten Platz einzunehmen, nichts zu sein und Ihn zu ihrem
„alles in allem“ zu machen, auf Ihn zu vertrauen und sich selbst völlig zu
vergessen. Möchten wir uns stets daran erinnern, dass dies der große Grundsatz
in jedem Werk und in jedem Kampf ist! Ohne Ihn können wir nie Erfolg haben; mit
Ihm wird der Sieg uns nie fehlen. Es macht nichts aus, wie groß die
Schwierigkeiten oder die Zahl und die Macht unserer Feinde ist — alles muss
verschwinden in der Gegenwart des lebendigen Gottes; und diese Gegenwart wird
mit allen sein, die auf Ihn vertrauen und sich selbst verleugnen.
Doch das ist noch nicht alles. Ein festes Vertrauen auf Gott und eine wahre
Selbstverleugnung sind nicht nur das Geheimnis des Sieges über äußere Feinde,
sondern auch der Überwindung und Entwaffnung neidischer und missgünstiger
Brüder, obgleich diese oft viel schwieriger zu bekämpfen sind als offene Feinde. Kaum
hatte Gideon den Sieg über die Unbeschnittenen errungen, als er berufen wurde,
der kleinlichen und verächtlichen Eifersucht seiner Brüder zu begegnen:
Ri 8,1: Und
die Männer von Ephraim sprachen zu ihm: Was ist das für eine Sache, die du uns
getan, dass du uns nicht gerufen hast, als du hinzogest, wider Midian zu
streiten? Und sie zankten heftig mit ihm.
Was für ein
trauriges, unwürdiges Benehmen, und wie ungerecht die Beschuldigung! Hatten sie
nicht den Schall der Posaune vernommen, die Israel zum Kampf aufforderte? Hatten
sie nicht gehört, dass das Banner Gideons entfaltet worden war? Weshalb waren
sie nicht die Ersten auf dem Kampfplatz gewesen? Es war eine leichte Sache, nach
Beendigung des Kampfes zu erscheinen, um die Beute zu nehmen, und dann mit dem
Mann zu rechten, der das eigentliche Werkzeug Gottes zu ihrer Befreiung gewesen
war.
Doch
wir wollen nicht länger bei dem traurigen Benehmen der Männer von Ephraim
verweilen, sondern lieber sehen, in wie herrlicher Weise Gideon ihren
ungerechten Anklagen begegnete:
Ri 8,2.3: Und er sprach zu ihnen: Was habe ich nun
getan im Vergleich mit euch? Ist nicht die Nachlese Ephraims besser als die
Weinlese Abiesers? In eure Hand hat Gott die Fürsten Midians, Oreb und Seeb
gegeben; und was habe ich tun können im Vergleich mit euch? Da ließ ihr Zorn
von ihm ab, als er dieses Wort redete.
Das ist die richtige
Weise, um neidische und eifersüchtige Brüder zu überwinden. Das Gerstenbrot
und die zerbrochenen Krüge konnten sowohl eifersüchtige Ephraimiter als auch
feindliche Midianiter besiegen. Ein demütiger Geist, der sich selbst in den
Hintergrund stellt, ist das große Geheimnis des Sieges über Neid und
Eifersucht in all ihren hässlichen Formen. Es ist schwierig, ja unmöglich, mit
einem Menschen zu streiten, der sich in wahrer Selbsterniedrigung in den Staub
niederbeugt. „Was habe ich tun können im Vergleich mit euch?“ Das ist
die Sprache eines Mannes, der verstanden hatte, was es bedeutet, sich selbst zu
vergessen. Und wir können sicher sein, dass eine solche Sprache stets den Neid
und die Eifersucht des selbstzufriedensten Menschen entwaffnen wird. Möchten
wir mehr und mehr diese Wahrheit verstehen!
Die Schlussszene der interessanten Geschichte Gideons ist ebenfalls voll von
Belehrung für jeden Diener Christi. Sie belehrt uns, dass es weit leichter ist,
einen Sieg zu erringen, als den richtigen Gebrauch davon zu machen, weit
leichter, eine Stellung zu erreichen, als sie in der rechten Weise zu
behaupten.
Ri 8,22.23: Und die Männer von Israel sprachen zu
Gideon: Herrsche über uns, sowohl du, als auch dein Sohn und deines Sohnes
Sohn; denn du hast uns aus der Hand Midians gerettet. Und Gideon sprach zu
ihnen: ich will nicht über euch herrschen, und nicht mein Sohn soll über euch
herrschen; der HERR soll über euch herrschen.
So weit war alles sehr schön. Es stand in völliger Übereinstimmung mit der
bisherigen Selbstverleugnung Gideons. Jeder Diener Christi wird stets suchen,
die Seelen mit seinem Herrn, nicht aber mit sich selbst zu verbinden. Gideon
wünschte, dass der HERR um keinen Preis seinen Platz als Herrscher über Israel
verlieren sollte. Doch ach! Sein großer Sieg erfüllt seine Gedanken. Er will
das für immer glorifizieren mit einem goldenen Ephod (einem priesterlichen
Gewand). Und das einfach deswegen, weil seine Selbstverleugnung nicht
vollständig war. Es gab nur Einen, dessen Selbstaufgabe vollständig war, und
dieser Eine muss in allem den Vorrang haben.
Ri 8,24-27: Und Gideon sprach zu ihnen: Eine Bitte
will ich von euch erbitten: gebet mir ein jeglicher die Ohrringe seiner Beute;
(denn sie hatten goldene Ohrringe, weil sie Ismaeliter waren). Und sie sprachen:
Gern wollen wir sie geben, und sie breiteten ein Oberkleid aus und warfen darauf
ein jeder die Ohrringe seiner Beute … Und Gideon machte daraus ein Ephod und
stellte es in seiner Stadt auf, in Ophra. Und ganz Israel hurte demselben dort
nach, und es wurde Gideon und seinem Hause zum Fallstrick.
So ist der Mensch, selbst der beste, wenn er sich selbst überlassen wird.
Derselbe Mann, der seine Brüder soeben zu einem glänzenden Sieg über Midian
geführt hatte, verleitete sie jetzt zu dem traurigsten Götzendienst. Die Ohrringe der
Ismaeliter taten, was deren Schwerter nicht zu tun vermocht hatten; und die
Liebesbeweise der Kinder Israel erwiesen sich als weit gefährlicher als das
Gezänk der Männer von Ephraim. Während das Gezänk der Männer von Ephraim
Gideon Gelegenheit gab, einen lieblichen Geist der Selbstlosigkeit zu
offenbaren, wurden die Ohrringe und Liebeszeichen der Kinder Israel zu einem
Fallstrick für ihn und sein Haus. Hätte Gideon die Ohrringe zurückgewiesen,
wie er den Thron ausschlug, so würde es für ihn und seine Brüder zum besten
gewesen sein; doch der Teufel legte eine Schlinge vor seine Füße, in die er
selbst fiel und zugleich alle seine Brüder mit hineinzog.
Möchten wir uns alle
durch den Fall Gideons warnen und durch seine Siege ermuntern lassen! Mögen wir
uns immer daran erinnern, dass es eine Sache ist, einen Sieg zu erringen, und
eine andere, einen guten Gebrauch davon zu machen. Es ist leichter, eine gewisse
Position zu erreichen, als sie richtig auszufüllen. Möge Gott dem Leser und
Schreiber dieser Zeilen mehr einfaches Vertrauen zu Ihm und mehr von dem Geist
der Selbstaufgabe schenken. Möge dies das Ergebnis der Betrachtung von Gideon
und seiner Eskorte sein.
Dieser Artikel besteht aus folgenden Teilen:
Teil
1 = Der Zustand des Menschen und Gottes Erbarmen
Teil 2 = Ausbildung in der Schule
Gottes
Teil 3 = Grundvoraussetzungen zum Dienst
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