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Das Buch Daniel (6) - H. Smith
      
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Kurzbiographie
H.Smith

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Das Buch Daniel (6)
Kapitel 6
H. Smith
© SoundWords    Zugriffe: 4085    seit: 31.05.2011  
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Leitverse: Daniel 6

Verse 1-6 Verse 7-10 Vers 11 Verse 12.13 Verse 14-18
Verse 19-25 Verse 26-28

Abfall vom Glauben

Wir haben gesehen, dass in den historischen Begebenheiten, die in Daniel 3 bis 6 aufgezeichnet sind, die moralischen Eigenschaften der Herrschermächte während der Zeiten der Nationen aufgezeigt werden. Das schlimmste und letzte Übel ist der Abfall vom Glauben: dass der Mensch den Platz Gottes auf Erden an sich reißt. Das Hinweggehen über die Rechte Gottes, die Erhöhung des Menschen, die offene Missachtung Gottes, die bereits vor unsern Augen vorübergezogen sind, enden in dem schrecklichen Versuch, alle Erkenntnis Gottes auf Erden auszumerzen, indem Gott entthront und der Mensch an seiner Stelle auf den Thron gesetzt wird. Dieser Gipfel alles Bösen wird in der Verordnung, die König Darius unterschreibt, vorhergesagt, die es dreißig Tage lang untersagt, eine Bitte an irgendeinen Gott oder Menschen zu richten, außer an den König.

Dieser Abfall vom Glauben wird im Neuen Testament deutlich als Kennzeichen des Endes der Zeiten der Nationen dargestellt. Im zweiten Kapitel des zweiten Briefes an die Thessalonicher wird der kommende Abfall in Verbindung mit der Offenbarung des Menschen der Sünde vorhergesagt, der sich allem, was Gott genannt wird oder Gegenstand der Anbetung ist, widersetzt und darüber erhebt; so dass er sich in den Tempel Gottes setzt und sich ausweist, dass er Gott sei (2Thes 2,3.4). Aus Offenbarung 13 erfahren wir des Weiteren, dass dieser Mensch der Sünde das zweite Tier ist. Die Taten dieses bösen Menschen werden durch die Verordnung des Darius vorgeschattet, wohlgemerkt nicht durch das, was Darius als Mensch war, sondern durch das, was er tat. Als Person scheint Darius ein völlig anderes Wesen gehabt zu haben als der abscheuliche Belsazar. Er scheint ein liebenswürdiger Mensch gewesen zu sein, und in dieser Hinsicht mag er den Charakter des Menschen der Sünde aufzeigen, der in den Augen der Menschen vermutlich als außerordentlich anziehend erscheinen wird.

Dan 6,1-6: 1 Und Darius, der Meder, bekam das Königreich, als er ungefähr zweiundsechzig Jahre alt war. 2 Es gefiel Darius, über das Königreich 120 Satrapen zu bestellen, die im ganzen Königreich sein sollten, 3 und über sie drei Vorsteher, von denen Daniel einer war — damit jene Satrapen ihnen Rechenschaft gäben und der König keinen Schaden erlitte. 4 Da übertraf dieser Daniel die Vorsteher und die Satrapen, weil ein außergewöhnlicher Geist in ihm war; und der König beabsichtigte, ihn über das ganze Königreich zu bestellen. 5 Da suchten die Vorsteher und die Satrapen einen Anklagegrund gegen Daniel von Seiten der Regierung zu finden; aber sie konnten keinen Anklagegrund und keine schlechte Handlung finden, weil er treu war und kein Vergehen und keine schlechte Handlung an ihm gefunden wurde. 6 Da sprachen diese Männer: Wir werden gegen diesen Daniel keinen Anklagegrund finden, es sei denn, dass wir einen im Gesetz seines Gottes gegen ihn finden.

Die Anfangsverse von Kapitel 6 nennen den Anlass, der zu dieser gottlosen Verordnung führte. Daniel war von Darius zum Oberhaupt der drei Vorsteher ernannt worden, denen die hundertzwanzig Statthalter, die das Königreich regierten, Rechenschaft abzulegen hatten. Dass ein Kind der Gefangenschaft in diese hohe Position erhoben werden sollte, erregte die Eifersucht der chaldäischen Vorsteher und Statthalter. Von Eifersucht getrieben, versuchten sie heimtückisch, irgend einen Fehler an Daniel zu finden, dessentwegen sie vor dem König Anklage gegen ihn erheben könnten.

Zuerst suchten sie einen Anklagegrund gegen Daniel in Verbindung mit seinen Staatsgeschäften. Aber so sehr all diesen Vorsteher und Statthalter versuchten, irgendeinen Fehler in Daniels Handhabung der Staatsangelegenheiten zu finden, konnten sie doch, weil er treu war, weder einen „Irrtum“ noch eine „Schuld“ bei ihm finden. Sie schlussfolgerten, dass es ihnen nur in Bezug auf das Gesetz seines Gottes gelingen würde, einen Anklagegrund gegen ihn zu finden — eine heilsame Lektion für alle Christen, deren Beziehungen zur Welt so treu ausgeübt werden sollten, dass es der Welt nur dann gelingen könnte, uns zu verdammen, wenn sie sich in die Dinge Gottes einmischen und Verordnungen erlassen würde, deren Einhaltung unseren Ungehorsam Gott gegenüber bedeuten würde.

Dan 6,7-10: 7 Dann liefen diese Vorsteher und Satrapen eilig zum König und sprachen zu ihm so: König Darius, lebe ewig! 8 Alle Vorsteher des Königreichs, die Befehlshaber und Satrapen, die Räte und Statthalter, haben beschlossen, dass der König eine Verordnung aufstellen und ein Verbot erlassen soll, dass jeder, der innerhalb von dreißig Tagen von irgendeinem Gott oder Menschen etwas erbittet außer von dir, o König, in die Löwengrube geworfen werden soll. 9 Nun, o König, erlass das Verbot und lass eine Schrift aufzeichnen, die nach dem Gesetz der Meder und Perser, das unwiderruflich ist, nicht abgeändert werden darf. 10 Deshalb ließ der König Darius die Schrift und das Verbot aufzeichnen.

Dies ist die Situation, die herbeizuführen diese Vorsteher und Statthalter sich mit satanischer Raffinesse verschwören. Anscheinend war es üblich, dass die Verwaltung Verordnungen verfasste und der König ihnen durch seine Unterschrift Autorität verlieh. Dementsprechend erscheinen diese Männer vor dem König mit einer Verordnung, dass dreißig Tage lang keine Bitte an irgendeinen Gott oder Menschen gerichtet werden sollte außer an den König und jeder Zuwiderhandelnde in die Löwengrube geworfen werden sollte.

Drei Dinge kennzeichnen diese Verordnung:

  1. Erstens ist die Verordnung an sich der absolute Gipfel des Frevels, da sie der scheußliche Versuch ist, Gott zu entthronen und den Menschen an seine Stelle zu setzen. Sie strebt an, den König in eine Stellung der absoluten Oberhoheit über Himmel und Erde einzusetzen, über Gott und den Menschen, da während einer Zeitspanne von dreißig Tagen keine Bitte an „irgendeinen Gott oder Menschen“ gerichtet werden durfte. So groß die Sünde Nebukadnezars war — diese ist weit größer. Nebukadnezar hatte ein Götzenbild an die Stelle Gottes gesetzt; aber nun setzt Darius sich selbst an die Stelle Gottes. Es ist die Vergötterung des Menschen.

  2. Zweitens ist das Motiv für die Verordnung äußerst bösartig. Unter Ausnutzung der Aufrichtigkeit von Daniels Charakter und seiner bekannten Treue gegenüber dem Gesetz seines Gottes ersinnen diese Männer vorsätzlich eine Verordnung, von der sie wissen, dass Daniel sie nicht befolgen wird.

  3. Drittens erscheint die Verordnung, die sie formulieren, dem König als höchst schmeichelhaft. Sie präsentieren sie ihm so, dass ihr wahres Motiv sorgfältig verborgen bleibt, und der König geht törichterweise in die Falle und unterschreibt die Verordnung.

Dan 6,11: Und als Daniel erfuhr, dass die Schrift aufgezeichnet war, ging er in sein Haus. Und er hatte in seinem Obergemach offene Fenster nach Jerusalem hin; und dreimal am Tag kniete er auf seine Knie und betete und lobpries vor seinem Gott, wie er vorher getan hatte.

Daniel ist sich all dessen, was da vor sich geht, offenbar bewusst, und doch klagt er diese bösen Männer nicht an und versucht auch nicht, sich zu verteidigen. Er vertraut auf seinen Gott (V. 24) und nicht auf sich selbst oder seine eigenen Anstrengungen. Seine Rolle ist es, einfach Gott zu gehorchen und Ihm die Folgen zu überlassen. Folglich geht er in sein Haus und betet wie gewöhnlich dreimal am Tag vor den nach Jerusalem offenen Fenstern seines Obergemachs. All dies ist keine Zurschaustellung; er handelt einfach, „wie er vorher getan hatte“. Da er die Angewohnheit hatte, so offen zu beten, hätte ganz Babylon es als Feigheit oder stillschweigende Hinnahme der Verordnung gedeutet, wenn er plötzlich die Fenster geschlossen und im Geheimen gebetet hätte. Doch inmitten dieser götzendienerischen Stadt legte Daniel ein öffentliches Zeugnis für den wahren Gott ab. Er war kein heimlicher Anhänger. Der Verordnung zu gehorchen, würde die Übertretung des ersten Gebotes bedeuten.

Darüber hinaus gab das Wort Gottes Daniel klare Anweisungen für die Umstände, in denen er sich befand. Salomos Gebet bei der Einweihung des Tempels sah seine Schwierigkeiten voraus. „Wenn“, so sagte König Salomo, „sie sich es zu Herzen nehmen in dem Land, wohin sie gefangen weggeführt sind, … und beten zu dir zu ihrem Land hin, das du ihren Vätern gegeben, zu der Stadt, die du erwählt hast, und dem Haus, das ich deinem Namen gebaut habe, so höre im Himmel, der Stätte deiner Wohnung, ihr Gebet und Flehen, und führe ihr Recht aus“ (1Kön 8,47-49). So lautete Salomos Gebet, und Gott nahm sein Gebet an, denn der Herr sagte: „Ich habe dein Gebet und dein Flehen gehört, das du vor mir gefleht hast“ (1Kön 9,3).

Im Glauben an Gott handelte Daniel gemäß dem Wort Gottes. Er war nicht bereit, irgendeinen Kompromiss einzugehen. Das fleischliche Denken könnte vorschlagen: Warum nicht das Fenster schließen und im Geheimen beten? Doch jeden solchen Kompromiss zurückweisend betete Daniel in einem Raum mit offenen Fenstern. Wenn er schon bei offenen Fenstern beten musste, warum sich dafür ein Zimmer aussuchen, das zur Straße hin lag? Ohne zu zögern, betete er in einem Zimmer, dessen Fenster in Richtung Jerusalem lagen. Aber wenn er vor einem offenen Fenster in Richtung Jerusalem beten musste, warum musste er dafür auf die Knie gehen; konnte er denn nicht irgendeine andere Haltung annehmen, die keine Aufmerksamkeit auf die Tatsache, dass er betete, lenken würde? Nein, Daniel ist nicht bereit, die angemessene Haltung Gott gegenüber aufzugeben; er „kniete auf seine Knie“. Wenn er nun so ausgesprochen streng ist, dass er mit offenen Fenstern nach Jerusalem und auf Knien beten muss, welche Notwendigkeit besteht dafür, das „dreimal am Tag“ zu tun? Sicher könnte er frühmorgens beten, bevor irgendjemand draußen ist, oder spätabends, nachdem alle ins Bett gegangen sind? Ja, könnte er nicht während dieser dreißig Tage darauf verzichten, tagsüber zu beten, und stattdessen nachts beten? Gott kann im Dunklen sehen und hören. Kein solcher Vorschlag beeinflusst Daniel: Er betet dreimal, und das tagsüber. Und obwohl er in Gefangenschaft ist und umgeben von Leuten, die sich gegen sein Leben verschwören, betet er nicht nur, sondern findet auch Veranlassung zu danken. Überdies betet und dankt er „vor seinem Gott“. Die Menschen mögen ihn beim Beten sehen, aber er betet nicht vor Menschen, sondern vor Gott. Dies war nichts Neues für Daniel. Es war nichts, was er plötzlich in einem Anfall religiösen Eifers für seinen Gott begann oder aus trotzigem Widerstand gegen die Verordnung des Königs heraus; es war die Fortführung seiner Gewohnheiten: „wie er vorher getan hatte.“

Dan 6,12.13: 12 Da liefen jene Männer eilig herbei und fanden Daniel betend und flehend vor seinem Gott. 13 Dann traten sie hinzu und sprachen vor dem König bezüglich des königlichen Verbots: Hast du nicht ein Verbot aufzeichnen lassen, dass jedermann, der innerhalb von dreißig Tagen von irgendeinem Gott oder Menschen etwas erbitten würde außer von dir, o König, in die Löwengrube geworfen werden sollte? Der König antwortete und sprach: Die Sache steht fest nach dem Gesetz der Meder und Perser, das unwiderruflich ist.

Für den Erfolg ihrer Verschwörung hatten Daniels Feinde auf seine bekannten Gebetsgewohnheiten und auf seine unerschütterliche Treue seinem Gott gegenüber gebaut, und sie bauten nicht vergeblich darauf. Als sie sich vor Daniels Haus versammeln, finden sie Daniel wie erwartet betend und flehend vor seinem Gott vor, unbeirrt von der Verordnung des Königs, der Verschwörung seiner Feinde und der Grube voller Löwen.

Nachdem sie ihre Beweise zusammengetragen haben, nähern sich diese Männer dem König und erinnern ihn an die Bestimmungen seiner Verordnung, deren Wahrheit er eingestehen muss. Dann erheben sie ihre Anklage und betonen dabei, dass Daniel einer der Gefangenen aus Juda ist und dass er den König nicht achtet und seine Verordnung ignoriert. Sie unterlassen es dabei, zu sagen, dass er seine Bitten an seinen Gott richtet und dessen Gesetz achtet.

Dan 6,14-18: 14 Hierauf antworteten sie und sprachen vor dem König: Daniel, einer der Weggeführten aus Juda, achtet weder auf dich, o König, noch auf das Verbot, das du hast aufzeichnen lassen; sondern er verrichtet dreimal am Tag sein Gebet. 15 Da wurde der König, als er die Sache hörte, sehr betrübt, und er sann darauf, Daniel zu retten; und bis zum Untergang der Sonne bemühte er sich, ihn zu befreien. 16 Da liefen jene Männer eilig zum König und sprachen zum König: Wisse, o König, dass die Meder und Perser ein Gesetz haben, dass kein Verbot und keine Verordnung, die der König aufgestellt hat, abgeändert werden darf. 17 Dann befahl der König, und man brachte Daniel und warf ihn in die Löwengrube. Der König hob an und sprach zu Daniel: Dein Gott, dem du ohne Unterlass dienst, er möge dich retten! 18 Und ein Stein wurde gebracht und auf die Öffnung der Grube gelegt; und der König versiegelte ihn mit seinem Siegelring und mit dem Siegelring seiner Gewaltigen, damit in Bezug auf Daniel nichts verändert würde.

Für den Erfolg ihrer Verschwörung hatten diese Männer mit der Eitelkeit des Königs und der Treue Daniels gerechnet. Wäre der König unempfänglich für ihre Schmeichelei oder Daniel Gott untreu gewesen, wäre ihr Plan fehlgeschlagen. Doch Daniel blieb treu, und der König nahm ihre Schmeichelei an, und so weit gedieh ihre Verschwörung. Indem er ihre Schmeichelei annahm, wurde der König zu ihrem Sklaven. Durch seine eigene Eitelkeit war er in die Hände dieser bösen Männer preisgegeben und erkannte erst, als es zu spät war, das eigentliche Ziel der Verordnung, die er unterschrieben hatte, mit dem Ergebnis, dass er „sehr verärgert war über sich selbst“. [Das „über sich selbst“ geht aus der englischen King-James-Übersetzung hervor; Anm. d. Üb.] Da er die Integrität Daniels schätzte, war der König darauf bedacht [auf Englisch „hängte er sein Herz daran“; Anm. d. Üb.], ihn zu retten, und mühte sich und arbeitete den ganzen Tag lang darauf hin. Das Problem, das Darius zu lösen versuchte, war, das Verlangen seines Herzens zu befriedigen und doch das Gesetz aufrechtzuerhalten, das er mit eigener Hand besiegelt hatte. David musste sich zu seiner Zeit in der Angelegenheit seines Sohnes Absalom diesem Problem stellen. David konnte die Liebe nicht mit dem Gesetz vereinbaren, und so ignorierte er das Gesetz und handelte aus Liebe, mit dem Ergebnis, dass er von dem Mann von seinem Thron vertrieben wurde, dem er die Gnade erwiesen hatte. Darius ignorierte das Gebot seines Herzens und erhielt das Gesetz aufrecht, mit dem Ergebnis, dass er seinen Thron behielt, aber Daniel in die Löwengrube geworfen wurde, wobei jede Vorkehrung getroffen wurde, dass die Verordnung des Königs buchstabengetreu ausgeführt wurde.

Gott allein kann in seinem Handeln mit dem Sünder die Forderungen der Gerechtigkeit mit der Souveränität der Gnade vereinbaren. Auf der Grundlage des Todes Christi herrscht die Gnade durch die Gerechtigkeit.

Obwohl er sein Gesetz buchstabengetreu ausführt, ist der König davon überzeugt, dass Daniels Gott, „dem du“, so sagt er, „ohne Unterlass dienst“, zur Rettung seines treuen Dieners eingreifen wird. Der König lobt Daniel für sein Handeln, das im direkten Ungehorsam gegenüber seiner eigenen Verordnung steht, und er ist zuversichtlich, dass der Mann, der die Furcht Gottes über die Furcht vor dem mächtigsten Mann der Welt stellt, von Gott nicht fallengelassen werden wird. Seine Überzeugung war richtig und ist es stets, wenngleich in der jetzigen Haushaltung des Glaubens das Eingreifen Gottes nicht immer die direkte und wundersame Form annimmt, die es in vergangenen Haushaltungen annahm.

Dan 6,19-25: 19 Dann ging der König in seinen Palast, und er übernachtete fastend und ließ keine Nebenfrauen zu sich hereinführen; und sein Schlaf floh von ihm. 20 Dann stand der König bei der Morgenröte, sobald es hell wurde, auf und ging schnell zur Löwengrube. 21 Und als er sich der Grube näherte, rief er mit trauriger Stimme nach Daniel. Der König hob an und sprach zu Daniel: Daniel, Knecht des lebendigen Gottes, hat dein Gott, dem du ohne Unterlass dienst, vermocht, dich von den Löwen zu retten? 22 Da sprach Daniel zum König: O König, lebe ewig! 23 Mein Gott hat seinen Engel gesandt und hat den Rachen der Löwen verschlossen, dass sie mich nicht verletzt haben, weil vor ihm Unschuld an mir gefunden wurde; und auch vor dir, o König, habe ich kein Verbrechen begangen. 24 Da freute sich der König sehr, und er befahl, Daniel aus der Grube herauszuholen. Und Daniel wurde aus der Grube herausgeholt; und keine Verletzung wurde an ihm gefunden, weil er auf seinen Gott vertraut hatte. 25 Und der König befahl, und man brachte jene Männer, die Daniel angezeigt hatten, und man warf sie in die Löwengrube, sie, ihre Kinder und ihre Frauen; und ehe sie noch auf dem Boden der Grube angekommen waren, bemächtigten sich ihrer die Löwen und zermalmten alle ihre Gebeine.

Trotz seiner Überzeugung, dass Gott zu Gunsten seines Dieners eingreifen wird, ist der König voller Reue über seine eigene Handlungsweise und verbringt eine schlaflose Nacht mit Fasten. Am nächsten Morgen eilt er zu der Löwengrube und stellt zu seiner Erleichterung fest, dass Gott tatsächlich eingegriffen hat. Als er Daniel ruft, nennt er ihn „Knecht des lebendigen Gottes“ und erkennt erneut an, dass Daniel Gott ohne Unterlass gedient hat. In ihrer Anklage hatten die bösen Männer den König über alle Maßen erhoben und Gott zu nichts gemacht; der König erhebt Gott über alles und macht sich selbst zu nichts.

Daniel teilt dem König mit, dass Gott durch die Macht eines Engels zu seinen Gunsten eingegriffen und den Löwen den Rachen verschlossen hat, da er ein gutes Gewissen sowohl Gott als auch dem König gegenüber hatte. Die Männer, die die Verordnung entwarfen, hatten Gott bei ihrer Rechnung außen vor gelassen. Sie hatten nicht damit gerechnet, dass irgendeine Macht die Fähigkeit haben könnte, die Wildheit der Löwen zurückzuhalten. Sie hatten in ihrer Verordnung keine Klausel formuliert, dass jemand, der den Löwen vorgeworfen wird, von den Löwen getötet werden muss. Daher wurde das Gesetz erfüllt, und Daniel wurde gerettet, und diese bösartigen Männer, die nun gründlich bloßgestellt waren, wurden nun selbst zusammen mit ihren Familien in die Löwengrube geworfen und so in derselben Falle gefangen, die sie dem Mann Gottes gestellt hatten.

Dan 6,26-28: 26 Darauf schrieb der König Darius an alle Völker, Völkerschaften und Sprachen, die auf der ganzen Erde wohnten: Friede euch in Fülle! 27 Von mir wird Befehl gegeben, dass man in der ganzen Herrschaft meines Königreichs bebe und sich vor dem Gott Daniels fürchte; denn er ist der lebendige Gott und besteht ewig, und sein Reich wird nie zerstört werden, und seine Herrschaft währt bis ans Ende; 28 der da rettet und befreit und Zeichen und Wunder tut im Himmel und auf der Erde: Denn er hat Daniel aus der Gewalt der Löwen errettet.

Darius erlässt nun eine zweite Verordnung an alle, die auf der Erde wohnen, dass alle Menschen vor dem Gott Daniels zittern und sich fürchten sollen. Dies übertrifft die Verordnung von Nebukadnezar, von der in Daniel 3 berichtet wird, die lediglich befahl, dass niemand etwas Verächtliches über Gott sagen durfte. Diese Verordnung nun befiehlt, dass Gott der gebührende Respekt und die gebührende Furcht gezollt werden muss in Anerkennung seiner Souveränität als der lebendige Gott. So wird durch die Treue eines Mannes der Versuch, den Menschen an die Stelle Gottes zu setzen, zum Anlass eines weltweiten Zeugnisses für den lebendigen Gott.

Der gesamte Vorfall illustriert auffällig die Wahrheit von Psalm 57. Darin findet der Psalmist sich in der Gegenwart derjenigen wieder, die ihn verschlingen möchten. Er ruft zu Gott, dem Allerhöchsten, der seine Sache für ihn zum guten Ende führt. Nachdem er zu Gott gerufen hat, ist er zuversichtlich, dass Gott vom Himmel senden und ihn retten wird. [In der englischen Übersetzung liest sich Vers 4 nicht wie eine Bitte, sondern wie Gewissheit; Anm. d. Üb.] In seiner Zuversicht bleibt er ruhig, obwohl er, was seine äußerlichen Umstände betrifft, „mitten unter Löwen“ und umringt von Feinden ist, deren Zunge wie ein scharfes Schwert ist. [In der englischen Übersetzung lautet Vers 5 folgendermaßen: „Meine Seele ist unter Löwen: und ich liege unter denen, die in Brand gesetzt sind, ja, den Menschensöhnen, deren Zähne Speere und Pfeile sind und ihre Zunge ein scharfes Schwert“; Anm. d. Üb.] In der Folge sagt der Psalmist: „Eine Grube haben sie vor mir gegraben, sie sind mitten hineingefallen“ (V. 7). Überdies wird Gott erhoben; sein Lobgesang erschallt „unter den Völkern“, und Er wird „über die Himmel“ und „über die ganze Erde“ erhoben. Das endgültige Ende des Abfalls der Menschen vom Glauben wird sein, dass die Bösen mit immerwährender Zerstörung bestraft und die Gottesfürchtigen für all ihre Leiden belohnt werden und Gott überall auf Erden verherrlicht werden wird durch die Herrlichkeit Christi.


Übersetzung: S. Bauer

 


 

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