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Auszug
aus dem Buch
„Der
vergessene Reichtum“
Kapitel 20:
Fragen und Kommentare zum Zeitpunkt der Auferstehung
Leitverse: Offenbarung 20,4-6; Johannes 5,24.25.28.29; Daniel 12,1-3
Inhalt
Drei Gruppen in Offenbarung 20,4–6
Handelt es sich um
die neue Geburt (Off 20,5)
Die erste Auferstehung –
eine Personengruppe
Die Stunde der
Auferstehung (Joh 5,24.25.28.29)
Der „letzte Tag“
Die „letzte Posaune“
Das Erwachen in Daniel 12,1–3
4 Und ich sah Throne, und sie saßen darauf, und es wurde
ihnen gegeben, Gericht zu halten; und ich sah die Seelen derer, die um des
Zeugnisses Jesu und um des Wortes Gottes willen enthauptet worden waren, und
die, die das Tier nicht angebetet hatten noch sein Bild, und das Malzeichen
nicht angenommen hatten an ihre Stirn und an ihre Hand. Und sie wurden
lebendig und herrschten mit dem Christus tausend Jahre. 5 Die Übrigen der
Toten wurden nicht lebendig, bis die tausend Jahre vollendet waren. Dies ist
die erste Auferstehung. 6 Glückselig und heilig, wer teilhat an der ersten
Auferstehung! Über diese hat der zweite Tod keine Gewalt, sondern sie werden
Priester Gottes und des Christus sein und mit ihm herrschen tausend Jahre
(Off 20,4–6).
In Vers 4 werden drei unterschiedliche Gruppen von Heiligen
erwähnt:
- „… und ich sah Throne, und sie saßen darauf, und es wurde ihnen
gegeben, Gericht zu halten.“
- „… die Seelen derer, die um des Zeugnisses Jesu und um des Wortes
Gottes willen enthauptet worden waren.“
- „… und die, die das Tier nicht angebetet hatten noch sein Bild, und
das Malzeichen nicht angenommen hatten an ihre Stirn und an ihre Hand.“
Gruppe eins besteht aus den auferstandenen und
entrückten Gläubigen des Alten und des Neuen Testamentes. Sie werden ab Kapitel
4 durch die 24 Ältesten symbolisiert. Bei der Hochzeit des Lammes werden sie in
„die Braut“ (die Gemeinde) und „die Gäste“ (die alttestamentlichen Gläubigen)
unterteilt, und später werden sie als „die Kriegsheere, die in dem Himmel
sind“
(Off 19,14), gesehen.
Bei den Thronen handelt es sich nicht, wie einige
glauben, um Ehrenauszeichnungen, sondern es sind Throne des Gerichts, wie der
Vers ausdrücklich sagt: „… und es wurde ihnen gegeben, Gericht zu halten“
(V. 4). Diese Throne sehen wir auch in Offenbarung 4,4, wo sie mit dem Thron
Gottes, dem Thron des Gerichts, in Verbindung stehen [Psalm 9,5.8 unterstützt
den Gedanken, dass es sich um den Gerichtsthron handelt]. In Offenbarung 20,4 wird
nun wahr, was Paulus zu den Korinthern geredet hatte: „Oder wisst ihr nicht,
dass die Heiligen die Welt richten werden?“ (1Kor 6,2). Es ist bemerkenswert,
dass wir bei Gruppe zwei und drei von dieser Aufgabe des Richtens nichts lesen.
Gruppe zwei ist charakteristischerweise eine
Märtyrergruppe. Einige dieser Märtyrer finden wir in Offenbarung 6,9–11 „unter
dem Altar“. Das Wort „Seelen“ (V. 9) erinnert uns an diese Stelle. Diejenigen,
die während der Drangsal „um des Zeugnisses Jesu und um des Wortes Gottes willen
enthauptet“ (V. 4) werden, bekommen einen Leib [Es ist allerdings noch
nicht der Auferstehungsleib], so dass sie in der Lage sein
werden, zu herrschen. Natürlich gibt es auch in der ersten Gruppe Märtyrer, aber
die zweite Gruppe besteht nur aus Märtyrern, die aufgrund ihres
Zeugnisses für Gott in der Zeit nach der Entrückung und in der ersten Hälfte der
70. Jahrwoche Daniels ihr Leben lassen müssen. Dabei ist zu beachten, dass diese
Märtyrer erst nach der Entrückung der Gläubigen während der Drangsal zum Glauben
kommen, denn sonst wären ja auch sie entrückt worden. [Entgegen
anderen Ansichten gibt es keine „Teilentrückung“, nach der nur besonders
„geheiligte“ Gläubige sofort entrückt würden und die anderen vorerst auf der
Erde zurückblieben, bis sie sich „bewährt“ hätten.]
Gruppe drei besteht aus solchen, die während
der zweiten Hälfte der 70. Jahrwoche Daniels der Verführung Satans nicht
nachgeben und über das Tier, den römischen Weltherrscher, siegreich sind. Sie
sind „die Überwinder über das Tier“ (Off 15,2), und da sie es nicht anbeten und
sein Malzeichen nicht annehmen, müssen sie dies mit dem Leben bezahlen. Auch
diese Heiligen kommen erst in der Drangsal zum Glauben.
Alle drei Gruppen gemeinsam haben priesterliche und
königliche Aufgaben, denn „sie werden Priester Gottes und des Christus sein und
mit ihm herrschen tausend Jahre“ (V. 6). Es wird also ein großer Unterschied
bestehen zwischen denen, die im Tausendjährigen Reich herrschen, und denen, die
beherrscht werden. Beide werden Segen genießen, aber unterschiedlicher Art. Hier
wird das Wort des Herrn seine größte Erfüllung finden: „Glückselig sind, die
nicht gesehen und doch geglaubt haben!“ (Joh 20,29). Alle diejenigen, die in der
Zeit der Verwerfung Christi gelebt und geglaubt haben, die sozusagen „gegen den
Strom schwimmen“ mussten, werden den besonderen Segen erhalten, mit Christus
herrschen zu dürfen. Diejenigen dagegen, die im Tausendjährigen Reich zum
Glauben kommen, wenn sich alles nach Christi Willen ausrichtet, werden ohne
besondere Anstrengung in dem Strom der Heiligkeit „mitschwimmen“. Dafür werden
sie auch nicht in diese besondere Stellung erhoben, die die anderen Gläubigen
bekleiden dürfen.
Es ist übrigens bemerkenswert, dass alle Heiligen
gleich lang regieren werden, nämlich tausend Jahre, wie Vers 6 ausdrücklich
sagt. Solche, die den Beginn des Tausendjährigen Reiches, das hier beschrieben
wird, zweitausend Jahre zurückverlegen, sind gezwungen, eine unterschiedlich
lange Regierungszeit zu akzeptieren, da einige Menschen Jahrhunderte vor anderen
geboren sind.
Die Übrigen der Toten wurden nicht lebendig,
bis die tausend Jahre vollendet waren. Dies ist die erste Auferstehung
(Off 20,5).
Manche wollen den Ausdruck „und sie wurden
lebendig {eig. sie lebten}“ in Vers 4 mit der neuen Geburt gleichsetzen.
Doch es heißt in Vers 5: „Die Übrigen der Toten wurden nicht lebendig, bis die tausend Jahre vollendet
waren.“ Konsequenterweise müssten sie
annehmen, dass diese Toten dann nach den tausend Jahren auch noch von
neuem geboren werden. Um dieser Schwierigkeit zu entgehen, behaupten sie,
es handele sich zwar in Vers 4 um die geistliche Auferstehung, in Vers 5
jedoch um die leibliche Auferstehung. Damit legt man aber hier die Schrift
sehr willkürlich aus. Um die eigene Meinung zu stützen, führt man
Schriftstellen an, in denen man die „Auferstehung“ geistlich auf die neue
Geburt umdeutet, zum Beispiel Johannes 5,25–29 und Epheser 2,1–6 [vgl. R. Hardmeier,
Zukunft. Hoffnung. Bibel., Oerlinghausen (Betanien-Verlag) 2007, S.
484]. Doch in
Johannes 5,29, wo ausdrücklich von der „Auferstehung“ die Rede ist (wie
auch in Offenbarung 20,5), ist die leibliche Auferstehung gemeint. Und in
Epheser 2 geht es bei dem „Mitauferwecktwerden“ um unsere Verbindung mit
Christus in seiner Auferstehung, die uns in einen völlig neuen
Lebensbereich bringt.
Nach Ansicht derjenigen, die unter der ersten
Auferstehung einen bestimmten Zeitpunkt verstehen, beweise Offenbarung
20,4–6, dass die Auferstehung der Christen nicht vor der Drangsal
stattfinden könne, weil in Offenbarung 20,5 die erste Auferstehung unmittelbar
vor dem Beginn des Tausendjährigen Reiches erwähnt wird. Doch genauso wenig wie
es in Zukunft keine zwei Kommen des Herrn gibt, sondern nur zwei Phasen ein und
desselben Kommens, so gibt es auch nicht mehrere erste Auferstehungen, sondern
mehrere Phasen der ersten Auferstehung. 1. Korinther 15,23 beweist, dass es
mindestens zwei Phasen der ersten Auferstehung gibt, denn (1) Christus als „der
Erstling“ ist bereits auferstanden, und (2) dann werden die, „die des Christus
sind bei seiner Ankunft“, auferstehen. Insgesamt gibt es noch mehr zeitlich
verschiedene Phasen der ersten Auferstehung:
- Christus als der Erstling (1Kor 15,23) vor etwa zweitausend Jahren
- die gestorbenen und lebenden Gläubigen des Alten und Neuen Testamentes bei
der Entrückung (1Kor 15,23; 1Thes 4,16.17)
- die zwei Zeugen am 1263. Tag der zweiten Hälfte der 70. Jahrwoche Daniels
(Off 11,3–12)
- die Märtyrer der 70. Jahrwoche Daniels zu Beginn des Tausendjährigen
Reiches (Off 20,4) [falls diese nicht mit Phase 3 zusammenfällt, wie man
vermuten kann].
Damit ist die erste Auferstehung abgeschlossen. Es
handelt sich bei der ersten Auferstehung nicht um einen bestimmten Zeitpunkt,
sondern um eine bestimmte Personengruppe: nämlich um alle Heiligen, die
bis zum Beginn des Tausendjährigen Reiches zu unterschiedlichen Zeitpunkten
auferstehen werden.
Manche meinen, bei der Entrückung handele es sich
allein um die Auferstehung der Gemeinde und die Gläubigen des Alten Testamentes
seien daher nicht mit eingeschlossen. Doch die Auferstehung ist nicht
ausschließlich für die Gemeinde kennzeichnend. Die erste Auferstehung ist nach
Lukas 14,14 und Apostelgeschichte 24,15 die Auferstehung „der Gerechten“; zu ihr
gehören auch die alttestamentlichen Gläubigen (siehe z.B. Heb 12,23). Sie
sollen nach Hebräer 11,40 „nicht ohne uns vollkommen gemacht“ werden, das
heißt sicher nicht wir ohne sie. Wenn zur ersten Auferstehung alle
Gerechten gehören, gibt es keinen Grund, warum die alttestamentlichen
Gläubigen bei der Auferstehung der Gläubigen, die zur Gemeinde gehören, nicht
auch dabei sein sollten, denn sie sind ebenso Gerechte wie diese.
Die Tabelle zeigt die Unterschiede zwischen den
zwei Auferstehungen:
| |
Die erste Auferstehung |
Die zweite Auferstehung |
|
Zeitraum |
vor dem Tausendjährigen Reich
(1Kor 15,23; Off
20,4) |
nach dem Tausendjährigen Reich
(Off 20,5.13) |
|
Charakter der Personen |
die Gerechten
(Apg 24,15; Lk 14,14; 1Kor 15,23) |
die Ungerechten
(Apg 24,15) |
|
Art und Weise |
eine Aus-Auferstehung aus den Toten
(Phil 3,11;
von vielen Toten werden einige auferstehen und andere nicht) |
die Auferstehung der Toten
(Off 20,12: „die
Toten; danach werden keine Toten übrigbleiben) |
|
Ziel |
das Leben (Joh 5,29); der Tod verschlungen in Sieg
(1Kor 15,54);
die Gläubigen werden nicht nur nicht verurteilt,
sie kommen gar nicht erst in das Gericht (Joh 5,24)
|
das Gericht
(Joh 5,29) |
|
Ergebnis |
Belohnung
(Lk 14,14) |
der zweite Tod im Feuersee
(Off 20,14.15) |
Auferstehen werden also alle Menschen (siehe auch Joh 5,29); die Frage
stellt sich nur, wann sie auferstehen werden. Wer nicht zur ersten
Auferstehung, der Auferstehung zum Leben, vor Beginn des Tausendjährigen
Reiches gehört, wird tausend Jahre später an der Auferstehung der Toten
teilhaben — dann zum Gericht und zum zweiten Tod.
24 Wer mein Wort hört und dem glaubt, der
mich gesandt hat, hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern
ist aus dem Tod in das Leben übergegangen. 25 Wahrlich, wahrlich,
ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist jetzt, da die Toten die Stimme
des Sohnes Gottes hören werden, und die sie gehört haben, werden leben … 28 Wundert euch darüber nicht, denn es kommt die Stunde, in der
alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören 29 und
hervorkommen werden: die das Gute getan haben, zur Auferstehung des
Lebens, die aber das Böse verübt haben, zur Auferstehung des Gerichts (Joh 5,24.25.28.29).
Für diejenigen, die an eine allgemeine
Auferstehung glauben, ist Johannes 5,28.29 die Hauptstütze ihrer Lehre.
Sie meinen, die Auferstehung aller Menschen fände gleichzeitig statt und
der Ausdruck „die Stunde kommt“ könnte keine lange Zeitperiode (von
mindestens tausend Jahren) erlauben, die zwischen der „Auferstehung des
Lebens“ und der „Auferstehung des Gerichts“ liegt. Doch zeigt gerade der
Zusammenhang der Verse 24–29, dass ihre Auslegung dieses Ausdrucks falsch
ist.
Was bedeutet nun „Es kommt die Stunde“?
Diesen Ausdruck finden wir zum Beispiel in Johannes 4,23. Zum zweiten Mal
kommt er in Johannes 5,25 vor, wo wir von Toten lesen, die „die Stimme des
Sohnes Gottes hören … und leben“ werden. Diese „Stunde“ ist die seit fast
zweitausend Jahren andauernde Gnadenzeit — die Zeit, in der Menschen, die
„in Vergehungen und Sünden“ geistlich tot sind, durch die Stimme
des Sohnes Gottes geistlich lebendig gemacht werden (Eph 2,1–3) und
Ihn „in Geist und Wahrheit anbeten“ (Joh 4,23). Auch in den Versen 28.29
ist mit der Stunde eine Epoche gemeint, in der Menschen körperlich
auferstehen werden. Genauso wie es also eine Epoche gibt, in der Menschen
durch den Sohn Gottes geistlich lebendig gemacht werden (V. 25),
wird es einmal eine Epoche geben, in der der Sohn Gottes alle Menschen
körperlich lebendig machen, das heißt auferwecken wird (V. 29). Diese
Epoche beginnt mit der Entrückung, schließt die Auferweckung der Märtyrer
der 70. Jahrwoche Daniels ein und endet mit der Auferstehung der
Ungerechten nach dem Tausendjährigen Reich (Off 20,4.5). Sie ist sozusagen
eine Epoche der Auferstehung, die eine Auferstehung zum Leben wie auch
eine Auferstehung zum Gericht beinhaltet.
Ähnlich ist es auch bei dem „letzten Tag“ in
Johannes 6,39.40.44.54; 11,24; 12,48. Ebenso wenig wie die „Stunde
der Auferstehung“ eine buchstäbliche Stunde bezeichnet, so wenig
charakterisiert der „letzte Tag“ — in manchen Kreisen wird er auch
der „Jüngste Tag“ genannt — einen buchstäblichen Tag von 24 Stunden, weder
vor noch nach den tausend Jahren. Er ist nicht das Ende der Welt, in
dessen letzten 24 Stunden eine allgemeine Auferstehung stattfindet, wie
viele glauben. Der „letzte Tag“ ist vielmehr eine Epoche, die von der
Entrückung (bei der zum ersten Mal alle gerechten Erlösten auferweckt
werden) bis zum Gericht vor dem großen weißen Thron reicht, wenn
schließlich auch die Ungerechten auferweckt sein werden. Zwei Verse aus
dem Johannesevangelium machen deutlich, dass es sich nicht um einen
24-Stunden-Tag handeln kann: Der „letzte Tag“ in Johannes 6,39 beginnt bei
der Entrückung („… dass ich … es auferwecke am letzten Tag“), während
Johannes 12,48 von dem großen weißen Thron spricht („… das wird ihn
richten“), wenn die Ungerechten gerichtet werden.
Einige sind der Meinung, es könne keine
Auferstehung vor der Drangsal geben, weil nach 1. Korinther 15,52 die
Auferstehung bei der letzten Posaune stattfindet. Es könne nach der letzten
Posaune keine weitere Posaune mehr geben. Daraus schlussfolgern sie, diese
letzte Posaune könne nicht vor der siebten Posaune aus Offenbarung 11,15, die
unmittelbar mit der Erscheinung des Herrn in Verbindung steht, ertönen. Sie
erliegen dem Irrtum, anzunehmen, die Posaune (z.B. in 1Kor 15,52 und
Off 11,15) sei immer ein und dieselbe Posaune und habe immer die gleiche
Bedeutung. [Die letzte Posaune in 1. Korinther 15,52 kann schon deshalb nicht
die letzte der sieben Posaunen in Offenbarung 11,15 sein, weil der Apostel die
Korinther bereits ca. dreißig Jahre vor der Niederschrift der Offenbarung
belehrte. Unmöglich wird er dazu einen Gegenstand benutzt haben, der erst viele
Jahre später durch Johannes beschrieben wurde.]
Ein Vergleich von Johannes 5,25 mit Johannes 5,28
und 1. Johannes 2,18 zeigt uns, dass „letzte“ nicht immer „letzte“ im absoluten
Sinn bedeuten muss. Die Stunde in Johannes 5,25 ist in 1. Johannes 2,18
zeitgleich mit der letzten Stunde. Doch nach Johannes 5,28 kommt danach
noch eine Stunde, in der die Auferstehung stattfindet. In ähnlichem Sinne
ist auch die siebte Posaune von Offenbarung 11 nicht die letzte Posaune;
die chronologisch letzte Posaune ist die große Posaune von Jesaja 27,13
bzw. die Posaune der Engel von Matthäus 24,31, die nach der Erscheinung des
Herrn zur Sammlung der zerstreuten Israeliten posaunen wird. Dagegen bedeutet
der Ausdruck letzte Posaune in 1. Korinther 15,52 nur, dass nun die Zeit
des „Aufbruchs“ für die Gläubigen angebrochen ist. Beim römischen Heer ertönte
die Posaune dreimal, wenn es in Bewegung gesetzt werden sollte: Beim Ton der
ersten Posaune wurden die Zelte abgebaut, bei der zweiten Posaune stellten sich
die Soldaten in Marschordnung auf, und beim Ton der letzten Posaune setzten sie
sich in Bewegung.
Je nach ihrem Vorkommen in der Schrift, das heißt
nach dem Zusammenhang, in dem sie stehen, haben die Posaunen eine ganz
unterschiedliche Bedeutung. Wir können drei Gruppen von Posaunen unterscheiden:
-
Die Posaunen in Jesaja 27,13 und Matthäus 24,31 haben mit der Sammlung
der Juden zu ihrem Land in Kanaan nach der Erscheinung des Herrn zu tun.
-
Die Posaunen in 1. Thessalonicher 4,16 und 1. Korinther 15,52 haben mit
der Sammlung der Heiligen zum Himmel vor der Drangsal zu tun.
-
Die sieben Posaunen der Offenbarung haben besonders mit dem Gericht
über die Nationen zu tun.
1 Und in jener Zeit wird Michael aufstehen,
der große Fürst, der für die Kinder deines Volkes steht; und es wird eine Zeit
der Drangsal sein, wie sie nicht gewesen ist, seitdem eine Nation besteht bis
zu jener Zeit. Und in jener Zeit wird dein Volk errettet werden, jeder, der im
Buch geschrieben gefunden wird. 2 Und viele von denen, die im Staub der
Erde schlafen, werden erwachen: diese zu ewigem Leben und jene zur
Schande, zu ewigem Abscheu. 3 Und die Verständigen werden leuchten wie
der Glanz der Himmelsfeste, und die, welche die Vielen zur Gerechtigkeit
weisen, wie die Sterne, immer und ewig (Dan 12,1–3).
Frage: Im Zusammenhang mit dem Thema
„Auferstehung“ wird immer wieder Daniel 12,1–3 erwähnt. Welche „Auferstehung“
ist in diesen Versen gemeint?
Antwort: Folgende Sätze bereiten gewisse
Schwierigkeiten: „Und in jener Zeit wird dein Volk errettet werden, jeder, der
im Buch geschrieben gefunden wird. Und viele von denen, die im Staub der Erde
schlafen, werden erwachen: diese zu ewigem Leben und jene zur Schande, zu ewigem
Abscheu.“ Der erste Satz ist recht deutlich; hier stimmen viele Ausleger darin
überein, es handele sich um den jüdischen Überrest, der aus der Drangsal lebend
ins Tausendjährige Reich eingehen wird. Wer aber sind die Vielen, „die im Staub
der Erde schlafen“?
Manche denken hier an eine leibliche und
buchstäbliche Auferstehung und verbinden sie mit Johannes 5,28.29. Wird Daniel
12,1–3 jedoch im Zusammenhang der ganzen Heiligen Schrift betrachtet, dann ist
diese Auslegung sehr fragwürdig. Im Alten Testament muss die Auferstehung in
einigen Bibelstellen bildlich verstanden werden, zum Beispiel in Psalm 71,20:
„Du, der du uns viele Bedrängnisse und Übel hast sehen lassen, du wirst uns
wieder beleben und uns wieder heraufführen aus den Tiefen der Erde“, oder in
Jesaja 26,19: „Deine Toten werden aufleben, meine Leichen wieder aufstehen.
Wacht auf und jubelt, die ihr im Staub liegt!“ In beiden Stellen steht nahezu
der gleiche Ausdruck wie in Daniel 12,2 („… die im Staub der Erde schlafen“). In
Hesekiel 37,1–14 wird ebenfalls eine Bildersprache verwendet; auch hier kann es
nicht um eine buchstäbliche Auferstehung gehen, es sei denn, man setzt voraus,
dass die Auferstehung in Etappen geschieht. Das Neue Testament schließlich
beschreibt die Annahme Israels als „Leben aus den Toten“ (Röm 11,15). In keiner
der angeführten Stellen geht es um eine buchstäbliche Auferstehung.
Diese Stellen sollten genügen, um deutlich zu
machen, dass wir in Daniel 12,1–3 nicht an eine buchstäbliche Auferstehung
denken sollten. Vielmehr geht es hier um die Sammlung der Juden aus den
Völkern (deshalb der Ausdruck „Staub der Erde“), seien sie nun
gläubig oder ungläubig. Die Errettung derjenigen, die in Israel den
jüdischen Überrest bilden, wurde bereits im vorigen Vers beschrieben. Die
„Auserwählten“ aus Matthäus 24,31, die durch das Aussenden der Engel „von den
vier Winden“ her gesammelt werden, sind diejenigen aus Vers 2, die „zu ewigem
Leben“ erweckt werden. Dieser Gedanke wird auch in Hesekiel 20,34–38
beschrieben: „Und ich werde euch herausführen aus den Völkern und euch aus den
Ländern sammeln, in die ihr zerstreut worden seid, mit starker Hand und mit
ausgestrecktem Arm und mit ausgegossenem Grimm. Und ich werde euch in die Wüste
der Völker bringen und dort mit euch rechten von Angesicht zu Angesicht; wie ich
mit euren Vätern gerechtet habe in der Wüste des Landes Ägypten, so werde ich
mit euch rechten, spricht der Herr, Herr. Und ich werde euch unter dem Stab
hindurchziehen lassen und euch in das Band des Bundes bringen. Und ich werde die
Empörer und die von mir Abgefallenen von euch absondern; ich werde sie
herausführen aus dem Land ihrer Fremdlingschaft, aber in das Land Israel soll
keiner von ihnen kommen. Und ihr werdet wissen, dass ich der Herr bin.“
Alle Israeliten, die in der „Zeit des Endes“
(Dan 8,17.19; 11,35.40; 12,4.9), während der Zeit der Drangsal, zum Glauben
kommen und den Messias annehmen, obwohl sie sich nicht in Israel befinden,
sondern sich noch in der Zerstreuung aufhalten, werden nach Israel gesammelt und
gehen ins ewige Leben ein. Alle anderen dieser Israeliten, von denen sich wohl
auch etliche ins Land gerufen fühlen, die aber nicht in Buße den Messias
angenommen haben, werden lediglich zur ewigen Schande erweckt, das heißt, sie
werden durch Gericht von der Erde weggenommen und müssen sterben. Sie werden
sich zwar ihrer nationalen Identität bewusst sein, stellen sich aber nicht mit
Buße auf die Seite des Messias.
Einen weiteren Grund, warum es hier nicht um die
buchstäbliche leibliche Auferstehung gehen kann, sehen wir in dem Wort „viele“:
„… und viele von denen“ (V. 2). Wenn es sich um die leibliche
Auferstehung handeln würde, müsste hier stattdessen das Wort „alle“ stehen. Es
wird zwar manchmal argumentiert, es sei „eine große Menge“ gemeint, wenn Daniel
das Wort „viele“ benutzt, aber wenn man andere Stellen im Buch Daniel vergleicht
(Dan 11,34.44; 12,4.10), wo das gleiche Wort vorkommt, stellt man fest, dass
dort das Wort „viele“ immer in dem Sinn von „eine Menge, aber nicht alle“
verwendet wird.

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