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Leitverse: Offenbarung 1,3; 14,13; 16,15; 19,9; 22,7; 22,14
Wie kommt es eigentlich, dass das letzte Buch der Bibel in den meisten
Gemeinden und Kirchen so vernachlässigt wird? Sind es die vielen Gerichte, die
uns so verschrecken? Oder meinen wir, das Gottesbild der Offenbarung nicht in
Einklang bringen zu können mit den übrigen Aussagen des Neuen Testamentes?
Erscheint uns die Symbolik zu schwer und unverständlich, oder ist es ganz
einfach der uns allen geläufige Ausdruck, dass die Offenbarung nun eben „ein Buch
mit sieben Siegeln“ sei und somit eine nähere Beschäftigung mit seinem Inhalt
sich von vornherein verbiete?
Nun, ich für meinen Teil finde dieses Buch
geradezu faszinierend und in höchstem Maß zeitnah. Nicht zuletzt auch zutiefst
tröstlich und Mut spendend, da seine Botschaft uns wiederholt zuruft: Fasse Mut,
halte aus! Gott ist niemals am Ende mit seinen Möglichkeiten. Ihm entgleitet
nichts. Er ist und bleibt Herr jeder Lage. Und in Ihm haben wir den Sieg, auch
wenn es manchmal anders scheint. So sind auch die sieben in ihr enthaltenen
Seligpreisungen ein einzigartiger Zuspruch Gottes für alle, die ihr Vertrauen
auf den Herrn setzen, und sie lassen in ihrer Gesamtaussage dieses für uns bisher
vielleicht rätselhafte Buch in einem ganz neuen Licht erscheinen. Im Folgenden
nun einige kurze Ausführungen dazu.
Off 1,3: Glückselig, der da liest und die da hören
die Worte der Weissagung und bewahren, was in ihr geschrieben ist; denn die Zeit
ist nahe.
Das ist also der Weg zum vollkommenen Glück: die Offenbarung lesen, ihre
Worte zu Herzen nehmen (= hören) und anschließend danach tun (= bewahren), das
heißt
sich durch ihre Botschaft prägen lassen im Denken und Tun. Und all dies in der
größten Dringlichkeitsstufe, denn „die Zeit ist nahe“, wo die prophetische Schau
in die Geschichte einmündet.
Off 14,13: Glückselig die Toten, die im Herrn
sterben, von nun an! Ja, spricht der Geist, damit sie ruhen von ihren Arbeiten,
denn ihre Werke folgen ihnen nach.
Welch eine seltsame Botschaft! Vieles hat sich in der Zwischenzeit ereignet:
- die großartige Erscheinung des verherrlichten Christus in Kapitel 1, wie
Er als der himmlische Seelsorger dem Johannes erscheint
- die Zusammenschau der Kirchengeschichte von der nachapostolischen Zeit bis
zur Entrückung der Gemeinde, ihre geistliche Diagnose und göttliche Therapie
des himmlischen Lehrmeisters in den Kapiteln 2 und 3
- der Thronsaal Gottes mit dem geschlachteten Lamm als dem Mittelpunkt aller
Bewunderung und Anbetung (Off 4 und 5)
- die ersten sechs Siegel, mit denen die Gerichtsperiode eröffnet wird (Off
6)
- die großartige Schau der 144.000 Versiegelten aus den Stämmen Israels, der
göttlichen Missionsmannschaft, die das Zeugnis des lebendigen Gottes und seines Christus aufrechterhalten wird während der großen Drangsalszeit. Und
als deren Ergebnis in demselben Kapitel die große Schar, die aus der Drangsal
gerettet wird (Off 7)
- das siebente und letzte Siegel, das die sieben Posaunengerichte enthält
und in den Kapiteln 8-10 weitere Gerichte über diese Erde und die von Gott
abgefallene Menschheit kommen lässt
- der Dienst der beiden Zeugen des Herrn in Jerusalem, der erst durch den
kommenden Antichristen (das Tier aus dem Abgrund) ein Ende findet (Off 11)
- der endgültige Hinauswurf des Teufels aus dem Himmel, der dann dem
Antichristen seinen Thron und seine Macht gibt, um die Zeugen Jesu zu
vernichten und die ganze Welt zur Satansanbetung zu bringen (Off 12 und 13)
- schließlich in Kapitel 14 die Schilderung der Überwinderschar, die dann
mit dem zweiten „Glückselig“ der Offenbarung endet. Es gilt für die
Zeugen Jesu, die dann auf
der Erde in dieser Schreckensherrschaft des Antichristen leben,
die Gebote Gottes zu halten und den Glauben Jesu zu bewahren (V. 12). Wenn
sie dann als Folge ihres Zeugnisses einen vorzeitigen Tod erleiden, werden sie
im Hinblick auf die ewige Belohnung nicht zu kurz kommen. Der Herr weiß, was
sie alles für Ihn noch tun wollten (und wohl auch getan hätten). Und Er wird
keines dieser Werke vergessen. Und all die Mühen im Dienst für Ihn haben jetzt
ein Ende. Die Verfolgung ist vorbei, und die ewige Ruhe ihr Teil. Welch ein
Trost und welch ein Ausblick für alle, die mit ganzem Einsatz für ihren Herrn
in ihrem Leben eingestanden haben!
Off 16,15: Siehe, ich komme wie ein Dieb.
Glückselig, der wacht und seine Kleider bewahrt
Wir sind mittlerweile am Ende der Drangsalszeit angelangt (der
antichristlichen Weltherrschaft). In den Versen vorher wird die Mobilmachung der
gesamten wehrfähigen Weltbevölkerung beschrieben, und in dem anschließenden Vers
16 wird auch der Ort dieses gewaltigen Kriegsschauplatzes genannt, an dem die
antichristlichen Heere mit dem Heer des Himmels zusammenstoßen werden (Off
19,19): Harmagedon. Immer wieder weist der inspirierte Text an verschiedenen
Stellen auf die dramatischen Ereignisse dieser Schreckensperiode hin, von der
unser Herr Jesus Christus schon in seiner Ölbergrede sagt, dass die Welt niemals
etwas Vergleichbares gesehen hat noch jemals wieder erleben wird. Und das letzte
Buch der Bibel macht auch klar, dass die meisten Menschen trotz besseren Wissens
— denn mehrmals wird betont, dass sie genau wissen, dass Gott es ist, der sie
schlägt, und dass das Lamm seine Herrschaft angetreten hat —, in ihrem Starrsinn verharren und nicht bereit sind, Buße zu tun. So wie schon
Paulus den Thessalonichern in seinem zweiten Brief in Kapitel 2 mitteilte, dass
„diejenigen, die die Liebe zur Wahrheit nicht annehmen wollten, von Gott einen
Geist des Irrwahns bekommen, so dass sie der Lüge glauben werden“ (2Thes
2,10-12). Und so weist der Herr an dieser Stelle noch einmal auf die
Dringlichkeit der Bekehrung hin, deren Echtheit sich in einem gottesfürchtigen
Lebenswandel zeigt (die Kleider bewahren). Nur so bin ich recht vorbereitet auf
die Ankunft des Herrn und werde nicht von Ihm wie von einem Dieb in der Nacht
überrascht.
Off 19,9: Glückselig, die geladen sind zum
Hochzeitsmahl des Lammes.
Der Schauplatz wechselt nun. Die Hure Babylon (die falsche Braut) ist
gerichtet, und die Hochzeit des Lammes mit seiner himmlischen Braut (alle
wahrhaft Erlösten seit Pfingsten bis zur Entrückung) kann stattfinden. Doch wer
mag mit den Geladenen gemeint sein? Johannes der Täufer gibt uns darauf die
biblische Antwort in Johannes 3,29. Als er auf Christus hingewiesen wird,
spricht er die folgenden bemerkenswerten Worte: „Der die Braut hat, ist der
Bräutigam; der Freund des Bräutigams, der dasteht und ihn hört, ist hoch erfreut
über die Stimme des Bräutigams; diese meine Freude ist nun erfüllt.“ Johannes
der Täufer macht deutlich: Ich gehöre nicht zur Braut, sondern zu den Freunden
des Bräutigams. Und aus dem Gesamtzeugnis der Heiligen Schrift über diesen
Vorläufer des Herrn wird deutlich, dass Johannes der Täufer der größte aller
Propheten war und auch der letzte des Alten Bundes und des irdischen
Gottesvolkes, das seit Pfingsten durch das neutestamentliche Gottesvolk, die
Gemeinde, abgelöst wurde, die die Braut des Lammes bildet. Somit dürfen wir
davon ausgehen, dass bei der Hochzeit des Lammes auch die alttestamentlichen
Gläubigen dabei sein werden. Aber wenn sie auch nicht die gleiche Stellung wie
die Brautgemeinde haben (das erklärt zum Beispiel den Ausspruch Jesu über
Johannes: „Er ist der Größte von Frauen Geborene, doch der Kleinste im Reich
Gottes ist größer als er“), so macht das „Glückselig“ doch unmissverständlich
klar: Auch sie werden vollkommen glücklich sein und keinerlei Benachteiligung
verspüren.
Off 20,6: Glückselig und heilig, wer teil hat an
der ersten Auferstehung.
Die erste Auferstehung findet hier ihren Abschluss. Die Gläubigen des Alten
Bundes, die Gemeinde, die beiden Zeugen, die Märtyrer der großen Drangsal, sie
alle haben nun den neuen Leib empfangen und werden mit Christus herrschen
tausend Jahre. Alle, die ihr Vertrauen auf den Heiland setzten, auf das Lamm
Gottes, auf den Stellvertreter, der das Gericht getragen hat, das sie hätte
treffen müssen, ja sie alle sind dabei. Niemand ist vergessen und niemand sehnt
sich mehr zurück. Nur die Übrigen, die meinten, ihr Leben ohne den von Gott
gesandten Retter leben zu können, die auf die Hilfe von oben dankend
verzichteten, sie bleiben auch weiterhin im Grab. Eine allgemeine Auferweckung
aller Menschen zur gleichen Zeit kennt die Heilige Schrift nicht. Die zweite
Auferweckung findet über eintausend Jahre später statt als die erste (Off
20,7-15). Während die erste Auferstehung auch die „Auferstehung aus den Toten“,
die „Auferstehung der Gerechten“ oder die „Auferstehung zum Leben“ genannt
werden kann, handelt es sich bei der zweiten Auferstehung um die „Auferstehung
der Toten“ oder die „Auferstehung zum Gericht“. Jeder Leser dieser Zeilen wird
bei der einen oder der anderen Auferstehung dabei sein. Nur wer in Christus
geborgen ist, braucht den zweiten Tod nicht zu fürchten und kann sich von Herzen
auf die Zukunft freuen!
Off 22,7: Und siehe, ich komme bald. Glückselig,
der die Worte der Weissagung dieses Buches bewahrt.
Wir sind wieder am Ausgangspunkt angelangt. Die Botschaft ist vernommen. Nun
gilt es, zu bewahren. Die Praxis ist gefordert. Wie sagte doch schon unser
treuer Herr: „Wenn ihr nun dies alles wisset, glückselig seid ihr, wenn ihr es
tut!“ (Joh 13,17). Wir haben nicht mehr viel Zeit. Unser Herr kommt bald. Lasst
uns die Zeit auskaufen und für Ihn wirken. Die Hauptsache muss wieder zur
Hauptsache werden. Wir müssen Prioritäten setzen. Was fördert am meisten die
Sache Christi? Wo bin ich persönlich gemeint? Wo sind die Werke, die Gott schon
im Voraus bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen? (vgl. Eph 2,10). Das
bleibt natürlich klar: nicht gute Werke tun, um gerettet zu werden, aber sehr
wohl gute Werke tun, weil wir gerettet sind. Gerettetsein gibt Rettersinn! Denn — die Nacht kommt, da niemand wirken kann (Röm 14).
Off 22,14: Glückselig, die ihre Kleider waschen,
damit sie ein Recht haben an dem Baum des Lebens.
Ist das nicht großartig? Am Ende der Bibel, im letzten Kapitel der Heiligen
Schrift, gleich zwei Seligpreisungen! Gott will es uns immer wieder wissen
lassen: Ich liebe dich. Ich will dein Bestes. Du sollst nicht verloren gehen. Es
gibt einen Weg zurück zum Baum des Lebens, der dem Menschen im Paradies noch
verwehrt war. Ist nicht der ein Narr, der ein solches Angebot achtlos beiseiteschiebt? Ja, wahrlich glückselig alle, die die Botschaft dieses Buches ernst
nehmen und ihr Leben danach ausrichten. Die Freude ohne Ende ist ihr Teil, die
ewige Ruhe, engste Gemeinschaft mit Gott dem Vater und mit seinem Sohne Jesus
Christus. Ja, Ihm, dem alleinseligen Gott, sei Ehre und Macht von Ewigkeit zu
Ewigkeit! Amen.
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