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Leitverse: 3. Mose 1
Das 3. Buch Mose beginnt damit, dass Jehova aus dem Zelt der Zusammenkunft
Mose ruft. Es geht hier um das Nahen zu Gott. Die Opfer sind die Hilfsmittel
dazu, indem sie das Werk Christi, durch welches wir zu Gott gebracht worden
sind, versinnbildlichen. Es besteht ein deutlicher Unterschied zwischen den
beiden ersten Opfern, die wir hier finden — das dritte Opfer ist sozusagen ein
Anhang —, und den Opfern für die Sünde. Das Brandopfer und das Speisopfer stehen
für sich. Von diesen hängt das Friedens- (oder Gemeinschafts-)opfer ab. Danach
folgen Opfer einer anderen Natur, nämlich das Sünd- und das Schuldopfer. Das
sind die beiden Opfergruppen.
Wenn wir den tatsächlichen Gebrauch und die Anwendung der Opfer betrachten,
dann ist ihre Reihenfolge anders, als wir sie hier finden. In der Darstellung
vor uns sehen wir sie so, wie Gott sie vorstellt, indem Er auf Christus blickt.
In der Anwendung hingegen kommt zuerst das, was dem Bedürfnis des Menschen
entspricht. Es geht in 3. Mose 1 um die Seite Gottes; und das Brand- sowie auch
Speis- und Friedensopfer sind Feueropfer lieblichen Geruchs dem Jehova. Der
Ausdruck wird mit Ausnahme eines einzigen Verses (3Mo 4,31) nie im Zusammenhang
mit dem Sündopfer gebraucht. Dieser Unterschied gibt den beiden ersten Opfern
einen bestimmten Charakter, und zwar in Hinsicht auf Gott — auf sein Wesen und
seine Natur. Wenn wir als Sünder zu Gott kommen, geht es darum, was unsere
Sünden in den Augen Gottes sind. Doch unser Verständnis über die Bedeutung und
den Wert des Todes Christi vergrößert sich gewaltig, wenn wir das Teil Gottes in
diesem Tod sehen. Ich muss meine Sünden bekennen. Das ist der einzige richtige
Weg, zu Gott zu kommen. Durch den Glauben an Christi Blut bin ich zudem
versöhnt. So finde ich in diesen Opfern ihrer besonderen Natur und ihrem Wert
nach alles, was unbedingt notwendig ist in Bezug auf Gott. Es geht beim
Brandopfer nicht um eine bestimmte Sünde. Das Opfer war natürlich für die Sünde;
doch es handelt sich jetzt nicht um eine Einzelperson, die eine bestimmte Sünde
bekennt. Es fällt besonders auf, dass wir bis zur Einrichtung des Gesetzes nicht
von Sündopfern lesen. Die einzige Ausnahme finden wir bei Kain, wo es, wie ich
nicht bezweifle, heißen muss: „So lagert ein Sündopfer vor der Tür“ (1Mo 4,7;
vgl. Fußnote). Ich weiß, es ist eine Frage der Auslegung, ob man hier „Sünde“
oder „Sündopfer“ liest; denn für beides gibt es im Hebräischen nur ein einziges
Wort. Auf jeden Fall wird dieses Wort niemals wieder in diesem Sinn gebraucht
bis zum Gesetz. Dagegen finden wir häufig Brand- und Friedens-(Schlacht-)opfer.
Das Brandopfer ist die große Grundlage von allem; denn es stellt die
Herrlichkeit Gottes dar in dem, was für die Sünde vollbracht wurde. Wir müssen,
wie schon gesagt wurde, zuerst mit dem Sündopfer kommen. „Er (ist) treu und
gerecht, dass er uns die Sünden vergibt“ (1Joh 1,9).
Ganz anders ist es aber, wenn wir die Opferung Christi und sein
Schlachtopfer, wie es Gott in allem, was Er war, vollkommen verherrlichte, und
zwar in Hinsicht auf die Sünde, betrachten. Er sagte: „Darum liebt mich der
Vater, weil ich mein Leben lasse“ (Joh 10,17). Das ist ein bemerkenswertes Wort.
Niemand konnte Gott ein „Darum“ für seine Liebe liefern als nur Christus. Der
Unterschied zwischen göttlicher und menschlicher Liebe besteht darin, dass Gott
seine Liebe gegen uns erwies, indem Christus, als wir noch Sünder waren, für uns
gestorben ist. Für einen gerechten Menschen würde kaum jemand sterben wollen.
Vielleicht würde für einen gütigen Menschen jemand zu sterben wagen (Röm 5,7.8).
Wenn ein Mensch ein ausreichendes Motiv bekommt, wird er sein Leben opfern.
Christus gab sich jedoch selbst — Gott gab seinen Sohn —, ohne dass der Mensch
in sich selbst Ihm ein Motiv dazu gab. Das kennzeichnet die Liebe. In Johannes
10,11 lässt Er sein Leben „für die Schafe“. In Vers 17 sagt Er nicht, dass es
für die Schafe sei. Er hat Gott im Tod — an dem Ort der Sünde — verherrlicht.
Und dafür ist jetzt Er als Mensch zur Rechten Gottes verherrlicht worden. Er ist
zu dem Platz hinaufgestiegen, von dem aus wir in sittlicher Hinsicht erfahren,
was sein Opfer in den Augen Gottes wirklich war. In 3. Mose 1 wird nichts von
Sünde gesagt, obwohl die Sünde da war. Das Blutvergießen und der Tod zeigen,
dass es hier um Sünde geht. Und doch war dieses Opfer ein uneingeschränkt
lieblicher Geruch in seinem Charakter als Opfer Christi, das jede Frage
bezüglich Gut und Böse in den Augen Gottes beantwortete. Es ist eine
schreckliche Wahrheit, dass durch das Geschöpf, das Gott besonders liebte, die
Sünde in die Welt kam.
Einige Menschen sagen, dass Adam das Böse kennenlernte, während er vorher nur
das Gute gekannt hatte. Das erfasst jedoch nicht alles. „Der Mensch ist geworden
wie unser einer, zu erkennen Gutes und Böses“ (1Mo 3,22). Er kannte jetzt den
Unterschied zwischen Gut und Böse. Gott wollte sich im Menschen vollkommen
verherrlichen. Seine Wonne war bei den Menschenkindern (Spr 8,31). Er nahm sich
nicht der Engel an, sondern des Samens Abrahams (Heb 2,16). Wir sollen in
Ewigkeit dem Bild seines Sohnes gleichförmig sein (Röm 8,29). In der
Zwischenzeit hatte Satan die Oberhand über den ersten Menschen gewonnen. Auf die
Lust folgte die Übertretung; und in Hinsicht auf seine Verantwortlichkeit war
alles vorbei. Adams ganze Stellung beruhte auf einer einzigen Anordnung, die
Gehorsam erforderte. Er hätte von allen Früchten der Bäume des Gartens essen
dürfen; doch Gott hatte ihm die eine verboten. Es ging nicht um eine eindeutige
Sünde, sondern um das Recht auf Gehorsam. Da geschah etwas, was sogar die Engel
verwirrte. Die schöne Schöpfung Gottes war ruiniert! Lust und Gewalttat sind auf
die Erde gekommen bis zu jener Zeit, in der Gott alles vernichten wird. Jeder
Mensch kennt das Böse. Man kann in keine große Stadt wie diese kommen, ohne zu
erkennen, dass das Böse ein solches Ausmaß angenommen hat, dass allein Gott
damit Geduld haben kann. Es ist richtig gesagt worden: Wenn jemandem von uns
diese Welt anvertraut würde, dann hätten wir sie innerhalb einer Stunde
vernichtet. Der Mensch hat sich in die Hand Satans fallen lassen und alles in
Verwirrung gestürzt.
Noch etwas muss bedacht werden. Gott hatte den Menschen auf
jede Weise erprobt. Es erhob sich die Frage: Gab es gegen die Sünde kein
Heilmittel? Zunächst vernichtete Gott die Menschheit im Gericht. Danach berief
Er Abraham. Es folgte die Prüfung durch das Gesetz. Die Forderungen, die das
Gesetz stellte, waren auch vorher schon für den Menschen Pflichten gewesen.
Nicht erst das Gesetz machte sie zu Pflichten. Doch im Gesetz machte Gott diese
Pflichten zu uneingeschränkten Forderungen. Gott legte auf das Volk den
Anspruch, sie zu erfüllen. Als Folge davon wurden die Opfer eingesetzt. In
Hinsicht auf den Zustand des menschlichen Herzens war alles endgültig
entschieden, als es Gott um der einen Sache willen, die es nicht tun durfte,
beiseitesetzte. Zuletzt wurde etwas ganz und gar Neues eingeführt. Als der
Mensch nicht nur zum Sünder, sondern auch zum Übertreter geworden war, kam Gott
in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst, indem Er Übertretungen nicht
zurechnete (2Kor 5,19). Er kam in vollkommener Güte zum Menschen. Er
berührte den Menschen sozusagen. Christus war heilig auf seinem ganzen Weg,
zeigte jedoch in all seinem Tun göttliche Liebe. Er wurde Fleisch und wohnte
unter uns. Er kam nicht einfach zu Besuch wie bei Abraham, sondern Er wandelte
hier auf der Erde als ein Mensch und offenbarte, was Gott für den Menschen ist.
Das war die letzte Probe, auf die Gott den Menschen stellte. Er wollte sehen, ob
es irgendetwas gab, das in Hinsicht auf Gott im Menschen erweckt werden konnte.
Der Sohn kam in Güte von seinem Vater und wandelte unter den Menschen in
Gnade, so dass Ihm kein Leid erspart blieb. Doch wir wissen, wie diese Probe
ausging. Er wurde völlig verworfen; und das schloss die Geschichte des Menschen,
seine sittliche Geschichte, ab. Jetzt hatte er nicht nur gesündigt, so dass er
aus einem unschuldigen Paradies hinausgeworfen werden musste, weil er nicht mehr
unschuldig war, sondern er hatte auch Gottes Sohn, der in Liebe gekommen war,
verworfen. Es folgte jedoch die Vollendung des göttlichen Werkes der Erlösung;
es gab ein Opfer. Wir sehen, wie der gepriesene Sohn Gottes, der sich selbst
hingab, in den Augen Gottes zur Sünde gemacht und, völlig allein, in den Leiden
seiner Seele von Gott verlassen wurde. Die Frage der Sünde ist gelöst. Ich muss
mit meiner Schuld kommen. Dagegen stellt das Brandopfer dieses Werk von der
Seite und dem Blickwinkel Gottes dar. Im Menschen findet man ausschließlich das
Böse. Und Gott begegnet dem Menschen mit der vollkommenen Offenbarung des Guten.
Diese Offenbarung rief jedoch Hass hervor. Ihre Folgen waren fleischliche
Gesinnung, Feindschaft gegen Gott und Hass gegen den, der sich in Güte offenbart
hat. Die Macht Satans über den Menschen hatte ihren Gipfel erreicht. Christi
eigene Jünger verließen Ihn. Die übrigen Menschen schüttelten über Ihn den Kopf
und waren froh, Gott und das Gute losgeworden zu sein. Er hatte sich um unserer
Schuld und der Herrlichkeit Gottes willen so tief erniedrigt, dass sogar der mit
Ihm gehängte Räuber Ihn lästern konnte. Für den gepriesenen Herrn galt genau das
Gegenteil. Er war ein Mensch voll vollkommener Güte, Liebe zum Vater und
Gehorsam um jeden Preis. „Auf dass die Welt erkenne, dass ich den Vater liebe
und also tue, wie mir der Vater geboten hat“ (Joh 14,31). Er war an dem Ort der
Sünde, wo diese Frage zur Entscheidung gebracht wurde, in seinem Wesen tadellos.
Er wurde in den Augen Gottes zur Sünde gemacht in vollkommener Liebe zu seinem
Vater und in vollkommenen Gehorsam.
Weiterhin sehe ich im Kreuz Gott in
absoluter Gerechtigkeit gegen die Sünde und gleichzeitig in völliger Liebe gegen
den Sünder. Der Mensch zeigte seine uneingeschränkte Schlechtigkeit. Satans
Macht stand auf dem Höhepunkt. Doch in Christus finden wir einen Menschen im
bedingungslosen Gehorsam. Das legte die Grundlage für alles. Das führte Engel zu
dem Verlangen, in diese Dinge hineinzuschauen — der Gerechte litt für die
Ungerechten! Das war keine schwache Barmherzigkeit, welche ihre Heiligkeit und
Gerechtigkeit aufgab, sondern der absolute Ausdruck von Majestät und
Gerechtigkeit. Wenn Gottes Sohn zur Sünde gemacht wurde, dann „geziemte (es)
ihm“ (Heb 2,10), dass Er auch wie Sünde behandelt wurde. Es gab keinen Ausweg.
Dazu hatte Jesus sich hingegeben. „Einen Leib aber hast du mir bereitet“ (Heb
10,5). Als Er völlig allein war ohne jemand, um Ihn zu trösten, und Stiere
Basans Ihn umgaben, sagte Er: „Sei nicht fern von mir!“ (Ps 22); und doch wurde
Er von Gott verlassen.
In dem oben beschriebenen Zustand befand sich der Mensch, als er seine Freude
daran fand, Gott loszuwerden. Zur selben Zeit war Gott gekommen — nicht um den
Menschen zu richten, sondern um ihn mit sich zu versöhnen. Christus gab sich
selbst. Doch in diesen Umständen herrschten die ewigen Ratschlüsse Gottes. Als
der Mensch unter der Macht Satans stand und es ihm gelang, sich Christus zu
entledigen, wurde alles, was Gott ist, herausgestellt und bestätigt. Christus
gab sich selbst und verherrlichte Gott. Im Kreuz lief das geheime Werk Gottes
ab, indem Er das ausführte, was Satan durchkreuzen wollte. Satans Macht schien
freie Bahn zu haben, als er Christus aus dieser Welt herausgeworfen hatte. Dabei
wurde jedoch nur vor Gott alles zur Entscheidung gebracht. Darauf beruht die
Unveränderlichkeit des Segens. Alles war vollendet, auf das die ewige
Gerechtigkeit gegründet ist. Es ist nicht mehr ein Zustand der Unschuld, dessen
Dauer von einer noch nicht beendeten Verantwortlichkeit abhängt. Der
unveränderliche Segen des neuen Himmels und der neuen Erde ruht auf Grundlagen,
deren Wert sich nicht ändern kann. Sittlich gesehen ist es das Kreuz, welches
alles aufrechterhält. Die Frage aus dem Garten Eden nach dem Guten und dem
Bösen wurde am Kreuz beantwortet. Wir sehen den gepriesenen Sohn Gottes, der
seine göttliche Macht niemals dazu benutzte, sich gegen das Leiden abzuschirmen.
Er gebrauchte sie nicht, um das Leiden aufzuhalten, sondern um sich in demselben
zu stützen. Sie ermöglichte Ihm, das zu ertragen, was niemand sonst ohne ihre
Hilfe hätte durchleiden können.
Wenn ich auf diesem Weg zu Gott komme, erfasse ich, was die Sünde ist. Das
sind nicht nur meine tatsächlichen Sünden; ich erkenne auch an, dass in mir
nichts Gutes wohnt. Ein Mensch hing am Kreuz und wurde vor Gott zur Sünde
gemacht; und das geschah in dem Augenblick, als der volle Charakter der Sünde in
der Verwerfung Christi offenbar wurde. Und dort, wo sich der Mensch vollständig
als Sünder erwies und Christus seinen Platz als Sünder für ihn einnahm, wurde
alles, was Gott ist, herausgestellt. Wo findet man die ganze Gerechtigkeit
hinsichtlich der Sünde? An keinem anderen Platz als dem Kreuz! Das Kreuz
offenbart die vollkommene Gerechtigkeit gegenüber der Sünde und die Liebe in
Bezug auf den Sünder in demselben gesegneten Werk. Und dieses zeigte sich in
einem Menschen und zu einer Zeit, als sich die Sünde in ihrem schlimmsten
Charakter enthüllte.
Schaue Ihn an am Grab des Lazarus! Eine wunderbare Szene!
Der Herr stand da in vollkommenem Gehorsam; denn als man die liebevolle
Botschaft zu Ihm sandte: „Herr, siehe, der, den du lieb hast, ist krank“ (Joh
11,3), blieb Er noch zwei Tage dort, wo Er war. Der Tod drückte auf die Seelen
der Trauernden. Was veranlasste sein Weinen? Er weinte nicht wegen Lazarus. Der
Tod war eingetreten, und alles schien vorbei. Doch nein — „Ich bin die
Auferstehung und das Leben“ (V. 25). „Ich bin auf diesen Schauplatz gekommen, wo
der Tod auf euren Herzen lastet. Ich bin die Auferstehung und das Leben inmitten
dieser Szene.“ Und als sich sein Tod abzeichnete, den sogar Thomas auf seinem
Weg erkennen konnte (V. 16), machte Er sich auf, um selbst zu sterben. Es blieb
kein Makel oder Flecken hinsichtlich des Wesens Gottes zurück. Es wurde nicht
nur sein gerechtes Gericht gegen die Sünde in einer Weise gezeigt wie nirgendwo
sonst, sondern auch seine Liebe, indem Er seinen eigenen Sohn nicht schonte. Das
Werk und die Tat des Sohnes stiegen auf als ein lieblicher Wohlgeruch zu Gott.
Er gab sich selbst in vollkommener, hingebungsvoller Liebe zu seinem Vater. Die
vollkommene Liebe und alles, was Gott ist, wurden offenbart. „Jetzt ist der Sohn
des Menschen verherrlicht und Gott ist verherrlicht in ihm“ (Joh 13,31).
Äußerlich gesehen war alles Schande, und doch, innerlich, voll sittlicher
Herrlichkeit. Die ganze Natur Gottes und all der Hass im Menschen gegen Gott
wurden herausgestellt. Christus gab sich selbst ganz und uneingeschränkt auf,
damit Gott vollkommen verherrlicht würde.
Dadurch wurde Gott in diesem Sinn sozusagen ein Schuldner dem Menschen
gegenüber wegen der unendlichen Herrlichkeit, die Ihm zuteilwurde, und zwar an
dem Ort, wo Sünde und Tod eingebrochen waren. Christus hing dort, indem Er zur
Sünde gemacht wurde; und Gott ist mehr verherrlicht worden, als wenn die Sünde
niemals aufgetreten wäre. Das ist wunderbar! Nichts ist hiermit zu vergleichen!
Er trug unsere Sünden. Gepriesen sei sein Name! Wenn wir den gesegneten Sohn
Gottes zur Sünde gemacht sehen — gab es jemals ein ähnliches Ereignis? Keiner
von uns hat die rechten Worte, um hiervon zu reden. Ich vertraue jedoch darauf,
dass unsere Herzen dorthin blicken und uns davon ernähren.
Ich habe bisher noch nicht erwähnt, dass der Opferer das Brandopfer „zum
Wohlgefallen für ihn“ darbringen sollte. Ich verlasse jetzt das Opfer selbst und
wende mich dem Menschen zu, der mit dem Opfer kommt. „Durch Glauben brachte Abel
Gott ein vorzüglicheres Opfer dar als Kain, durch welches er Zeugnis erlangte,
dass er gerecht war, indem Gott Zeugnis gab zu seinen Gaben“ (Heb 11,4). Wenn
ich mit diesem Opfer komme, ist es wichtig festzuhalten, dass ich in dem
Geliebten wohlannehmlich bin. Ich gehe zu Gott in dem lieblichen Wohlgeruch all
dessen, was Christus ist. Es geht nicht einfach darum, dass meine Sünden
weggetan sind. Bezüglich meiner Sünden kann ich in Gerechtigkeit vor Gott
stehen. Hier handelt es sich vielmehr darum, dass ich im Brandopfer mit dem zu
Gott komme, was Ihn erfreut. Und Er erfreut sich an mir genauso wie an dem, was
ich bringe. Ich werde so geliebt, wie Christus geliebt wird. Das Opfer bringt
mich in Gemeinschaft mit Gott entsprechend dem Wert der Stellung Christi. Ich
weiß, dass Gott vollkommenes Wohlgefallen an mir findet. In mir selbst bin ich
ein wertloses Geschöpf; und je mehr ich das weiß, umso besser. Doch es gibt
keine Verdammnis für die, welche in Christus Jesus sind (Röm 8,1). Ich gehe zu
Gott im Glauben und im vollkommenen, lieblichen Wohlgeruch Christi. Es handelt
sich nicht um eine besondere Sünde, sondern ich gehe zu Gott im Bewusstsein,
dass ich angenommen bin und dass Er sich an mir erfreut. Ich gehe zu Ihm als die
Frucht der Mühsal der Seele Christi. Gott sieht in mir die Vollkommenheit Seines
Werkes; und es besteht für immer. Auch der Segen dieses Werkes ruht jetzt schon
auf meinem Herzen.
Zuerst müssen wir mit dem Sündopfer kommen. Das Brandopfer
enthält jedoch noch viel mehr. In ihm wird von keiner besonderen Sünde
gesprochen, sondern von der Bedeutung dessen, was die Herrlichkeit Gottes
fordern musste — und was in Christus erfüllt wurde — an dem Ort, wo die Sünde
war. Es gibt jetzt auch nichts mehr im Wesen Gottes, was nicht vollkommen
verherrlicht wurde, und zwar in Liebe gegen uns. Meine Sünden sind nicht nur
weggetan, sondern ich gehe hin, um sozusagen Christus zu opfern. Ich reiche
Christus dar; und Gott gibt Zeugnis zu meiner Gabe. Welches Maß hat meine
Gerechtigkeit? Es ist Christus! Darum werde ich zur Verherrlichung Gottes
angenommen. Wenn wir von unserer Stellung vor Gott sprechen, so besitzen wir
trotz unseres Zustandes der Schwachheit und Fehlbarkeit hier auf der Erde nicht
nur alles in all dem Wohlgefallen, das Gott an Christus als lebenden Menschen
hienieden fand, sondern auch in der ganzen Vollkommenheit seines Werkes an dem
Ort der Sünde. Die Gesamtheit des Wesens Gottes wurde verherrlicht durch den
Gehorsam bis zum Tod.
Ich liebe es nicht zu fragen: Sind eure Herzen damit beschäftigt? Doch ich
wünsche für uns alle, dass wir uns fragen: Naht meine Seele zu Gott, indem ich
jene Gerechtigkeit Gottes, jene Liebe Gottes und jene Gabe Gottes in Liebe
anerkenne und dabei festhalte, dass Er zu den Gaben Zeugnis gibt? Möge Er es uns
schenken, dass wir sehen — obwohl wir es nie ergründen können —, was es für
jenen Heiligen, der Wonne im Schoss des Vaters war, zur Sünde gemacht zu
werden. Dann können unsere Seelen sich von Ihm nähren, sein Fleisch essen und
sein Blut trinken; und wir werden mehr erkennen, als nur dass wir von unseren
Sünden gewaschen sind.
Bible Treasury 14 (1882), pp.
33-35; Collected Writings 34, pp. 240-245
vgl.: J.N. Darby (1972): Betrachtungen über das Wort Gottes — 1. Mose bis
Ruth,
Paulus, Neustadt/W., S. 153.
Der Inhalt des Artikels wurde 1880 als Vortrag gehalten.
Übersetzung: J. Das
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