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Leitverse: Lukas 9,51; Markus 9,15; Johannes 20; Matthäus 21
Lk 9,51: Es geschah aber, als sich
die Tage seiner Aufnahme erfüllten, das er sein Angesicht feststellte,
nach Jerusalem zu gehen.
Mk 9,15: Und sogleich, als die ganze Volksmenge ihn sah, erstaunten sie
sehr; und sie liefen herzu und begrüßten ihn.
Inhalt Höhen und Tiefen Die Verherrlichung auf dem Berg Der Sieger nach der Auferstehung In Samaria verworfen In Jerusalem verworfen Beispiele im Leben von Männern Gottes 1. Abraham 2. Jakob 3. David 4. Paulus Wodurch wird diese Fähigkeit gefördert?
Der Herr Jesus hat während seines Lebens
auf der Erde durch alle Höhen und Tiefen hindurch eine Gelassenheit gezeigt, die
einzigartig ist und die wir nur bewundern können. Er wusste, um einen Ausdruck
des Apostels Paulus zu gebrauchen, „erniedrigt zu sein und Überfluss zu haben“.
Er wusste genauso gut die Augenblicke auszunutzen, in denen es angenehm lief,
wenn man das mal so sagen darf, wie auch die Zeiten des Drucks zu verwerten.
Beide Umstände hat Er während seines Lebens hier auf der Erde immer wieder
angetroffen.
So wurde Er auf dem Berg der Verklärung
für einen Augenblick in seine Herrlichkeit eingeführt. Und das war in der Tat
eine glanzvolle Stunde. Er erschien dort in der Majestät und in den Würden, die
Ihm gebührten. Wie die Sonne, die Quelle allen Lichts, so strahlte sein Angesicht in überwältigendem Glanz. Und die Großen des Alten Testaments, Mose und
Elia, standen Ihm zur Seite, indem sie seine Herrlichkeit teilten und mit Ihm
darin glänzten. Doch Er steigt wieder von dem Berg herab. Und dann befielt Er
denen, die „Augenzeugen seiner Majestät“ gewesen waren, „niemandem zu erzählen,
was sie gesehen hatten“. Und als Er am Fuß des Berges ankommt und die erstaunte
Volksmenge zu seiner Begrüßung zusammenläuft (Mk 9,15) und seine Stirn ohne
Zweifel noch einen wenn auch schwachen Nachglanz der Herrlichkeit, in der Er
soeben gestrahlt hatte, zur Schau trägt, da bleibt Er doch keinen Augenblick nur
stehen, um die Huldigungen der Menge entgegenzunehmen. Nein, Er wendet sich sofort wieder
seinem gewöhnlichen Dienst zu, denn Er wusste, „Überfluss zu
haben“.
Der Wohlstand machte Ihn nicht hochmütig. Er suchte nicht einen Platz unter den
Menschen, sondern Er entäußerte sich, machte sich selbst zu nichts und verhüllte
eilig seine Herrlichkeit. Er war zufrieden, Diener zu sein, der wohl zum Dienst
gegürtet ist, aber nicht mit Herrlichkeit bekleidet ist.
Genauso war es mit Ihm nach der
Auferstehung (s. Joh 20). Wir sehen Ihn dort umringt von seinen Jüngern,
bekleidet mit einer Herrlichkeit, wie sie noch nie ein Mensch besessen und noch
nicht einmal ein Mensch angeschaut hatte. Er steht dort als der Überwinder des
Todes, als der Zerstörer des Grabes. Und dennoch, obwohl Er im Besitz solcher
Herrlichkeiten war, ist Er nicht gekommen, um die Glückwünsche seines Volkes,
wie wir zu sagen pflegen, entgegenzunehmen. Hätte das nicht jeder andere getan,
der nach ausgestandenen Mühsalen und Gefahren und nach endlichem Sieg in den
Schoß seiner Freunde und seiner Familie zurückgekehrt wäre? Der Herr Jesus war
nicht gleichgültig gegen Mitgefühl, keinesfalls. Er verlangte vielmehr danach zu
seiner Zeit, und Er entbehrte es tief, wenn Er es nicht fand. Aber jetzt,
auferstanden aus den Toten, erscheint Er in der Mitte seiner Jünger vielmehr
wie Einer, der sie für einen Tag besucht wie ein triumphierender
Überwinder, und Er unterhält sich mit ihnen weit mehr über das, was sie interessierte bezüglich der gewaltigen Dinge, die sich soeben erfüllt
hatten. In einer solchen Würde und Gelassenheit von einem Sieg einen Gebrauch zu
machen, ist für viele weit schwieriger, als den Sieg selbst zu erringen. Hier
sehen wir also wieder, wie Er wusste, „Überfluss zu haben“ und „erfüllt zu
sein“.
Aber Jesus wusste auch, „erniedrigt zu sein“. Betrachten wir Ihn z.B. bei den Bewohnern Samarias in Lukas 9,51 usw. Von
vornherein versetzt Er sich im Bewusstsein seiner persönlichen Herrlichkeit in,
wie er es nennt, die Tage seiner „Aufnahme“. Er macht sich auf den Weg nach
Jerusalem, und wie jemand, der als eine Person von Ansehen sein Herannahen
ankündigt, sendet Er Boten vor seinem Angesicht her. Jedoch der Unglaube der
Samariter verändert alles; sie weigern sich, Ihn aufzunehmen. Wie hatte Johannes
der Täufer sich abgemüht, dass man dem Messias doch eine gerade Bahn bereiten
würde. Sie aber wollen den Füßen des Herrn der Herrlichkeit keine gerade Bahn
bereiten und zwingen Ihn als den Verworfenen den bestmöglichen Pfad für sich selbst
herauszufinden. Und wie handelt Er jetzt? Sofort nimmt Er den Platz eines
Verworfenen ein, ohne dass Er auch nur im Herzen irgendwie darüber gemurrt hätte.
Schon einmal hatte Er so etwas erleben müssen. Damals war Er in Bethlehem
verfolgt worden. Herodes hatte versucht, Ihn umzubringen. Doch Er war bereit gewesen, in dem verachteten Nazareth zu leben,
wenn Er als Bethlehemit
verworfen wurde. Er trägt den Charakter des Verworfenen von jetzt auf gleich mit
derselben Würde, wie Er vorher den Charakter des Erhabenen getragen hatte. So
also wusste Jesus, „erniedrigt zu sein“.
Das Gleiche finden wir in Matthäus 21. Er
betritt Jerusalem als „der Sohn Davids“; alles, was Ihn in dieser glorreichen
Würde zu kennzeichnen vermochte, umringt und begleitet Ihn. Wie Er auf dem
heiligen Berg in seiner himmlischen Herrlichkeit erschienen war, so erscheint
Er hier in seiner irdischen Herrlichkeit. Von Rechts wegen hatte Er ein Anrecht
auf diese Königsehre. Jetzt war der passende Augenblick, und Er wusste diese
Herrlichkeit in würdiger Weise zu tragen. Aber der Unglaube von Jerusalem, wie
früher derjenige von Samaria, verändert die Szene. Er, der als König seinen
Einzug in die Stadt gehalten hat, ist praktisch sofort gezwungen, sie wieder zu
verlassen, um sich ein Nachtlager zu suchen, wo Er es am besten finden kann. Und
so befindet Er sich, indem Er wusste, „erniedrigt zu sein“ wie einst außerhalb
Samarias, so jetzt außerhalb Jerusalems.
Welch eine Vollkommenheit! Wenn die Finsternis das Licht der persönlichen (Joh
1) und amtlichen (hier Mt 21) Herrlichkeit Christi nicht erfasst, so gibt das
nur seiner moralischen Herrlichkeit Gelegenheit, in umso hellerem Glanz
hervorzustrahlen. Denn in moralischer Hinsicht gibt es nichts Schöneres als
diese Verbindung einer freiwilligen Erniedrigung unter die Menschen mit dem Bewusstsein
einer durchdringenden Herrlichkeit vor Gott.
Wir finden schöne Beispiele von dieser
Verbindung in dem Leben etlicher Gläubiger:
Abraham war während seines ganzen
Lebens freiwillig ein Fremdling unter den Kanaanitern, indem er nicht einen
einzigen Quadratmeter Land besaß und nicht einmal haben wollte. Aber wenn die
Gelegenheit sich dazu darbot, verstand er es, sich über Könige zu setzen, in dem
Bewusstsein seiner Würde vor Gott und nach dem Ratschluss Gottes.
Jakob spricht von seinem Leben als
Ausländer, von seiner Lebenszeit, die „kurz und böse“ gewesen sei, und macht
sich so in den Augen der Welt zu nichts. Aber zu gleicher Zeit segnet er den
Pharao von Ägypten, den Mann, der damals der Höchste auf Erden war, wohl
wissend, dass er selbst in den Augen Gottes der „Vorzüglichere“ war.
David bittet um ein Brot, und er tut es,
ohne sich zu schämen. Zu gleicher Zeit aber nimmt er die einem König gebührende
Huldigung entgegen und empfängt quasi aus den Händen Abigails den Tribut seiner
Untertanen.
Paulus ist mit Ketten gebunden, ein
Gefangener im Hause des Landpflegers, und er spricht von seinen Fesseln; aber
zugleich lässt er den Hof und die ihn umringenden Großen der römischen Welt, wie
z.B. den König Agrippa, wissen, dass er sich unter ihnen allen als den
gesegneten, den allein glücklichen Menschen erkennt.
Diese Verbindung einer freiwilligen
Erniedrigung vor den Menschen mit dem Bewusstsein der Herrlichkeit und Würde vor
Gott findet ihre erhabenste, glänzendste, ja (wenn wir daran denken, wer Er
war) ihre unendliche Offenbarung in unserem Herrn. Und es gibt in dieser
Fähigkeit, zu wissen, „Überfluss zu haben“ und „erniedrigt zu sein“, „satt zu
sein“ und „Mangel zu leiden“, noch eine weitere Schönheit. Wer diese Fähigkeit
besitzt, zeigt, dass er sich viel mehr mit dem Endziel der Reise als mit der
Reise selbst beschäftigt. Wenn unser Herz an die Reise selbst denkt, werden wir
ihre Probleme und rauen Wege sicher nicht gern haben; aber in dem Maß, wie wir
das Ziel anschauen, werden wir über solche Dinge hinwegzusehen vermögen. Liegt
hierin nicht für uns alle eine tiefe Belehrung?
aus The Moral Glory of the Lord
Jesus Christ
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