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Leitverse: Johannes 1-28
Inhalt
Einleitung
1. Das Wort — seine ewige Existenz
2. Das Wort
— seine bestimmte
Persönlichkeit
3. Das Wort — seine wesenhafte
Gottheit
4. Das Wort — seine ewige
Persönlichkeit
5. Das Wort — der erschaffende Urheber
6. Das Wort — das Leben
7. Das Wort — vollkommene Menschheit
Die Herrlichkeit des Eingeborenen
Größer als Johannes
Fülle von Gnade
Im Schoß des Vaters
Das Zeugnis des Johannes
Das Evangelium des Johannes wurde
offensichtlich einige Zeit später als die drei anderen Evangelien geschrieben.
Matthäus, Markus und Lukas hatten ein jeder in der ihm göttlich bestimmten Weise
die Geschichte von der Geburt Jesu Christi, von seinen frühen Jahren, dem Anfang
und Fortgang seines Dienstes erzählt. Ihre Berichte setzt Johannes als bekannt
voraus, denn sonst würden wir seine Eingangsworte kaum verstehen. Um die Zeit,
als das 1. Jahrhundert zu Ende ging, war die Person des Herrn Jesus — Er
selbst ist die Burgfeste des Glaubens — bereits verfälschenden Angriffen
ausgesetzt. Philosophische und halbheidnische Deutungen kamen in Umlauf und
verbanden sich mit der christlichen Lehre, was zu verheerenden Auswirkungen
geführt haben müsste, wäre man ihnen nicht in der Kraft des Geistes Gottes
entgegengetreten. Solche Kraft nun wirkte durch die Schriften des Apostels
Johannes, die er anscheinend schrieb, nachdem sowohl Paulus als auch Petrus
bereits ein Vierteljahrhundert früher ihren Lauf vollendet hatten.
Die Christen jener frühen Tage wurden durch die sogenannten Gnostiker stark
beunruhigt. Übersetzt bedeutet diese Bezeichnung „Wissende“. Von den Agnostikern
wissen wir, dass es Leute sind, die jede sichere Erkenntnis über Gott und über
göttliche Dinge verneinen. Die Gnostiker hatten ihren Standort auf der
entgegengesetzten Seite. Sie beanspruchten, eingeweiht zu sein und höhere
Erkenntnis zu haben. Aber ihre Lehren leugneten sowohl die eigentliche Gottheit
als auch die wirkliche Menschheit Jesu. Auch gab es solche, die „Jesus“ und „den
Christus“ voneinander trennten. „Christus“ erschien ihnen als ein Ideal, als die
Verkörperung eines Zustandes, zu dem hin man sich fortschreitend höherentwickeln
könnte; dagegen sollte „Jesus“ bloß der historische Mensch sein, der
als der „Nazarener“ bekannt geworden war. Das Evangelium, wie Johannes es
schrieb, trat diesen Irrtümern entgegen, und eben dazu war es bestimmt.
Bevor wir die Eingangsworte betrachten, mag es nützlich sein, die beiden Schlussverse
von Kapitel 20 zu lesen, denn sie beinhalten die Absicht des Geistes
Gottes bei der Abfassung dieses Evangeliums. Die berichteten Wunder sind alle „Zeichen“, die beweisen,
dass Jesus der Christus ist, so dass es zwischen beiden
keine Trennung geben kann. Sie erweisen Ihn auch als den Sohn Gottes und stellen
dadurch seine Gottheit fest. Der Glaube an diese Zeugnisse bringt das Leben, sie
zurückzuweisen bedeutet, im Tod zu bleiben. So erkennen wir die klare Absicht
des Geistes Gottes bei diesem Evangelium. Daran sollten wir beständig denken,
wenn wir uns nun damit beschäftigen. Diese Einsicht ist gleichsam ein wichtiger
Schlüssel, um den Zugang zu seinen Schätzen aufzuschließen.
Joh 1,1: Im Anfang war das Wort, und das Wort war
bei Gott, und das Wort war Gott.
Die Eingangsworte des ersten Verses führen uns zu dem am weitesten
zurückliegenden Augenblick, der unserm Geist noch zu erfassen möglich ist, jener
Augenblick, wo zuerst begann, was jemals einen Anfang hatte; jener Augenblick,
vor dem es nichts gab als GOTT, Gott allein! Und in jenem Augenblick des Anfangs
war „das Wort“, d.h., es existierte. Nicht, dass es begann, es existierte
bereits. Sein ewiges Sein ist damit verkündet, und wir werden vor den Zeitpunkt
zurückversetzt, der in den einleitenden Worten von 1. Mose 1 liegt.
Weiter war
es das Wort „bei Gott“. Und indem unsere Gedanken noch bei dem so fernen
Augenblick verweilen, entdecken wir, dass Ihm dem Wort schon in jenem Anfang eine
klar bezeichnete Persönlichkeit zukommt. „Das Wort“ ist nicht einfach ein
allgemeiner Titel für die Gottheit, unabhängig von einer besonderen
Unterscheidung, sondern indem es „bei Gott“ war, ist Ihm ausdrücklich ein
besonderer, unterscheidbarer Platz zuerkannt.
Indem es sich so verhält, möchte der denkende Verstand des Menschen vielleicht
einwenden: „Dann können wir also nicht im vollen, eigentlichen Sinn von dem ,Wort‘ sagen,
dass es wirklich Gott ist; auch wenn Es (Er) genau genommen kein
Geschöpf ist, da wir ja erkennen, dass Er vor der Schöpfung da war.“ Solche
Vernunftschlüsse sind den letzten Worten von Vers 1 „das Wort war Gott“ klar
entgegengesetzt. Wesenhafte Gottheit gehörte Ihm zu. Es sind Versuche
unternommen worden, die Kraft dieser erhabenen Aussage abzuschwächen und etwa zu
übersetzen: „Das Wort war göttlich“, oder: „Das Wort war ein Gott“, indem man sich
auf das Fehlen des bestimmten Artikels stützte, das heißt, dass nicht gesagt
würde: „Das Wort war der Gott.“ Indessen sagen uns Kenner der griechischen
Sprache, dass es in dieser Sprache keinen unbestimmten Artikel gibt und dass das
mit „Gott“ übersetzte Wort in kraftvoller Weise die eigentliche und absolute
Gottheit bezeichnet. Wenn es heißen würde, dass das Wort der Gott war, würde die
Gottheit auf „das Wort“ beschränkt und von daher die anderen Personen der
Gottheit ausgeschlossen worden sein. Die Wörter sind mit göttlicher Genauigkeit
ausgewählt: Das „Wort“ war eigentlich und absolut Gott.
Joh 1,2: Dieses war im Anfang bei Gott.
Vers 2 bringt uns dann zurück zu der
ersten und zweiten Aussage von Vers 1. Diese klar bezeichnete Persönlichkeit,
die „das Wort“ kennzeichnet, ist nicht etwas, was zu irgendeinem späteren
Zeitpunkt angenommen worden wäre. Die ewige Persönlichkeit gehörte zu Ihm. Auf
diese Weise war Er am Anfang bei „Gott“, denn diese Unterscheidung als
Persönlichkeit liegt im Wesen der Gottheit. So haben wir vier Dinge, die in Bezug
auf das Wort festgestellt werden: sein ewiges Sein, seine bestimmte
Persönlichkeit, seine wesenhafte Gottheit, seine ewige Persönlichkeit. Was wir
auch sonst noch über das „Wort“ zu lernen haben, diese vier Einsichten sollten
uns zur Beugung und demütiger Anbetung leiten.
Joh 1,3: Alles wurde durch dasselbe, und ohne
dasselbe wurde auch nicht eins, das geworden ist.
Ein fünfter Punkt begegnet uns in Vers 3:
Er ist der erschaffende Urheber, und das in einem alles umfassenden Sinn. Nun
treten Dinge vor uns, die gemacht wurden, d.h. ins Dasein kamen. In den
Versen 1 und 2 wird ein anderes Wort gebraucht. Das „Wort“ kam nicht ins Dasein:
Es (Er) war, denn Dasein war ewig. Aber Er brachte alles hervor, was ins
Dasein kam, denn Er erschuf „alle Dinge“. Um auch nicht das kleinste Schlupfloch
für einen Irrtum zu lassen, wird dies im zweiten Teil des Verses nachdrücklich
betont. Die Sprache ist bemerkenswert angesichts der modernen „fälschlich
sogenannten Kenntnis“ (1Tim 6,20), die so weithin unter das Volk gebracht
wird und die sich große Mühe gibt, alles „ohne Ihn“ zu erklären. Ungläubige
Geister hängen der Evolutionstheorie an trotz einer bemitleidenswerten Armut an
Tatsachen, die sie stützen sollen. Die vorgebrachten Argumente sind eben deshalb
so fragwürdig, weil sie Ihn ausschließen, den Menschen aber verherrlichen
möchten. In Wahrheit kann Er aber nicht ausgemerzt werden. Von all den
ungezählten Dingen, die ursprünglich ihr Dasein empfingen, empfing auch nicht
eines es ohne Ihn.
Bedenken wir diese Tatsache! Denn hier haben wir eine Erklärung dafür, dass die
Himmel die Ehre Gottes erzählen und Gott bis zu einem gewissen Grad in dem
Gemachten wahrgenommen werden kann, wie Römer 1,19.20 mitteilt. Das „Wort“
erschuf alle Dinge, und von daher kommt es, dass uns die Schöpfung, soweit sie
reicht, einen wahren Ausdruck Gottes selbst und seiner Gedanken gibt. Auch wir
drücken unsere Gedanken in Worten aus, ebenso besteht die Bedeutung dieses
großen Namens „WORT“ darin, dass Er, der ihn trägt, der Ausdruck all dessen ist,
was Gott ist, und, wie die Verse 1 und 2 zeigen, ist Er selbst wesenhaft all
das, was Er ausdrückt. Die Schöpfung, wie sie durch das Wort ins Dasein gerufen
wurde, war nicht ein sinnloses Durcheinander, sondern eine Kundgebung der Macht
und Weisheit Gottes.
Joh 1,4-5: 4 In ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.
5 Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht
erfasst.
In Vers 4 kommen wir zu einer sechsten
bedeutungsvollen Tatsache: Das Wort umschließt wesenhaft Leben. In Ihm ist das
Leben nicht von irgendwoher abzuleiten, sondern es ist ursprünglich und aus Ihm
hervorgehend. Wenn wir das mit dem, was zuvor gesagt ist, verbinden, bemerken
wir, wie umfassend die Gottheit des Wortes dargelegt und behütet ist. Die
verwendeten Worte sind von äußerster Kürze und Einfachheit und doch voll
göttlicher Fülle und Bedeutung. Gleich dem kreisenden Schwert der Cherubim in 1.
Mose 3,24 wenden sie sich in jede Richtung, um in unserem Geist die Wahrheit,
die den Einen betrifft, der der Baum des Lebens für den Menschen ist, unverletzt
zu bewahren. Dieses Evangelium wird uns bald zeigen, wie das Leben des Gläubigen
wahrhaftig von Ihm herkommt; doch ist dies nicht der Punkt in Vers 4, sondern
vielmehr: „Das Leben war das Licht der Menschen.“ Dieser Punkt wird in den
Eingangsversen des ersten Johannesbriefes ausführlicher behandelt. Das Leben ist
offenbart worden, und daraus folgt, dass Gott, der Licht ist, sich im Licht
offenbart hat, und in diesem Licht wandelt der Gläubige.
Jenes Licht, in dem Menschen wandeln sollen, ist nicht nur das Licht der
Schöpfung, so wundervoll es ist, sondern auch das Licht, das in dem Wirken und
Reden des Wortes entfaltet worden ist. Als das Wort offenbart wurde, da schien
das Licht, und es war ein Bereich der Finsternis, in dem diese Offenbarung
geschah. In 1. Mose 1 lesen wir, wie durch das göttliche Wort das Licht der
Schöpfung inmitten der Finsternis aufbrach, und siehe, die Finsternis schwand!
Hier nun haben wir das Licht einer weit höheren Ordnung, und es erscheint
inmitten moralischer und geistlicher Finsternis, die nur durch ein wahres
Erfassen des Lichtes vertrieben werden konnte. Ach, ein solches Erfassen war
nicht gegeben. Aber wenn auch die Finsternis noch fortbestand, so gab es doch
kein anderes Licht für den Menschen als „das Leben“. In diesen Aussagen findet
sich kein Widerspruch, denn wie es oft der Fall ist, spricht Johannes auch hier
von Dingen hinsichtlich ihres abstrakten Charakters und ist noch nicht bei
Ereignissen im Gang der Geschichte angekommen.
Doch wie geschah es, dass das Leben des Wortes wirklich in der Finsternis schien
und zum Leben des Menschen wurde? Vers 14 gibt die Antwort auf diese Frage.
Bevor wir zu diesem Vers kommen, liegt in den Versen 6-13 ein wichtiger
Abschnitt vor uns, der uns gestattet, die Dinge in einem geschichtlichen
Überblick zu sehen:
Joh 1,6-13: 6 Da war ein Mensch, von Gott gesandt,
sein Name Johannes. 7 Dieser kam zum Zeugnis, damit er von dem Licht zeugte,
damit alle durch ihn glaubten. 8 Er war nicht das Licht, sondern damit er von
dem Licht zeugte. 9 Das war das wahrhaftige Licht, das, in die Welt kommend,
jeden Menschen erleuchtet. 10 Er war in der Welt, und die Welt wurde durch ihn,
und die Welt kannte ihn nicht. 11 Er kam in das Seine, und die Seinen nahmen ihn
nicht an; 12 so viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes
zu werden, denen, die an seinen Namen glauben, 13 die nicht aus Geblüt noch aus
dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott
geboren sind.
Johannes der Täufer wird zu dem Zweck eingeführt, die
überragende Bedeutung des „wahren Lichtes“ zu enthüllen. Eben dieser Johannes
war „ein Mensch, von Gott gesandt“, der zum Zeugnis kam, „auf dass er zeugte von
dem Lichte“. Wohl stimmt es, dass in Johannes 5,35 von ihm als „einer
scheinenden Lampe“ gesprochen wird. Johannes schien gleich einer Lampe und gab
Zeugnis, dass derjenige das wahre Licht war, „der, in die Welt kommend, jeden
Menschen erleuchtet“. Das bedeutet nicht, dass jeder Mensch innerlich erleuchtet
wird (das würde Vers 5 widersprechen), sondern es meint, dass Er nicht nur ein
begrenztes Licht war, wohl aber der Sonne glich, die ihre Strahlen ins ganze
Universum aussendet. Nicht eine einzelne Nation konnte im Alleinbesitz des
wahren Lichtes sein. So lässt dieses Evangelium schon bei seinem Beginn unsere
Gedanken die engen Grenzen Israels überschreiten.
In den letzten Versen dieses Abschnitts (V. 10-13) haben wir weitere historische
Aussagen, die das, was uns in den Versen 4 und 5 mitgeteilt worden ist, noch
ausführlicher erläutern und klarstellen. Wir haben schon begriffen, dass das Wort
eine Person in der Gottheit ist, dass Leben als Licht für die Menschen
scheint, obwohl inmitten der Finsternis. Jetzt finden wir, dass eben diese Welt
der Sitz dieser Finsternis war, dass Er in sie eintrat und dass diese Welt, obwohl
Er sie geschaffen hatte, sich Ihm doch so entfremdet hatte, dass sie Ihn nicht
kannte. In diesem Vers handelt es sich wieder nicht um Israel oder die Juden,
sondern um die Welt. Das Licht, wie es durch die Propheten verbreitet worden
war, mochte im Wesentlichen auf Israel beschränkt sein, nicht aber das Leuchten
des wahren Lichts.
Der Apostel Johannes erwähnt oft die Welt in seinen Schriften, und er benutzt
immer ein Wort, das wir auch in unsere Sprache übernommen haben, wenn wir von „Kosmos“ sprechen. Dabei denken wir an das Universum als ein geordnetes Ganzes
oder manchmal auch in einem engeren Sinn an unsere Welt, auch als ein geordnetes
Ganzes. Letzteres ist der Sinn von „Welt“ in Vers 10. Als Schöpfer hatte Er das
Universum als ein geordnetes Ganzes erschaffen, und es war ein wundervoller
Augenblick, als Er in einer besonderen Weise darin gefunden wurde. Das war der
Fall, als Er in diesen enger begrenzten Kosmos (die Welt) eintrat, die sich — es
ist traurig, zu sagen — durch die Sünde so verderbt und entfremdet hatte, dass sie
Ihn nicht einmal kannte.
Und dann kam Er, um diesen Punkt noch näher zu bestimmen, tatsächlich zu einem
ziemlich unbekannten Winkel in diesem Kosmos, und zwar in „das Seinige“, wie es
die Prophezeiungen angekündigt hatten. Doch sein eigenes Volk Israel, mit dem
jenes „Seinige“ verbunden war, nahm Ihn nicht an. Er wurde verworfen, denn die
Finsternis konnte Ihn nicht begreifen. Doch ungeachtet dieser Tatsache gab es
Ausnahmen, wie dieses Evangelium uns zeigen wird. Einige nahmen Ihn auf und
glaubten an seinen Namen. Sie waren nicht von der Finsternis. Ihre Augen waren
geöffnet, und sie erkannten Ihn, als sie die Herrlichkeit seines Namens schauten
und glaubten. Als Folge erhielten sie von Ihm das Recht, Kinder Gottes zu
werden, nicht etwa bessere oder mehr erleuchtete Juden. Das Wort lautet hier
ausdrücklich „Kinder“, ein Wort, das Johannes gewöhnlich benutzt im Unterschied
zu dem Wort für „Söhne“, das mehr von Paulus gebraucht wird. Hier ergibt sich
bei beiden eine gewisse Verschiedenheit. Es geht in beiden Fällen um die gleiche
gesegnete Beziehung zu Gott, aber bei „Söhnen“ wird unsere Reife und Stellung in
der Beziehung zu Gott vornehmlich gesehen; bei „Kindern“ liegt der Nachdruck auf
der Tatsache, dass wir wahrhaft aus Gott geboren sind.
Vers 13 hebt die Bedeutung dieser Tatsache durch Gegenüberstellung hervor. Die
Juden rühmten sich, dass Abrahams Blut in ihren Adern flösse, ebenso wie auch
heutzutage ein Mensch sich darauf etwas zugute tun mag, dass er aus adeligem oder
sogar königlichem Blut entsprossen ist. Jene demütigen Seelen jedoch, die, von
der Regel ausgenommen, Christus annahmen, als Er kam, waren aus Gott geboren.
Der Wille der Fleisches würde das nie geleistet haben, denn das Fleisch ist Gott
völlig entgegengesetzt. Der Wille des Mannes, selbst des besten unter ihnen,
konnte es ebenso wenig vollbracht haben, weil diese Sache seine Kraft gänzlich
überstiege. Ihre Geburt war aus Gott und damit ein göttlicher Akt. Und der, den
sie im Glauben aufnahmen, gab ihnen das Recht, diesen Platz auch äußerlich
einzunehmen, weil er dem Leben nach schon der ihre war.
Ja, wieso konnte es geschehen, dass jene frommen Juden, die uns in Lukas 1 und 2
flüchtig begegnen, Christus im selben Augenblick annahmen, wo Er ihnen erschien?
Nicht weil sie Abrahams Blut in sich hatten, nicht weil das Fleisch in ihnen von
überlegener Qualität war und sie dazu angetrieben hätte, nicht weil sie dem
mächtigen Willen irgendeines Mannes gefolgt wären, sondern einfach, weil sie aus
Gott geboren waren. Ich wiederhole: Es war ein göttlicher Akt! Wenn wir zu
Kapitel 10 kommen, werden wir dieselbe grundlegende Tatsache in anderer Form
dargestellt finden. Als der Hirte zur Herde kam, fand Er dort einige, die „seine
eigenen Schafe“ waren, die seine Stimme hörten und von Ihm hinausgeführt wurden.
Da waren viele, die der Nationalität nach seine Schafe waren, die aber nicht
seine eigenen Schafe waren, in dem Sinn, wie es Maria Magdalene und die Jünger
und die Familie zu Bethanien und Simeon und Anna waren. Diese Menschen waren aus
Gott geboren, und sie waren es, die Ihn aufnahmen.
Joh 1,14: Und das Wort wurde Fleisch und wohnte
unter uns (und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als
eines Eingeborenen vom Vater) voller Gnade und Wahrheit.
In Vers 14 nehmen wir den Gedanken von
Vers 5 wieder auf. Wir finden bezüglich des Wortes eine siebte bedeutsame
Tatsache. Er wurde Fleisch und wohnte unter uns. Die Verse 1 und 2 sagen uns,
was Er in seinem Wesen und in ewiger Weise war. Vers 14 sagt uns, was Er wurde.
Er wurde Fleisch, d.i., Er nahm vollkommene Menschheit an, dadurch wurden uns
die sechs anderen großen Tatsachen enthüllt, um aus ihnen geistlichen Nutzen zu
ziehen. Nur dadurch, dass Er selbst in dieser Weise eine Beziehung zur Schöpfung
herstellte, konnte der Absolute und in sich selbst Existierende von den Menschen
erkannt werden.
Die Tatsache, dass das Wort Fleisch wurde, verbürgt nicht nur, dass Er wirklich
einen menschlichen Leib besaß (was schon von einigen der frühesten Irrlehrer
geleugnet wurde), sie begründet ebenso, dass Er die Engel außer Acht gelassen und
sich des Samens Abrahams angenommen hat. In jedem wesenseigenen Sinn ist Er ein
Mensch geworden. Es ist bezeichnend, dass gerade in diesem Evangelium, das schon
bei Beginn seine Gottheit entschieden zur Geltung bringt, Er von sich selbst als
von einem „Menschen“ spricht (8,40). Schließlich wurde alles, was Gott ist, in
einem Menschen offenbart. Er wohnte unter uns „voller Gnade und Wahrheit“. Die
Grundlage ist die Erkenntnis Gottes. Wenn solche Erkenntnis uns ohne die Gnade
erreicht hätte, würde sie uns vernichtet haben, aber hier war jemand von beidem
erfüllt, von Gnade und Wahrheit, und so wohnte Er unter uns.
Vers 14 hat eine Einschaltung, die in unseren Bibeln in Klammern gesetzt ist;
auch Vers 15 ist eine solche Einschaltung. Die erste sagt uns, dass die Apostel
und „so viele ihn aufnahmen“ (V. 12) seine Herrlichkeit anschauten, „eine
Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater“. Sie war nicht wie die
Herrlichkeit vom Sinai. Die letztere war mit Majestät und gerechter Forderung
verbunden, diese jedoch entsprach einer liebevollen und innigen Beziehung.
Joh 1,15: (Johannes zeugt von ihm und rief und
sprach: Dieser war es, von dem ich sagte: Der nach mir Kommende hat den Vorrang
vor mir, denn er war vor mir.)
Die zweite Einschaltung berichtet mit kurzen Worten das Zeugnis des Johannes,
das einige Verse später ausführlich dargelegt wird. Es zeigt uns, wie er um die
frühere Existenz und deshalb um die göttliche Herrlichkeit des Einen weiß,
dessen Zeuge er war. Historisch gesehen, kam Er nach ihm, im Blick sowohl auf
seine Geburt als auch den Beginn
es Dienstes, aber Er war vor ihm, und so
nahm Er den ersten und höchsten Platz ein.
Joh 1,16.17: 16 Denn aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, und zwar
Gnade um Gnade. 17 Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die
Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.
Wenn wir die beiden Einschaltungen einmal übersehen, so ergibt sich: „Und das
Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, voller Gnade und Wahrheit, denn aus
seiner Fülle haben wir alle empfangen.“ Hier ist noch einmal das Ergebnis für
die glaubenden „wir“ festgehalten. Nur „so viele ihn aufnahmen“, können in
Wahrheit sagen: Wir „empfingen“ aus seiner Fülle; solche können es aber auch
wirklich sagen, und zwar sie alle, Gott sei gepriesen dafür! Eine Fülle von
Gnade und eine Fülle von Wahrheit sind das Teil eines jeden Gläubigen, selbst
des schwächsten unter ihnen, obwohl sie niemals seine ganze Fülle zu erschöpfen
vermögen. In auffälliger Weise wird die Gnade betont. Wir brauchen sie,
aufgehäuft gleich hohen Bergen „Gnade um Gnade“. Das Gesetz wurde durch
Mose
gegeben; es umschrieb die Forderungen Gottes, richtete aber nichts aus. Gnade
und Wahrheit sind durch die Ankunft des Herrn Jesus eingeführt und in der Tat
hier auf Erden aufgerichtet worden.
Schließlich hat Johannes jene Person, die das Wort ist und die schon die
Aufmerksamkeit des Menschen auf sich zog, zuverlässig erkannt. Das Wort wurde
Fleisch und wohnte unter uns, voller Gnade und Wahrheit; und siehe, diese Fülle
ist in Jesus Christus! Diese herrliche Einleitung in das Evangelium hat uns
geradewegs zu Jesus geführt.
Joh 1,18: Niemand hat Gott jemals gesehen; der eingeborene Sohn, der im
Schoß des Vaters ist, der hat ihn kundgemacht.
An dieser Stelle treten weitere
Herrlichkeiten dieses Einen vor unser Auge. Er offenbart den Gott, den kein
Mensch je gesehen hatte. Als der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoß ist,
konnte Er Ihn als den Vater völlig kundtun. In dem Wort „Schoß“ haben wir ein
menschliches Bild, doch müssen wir uns davor hüten, es in der menschlichen
Vorstellung zu gebrauchen. Das Bild wird woanders in der Schrift benutzt, um die
engste Vereinigung und die innigste Vertrautheit anzuzeigen. Der Sohn ist so
völlig eins mit dem Vater und steht in der Vertrautheit er Gedanken, dass Er
Ihn in Vollkommenheit kundtun kann. Unser Vers sagt nicht, dass Er in dem Schoß
war, so als wäre es ein Ort, den Er verlassen haben könnte, sondern dass Er dort
ist. Es ist ein ewiges „ist“ Er war immer dort, Er ist es, Er wird immer in des
Vaters Schoß sein. „Das Wort ward Fleisch“ bedeutet, dass die Gnade und die
Wahrheit in Christus erschienen sind und dadurch Gott als Vater völlig offenbart
worden ist.
Joh 1,19-28: 19 Und dies ist das Zeugnis des
Johannes, als die Juden aus Jerusalem Priester und Leviten zu ihm sandten, damit
sie ihn fragen sollten: Wer bist du? 20 Und er bekannte und leugnete nicht, und
er bekannte: Ich bin nicht der Christus. 21 Und sie fragten ihn: Was denn? Bist
du Elia? Und er sagt: Ich bin es nicht. ? Bist du der Prophet? Und er
antwortete: Nein. 22 Sie sprachen nun zu ihm: Wer bist du? ? damit wir denen
Antwort geben, die uns gesandt haben. Was sagst du von dir selbst? 23 Er sprach:
Ich bin die ?Stimme eines Rufenden in der Wüste: Macht gerade den Weg des
Herrn?, wie Jesaja, der Prophet, gesagt hat. 24 Und sie waren abgesandt von den
Pharisäern. 25 Und sie fragten ihn und sprachen zu ihm: Warum taufst du denn,
wenn du nicht der Christus bist noch Elia, noch der Prophet? 26 Johannes
antwortete ihnen und sprach: Ich taufe mit Wasser; mitten unter euch steht
einer, den ihr nicht kennt, 27 der nach mir Kommende, dessen ich nicht würdig
bin, ihm den Riemen seiner Sandale zu lösen. 28 Dies geschah in Bethanien,
jenseits des Jordan, wo Johannes taufte.
Die Verse 19-28 vermitteln uns das Zeugnis
des Johannes, das er gab, als er am Jordan taufte. Es ist sehr verschieden von
den Berichten in den anderen Evangelien. Wir finden zunächst seine negative
Seite, weil die religiösen Führer, von Neugierde getrieben, zu ihm kamen und
gerne wissen wollten, ob er denn der Christus wäre oder Elias oder der Prophet,
von dem Mose geredet hatte. Sein Zeugnis war klar und fest; er war keiner von
diesen, sondern die Stimme eines Rufenden in der Wüste, von der Jesaja
gesprochen hatte. Als sie ihn dann wegen seiner Taufe befragten, hörten sie sein
positives Zeugnis. Da war Einer bereits mitten unter ihnen, den sie nicht
kannten, der aber um so viel größer war als er, Johannes, selbst, dass er nicht
würdig war, seine Sandale zu lösen. Indem er dieses anschauliche Bild benutzt,
drückt Johannes sein Gefühl für die höchste Herrlichkeit des Einen aus, dessen
Offenbarung bevorstand.
Dieses war der Anfang des Zeugnisses des
Johannes. Es wird bald noch bestimmter und kraftvoller werden, wie die folgenden
Verse es zeigen.
weiter …
Mit freundlicher Genehmigung von
CSV, Hückeswagen
aus Grundzüge des Neuen Testamentes von F.B. Hole
Leicht geändert; Bibelverse eingefügt von SoundWords
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