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Leitverse: Josua 3; 1. Korinther 10,11
1Kor 10,11: Alle diese Dinge aber widerfuhren
jenen als Vorbilder und sind geschrieben worden zu unserer Ermahnung, auf welche
das Ende der Zeitalter gekommen ist.
Inhalt
Einleitung
Die Bildersprache der Bibel
Die vergessene Wahrheit
Was bedeutet die Inbesitznahme
heute?
Das Leben in Überfluss
Wir
essen zur gleichen Zeit vom Manna und den Früchten des Landes
Was sind die geistlichen
Segnungen?
Ziel wahren geistlichen Lebens
Wenn du als Christ gefragt würdest: Was ist eigentlich der Kern, der
Inhalt, das Ziel wahren christlichen Lebens? Was ist eigentlich das Besondere an
deinem Christsein? Dann wirst du vermutlich sagen, dass du durch Christus
Vergebung der Sünden erlangt hast und dass du befreit wurdest bist aus der Macht der
Sünde. Vielleicht sagst du auch, dass der Kern des christlichen Lebens deine
Hoffnung ist, einmal „bei Jesus“ zu sein. Und wenn du gerade zum Glauben gekommen
bist, dann ist diese Sprache völlig normal. Aber wenn du schon seit Jahren
Christ bist und den Herrn Jesus schon etwas besser kennengelernt hast, dann
solltest du mehr sagen können, als dass dir deine Sünden vergeben wurden und
das der Himmel jetzt auf dich wartet.
Da sich dieser Artikel an christusgläubige Menschen wendet, gehe ich davon
aus, dass dir die Geschichten mit dem Passah, dem Roten Meer und dem Durchzug
durch den Jordan bekannt sind. Die Bibel fordert uns auf, diese Geschichten zu
kennen, um sie dann auf unser christliches Leben anzuwenden. So heißt es z.B. in
1. Korinther 10,11: „Alle diese Dinge aber widerfuhren jenen als Vorbilder und
sind geschrieben worden zu unserer Ermahnung, auf welche das Ende der Zeitalter
gekommen ist.“
Die Wege Gottes mit Israel können uns also ein treffendes Vorbild für unser
christliches Leben sein. Israel wurde erlöst durch das Passahlamm. Daraufhin
zogen sie in die Wüste und wurden von den Truppen des Pharao verfolgt, bis die
Israeliten die völlige Befreiung erlebten, indem die Macht der Feinde im Roten
Meer ein jähes Ende gefunden hatte. Die Anwendung auf uns Christen fällt uns
nicht schwer, denn es heißt in 1. Korinther 5,7: „Auch unser Passah, Christus, ist
geschlachtet.“ Und der Römerbrief sagt uns, dass wir „freigemacht sind von der
Sünde“ (Röm 6,18). So wie die Israeliten aus der Knechtschaft
Ägyptens befreit wurden, so wurden wir Christen aus der Knechtschaft der Sünde
befreit. So weit, so gut. Hört nun aber die Geschichte des Volkes Gottes auf?
Nein! Es folgte die 40-jährige Wüstenwanderung, der Durchzug durch den Jordan und
die Inbesitznahme des Landes Kanaans.
Für uns bedeutet dies, dass die Geschichte unseres neuen Lebens nicht
aufhörte, als wir errettet wurden. Wenn auch unser „alter Mensch“ mit Christus
gestorben ist, so leben wir doch „in Neuheit des Lebens“. Und so wie das Leben
der Israeliten eine Geschichte hatte nach der Erfahrung und Befreiung am Roten
Meer, so ist es auch mit unserem christlichen Leben. Als wir zum lebendigen
Glauben an Christus gekommen sind, da wurde die Welt für uns auf einmal so etwas
wie eine Wüste. Viele Dinge, die wir vorher wertgeschätzt hatten, verloren auf
einmal an Bedeutung und an Wert.
Es ist nicht immer ganz einfach, diese
Feststellung zu machen, und noch weniger schön ist es, wenn man merkt, dass einem
die umgebende Welt doch noch ganz schön viel bedeutet, eben weil wir doch
verstandesmäßig gelernt haben, welchen Stellenwert die Welt für einen Christen im
Normalfall einnehmen sollte. Wenn es um den Christen gut steht, dann fängt er
nicht an, sich an die „guten alten Zeiten“ in der Welt zurückzubesinnen. Ja, wenn
es gut steht, sieht der Christ, wie der wahre Mose, Christus, uns vorangeht und für alles
sorgt, was wir zum Leben in der Welt benötigen.
Wir freuen uns dann über die
Fürsorge des Herrn, der zur rechten Zeit Speise und Führung gibt, eben genauso,
wie die Israeliten sowohl aus dem Felsen getränkt wurden, mit dem himmlischen
Brot versorgt wurden und durch die Wolken- und Feuersäule geführt wurden. Sie
durften das Wunder erleben, dass weder ihre Kleidung abgenutzt noch ihre Füße
geschwollen waren. Welch eine Treue Gottes durften die frommen Israeliten
erleben, und welch ein Mittler stand ihnen zur Seite, wenn Mose sogar einmal
bereit war, sich aus dem Buch des Lebens auslöschen zu lassen, damit er seine
Brüder dadurch retten und Gott beschwichtigen könnte. Jeder, der schon ein paar
Jahre Christ ist, wird bestätigen können, dass Gott sich immer als der Treue
erwiesen hat. Und es ist etwas Großes, wenn wir Gott und den Herrn Jesus in
unseren irdischen Umständen kennenlernen. Hört denn hier nun das Leben des
Volkes Gottes auf? War das das Ziel, dass Gott Menschen in die Wüste geführt
hat, wollte Er ihnen nicht mehr geben?
Ich hoffe, dass die meisten Leser bis hierher keine Mühe hatten, zu folgen, und
dass dies die Erfahrung der meisten Christen wohl sein dürfte. Jetzt nähern wir
uns langsam dem Land Kanaan, und je näher wir diesem Land kommen, desto mehr werden wir
feststellen, dass manche auf der Strecke bleiben; manche können einfach nicht
mehr oder es ist ihnen einfach genug, zu wissen, dass sie erlöst sind und
Vergebung der Sünden haben und dass der Himmel auf sie wartet. „Hauptsache
gerettet“ ist die Devise vieler Gläubiger. „Schade!“, kann ich da nur
sagen; denn wenn
du jetzt „schlappmachst“, dann wirst du das Schönste verpassen.
Bis auf Josua und Kaleb durfte die alte Generation nicht mit in das
verheißene Land. Der 1. Korintherbrief sagt dazu: „An den meisten derselben aber
hatte Gott kein Wohlgefallen, denn sie sind in der Wüste hingestreckt worden.“
—
Möge das von keinem der Leser wahr sein!
Wenn deine christlichen Erfahrungen nicht darüber hinausgehen, dass du
errettet bist und dass du Christus in deinen Umständen hier in der Welt kennengelernt hast, dann ist dir der Kern, der wahre Inhalt christlichen Lebens bis
heute verborgen geblieben (Vergebung der Sünden hatten die AT-Gläubigen auch!).
Um gerettet zu werden, war es nötig, dass ein Passahlamm geschlachtet wurde, und
das Rote Meer ist ein Bild von dem Tod und der Auferstehung Christi. Und es
stimmt: Ohne den Tod des Herrn, ohne sein leidvolles Sterben am Kreuz war keine
Befreiung, keine Erlösung und keine Errettung möglich.
Aber du bist nicht einfach gerettet worden, um dich deiner Errettung zu
erfreuen, du solltest nicht nur Christus als Erretter und Erlöser kennenlernen,
und du solltest auch nicht nur einfach für ewig für den Himmel sichergestellt
werden, sondern du solltest auch das Leben im Überfluss kennenlernen, wovon
Johannes in Kapitel 10 seines Evangeliums spricht. Und dieses Leben im
Überfluss, dieses „ewige Leben“, das finden wir in Christus allein. Davon
spricht im Vorbild der Durchzug durch den Jordan und die Inbesitznahme des
Landes Kanaans — dort sind für uns geistlicherweise die Segnungen des „ewigen
Lebens“ zu finden. Aus dem Johannesevangelium wissen wir, dass Christus selbst dieses
„ewige Leben“ ist.
Auch der Jordan ist wie das Rote Meer ein Bild des Todes Christi. Der Tod des
Herrn Jesus war also nicht nur nötig, um gerettet zu werden, sondern der Tod
Christi ist auch nötig, um das Land in Besitz zu nehmen. Und weil die
Inbesitznahme des Landes Kanaan mit Kampf verbunden ist, wird schnell klarwerden, dass das Land Kanaan nichts mit dem Himmel in der Weise zu tun hat, dass
wir einmal in ferner Zukunft in den Himmel kommen. Denn wenn wir zu Christus in
den Himmel gehen, dann ist jeder Kampf beendet, dann ruhen wir bei Ihm aus.
Waren die Israeliten noch am Roten Meer auf der Flucht vor den
Feinden, so waren sie nun auf den Weg zu den Feinden. Jetzt als Gerettete
können wir kämpfen und zwar den geistlichen Kampf mit der Waffenrüstung Gottes,
den wir in Epheser 6 finden: „Denn unser Kampf ist nicht wider Fleisch und Blut,
sondern wider die Fürstentümer, wider die Gewalten, wider die Weltbeherrscher
dieser Finsternis, wider die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen
Örtern.“ Das ist es! Nachdem die Israeliten die Befreiung erlebten und auf der
anderen Seite des Jordans die Beschneidung des Fleisches in Gilgal über sich
ergehen ließen — wie Johannes es sagt: „Das Fleisch nützt nichts“ —, danach
konnte der geistliche Kampf beginnen, so wie der Kampf für die Israeliten begann,
als sie das Land Kanaan in Besitz nahmen.
Aber was nimmt der Christ denn nun in Besitz? Oder kannst du davon erzählen,
wie du bereits damit begonnen hast, dieses Land in Besitz zu nehmen? —on welchen
Erfahrungen kannst du berichten?
Sprach der Römerbrief noch von der Befreiung aus der Knechtschaft der Sünde
und im Bild der Befreiung des Volkes Israel aus der Knechtschaft Ägyptens und
sprach die Beschneidung in Gilgal noch von dem, was wir im Kolosserbrief finden
mit den Worten: „Tötet nun eure Glieder, die auf der Erde sind“, und: „Sinnt auf
das, was droben ist, nicht auf das, was auf der Erde ist“, so spricht das Land
Kanaan von den himmlischen Örtern, die wir im Epheserbrief finden. Zum Beispiel in
Kapitel
1,3 heißt es: „… der [Gott und Vater] uns gesegnet hat mit jeder geistlichen
Segnung in den himmlischen Örtern in Christus“, oder in Kapitel 2,6: „… und
hat uns mitauferweckt und mitsitzen lassen in den himmlischen Örtern in
Christus Jesus.“ Die himmlischen Örter sind der Bereich, wo Christus heute zur
Rechten Gottes sitzt, denn es heißt in Epheser 1,20: „Er setzte ihn zu
seiner Rechten in den himmlischen Örtern.“
Als die Israeliten in der Wüste waren, wussten sie, dass es nicht ihre
wirkliche Bestimmung war, in diesem öden Land zu wohnen; ihre Hoffnung ging aus
zu dem Land, das von Milch und Honig fließt. Dies war für sie das verheißene
Land Kanaan. So ist es auch nicht die Bestimmung für einen Christen, sich in den
Umständen dieser Welt zu arrangieren und allein dort auf Christus zu harren und
seine Treue zu erleben, sondern unsere Bestimmung ist, das Land einzunehmen,
das uns Christus durch seinen Tod erworben hat.
Die Rubeniter und Gaditer nahmen das Land Kanaan nie in Besitz. Sie waren zwar durch das Rote Meer
gezogen und, im Bild gesprochen, befreit worden, doch sie erachteten es nicht für
nötig, das Land der Verheißung auch praktisch in Besitz zu nehmen.
Ihnen gehörte dieses verheißene Land zwar auf dem „Papier“, aber sie
eigneten es
sich nicht praktisch an.
So besteht auch heute die Gefahr, dass viele
Christen zwar durch das Blut des Herrn Jesus aus der Knechtschaft der Sünde
befreit sind, es aber bis heute nicht für nötig erachten, auch das Land
der Verheißung in Besitz zu nehmen. Diese Gefahr ist sehr relevant, weil diese
Welt für uns heute so wenig wie eine Wüste aussieht und es den meisten überdurchschnittlich gut geht. Den meisten geht es in unserem Land sehr gut, und
man könnte, wie einst die Rubeniter und Gaditer, denken: „Ach, was soll’s, die
Weideplätze sind auch jenseits des Jordan gut, und wir haben genug zu essen für
unsere Familien, und für unser Vieh ist genug Platz vorhanden.“ Man kann sehr
schnell ganz zufrieden sein mit dem, was man sich hier erworben und durch
harte Arbeit erwirtschaftet hat.
Bitte sei nicht mit solch einem einseitigen und ärmlichen Christenleben
zufrieden. Christus hat so viel mehr zu geben, als dir die Vergebung zu schenken.
Wie groß die Vergebung an sich auch ist, aber das ist nicht das Leben im Überfluss,
von dem der Herr Jesus sprach. Es ist ja ein Leben im Überfluss und nicht
einfach Vergebung im Überfluss. Aber Er sprach nicht nur davon, was Er bereit war,
dir im Überfluss zu geben, sondern auch davon, was du aus deinem
Überfluss anderen geben könntest. Denn Er sprach davon, dass aus deinem Leib
Ströme lebendigen Wassers fließen sollten. Für diese „Ströme lebendigen
Wassers“
und dem „Leben im Überfluss“ musst du aber das Land — die himmlischen Örter
— in
Besitz nehmen. Es reicht nicht, dass dir das auf dem „Papier“ bereits gehört.
Wenn du ein Erbe in Schottland bekommen hast, dann bringt dir dieses Erbe so
lange nichts, wie du dich nicht aufmachst, dort hinfährst und dir dein Erbe
genau ansiehst. Machst du dich jedoch auf, könnte es sein, dass du etwas kennenlernst, was dir bisher nicht bekannt war und von dem du nicht im Traum gewagt
hättest, daran zu denken. Dann besteht die Möglichkeit, dass du davon so sehr
begeistert bist, dass du selbst ein Gefäß wirst, aus dem „Ströme lebendigen
Wassers“ fließen. Hast du diese Erfahrung schon gemacht? Dann mach dich auf,
nimm das Land in Besitz!
War Mose noch ein Bild von Christus, wie Jesus hier auf der Erde war und
sichtbar vor seinen Leuten herging, so ist Josua ein Bild des Geistes Christi.
Der Jordan war ein Bild des Todes des Herrn Jesus, aber Er ist nicht in diesem
Tod geblieben, sondern ist auferstanden und sitzt als erster Mensch verherrlicht
zur Rechten Gottes im Himmel. Einst führte Mose das Volk Israel, nun wurde die
Leitung dem Josua übergeben, von dem 4. Mose 27,18 sagt: „Und der HERR sprach
zu Mose: Nimm dir Josua, den Sohn Nuns, einen Mann, in dem der Geist ist,
und lege deine Hand auf ihn.“ Im Land Kanaan wurde nicht nur die Führung des
Volkes von einer neuen Person übernommen, sondern auch die Speise im Land wurde
verändert. Von dem täglichen Manna in der Wüste lesen wir im Buch Josua nichts
mehr. Dort finden wir vielmehr die Früchte des Landes und die
gerösteten Körner. So nähren auch wir uns von allen „geistlichen Segnungen
in den himmlischen Örtern“.
An dieser Stelle möchte ich einfügen, dass wir das, was die Israeliten nacheinander erlebten,
gleichzeitig erleben. Wir sind
versetzt in die himmlischen Örter, und doch stehen unsere Füße zur gleichen
Zeit noch in dieser
Welt. Johannes drückt es so aus: „Nicht von der Welt, aber in der Welt.“
Praktisch bedeutet das, dass wir uns mit dem Herzen in den himmlischen Örtern
befinden können und mit dem Körper durch diese irdischen Umstände zu gehen
haben. Und so kommt es auch, dass wir Christus zum einen als das Brot vom Himmel
(Manna) als Nahrung benötigen und zur selben Zeit auch von den Früchten des
Landes und den gerösteten Körnern des Landes Kanaans genießen dürfen.
Wenn
Christus — unser Manna aus dem Himmel — vor unseren Blicken steht, dann
beschäftigen wir uns hauptsächlich mit dem, wie Er hier auf der Erde uns ein
Beispiel hinterlassen hat. Und wenn wir uns mit dem Herrn Jesus beschäftigen,
wie Er jetzt als verherrlichter Mensch im Himmel ist, dann essen wir sozusagen
von Früchten des Landes und den gerösteten Körnern. Durch den Geist Jesu werden
wir in die himmlische Sphäre gebracht. Wenn wir zur Anbetung zusammenkommen oder
es im „Kämmerlein“ tun, dann sollte dieser im Himmel groß gemachte Mensch vor
unseren Blicken stehen, so wie es in Josua 3 heißt, dass Josua an jenem Tage
groß gemacht wurde. Alle Segnungen, die uns z.B. im Epheserbrief vorgestellt
werden, haben wir „in Christus“.
Das Land in Besitz zu nehmen, ist für uns ebenso
mit Kampf verbunden wie seinerzeit für das irdische Volk Gottes. Wir kämpfen
zwar nicht gegen Fleisch und Blut wie die Israeliten damals, sondern gegen die
geistlichen Mächte der Bosheit (Eph 6), aber Kampf ist es allemal. Da hast du
dir gerade ein paar Euro zusammengespart und dann denkst du: Warum sollte ich
das Geld für Vortragskassetten, Bibelkommentare oder dergleichen ausgeben? Du
liest schon seit einigen Minuten diesen Artikel und denkst: Ich könnte auch gut
und gern etwas anderes machen, oder du sagst: Jetzt habe ich gerade mal Zeit, warum
sollte ich gerade jetzt mir Zeit für eine Stille Zeit nehmen, in die Gemeinde
oder in einen Hauskreis gehen, darf ich nicht auch mal die Beine hochlegen? (Was
man übrigens auch mal darf ;-).) Warum sollte ich meine Terminplanung verändern,
„nur“ um Christus noch ein bisschen mehr kennenzulernen, schließlich bin ich ja
gerettet und mir kann nichts mehr passieren?
Der Teufel wird dir vielleicht
nicht mehr dein Erbe streitig machen können, aber er kann dich um deinen Lohn
bringen, und er kann dir einreden, dass die weltlichen und irdischen Dinge doch
gar nicht so schlecht sind. Aber was wird von all dem bleiben, wenn heute der
Herr Jesus wiederkommt? Wenn wir bedenken, was der Herr Jesus uns durch seinen
Tod erworben hat, dass Er uns die Tür zu seinem Thronsaal geöffnet hat, wo Er sein Erbe mit uns teilen möchte, wo wir sehen, dass Er uns in die
Gemeinschaft mit sich und seinem Vater einführen wollte, wenn Er uns durch seinen Tod die Versicherung geben wollte, dass der Vater uns so sehr liebt, wie
Er seinen Sohn geliebt hat — wollen wir dann nicht immer wieder den Kampf von
vorne beginnen, auch wenn wir schon so manche Niederlage einstecken mussten?
Wenn wir die Israeliten im Land Kanaan weiter verfolgen würden, sähen wir,
dass es dort nicht nur Siege gab, sondern auch bittere Niederlagen. Doch sie
machten sich immer
wieder neu auf.
Ich muss vielleicht noch ein Wort dazu sagen, was unsere geistlichen
Segnungen in den himmlischen Örtern eigentlich sind. Zum einen finden wir
natürlich einige dieser Segnungen in Epheser 1. Vielleicht kann man sagen,
dass es vor allen Dingen Segnungen („Früchte des Landes“) sind, die mit dem
auferstandenen und im Himmel groß gemachten Menschen Jesus Christus in
Verbindung stehen. Die Versiegelung mit dem Heiligen Geist, wie wir in Epheser 1
lesen, gehört sicher auch dazu, denn es war ja der auferstandene Herr, der den
Heiligen Geist vom Himmel auf die Erde gesandt hat. Doch ist es nicht allein die
Tatsache an sich, sondern auch die Auswirkungen dieser Tatsache. Wie macht es
sich bemerkbar, dass der Heilige Geist als bleibende Person in mir lebt, dass
ich sogar der Tempel des Heiligen Geistes sein kann? Wir merken, dass jede
Segnung auch ganz praktische Fragen nach sich zieht.
Oder denken wir an die
Bildung der Gemeinde. Nachdem der Herr Jesus in den Himmel aufgefahren ist,
sendet Er die Verheißung des Vaters zu Pfingsten auf die Erde, und wir lesen in
1. Korinther 12,13: „Denn auch in einem Geist sind wir alle zu einem
Leib
getauft worden, es seien Juden oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie, und
sind alle mit einem Geist getränkt worden.“ Die Gemeinde oder Versammlung
Gottes ist besonders mit dem verherrlichten Herrn im Himmel verbunden, denn der
Herr Jesus ist das Haupt des Leibes der Versammlung, wobei das Haupt im Himmel
ist und der Leib auf der Erde. Wenn wir uns über diesen geistlichen Bereich über
die Position und das Wesen der Versammlung oder Gemeinde Gottes Gedanken machen
in Beziehung zu dem im Himmel groß gemachten Herrn, dann wird diese in
Besitznahme wiederum ganz praktische Auswirkungen haben in Bezug auf diese
Gemeinde: Ich werde die Gemeinde und auch die Glaubensgeschwister mit anderen
Augen sehen. Wir merken, dass die Inbesitznahme des Landes vielleicht mehr
geistlichen Charakters ist, die aber nicht ohne praktische Auswirkung bleiben
kann, wenn wir es recht ausgewogen betrachten.
Der Artikel sollte uns neu vor Augen stellen, was für ein gewaltiges Land vor
uns liegt, das nur darauf wartet, in Besitz genommen zu werden. Er sollte
mich selbst herausfordern, mich selbst anfeuern, nicht müde zu werden, sondern
weiter zu „kämpfen“, und er sollte dasselbe mit dir tun. Andeutungsweise haben
wir nun (hoffentlich) einen kleinen Eindruck von dem Land (den „himmlischen
Örtern“) bekommen. Nimm es in Besitz, unterhalte dich mit anderen Christen über
diese Dinge, besuche die Gemeinde, Hauskreise und wo immer du etwas von diesem
Land in Besitz nehmen kannst, und lebe in diesem geistlichen Land Kanaan mit
beiden Beinen auf dem Boden stehend. Teile deine Erfahrung mit anderen. Es geht
hierbei nicht darum, einfach Wissen anzuhäufen, sondern darum, dass du alles, was
du dir zu eigen machst, auf den im Himmel groß gemachten Herrn anwendest und zu
Ihm in Beziehung bringst. Suche immer und immer wieder Christus, wenn du dich
mit der Bibel beschäftigst — sonst bleibt dein Bibelstudium und deine
Inbesitznahme eine kalte und theologische Sache. Wenn du hingegen immer wieder
Christus suchst, dann wird sich dein Leben verändern, du wirst merken, wie du
dich, ohne es selbst zu merken, langsam, aber sicher mehr und mehr in das Bild
Christi verwandelst. Das ist das wahre Ziel geistlichen Lebens, dass wir in das
Bild des gestorbenen und auferstandenen und im Himmel groß gemachten Jesus
verwandelt werden, dazu hat Gott uns zuvorbestimmt:
„Denn welche er zuvorerkannt hat, die
hat er auch zuvorbestimmt, dem Bild seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit
er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern“ (Röm 8,29).
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