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Leitverse: Lukas 8
Inhalt
Das Gleichnis vom Sämann
Das Gleichnis mit der Lampe
Mutter und Brüder des Herrn
Der Sturm und der Besessene
Jairus Tochter
Im letzten Kapitel 8, über das ich heute Abend sprechen möchte, wird
nicht nur gezeigt, wie der Herr weiterzog und predigte, sondern auch, dass Ihn
eine Anzahl Männer und Frauen in Seinem Gefolge begleiteten. Sicherlich handelte
es sich um Kinder der Weisheit, die armen, aber wahren Zeugen Seiner reichen
Gnade, welche sich Ihm hier auf der Erde hingaben. „Und die Zwölfe mit ihm,
und gewisse Frauen, die von bösen Geistern und Krankheiten geheilt worden waren:
Maria, genannt Magdalene, von welcher sieben Dämonen ausgefahren waren, und
Johanna, das Frau Chusas, des Verwalters Herodes’, und Susanna und viele andere
Frauen, die ihm dienten mit ihrer Habe“ (V. 2.3). Ist das nicht auch wieder
ein wunderbar kennzeichnendes Bild von unserem Herrn Jesus, das wir nur im
Lukasevangelium finden? Er stand weit über dem Bösen im Menschen und konnte in
der vollkommenen Ruhe der Gegenwart Seines Vaters und gleichzeitig in der
Wirksamkeit der Gnade Gottes in dieser Welt wandeln.
Deshalb wird auch in unserem Evangelium berichtet, wie Er vom Sämann spricht,
denn tatsächlich war Er es, der damals den Samen des Wortes Gottes ausstreute.
Die Saat wird hier „Wort Gottes“ genannt. Im Matthäusevangelium, wo dasselbe
Gleichnis steht und es das Reich der Himmel einführt, wird sie als das„Wort vom
Reich“ bezeichnet (Mt 13,19). In unserem Evangelium geht es,
anders als bei Matthäus, nicht um das Königreich. Nichts kann man einfacher erklären
als den Grund für diesen Unterschied. Wir müssen beachten, dass der Geist Gottes,
wenn Er berichtet, Sich nicht unbedingt auf die Worte beschränkt, die Jesus aussprach.
Das ist, wie ich denke, von nicht geringer Bedeutung für die richtige Beurteilung der
Bibel. Rechtgläubige Menschen verschließen sich manchmal in der Vorstellung einer
Vollinspiration gegen jede andere Auffassung. Sie verstehen unter Inspiration einen
Vorgang, der, nach meiner Meinung, ganz und gar„automatisch“ genannt werden muss. Sie
denken, dass die Inspiration einzig und allein die genauen Worte wiedergibt, die
Christus äußerte. Mir scheint dafür nicht die geringste Notwendigkeit vorzuliegen.
Ganz gewiss gibt der Heilige Geist die Wahrheit, und zwar die ganze Wahrheit und nichts
als die Wahrheit. Die Unterschiede beruhen nicht auf Unvollkommenheit, sondern auf
Seiner Absicht; und was Er uns gegeben hat, ist unvergleichlich besser als ein reiner
Bericht unter Mithilfe vieler Menschen, die alle die gleichen Worte und Tatsachen erzählen
wollen. Nimm das Kapitel vor uns, um das, was ich sage, zu illustrieren!
Matthäus und ebenso Lukas geben uns dasselbe Gleichnis vom Sämann. Aber Matthäus
nennt es „das Wort vom Reich“, während Lukas es als „das Wort Gottes“
bezeichnet. Der Herr Jesus mochte beide Ausdrücke in Seiner Predigt benutzt
haben. Ich verfechte nicht die Ansicht, dass Er es nicht tat. Doch ich halte
fest, dass es egal ist, ob Er beide Ausdrücke benutzte oder nicht. Auf jeden
Fall wollte es der Geist Gottes nicht, dass wir beide in demselben Evangelium
haben sollten, sondern handelte mit göttlicher Souveränität. Er erniedrigte die
Evangelisten nicht zu reinen Protokollierern von Worten, wie wir es bei der
sorgfältigen Arbeit eines Menschen antreffen. Ohne Zweifel ist es ihre Aufgabe,
sich die genauen Worte, die ein Mensch äußerte, zu beschaffen; doch keine Kraft
oder Person ist in dieser Welt fähig, den Willen Gottes auszuführen. Der Geist
Gottes jedoch kann mit mehr Freiheit handeln und diesen Teil einer Äußerung dem
einen Evangelisten geben und jenen Teil einem anderen. Folglich erklärt ein
automatisches System niemals die Inspiration. Ein solches findet sich dadurch
völlig widerlegt, dass nicht in allen Evangelien dieselben Worte überliefert
sind. Nimm Matthäus, der, wie wir vor kurzem gesehen haben, sagt: „Glückselig
die Armen“ (Mt 5,3)! Lukas schreibt: „Glückselig ihr
Armen“ (Lk 6,20). Das ist sofort eine unangenehme Schwierigkeit für
dieses automatische Schema der Inspiration. Es ist indessen keine für die,
welche an der Überlegenheit des Heiligen Geistes festhalten, der verschiedene
Menschen als Gefäße Seiner unterschiedlichen Absichten benutzte. In keinem
Evangelium wird versucht, alle Worte und Werke des Herrn Jesus wiederzugeben.
Deshalb bezweifle ich nicht, dass wir zwar in jedem Evangelium nichts als die
Wahrheit lesen, aber dennoch in keinem von ihnen und auch nicht in allen
zusammen alles berichtet finden. Darum ergibt sich die reichste Fülle der
Darstellung allein aus der Methode des Heiligen Geistes. Indem Er den absoluten
Überblick über die ganze Wahrheit hatte, gab Er die nötigen Worte am rechten
Platz und durch die geeignete Person, damit Er um so besser die Herrlichkeit des
Herrn entfalten konnte.
Nach diesem Gleichnis finden wir, ähnlich wie bei Matthäus, ein weiteres;
allerdings bezieht es sich nicht auf das Königreich, denn das ist hier nicht das
Thema. Bei Lukas geht es nicht um die Haushaltungen. Tatsächlich wird dieses
Gleichnis in Matthäus 13 überhaupt nicht erwähnt. Dort wird uns nämlich nur das
berichtet, was zur Absicht dieses Evangeliums passt. Im Lukasevangelium war es
jedoch sehr wichtig, dass das folgende Gleichnis aufgeschrieben wurde. Denn wenn
ein Mensch durch das Wort Gottes ergriffen worden ist, folgt als Nächstes das
Zeugnis. Den Jüngern, und nicht der Nation Israel, war es gegeben, die
Geheimnisse des Reiches Gottes zu kennen. Nachdem sie selbst erleuchtet waren,
sollten sie andere erleuchten. „Niemand aber, der eine Lampe angezündet hat,
bedeckt sie mit einem Gefäß oder stellt sie unter ein Bett, sondern er stellt
sie auf ein Lampengestell, auf dass die Hereinkommenden das Licht sehen. Denn es
ist nichts verborgen, was nicht offenbar werden wird, noch geheim, was nicht
kundwerden und ans Licht kommen soll. Sehet nun zu, wie ihr höret; denn wer
irgend hat, dem wird gegeben werden, und wer irgend nicht hat, von dem wird
selbst, was er zu haben scheint, genommen werden“ (V. 16-18). So wird die
Verantwortlichkeit im Gebrauch des Lichts betont.
Es folgt das Beiseitesetzen der natürlichen Bande in den göttlichen Dingen
und die Ablehnung einer Beziehung, die nicht auf das Hören und Tun des Wortes
Gottes beruht. Das Fleisch ist wertlos; es nützt nichts. So antwortete der Herr
entsprechend, als man Ihm mitteilte: „Deine Mutter und deine Brüder stehen
draußen und wollen dich sehen. Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Meine
Mutter und meine Brüder sind diese, welche das Wort Gottes hören und tun“
(V. 20.21). Wieder ist es das Wort Gottes. Anders als im Matthäusevangelium
lesen wir diese Worte nicht, nachdem die Nation formal dem Abfall übergeben und
eine neue Beziehung eingeführt worden ist (Mt 12,43-50). Hier erklärt Gott
einfach Seine Zustimmung zu denen, welche Sein Wort halten und würdigen. Wenn
wir dem Wort Gottes sittlich seinen rechten Platz einräumen, begegnen wir der
Gesinnung Christi.
Aber Christus bewahrt Seine Zeugen nicht vor den Schwierigkeiten hienieden.
Die nächste Szene fand auf dem See statt; und die Jünger offenbarten ihren
Unglauben und der Herr Seine Gnade und Macht. Auf der anderen Seite des Sees
sehen wir den Besessenen mit der „Legion“, bei dem trotz seines schrecklich
bösen Zustands ein tiefes göttliches Werk in der Seele bewirkt wurde. Es geht
jetzt nicht so sehr darum, wie aus ihm ein Knecht Christi gemacht wurde. Das
erfahren wir sehr ausführlich in Markus 5. Hier sehen wir ihn vielmehr als
Menschen Gottes. Zuerst war er der Gegenstand der befreienden Macht und Gunst
des Herrn. Danach erfreute er sich an Dem, der ihm auf diese Weise Gott bekannt
gemacht hatte. Es ist kein Wunder, dass der Mann, nachdem die Dämonen
ausgetrieben waren, bei Jesus bleiben wollte. Dieses Gefühl passte ganz
natürlich zu der Gnade und den neuen Beziehungen zu Gott, in die er eingetreten
war. „Er aber entließ ihn und sprach: Kehre in dein Haus zurück und erzähle,
wie viel Gott an dir getan hat. Und er ging hin und rief aus durch die ganze
Stadt, wie viel Jesus an ihm getan hatte“ (V. 38.39).
Danach wird von der Bitte des Jairus wegen seiner Tochter berichtet. Während
der Herr auf dem Weg war, die Tochter Israels, die in der Zwischenzeit starb, zu
heilen, wurde Er durch die Berührung des Glaubens aufgehalten. Wer immer zu Ihm
kam, fand Heilung. Der Herr begegnet zur heutigen Zeit vollkommen den
Bedürfnissen einer jeden Seele. Doch Er versäumt auch nicht, auf dem langen Weg
die Absichten Gottes zur Erweckung Israels zu erfüllen. Er wird Israel
wiederherstellen; denn in den Augen Gottes ist es nicht tot, sondern es schläft.
aus Lectures Introductory to the Study of the Gospels, Heijkoop, Winschoten,
NL, 1970
(im Deutschen herausgegeben und übersetzt von J.
Das)
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