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Leitverse: 2. Könige 2,18–22
2Kön 2,18–22: Und sie kehrten zu ihm zurück (er verweilte aber noch
in Jericho); und er sprach zu ihnen: Habe ich euch nicht gesagt: Gehet nicht
hin? Und die Männer der Stadt sprachen zu Elisa: Siehe doch, die Lage der Stadt
ist gut, wie mein Herr sieht, aber das Wasser ist schlecht, und das Land ist
unfruchtbar. Da sprach er: Holet mir eine neue Schale, und tut Salz darein! Und
sie holten sie ihm. Und er ging hinaus zu der Quelle des Wassers, und warf das
Salz hinein und sprach: So spricht Jahwe: Ich habe dieses Wasser gesund gemacht;
es wird weder Tod noch Unfruchtbarkeit mehr daraus entstehen. Und das Wasser
wurde gesund bis auf diesen Tag, nach dem Worte, das Elisa geredet hatte. Salz in einer neuen Schale — wie jene, die lernen, dass in ihnen nichts Gutes
wohnt, und die fragen „Wer wird mich retten?“, befreit werden
Es war eine neue Zeit und eine glückliche für Jericho, als Elisa dahin ging
und dort blieb. Vorher war es eine Stadt der Enttäuschungen gewesen, denn
obwohl sie eine gute Lage hatte, war nach dem Zeugnis seiner Bewohner das Wasser
schlecht und das Land unfruchtbar. Seit dem Tag, da die Stadt auf den Ruinen
ihrer Vorfahren aufgebaut worden war, lag ein Fluch auf ihr. Ihre Wasser waren
an der Quelle verdorben, und das sie umgebende Land brachte trotz all der Mühe
seiner Bewohner keinen Ertrag. Doch es war nicht immer so gewesen, einst hatte
man sie die „Palmenstadt“ genannt. Aber das war lange her. Doch die Kenntnis
davon hatte die Hoffnung bestärkt, dass eine Besserung herbeizuführen möglich
sei, denn die Lage war gut. Aber alle Bemühungen waren vergeblich gewesen. Es
ist mehr als wahrscheinlich, dass die Enttäuschten der Verzweiflung nahe waren,
als Elisa, der Mann Gottes, seinen denkwürdigen Besuch machte. Sicherlich bin
ich nicht weit von der Wahrheit, wenn ich sage, dass er in Jericho blieb, weil
er den Wunsch in seinem Herzen hegte, die Stadt zu segnen. Und so wohnte er
unter ihnen, bis sie demütig und aufrichtig genug waren, ihm ihren Zustand zu
schildern.
Einige meiner Leser haben eine lange Zeit in Jericho gewohnt. In ihren
Erfahrungen haben Erwartung und Enttäuschung einander abgelöst. Wie begierig
mögen sie auf Besserung gehofft, sie ernsthaft erwogen und beschlossen und wie
sehnsüchtig nach einem weniger anstrengenden, aber ertragreicheren Leben, als
sie es kannten, ausgeschaut haben. Sie hatten es nicht erreicht. Aber sie
fühlten, dass es nicht so zu sein brauchte. Ist es nicht die Bestimmung des
Menschen, Gott zu verherrlichen und Ihn für immer zu erfreuen sowie überaus
glücklich zu leben und ein Segen für andere zu sein? Doch warum war das Wasser
ihres Lebens so bitter und ihr Land unfruchtbar? Lasst uns sehen, ob wir den
Grund dazu entdecken und das Heilmittel finden!
Als der Mensch — und ich bitte vor ein wenig Lehre nicht
zurückzuschrecken, denn ohne diese können wir die Lage nicht verstehen — im
Bild und Gleichnis Gottes geschaffen worden war, war er ohne Frage „die
Palmenstadt“, frisch und schön und voll von unverdorbener Kraft. Er war
fähig, für Gott Frucht zu bringen und ein Kanal der Segnung für alle zu sein.
Doch er fiel. Genau wie Jericho dem Willen Gottes trotzte, so wandte sich auch
Adam mit Bedacht und eigenwillig vom Gebot Gottes weg, und der Fehler, in den er
an jenem Tag verfiel, ist sicherlich derjenige Jerichos.
Es war nur natürlich, dass die Nachkommen Adams sich alle Mühe gaben, ihre
verlorene Stellung und Macht wiederzuerlangen. Aber sie taten diese ohne Gott,
und so ist ihre Arbeit vergebens gewesen. Das Urteil des Todes ruht auf dem
ganzen Geschlecht, wie es auf Hiel lag, dem Betheliter, der Jericho wieder
aufbaute und seinen Erstgeborenen bei der Grundlegung und seinen Jüngsten beim
Aufstellen der Tore verlor. Seine ganze Familie war unter dem Tod, „denn durch
einen Menschen ist die Sünde in die Welt gekommen und durch die Sünde der Tod
und also ist der Tod zu allen Menschen hindurchgedrungen, weil sie alle
gesündigt haben“.
In Paulus’ meisterhaftem Brief an die Christen in Rom wird dieser
Lehre im 5. Kapitel Ausdruck verliehen. Doch wenn wir zu Kapitel 7 kommen,
lernen wir, wie sich dies im Leben des Einzelnen auswirkt, der hinsichtlich
dessen, was Recht ist, wach wurde und der das sein möchte, wovon er fühlt,
dass er es vor Gott sein sollte. Was für eine Geschichte ist dies! Wie bitter
ist die Erfahrung! Fast können wir das schwere Atmen und Seufzen des Menschen
hören, der die bittere Lektion lernt, dass „das Wasser schlecht und das Land
unfruchtbar ist“, bis er endlich zu dem Bewusstsein kommt, dass alle seine
Anstrengungen ohne Erfolg und sein Ringen nutzlos ist, und ausruft: „Ich
elender Mensch! Wer wird mich retten von diesem Leibe des Todes?“ Und mit
einer solchen Erfahrung in ihren Seelen und mit einem solchen Schrei auf ihren
Lippen haben einige von meinen Lesern seit langem gelebt.
Nun ein Wort bezüglich Elisa, der so mit Recht der Mann Gottes genannt wird.
Er war ein großer Gegensatz zu Elia, der das Gesetz vertrat und dessen Gebote
dem Volk einschärfte. Elia kam, um ihnen zu sagen, dass der Herr Gott ist, um
dessen gerechten Ansprüchen Nachdruck zu verleihen und um ihnen zu sagen, was
sie sein und was sie tun sollten. Und weil sie Gott seine Rechte nicht
einräumten und nicht waren, was sie sein sollten, begleiteten allezeit
Verurteilungen und Gericht seinen Dienst unter ihnen. Da kam Elisa; nicht um zu
fordern, sondern um zu geben. Er zeigte einem unglücklichen Volk die Güte
Gottes. Er spendete Gnade und Erbarmen und alle Schichten des Volkes wurden
durch ihn gesegnet. Nie wies er jemanden zurück, der zu ihm kam und seine Not
bekannte.
In dem Dienst Elias war keine Hoffnung für Israel, und in dem Gesetz ist
keine Hoffnung für uns, weil es „durch das Fleisch kraftlos ist“. Paulus,
der uns dies erklärt, hatte es durch Erfahrung kennen gelernt. Das Gesetz kann
nicht das aus uns machen, was wir sein sollten. Es kann das unfruchtbare Land
nicht fruchtbar machen noch das bittere Wasser versüßen; es kann nur die
Unfruchtbarkeit und Bitternis aufdecken und zeigen sowie uns verdammen. Und das
hat es bereits getan. Wir stehen unter seinem Urteil, wenn wir seine Hilfe
begehren. Haben wir diesen Punkt in der Erfahrung unserer Seele erreicht, dann
sind wir für Elisa und das Salz in der neuen Schale zubereitet; wir sind für
unseren Herrn Jesus Christus in seinem gegenwärtigen Platz als der Verwalter
der Gnade Gottes passend. Er ist der große Befreier, dessen Mitgefühl bis zu
den Menschen in ihrem Elend herabreicht.
Mir gefällt der Mann, der für die Abordnung sprach, die auf den Propheten
wartete. Es lag Offenheit und Kürze in seiner Rede. Er entschuldigt den
traurigen Zustand nicht noch verbarg er ihn. Er beschrieb ihn mit einigen
schlichten Worten und wartete. Er sagte auch nicht, dass sie es gern sehen
würden, wenn der Prophet etwas tue. Er hatte das Gefühl, dass es genügte, ihm
ihre Not mitzuteilen, und darin hatte er sich nicht getäuscht. Sein Vertrauen
zu Elisa fand eine sofortige Antwort in Gnade und Segnung. Und beachten wir, es
war Jericho, das den Segen empfing, die Stadt des Landes, die unter einem Fluch
war. Elia war auch in dieser Stadt gewesen, aber er hatte sie verlassen, wie er
sie vorfand. Es scheint, dass ihre Bewohner sich nicht an ihn gewendet haben.
Doch weil Elisa unter ihnen verweilte, mögen sie durch seine Worte und durch
sein Verhalten ermutigt worden sein, sich ihm zu nähern. Sicherlich war er der
Mann, zu dem sie gehen konnten. Er war so zugänglich, so mitfühlend, so
anziehend.
Es gibt wohl keine gesegneteren Worte in der Bibel als die in Johannes 1,14
–17: „Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns … voller Gnade und
Wahrheit … Denn aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, und zwar Gnade um
Gnade. Denn das Gesetz wurde durch Moses gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist
durch Jesus Christus geworden.“ Beide sind in Ihm vorhanden. Jesus war Jehova,
Elisas Herr, und alle Gnade, die in Elisa war, schien gleich dem Licht des
Mondes, das von der halb aufgehenden Sonne aufgefangen und zurückgestrahlt
wird. Jesus war das wahrhaftige Licht, Er war die Sonne.
Wie wunderbar ist doch die Liebe, die Ihn zu uns herabbrachte, um bei uns in
der Welt zu sein, in der wir ein unfruchtbares Leben führten; nicht um etwas
von uns zu verlangen oder die Ansprüche des Gesetzes zu erzwingen oder ums uns
wegen unserer Unreinigkeiten und Sünden zu verdammen, sondern um uns zu retten.
„Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, auf dass er die Welt
richte, sondern auf dass die Welt durch ihn errettet werde.“ Er kam in Gnade;
Er war erfüllt von ihr. Er kam, um zu geben. Wir haben nicht nötig, auf die
Worte eines anderen zu hören, um dies zu erfahren, denn Er selbst hat uns
gesagt: „Wenn du die Gabe Gottes kenntest und wer es ist, der zu dir spricht:
Gib mir zu trinken, so würdest du ihn gebeten haben, und er hätte dir
lebendiges Wasser gegeben“ (Joh 4,10). „Jesus stand da und rief und sprach:
Wenn jemand dürstet, so komme er zu mir und trinke. Wer an mich glaubt,
gleichwie die Schrift gesagt hat, aus dessen Leib werden Ströme lebendigen
Wassers fließen“ (Johannes 7,37–38). Er kam mit der neuen Schale; diese war
Gnade. Die Wahrheit in der alten Schale, die das Gesetz war, das durch Mose kam,
konnte uns nur verdammen, denn die Segnungen, von denen es redete, konnten nur
erlangt und erhalten werden, durch völligen und fortdauernden Gehorsam seinen
Geboten gegenüber. Dagegen ruht der Fluch auf allen, die nicht blieben in
allem, was in ihm geschrieben ist, dass sie es tun sollten. Die Wahrheit in der
neuen Schale brachte nichts als Segnung, denn sie war die Erklärung, dass Gott
Liebe ist, und dass diese Liebe darauf ausgeht, den Menschen zu segnen.
Keine Beschreibung, selbst nicht die von Gott gegebene, kann der Wahrheit
genau gleichkommen. Auch diese alttestamentlichen Geschichten waren nur Schatten
von all dem Guten, das kommen sollte, nicht sein Ebenbild. Doch jetzt ist es da.
Der Körper ist erschienen, und dieser ist Christus. Er hat für uns vollbracht,
was Elisa nie für jene Männer von Jericho hatte vollbringen können, denn „Christus
hat uns losgekauft von dem Fluche des Gesetzes, indem er ein Fluch für uns
geworden ist; denn es steht geschrieben: Verflucht ist jeder, der am Holze
hängt!“ Wie groß ist doch die Liebe, die Ihn dazu bewog! Und wenn wir über
eine solche Feststellung der Wahrheit wie diese nachdenken, fühlen wir uns da
nicht gedrängt zu sagen: „Ich bin mit Christus gekreuzigt und nicht mehr lebe
ich, sondern Christus lebt in mir; was ich aber jetzt lebe im Fleisch, lebe ich
durch Glauben, durch den an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst
für mich hingegeben hat.“ Und außerdem: „Denn das dem Gesetz Unmögliche,
weil es durch das Fleisch kraftlos war, tat Gott, indem er, seinen eigenen Sohn
in Gleichgestalt des Fleisches der Sünde und für die Sünde sendend, die
Sünde im Fleische verurteilte“, und dies bringt es mit sich, dass kein „totes
oder unfruchtbares Land“ mehr vorhanden ist, sondern dass „das Recht des
Gesetzes erfüllt würde in uns, die nicht nach dem Fleische, sondern nach dem
Geiste wandeln“ (Röm. 8).
Ja, die Wahrheit (die in der Tat Salz ist) angesichts dessen, was wir sind
und was Gott ist, wurde in ausnehmender Gnade zu uns gebracht. Es ist „die
Heil bringende Gnade Gottes“, und in dem Maß, wie sie in unsere Seelen
eintritt, empfinden wir unsere eigene Unfruchtbarkeit und verstehen, wie völlig
hoffnungslos es ist, unser Fleisch verbessern zu wollen, denn in ihm wohnt
nichts Gutes. Wir wenden uns dann von diesem Weg und werfen uns ganz auf
Christus.
Dann wird die Wahrheit, die wir so oft in dem Wort gelesen, aber noch nie in
unseren Seelen angenommen haben, endlich für uns und in uns lebendig. Das
Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus macht uns frei vom Gesetz der
Sünde und des Todes (Röm 8). Nun liegt Befreiung von Unfruchtbarkeit und Tod
nicht mehr in der Bearbeitung des Fleisches, sondern im aufrichtigen Bekenntnis,
dass in ihm nichts Gutes ist, und im Hinwenden zu Christus, der das Urteil über
das Fleisch trug, als Er zu einem Opfer für die Sünde gemacht wurde. Wir
wissen, dass Er aus den Toten wieder auferweckt worden ist, denn dies ist ein
Teil des Evangeliums, dem wir geglaubt haben, und dies bedeutet für uns
Rechtfertigung von allen unseren Übertretungen (Röm 4,25). Es ist Gnade, die
uns von der Schuld der Vergangenheit rechtfertigte, aber auf einem völlig
sicheren und gerechten Grund, so dass die Frage unserer Schuld nie mehr erhoben
wird. Und dieselbe Gnade führt uns aus dem Leben des alten Menschen, das unter
Gericht und Tod steht und keine Frucht bringt, zu Christus, unserem
auferstandenen Heiland. So wird uns klargemacht, dass, „wo Sünde
überströmend geworden, ist die Gnade noch überschwänglicher geworden“
(Röm 5,20), und „von der Sünde freigemacht und Gottes Sklaven geworden, habt
ihr eure Frucht zur Heiligkeit, als das Ende aber ewiges Leben“ (Röm 6,22).
Doch das ist noch lange nicht alles, denn wir lesen: „Christus ist es, der
gestorben, ja noch mehr, der auferweckt, der auch zur Rechten Gottes ist, der
sich auch für uns verwendet“ (Röm 8,34). Er starb, damit wir gerechtfertigt
werden möchten; Er lebt und verwendet sich für uns, damit wir als ein
gerechtfertigtes Volk leben möchten. Doch das alles ist in Ihm — die Wahrheit
ist in Jesus. Er ist in wundervoller Gnade zu uns gekommen, und dadurch ist
alles verändert. Wir sind in den Stand versetzt, das Kapitel ernster
Entschlüsse und bitterer Enttäuschungen zu schließen und ein neues der
vollkommenen Ruhe in unserem Herrn Jesus Christus und in Fruchtbarkeit für
Gott, den Vater, sowie der Segnung für andere zu öffnen.
Jericho wurde wieder „die Palmenstadt“ (2Chr 28,15), und dort wurden die
Nackten bekleidet, die Hungrigen gespeist, den Schwachen wurde geholfen, lang
getrennte Brüder wurden wieder vereinigt, und das Volk Gottes war dem Wort
Gottes wieder gehorsam. So wird es bei einem jeden von uns sein, der sich
völlig zu dem Herrn wendet und Ihm mit Herzensentschluss anhängt. Die Gnade,
die mit unserem Heil begonnen hat, wird uns nie mangeln. Sie genügt für unser
ganzes Leben in jeder Hinsicht. Und während sie uns unterweist, besonnen,
gerecht und gottselig in dieser gegenwärtigen bösen Welt zu leben, überzeugt
sie uns von einem neuen Leben der Freiheit, der Fruchtbarkeit und der Segnung.
Solch ein Leben muss ein glückliches sein, weil es neu ist.
aus der Monatszeitschrift Der
Dienst des Wortes, 11. Jahrgang (1933)
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