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Leitverse: 1. Mose 28; Hebräer 13,5b
Heb 13,5b: Gott hat gesagt: „Ich will dich nicht
versäumen und dich nicht verlassen.“
Der Schreiber des Hebräerbriefes spielt an die liebliche Begebenheit an, die
im 28. Kapitel von 1. Mose berichtet wird. In Hebräer 13,5 lesen wir: „Ich will
dich nicht versäumen und dich nicht verlassen.“ So wird die dem Jakob gemachte
Verheißung auf den Christen angewendet, und wir dürfen mit Recht den Schluss
ziehen, dass in jener Geschichte all die guten Dinge vorgeschattet werden, die
kommen sollten. In 1. Mose redet Gott zu einem der Väter im Traum, im Brief an
die Hebräer dagegen haben wir nicht länger die teilweise Enthüllung eines
Traums, sondern die volle Enthüllung der Person des Sohnes.
In 1. Mose wird Jakob als Pilger betrachtet, der sich auf einer Reise durch
die Wüste befindet und der außerordentlich große und kostbare Verheißungen
zur Unterstützung auf seinem Weg hinsichtlich seiner Heimkehr empfing. Im
Hebräerbrief haben wir die Anwendung von Jakobs Traum in seiner vollen und
reichen Bedeutung für den Christen. Auch darin wird der Gläubige als Fremdling
in dieser Welt betrachtet und als Pilger, der einer anderen entgegeneilt (Heb
11,13;
13,14), und eine herrliche Person wird vor ihn gebracht sowie kostbare
Wahrheiten zur Unterstützung auf der Reise zur Herrlichkeit.
Jakob sieht im Traum den Herrn der Herrlichkeit über der Spitze einer
Leiter, die auf der Erde steht und bis an den Himmel reicht. Auch der
Hebräerbrief beginnt mit der großen Wahrheit, dass der Herr der Herrlichkeit
in der Höhe ist. Der Sohn „hat sich gesetzt zur Rechten der Majestät in
der Höhe“, nachdem Er sein Werk auf Erden vollbracht hat. Diese
großartige Tatsache hat durch den ganzen Brief hindurch einen hervorragenden
Platz.
In Kapitel 1,3 wird uns gezeigt, wie Er sich gesetzt hat zur Rechten Gottes,
wegen der Herrlichkeit seiner Person; in Kapitel 8,1 ist Er dort als unser
großer Hohepriester; in Kapitel 10,12 als Beweis seines vollbrachten Werks und
in Kapitel 12,2 als der, welcher den Pfad des Glaubens durchschritten und das
Ziel erreicht hat.
Während nun der HERR über der Spitze der Leiter gesehen wird, steht am
anderen Ende ein armer, kraftloser, oft versagender Mensch, mit Schwachheiten
behaftet und von Versuchungen umgeben. Auch im zweiten Kapitel des
Hebräerbriefes finden wir Menschen, die auf den Weg zur Herrlichkeit gebracht
worden sind, denn sie werden als „viele Söhne“ angesprochen, die aber
noch an Fleisch und Blut teilhaben. Deshalb sind sie noch Versuchungen
unterworfen, von Schwachheiten umgeben, haben allerlei Nöten ins Angesicht zu
sehen, sind Verfolgungen und dem Widerspruch der Sünder ausgesetzt und haben
Trübsal zu leiden (Heb 2,14-18; 4,14.16; 10,33; 12,3; 13,3).
Dann waren in dem Traum zwischen dem HERRN über der Spitze der Leiter und Jakob
an ihrem Ende Engel, die auf- und niederstiegen. Auch im Brief an die Hebräer
sind zwischen dem Herrn in der Höhe, wie Er in Kapitel 2 vor uns gestellt wird,
und uns Engel. Wir lesen, dass sie dienstbare Geister sind, ausgesandt zum
Dienst um derer willen, welche die Seligkeit erben sollen (Heb 1,13-14). Wir haben
also am Anfang des Briefes eine bemerkenswerte Übereinstimmung mit dem Traum
Jakobs.
Außerdem werden uns in diesem Brief die zwei großen Lektionen vorgestellt,
die Jakob in Lus zu lernen hatte. Erstens: Wir sind durch die alles
übersteigende Gnade Gottes angenommen und zu Erben der Herrlichkeit gemacht und
werden durch dieselbe in der Wüste geleitet und an jenen Ort gebracht. Zweitens:
Die alles übersteigende Gnade Gottes, die uns zur Herrlichkeit
berufen hat, setzt die Regierung Gottes nicht beiseite. Auf Grund derselben
werden wir auf dem Weg zur Herrlichkeit gezüchtigt (Heb 2,10; 12,6).
Weiter können wir in diesem Brief erkennen, wie reich die Vorkehrungen
Gottes sind, die Er für unsere Wüstenreise getroffen hat. So finden wir, wie
Gott für uns ist und uns jede Segnung darreicht, die seine Gnade einst dem
Jakob verheißen hat. Die erste große Wahrheit, mit Er Jakob bekannt gemacht
wurde, ehe er einen Schritt vorwärts tat, war, dass er gewiss das Ziel der
Reise erreichen würde. Das Land der Verheißung wurde ihm und seinem Samen
zugesichert. In dem Brief an die Hebräer finden wir nun wieder und wieder
erwähnt, dass der Himmel uns sicher ist. In Kapitel 2,10 gehen wir der
Herrlichkeit entgegen; in Kapitel 3,1 finden wir Genossen der himmlischen
Berufung; in Kapitel 4,9 ist von einer Ruhe die Rede, die uns bleibt; in Kapitel
6,20 ist der Herr Jesus als unser Vorläufer in das Innere des Vorhangs
hineingegangen; in Kapitel 9,24 ist Christus in die Himmel selbst eingetreten,
um jetzt vor dem Angesicht Gottes für uns zu erscheinen. Auf so verschiedene
Weise wird uns die große Wahrheit deutlich vor Augen gestellt, dass, wie der
Herr von jeher Jakob unterstützte, Er auch den Christen hilft, den Himmel zu
erreichen. Wie groß auch immer die Schwierigkeiten sein mögen, denen wir zu
begegnen haben, und die Versuchungen, denen wir auf unserem Weg ausgesetzt sind,
die Herrlichkeit leuchtet uns entgegen trotz dunkler Täler, rauer Pfade und
schwerer Stürme. Gott lässt uns unseren Pilgerpfad im Licht jener Herrlichkeit
verfolgen, zu der Er führt.
Dann hatte Jakob nicht nur die Verheißung, das Land zu besitzen, sondern
der, welcher es ihm gegeben hat, war auch mit ihm. Auch wir Christen haben nicht
nur den Himmel als unser bestimmtes Ziel vor uns, sondern die Gegenwart des
Herrn ist mit uns auf dem Weg dorthin. Sowohl am Anfang als auch am Ende des
Hebräerbriefs führt der Schreiber alttestamentliche Stellen an, die beweisen,
dass der Herr bei seinem Volk gegenwärtig ist. In Kapitel 2 haben wir eine
Stelle aus Psalm 22: „Inmitten der Versammlung will ich dir lobsingen“,
und aus Jesaja 8: „Siehe, ich und die Kinder, die Gott mir gegeben hat.“ Und wenn der Brief sich seinem Ende nähert, werden die Worte des HERRN angeführt, die Er einst an Jakob richtete, um zu zeigen, dass der Herr auf der
ganzen Reise mit uns ist, wie Er gesagt hat: „Ich will dich nicht
versäumen, noch dich verlassen.“ Die Zitate am Anfang des Briefes zeigen
den Herrn in Genossenschaft mit seinem Volk, und die am Ende angeführte Stelle
redet von seiner Gegenwart bei dem Einzelnen. Wohl mögen wir uns oft dessen
nicht bewusst sein, doch Er möchte es uns so gern empfinden lassen, dass Er mit
uns ist.
Jakob wird also die Unterstützung des Herrn mit den Worten zugesichert: „Ich will dich behüten überall, wohin du
gehst.“ In gleicher Weise
entfaltet der Brief an die Hebräer die priesterliche Gnade des Herrn, die uns
während unserer Reise durch diese Welt aufrechterhält. Der Herr, über der
Spitze der Leiter, behütet seine schwachen, oft versagenden Heiligen, die noch
am Fuß derselben sind. Aus Kapitel 7 lernen wir, dass der, „welcher höher
als die Himmel geworden ist“, „immerdar lebt“, um sich für die
zu verwenden, die auf dem Weg dahin sind. Es ist wahr, dass der Mensch am
Fuß der Leiter für den leben soll, der über der Spitze derselben ist. Er
sollte mit Paulus sagen können: „Das Leben ist für mich Christus!“
Doch während wir so oft verfehlen, für Ihn zu leben, hört Er nicht auf, dies
für uns zu tun. Ferner entfaltet der Hebräerbrief die Wirksamkeit des Herrn im
Himmel zugunsten der Menschen auf der Erde. Zunächst erfahren wir aus Kapitel
2, dass Er uns in unseren Versuchungen helfen kann und dass Er dies tut als
einer, der selbst gelitten hat, als Er versucht wurde, denn Versuchungen zu
widerstehen, bringt Leiden mit sich. Der Herr hat diese lieber ertragen, als
dass Er den Versuchungen nachgab. Und jetzt, in der Stunde unserer Versuchungen,
ist Er imstande zu helfen, damit wir lieber leiden als sündigen, indem wir der
Versuchung stattgeben. Weiter lehrt uns Kapitel 4,15, dass Er Mitleid zu haben
vermag mit unseren Schwachheiten. Er bleibt nicht unberührt durch das, was sein
Volk leidet in der Schwachheit des Leibes, denn Er ist nicht nur durch
Versuchungen hindurchgegangen, sondern hat auch Müdigkeit, Hunger und Durst
erfahren. Schließlich verwendet Er sich für uns gemäß seiner vollkommenen
Kenntnis unserer Not. Auf solche Weise haben wir die Unterstützung dessen, der
immerdar für uns lebt, und der uns auch völlig zu erretten vermag, bis unser
Erdenlauf in des Himmels Herrlichkeit endet und die Zeit von der Ewigkeit
abgelöst wird.
Damals sagte der HERR zu Jakob, dass Er ihn in das Land bringen würde,
welches Er ihm zugesagt hatte, und in dem Brief an die Hebräer lernen wir, dass
der Herr nicht nur die Herrlichkeit für sein Volk sichergestellt hat, sondern
dass Er es in die Herrlichkeit einführt. Wir lesen „indem er viele Söhne
zur Herrlichkeit brachte“ und dass nur kurze Zeit vergeht, bis wir sie
erreichen. „Denn noch über ein gar Kleines und der Kommende wird kommen
und nicht verziehen“ (Heb 10,37).
Und wie endlich Jakob die Versicherung erhielt, dass der HERR seine Zusage in
Treue erfüllen würde, so wird auch uns wieder und wieder die Unwandelbarkeit
des Wortes Gottes versichert. Kapitel 1 sagt uns, dass Gott im Sohn geredet hat;
Kapitel 2, dass, wenn das durch Engel geredete Wort fest war, wie viel mehr das
durch den Sohn geredete; in Kapitel 6 erfahren wir, dass Gott nicht nur geredet,
sondern auch sein Wort durch Eidschwur bestätigt hat, und das Wort sowie der
Eidschwur werden zwei unveränderliche Dinge genannt (V. 16-18). Dann haben
wir in Kapitel 12 die ernste Warnung, „uns nicht von dem abzuwenden, der
vom Himmel her redet“, denn Gott wird sein Wort auch erfüllen. Die Reiche
der Menschen werden erschüttert und vergehen, um einem ewigen Reich Platz zu
machen, das unerschütterlich ist. Und schließlich werden wir daran erinnert,
dass, wenn Gott geredet hat, wir Ihm völlig vertrauen können, denn was Er
zugesagt hat, das hält Er gewiss (Heb 13,5-6).
Wir haben also im Hebräerbrief eine christliche Auslegung von Jakobs Traum.
Der Brief beginnt mit Christus in Herrlichkeit, dann wird uns gesagt, wer diese
herrliche Person ist, von der geschrieben steht: „Du aber bleibst“, und: „Du bist
derselbe.“ Mit der enteilenden Zeit schwindet alles dahin
und mit den wechselnden Jahren ändert sich ein jedes; aber in Christus in der
Herrlichkeit haben wir Einen, der bleibt, der sich nicht ändert. Dann wird uns
im Laufe des Briefes das gnadenreiche Werk gezeigt, das Er ausführt. Er bringt
viele Söhne zur Herrlichkeit, Er geleitet sie auf dem Weg, Er unterstützt sie
in den Versuchungen, Er fühlt mit ihnen in ihren Schwachheiten, Er verwendet sich
für sie in ihren Nöten. Er vertritt uns in dem Himmel vor dem Angesicht
Gottes und über ein Kleines kommt Er wieder, um uns in Herrlichkeit
aufzunehmen. So lernen wir, wer Christus ist, was Er tut und was Er noch tun
wird in Kürze. Wie gesegnet ist also die Stellung des Menschen am Fuß der
Leiter, wenn er im Licht der Herrlichkeit des Menschen wandelt, der über ihrer
Spitze ist.
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