|
Anmerkung der Redaktion
Dieser Artikel stammt aus der Zeit vor dem Jahr 2000. Er spiegelt
nicht zwingend die heutige Meinung des Autors wieder, da der Autor seine
Gedanken in den letzten Jahren auf etlichen Gebieten sehr verändert hat,
siehe dazu auch unsere FAQ.
Dennoch haben wir diesen Artikel aufgenommen, da er sehr wohl die Meinung
der Redaktion wiedergibt.
|
Leitverse: 5. Mose 18,3-8
Wir finden noch einen weiteren Grundsatz über den Levitendienst in 5. Mose
18, der auch sehr lehrreich für unsere heutigen Verhältnisse ist. In den ersten
Versen dieses Kapitels haben wir gelesen, was ich bereits betont habe, dass die
Leviten, der ganze Stamm Levi, kein Teil noch Erbe mit Israel hatten. Sie
sollten die Feueropfer des HERRN und sein Erbteil essen. Das bezieht sich
sicherlich besonders, wie wir in 4. Mose 18 gesehen haben, auf die Priester. Sie
durften die Feueropfer essen, während die Leviten den Zehnten aßen. Die Verse
3-5 handeln dann von den Priestern und die Verse 6-8 von den Leviten, und zwar
von einem besonderen Fall. Auch hier befinden wir uns wieder im Lande. Es geht
also hier nicht um Levitendienst in der Wüste, worüber ich morgen noch etwas zu
sagen hoffe. Auf uns angewandt, besitzt das ganze Volk Gottes hier die
geistlichen Segnungen in den himmlischen Örtern. Sie erfreuen sich alle an
diesen Segnungen. Überall im Land wohnen jetzt Leviten in den Levitenstädten und
dürfen den Dienst an dem Ort ausüben, wo der Herr seinen Namen wohnen lässt, was
also vorbildlich auf den Ort hinweist, wo der Herr in der Mitte der Seinen ist
und wo Er die Gläubigen, die Versammlung, um sich, zu seinem Namen hin,
versammelt. An diesem Ort gibt es Leviten, die den Dienst ausüben. Nun können
wir uns vorstellen, dass von diesen Tausenden von Leviten im Land nicht alle zur
gleichen Zeit in Jerusalem sein konnten. Für so viele Leviten war einfach nicht
genug zu tun. Nun finden wir hier eine schöne Belehrung, die Gott seinem Volk
gegeben hatte und die auch für uns von praktischer Bedeutung ist.
5Mo 18,6-7: Und wenn der Levit kommen wird aus einem deiner
Tore, aus ganz Israel, wo er sich aufhält, und er kommt nach aller Lust seiner
Seele an den Ort, den Jehova erwählen wird, und verrichtet den Dienst im Namen
Jehovas, seines Gottes…
Hier denkt Gott also an den Fall, dass ein Levit aus einer dieser
achtundvierzig Levitenstädte, von denen wir in 4. Mose 35 gelesen haben, kommt,
um „nach aller Lust seiner Seele“ einen Dienst an diesem Ort auszuüben, wo der
Herr inmitten seines Volkes wohnt. In Vers 7 steht ausdrücklich dabei: „wie
alle seine Brüder“. Ich denke, dass das darauf hinweist, dass schon sehr viele
Leviten dort sind. Einige hätten vielleicht sagen können: Jetzt brauchen wir
doch nicht auch noch diesen Leviten aus jenem entfernten Dorf oder dieser oder
jener Stadt. Wir haben schon genug Leviten hier in Jerusalem. Doch Gott denkt
darüber anders. Der Levit kommt nach aller Lust seiner Seele, und es ist sein
Verlangen, einen Dienst für den Herrn auszuüben. Dann lesen wir hier, dass sie
ihn nicht daran hindern durften.
Im Allgemeinen ist diese Gefahr bei uns wohl nicht vorhanden, dass wir zu
viele Leviten haben. Aber hin und wieder scheint das doch der Fall zu sein.
Nehmen wir einmal an, dass ein Bruder eine örtliche Versammlung besucht, von dem
wir wissen, dass der Herr ihm etwas gegeben hat, und er hat das Verlangen, für
den Herrn einen Dienst auszuüben. Was sagen wir dazu? Ist es möglich, dass
Brüder dann sagen: Wir haben schon so viele hier in der Versammlung, die sich am
Wort Gottes beteiligen und uns dienen, was soll denn dieser junge Bruder auch
noch hier? Nun kann es sein, dass das, was dieser Bruder gebracht hat,
ungeistlich ist und dass die Brüder deutlich fühlen, dass er sich selbst sucht
und das, was er gesagt hat, nicht vom Herrn ist. Dazu steht in 1. Korinther 14,29, dass die anderen prüfen sollen, was dort geschieht. Wenn er aber wirklich
nach aller Lust seiner Seele kommt, um dem Herrn zu dienen, so finden wir hier
ganz klar, dass wir nicht sagen dürfen: Nun kommt schon wieder einer hinzu, wir
haben schon genug Leviten.
Es kann wohl kaum genug Leviten in den Versammlungen geben. Wir sollten uns
darüber freuen, wenn junge Geschwister bescheiden einen Dienst inmitten der
Versammlung ausüben möchten. Wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind und sie ihn
in Gemeinschaft mit den Geschwistern tun und in einer geistlichen Weise, so
sollten wir uns freuen.
Doch auch der andere Fall kann eintreten, dass z.B. ein Bruder eine Gabe vom
Herrn empfangen hat und auch fühlt, dass er sich von seiner beruflichen Arbeit
freimachen sollte. Da wäre es nicht angebracht, wenn er sich dem entziehen würde
mit dem Argument: Es gibt schon so viele Brüder, die vollzeitlich im Werk des
Herrn arbeiten. Warum soll ich da noch hinzukommen? Doch das ist nicht
geistlich. Und es wäre noch schlechter, wenn die anderen dächten: Was soll denn
nun dieser noch? Wenn jemand nach der Lust seiner Seele, mit dem Verlangen, dem
Herrn zu dienen, kommt, sich vom Herrn berufen weiß und einen Dienst ausübt,
so dass alle sehen können, dass er eine Prüfungszeit von geistlicherweise
fünfundzwanzig bis dreißig Jahren erlebt hat, so sollten wir uns darüber freuen.
Hier steht noch: „So sollen sie zu gleichen Teilen essen, außer dem was er von
seinem väterlichen Eigentum verkauft hat“ (V. 8). Es kann sein, dass dieser
Bruder sogar große Opfer gebracht hat und dass er, um diesen Dienst ausüben zu
können, sein väterliches Eigentum verkauft hat. Nun hat er nichts mehr. Wir
sollten nicht gering darüber denken, wenn ein Bruder das Verlangen hat, dem
Herrn zu dienen und dafür vieles preisgibt. Wir wollen dem Herrn dafür danken,
wenn Er Brüdern das ins Herz gibt.
Ich denke, dass wir hier auch noch eine andere Anwendung machen können.
Vielleicht dachten manche, wenn dieser Levit mit dem Verkaufserlös nach
Jerusalem kam, dass er ein reicher Mann war, und sie meinten, ihn deshalb nicht
unterstützen zu brauchen. Ich habe selbst schon gehört, wie Brüder sagten: Wir
wollen nur solche unterstützen, die vollzeitig im Werk des Herrn sind. Andere
sagen vielleicht: Wir haben nur wenig Geld, und das wollen wir dorthin geben, wo
es am nötigsten ist. Doch das sind menschliche Maßstäbe. Der Maßstab der Schrift
ist: „Denn der Arbeiter ist seines Lohnes wert“ (Lk 10,7; 1Tim 5,18). Wir
haben grundsätzlich nichts damit zu tun, wie viel jemand besitzt und was der Herr
ihm sonst gegeben hat oder dass er vielleicht ein väterliches Eigentum besitzt.
Hier finden wir ausdrücklich: „So sollen sie zu gleichen Teilen essen, außer dem
was er von seinem väterlichen Eigentum verkauft hat.“ Wie praktisch und nützlich
bis in alle Einzelheiten ist doch das Wort Gottes, wenn wir diese Grundsätze auf
uns selbst anwenden.
Teile dieser Artikelserie:
Arbeit für Gott — Aber wie? (1)
Arbeit für Gott — Was zählt (2)
Arbeit für Gott — Die Weihe des Dieners (3)
Arbeit für Gott —
Was können wir für den Diener tun? (4)
Arbeit für Gott — Wie ist das mit dem Zehnten? (5)
Arbeit für Gott — „Nach aller Lust seiner Seele“ (6)
Arbeit für Gott — In den Zufluchtsstätten (7)
Arbeit für Gott — Die Ausübung des Dienstes (8)
Arbeit für Gott — Worin besteht der Dienst? (9)
Zweiter Vortrag
(6.5.1978), gehalten in Hagen-Haspe
|