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Leitverse: Hebräer 13,15-16; Römer 12,1
Inhalt
Einleitung „Deinen einzigen, den du lieb hast“ „Liebe, zu wunderbar für mich“ Unsere Opfer Das Opfer des Lobes Frucht der Lippen — aber auch Frucht des Herzens Aber doch: Frucht der Lippen Liederparade Opfer als Liebesgaben Ist es ein Opfer? Gott sieht, was du übrig behältst Man kann nichts mitnehmen Wohltun und Mitteilen Zehn Prozent? Mitteilen Wohlgefällig für Gott Das Opfer des Leibes Unser Leib — ein Tempel Alles was ihr tut
Ein Opfer ist etwas mehr als einfach nur ein Geschenk. Das wird bereits klar,
wenn wir uns die Vorschriften des Alten Testaments besehen, die von Opfern
handeln. So musste beim Passah ein einjähriges Lamm geschlachtet werden. Ein
Lamm also, das seinen vollen Wert hatte. Darüber hinaus musste es ohne irgendein
Gebrechen sein (2Mo 12). Dasselbe finden wir bei den fünf Opfern in 3. Mose
1-7. Die Opfertiere mussten ohne Gebrechen sein, und auch das Beste, das Fett,
musste der Israelit abtreten. Natürlich wurde dies in erster Linie
vorgeschrieben, weil diese Opfer eine Vorschattung von dem Opfer Christi
waren. Dennoch gibt es eine ganz praktische Seite dieser Sache. Der Israelit
musste lernen, dass Gott es wert ist, dass Ihm das Beste gegeben wird. Dies kann
aus Maleachi 1,8 abgeleitet werden: „Und wenn ihr Blindes darbringt, um es zu
opfern, ist es nichts Böses? Und wenn ihr Lahmes und Krankes darbringt, ist es
nichts Böses? Bringe es doch deinem Landpfleger dar: Wird er dich wohlgefällig
annehmen oder Rücksicht auf dich nehmen?, spricht der Herr der Heerscharen.“
Ein minderwertiges Opfer ist eigentlich eine Beleidigung für den Empfänger. Ein
Opfer ist eine Gabe, durch die man die Würdigung und Hochschätzung ausdrückt,
die man für die Person des Empfängers hat. Im Opfern liegt also der
Grundgedanke: etwas Wertvolles für die betreffende Person übrig haben.
Eine zutreffende Illustration finden wir in 1. Mose 22. Abraham sollte nicht
einfach so etwas opfern, nein, dort steht mit Nachdruck: „deinen einzigen“.
Man könnte sagen: Das ist schon eindeutig genug. Das zeigt schon an, dass
Abraham alles opfern musste, was er hatte. Ja, und doch steht noch dabei: „den
du lieb hast“. Hierdurch wird das unbeschreiblich Schwere dieses Opfers auf
außergewöhnliche Weise betont. Abraham bringt dieses Opfer. Wer selbst Vater ist
und versucht nachzuvollziehen, was das für Abraham gewesen sein muss, bekommt
eine Ahnung von dem, was Opfern bedeutet.
Sobald jemand sich bekehrt hat, ist er durch die vollständige Umkehr seines
Denkens und seiner Seele in der Lage, etwas mehr von dem zu begreifen, was
Golgatha für Gott bedeutet. Wenn jemand die Abscheulichkeit der Sünde erkannt
und ein Auge für die Heiligkeit Gottes bekommen hat, dann lernt er — und sei es
immer noch stückweise — verstehen, was es für Gott gewesen sein muss, dass er
seinen einzigen Sohn (Joh 3,16), seinen eigenen Sohn (Apg 20,28) nicht
geschont hat, sondern Ihn für uns alle hingegeben hat. Das gilt auch für den
Herrn Jesus, denn Er opferte sich selbst.
Unterstellen wir einmal, dass ein Vater seine nette Tochter, die
in einer harmonischen Familie aufgewachsen ist, dazu bewegt, in einer
asozialen Familie zu helfen, wo der Zustand schlimmer ist als in einem
Schweinestall (solche Familien existieren leider). Wird nicht jeder Tag für
dieses Mädchen ein Martyrium sein? Der Gestank, die grobe Sprache, die Manieren,
ja die ganze Atmosphäre — werden sie ihr nicht täglich zuwider sein? Wenn der Vater
seine Tochter herzlich lieb hat und den Zustand in dieser Familie von A bis Z
kennt, ist das dann ein Opfer oder nicht? Nun, das ist nur eine Kleinigkeit
verglichen mit der Tatsache, dass Gott seinen eigenen Sohn, den Er lieb hat, den
Heiligen und Reinen, auf diese sündige und verdorbene Erde herabsandte.
Und weiter: Unterstellen wir auch, dass der Vater aus unserem Beispiel seiner
Tochter rät, sich vollständig in den Familienzustand einzuleben, um das Herz
dieser Menschen zu erreichen und zu gewinnen. Würde das nicht eine
übermenschliche Aufgabe sein? Nun, was muss es für Gott gewesen sein, seinen
Sohn zu geben, Ihn als Mensch unter Menschen leben zu lassen (ausgenommen die
Sünde), Ihn schließlich kreuzigen zu lassen und (der tiefste Punkt) Ihn zur
Sünde zu machen? Wenn wir — mit diesem äußerst schwachen irdischen Beispiel vor
Augen — hierüber nachdenken, sagen wir dann nicht mit dem Dichter: „Liebe, zu
wunderbar für mich!“?
Bevor wir uns mit unserem eigentlichen Thema, nämlich unseren Opfern,
beschäftigen können, war es nötig, zuerst unsere Aufmerksamkeit auf das Opfer zu
richten. Denn unsere Opfer haben nur einen Wert, wenn sie mit dem Opfer des
Herrn Jesus Verbindung halten. Wenn wir bei unseren Opfern nicht das Opfer von
Golgatha vor Augen haben, hört alles, was wir sagen, geben oder tun, auf, ein
Opfer zu sein. Wenn es um den Wert und den Charakter des Opfers geht, ist das
Opfer, das der Herr brachte, unser vollkommenes Muster.
Aber nun zur Art unserer Opfer. In der Bibel werden wir ermahnt, drei Sorten
Opfer zu bringen. So lesen wir:
-
„Durch ihn nun lasst uns Gott stets ein Opfer des Lobes darbringen, das
ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen“ (Heb 13,15).
-
„Des Wohltuns aber und Mitteilens vergesst nicht, denn an solchen
Opfern hat Gott Wohlgefallen“ (Heb 13,16).
-
„Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure
Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges
Schlachtopfer, welches euer vernünftiger Dienst ist“ (Röm 12,1).
Lasst uns jedes dieser Opfer einmal näher betrachten.
Heb 13,15: Durch ihn nun lasst uns Gott stets ein Opfer des Lobes darbringen, das
ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen.
Im Wort Gottes wird über Dank, Lob und Anbetung gesprochen. Dank steht in
Verbindung mit dem, was an und für uns getan wurde; es ist unsere Antwort auf
das, was wir empfangen haben. Lob und Anbetung sind eng miteinander verbunden,
aber dennoch dürfen wir einen gewissen graduellen Unterschied machen. Bei Lob
beschäftigen wir uns mit der Größe Gottes, die in seinen Taten zum Ausdruck
kommt. Der Gläubige der alten Haushaltung brachte Gott Lob, wenn er voller
Respekt seine mächtige Schöpfung in Augenschein nahm oder seine kraftvollen
Taten in Israel bewunderte. Psalm 148 und 150 geben uns ein Beispiel für
Ersteres, während Psalm 136 uns ein Beispiel für beides gibt. Auch lobte der
Israelit Gott für seine Rettung, bei der Gottes Güte zum Vorschein kam; ein
Beispiel hierfür haben wir in Psalm 107. Für uns kommt noch etwas dazu: Wir
stehen hinter dem Kreuz; größer als je in Israel werden hier Gottes Gnade und
Güte geschaut. Wir können nicht bei der Schöpfung stehen bleiben (denk daran,
dass wir diesen Punkt nicht überschlagen dürfen, was leider passiert, weil wir
der Schöpfung so entfremdet sind), unser höchstes Lob bringen wir in
Verbindung mit der Tatsache, dass Gott seinen Sohn gegeben hat. Wir finden dies
sehr schön wieder in Lied 7 aus dem Liederbuch Geistliche Lieder. Die erste
Strophe beschreibt Gottes Größe als Schöpfer; die zweite Strophe besingt Ihn als
den Gott, der in Gnaden seinen Sohn für uns in den Kreuzestod geben wollte.
Anbetung geht eigentlich noch einen Schritt weiter. Dann treten die Taten
Gottes mehr in den Hintergrund, und wir sind überwältigt von dem, was Gott ist:
Seine Majestät, seine Liebe und Barmherzigkeit, seine Heiligkeit erfüllen dann
unser Herz. Anbetung ist dann meistens auch nicht vollkommen in Worten
auszudrücken; sie wird oft wortlos sein. So lesen wir: „Die Ältesten fielen
nieder und beteten an“ (Off 5,14). Danach kommt ein Punkt. Die
Lobpreisungen werden erwähnt (Off 5,9.12-13). Die Anbetung war nicht zu
umschreiben; es ist ein Gemütszustand, in dem Gott verherrlicht wird.
Das Opfer des Lobes wird als „Frucht der Lippen“ umschrieben. Aber das
bedeutet nicht, dass dies nur ein Produkt der Lippen ist; mit anderen Worten ein
Lippenbekenntnis. Die Frucht der Lippen muss in unseren Herzen keimen und als
reife Frucht durch die Lippen geäußert werden. So finden wir das auch in Epheser
5,19 und Koloser 3,16: Wir müssen dem Herrn in unseren Herzen zujubeln und
lobsingen. Dafür ist jedoch erforderlich, dass wir uns mit der Person und dem
Werk von Christus beschäftigen. Vor allem sind hierbei wichtige, praktische Dinge
anzumerken, was unsere gemeinsame
Anbetungsstunde betrifft. Wenn
wir samstags abends unseren Familienbesuch bis weit in den Abend oder vielleicht
auch in die Nacht hinein ausgedehnt haben und wir sonntags morgens vor Müdigkeit
fast nicht aus unserem Bett kommen können, wenn wir kaum Zeit haben, um zu essen
und auf die Schnelle zur Zusammenkunft gehen, dann ist beinahe unmöglich, dass
wir dem Herrn wirklich ein wertvolles Lobopfer bringen können.
Eine wichtige Belehrung finden wir in 5. Mose 26, wo es um das Opfer der
Erstlinge geht. Diese musste ein Israelit zu Hause gesammelt haben. Dann tat er
sie in einen Korb und trug sie zum Tempel. Frei angewendet: Wenn wir uns nicht
von vornherein auf die Tatsache einstellen, dass wir dem Herrn sonntags morgens
ein Opfer bringen, kommen wir mit leerem Korb in die Zusammenkunft. Das will
natürlich nicht heißen, dass wir uns vorher ausdenken sollen, welches Lied wir
gleich vorschlagen usw., aber es ist wohl nötig, dass wir uns einstellen auf
das, was wir zu tun gedenken, sofern das, was wir zu sagen oder zu bringen
haben, wirklich wertvoll für den Herrn und auch wirklich ein Opfer sein soll.
Glücklicherweise kann der Herr auch während der Zusammenkunft unsere Herzen zu
Ihm hinaufziehen und mit Lob und Dank erfüllen. Aber das ist dann seine Sache.
Unsere ist, uns auf die Anbetungsstunde von vornherein einzustellen.
Damit sind wir noch nicht am Ende. Auch wenn es nun kein Lippenbekenntnis
ist, ist es doch die Frucht der Lippen. Sie werden zwar nur durch einen Teil der
Anwesenden ausgesprochen, jedoch scharen sich die anderen dahinter, was in dem
gemeinsamen „Amen“ zum Ausdruck kommt.
Es gibt einen Bibeltext, der sehr deutlich über das allgemeine Priestertum
spricht und wo über Opfer gesprochen wird. Das ist 1. Petrus 2,5: „Werdet auch
ihr selbst, als lebendige Steine, aufgebaut, ein geistliches Haus, ein heiliges
Priestertum, um darzubringen geistliche Schlachtopfer, Gott wohlannehmlich durch
Jesus Christus.“
Hier wird deutlich gezeigt, dass alle Gläubigen das Priestertum formen.
Allerdings ist die öffentliche Beteiligung in einer Sonntagmorgen-Zusammenkunft
auf eine bestimmte Anzahl beschränkt, vor allem, wenn viele anwesend sind. In
Israel hatte man, was das angeht, ein Problem. Die Anzahl der Priester war so
groß geworden, dass sie nicht mehr alle gleichzeitig mit dem Tempeldienst
beschäftigt sein konnten. Daraufhin hatte David 24 Priesterorden eingeführt,
so dass jeder Orden abwechselnd im Tempel (damals noch Stiftshütte) diente.
Natürlich dürfen wir daraus keine wörtliche Schlussfolgerung ziehen und für
unsere Anbetungsstunde eine Regelung treffen. Wir haben hieraus lediglich den
Grundsatz zu Herzen zu nehmen und geistlich anzuwenden. Gott wollte, dass alle
Priester opferten und dazu diente diese Regelung. Genauso will Gottes Geist alle
Brüder leiten, Ihre Priesterschaft zu erfüllen. Wenn ständig dieselbe Gruppe
Brüder sich im Dienst beteiligt, dann ist da etwas verkehrt, wobei wir außen
vorlassen, ob das an den Schweigenden liegt, die sich Ihrer Verantwortlichkeit
entziehen oder an den Anderen, die keine Gelegenheit dazu geben.
Ein anderes Übel ist, dass manchmal „ein Lied nach dem anderen“ vorgeschlagen
wird. Man meint schon mal, dass eine solche Versammlung sehr gut geistlich
gesinnt sein muss. Ich glaube allerdings, dass die Chance groß ist, dass das
Gegenteil der Fall ist. Wenn Hebräer 13 über die Frucht der Lippen spricht, dann
ist die Bedeutung die, dass das, was die Lippen des betreffenden „Priesters“
äußern, auch in der Tat in seinem Herzen lebt und er mehr oder weniger
übersetzt, was in den Herzen aller lebt. Schlussendlich sind unsere Lieder
jedoch Äußerungen von dem, was in dem Herzen des Dichters lebt. Natürlich will
Gott dies für uns gebrauchen. Aber wenn unser Lied wirklich ein Opfer des Lobes
sein soll, dann werden wir uns auch in die Gedanken des Liedes einfühlen müssen.
Menschlicherweise ist das Vorschlagen eines Liedes eine einfache Sache. Ist es
jedoch nicht ein Zeichen geistlicher Schwäche, wenn die Anzahl der Lieder die
Anzahl der Gebete (gesprochene Lobpreisungen) weit übertrifft und sie so schnell
vorgeschlagen werden, dass man sich unmöglich in den Inhalt vertiefen kann?
Hierzu kommt auch noch, dass manche, die morgens Draufgänger beim
Liedervorschlagen sind, in der Abendstunde und Gebetsstunde durch Abwesenheit
glänzen. Es ist schon nötig, diese Dinge öffentlich zu benennen, denn
schlussendlich geht es nicht um äußeren Schein. Petrus nennt es „geistliche“
Opfer. Es geht um den geistlichen Wert. Das müssen wir gut bedenken.
Heb 13,16: Des Wohltuns aber und Mitteilens vergesst nicht, denn an solchen
Opfern hat Gott Wohlgefallen.
Im Gegensatz zu den geistlichen Opfern, womit wir uns zuerst beschäftigt
haben, geht es in Hebräer 13,16 um materielle Opfer. Aber auch wenn wir
uns hier mehr auf materiellem Boden befinden, haben die Opfer nur einen Wert,
wenn sie in einer guten Gesinnung gebracht werden. Der Ursprung, die Quelle, aus
der sie kommen, um die geht es. Deshalb steht da auch nicht: „Gott hat den
Geber lieb“, sondern: „Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb“
(2Kor
9,7). Wie wird jemand ein fröhlicher Geber? Das geht nur, wenn wir auf die
unaussprechliche Gabe sehen, die Gott selbst gegeben hat. Es ist bemerkenswert,
wie Paulus, geleitet durch Gottes Geist, in die einfachsten Dinge immer wieder
das Kreuz hineinbringt. Das achte und neunte Kapitel des zweiten Korintherbriefes sind der Sammlung von Gaben geweiht, die dort in der Gemeinde
für die Armen in Judäa gesammelt werden sollten. Nachdem der Apostel betont hat,
dass durch diese Gabe die Echtheit ihrer Liebe geprüft wird, kommt er zu dem
bekannten Ausspruch: „Denn ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus,
dass er, da er reich war, um euretwillen arm wurde, auf dass ihr durch seine
Armut reich würdet“ (2Kor 8,9). So eine „gewöhnliche“ Sache wie eine
Kollekte wird dadurch auf einmal in das Licht des Kreuzes gestellt. Wer traut
sich noch, dieses vor Augen habend, ein „Trinkgeld“ in die Kollektenbeutel zu
werfen?
Bezüglich des Gebrauchs unserer Güter wollen wir noch einmal die Betonung auf
das Wort „Opfer“ legen, das hier gebraucht wird. Was wir dem Herrn bringen, muss
wirklich wertvoll für Ihn sein; es muss ein Opfer sein. Es wird ein Opfer, wenn
wir unser Herz in die Gabe legen. Das tat die arme Witwe (Lk 21,2); absolut
gesehen, war die Gabe nicht so groß, es waren nur zwei Kupfermünzen. Aber sie
gab sie mit ihrem Herzen. Es war ihr ganzer Unterhalt und sie hatte alles für
Gott übrig. Wir tun manchmal einen, zwei oder zehn Euro in die Kollekte, weil
wir’s „nicht kleiner haben“. Diese Frau hatte es kleiner: Sie hatte zwei
Kupfermünzen. In Markus steht so bedeutungsvoll dabei: „Das ist ein Pfennig.“
Hätte sie die zwei Münzen in der Form eines Pfennigs in der Tasche gehabt, hätte
sie nur schwer weniger geben können. Aber jetzt hätte sie es mit einer Münze gut
sein lassen können. Sie gab jedoch beide Münzen. Das ist ein praktisches
Beispiel, das Christus uns vorhält. Er sieht nicht auf die Gabe an sich, sondern
Er sieht auf die Quelle, aus der die Gabe entspringt.
Wir sehen auf das, was die Menschen geben. Das tut Gott nicht. Hier gilt das
Wort, das an Samuel erging: „Der Mensch sieht auf das Äußere, aber der Herr
sieht auf das Herz“ (1Sam 16,17). Die andern warfen große Gaben in die
Schatzkiste. In den Augen der Menschen war das ganz schön was. Aber die zwei
Scherflein der Witwe waren mehr: Gott sah ihr Herz.
Es gibt jedoch noch etwas, das eng mit dem Opfergedanken in Verbindung
steht. Der Wert der Gabe von der Witwe lag darin, dass sie nichts übrig
behielt.
Die anderen warfen aus ihrem Überfluss hinein und hatten demnach noch genug
übrig. Sie hingegen gab alles. Gott beurteilt eine Gabe also nicht nach dem
Betrag an sich, sondern nach dem, was du übrig behältst.
Wird uns da nicht vielleicht ein bisschen heiß unter den Füßen? Ich glaube,
dass wir hier am besten die Hand an unsere eigene Brust schlagen. Aber bedenke
dabei: Mose steckte seine Hand zwei Mal in seine Brust. Wir tun das leider oft
nur ein Mal und dann verbessert sich leider nichts. In diesem Zusammenhang ist
sehr lehrreich, was Paulus in 2. Korinther 8,12 schreibt: „Denn wenn die
Geneigtheit vorliegt, so ist einer annehmlich nach dem er hat, und nicht nach
dem er nicht hat.“ In der Geschichte der Witwe finden wir sozusagen eine
Anwendung dieses Wortes. Die Bedeutung ist, dass wir nicht auf den Anderen sehen
sollen, wie viel er gibt. Manchmal machen wir uns selbst was vor: „Wenn ich
so viel besäße, dann würde ich dies und das geben.“ Und weil wir nicht so
viel besitzen, geben wir eben nichts. Vielleicht kennst du die schöne Geschichte
von Theophilus und Christobel. Theophilus fragte Christobel: „Wenn du 100 Kühe
hättest, würdest du 5 dem Herrn geben?“ Prompt antwortete Christobel: „Ja“, und
dann ging das so weiter mit Pferden, Schafen etc. Zum Schluss fragte Theophilus:
„Wenn du nun zwei Schweine hättest, würdest du dann eins dem Herrn geben?“, worauf
Christobel etwas pikiert sagte: „Das ist nicht ehrlich, Theophilus. Du weißt
genau, dass ich zwei Schweine hab.“
Manche Menschen lassen den Rubel rollen und stützen sich dabei auf das Wort:
„Denn wir haben nichts in die Welt hineingebracht, [so ist es offenbar], dass
wir auch nichts hinausbringen können“ (1Tim 6,7). Es ist aber bestimmt
nicht die Absicht Gottes, dass ein Gläubiger nachlässig mit den irdischen Gütern
umspringt, die Gott ihm anvertraut hat. Dennoch müssen wir bedenken, dass wir
nichts mitnehmen können. Das lässt uns zufrieden sein, wenn wir das Nötige zur
Verfügung haben, um für unseren Unterhalt zu sorgen.
Es hängt jedoch mehr an dieser Sache. Ich las einmal in einem englischen
Artikel: „Du kannst dein Geld nicht mitnehmen aber wohl vorausschicken.“
Der Schreiber verwies hierbei auf einen anderen Bibeltext aus 1. Timotheus 6,19. Hier
wird zu den Reichen gesagt, dass sie sich eine gute Grundlage für die Zukunft
sammeln, wenn sie ihr Geld im Dienst für den Herrn gebrauchen. Zu Recht
bemerkt dieser Gläubige: „Ein sichereres Bankguthaben gibt es nicht.“ Das
Gleichnis vom ungerechten Verwalter lässt uns sehen, dass wir in die ewigen Hütten aufgenommen werden
(Lk
16,9), wenn wir hier auf
Erden den Mammon der Ungerechtigkeit benutzen, um uns Freunde zu machen (für die
Ewigkeit). Wie schön
ist es, wenn wir unser Geld als Opfer für den Herrn verwenden. Genauso wie die
Frauen aus Lukas 8,2-3 dienen wir dann dem Herrn mit unserer Habe. Von seiner
Seite aus wird der Herr nie unser Schuldner bleiben (vgl. Spr 11,25; 19,17;
28,27).
Nach diesen praktischen Anmerkungen über den Gebrauch unserer irdischen Güter
wollen wir die in Hebräer 13,16 genannten Opfer etwas näher betrachten. Es wird
nämlich über „Wohltun“ und „Mitteilen“ gesprochen. Hier wird m.E. eine
deutliche Unterscheidung getroffen, und wir tun gut daran herauszufinden, worin
der Unterschied besteht. Wohltun bezieht sich auf Gutestun an Armen. Unser Wort „Wohltäter“ zeigt das auch. Obwohl das Wort
„Wohltun“ auch in einem
allgemeineren Sinn von „Gutes tun“ gebraucht wird, gibt es eine Stelle, die sich
deutlich auf die Versorgung von Armen und „Bedürftigen“ bezieht. So lesen wir in
Markus 14,7: „Denn die Armen habt ihr allezeit bei euch, und wenn ihr wollt,
könnt ihr ihnen wohl tun.“ In diesem Sinn wird hier in Hebräer 13 über das
Opfer des Wohltuns gesprochen. Ein großes Vorbild finden wir in Gott, der „vielfach
seine Wundertaten an uns erwiesen hat“ (Ps 40,5).
Manchmal wird gefragt: „Wie viel muss man denn jetzt geben?“ Nun ist das
Wort „müssen“ an dieser Stelle schon ganz falsch. Im Licht des Opfers von
Christus passt das natürlich überhaupt nicht. Lasst es uns also schnell durch „sollen“ ersetzen. Manche meinen, eine feste Norm in dem Betrag gefunden zu
haben, den Abraham und später Jakob und das Volk Israel abtrat, und zwar zehn
Prozent. Wir
müssen jedoch beachten, uns nicht auf einen gesetzlichen Boden zu stellen.
Sobald unser Geben an eine Regel gebunden ist, die zu einem Zwang wird, dann
sind wir keine fröhlichen Geber mehr. Andrerseits werden die zehn Prozent manchmal
entrüstet von der Hand gewiesen und als „gesetzlich“ bezeichnet, weil man nicht
bereit ist, solch ein Opfer zu bringen. Nun, für solche Menschen gilt es, gut zu
bedenken, dass die Gnade immer weiter geht als das Gesetz. Du kennst doch die
regelmäßig wiederkehrende Aussage aus der Bergpredigt: „Ihr habt gehört, dass
zu den Alten gesagt ist … aber ich sage euch …“ Wenn wir das auch auf unser
Geben anwenden, verschwinden die zehn Prozent vielleicht im Schatten. Aber dennoch, für
jeden, der nicht gesetzlich sein will, gibt es ein herrliches Beispiel von
Zachäus: „Siehe, Herr, die Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen.“ Dann
sind es also fünfzig Prozent. Wir stehen nicht unter Gesetz und brauchen uns nicht mehr auf
zehn Prozent beschränken zu lassen!
Zweitens wollen wir noch zwei Bibeltexte zitieren, die ein Leitfaden für uns
sein können: „Ein jeder von euch lege bei sich zurück und sammle auf, je
nach dem er Gedeihen hat“ (1Kor 16,2). „Denn nach Vermögen, ich
bezeuge es, und über Vermögen waren sie aus eigenem Antrieb willig, indem sie
mit vielem Zureden uns um die Gnade und die Gemeinschaft des Dienstes für die
Heiligen baten“ (2Kor 8,3-4).
Genauso wie das Wort „Wohltun“ hat „Mitteilen“ eine breite und eine
eingeschränkte Bedeutung. Alles, was man einem anderen gibt, ist Mitteilen. So
wird in Römer 12,13 gesagt: „An den Bedürfnissen der Heiligen nehmt teil“ [i.S.v.:
mit den Heiligen teilen]. Dennoch geht es da um ein Opfer des Wohltuns. Da
konnte nicht stehen: „Tut wohl in den Bedürfnissen“ (oder: an den
Bedürfnissen) der Heiligen. Hier ist einfach der Gedanke, „einen Teil unseres
Besitzes an einen anderen zu geben“; dieser andere ist bedürftig, also geht es
hier um einen Beweis des Wohltuns. Wenn wir allerdings das Wort „Mitteilen“ und
„Mitteilung“ in seinem engeren Sinn betrachten, dann geht es um das Mitteilen
für den Unterhalt derjenigen, die am Evangelium arbeiten. Eine Anzahl Stellen
rechtfertigt dies: „Wer in dem Wort unterwiesen wird, teile aber von allerlei
Gutem dem mit, der ihn unterweist“ (Gal 6,6). Genauso gut, wie der Drescher
seine Arbeit tut, in der Hoffnung, einen Teil der Ernte zu erhalten, hat auch
der Arbeiter ein Recht auf Unterstützung (lies 1Kor 9). „Keine Versammlung
hat mir in Bezug auf Geben und Empfangen mitgeteilt als nur ihr allein. Denn
auch in Thessalonich habt ihr mir einmal und zweimal für meine Notdurft gesandt“,
schreibt Paulus in Philipper 4,15.
Wenn es nicht in der Bibel stehen würde, wären wir wahrscheinlich nie auf die
Idee gekommen, die beiden Sorten von Gaben „Opfer“ zu nennen und erst recht
nicht, dabei zu sagen, dass es Opfer sind, die als Wohlgeruch zu Gott
aufsteigen. Es ist daher sicher gut, noch kurz hierauf aufmerksam zu machen.
Nicht nur in Hebräer 13,16 wird uns das erklärt, auch in Philipper 4,18 sagt Paulus von
der Unterstützung, die er bekam: „… da ich von Epaphroditus das von euch
Gesandte empfangen habe, einen duftenden Wohlgeruch, ein angenehmes Opfer.“
Wenn jemand also nicht weiß, was er in die Kollekte tun soll, dann bedenke
er, dass er nicht den Armen oder den Arbeitern des Herrn gibt, sondern dass er
dadurch dem Herrn selbst ein Opfer bringt.
Röm 12,1: Ich ermahne euch nun Brüder, durch die Erbarmungen Gottes,
eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges
Schlachtopfer, was euer vernünftiger Dienst ist.
Jetzt kommen wir zur dritten Opfersorte, das Opfer „des Leibes“. Natürlich
versteht jeder, dass nicht gemeint ist, unseren Körper auf einem Altar zu
opfern. Wir können das Opfer umschreiben als das Opfer unseres Lebens, des
praktischen täglichen Lebens. Wir leben allerdings in diesem Körper und nicht
umsonst wird in Römer 12,1 über das Opfer des Leibes gesprochen. Es geht um alles,
was wir mit dem Körper tun. Darüber werden wir auch Rechenschaft ablegen müssen.
Denk nur an die ernste Aussage: „Denn wir alle müssen vor dem Richterstuhl
des Christus offenbar werden, auf dass ein jeder empfange, was er in dem Leib
getan, nach dem er gehandelt hat, es sei Gutes oder Böses“ (2Kor 5,10).
Leider können wir viel Böses in und mit unserem Körper tun. Daher werden wir
ermahnt, unseren Körper nicht in den Dienst der Sünde zu stellen, sondern in den
Dienst der Gerechtigkeit. Für uns persönlich ist es gut, Römer 6,8-14, Epheser
4,17-5,17 und Kolosser 3,5-15 ernsthaft zu überdenken. Paulus warnt insbesondere vor
Hurerei, die einen besonderen Platz einnimmt. Alle Sünden geschehen außerhalb
des Körpers. Wer jedoch hurt, sündigt gegen seinen eigenen Körper (1Kor
6,18).
In demselben Kapitel bezeugt der Apostel, dass unsere Körper Glieder von
Christus und Tempel des Heiligen Geistes sind. Darum ist es so wichtig, wie und
wofür wir diesen Körper gebrauchen. Wenn wir wirklich bedenken, dass wir nicht
uns selbst gehören, sondern durch Christus gekauft und bezahlt sind, dann werden
wir danach streben, Gott in unserem Körper zu verherrlichen (Röm 12,15-20). Alle
Fragen — warum dürfen wir dies und das nicht usw. — fallen weg, wenn wir
wirklich bedenken, dass wir unseren Körper und damit das Leben in diesem Körper
als ein Opfer Gott weihen müssen. Ein gewaltiges Beispiel finden wir in Paulus,
der bezeugen konnte, „dass Christus hoch erhoben werden wird an meinem Leib,
sei es durch Leben oder durch Tod“ (Phil 1,20).
Über diesen letzten Punkt wäre noch viel mehr zu schreiben, aber wir möchten
diesen Artikel gern mit drei Stellen beschließen, die unser ganzes Leben
umfassen:
„Und alles, was immer ihr tut, im Wort oder im Werk, alles tut im Namen
des Herrn Jesus, danksagend Gott, dem Vater, durch ihn“ (Kol 3,17).
„Was irgend ihr tut, arbeitet von Herzen als dem Herrn und nicht den
Menschen“ (Kol 3,23).
„Ob ihr nun esst oder trinkt oder irgendetwas tut, tut alles zur Ehre
Gottes“ (1Kor 10,31).
Gott gebe uns eine geistliche Gesinnung, und lasst uns danach streben, uns
vor den Herrn zu stellen, damit wir Ihm die drei Opfer, die wir behandelt haben,
auch tatsächlich bringen.
Übersetzung: S. Winterhoff
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