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Anmerkung der Redaktion
Dieser Artikel stammt aus der Zeit vor dem Jahr 2000. Er spiegelt
nicht zwingend die heutige Meinung des Autors wieder, da der Autor seine
Gedanken in den letzten Jahren auf etlichen Gebieten sehr verändert hat,
siehe dazu auch unsere FAQ.
Dennoch haben wir diesen Artikel aufgenommen, da er sehr wohl die Meinung
der Redaktion wiedergibt.
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Leitverse: Jeremia 1-6
| Einleitung |
1,1-3 |
1,4-10 |
1,11-19 |
2,1-13 |
| 2,14-19 |
2,20-29 |
2,30-3,5 |
3,6-25 |
4,1-9 |
| 4,10-18 |
4,19-31 |
5,1-31 |
6,1-8 |
6,9-21 |
| 6,22-30 |
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Es ist mir eine ganz besondere Freude, liebe Geschwister, etwas über diesen
Propheten sagen zu dürfen. Ich sage absichtlich nicht „über das Buch Jeremia“,
obwohl wir natürlich sehr viel über dieses Buch reden werden. Was wissen wir
über den Propheten außer dieses Buches? Aber was ich meine, ist, dass es nicht
meine Absicht ist, dieses Buch Vers für Vers zu behandeln. Das würde viele,
viele Abende in Anspruch nehmen, und das würde eine zu große Anstrengung sein.
Denn ich muss von vornherein sagen, dass dieses Buch eines der schwierigsten, wenn
nicht das schwierigste Buch aus dem Alten Testament ist.
Aber wenn auch das Buch schwierig ist und deshalb vielen unter uns wenig
bekannt, wenn auch das Buch schwierig ist und schwierig zu übersetzen, viele
Verse schwierig zu interpretieren sind, erst einmal genau festzustellen ist, was
genau gemeint ist, so ist andererseits das Leben des Propheten, das uns hier
beschrieben wird, von größter praktischer Bedeutung. Es ist eine Geschichte,
die, wenn wir anfangen, sie kennenzulernen, unsere Herzen bewegt. Und es gibt
wohl kaum eine Figur im Alten Testament, dessen Geschichte uns mehr bewegen
könnte als die Geschichte Jeremias. Darum ist es so schade, dass wir seine
Geschichte oft so schlecht kennen.
Jeremia ist eigentlich wohl am deutlichsten im ganzen Alten Testament, in dem
er uns zeigt, was ein Prophet ist, wenn wir ihn zum Beispiel mit Jesaja vergleichen,
ein Mann, der so viele Weissagungen über die weite Zukunft gegeben hat; große
Teile des Buches Jesaja sind noch immer nicht in Erfüllung gegangen. Sie stehen
mit dem Kommen des Herrn in Verbindung; so ist uns dieses Buch Jesaja sehr
wertvoll. Aber über die Person des Jesajas hören wir relativ wenig. In Jeremia
haben wir das Umgekehrte. Da haben wir relativ wenig Weissagungen über das
Kommen des Herrn und über das Tausendjährige Reich. Es sind Weissagungen, die
schon längst in Erfüllung gegangen sind, die wir hier finden. Zum größten
Teil Weissagungen in Verbindung mit der Zerstörung Jerusalems zur Zeit
Nebukadnezars. Aber über die Person des Propheten hören wir umso mehr. Und von
keinem Propheten im Alten Testament wir uns so viel gesagt. Über ihn selbst,
über sein Schicksal (menschlich gesagt), über alles, was ihm widerfahren ist,
aber sogar über seine inneren Gefühle, die er selbst immer wieder in diesem
Buch zum Ausdruck bringt, wo er sein Herz vor Jehova ausgießt, wo er sich ins
Herz blicken lässt. Und das ist eben, was uns so bewegt.
Und da habe ich noch
nicht völlig gesagt, warum er so besonders uns zeigt, was ein Prophet ist. Ein
Prophet ist ein Mann, der von Gott gesandt wird, wenn Verfolgung unter das Volk
gekommen ist. Wenn das Volk von Gott abgewichen ist, da sendet Gott seinen
Diener, um sein Volk zu warnen und es zur Buße zu bewegen. Das hat dieser Mann
getan. Und er hat es getan, kurz bevor das Gericht über das Volk herniederkam.
Er hat es getan in Einsamkeit, ohne Freunde, oder fast ohne Freunde,
unverstanden von dem Volke, verworfen, geschlagen, verachtet, verspottet. Er hat
es getan bis zur größten Verzweiflung. Manchmal wollte er aufhören. Manchmal
war er so enttäuscht, da konnte er nicht mehr. Da fing er persönlich an, mit
Jehova zu ringen, weil er nicht mehr weiterkonnte. Und dann ging er doch wieder
weiter. Der Geist Gottes trieb ihn zu diesem einsamen, furchtbaren Dienst. Und
wenn wir dann daran denken, dass es ein Dienst war, der (menschlich gesagt) so
fast ohne Erfolg war. Er hat diesen Dienst vierzig Jahre getan, bis zur
Zerstörung Israels. Und er hat kaum Frucht auf seinen Dienst gesehen. Stellen
wir uns vor, einen Dienst für den Herrn ausüben zu müssen, ich sage es jetzt
mal so, ohne Mitdiener, ganz allein, in Einsamkeit, verworfen zu werden,
verachtet zu werden und keine Frucht zu sehen; vierzig Jahre lang. Das ist
Jeremia. Und deshalb kann man dieses Buch nicht studieren, ohne in dem Herzen
immer wieder bewegt zu werden. Und ich hoffe, liebe Geschwister, dass wir über
die Schwierigkeiten des Buches hinaus, mit welchen ich euch möglichst wenig
anstrengen möchte, dass wir über die Schwierigkeiten hinaus etwas von dieser
großartigen Figur, dieser großartigen Person sehen werden. Und ich sage euch
von vornherein, warum diese Person uns so besonders kostbar ist.
Vielleicht habt ihr schon gemerkt in meiner Beschreibung, dass
Jeremia uns so oft an den Herrn Jesus erinnert. Er gehört zu den unbekanntesten
Bildern des Alten Testaments in Bezug auf den Herrn Jesus. Und doch, sie beiden,
Jeremia und der Herr Jesus, haben beide kurz gelebt, vor der Zerstörung
Jerusalems und der Zerstörung des Tempels. Der eine vor der Zerstörung unter
Nebukadnezar, der andere vor der Zerstörung durch die Römer. Sie haben beide
über diese Zerstörung geweissagt. Sie haben beide über den falschen,
heuchlerischen Gottesdienst in dem Tempel geweissagt. Beide haben sie dagegen
geredet, beide sind sie im Tempel aufgetreten. Beide haben sie über den
Gottesdienst gesprochen, der äußerlich noch gut aussah, aber völlig
heuchlerisch war. Ein Formalismus ohne Inhalt für Gott. Beide haben gegen den
Tempel geredet. Beide haben es auch getan aus Liebe, das ist das zweite Merkmal. Erstes
Merkmal: Sie lebten kurz vor der Zerstörung des Tempels und haben wider diesen
Tempel geredet und über ihn geweissagt. Das zweite Merkmal ist: Sie haben Israel
geliebt. Wie hat Jeremia dieses Volk geliebt! Dieses Volk, das seine Liebe nie
verdient hat. Wie wurde er immer wieder getrieben, zu diesem Volk zu reden durch
diese Liebe. Darin erinnert er uns an den Herrn Jesus. Beide haben über
Jerusalem geweint. Man hat Jeremia den klagenden oder den weinenden Propheten
genannt. Er weinte über Jerusalem, so wie der Herr Jesus über die Stadt geweint
hat, aus Liebe zu dieser Stadt. Drittens: Beide wurden verworfen. Mit wenigen Ausnahmen können wir sagen,
dass das ganze Volk sowohl den einen als den anderen verworfen hat. Sie haben
ihn, die beiden verlacht, verspottet, sie haben sie gefangen genommen. Von
beiden lesen wir, dass ihre Verwandten sogar wider sie waren. Sowohl die
Verwandten Jeremias als auch die Verwandten des Herrn. Wir lesen von beiden,
dass sie gefangen genommen wurden, dass sie verurteilt wurden. Wir lesen von
beiden, dass sie in die Grube geworfen wurden. Bei Jeremia werden wir das
buchstäblich wieder finden. Von dem Herrn Jesus lesen wir es in Psalm 40, dass
Er aus kotigem Schlamm in dieser Grube, aus dieser Grube herausgenommen wurde,
so wie das auch mit Jeremia geschehen ist.
Bemerkenswert ist, dass beide so
viele Gleichnisse gesprochen haben, Gleichnisse aus der Natur ringsumher. Viele
Bilder finden wir auch in diesem Buch. Wir werden schon einige hier direkt im
ersten Kapitel wiederfinden. Beide sind gekennzeichnet von größter Einsamkeit.
Jeremia ist der einsamste Mann im Alten Testament, so wie der Herr Jesus es ist
im Neuen Testament. Sie werden das alles später wiederfinden. Aber beide werden
gekennzeichnet von einer tiefen, innigen Gemeinschaft mit Gott. Wenn sie auch
einsam waren, kaum Freunde, kaum solche hatten, die Verständnis für sie
hatten, so kannten sie beide diese Gemeinschaft mit Gott. Natürlich war das bei
dem Herrn Jesus eine vollkommene, ungetrübte Gemeinschaft. Das war es bei
Jeremia nicht. Er hat in dieser Gemeinschaft mit Gott, in seinen Klagen auch
manchmal Gott fast angeklagt.
Nein, bei allen Bildern in der Schrift sehen wir,
dass sie doch letztendlich versagen. Dass nur einer der vollkommene Prophet, der
vollkommene Knecht Jehovas ist. Wenn ich diesen Ausdruck benutze, „Knecht
Jehovas“, dann denken wir natürlich an die vier Weissagungen über den Knecht
Jehovas im Buch Jesaja. Und es ist bemerkenswert, dass die alten Rabbiner
meinten, dass mit dem leidenden Knecht Jehovas in Jesaja 53 Jeremia gemeint war.
Und wie gut können wir das verstehen, wenn wir auch noch das Buch Klagelieder
mit einbeziehen. Jeremia ist ja ein Bild des Herrn Jesus. Er ist der leidende
Knecht Jehovas im Alten Testament. Und wir können auch verstehen, dass in
Matthäus 16, wenn der Herr Jesus seine Jünger fragt: „Was sagen die
Menschen, wer bin ich?“, da antworten sie unter anderem: „Jeremia“. Der
leidende Knecht Jehovas, Jeremia.
Ich muss noch einiges von ihm sagen. Wir haben
hier im ersten Kapitel in Vers 5: „Zum Propheten an die Nationen habe ich dich
bestellt.“ Das ist das sechste Merkmal, eine Übereinstimmung zwischen Jeremia
und dem Herrn Jesus. Der Herr Jesus kam in diese Welt mit einer Botschaft an
Israel, aber auch mit einer Botschaft an alle Nationen. Besonders in Kapitel
46-51 im Buch Jeremia haben wir viele Weissagungen an die Nationen. Aber bei
dem Herrn Jesus sehen wir das noch viel deutlicher, Er kam in diese Welt mit
einer Botschaft für alle Nationen, für die ganze Welt. Aber das siebente
Merkmal ist, dass letztendlich ihre Bedeutung gerade für Israel so groß
geworden ist.
Ein Verfasser nannte Jeremia den Heiland der Juden im Alten Testament. Das
heißt, menschlicherweise gesprochen hätte Israel nie die Zerstörung
Jerusalems überleben können, wenn Jeremia nicht da gewesen wäre. Da würde
Gott sie alle vernichtet haben. Menschlicherweise gesprochen. Und so ist es im
Neuen Testament. Dass es einmal ein Überleben Israels geben wird, einen
Überrest, eine Wiederherstellung allein durch die Treue und das Werk des
leidenden Knechtes Jehovas im Neuen Testament, durch den Herrn Jesus. Wir kommen
zu den ersten Versen:
Jer 1,1-3: Worte Jeremias, des Sohnes
Hilkijas, von den Priestern, die zu Anathoth waren im Lande Benjamin, zu welchem
das Wort Jehovas geschah in den Tagen Josias, des Sohnes Amons, des Königs von
Juda, im dreizehnten Jahre seiner Regierung; und es geschah auch in den Tagen
Jojakims, des Sohnes Josias, des Königs von Juda, bis zum Ende des elften
Jahres Zedekias, des Sohnes Josias, des Königs von Juda, bis zur Wegführung
Jerusalems im fünften Monat.
In Kapitel 1 haben wir in diesen drei Versen einige Einzelheiten, die uns
etwas erzählen über Jeremia und seine Zeit. Und da muss ich einige
Einzelheiten auch erzählen. Nicht um technisch zu werden, aber wir müssen
unbedingt etwas verstehen von der Zeit, in welcher Jeremia lebte. Zuerst wird er
in Vers 1 genannt der „Sohn Hilkijas von den Priester, die zu Anathoth waren“.
Man hat natürlich vermutet, dass dieser Hilkija derselbe ist wie der
Hohepriester zur Zeit Josias. Aber dafür gibt es bestimmt keinen Beweis, im
Gegenteil. Man hätte dann erwarten können, dass hier gestanden hätte „der
Hohepriester Hilkija“. Und dieser Hohepriester muss auch sicher in Jerusalem
gewohnt haben, und dann wäre auch Jeremia selbst Priester gewesen und hätte
Priesterdienst ausüben müssen, wovon wir durchaus in diesem Buch nichts
finden.
Und darum glaube ich, eine andere Vermutung ist besser. Wir wissen zur
Zeit Salomos, dass Abjatar, der nicht aus der Familie Zadoks war, sondern aus
der Familie Elis oder Itamars, dass dieser Abjatar in Anathoth wohnte. Deshalb
hat man vermutet, dass dieser Hilkija aus dem Geschlecht Abjatars stammte, einem
Geschlecht, das von dem Priesterdienst ausgeschlossen war. Sie waren vom den
priesterlichen Geschlecht, aber nur die Familie Zadoks durfte den Priesterdienst
im Tempel auch tatsächlich ausüben, und deshalb war Jeremia seiner Herkunft
nach Priester, hat aber nie einen Priesterdienst ausgeübt. Er war in Anathoth,
wir kommen noch später darauf zurück, wo er auch Güter oder Land besaß. Er
hat geweissagt, zuerst in den Tagen Josias. Wir wissen, dass der Großvater
Josias, Manasse, sehr lange über Israel regiert hat und dabei fürchterliche
Dinge über das Volk gebracht hat. Den ganzen Götzendienst Assyriens. Manasse
meinte, den Götzen Assyriens dienen zu müssen, um dadurch auch den Schutz
dieser Götzen zu haben, und deshalb auch vor den Assyrern bewahrt zu bleiben.
Chronika erzählt uns zwar, dass Manasse sich spät bekehrt hat, als er in
Gefangenschaft nach Babylonien geführt worden war, aber das hat alle Bosheiten
in Israel nicht mehr wegnehmen können. Er starb im Jahre 642 v.Chr. Und sein
Sohn Amon hat zwei Jahre regiert und war genauso böse, wie Manasse es vorher
gewesen war. Und dann, 640, wird der junge Sohn von Amon, Josia, König über
Juda. Es ist ein Wunder Gottes, dass aus solch einem bösen Geschlecht ein Knabe
geboren wurde, der Gott fürchtetet. Und wir wissen, dass er schon bald, im
zwölften Jahre seiner Regierung, das große Werk der geistlichen
Wiederherstellung der geistlichen Auferweckung in Israel anfing. Und gerade ein
Jahr später — es heißt hier in Vers 2: „im 13. Jahre seiner Regierung“
—,
also ganz im Anfang dieses Werkes der Wiederherstellung, wurde Jeremia berufen
zum Propheten.
Josia war ein ganz junger Mann, Jeremia war es auch. Wir lesen in
Vers 6 und 7, dass er sagte: „Ich bin jung“, und die Anmerkung sagt: „Ich
bin ein Knabe.“ Nun heißt das zwar nicht unbedingt, ein ganz kleiner Knabe.
Salomo, als er König geworden war, nannte sich selbst auch einen Knaben, aber
vielleicht war doch nicht älter als 20 Jahre. Ein ganz junger Mann. Sicher zu
jung, nach den damaligen Verhältnissen, um zu einem öffentlichen Dienst
aufzutreten, und deshalb können wir seine Bedenken verstehen. Aber neben dem
ganz jungen König Josia beruft Gott diesen ganz jungen Mann. Man braucht nicht
alt zu sein, um von Gott berufen zu werden, im Gegenteil. Diener Gottes werden im
Allgemeinen in ihrer Jugend schon von Gott vorbereitet, wenn auch nicht immer
schon direkt zum Dienst berufen. Aber dieser junge Mann musste in einem Alter, wo
er sich selbst noch Knabe nannte, schon das Wort Gottes verkündigen. Können
wir uns vorstellen, wie man das Wort aus dem Munde dieses Knaben, dieses
Jünglings, angenommen haben wird, im Anfang seines Dienstes? Er war noch ein
Knabe, aber 40 Jahre von diesem Zeitpunkt an, bis zu dem 11. Jahre Zedekias, von
627 bis 587 v.Chr, bis zu dem Jahre der Zerstörung Jerusalems, hat er geredet,
geweissagt, und auch allerdings noch nachher, doch da war der offizielle Dienst
vorbei, denn Israel war vorbei. Aber auch dann hören wir noch manche Kapitel in
diesem Buch über seine Erfahrungen mit den Juden, die in Israel
zurückgeblieben waren und nach Ägypten ziehen wollten usw. Die Geschichte wird
da immer trauriger und trauriger. Ganz jung wird dieser Mann berufen zu dem
Dienst. Wir haben es hier in Vers 4: „Und das Wort Jehovas geschah.“
Noch
einiges über jene Zeit, 627 v.Chr. Den meisten von uns wird das nichts sagen,
aber es war noch immer die Zeit der Weltherrschaft Assyriens. In dem zweiten
Kapitel hören wir deshalb einige Male über Assyrien, in Vers 18 und Vers 36,
während wir in dem größten Teil dieses Buches über Babylonien hören. Aber
als Jeremia berufen wurde, war Babel nur ein Bruchstück des großen Weltreichs
Assyriens. Aber gerade 627, gerade in dem Jahr, wo Jeremia berufen wurde, da
sehen wir, wie alles mit allem zusammenhängt, wie Gott die Geschichte lenkt.
Gerade in jenem Jahr starb der letzte mächtige Fürst Assyriens, Assurbanibal.
Und von dem Augenblick seines Todes an fing das Reich an, zu verfallen. Im
nächsten Jahr machte sich der König von Babel, der bis jetzt nur ein Vasall
gewesen war, stark und 626 löste er Babel aus dem Assyrischen Reich heraus.
Und um eine lange Geschichte kurz zu erzählen: Im Jahr 607 zerstörte dieser
selbe König Nabopolasser, der Vater Nebukadnezars, die Stadt Ninive, die
Hauptstadt Assyriens. Und von dem Augenblick an wuchs die Macht, die Herrschaft
des Babylonischen Reiches, das solch eine große Rolle spielen würde in der
weiteren Geschichte Israels. Eine große Rolle auch in diesem Buch. Babylonien
wurde auch in den nächsten Kapiteln die „große feindliche Macht aus dem
Norden“ genannt, eigentlich hier schon direkt in dem ersten Kapitel.
Babylonien ist der Feind aus dem Norden. Nun, das sehen wir jetzt in den
nächsten Versen.
Jer 1,4-10: Und das Wort Jehovas geschah zu mir also: Ehe ich dich im
Mutterleibe bildete, habe ich dich erkannt, und ehe du aus dem Mutterschoße
hervorkamst, habe ich dich geheiligt: zum Propheten an die Nationen habe ich
dich bestellt. Und ich sprach: Ach, Herr, Jehova! Siehe, ich weiß nicht zu
reden, denn ich bin jung. Da sprach Jehova zu mir: Sage nicht: Ich bin jung;
denn zu allen, wohin ich dich senden werde, sollst du gehen, und alles, was ich
dir gebieten werde, sollst du reden. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin
mit dir, um dich zu erretten, spricht Jehova. Fürchte dich nicht vor ihnen;
denn ich bin mit dir, um dich zu erretten, spricht Jehova. Und Jehova streckte
seine Hand aus und rührte meinen Mund an, und Jehova sprach zu mir: Siehe, ich
lege meine Worte in deinen Mund. Siehe, ich bestelle dich an diesem Tage über
die Nationen und über die Königreiche, um auszurotten und niederzureißen und
zu zerstören und abzubrechen, um zu bauen und um zu pflanzen.
Das Wort Jehovas kam zu ihm, die babylonische Macht wächst und die
Wiederherstellung Judas wächst in diesem Jahr, und der Prophet wird berufen.
Sehen wir die Hintergründe? Babylonien ist der mögliche Feind. Wird die
Wiederherstellung Judas gelingen? Wird Josia Gelingen haben? Wenn wir Könige
und Chronika lesen, dann bekommen wir den Eindruck, dass es wunderbar gelungen
ist. Ein gewaltiges Passahfest wurde gefeiert, die Götzen wurden zerstört,
vernichtet. Aber aus dem Buch Jeremia geht hervor, dass es zum größten Teil
äußerlich war. Man kann äußerlich schön alles in Ordnung machen, ohne dass
die Häuser dadurch berührt wurden. Josia konnte ja nicht die Häuser reinigen,
was da zurückblieb in den Häusern, sah er nicht. Und da blieben die Götzen
nach wie vor. Und Jeremia wurde von Gott berufen, um aufzudecken, wie wenig
diese Wiederherstellung Josias in den Familien und in den Herzen des Volkes
wirklich etwas auswirkte. Auch hier in unseren Sälen kann es am Sonntag ganz
schön aussehen, und da kann man leicht denken, welch ein wunderbares Werk der
Wiederherstellung hat doch Gott zustande gebracht unter jenen Gläubigen. Ein
Werk der Wiederkehr, der Aufweckung. Aber wie es zu Hause
aussieht und wie es in den Herzen aussieht, das weiß der Geist Gottes. Und
deshalb sendet Er auch heute seine Diener, seine Propheten, um das Wort Gottes
zu reden, so wie Jeremia es tat.
„Jeremia“, sagt der Herr, „ehe ich dich
im Mutterleibe bildete, habe ich dich erkannt, und ehe du aus dem Mutterschoß
hervorkamst, habe ich dich geheiligt: zum Propheten an die Nationen habe ich
dich bestellt.“ Geheiligt heißt hier, eine Sonderstellung gab Gott ihm, um
als Prophet hier aufzutreten für alle Nationen. Nicht nur, dass er weissagte an
alle Nationen, sondern es heißt auch, dass Israel von nun an mehr oder weniger
als eine der Nationen gezählt wurde. In Kapitel 25 ist er noch viel deutlicher.
Israel war so böse geworden, dass es war wie die anderen, dass es gerichtet
werden würde wie die anderen. Deshalb ist dieser Ausdruck so ernst. Israel war
nicht besser und nicht anders als die anderen. Und so wird Jeremia an die
Nationen gesandt. Wie verständlich ist es, dass er dagegen redet. Aber nicht
wie Mose. Mose sagte, dass er schlecht reden konnte, und bei Mose war es
deutlich Unglaube. Wir sehen es daraus, dass Gott böse auf ihn wurde. Aber bei
Jeremia war es nicht Unglaube, sondern er konnte nicht verstehen, dass Gott ihn
als jungen Mann benutzen wollte. Die Zeiten müssen wohl sehr ernst gewesen
sein, dass Gott eben einen jungen Mann benutzen wollte, der ja noch so wenig
Autorität ausstrahlen konnte. Konnten denn seine Worte Eindruck machen? Ja,
wenn es die Worte Gottes waren. Deshalb ermuntert Gott ihn.
Jesaja hatte auch Bedenken, aber auch wieder anders als Mose. Bei Mose war es
Unglaube. Mose sagte: „Ich kann nicht gut reden“. Jesaja sagt: „Ich bin
ein Mann von unreinen Lippen“. Nun, das ist gut, das zu verstehen. Ob man gut
oder schlecht reden kann, ist nicht die erste Fragen, sondern ob man gereinigte
Lippen hat. Und Gott sagt: „Ich habe dich geheiligt, Jeremia. Ich sende dich,
ich werde“, wie es in Vers 9 heißt, „ich lege meine Worte in deinen Mund.“
Es hießt in Vers 9 genauso wie bei Jesaja Vers 7 Kapitel 6: „Er rührte
meinen Mund an.“ Da hat er gereinigte Lippen, da konnte er reden. Gott selbst
würde seine Worte in seinen Mund legen. Es ist bemerkenswert, dass Mose von dem
zukünftigen Propheten, den Gott einmal senden würde, in 5. Mose 18 genau
dasselbe sagt. „Gott wird ihm seine Worte in den Mund legen.“ Auch das ist
ein Hinweis dafür, dass dieser Jeremia ein Bild des kommenden großen Propheten
war, des Herrn Jesus. Er redete die Worte Jehovas, so dass die Worte in seinem
Buch auch inspirierte Worte sind. Wir haben in diesem Buch die Worte Jehovas
selbst, so wie Gott sie Wort für Wort in seinen Mund gegeben hatte. Gott sagt:
„Ich bestelle dich an diesem Tag über die Nationen und Königreiche, um
auszurotten und niederzureißen.“ Nein, nicht durch seine Hand, sondern durch
sein Wort. Mittels seines Wortes würde Gott das tun. Alles, was er weissagen
würde, würde Gott selbst zur Ausführung bringen.
Jer 1,11-19: Und das Wort Jehovas geschah zu mir also: Was siehst du, Jeremia?
Und ich sprach: Ich sehe einen Mandelstab. Und Jehova sprach zu mir: Du hast
recht gesehen; denn ich werde über mein Wort wachen, es auszuführen. Und das
Wort Jehovas geschah zu mir zum zweiten Male also: Was siehst du? Und ich
sprach: Ich sehe einen siedenden Topf, dessen Vorderteil gegen Süden gerichtet
ist. Und Jehova sprach zu mir: Von Norden her wird das Unglück losbrechen über
alle Bewohner des Landes. Denn siehe, ich rufe allen Geschlechtern der
Königreiche gegen Norden, spricht Jehova, dass sie kommen und ein jeder seinen
Thron stellen an den Eingang der Tore Jerusalems und wider alle seine Mauern
ringsum, und wider alle Städte Judas. Und ich werde meine Gerichte über sie
sprechen wegen all ihrer Bosheit, dass sie mich verlassen und anderen Göttern
geräuchert und vor den Werken ihrer Hände sich niedergebeugt haben. Du aber
gürte deine Lenden und mache dich auf, und rede zu ihnen alles, was ich dir
gebieten werde; verzage nicht vor ihnen, damit ich dich nicht vor ihnen verzagt
mache. Und ich, siehe, ich mache dich heute zu einer festen Stadt und zu einer
eisernen Säule und zu einer ehernen Mauer wider das ganze Land, sowohl wider
die Könige von Juda als auch dessen Fürsten, dessen Priester und das Volk des
Landes. Und sie werden gegen dich streiten, aber dich nicht überwältigen; denn
ich bin mit dir, spricht Jehova, um dich zu erretten.
Und dann gibt Gott zwei Bestätigungen, zwei Bilder, die ersten von den
vielen Bildern in diesem Buch. Zuerst sieht er einen Mandelstab. Nun, die Anmerkung hilft uns, das zu verstehen. Denn auf Hebräisch würde man sofort
hören, was die Bedeutung war, weil das Wort „Mandelstab“ auf Hebräisch
fast dasselbe ist wie das Wort „wachen“ am Ende des Verses. Es ist ein
Wortspiel, kann man sagen, wie die Anmerkung es auch sagt. So wie der Mandelstab
auch ein Wachsamer ist. Das ist allerdings auch ganz schön, wenn es noch Winter
ist, da blüht schon der Mandelbaum, als ein Botschafter des kommenden
Frühlings. Und so sagt Gott es hier auch. Sein Wort ist wie ein Botschafter.
Aber hier ist es ein Botschafter des Gerichts. Der blühende Mandelbaum, oder hier
der Mandelstab, kündigt das Gericht an. Gott ist wachsam über sein Wort, um es
alles auszuführen. Und dann das zweite Bild: Es ist ein Topf. „Ich sehe einen
siedenden Topf, dessen Vorderteil gegen Süden gerichtet ist.“ Vielleicht muss
man es so lesen, dass der Topf sich neigt gegen Süden, so dass die Flüssigkeit
hinausströmt. Der Topf ist etwas gekippt, so dass die Flüssigkeit, die heiße
siedende Flüssigkeit, hinausgegossen wird über das Volk von Norden her. Hier
haben wir zum ersten Mal den großen Feind aus dem Norden, den Babylonier. Und
Gott sagt das hier in einer Zeit, wo die babylonische Macht noch gar nicht
gesehen wurde. Aber der Feind aus dem Norden ist immer in diesem Buch der
Babylonier. Der junge Mann sah es, obwohl es noch so lange dauern würde,
vierzig Jahre, aber er sah es. So wie der Herr Jesus vierzig Jahr vorher über
die Zerstörung Jerusalems sprach. Von dem Jahre 30 bis zum Jahre 70. So hier,
40 Jahre vorher. Da kommt diese heiße Flüssigkeit, strömt über Stadt und
Tempel, das heißt es hier noch nicht, aber es ist mit eingeschlossen, um alles
zu zerstören. Welch ein Dienst für einen jungen Mann!
Wir sagen manchmal zu jungen Brüdern: Wenn ihr den Dienst anfangt, dann
könnt ihr noch nicht die Brüder ermahnen. Natürlich, wenn man 20 oder 25
Jahre ist, aber man kann immer über die Liebe des Herrn Jesus sprechen, über
das Positive, die Sichtungen, die wir empfangen haben. Aber hier sehen wir einen
jungen Mann, der kaum etwas Positives gesagt hat. Er trat vor das Volk mit
Gericht. Mit einer Anklage seiner Brüder. Können wir uns vorstellen, wie
schwer das war? Er brauchte die Ermunterung Gottes. Gott würde all dieses
Nationen aus dem Norden unter der Oberherrschaft der Babylonier, wie wir wissen,
gegen Jerusalem bringen. Hier wird schon die Zerstörung der Stadt angekündigt,
aber dann sagt Gott in Vers 17-19: „Gürte deine Lenden und mache dich auf.“
Er ermuntert den Propheten, den Dienst für Gott auszuüben. Und in Vers 19: „Sie
werden gegen dich streiten, aber dich nicht überwältigen; denn ich bin mit
dir, spricht Jehova, um dich zu erretten.“ Das Wort haben wir schon in
Vers 8. „Dich zu erretten“ bedeutet auch, dass dem jungen Knaben gesagt
wird: Jeremia, du wirst einen schweren Dienst haben, du wirst in ihre Hände
fallen. Sie werden versuchen, alles mit dir zu tun, nach der Bosheit ihrer
Herzen. Ich werde dich erretten. So musste der junge Mann von Anfang an
lernen, ganz auf Gott zu vertrauen, sonst hätte er nie den Mut gehabt, gegen
das Volk zu reden. Und da fangen seine Reden an. Ich habe gesagt, dass wir diese
Kapitel nur überfliegen, aber den Charakter seiner Botschaft wollen wir doch
gut verstehen.
Jer 2,1-13: Und das Wort Jahwes geschah zu mir also: Geh und rufe vor den
Ohren Jerusalems und sprich: So spricht Jahwe: Ich gedenke dir die Zuneigung
deiner Jugend, die Liebe deines Brautstandes, dein Wandeln hinter mir her in der
Wüste, im unbesäten Lande. Israel war heilig dem Jahwe, der Erstling seines
Ertrages; alle, die es verzehren wollten, verschuldeten sich: Unglück kam über
sie, spricht Jahwe. Höret das Wort Jahwes, Haus Jakob und alle Geschlechter des
Hauses Israel! So spricht Jahwe: Was haben eure Väter Unrechtes an mir
gefunden, dass sie sich von mir entfernt haben und der Nichtigkeit nachgegangen
und nichtig geworden sind? Und sie sprachen nicht: Wo ist Jahwe, der uns aus dem
Lande Ägypten heraufgeführt hat, der uns leitete in der Wüste, in dem Lande
der Steppen und der Gruben, in dem Lande der Dürre und des Todesschattens, in
dem Lande, durch welches niemand zieht, und wo kein Mensch wohnt? Und ich
brachte euch in ein Land der Fruchtgefilde, um seine Frucht und seinen Ertrag zu
essen; und ihr kamet hin und verunreinigtet mein Land, und mein Erbteil habt ihr
zum Gräuel gemacht. Die Priester sprachen nicht: Wo ist Jahwe? Und die das
Gesetz handhabten, kannten mich nicht, und die Hirten fielen von mir ab; und die
Propheten weissagten durch den Baal und sind denen nachgegangen, welche nichts
nützen. Darum werde ich weiter mit euch rechten, spricht Jahwe; und mit euren
Kindeskindern werde ich rechten. Denn gehet hinüber zu den Inseln der Kittäer
und sehet, und sendet nach Kedar und merket wohl auf; und sehet, ob dergleichen
geschehen ist! Hat irgend eine Nation die Götter vertauscht? Und doch sind sie
nicht Götter; aber mein Volk hat seine Herrlichkeit vertauscht gegen das, was
nichts nützt. Entsetzet euch darüber, ihr Himmel, und schaudert, starret sehr!
spricht Jahwe. Denn zweifach Böses hat mein Volk begangen: Mich, den Born
lebendigen Wassers, haben sie verlassen, um sich Zisternen auszuhauen,
geborstene Zisternen, die kein Wasser halten.
Hier in Kapitel 2 kommt er mit einer eigentlich rührenden Botschaft. Das
Volk hatte Bundesbruch begangen, sie hatten den Bund mit Jehova zerbrochen.
Jeremias Botschaft ist: „Bundesbruch ist Ehebruch.“ Er versucht, das Herz
des Volkes unter der Leitung des Geistes Gottes zu bewegen. Waren sie nicht mit
Gott in Verbindung gebracht worden so wie ein Gatte mit seiner Gattin? Die
Worte am Anfang des zweiten Kapitels sind so schön. „So spricht Jahwe: Ich
gedenke dir die Zuneigung deiner Jugend, die Liebe deines Brautstandes, dein
Wandeln hinter mir her in der Wüste, im unbesäten Lande.“ Sie hatte ihre
gewisse Sicherheit in Ägypten verlassen, diese junge Frau, diese junge Braut
Israel, um hinter ihrem noch fast unbekannten Bräutigam her in die Wüste zu
ziehen, in unbesätes Land. Wie auch Rebekka zu ihrem Bräutigam hinausgezogen
war, das war die Liebe und die Zuneigung. Gott vergisst hier alles, was Israel
in der Wüste getan hatte, Gott denkt nur an die Liebesbeweise, von denen wir
denken würden, dass sie so karg waren. Aber Gott denkt an die Liebe und
Zuneigung der Jugend. Und dort auf Sinai hat Er sich mit seinem Volke vermählt,
dort wurde die Ehe geschlossen. Die Ehe ist ein Bund, so wie wir es auch im Buch
von Maleachi wieder finden. Ein Bund zwischen Mann und Frau, so war es zwischen
Gott und seinem Volke gewesen. So wie ein Bräutigam mit Freude an die Liebe
seiner Braut zurückdenkt. Darf ich das moderne Wort benutzen, Gott spricht hier
über die Flitterwochen, die erste Zeit der Liebe, nachdem Er sich mit Israel
vermählt hatte. Gott spricht hier über sich selbst, seine Gefühle, als Er
merkte, dass sein Volk anderen Männern nachlief. Wer seine Frau liebt und dann
so bald nach den Flitterwochen feststellen muss, dass sie anderen Männern
nachläuft, was für eine schreckliche Enttäuschung! Da ist man geschlagen. So
spricht hier Gott zu seinem Volk. Da kommt ein junger Mann, der gar nicht selbst
verheiratet war, der nie heiraten würde, wie wir später sehen würden. Gott
hat es ihm verboten. Ein junger Mann spricht hier über den Ehebruch des Volkes,
schrecklich. In den nächsten Versen sehen wir den schrecklichen Abfall Israels
in Vers 4-13. Und dann sehen wir die Folgen in den Versen 14-19:
Jer 2,14-19: Ist Israel ein Knecht, oder ist er ein Hausgeborener? Warum ist
er zur Beute geworden? Junge Löwen haben wider ihn gebrüllt, ließen ihre
Stimme hören, und haben sein Land zur Wüste gemacht; seine Städte sind
verbrannt worden, so dass niemand darin wohnt. Auch die Söhne von Noph und
Tachpanches weideten dir den Scheitel ab. Ist es nicht dein Verlassen Jahwes,
deines Gottes, zur Zeit, da er dich auf dem Wege führte, welches dir dieses
bewirkt? Und nun, was hast du mit dem Wege nach Ägypten zu schaffen, um die
Wasser des Sichor zu trinken? Und was hast du mit dem Wege nach Assyrien zu
schaffen, um die Wasser des Stromes zu trinken? Deine Bosheit züchtigt dich und
deine Abtrünnigkeiten strafen dich; so erkenne und sieh, dass es schlimm und
bitter ist, dass du Jahwe, deinen Gott, verlässt, und dass meine Furcht nicht
bei dir ist, spricht der Herr, Jahwe der Heerscharen
Wie sie Ehebruch begangen haben, wird hier in diesem Kapitel beschrieben. Mit
vielen, vielen Götzen. Es ist nicht so, wie ein Mann oder eine Frau mit einem
Mann Ehebruch begeht, sondern es ist hier diese junge Frau, die ihren Mann
verlassen hat, untreu geworden ist und sich mit vielen, vielen Götzen
verbunden hat. Wie dumm, wie schrecklich töricht sie ist. In Vers 11 heißt
es: „Hat irgendeine Nation die Götter vertauscht? Und doch sind sie nicht
Götter; aber mein Volk hat seine Herrlichkeit vertauscht gegen das, was nichts
nützt.“ Vers 13: „Mich, den Born lebendigen Wassers, haben sie
verlassen, um sich Zisternen auszuhauen, geborstene Zisternen, die kein Wasser
halten.“ Es ist, als ob ein nobler Mensch zu seiner Frau spricht: Dass
du Ehebruch begangen hast, ist schon schlimm genug, aber mit solchen Männern!
— Mit solchen Götzen hat Israel sich verbunden! Und den Born lebendigen
Wassers hatten sie verlassen.
Jer 2,20-29: Denn vor alters hast du dein Joch zerbrochen, deine Bande
zerrissen, und hast gesagt: Ich will nicht dienen! Sondern auf jedem hohen
Hügel und unter jedem grünen Baume gabst du dich preis als Hure. Und ich hatte
dich gepflanzt als Edelrebe, lauter echtes Gewächs; und wie hast du dich mir
verwandelt in entartete Ranken eines fremden Weinstocks! Ja, wenn du dich mit
Natron wüschest und viel Laugensalz nähmest: schmutzig bleibt deine
Ungerechtigkeit vor mir, spricht der Herr, Jahwe. Wie sprichst du: Ich habe mich
nicht verunreinigt, ich bin den Baalim nicht nachgegangen? Sieh deinen Weg im
Tale, erkenne, was du getan hast, du flinke Kamelin, die rechts und links
umherläuft! Eine Wildeselin, die Wüste gewohnt, in ihrer Lustbegierde schnappt
sie nach Luft; ihre Brunst, wer wird sie hemmen? Alle, die sie suchen, brauchen
sich nicht abzumüden: In ihrem Monat werden sie sie finden. Bewahre deinen Fuß
vor dem Barfußgehen und deine Kehle vor dem Durste! Aber du sprichst: Es ist
umsonst, nein! Denn ich liebe die Fremden, und ihnen gehe ich nach. Wie ein Dieb
beschämt ist, wenn er ertappt wird, also ist beschämt worden das Haus Israel,
sie, ihre Könige, ihre Fürsten und ihre Priester und ihre Propheten, die zum
Holze sprechen: Du bist mein Vater, und zum Steine: Du hast mich geboren; denn
sie haben mir den Rücken zugekehrt und nicht das Angesicht. Aber zur Zeit ihres
Unglücks sprechen sie: Stehe auf und rette uns! Wo sind nun deine Götter, die
du dir gemacht hast? Mögen sie aufstehen, ob sie dich retten können zur Zeit
deines Unglücks! Denn so zahlreich wie deine Städte sind deine Götter
geworden, Juda. Warum rechtet ihr mit mir? Allesamt seid ihr von mir abgefallen,
spricht Jahwe.
In Vers 20 spricht das Volk. Das spricht Gott über ihren Baalsdienst. Ja, wenn man anfängt, die Ehe als ein Joch zu betrachten, dem man entgehen
möchte, wenn man anfängt, es als Sklaverei zu betrachten, dann wird man bald
dem Gatten untreu werden. Sie hat seine Bande zerrissen und gesagt: Ich will
nicht dienen, ich will nicht unterwürfig sein. Und Vers 23 sagt, dass sie
dem Baal nachgegangen ist. Sie hat nicht nur Ehebruch begangen. Vers 20 sagt,
dass sie wie eine Hure aufgetreten ist. Gott sagt in Vers 29: „Allesamt
seid ihr von mir abgefallen.“ Das ganze Volk.
Jer 2,30-3,5: Vergeblich habe ich eure Kinder geschlagen, sie haben keine
Zucht angenommen; euer Schwert hat eure Propheten gefressen wie ein verderbender
Löwe. O Geschlecht, das ihr seid, merket das Wort Jahwes! Bin ich für Israel
eine Wüste gewesen, oder ein Land tiefer Finsternis? Warum spricht mein Volk:
Wir schweifen umher, wir kommen nicht mehr zu dir? Vergisst auch eine Jungfrau
ihres Schmuckes, eine Braut ihres Gürtels? Aber mein Volk hat meiner vergessen
Tage ohne Zahl. Wie schön richtest du deinen Weg ein, um Liebe zu suchen! Darum
hast du auch an Übeltaten deine Wege gewöhnt. Ja, an den Säumen deiner
Kleider findet sich das Blut unschuldiger Armer; und nicht beim Einbruch hast du
sie betroffen, sondern wegen all jener Dinge hast du es getan. Und du sagst: Ich
bin unschuldig, ja, sein Zorn hat sich von mir abgewandt. Siehe, ich werde
Gericht an dir üben, weil du sagst: Ich habe nicht gesündigt. Was läufst du
so sehr, um deinen Weg zu ändern? Auch wegen Ägyptens wirst du beschämt
werden, wie du wegen Assyriens beschämt worden bist; auch von diesen wirst du
weggehen mit deinen Händen auf deinem Haupte. Denn Jahwe verwirft die, auf
welche du vertraust, und es wird dir mit ihnen nicht gelingen. Er spricht: Wenn
ein Mann sein Weib entlässt, und sie von ihm weggeht und eines anderen Mannes
wird, darf er wieder zu ihr zurückkehren? Würde nicht selbiges Land entweiht
werden? Du aber hast mit vielen Buhlen gehurt, und doch solltest du zu mir
zurückkehren! spricht Jahwe. Hebe deine Augen auf zu den kahlen Höhen und
sieh! Wo bist du nicht geschändet worden? An den Wegen saßest du für sie, wie
ein Araber in der Wüste; und du hast das Land entweiht durch deine Hurerei und
durch deine Bosheit. Und die Regenschauer wurden zurückgehalten, und es ist
kein Spätregen gewesen; aber du hattest die Stirn eines Hurenweibes, weigertest
dich, dich zu schämen. Nicht wahr? Von jetzt an rufst du mir zu: Mein Vater,
der Freund meiner Jugend bist du! Wird er ewiglich nachtragen, wird er immer dar
Zorn bewahren? Siehe, so redest du, und begehst Übeltaten und setzest sie
durch.
In Vers 32 spricht Gott: „Vergisst auch eine Jungfrau ihres Schmuckes,
eine Braut ihres Gürtels? Aber mein Volk hat meiner vergessen Tage ohne Zahl.“
Da vergleicht Er sich mit einer menschlichen Lage, einer menschlichen Situation.
Er sagt in 3,1: „Wenn ein Mann sein Weib entlässt, und sie von ihm weggeht
und eines anderen Mannes wird, darf er wieder zu ihr zurückkehren?“ Die
Antwort lautet: „Nein“, laut 5. Mose 24. Buchstäblich hatte Gott sein Volk gar
nicht entlassen, sondern sein Volk hatte Ihn verlassen. Und sein Volk hatte
nicht nur Ehebruch begangen, sondern war eine Hure geworden, hatte geistliche
Hurerei mit vielen Buhlen betrieben: „Du aber hast mit vielen Buhlen
gehurt, und doch solltest du zu mir zurückkehren, spricht Jehova.“
Vers 4: „Nicht wahr? Von jetzt an rufst du mir zu: Mein Vater, der Freund
meiner Jugend bist du!“ Vers 3 sagt, dass eine Dürre gekommen war,
Regenschauer, die ersten Vorboten des Gerichtes Gottes. Sobald eine Dürre
auftritt, buchstäblich oder eine geistliche Dürre, da kehrt das Volk zu Gott
wieder, aber äußerlich, heuchlerisch. Da sagen sie: „Mein Vater, der
Freund meiner Jugend bist du!“ Vielleicht bedeutet das, so wie eine
jüngere Braut im Osten zu ihrem älteren Mann manchmal Vater sagte, dass es in
einem Vers so zusammensteht. „Mein Vater, der Freund meiner Jugend bist du!“
Aber es war heuchlerische Sprache, so wie eine Frau, wenn sie kein Geld mehr
hat, zurückkehrt zu ihrem Mann, um wieder abhängig von ihm zu sein und ihn
dann bald wieder zu verlassen. Wenn Not auftritt, kommt sie wieder, aber nicht
aus Liebe zu dem Mann, sondern weil sie in Not ist, und dann geht sie wieder
davon. Gott hat sein Volk durchschaut, und der Knabe Jeremia muss es dem Volk
alles sagen.
Jer 3,6-25: Und Jahwe sprach zu mir in den Tagen des Königs Josia: Hast du
gesehen, was die abtrünnige Israel getan hat? Sie ging auf jeden hohen Berg und
unter jeden grünen Baum und hurte daselbst. Und ich sprach: Nachdem sie dies
alles getan hat, wird sie zu mir zurückkehren. Aber sie kehrte nicht zurück.
Und ihre treulose Schwester Juda sah es; und ich sah, dass trotz alledem, dass
ich die abtrünnige Israel, weil sie die Ehe gebrochen, entlassen und ihr einen
Scheidebrief gegeben hatte, doch die treulose Juda, ihre Schwester, sich nicht
fürchtete, sondern hinging und selbst auch hurte. Und es geschah, wegen des
Lärmes ihrer Hurerei entweihte sie das Land; und sie trieb Ehebruch mit Stein
und mit Holz. Und selbst bei diesem allen ist ihre treulose Schwester Juda nicht
zu mir zurückgekehrt mit ihrem ganzen Herzen, sondern nur mit Falschheit,
spricht Jahwe. Und Jahwe sprach zu mir: Die abtrünnige Israel hat sich
gerechter erwiesen als Juda, die Treulose. Geh, und rufe diese Worte aus gegen
Norden und sprich: Kehre zurück, du abtrünnige Israel, spricht Jahwe; ich will
nicht finster auf euch blicken. Denn ich bin gütig, spricht Jahwe, ich werde
nicht ewiglich nachtragen. Nur erkenne deine Missetat, dass du von Jahwe, deinem
Gott, abgefallen und zu den Fremden hin und her gelaufen bist unter jeden
grünen Baum; aber auf meine Stimme habt ihr nicht gehört, spricht Jahwe.
Kehret um, ihr abtrünnigen Kinder, spricht Jahwe, denn ich habe mich ja mit
euch vermählt; und ich werde euch nehmen, einen aus einer Stadt und zwei aus
einem Geschlecht, und euch nach Zion bringen. Und ich werde euch Hirten geben
nach meinem Herzen, und sie werden euch weiden mit Erkenntnis und Einsicht. Und
es wird geschehen, wenn ihr euch im Lande mehret und fruchtbar seid in jenen
Tagen, spricht Jahwe, so wird man nicht mehr sagen:„Die Bundeslade Jahwes“; und sie wird nicht mehr in den Sinn kommen, und man wird ihrer
nicht mehr gedenken noch sie suchen, und sie wird nicht wieder gemacht werden.
In jener Zeit wird man Jerusalem den Thron Jahwes nennen, und alle Nationen
werden sich zu ihr versammeln wegen des Namens Jahwes in Jerusalem; und sie
werden nicht mehr dem Starrsinn ihres bösen Herzens nachwandeln. In jenen Tagen
wird das Haus Juda mit dem Hause Israel ziehen, und sie werden miteinander aus
dem Lande des Nordens in das Land kommen, welches ich euren Vätern zum Erbteil
gegeben habe. Und ich sprach: Wie will ich dich stellen unter den Söhnen und
dir ein köstliches Land geben, ein Erbteil, das die herrlichste Zierde der
Nationen ist! Und ich sprach: Ihr werdet mir zurufen: Mein Vater! und werdet
euch nicht von mir abwenden. Fürwahr, wie ein Weib ihren Freund treulos verlässt,
so habt ihr treulos gegen mich gehandelt, Haus Israel, spricht Jahwe. Eine
Stimme wird gehört auf den kahlen Höhen, ein Weinen, ein Flehen der Kinder
Israel; weil sie ihren Weg verkehrt, Jahwes, ihres Gottes, vergessen haben.
Kehret um, ihr abtrünnigen Kinder; ich will eure Abtrünnigkeiten heilen.„Hier sind wir, wir kommen zu dir; denn du bist Jahwe, unser Gott. Fürwahr,
trüglich ist von den Hügeln, von den Bergen her das Lärmen; fürwahr, in
Jahwe, unserem Gott, ist das Heil Israels! Denn die Schande hat den Erwerb
unserer Väter verzehrt von unserer Jugend an, ihr Kleinvieh und ihre Rinder,
ihre Söhne und ihre Töchter. In unserer Schande müssen wir daliegen, und
unsere Schmach bedeckt uns! Denn wir haben gegen Jahwe, unseren Gott, gesündigt,
wir und unsere Väter, von unserer Jugend an bis auf diesen Tag, und wir haben
nicht auf die Stimme Jahwes, unseres Gottes, gehört.“
Ab Vers 6 vergleicht Gott Juda mit Israel, das heißt hier mit den zehn
Stämmen. Wir wissen, dass damals die zehn Stämme schon längst in
Gefangenschaft in Assyrien weggeführt worden waren. Er nennt Israel „die
Abtrünnige“ in Vers 6 und Juda in Vers 7 „die Treulose“. Es waren zwei
Schwestern, Gott hatte sie beide geheiratet. Die älteste Schwester Israel hatte
Er schon entlassen und ihr einen Scheidebrief gegeben, sagt Vers 8. Welch eine
Belehrung hätte das für Juda sein sollen. Beide Schwestern waren Gattinnen
Gottes. Und Juda hätte sehen sollen, was mit ihrer ältesten Schwester
geschehen war. Sie hätte lernen müssen aus dem schrecklichen Gericht. Darum
heißt es in Vers 11: „Die abtrünnige Israel hat sich gerechter erwiesen
als Juda, die Treulose.“ Das ist natürlich relativ gemeint. Juda ist noch
ungerechter als Israel, denn Israel wusste ja nicht genau, was das Gericht
beinhalten würde. Aber Juda hatte ein Beispiel, ein Vorbild. Sie hat gesehen,
was mit Israel geschehen ist, sie weiß, dass Gott die Bosheit nicht vertragen
kann. Und trotzdem geht sie einfach weiter mit ihren Bosheiten und hört sie
nicht auf.
Liebe Geschwister, was haben diese Dinge uns zu sagen? Diese Dinge
sind so ernst, wenn man daran denkt, dass wir jetzt wieder in einer Zeit leben,
kurz vor dem Gericht, vor dem Weltgericht. Vor einer Zeit, selbst einer neuen
buchstäblichen Zerstörung Jerusalems, aber abgesehen davon, ich denke jetzt
nicht an das buchstäbliche Israel, sondern an die Christenheit. Sagt Paulus uns
nicht im 2. Korinther 11: „Ich habe euch einem Manne verlobt, als eine keusche
Jungfrau“, aber er macht sich große Sorgen über sie. Und diese Sorgen
haben sich bestätigt. Die Geschichte der Christenheit wird uns prophetisch in
diesen Kapiteln genau so gemalt. Hat uns das nichts zu sagen? Wir sollten nie
vergessen, dass auch wir noch immer zu der Christenheit gehören, dass auch wir
noch im großen Hause sind, um die Sprache von 2. Timotheus 2 zu reden. Und das
bedeutet, dass wir nicht einfach sagen können: Wir sind nicht wie die
Christenheit — denn wir sind in der Christenheit, und das bedeutet, dass jedes
Wort des Jeremia auch zu uns kommt. Wo ist die Zuneigung, die Liebe der Jugend?
So wie wir das in der Apostelgeschichte finden, diese frische, diese lebhafte
Gemeinschaft mit dem Herrn, dieser lebendige Umgang mit Ihm, diese geistliche
Kraft, die da gefunden wurde, die einfach eine Folge dieser Zuneigung dieser
Liebe der Jugend war. Es ist die Jugendfrische. Und was ist alles daraus
geworden? Ich wage es zu sagen, dass die ganze Geschichte der Christenheit
insgesamt noch schrecklicher ist als die Geschichte Israels. Hat die
Christenheit nicht mit vielen Buhlen gehurt? Ich will nicht die Geschichte in
großen Zügen selbst beschreiben, aber wenn wir sehen, wenn wir an Offenbarung
2 und 3 denken, an die Verbindungen von Thyatira, wo über diese Hurerei schon
gesprochen wird, und dann die Enttäuschung des Herrn über Sardes und dann das
Letzte in Laodizea, das Ekelhafte, wodurch der Herr sie ausspeien wird aus seinem
Munde. Ist es nicht dieselbe Sprache wie in diesem Buch, und wollen wir sagen,
dass wir mit diesen Dingen nichts zu tun haben, dass wir da draußen stehen und
nichts davon wissen? Können wir uns damit begnügen zu sagen: Wir sind
Philadelphia? Ist sogar die Aussage „Wir sind Philadelphia“ nicht schon
der Geist Laodizeas? Sollten wir nicht bescheidener sein und demütiger und uns
fragen, inwieweit die Worte Jeremias, dieses jungen Bruders, auch uns heute
etwas zu sagen haben? Wo sind unsere Freuden, unsere Interessen? Sind sie mit
dem Herrn bei Ihm? Ist es noch die frische, die jugendfrische Liebe und
Zuneigung? Verwirklichen auch wir, dass wir als seine keusche Jungfrau mit Ihm verlobt
sind? Dass wir mit Ihm verbunden sind und dass die Welt, die Ihn gekreuzigt hat,
kein Anrecht auf uns hat? Das ist, was uns hier in diesen Kapiteln gezeigt wird.
Bundesbruch ist Ehebruch. Wir stehen ja nicht buchstäblich in Verbindung der
Vermählung mit Ihm. Und auch die große Sünde der Christenheit wird in
Offenbarung 17 „Hurerei“ genannt. Und das gilt nicht nur für das große
Ganze, sondern Hurerei, geistliche Hurerei, können wir auch im persönlichen
Leben betreiben. Mit den Götzen dieser Welt. Und sagen wir nicht, dass die
Götzen dieser Welt auf uns keinen Einfluss ausüben. Jeder von uns hat seine
eigenen, besonderen Gefahren; jeder von uns ist den Einflüssen gewisser
Götzen ausgesetzt. Und es kommt auf die geistliche Kraft, nein, ich sage lieber
auf die Zuneigung und die Liebe zum Herrn an, inwieweit wir nicht diesen
Einflüssen zum Opfer fallen. Und deshalb sollten wir auf die Worte des Knaben
Jeremia hören, denn es sind die Worte Jehova, die Gott ihm in den Mund gelegt
hat.
In Jeremia 3,12 wird ein Wort von Jeremia gerufen in die andere Richtung,
nicht nach Juda, sondern ein Wort gegen Norden. Dort, wo die zehn Stämme
irgendwo in Assyrien verschwunden waren. Und Gott sagt: „Kehre zurück, du
abtrünnige Israel.“ Und in Vers 14: „Kehret um, ihr abtrünnigen
Kinder, denn ich habe mich ja mit euch vermählt.“ Sie haben ihn verlassen
und Gott hat sie entlassen. Aber hier steigt die Gnade über das Gesetz hinaus.
Das Gesetz von 5. Mose 25 verbat es einem Mann, dass er seine Frau wieder nehmen
würde, aber die Gnade Gottes sagt: Ich werde mich wieder um euch kümmern,
ich habe mich mit euch vermählt. Buchstäblich heißt es da: „Ich bin euer
Baal.“ Auch das ist ein Wortspiel, wenn man das Wort Spiel überhaupt benutzen
kann, aber ihr werdet mich verstehen. Sie hatten dem Baal gedient, aber Gott
sagt: „Ich bin euer Baal“, denn das Wort „Baal“ heißt einfach „Herr“
oder „Gatte“: Ich bin euer Gatte“ Und das haben die Übersetzer so
wiedergegeben: „Ich habe mich ja mit euch vermählt; und ich werde euch
nehmen, einen aus einer Stadt und zwei aus einem Geschlecht, und euch nach Zion
bringen.“ Hier haben wir so einen Edelstein, mitten in diesen traurigen
Kapiteln des Gerichtes, ein Edelstein über das Tausendjährige Reich, denn die
eine und die zwei aus Assyrien sind nie wiedergekehrt bis heute. Das muss noch
wahr werden, was in Vers 15 steht: „Ich werde euch Hirten geben nach meinem
Herzen.“ Da denkt Gott ganz besonders an den großen Hirten, seinen Knecht
David, den Sohn Davids, der dann über sie herrschen wird. „Sie werden euch
weiden mit Erkenntnis und Einsicht.“
Und dann sagt Er in Vers 16, dass sie
nicht mehr an die Bundeslade Jehovas denken würden. Die bestand zu jener Zeit
noch immer. Hier sehen wir, wie tief der Geist Gottes Jeremia eingeführt hat.
Der junge Knabe am Anfang der Regierung Josias spricht schon über eine Zeit, zu
der die Bundeslade nicht mehr bestehen würde. Es wird uns nicht in der Schrift
gesagt, aber sie muss wohl auch von Nebukadnezar in Gefangenschaft nach Babel
weggeführt worden sein und ist dort verloren gegangen. Aber Jeremia spricht
seinem Volk Trost zu. Einmal in der großen Zeit der Wiederherstellung werdet
ihr euch nicht mehr um diese Bundeslade kümmern. Natürlich, die Bundeslade war
bisher immer das Zeichen, das Symbol der Einheit des Volkes gewesen und auch
ihre Verbindung zu Gott hin. Aber einmal, im Tausendjährigen Reich, brauchen
sie die Bundeslade wieder. Da werden sie Ihn haben, der von Anfang an in dieser
Bundeslade dargestellt worden war. Sie ist ein herrliches Bild des Herrn Jesus.
Ihn werden sie dann kennen. In Vers 17 heißt es: „In jener Zeit wird man
Jerusalem den Thron Jahwes nennen, und alle Nationen werden sich zu ihr
versammeln wegen des Namens Jahwes in Jerusalem; und sie werden nicht mehr dem
Starrsinn ihres bösen Herzens nachwandeln. In jenen Tagen wird das Haus Juda
mit dem Hause Israel ziehen, und sie werden miteinander aus dem Lande des
Nordens in das Land kommen.“ Die Menschen müssen gestaunt haben, das zu
hören, denn auch ein solches Wort setzt voraus, dass Jeremia ganz am Anfang
seines Dienstes schon geweissagt hat, dass auch Juda in Gefangenschaft gegen
Norden weggeführt werden sollte. Das war wohl zwar nicht nach Assyrien, sondern
nach Babylonien. Aber einmal würden beide wiederkommen; die zehn und die zwei
Stämme würden in das Land kommen, welches ich euren Vätern zum Erbteil
gegeben habe.
„Und ich sprach“, sagt Jehova, „wie will ich dich
unter den Söhnen stellen.“ Da ist eine Schwierigkeit. Spricht Gott hier
über das Volk wieder als Braut, als Frau, und sagt Er, dass Er ihr als Frau
ein Erbteil geben und sie damit unter die Söhne stellen würde? Also, als
ob sie selbst ein Sohn sei? Oder spricht Er das Volk als Sohn an so wie in 2. Mose 4: „Israel ist mein erstgeborener Sohn“? Es
ist nicht immer leicht, die Bilder voneinander zu unterscheiden. „Und
ich sprach:“, Vers 19, „ihr werdet mir zurufen: Mein Vater! und
werdet euch nicht von mir abwenden. Fürwahr, wie eine Frau ihren Freund treulos
verlässt, so habt ihr treulos gegen mich gehandelt, Haus Israel.“ Ab
Vers 22 sagt Er: „Kehret um, ihr abtrünnigen Kinder.“
Aber doch hier, obwohl es alles eingerahmt ist von Aussagen über ihren Abfall
und Gericht, ist es ein Edelstein der Hoffnung. Einmal werden die zehn und die
zwei Stämme wiederkehren, und es ist so schön, ganz am Anfang des Buches
diesen herrlichen Hinweis auf das Reich zu sehen. Es ist nicht alles
Verzweiflung bei Jeremia, der Geist Gottes gibt ihm Worte der Hoffnung. Und
während der ganzen Geschichte der Christenheit hat es den Faden der Hoffnung
gegeben, und wir klammern uns an diesem Faden fest. Gott hat uns diese reiche
Hoffnung gegeben, wenn auch alles versagen wird, wenn der Herr im
Lukasevangelium auch sagt: „Wird der Sohn des Menschen noch den Glauben
finden auf der Erde, wenn er wiederkommt?“ Wenn alles versagen wird,
dann wird Gott seinen Überrest haben. Einer aus einem Dorf, zwei aus einem
Geschlecht. Die Frage ist nur, ob du und ich bis zum Ende treu befunden werden
vor dem Herrn.
Jer 4,1-9: Wenn du umkehrst, Israel, spricht Jahwe, zu mir umkehrst, und wenn
du deine Scheusale von meinem Angesicht hinwegtust, und nicht mehr
umherschweifst, sondern schwörst: So wahr Jahwe lebt! in Wahrheit, in Recht und
in Gerechtigkeit, so werden die Nationen sich in ihm segnen und sich seiner rühmen.
Denn so spricht Jahwe zu den Männern von Juda und zu Jerusalem: Pflüget euch
einen Neubruch, und säet nicht unter die Dornen. Beschneidet euch für Jahwe
und tut hinweg die Vorhäute eurer Herzen, ihr Männer von Juda und ihr Bewohner
von Jerusalem, damit mein Grimm nicht ausbreche wie ein Feuer und unauslöschlich
brenne wegen der Bosheit eurer Handlungen. Verkündiget in Juda und lasst in
Jerusalem vernehmen, und sprechet: Stoßet in die Posaune im Lande! Rufet aus
voller Kehle und sprechet: Versammelt euch und lasst uns in die festen Städte
ziehen! Erhebet ein Panier gegen Zion hin; flüchtet, bleibet nicht stehen! Denn
ich bringe Unglück von Norden her und große Zerschmetterung. Ein Löwe steigt
herauf aus seinem Dickicht, und ein Verderber der Nationen bricht auf; er zieht
von seinem Orte aus, um dein Land zur Wüste zu machen, dass deine Städte zerstört
werden, ohne Bewohner. Darum gürtet euch Sacktuch um, klaget und jammert! Denn
die Glut des Zornes Jahwes hat sich nicht von uns abgewendet. Und es wird
geschehen an jenem Tage, spricht Jahwe, da wird das Herz des Königs und das
Herz der Fürsten vergehen; und die Priester werden sich entsetzen, und die
Propheten erstarrt sein.
Unglück vom Norden her in Vers 6 und ein Verderber in Vers 7. Hier spricht
Gott noch klarer über den zukünftigen Feind aus dem Norden, über den
Babylonier, über Nebukadnezar.
Aber dann, liebe Geschwister, haben wir in Vers 10 wieder einen Edelstein. Es
ist der erste aus einer ganzen Reihe solcher Edelsteine. Das sind solche Worte,
wo Jeremia seine Aussagen so unterbricht und seine eigenen Gefühle aufschreibt.
Wir können uns darauf verlassen, dass auch die genauso inspiriert worden sind.
Alles, was er aufschrieb, geschah unter der Eingebung des Heiligen Geistes. Aber
es ist nicht dasselbe wie Offenbarung. Gott gab ihm seine Worte in seinen Mund,
und er gab diese Offenbarungen weiter. Aber er äußert auch, was in seinem
Herzen ist. Und hier haben wir das erste Beispiel in Vers 10. Allerdings ist
dies schwierig und lautet folgendermaßen:
Jer 4,10-18: Da sprach ich: Ach, Herr, Jahwe! Fürwahr, getäuscht hast du
dieses Volk und Jerusalem, indem du sprachst: Ihr werdet Frieden haben; und das
Schwert dringt bis an die Seele! In jener Zeit wird diesem Volke und Jerusalem
gesagt werden: Ein scharfer Wind von den kahlen Höhen in der Wüste kommt des
Weges zur Tochter meines Volkes, nicht zum Worfeln und nicht zum Säubern; ein
Wind zu voll dazu wird mir kommen. Nun will auch ich Gerichte über sie
aussprechen. Siehe, gleich Wolken zieht er herauf, und wie der Sturmwind sind
seine Wagen, schneller als Adler seine Rosse. Wehe uns! Denn wir sind verwüstet.
Wasche dein Herz rein von Bosheit, Jerusalem, damit du gerettet werdest! Wie
lange sollen deine heillosen Anschläge in deinem Innern weilen? Denn eine
Stimme berichtet von Dan und verkündet Unheil vom Gebirge Ephraim her. Meldet
es den Nationen, siehe, verkündet es Jerusalem: Belagerer kommen aus fernem
Lande und lassen ihre Stimme erschallen wider die Städte Judas; wie Feldwächter
sind sie ringsumher wider dasselbe. Denn gegen mich ist es widerspenstig
gewesen, spricht Jahwe. Dein Weg und deine Handlungen haben dir solches bewirkt;
dies ist deine Bosheit; ja, es ist bitter, ja, es dringt bis an dein Herz.
Das Beispiel ist so schwierig, dass manche vorgeschlagen haben, im Anschluss
an Vers 9 zu übersetzen, wo es am Ende heißt: „Und die Propheten
werden erstarrt sein“, usw. Das wäre viel verständlicher, wenn die
falschen Propheten ab Vers 10 geredet hätten. Aber ich glaube doch, dass es
Jeremia ist, der hier spricht. Aber wie kann er Gott dafür beschuldigen? Das
tut er doch. Wie kann er Gott beschuldigen, das Volk getäuscht zu haben? Denn
was hier gesagt wird, hat Er nie gesagt, Er hat seinem Volk nicht gesagt: „Ihr
werdet Frieden haben.“ Wer hat das denn gesagt? Das haben eben die
falschen Propheten aus Vers 9 gesagt. Sie sagten: Was Jeremia sagt, stimmt
nicht. Ihr werdet Frieden haben. Die Assyrer werden euch nichts tun und die
Babylonier euch nicht schaden. Ihr braucht keine Angst zu haben, alles ist in
bester Ordnung. So reden die falschen Propheten. Keine Sorge, alles
ist in bester Ordnung. So reden sie heute noch immer. Es geht mit
der Christenheit bergauf. Die Menschen werden immer vernünftiger, verstehen
immer besser den wahren Charakter der Schrift durch Bibelkritik, verstehen immer
besser, wie wir leben sollen, verstehen immer besser, wie altmodisch die Schrift
ist, und wie vernünftig wir selbst sind. So haben die falschen Propheten
schon immer geredet. Deshalb ist dieser Vers so schwierig. Jeremia sagt zu Gott,
ich glaube es ist Jeremia, so haben es auch unsere Übersetzer verstanden: „Getäuscht hast du dieses Volk und
Jerusalem.“ Manche haben gemeint,
dass sich hier Jeremia selbst getäuscht und sich geirrt hat. Vielleicht meinte
er hier noch als junger Knabe, dass es Gott war, der den falschen Propheten die
Worte in den Mund gelegt hatte. Aber vielleicht meint Jeremia doch noch etwas
anderes. Wenn auch die falschen Propheten das geredet hatten, und ich nehme an,
Jeremia hat sehr gut verstanden, dass das falsche Propheten waren, wenn er auch
noch jung war. Wenn sie das auch gesagt haben, diese falschen Propheten, wenn es
auch Lüge und Betrug war, so hat Gott nichtsdestoweniger dies zugelassen.
Wir
machen manchmal einen feinen Unterschied zwischen dem, was Gott will, und dem,
was Gott zulässt. Aber vielleicht ist das nur Theologie, liebe Geschwister. Die
Schrift zeigt uns, dass Gott alles in seiner Hand hat, und macht nicht diesen
feinen Unterschied zwischen dem, was Gott will und zulässt. Wir nehmen die
Dinge aus der Hand Gottes an. Und mir scheint, so hat Jeremia es gemeint. Gott, du hast es zugelassen, dass diese bösen Propheten so reden
können. Haben wir nie etwas so gemeint, so geredet zu Gott? „Du hast
es zugelassen, dass du einen Geliebten von mir genommen hast. Du hast es
zugelassen, dass mir dieses Übel widerfahren ist.“ Und wenn wir sagen,
Gott hat es zugelassen, hat Gott es dann nicht gewollt? Wie kann man das
unterscheiden? Hat Gott es dann nicht gewollt, dass diese falschen Propheten
reden? Wie kann Gott das wollen? Wie man es auch sagen müsste, Jeremia sagt: Gott, wenn das Volk getäuscht worden ist, ist es unter deiner Zulassung
geschehen. Wie kannst du das tun?
Liebe Geschwister, letztendlich geht es
nicht darum, ob Jeremia sich genau ausdrückt. Was dieser Vers uns zeigt, ist
vielleicht die Sprache eines jungen Knaben, der vielleicht auch die Wege Gottes
noch nicht völlig zu unterscheiden vermöchte, aber es zeigt etwas von seinem
Herzen. Und das macht uns diese Person so kostbar, wie er ringt mit seinem Gott.
Er kann es nicht verstehen. Er hätte es vielleicht verstehen können, wenn Gott
ihn berufen hätte, wenn er zwanzig Jahre älter gewesen wäre. Er hätte es verstehen
können, wenn Gott noch zehn, zwanzig, dreißig von solchen Propheten berufen hätte, die
alle geredet hätten. Aber wenn Gott nun diesen einen jungen Mann nimmt und zur
gleichen Zeit zwanzig, dreißig falsche Propheten auftreten lässt, die immer gegen das
Wort Jeremias reden, die genau das Entgegengesetzte sagen? Warum handelt Gott
dann so? Das ist hier der Vers. Warum tut Gott so? Ist Gott mächtig, einen
Jeremia zu berufen? Ja, Gott ist mächtig dazu, Er hat es getan. Ist Er dann
nicht mächtig, dreißig von solchen Männern zu berufen? Ist Er nicht mächtig,
diesen bösen Propheten den Mund zu schnüren? Ja, Gott ist mächtig dazu. Warum
tut Er es nicht? Das sind die Warum-Fragen. Es gibt keinen Gläubigen, der diese
Warum-Fragen nicht kennt. Da kommt es nicht darauf an, ob wir das lehrmäßig
genau ausdrücken, sondern dass wir jedenfalls mit unseren Warum-Fragen zum
Herrn gehen. Darauf kommt es an. Und das ist das Schöne an diesem Vers, der
junge Knabe ist nicht eine Maschine, er ist nicht ein Kassettenrekorder, der
einfach wiedergibt, was Gott ihm sagt, was ihn persönlich nicht berührt. Er
ist kein Roboter, wenn Gott ihm seine Worte in den Mund legt. Dann ist Jeremia
als Mensch ganz mit hineinbezogen. Er ist nicht nur Fürsprecher, er ist nicht
nur einer, der wiedergibt, ohne persönlich damit hineinbezogen zu sein. Er ist
ganz mit dabei, denn er liebt dieses Volk, zu welchem er redet. Er kann es nicht
ertragen, dass die bösen Propheten das Volk täuschen. Und er sagt zu Gott: Bist du nicht letztendlich dafür verantwortlich, dass die bösen
Propheten weiterreden können? Nun, etwas weiter in diesem Kapitel ist
sein Angstschrei noch viel lauter. Er spricht ab Vers 11 über den scharfen Wind
des Gerichts, der über das Volk kommt. Und wenn er dann all das Schreckliche
vor sich sieht, was einmal über Jerusalem und über den Tempel kommen würde,
da sagt er ab Vers 19 Folgendes:
Jer 4,19-31: Meine Eingeweide, meine Eingeweide! Mir ist angst! Die Wände
meines Herzens! Es tobt in mir mein Herz! Ich kann nicht schweigen! Denn du,
meine Seele, hörst den Schall der Posaune, Kriegsgeschrei: Zerstörung über
Zerstörung wird ausgerufen. Denn das ganze Land ist verwüstet; plötzlich sind
meine Zelte zerstört, meine Zeltbehänge in einem Augenblick. Wie lange soll
ich das Panier sehen, den Schall der Posaune hören? Denn mein Volk ist närrisch,
mich kennen sie nicht; törichte Kinder sind sie und unverständig. Weise sind
sie, Böses zu tun; aber Gutes zu tun verstehen sie nicht. Ich schaue die Erde
an und siehe, sie ist wüst und leer; und gen Himmel, und sein Licht ist nicht
da. Ich schaue die Berge an, und siehe, sie heben; und alle Hügel schwanken.
Ich schaue, und siehe, kein Mensch ist da; und alle Vögel des Himmels sind
entflohen. Ich schaue, und siehe, der Karmel ist eine Wüste; und alle seine Städte
sind niedergerissen vor Jahwe, vor der Glut seines Zornes. Denn so spricht
Jahwe: Das ganze Land soll eine Wüste werden; doch will ich es nicht gänzlich
zerstören. Darum wird die Erde trauern, und der Himmel oben schwarz werden,
weil ich es geredet, beschlossen habe; und ich werde es mich nicht gereuen
lassen und nicht davon zurückkommen. Vor dem Geschrei der Reiter und der
Bogenschützen flieht jede Stadt: Sie gehen ins Dickicht und ersteigen die
Felsen; jede Stadt ist verlassen, und kein Mensch wohnt darin. Und du, Verwüstete,
was wirst du tun? Wenn du dich auch in Karmesin kleidest, wenn du mit goldenem
Geschmeide dich schmückst, wenn du deine Augen mit Schminke aufreißest:
vergeblich machst du dich schön; die Buhlen verschmähen dich, sie trachten
nach deinem Leben. Denn ich höre eine Stimme wie von einer Kreißenden, Angst
wie von einer Erstgebärenden, die Stimme der Tochter Zion; sie seufzt, sie
breitet ihre Hände aus: Wehe mir! Denn kraftlos erliegt meine Seele den Mördern.
Auch hier hat man sich gefragt, wer die ersten Verse eigentlich redet. Ist es
wirklich Jeremia? Ja, es ist Jeremia, der sich hier einsmacht mit dem ganzen
Volk und deshalb über seine Zelte, seine Zeltbehänge redet. Er redet so, wie
das ganze Volk hätte reden sollen. Es ist hier die Stimme des gläubigen
Überrestes, wenn es überhaupt noch solch einen Überrest unter diesem bösen
Volk gibt. Es ist hier der Geist Christi, der sich mit dem gläubigen Überrest
einsmacht. So wieder Herr das so oft in den Psalmen tut. So wie Er einmal in
der großen Drangsal durch seinen Geist diesen gläubigen Überrest reden lassen
wird. Die Sprache der Psalmen, diese Sprache, die wir hier finden. So ist es der
Herr, so ist es auch Jehova, der hier redet. Das sind die drei Erklärungen; es
ist Jehova, der da redet; es ist Jeremia, der da redet; da ist das Volk, das
redet. Aber so unterschiedlich sind diese drei gar nicht. Der Geist Gottes ist
der Geist Christi, der sich hier mit diesem Volk einsmacht in größter Not, in
Angstgeschrei. So tief hat Jeremia empfunden, das, was er reden musste. In Vers
27: „Denn so spricht Jehova: Das ganze Land soll eine Wüste werden.“
Und in Vers 30 spricht Er zu der Stadt: „Und du, Verwüstete, was wirst
du tun?“ Und so beschreibt Er sie als Hure in Vers 30, aber in Vers 31
hört Er von ihr die Stimme einer kreißenden Angst, wie deine Erstgebärende,
die Stimme der Tochter Zion. Die Hure muss gebären und schreit in ihrer Not, es
sind die Schmerzen, die Wehen des Gebärens, aber es sind die Schmerzen des
Gerichts.
Jer 5,1-31: Durchstreifet die Gassen
Jerusalems, und sehet doch und erkundet und suchet auf ihren Plätzen, ob ihr
jemand findet, ob einer da ist, der Recht übt, der Treue sucht: so will ich ihr
vergeben. Und wenn sie sprechen: So wahr Jahwe lebt! so schwören sie darum doch
falsch. Jahwe, sind deine Augen nicht auf die Treue gerichtet? Du hast sie
geschlagen, aber es hat sie nicht geschmerzt; du hast sie vernichtet: Sie haben
sich geweigert, Zucht anzunehmen; sie haben ihre Angesichter härter gemacht als
einen Fels, sie haben sich geweigert, umzukehren. Und ich sprach: Nur Geringe
sind es; die sind betört, weil sie den Weg Jahwes, das Recht ihres Gottes,
nicht kennen. Ich will doch zu den Großen gehen und mit ihnen reden; denn sie
kennen den Weg Jahwes, das Recht ihres Gottes. Doch sie haben allzumal das Joch
zerbrochen, die Bande zerrissen. Darum erschlägt sie ein Löwe aus dem Walde,
ein Wolf der Steppen vertilgt sie, ein Pardel belauert ihre Städte: Jeder, der
aus ihnen hinausgeht, wird zerrissen; denn ihrer Übertretungen sind viele,
zahlreich ihre Abtrünnigkeiten. Weshalb sollte ich dir vergeben? Deine Söhne
haben mich verlassen und schwören bei Nichtgöttern. Obwohl ich sie schwören
ließ, haben sie Ehebruch getrieben und laufen scharenweise ins Hurenhaus. Wie
wohlgenährte Pferde schweifen sie umher; sie wiehern ein jeder nach seines Nächsten
Weibe. Sollte ich solches nicht heimsuchen? spricht Jahwe; oder sollte an einer
Nation, wie diese, meine Seele sich nicht rächen? Ersteiget seine Mauern und
zerstöret, doch richtet ihn nicht völlig zu Grunde; nehmet seine Ranken weg,
denn nicht Jahwes sind sie. Denn das Haus Israel und das Haus Juda haben gar
treulos gegen mich gehandelt, spricht Jahwe. Sie haben Jahwe verleugnet und
gesagt: Er ist nicht; und kein Unglück wird über uns kommen, und Schwert und
Hunger werden wir nicht sehen; und die Propheten werden zu Wind werden, und der
da redet, ist nicht in ihnen: Also wird ihnen geschehen. Darum, so spricht
Jahwe, der Gott der Heerscharen: Weil ihr dieses Wort redet, siehe, so will ich
meine Worte in deinem Munde zu Feuer machen und dieses Volk zu Holz, und es soll
sie verzehren. Siehe, ich bringe über euch eine Nation aus der Ferne, Haus
Israel, spricht Jahwe; es ist eine starke Nation, es ist eine Nation von alters
her, eine Nation, deren Sprache du nicht kennst, und deren Rede du nicht
verstehst. Ihr Köcher ist wie ein offenes Grab; sie sind Helden allesamt. Und
sie wird deine Ernte verzehren und dein Brot, sie wird deine Söhne und deine Töchter
verzehren, sie wird verzehren dein Kleinvieh und deine Rinder, verzehren deinen
Weinstock und deinen Feigenbaum; deine festen Städte, auf welche du dich verlässt,
wird sie mit dem Schwerte zerstören. Aber auch in selbigen Tagen, spricht
Jahwe, werde ich euch nicht den Garaus machen. Und es soll geschehen, wenn ihr
sagen werdet: Weshalb hat Jahwe, unser Gott, uns dies alles getan? so sprich zu
ihnen: Gleichwie ihr mich verlassen und fremden Göttern gedient habt in eurem
Lande, also sollt ihr Fremden dienen in einem Lande, das nicht euer ist. Verkündet
dieses im Hause Jakob und lasst es hören in Juda, und sprechet: Höret doch
dieses, törichtes Volk, ohne Verstand, die Augen haben und nicht sehen, die
Ohren haben und nicht hören. Wollt ihr mich nicht fürchten, spricht Jahwe, und
vor mir nicht zittern? Der ich dem Meere Sand zur Grenze gesetzt habe, eine
ewige Schranke, die es nicht überschreiten wird; und es regen sich seine Wogen,
aber sie vermögen nichts, und sie brausen, aber überschreiten sie nicht. Aber
dieses Volk hat ein störriges und widerspenstiges Herz; sie sind abgewichen und
weggegangen. Und sie sprachen nicht in ihrem Herzen: Lasst uns doch Jahwe,
unseren Gott, fürchten, welcher Regen gibt, sowohl Frühregen als Spätregen,
zu seiner Zeit; der die bestimmten Wochen der Ernte uns einhält. Eure
Missetaten haben dieses weggewendet, und eure Sünden das Gute von euch
abgehalten. Denn unter meinem Volke finden sich Gesetzlose; sie lauern, wie
Vogelsteller sich ducken; sie stellen Fallen, fangen Menschen. Wie ein Käfig
voll Vögel, so sind ihre Häuser voll Betrugs; darum sind sie groß und reich
geworden. Sie sind fett, sie sind glatt; ja, sie überschreiten das Maß der
Bosheit. Die Rechtssache richten sie nicht, die Rechtssache der Waisen, so dass
es ihnen gelingen könnte; und die Rechtssache der Armen entscheiden sie nicht.
Sollte ich solches nicht heimsuchen? spricht Jahwe; oder sollte an einer Nation
wie diese meine Seele sich nicht rächen? Entsetzliches und Schauderhaftes ist
im Lande geschehen: die Propheten weissagen falsch, und die Priester herrschen
unter ihrer Leitung, und mein Volk liebt es so. Was werdet ihr aber tun am Ende
von dem allen?
Nun, über das fünfte Kapitel habe ich nicht zu viel zu sagen. Wir haben in
Vers 6 den Löwen, den Wolf, den Pardel wieder als Bezeichnung für den Feind
aus dem Norden. In Vers 15 ist es eine Nation aus der Ferne, eine starke Nation,
eine Nation von alters her, eine Nation, deren Sprache du nicht kennst. Mose
hatte schon in 5. Mose 28 über solch eine Nation gesprochen, über die
Babylonier, deren Sprache sie nicht kannten. Gott sagt in Vers 18: „Aber
auch in selbigen Tagen werde ich euch nicht den Garaus machen.“ Immer diese
kleinen oder größeren Hinweise der unermüdlichen Gnade Gottes. Zum Schluss
dieses Abschnittes noch aus dem sechsten Kapitel:
Jer 6,1-8: Flüchtet, ihr Kinder
Benjamin, aus Jerusalem hinaus, und stoßet in die Posaune zu Tekoa, und
errichtet ein Zeichen über Beth-Hakkerem; denn Unglück ragt herein von Norden
her und große Zerschmetterung. Die Schöne und die Verzärtelte, die Tochter
Zion, vertilge ich. Hirten kommen zu ihr mit ihren Herden; sie schlagen Zelte
rings um sie auf, weiden ein jeder seinen Raum ab.„Heiliget einen Krieg
wider sie! Machet euch auf und lasst uns am Mittag hinaufziehen! …Wehe uns!
Denn der Tag hat sich geneigt, denn die Abendschatten strecken sich. Machet euch
auf und lasst uns in der Nacht hinaufziehen und ihre Paläste verderben!“
Denn so hat Jahwe der Heerscharen gesprochen: Fället Bäume und schüttet einen
Wall wider Jerusalem auf! Sie ist die Stadt, die heimgesucht werden soll; sie
ist voll Bedrückung in ihrem Innern. Wie ein Brunnen sein Wasser quellen lässt,
so lässt sie ihre Bosheit quellen. Gewalttat und Zerstörung werden in ihr gehört,
Wunde und Schlag sind beständig vor meinem Angesicht. Lass dich zurechtweisen,
Jerusalem, damit meine Seele sich nicht von dir losreiße, damit ich dich nicht
zur Wüste mache, zu einem unbewohnten Lande.
Wir haben am Ende des fünften Kapitels noch eine Warnung an das gottlose
Volk, aber dann, in den ersten acht Versen des sechsten Kapitels, da sieht der
Prophet die Stadt Jerusalem belagert, ganz lebhaft sieht er es vor sich, wie in
einem Gesicht. Er sagt es in Vers 6: „Denn so hat Jahwe der Heerscharen
gesprochen: Fället Bäume und schüttet einen Wall wider Jerusalem auf! Sie ist
die Stadt, die heimgesucht werden soll; sie ist voll Bedrückung in ihrem
Innern.“ Und da kommt das Gericht über die Gottlosen in dem weiteren
Kapitel, aber erst zum Schluss dieses Kapitels, erst in Vers 16.
Jer 6,9-21: So spricht Jahwe der
Heerscharen: Wie am Weinstock wird man Nachlese halten an dem Überrest Israels.
Lege wieder deine Hand an, wie der Winzer an die Ranken. Zu wem soll ich reden
und wem Zeugnis ablegen, dass sie hören? Siehe, ihr Ohr ist unbeschnitten, und
sie können nicht aufmerken; siehe, das Wort Jahwes ist ihnen zum Hohn geworden,
sie haben keine Lust daran. Und ich bin voll des Grimmes Jahwes, bin müde, ihn
zurückzuhalten. Ergieße ihn über die Kinder auf der Gasse und über den Kreis
der Jünglinge allzumal; denn sowohl Mann als Weib werden getroffen werden, der
Alte wie der Hochbetagte; und ihre Häuser werden anderen zugewandt werden,
Felder und Weiber allzumal. Denn ich strecke meine Hand aus wider die Bewohner
des Landes, spricht Jahwe. Denn von ihrem Kleinsten bis zu ihrem Größten sind
sie insgesamt der Gewinnsucht ergeben; und vom Propheten bis zum Priester üben
sie allesamt Falschheit, und sie heilen die Wunde der Tochter meines Volkes
leichthin und sprechen: Friede, Friede! Und da ist doch kein Friede. Sie werden
beschämt werden, weil sie Gräuel verübt haben. Ja, sie schämen sich
keineswegs, ja, Beschämung kennen sie nicht. Darum werden sie fallen unter den
Fallenden; zur Zeit, da ich sie heimsuchen werde, werden sie straucheln, spricht
Jahwe. So spricht Jahwe: Tretet auf die Wege, und sehet und fraget nach den
Pfaden der Vorzeit, welches der Weg des Guten sei, und wandelt darauf; so werdet
ihr Ruhe finden für eure Seelen. Aber sie sprechen: Wir wollen nicht darauf
wandeln. Und ich habe Wächter über euch bestellt, die da sagen: Merket auf den
Schall der Posaune! Aber sie sprechen: Wir wollen nicht darauf merken. Darum höret,
ihr Nationen, und wisse, du Gemeinde, was wider sie geschieht! Höre es, Erde!
Siehe, ich bringe Unglück über dieses Volk, die Frucht ihrer Gedanken; denn
auf meine Worte haben sie nicht gemerkt, und mein Gesetz sie haben es verschmäht.
Wozu soll mir denn Weihrauch aus Scheba kommen, und das gute Würzrohr aus
fernem Lande? Eure Brandopfer sind mir nicht wohlgefällig und eure
Schlachtopfer mir nicht angenehm. Darum, so spricht Jahwe: Siehe, ich lege
diesem Volke Anstöße, dass Väter und Kinder darüber straucheln, dass der
Nachbar und sein Genosse zumal umkommen.
Das sind die Pfade aus uralten Zeiten (V. 16). Ja, wir werden berufen, ganz
altmodische Leute zu sein, wir werden berufen, nach den Pfaden der Vorzeit zu
fragen. Wie oft steht es im Neuen Testament, dass wir berufen werden, zurückzukehren zu den
Worten der Apostel, der Propheten, dass wir berufen werden, zu achten auf das
Wort des Herrn selbst? Immer wieder. Und zu jeder Zeit der Erweckung in der
Geschichte der Christenheit hat man es gehört: zurück zu den Anfängen zu den
Pfaden der Vorzeit. Es heißt hier: „der uralten Zeit“. Was bedeutet
es eigentlich: „von alters her“? Das ist nicht dasselbe wie die
Traditionen der Väter, es ist hier das Wort Gottes. Es gibt manche Tradition,
die an sich gar nicht so viel von Gott in sich hat. Es geht hier nicht einfach
um die Tradition, es geht hier um das Wort Gottes, es geht hier um die Pfade der
Väter, insoweit diese Pfade mit dem Wort Gottes in Übereinstimmung sind. Und
dann plötzlich wird Jeremia wieder so deutlich ein Bild des Herrn. Immer wieder
leuchtet das Licht des Herrn Jesus so ganz wunderbar auf in diesem Buch. Da
heißt es hier: „Fraget nach den Pfaden der Vorzeit, welches der
Weg des Guten sei, und wandelt darauf; so werdet ihr Ruhe finden für eure
Seelen.“ Ist das nicht der Herr, der redet in Matthäus 11,29, wo Er
uns ermuntert, Ihm nachzufolgen, sein Joch auf uns zu nehmen, von Ihm zu lernen,
der ja sanftmütig und von Herzen demütig ist? Damit auch wir Ruhe finden,
nicht für das Gewissen, das wird hier vorausgesagt, sondern Ruhe für die Seele.
Ruhe für das Herz, wann findet man diese Ruhe? Wenn man in der Nachfolge des
Herrn steht. Jeremia kann nicht sagen, dass sie ihm nachfolgen sollten, das
konnte nur der Herr sagen. Jeremia konnte aber auf das Wort des Herrn, das Wort
Gottes hinweisen. Wer bei diesem Worte lebt, lebt in der Nachfolge des Herrn,
lebt unter dem Joch des Herrn und wird Ruhe haben in seiner Seele. Ist das nicht
herrlich in dieser Zeit, am Ende dieses Zeitalters, dieser Haushaltung, Ruhe in
der Seele haben zu dürfen? Wie findet man diese Ruhe? Wenn man wandelt in den
Pfaden der uralten Zeiten der Propheten und der Apostel.
Und da heißt es in Vers 20, eine zweite Belehrung am Schluss unseres
Abschnittes: „Wozu soll mir denn Weihrauch aus Scheba kommen und das
gute Würzrohr aus fernem Lande? Eure Brandopfer sind mir nicht wohlgefällig
und eure Schlachtopfer mir nicht angenehm.“ Das heißt nicht, dass Gott
an sich nicht ein Wohlgefallen an Brandopfer hat, aber Gott hat nie Wohlgefallen
an einem Gottesdienst, der nur für die Äußerlichkeit ausgeführt wird, wo die
Herzen fern von Ihm sind. Und wie groß ist auch diese Gefahr! Die erste
Belehrung aus Vers 16 ist schon so schwierig und wichtig für uns, aber auch
diese. Wie leicht können auch wir zufrieden sein über einen äußeren Dienst,
der ganz in Ordnung ist, ohne dass wir uns fragen: „Wo stehen die Herzen?“ Hier werden wir an das Wort Samuels erinnert:
„Gehorsam ist
besser als Schlachtopfer.“ Dem Herrn zu dienen, geht jedem Schlachtopfer
voran. Und so haben es die anderen gesagt. Jesaja 1 sagt es, Amos 5 und Micha 6
sagen es.
Gehorsam, Dienst, das Herz für den Herrn. Liebe, Zuneigung, das geht den Opfern
voran. Opfer sind wichtig, aber Opfer ohne ein Herz für den Herrn sind wertlos.
Das ist eine Botschaft, und wir hoffen, in Kapitel 7 zu sehen, dass da der
Gottesdienst vorrangig war, äußerlich alles in Ordnung, aber die Herzen waren
weit von Gott entfernt.
Jer 6,22-30: So spricht Jahwe: Siehe,
es kommt ein Volk aus dem Lande des Nordens, und eine große Nation macht sich
auf von dem äußersten Ende der Erde. Bogen und Wurfspieß führen sie, sie
sind grausam und ohne Erbarmen; ihre Stimme braust wie das Meer, und auf Rossen
reiten sie: gerüstet wider dich, Tochter Zion, wie ein Mann zum Kriege. Wir
haben die Kunde von ihm vernommen: Unsere Hände sind schlaff geworden; Angst
hat uns ergriffen, Wehen, der Gebärenden gleich. Geh nicht hinaus aufs Feld und
wandle nicht auf dem Wege; denn der Feind hat ein Schwert, Schrecken ringsum!
Tochter meines Volkes, gürte dir Sacktuch um und wälze dich in der Asche,
trauere wie um den Eingeborenen, führe bittere Klage! Denn plötzlich wird der
Verwüster über uns kommen. Ich habe dich zum Prüfer unter meinem Volke
gesetzt, als eine Feste, damit du ihren Weg erkennen und prüfen möchtest.
Allesamt sind sie die Widerspenstigsten der Widerspenstigen; sie gehen als
Verleumder umher, sie sind Erz und Eisen; sie handeln verderbt allesamt.
Versengt vom Feuer ist der Blasebalg, zu Ende ist das Blei; vergebens hat man
geschmolzen und geschmolzen: Die Bösen sind nicht ausgeschieden worden.
Verworfenes Silber nennt man sie, denn Jahwe hat sie verworfen
Dritte und letzte Belehrung in Vers 27: „Ich habe dich zum Prüfer
unter meinem Volke gesetzt, als eine Feste.“ Lieber möchte ich auch
diesen schwierigen Ausdruck so übersetzen, dass ein ähnliches Wort dasteht:
ein Prüfmeister, jemand, der sachverständig ist, um Silber und Gold zu
prüfen, die edlen Metalle, damit du ihren Weg erkennen und prüfen möchtest.
Allesamt sind sie die Widerspenstigsten der Widerspenstigen. Sie gehen als
Verleumder umher. Sie sind Erz und Eisen, also wertlose Metalle. Sie handeln
Verderb allesamt, versengt vom Feuer ist der Blasebalg, zu Ende ist das Blei.
Man mischte das Blei mit dem Silber, damit das Blei zu Flüssigkeit wurde und
dann die Verunreinigungen aus dem Silber abführen würde. Aber diese
Verunreinigungen sind so schlimm und so zahlreich, dass das Blei zu Ende ist.
Vergebens hat man geschmolzen und geschmolzen. Die Bösen sind nicht
ausgeschieden worden. Verworfenes Silber nennt man sie, denn Jehova hat sie
verworfen.
Möge der Herr uns Gnade schenken, dass sein Zeugnis nicht von uns gegeben zu
werden braucht, Silber, Gold. Ich habe schon 2. Timotheus 2 angeführt. Es gibt im
Hause Gottes, oder im großen Haus besser gesagt, Silber, Gold, Edelsteine, Holz,
Heu, Erde, so wie es auch in 1. Korinther 3 heißt. Wo sind die guten Materialien?
2. Timotheus 2 setzt voraus, dass man manchmal gar nicht mehr unterscheiden kann, was
was ist. Aber Gott kann es. Der Herr kennt die Seinen, Er schaut in unsere
Herzen hinein. Er sieht, ob wir schön äußerlich den Weg mitmachen, aber wo
zur gleichen Zeit unsere Herzen sind. Möge das Wort des jungen Propheten
Jeremia uns aufrütteln, in unsere Herzen hineinsinken, damit wir nicht prüfen,
ob schön äußerlich alles in Ordnung ist, sondern damit wir prüfen in unseren
Herzen, ob noch etwas Gold und Silber für Gott da ist, worüber Er sich freuen
kann.
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