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Leitverse: Hebräer 9-10; Hesekiel 44-46
Frage:
Gibt es buchstäbliche Opferhandlungen im Tausendjährigen Reich?
Antwort:
Wenn wir glauben, dass sich die Verheißungen Israels für die Zukunft
buchstäblich erfüllen, dann glauben wir das auch für die Verheißung in Bezug auf
den neuen Tempel und den entsprechenden Opferdienst nach Hesekiel.
Als Gegenargumente wird oft Folgendes angeführt:
Heb 10,14: Denn mit
einem Opfer hat er auf immerdar vollkommen gemacht, die geheiligt
werden.
Damit, wird argumentiert, kann es keine weiteren Opfer mehr geben, die noch
irgendeine Auswirkung haben könnten.
Doch geht es in dieser Stelle nicht um
alle Auswirkungen eines Opfers, sondern um Sühnung, Vollkommenmachung und
Heiligung. Und wir müssen hierbei auch berücksichtigen, dass es im nächsten Vers auch von
den Opfern aus dem Alten Bund heißt: „… und oft dieselben Schlachtopfer
darbringend, welche niemals Sünden hinwegnehmen können“ (Heb 10,11). Trotzdem
wurden dort Opfer dargebracht. Sie wiesen hin auf das Opfer, was einmal auf
Golgatha gegeben würde. Genauso werden die Opfer des Tausendjährigen Reiches
keine Sünden hinwegnehmen, sondern zurückweisen auf das ein für alle Mal
geschehene Opfer auf Golgatha.
Heb 10,3: Aber in jenen Opfern ist alljährlich ein Erinnern an die
Sünden.“Hier wird argumentiert, dass Gott ja der Sünden nie mehr gedenken will, und
wenn im Tausendjährigen Reich wieder geopfert wird, dann ist ja doch ein Erinnern
da.
Zunächst muss bei diesem Argument festgestellt werden, dass hier Dinge
zusammengebracht werden, die gar nichts miteinander zu tun haben. Denn bei dem
„Erinnern“ geht es ja nicht um Gott, als wenn Er sich erinnern müsste, sondern
um Menschen. Doch gibt es noch einen weiteren interessanten Aspekt hierzu zu erwähnen: Das
Wort „alljährlich“ zeigt deutlich, dass es nicht um die Opfer aus 3. Mose 1-7
geht, sondern um die Sündopfer des großen Versöhnungstags von 3. Mose 16, bzw.
3. Mose 23,23-32; wenn wir auch finden, dass einige Feste des Alten Bundes im
Tausendjährigen Reich wieder gefeiert werden, so wird uns dies jedoch nicht
vom Versöhnungstag gesagt. Dieses Fest wird ganz kurz vor der Einführung des
Tausendjährigen Reiches seine große Erfüllung finden. Das finden wir
wunderschön beschrieben in Sacharja 12,10-13,1.
R.A. Huebner schreibt hierzu Folgendes:
Es gibt auch etwas Besonderes für
Israel darin [dem Versöhnungstag], so wie uns Johannes 11,51-52 zeigt [dies aber
sagte er nicht aus sich selbst, sondern da er jenes Jahr Hohepriester war,
weissagte er, dass Jesus für die Nation sterben sollte; und nicht für die
Nation allein, sondern damit er auch …]. Für Israel bedeutet der
Versöhnungstag, dass sie dahin kommen, dass sie die Sühnung Christi verstehen,
wie sie für sie geschehen ist, in einer Weise, wie sie es niemals zuvor
verstanden haben. Ihre Gedanken werden eingehen in die Wirksamkeit und Kraft
des Opfers Christi. Sie werden verstehen, dass der Segen des HERRN dadurch
kommt, dass Er den Wert des Blutes Christi sieht. Sie werden dazu gebracht
werden, die Größe ihrer Blutschuld anzuerkennen wie niemals zuvor. Das
bedeutet, in ihren Gewissen werden sie dazu gebracht werden, den Wert des
Blutes Christi für ihre Annahme und ihren Frieden mit dem HERRN zu erkennen —
das Blut gerade desjenigen, der geschlagen wurde von jenen, die Ihn hätten
annehmen sollen. Wir müssen dabei im Gedächtnis behalten, dass diejenigen, die
den jüdischen Überrest während der Zeit der Drangsal Jakobs bilden, aus Gott
geboren sind („wiedergeboren“), aber sie kennen solch eine Annahme und Frieden
nicht, bis sie durch göttliche Handlung da hineingebracht werden. Das ist es,
was der Versöhnungstag für sie bedeutet. Das Blut der Versöhnung wurde ein für
alle Mal auf Golgatha vergossen. Die Erfüllung dieses Festes des
Versöhnungstages für Israel bedeutet nicht, dass ein weiteres Werk der
Versöhnung in der Zukunft für Israel von Christus unternommen wird. Solch ein
Gedanke würde ein schlimmer Angriff auf das ein für alle Mal beendete Werk
Christi am Kreuz sein. Sein Tod reichte aus für die Nation (Joh 11,52-52).
Die Anwendung bestimmter Dinge, die Sein Werk im Blick hat, wartet noch auf
die Zeit, die Gott dafür passend hält — alles im Blick auf Seine Herrlichkeit
in Christus, in der irdischen Sphäre. Manche haben den Gedanken, dass die
Juden „bekehrt werden“, indem sie Christus anschauen. Das ist ein ernstes
Missverständnis. Der Überrest ist aus Gott geboren, aber ihre Gewissen sind
nicht in Frieden in der Erkenntnis ihrer Annahme kraft des Blutes Christi. Sie
werden da hineingebracht werden durch das Fest des großen Versöhnungstages. Es
ist ein Werk des Geistes Gottes in ihren Gewissen und ihrer Seele. Es ist das
Gewissen, was die Eingangstür ist für Wahrheit, die in der Seele wohnt (so wie
wir das in Joh 4 sehen) … Dieses Fest geschah am 10. des siebten Monats (3.
Mo. 23,7). Es wird folgen auf die Sammlung Israels am Ersten des Monats und
wird geschehen direkt vor dem Laubhüttenfest, worin sie die Freude des
messianischen Reiches feiern werden. Aber bevor sie diese Freude feiern können,
wird ein vertiefendes Werk in den Seelen eines jeden Einzelnen geschehen, der
teilhat an der wiederhergestellten Nation. Das Maß der Freude geht Hand in
Hand mit einer Einschätzung dessen, was wir sind und unsere eigene Schuld ist,
und wie Christus Gott im Bezug darauf zufrieden gestellt hat und eine Sühnung
für Ihn gefunden hat. Es ist moralisch passend, dass das so ist … Sacharja 12,10 sagt:
„Sie werden auf mich schauen, den sie durchstochen haben.“ Nun
sicherlich werden sie ihn vor dieser Zeit gesehen haben. Er hat schon die
Rebellen aus dem Land weg gereinigt und die, die aus Gott geboren sind, in das
Land geführt (Hes 20,33-38; usw.) Aber alles hat seine Zeit, und es ist am 10.
des siebten Monats, dass sie, als eine Nation, auf Ihn schauen, wie sie es
niemals zuvor getan haben. Dann wird der Geist auf ihre Gewissen ihre
Blutschuld aufdrücken, wie Er es niemals zuvor in dieser Intensität getan hat.
Und der Geist wird ihr Verständnis öffnen für alles wie niemals zuvor und wird
ihren Seelen den großen Wert der Zufriedenstellung Gottes in Bezug auf die
Sünde klarmachen, die ihr Messias am Kreuz erwirkt hat. Nun, das Gefühl der
Überführung und darauf folgenden Wehklage, die sich daraus ergibt, finden wir
deutlich in Sacharja. 12,11-14 gezeigt. Dieser Schriftabschnitt beschreibt die
Erfüllung des Festes des Versöhnungstages für Israel. Lasst uns das ein wenig
anschauen. In Vers 11 wird die Wehklage verglichen mit der Wehklage für Josia
(2Chr 35,20-25). Das hatte auch einen allgemeinen Charakter. Aber die
Wehklage betreffs dessen, den sie durchstochen haben, ist weit tiefer. Jede
Familie und jede einzelne Person, wird in diesem Geist der Wehklage eintreten.
Es ist zu Recht gesagt worden: „Diejenigen, die wehklagen, bestehen aus einem
Volkskörper — einer Nation; jeder Teil, jede Gruppe, und jedes moralische
Element davon wird ausgedrückt durch vier Einzelpersonen, deren Geschichte und
Berufung, die unterschiedlichen Teile des Ganzen repräsentiert“ (The Present
Testimony 14:183).
David repräsentiert das Königtum. Er war es, der im Falle des
Urija eine Blutschuld hatte. Nathan repräsentiert den Propheten, den, der
David von seiner Sünde überzeugt hatte. Hier finden wir auch sein Haus
überführt. In Levi (der priesterlichen Klasse) und Simeon (dem Volk) sehen wir
ihre Blutschuld im Falle der Sichemiter (1Mo 34,30). Die Priester und das
Volk hatten sich vereinigt gegen Christus. So wehklagen „alle übrigen
Geschlechter, jedes Geschlecht besonders, und ihre Frauen besonders“. Es hat
sowohl einen nationalen als auch einen individuellen Charakter. Es ist durch
und durch ein Werk des Geistes, schön zu Seiner Zeit, dass sie ihre Sünde und
Sünden anerkennen und im Werk Christi sehen, was diesem begegnet.„Und ich
werde euch unter dem Stab hindurchziehen lassen, und euch in das Band des
Bundes bringen“ (Hes 20,37). „Ich werde mein Gesetz in ihr Inneres legen und
werde es auf ihr Herz schreiben; und ich werde ihr Gott, und sie werden mein
Volk sein“ (Jer 31,33; Heb 8). Wie wunderbar antwortet Sacharja 12,11-14
auf 3. Mose 23,29 [„… denn jede Seele, die sich nicht kasteit an diesem selbigen
Tage, die soll ausgerottet werden aus ihren Völkern“]. Jemand hat dazu
bemerkt: „Alle Leichtfertigkeit des Gedankens über Sünde in der Gegenwart der
Gnade Gottes muss verurteilt werden.“ Es ist eine ernste Warnung für uns
(The Seven Set Feasts of Jehova, p. 41-43).
Hes 44,27: … und an dem Tag, an
dem er in das Heiligtum, in den inneren Vorhof, hineingeht, um im Heiligtum zu
dienen, soll er sein Sündopfer darbringen, spricht der Herr.
Hes 45,15-17: … zum Speisopfer und zum Brandopfer und zu den
Friedensopfern, um Sühnung für sie zu tun, spricht der Herr, HERR. Das ganze
Volk des Landes soll zu diesem Hebopfer für den Fürsten in Israel verpflichtet
sein. Und dem Fürsten sollen obliegen die Brandopfer und das Speisopfer
und das Trankopfer … Er soll das Sündopfer und das Brandopfer und die
Friedensopfer opfern, um Sühnung für das Haus Israel zu tun.
Hes 46,20: … Das ist der Ort, wo die Priester das Schuldopfer und das
Sündopfer kochen, wo sie das Speisopfer backen sollen …
Diese Stellen werden als Beweis genommen, dass es
nicht sein kann, dass Hesekiel von der Zukunft im Tausendjährigen Reich spricht, da
Sühnung ein für alle Mal geschehen ist und Hesekiel erwähnt, dass durch die
Opfer erneut Sühnung getan wird.
Mit dieser Begründung müsste man folgerichtig jedoch auch leugnen, dass die
Opfer im Alten Bund echte Opfer gewesen sind, denn von ihnen heißt es auch,
das sie Sühnung taten, weil Hebräer 10,4 doch deutlich sagt: „Denn unmöglich
kann Blut von Stieren und Böcken Sünden hinwegnehmen.“
Wo innerhalb des Leibes Christi die geistliche Wirklichkeit der Opfer gekannt
wird ohne Handhabung der stofflichen Schattenbilder, da kann sehr wohl bald in
Israel die geistliche Wirklichkeit der Opfer gekannt werden mit Handhabung der
Schattenbilder. Die Tieropfer, die bald im Tempel Hesekiels während des
Friedensreiches gebracht werden, bringen das Opfer Christi dann auch auf
überhaupt keine Weise in Misskredit, sondern sollen bewusst dazu dienen,
Gedächtnisopfer zu sein, die zurückweisen auf das Opfer Christi, genauso wie
die Opfer des Alten Testamentes keinen Wert in sich selbst hatten, sondern
bloß vorausweisen auf das Werk, das Christus am Kreuz vollbracht hat (W.J.
Ouweneel, Israel en de Kerk, p. 130-131).
Heb 9,12: … auch nicht mit Blut
von Böcken und Kälbern, sondern mit seinem eigenen Blut — ist ein für
alle Mal in das Heiligtum eingegangen, als er eine ewige Erlösung erfunden
hatte
Heb 10,12.14.18: Er aber, nachdem er ein Schlachtopfer für
Sünden dargebracht hat … Denn mit einem Opfer hat er auf immerdar die
vollkommen gemacht, die geheiligt werden … Wo aber eine Vergebung derselben
ist, da ist nicht mehr ein Opfer für die Sünde.
Mit Hebräer 9,12; 10,12.14.18 argumentiert man wie folgt: Christus ist die Erfüllung all dessen, worauf das AT hindeutete. Weil
Christus Sich Selbst als Opfer dargebracht hat, sind weitere Opfer für die
Sünde nicht mehr nötig. Wenn die Opfer des AT nur eine Daseinsberechtigung
durch ihren Hinweis auf Christus und Sein Opfer hatten, so haben sie sie jetzt
nicht mehr, da Christus gekommen ist und das erfüllt hat, worauf sie
hindeuteten.
Die Antwort liegt eigentlich schon in der Argumentation selbst. Natürlich
handelt es sich nicht mehr um dieselben Opfer, wie sie im Alten Testaments
dargebracht wurden. Vorausweisen auf das Opfer Christi können Opfer
stofflicher Art heute nicht mehr. Das ist ganz klar. Aber die Opfer im
Tausendjährigen Reich bekommen ihre Daseinsberechtigung auch nicht durch einen
Hinweis, sondern durch einen Rückverweis auf das Opfer Christi.
Siehe Grafik [Klick aufs Bild]

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