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Wie sehen unsere Gebetsstunden aus? - unbekannt
      

 

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Wie sehen unsere Gebetsstunden aus?
unbekannt
© CV Dillenburg    Zugriffe: 7499    seit: 14.05.2005  
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Das Zusammenkommen zum Gebet ist ein hervorragender Prüfstein für den geistlichen Zustand einer Versammlung. Ein gefülltes Lokal am Tage des Herrn und leere Bänke in den Stunden, die für das Zusammenkommen zum Gebet bestimmt sind, zeigen an, dass in dem geistlichen Leben der Gläubigen ein ernster Mangel besteht. Wo mein Herz ist, da werden auch meine Füße sein, vorausgesetzt natürlich, dass mein körperlicher Zustand es nicht verhindert.

Es versteht sich von selbst, dass sehr viel davon abhängt, wie ich zu einer solchen Zusammenkunft gehe. Wenn ich es tue, um Segen für mich dort zu empfangen, um, wie man oft sagen hört, „wieder einmal erwärmt und belebt“ zu werden, so ist es kein Wunder, wenn ich nachher klagen muss: „Welch eine trockene, kalte Gebetstunde!“ Wenn ich aber hingehe mit einem warmen, glücklichen Herzen, mit dem Gedanken an das Vorrecht, das mir Gott gegeben hat, dass ich gemeinschaftlich mit den Seinigen vor Ihn hintreten und meine Anliegen im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Ihm kundwerden lassen darf, dann werde ich nicht leer zurückkommen. Wenn viele glühende Kohlen zusammengebracht werden, so gibt es mit einem Male ein großes Feuer; wenn aber unter einem großen Haufen nur einige glühen, dann hält es schwer, den ganzen Haufen in Brand zu setzen, ja, die Gefahr liegt nahe, dass die wenigen noch glühenden Kohlen ganz erlöschen.

Deshalb lasst uns gehen, meine Brüder, erfüllt mit dem Herrn, mit Herzen, die für Ihn schlagen und die sich freuen, wieder einmal eine Stunde stillen, friedlichen Zurückgezogenseins vor Ihm zubringen zu dürfen; nicht aber, um erst erfüllt zu werden! Und wenn wir beisammen sind, lasst uns dann nicht mit Geringschätzung aufeinander blicken; auch lasst uns nicht zwei oder drei Brüdern alles überlassen. Das eine ist so verkehrt und verwerflich wie das andere. Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. Aber lasst uns auch achthaben, dass wir wirklich im Heiligen Geist beten. Man hört nicht selten Brüder so lange und für so verschiedene Dinge beten, dass man fühlt, es ist nicht der Geist, der sie antreibt. Welch einen Wert hat ein solches Gebet vor Gott? Gar keinen. Zugleich nimmt es anderen, denen vielleicht die eine oder andere Sache am Herzen liegt, die Zeit und ist so in doppelter Beziehung zum Unsegen. Beten wir im Heiligen Geist, so werden wir niemals zu lang sein, niemals über das hinausgehen, was Er in unsere Herzen gelegt hat, und wenn unser Gebet auch nur eine Minute währte.

Sehr ermüdend ist es auch und gewiss nicht durch den Geist Gottes gewirkt, wenn ein Gebet aus einer wortreichen Aufzählung einer Reihe von an und für sich kostbaren und gesegneten Wahrheiten besteht und man den Eindruck bekommt, als wolle der Betende der Versammlung oder gar Gott einen Vortrag halten. Die Fälle, dass solche Gebete gesprochen werden, sind nicht so selten, als man denken sollte. Aber es bedarf keines großen geistlichen Verständnisses, um zu erkennen, dass ein solches Gebet seinen wahren Charakter ganz und gar verloren hat. Es ist eigentlich kein Gebet mehr; und darum, so wohlgefällig es vor Gott ist und Sein Vaterherz erfreut, wenn wir Ihm aus dankbarem Herzen unser Lob darbringen und Seine Wohltaten aufzählen, so verwerflich muss es vor Ihm sein, wenn wir mehr unser Wissen und unsere Erkenntnis als Ihn und Seine Güte zum Gegenstand unseres Gebets machen.

Was nun die Pausen zwischen den einzelnen Gebeten anbetrifft, so erscheinen uns dieselben vielleicht oft etwas lang. Und in der Tat, wenn wir nicht auf den Herrn warten, so können wir sie nur schwer ertragen. Die Natur liebt solche Augenblicke stillen Wartens auf den Herrn nicht; sie sind langweilig und drückend für das Fleisch. Aber wenn unsere Herzen in der rechten Stellung vor Gott sind, wenn wir auf Ihn warten und mit Ihm uns beschäftigen, so sind gerade jene Augenblicke von reichem Segen für uns. „Diese stillen Augenblicke sind“, wie jemand gesagt hat, „genau das, was wir aus ihnen machen.“ Sind wir in unseren Herzen mit der Frage beschäftigt, wer nun wohl an der Reihe wäre, so werden wir nichts empfangen; warten wir aber auf Gott, so werden wir nie beschämt werden, ja, die Kraft wird, anstatt abzunehmen, sich vermehren; zugleich wird die Stunde des Gebets, obwohl wir nicht gekommen sind, um Segen zu empfangen, doch nicht ohne großen Segen für uns bleiben.

Und nun noch eins: Wenn wir fühlen, dass die Zusammenkunft beendigt und keine Kraft zum Gebet mehr vorhanden ist, so lasst uns Schluss machen und nicht versuchen, die Stunde „auszufüllen“. Ein Gebet, das nur dazu dient, die Zeit herumzubringen, wie man zu sagen pflegt, ist nicht nur wertlos, sondern dient dem Betenden, wie der ganzen Versammlung, zum Unsegen und ist eine Verunehrung des lebendigen Gottes. Wir sollten uns oft an die ernsten Worte des Predigers erinnern: „Nahe lieber zu hören, als Schlachtopfer der Toren zu geben; denn sie wissen nicht, dass sie Böses tun. Sei nicht schnell mit deinem Munde, und dein Herz eile nicht, ein Wort vor Gott hervorzubringen, denn Gott ist im Himmel, und du bist auf der Erde; darum lass deiner Worte wenige sein“ (Pred 4,17; 5,1). Gewiss, wenn in unserem Herzen ein lebendiges Bewusstsein von der Größe, Majestät und Heiligkeit unseres Gottes und Vaters vorhanden ist, so werden wir vor einem solch törichten Beginnen, durch unser Beten die Zeit auszufüllen, zurückschrecken. So wahr es ist, dass wir mit aller Freimütigkeit und mit kindlicher Zuversicht dem Vater nahen dürfen, so sollte doch stets der Gedanke in unserem Herzen leben, dass Der, den wir als Vater anrufen, der dreimal heilige, lebendige Gott ist, den die Himmel nicht zu fassen vermögen.

Wenn andererseits der Geist Gottes in unserer Mitte wirksam ist und die Kraft des Herrn ein längeres Zusammensein als gewöhnlich hervorruft, so lasst uns nicht unruhig werden, sondern es annehmen, als von dem Herrn gegeben.

„Ich mag wieder und wieder das Wort studieren, wenn es mich aber nicht in Gemeinschaft mit Ihm bringt, wird es mir — für den Augenblick wenigstens — nichts nützen“ (J.N. Darby)


aus Die Wegweisung, Jahrgang 1971/72

 


 

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