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Leitverse: Lukas 2,10-12
Lk 2,10-12: Und der Engel sprach zu [den Hirten]: Fürchtet euch nicht, denn siehe,
ich verkündige euch große Freude, die für das ganze Volk sein wird; denn euch
ist heute, in Davids Stadt, ein Erretter geboren, welcher ist Christus, der
Herr. Und dies sei euch das Zeichen: Ihr werdet ein Kind finden, in Windeln
gewickelt und in einer Krippe liegend.
Inhalt
1. Der geschichtliche Hintergrund 2. Gottes Maßstab für „große Persönlichkeiten“ 3. Der „Glaube“ der Hirten 4. Das Zeichen: Gott wurde Mensch!
Die Weihnachtsgeschichte aus dem 2. Kapitel des Lukasevangeliums ist so sehr ein Teil unserer Kultur und
unserer Tradition geworden, dass wir manchmal vergessen, dass sie ein Teil der
Bibel ist. Wenn wir die bekannten Worte hören, die während der Weihnachtstage
so oft gelesen werden, dann sehen wir vor unserem geistigen Auge Krippenspiele
und kleine Kinder, die für die Aufführungen als Engel und Hirten verkleidet
sind. Aber Lukas 2 ist nicht nur eine Geschichte für die
Weihnachtszeit; es ist die Heilige Schrift. Als Gottes Wort hat Lukas 2 uns an
jedem Tag im Jahr etwas zu sagen. Wir wollen einige Lektionen aus der
Geburtsgeschichte ansehen, die das ganze Jahr über
wichtig sind.
Zuerst die Lektion des geschichtlichen Hintergrundes: Die Geburt Jesu fand
statt zu einer Zeit, als die sogenannte zivilisierte Welt unter der Kontrolle des
Römischen Reiches stand. Als erhabener Herrscher regierte Kaiser Augustus (V. 1) die
Welt mit eiserner Hand. Seinem
Erlass, dass das Volk sich zählen lassen sollte, mussten alle gehorchen (V. 3).
Was für eine Macht! Was für eine Autorität! Für das menschliche Auge sah es
sicherlich so aus, als hätte der Kaiser alle Macht auf Erden. Aber wer beherrschte die
Situation tatsächlich? Der Kaiser? Keinesfalls! Die Heilige Schrift lässt keinen Zweifel
daran, dass Gott in seiner Souveränität damals das ganze Weltgeschehen lenkte,
um die besten Voraussetzungen für die Geburt des Retters zu schaffen. Der mächtige
Kaiser Augustus war nichts anderes als eine Schachfigur in der Hand des
allmächtigen Gottes (vgl. Spr 21,1)!
Einer der alttestamentlichen Propheten hatte vorausgesagt, dass der Messias in Bethlehem
in Judäa geboren werden sollte (Mich 5,1). Aber Bethlehem war nur ein kleines
Dorf und Maria lebte im Norden, in Nazareth in Galiläa (Lk 2,4). Eine Reise von
etwa 150 Kilometer über holprige Straßen war für Maria in ihrem Zustand wenig
angenehm, ja kaum machbar. Aber Gott benutzte den Kaiser und seine Forderung, damit
sie ihre Reise unternahm und der Messias zur rechten Zeit geboren wurde — und zwar in Bethlehem!
Wenn alle Dinge zum Guten mitwirken
Die Lektion des geschichtlichen Hintergrundes hat sicherlich eine Anwendung für
heute. Gott hat alle Dinge in dieser Welt unter seiner Kontrolle. Weltherrscher
und politische Führer können ihre Macht zeigen, aber Gott sitzt immer noch auf seinem Thron und hat die
letzte Kontrolle. Nach seinem Plan wird die Weltbühne zu einem festgelegten
Zeitpunkt auf die Wiederkunft Jesu Christi
vorbereitet. Mit seinem Plan für unser Leben kommt Gott ebenfalls zu seinem Ziel,
bei jedem von uns. Wir mögen vielleicht Gottes Handeln mit uns nicht ganz verstehen,
genauso wenig wie Maria und Joseph verstanden, warum Gott es erlaubte,
dass sie so große Mühsal erleiden mussten. Denken wir einmal daran, was diese Geburt für
eine Schmach bedeutete unter den lästernden Freunden und Verwandten.
Denken wir an die Erfahrung der Maria, als sie trotz ihrer Umstände hören
musste: „Kein Platz in der Herberge!“ Denken wir an das Trauma der
nächtlichen Flucht nach Ägypten, weil Herodes plante, alle Babys in Bethlehem zu töten (Mt 2,13-16). Aber
gleichzeitig tat Gott etwas Großes und Wunderbares
in Marias Leben und in Josephs Leben, durch alle widrigen Umstände hindurch.
Und so hat Gott auch die Kontrolle über jede Situation in unserem Leben heute. Und
trotz aller Not und Mühsal dürfen wir doch wissen, dass letztlich alle Dinge
zum Guten mitwirken (Röm 8,28-29). Es ist wichtig, zu beachten, dass Maria und
Joseph sich nicht beschwerten oder den Wegen Gottes widerstanden. Sie fügten sich demütig unter die mächtige Hand Gottes in allen ihren Umständen. Wie
sieht das bei uns aus?
Außerdem können wir aus diesem Bibelabschnitt noch Lektionen von den Hirten lernen. Erinnern
wir uns, dass Hirten damals nicht gerade an der Spitze der Gesellschaft standen.
Tatsächlich standen sie auf der
sozialen Leiter ziemlich unten, sie waren nur „einfache Leute“. Aber Gott wählte gerade
sie aus, um die größte gute Nachricht der Geschichte zuerst gerade diesen einfachen
Leuten zu bringen. Die gute Nachricht von dem Retter der Menschen wurde nicht zuerst dem großen
Kaiser Augustus und den
„großen Persönlichkeiten“ in Rom verkündet. Und auch die religiösen Führer der
Juden waren nicht die Ersten, die diese gute Nachricht erfuhren, obwohl Gottes Stimme durch Propheten oder Engel 400 Jahre
lang geschwiegen hatte. Es waren einfache
Hirten, die in der Nacht ihre Schafe hüteten; diese wählte Gott aus,
um ihnen die beste Nachricht aller Zeiten zu verkündigen. Gottes Maßstab
darüber, wer eine „wichtige Persönlichkeit“ ist, ist ganz anders als unser Maßstab.
Gott bringt seine guten Nachrichten immer noch gerade den einfachen Leuten.
Erlösung wird nicht nur den Intellektuellen oder der Elite der Gesellschaft
angeboten. Die gute Nachricht ist für jeden, weil Gott sich um jeden
kümmert. Tun wir das auch? Geben wir die gute Nachricht von unserem Herrn Jesus
an jeden weiter? Müssen wir nicht bekennen, dass wir es oft vernachlässigt haben oder
es gar widerwillig getan haben, Christus den sozial
schwächeren Menschen oder dem „einfachen Volk“ zu bringen? Wir wollen nicht
vergessen, dass Gott seine größte und beste Nachricht zuerst an die Hirten
weitergab.
Eine weitere Lektion finden wir in der Reaktion der Hirten auf die gute Nachricht. Die Hirten hatten keinen Zweifel daran, dass die Botschaft von Gott
kam. Sie zögerten auch nicht, dieser Botschaft zu folgen. Sie machten sich sofort „eilends“
auf
nach Bethlehem (Lk 2,15-16). Kein Wunder, dass ihr Glaube belohnt
wurde. Wer heute Zweifel an Gottes Wort hat, hat es nötig, die Lektion der
Hirten zu lernen. Ist das vielleicht der Grund, warum dein
Glaube in letzter Zeit so freudlos ist (Joh 15,11) — weil du an Gottes Wort
zweifelst? Beachte: Der Glaube der
Hirten war mehr als „Gott hat es gesagt — ich glaube es — das regelt
es“. Sie
handelten danach, was Gott sagte. Wie oft schrecken Christen davor zurück, wenn
es darum geht, im Glauben zu handeln. Sie würden die Bibel keinen Moment in
Frage stellen, aber sie versagen dabei, wenn es darum geht, auf Gottes Wort hin
zu handeln. Nehmen wir zum Beispiel
das Wort des Herrn in Matthäus 6,25-34. Dort heißt es, dass wir nicht besorgt
sein sollen für irgendetwas, weil Gott sich um uns kümmern und uns all das geben
wird, was wir zum Leben brauchen, wenn wir Vertrauen zu Ihm
haben und Ihn ehren. Glauben wir diese Worte? Selbstverständlich! Aber warum
sind wir dann immer so verkrampft und besorgt wegen allem? Weil wir nicht wirklich
handeln nach
dem Wort Gottes. Wir können von den Hirten viel lernen, wenn es darum geht, im
Glauben zu handeln. Das ist Glaube in
Aktion.
Gott loben in unserem
Verantwortungsbereich
Vers 20 zeigt uns eine andere Reaktion der Hirten auf die gute
Nachricht. Sie gehen zurück. Zurück wohin? Zu ihren Häusern und ihren Familien und
ihren Schafen natürlich. Obwohl sie den Erlöser sahen und die große
Freude erfuhren, die die Engel vorhergesagt hatten (Lk 2,10), gingen sie
zurück in ihren Verantwortungsbereich: als Ehemänner und Väter und Hirten. Der
Unterschied war: Sie kehrten zurück in ihren Verantwortungsbereich und
verherrlichten und priesen Gott dabei (Lk 2,20). Manche Christen meinen, wenn sie
gläubig geworden sind oder wenn sie mit ihrem Herrn eine Bergerfahrung gemacht
haben, müsste sich nun alles dramatisch und drastisch ändern. Man verlässt die
Schule, man verlässt den Arbeitsplatz, man gibt alle weltlichen
Verpflichtungen auf, damit man nun ganz frei ist, dem Herrn zu dienen und Ihn zu
preisen! Solch ein Denken ist ganz sicher unbiblisch! Wenn wir uns Christus
hingeben, sollte sich das darin zeigen, dass wir bessere Schüler und
Arbeitnehmer und verantwortungsvollere Menschen sind. Wir schieben Dinge nicht
mehr auf! Unsere Schulden zahlen wir schnell zurück! Wir sind da, wann
und wo wir gebraucht werden. Vielleicht führt der Herr uns in neue
Verantwortungsbereiche hinein, wenn sich unsere Prioritäten ändern und wir in
Ihm wachsen. Aber wir preisen und verherrlichen Gott nicht, indem wir unseren
derzeitigen Verantwortlichkeiten den Rücken zudrehen. Wir preisen und
verherrlichen Gott so wie die Hirten, wenn wir als veränderte Menschen
in dieselben
Verantwortlichkeiten zurückkehren.
Zuletzt gibt es dann noch eine Lektion in dem Zeichen; das Zeichen,
dass Gott sein Volk besucht hatte und dass der Retter, der gekommen war, ein kleines
Baby war, das in Tücher gewickelt in einer Krippe lag. Wie einzigartig! Warum
gab es kein Gewitter? Warum kein großes Erdbeben? Warum keine Schrift am Himmel? Und warum
gab es nicht wenigstens ein Heiligenschein über dem Baby? Weil das Zeichen
selbst die gute Nachricht darstellte: Gott wurde Mensch! Der ewige Sohn Gottes,
der Eine, der das Universum geschaffen hat, entäußerte sich selbst aller äußerlichen
Herrlichkeit und Majestät und nahm die Gestalt der Menschen an, indem Er als menschliches Baby geboren wurde. Von der
höchsten Herrlichkeit des Himmels zu den niedrigsten Zuständen auf der Erde —
gewickelt wie das Baby eines Bauern in Windeln und gebettet in einen steinernen
Futtertrog für
Tiere. Das Zeichen besiegelte nicht nur Gottes Botschaft, sondern es bewies auch
die
Tiefe und das Ausmaß der Liebe Gottes zu den Menschen. Und wir wissen, dass diese
Erniedrigung nicht bei dem Futtertrog haltmachte. Um unsere Sünden zu sühnen,
ging unser Herr Jesus weiter und nahm die Schande auf sich, an einem römischen Kreuz zu
sterben — der größte Beweis der Liebe Gottes (s. Phil 2,5-8).
Das Zeichen heute
Welches Zeichen gibt Gott heute als Siegel für die gute Botschaft und als Beweis
seiner unaufhörlichen Liebe zu den Menschen? Dieses Zeichen ist nicht in großartigen
Himmelserscheinungen zu suchen oder in großen Wundern hier auf Erden. Nein, das
Zeichen heute ist ähnlich wie das Zeichen damals — es ist das Leben des Herrn
Jesus in unserem ganz normalen Alltag. Christus lebt in jedem Christen.
Unsere Körper sind wie die Windeln damals. Je demütiger und niedriger wir
Christen werden, desto mehr wird das Leben und die Liebe unseres Retters in uns
gesehen werden (vgl. 2Kor 4,7-11). Das ist der Weg, den Gott gewählt hat,
damit Er heute von der Welt gesehen wird. Ist dein Leben ein
Zeichen, das ein Beweis für die Liebe Gottes ist?
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