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Leitvers: Apostelgeschichte
1,8
Apg 1,8: Ihr werdet Kraft empfangen,
wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist; und ihr werdet meine Zeugen
sein.
Inhalt
Einleitung
Wir brauchen
Kraft
Erfüllt mit Heiligem
Geist
Den Geist
betrüben
Die Wirksamkeit des
Geistes in einem Diener
Fragenbeantwortung
Die Sünde hat den
Menschen zu einem Zustand der Kraftlosigkeit erniedrigt. Wir sind nicht nur
unter die Knechtschaft der Sünde gefallen, sondern wir
sind auch völlig
kraftlos, um Gott zu gefallen oder Ihm zu dienen. Nun ist aber eines gewiss: Das
Geschöpf
ist dazu berufen, innerhalb seiner eigenen Grenzen, dem Schöpfer
vollkommen zu dienen.
Wir brauchen Kraft, sowohl um
uns von der inneren Lähmung
zu befreien, die durch die Sünde
verursacht wurde, als auch um uns zu befähigen,
in den äußeren Umständen
richtig zu wandeln als solche, die dem Willen Gottes dienen. Kraft ist uns
verliehen worden, und das Wunderbare ist, dass dies durch die Innewohnung des
Geistes Gottes erfolgt ist. Etwas viel Geringeres hätte
uns genügen
können,
aber Gott hat uns nicht weniger als das gegeben. Als der auferstandene Christus
im Begriff war, aufzufahren, sagte Er zu seinen Jüngern: „Ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist; und
ihr werdet meine Zeugen sein“ (Apg 1,8). Wie wir in Apostelgeschichte 2 sehen,
wurde diese Verheißung zehn Tage später,
am Pfingsttag erfüllt.
In Hesekiel 36 und 37 haben
wir die Prophezeiungen gesehen, die das Werk der Neugeburt und des Lebendigmachens betreffen, das im Überrest
Israels an jenem zukünftigen
Tag geschehen wird, um sie für
den Segen des Tausendjährigen Reiches zuzubereiten. In beiden Kapiteln wird auch die Gabe des
Heiligen Geistes erwähnt: „Und ich werde meinen Geist in euer Inneres geben; und ich werde machen, dass
ihr in meinen Satzungen wandelt und meine Rechte bewahret und tut“ (Kap.
36,27). „Und ich werde meinen Geist in euch geben, dass ihr lebet“ (Kap. 37,14).
Als Folge davon wird geistliches Leben in Israel sein, das im tätigen
Gehorsam gegenüber
Gottes Willen zum Ausdruck kommen wird. Sie werden die Anordnungen Gottes
befolgen. In anderen alttestamentlichen Schriften finden wir ähnliche
Voraussagen, besonders am Schluss von Joel 2, den Petrus am Pfingsttag anführte,
indem er sagte, dass das, was gerade in ihrer Mitte geschah, ein Beispiel sei
von dem, was Joel vorausgesagt hatte. Wir werden jedoch sehen, dass die Gabe
des Geistes an Pfingsten eine Fülle
und Beständigkeit umschließt, die in alttestamentlichen Zeiten kaum erwartet waren.
Die Neugeburt wird durch den
Heiligen Geist bewirkt, und wie Johannes 3,6 sagt, haben wir als Ergebnis davon
eine neue Natur, die in ihrem Wesen „Geist“ ist. Das, was durch die Wirkung des
Heiligen Geistes hervorgebracht wird, ist ein Teil seiner eigenen Natur. Das müssen
wir natürlich
unterscheiden von dem Heiligen Geist, der in den Menschen, die bereits von neuem
geboren sind, Wohnung nimmt, so wie es an Pfingsten geschah. Es ist sehr wichtig
zu beachten, dass Kraft nicht mit der durch den Geist hervorgebrachten neuen
Natur in Verbindung steht, sondern mit dem Heiligen Geist als
Person, der im Leib des Gläubigen
wohnt. Das ist aus Römer
7,7-8,4 klar ersichtlich.
In Römer
7 lesen wir von der Erfahrung eines Menschen, der von neuem geboren ist, denn er
besitzt „den inneren Menschen“, der am Gesetz Gottes Wohlgefallen hat (V. 22).
Daher anerkennt er das, was gut ist, und begehrt es ernstlich, ist aber unfähig,
es zu tun. Erst wenn wir in „Jesus Christus, unserem Herrn“, den Befreier kennen
(V. 25) und, wie wir weiterlesen, das „Gesetz (oder die Beherrschung) des
Geistes des Lebens in Christo Jesu“, finden wir Kraft, um „das Gesetz (oder die
Beherrschung) der Sünde und des Todes“ (Kap. 8,2) zu überwinden und die gerechten Forderungen des Gesetzes zu erfüllen
(Kap. 8,4). Die Kraft, die befreit, wird in Christus und in seinem Geist
gefunden, der uns gegeben wurde.
Diese Stelle im Römerbrief
zeigt uns die Kraft, die uns von der inneren, durch die Sünde
herbeigeführten
Lähmung
befreit, und das ist selbstverständlich
eine Voraussetzung, wenn wir als Zeugen für
unseren auferstandenen Herrn durch Kraft gekennzeichnet sein sollen, wie dies in
Apostelgeschichte 1,8 und auch in Lukas 24,49 gesehen wird. Es sollte für
uns alle ein ernüchternder
Gedanke sein, dass uns selbst als Gläubigen
keine Kraft verliehen worden ist. Alle Kraft für
uns ist im Geist Gottes enthalten, der uns gegeben worden ist.
Die elf Männer,
zu denen der Herr sprach, waren Apostel und bildeten eine Grundlage, auf welche
die Versammlung gebaut wurde. Ein mächtiges
Werk des Geistes war in ihnen geschehen, und während drei Jahren
waren sie in besonderer Weise unterwiesen worden, so wie es nie zuvor einem
Menschen gegeben war. Aber nichts von alledem verlieh ihnen die nötige Kraft. So
sehr sie auch darauf gebrannt haben mögen, das große Werk als Zeugen zu
beginnen, sie mussten warten, bis der Geist gegeben wurde. Bis dahin sprachen
sie kein Wort zum Zeugnis aus. Aber dann wurde ihr Mund unverzüglich
geöffnet — und mit welch erstaunlichen Ergebnissen!
Wir dürfen die Tatsache nicht übersehen, dass die Jünger am
Pfingsttag nicht nur den Geist empfingen, um in ihnen zu wohnen, sondern dass „sie alle mit Heiligem Geiste erfüllt“ wurden (Apg 2,4); und wenn ein
Gläubiger mit Ihm erfüllt ist, dann gibt es keine wirksame Kraft in ihm,
die die Kraft des Geistes eindämmen könnte. Dieses Erfülltsein vom Geist ist
nicht dauernd wie sein Innewohnen, denn Petrus wurde in Apostelgeschichte 4,8
wieder mit Heiligem Geist erfüllt und im 31. Vers des gleichen Kapitels
nochmals. Wenn der Geist einen Gläubigen auf diese Weise erfüllt, ist das
Fleisch in ihm gerichtet und nicht in Tätigkeit und die Kraft des Geistes
unwiderstehlich. Stephanus gibt uns ein Beispiel davon, denn indem er voll
Heiligen Geistes war, war er „voll Gnade und Kraft“, und seine Gegner „vermochten nicht der Weisheit und dem Geiste zu widerstehen, womit er
redete“
(Kap. 6,8.10). Unfähig, ihm zu widerstehen, nahmen sie Zuflucht zur Gewalt, und
ihre Steine, die seinen Körper zu Tode schlugen, zerstörten diesen „Tempel“ des
Heiligen Geistes.
Obwohl wir aus den Berichten in der Apostelgeschichte
sehen, dass das Erfülltsein mit dem Geist selbst bei den Aposteln nur
gelegentlich geschah, dürfen wir nicht vergessen, dass in Epheser 5,18 alle
Christen ermahnt sind, mit dem Geist erfüllt zu werden. Es überrascht uns
vielleicht, so etwas in Gegensatz zum „Berauschen mit Wein“ gestellt zu sehen.
Aber Tatsache ist, dass Wein, im Übermaß genossen, dem Menschen die Kontrolle
über sich selbst entreißt und ihn außer sich bringt. Das ist alles von unten
und böse. Der Geist Gottes kann einen Menschen jedoch auf eine Weise
beherrschen und außer sich bringen, die gut und göttlich ist. Das wahrhaft Gute
steht hier im Gegensatz zum wahrhaft Bösen. Wenn man mit dem Geist erfüllt
ist, dann ist alles, was nicht Er selbst oder nicht von Ihm ist,
offensichtlich ausgeschlossen.
Gerade in diesen anderen Dingen, die so viel von unseren
Gedanken, unserer Zeit und Energie in Anspruch nehmen, sind die Hinderungsgründe
für die Verwirklichung der Kraft; sie bestehen nicht nur in wirklich Bösem,
sondern auch in vielen Dingen, die unbedeutend und nutzlos sind. Darum lesen wir
in Epheser 4,30: „Betrübt nicht den Heiligen Geist.“ Wenn wir Ihn betrüben,
verlieren wir seine innewohnende Gegenwart nicht, denn der Vers fährt fort: „durch welchen ihr versiegelt worden seid auf den Tag der
Erlösung“. Wir
verlieren jedoch viel vom Genuss seiner Gegenwart. Sowohl geistliche Freude wie
geistliche Kraft sind verloren, bis das, was Ihn betrübt, hinweggetan ist.
Einiges von dem, was Ihn betrübt, wird in den vorangehenden und
den nachfolgenden Versen erwähnt.
Wie oft ist der Geist durch Bosheit, üble
Nachrede oder Verbitterung unter Heiligen betrübt
worden. Es ist ein Wunder, dass seine Kraft bei all dem überhaupt
sichtbar wird!
Der Apostel Paulus war
berufen und errettet worden, um ein Vorbild für
uns zu sein. Das lernen wir aus 1. Timotheus 1,16. So sehen wir in seinem Leben
des Dienstes und des Zeugnisses, wie die Kraft des Geistes wirksam war.
Römer
15,19 zeigt uns die außerordentliche Ausdehnung seines Arbeitsfeldes.
Von Jerusalem an und ringsumher bis nach Illyrikum — dem
heutigen Albanien — hat er das Evangelium völlig
verkündigt.
In einer Zeitspanne von ungefähr
25 Jahren hat er den Menschen, die in Gebieten von Hunderttausenden von
Quadratkilometern wohnten, das volle Evangelium verkündigt.
Meistens reiste er zu Fuß, hie und da mit dem Schiff auf dem Meer, oder er ritt zu
Land auf einem Tier. In der Tat eine großartige Leistung! Sie war nur in der
Kraft des Geistes Gottes möglich.
1. Korinther 2,1-5 zeigt die
Einfachheit seiner Predigt. Er schloss alle menschliche Redeweisheit aus,
damit die zentrale Tatsache des Kreuzes Christi umso klarer hervortrete. Seine
Predigt war dadurch gekennzeichnet, dass der Geist Gottes sich in Kraft erwies,
damit der Glaube derer, die seine Botschaft aufnahmen, sich nicht auf „Menschenweisheit, sondern auf
Gottes Kraft“ gründe.
2. Korinther 3,1-6 und 4,1-7
zeigt uns die lebenspendende Kraft des Dienstes des neuen Bundes, der Paulus anvertraut war. Die
zum Glauben Gekommenen waren „ein Brief Christi“, geschrieben „mit dem Geiste
des lebendigen Gottes“; und er bezeugt, dass „der Geist lebendig
macht“. Leben und Licht sind in diesem Abschnitt miteinander verbunden, denn er
sagt, dass „der Lichtglanz der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht
Christi“ durch irdene Gefäße
leuchte, damit „die Überschwänglichkeit
der Kraft sei Gottes und nicht aus uns“.
2. Korinther 10,1-6 zeigt uns
die Kraft der geistlichen Waffen im Angriffskampf des Evangeliums.
Satanische Mächte
haben sich in den Gedanken der Menschen verschanzt und Festungen menschlicher
Vernunftschlüsse
und Einbildungen errichtet, die nur durch Waffen, wie sie der Geist Gottes benützt, überwältigt
werden können.
1. Thessalonicher 1 und 2
gibt uns ein liebliches Bild der geistlichen Früchte im Charakter und Leben der Bekehrten,
wenn das Evangelium „nicht … im Wort allein, sondern auch in Kraft und im
Heiligen Geiste und in großer Gewissheit“ gebracht wird. Die gläubigen
Thessalonicher wurden Nachahmer des Herrn, Vorbilder für
alle ändern
Gläubigen
und Verkündiger des Wortes, das sie errettet hatte,
indem sie dem lebendigen und wahren Gott dienten und seinen Sohn aus den Himmeln
erwarteten.
2. Timotheus 1 zeigt uns den
Heiligen Geist als „einen Geist … der Kraft und der Liebe und der
Besonnenheit“ (V. 7), so dass der Gläubige
befähigt
ist, „mit dem Evangelium Trübsal
zu leiden nach der Kraft Gottes“ (V. 8) und auch „durch den Heiligen Geist, der in uns
wohnt“, das schöne anvertraute Gut zu bewahren
(V. 14). Der Geist Gottes ist die Kraft zum Ausharren und zur Treue.
Die Gabe Gottes, sowohl sein Sohn als auch der Heilige
Geist, kann in der Tat „unaussprechlich“ genannt werden (2Kor 9,15).
Frage: Anfänglich war die Kraft des Geistes oft durch
Zeichen und Wunder sichtbar. Sollte es nicht heute noch so sein, da Er doch Gott
und unwandelbar ist?
Gott ist in der Tat der Unwandelbare, aber das bedeutet
nicht, dass Er seine Wege und Handlungen nicht entsprechend seiner Weisheit
ändern könnte, um den verschiedenen Zuständen, die unter den Menschen entstehen
können, gerecht zu werden. Das hat Er in vergangenen Zeitaltern offensichtlich
getan. Er hat seine Macht nicht immer in Wundern geoffenbart. Das war
tatsächlich nur in drei großen Zeitabschnitten so. Zuerst, als Er durch
Moses eingriff, um Israel aus Ägypten nach Palästina zu bringen und um das
Gesetz einzuführen. Dann, als Er durch Elia und Elisa dazwischentrat, um das
Volk zum Gesetz, welches es gebrochen hatte, zurückzurufen und seine Güte zu
bezeugen. Und drittens, als Er seinen Sohn sandte und in der Folge durch die
Apostel die Versammlung gebildet wurde. Sozusagen alle Wunder, die in der
Schrift aufgezeichnet sind, fallen in eine dieser drei Zeitperioden. Von
Johannes, dem Täufer, lesen wir: „Johannes tat zwar keine Zeichen“ (Joh 10,41).
Sein Los fiel gerade in die Zeit vor der dritten großen Wunderperiode,
die in Verbindung mit dem Herrn Jesus begann.
Frage: Aber sind diese Wunderzeichen nicht die allergrößte Offenbarung seiner Kraft?
Keinesfalls! Die meisten dieser sichtbaren Zeichen
wunderbarer Kraftentfaltung waren in ihrer Wirkung nur zeitlich. In
Apostelgeschichte 9 finden wir zum Beispiel, dass der gelähmte Aeneas geheilt
und die gestorbene Dorkas auferweckt wurden. Aber in beiden Fällen mussten sie
im Lauf der Zeit doch durch den Tod gehen, und es war, wie wenn die Wunder nie
geschehen wären. Das gleiche Kapitel beginnt mit der Bekehrung des Saulus von
Tarsus. Seine Mitreisenden waren sprachlos vor Erstaunen, und doch scheinen sie
das Wunder nicht erkannt zu haben. Es war natürlich in erster Linie ein
geistliches Wunder, dessen Auswirkungen noch heute — neunzehn Jahrhunderte
später — auf der ganzen Erde spürbar sind. Jede wahre Bekehrung ist ein Wunder,
das in Ewigkeit bleibt — und Wunder dieser Art geschehen heutzutage noch.
Frage: Die Predigt des Paulus geschah in Erweisung des
Geistes und der Kraft. Können wir das auch von der Predigt heutzutage sagen?
Wir fürchten, nur in sehr beschränktem Maß. Tatsache ist, dass die Verkündigung heutzutage oft gerade durch die Dinge gekennzeichnet ist,
von denen Paulus sagt, dass er sie mied, damit seine Predigt in der Kraft des Geistes geschehe. Er verzichtete nicht nur auf Arglist
und Fälschungen, wie er uns in 2. Korinther 4,2 sagt, sondern auch auf sehr
achtbare Dinge wie Vortrefflichkeit der Rede oder Menschenweisheit.
Frage: Aber selbst da, wo das Evangelium treu verkündigt
wird, ohne zu solch menschlichen Mitteln Zuflucht zu nehmen, scheint wenig Kraft geoffenbart
zu werden. Wie kann man das erklären?
Es gibt zwei Stellen, die uns helfen können, das zu
erklären: Epheser 4,30 und 1. Thessalonicher 5,19. Nur zu oft ist der Geist
in dem Diener Gottes, der den Dienst ausübt, betrübt, und daher entsteht wenig
Frucht aus dem, was er tut. Und selbst wenn das nicht der Fall ist, so ist der
Geist doch betrübt durch den Zustand der Dinge, wie er unter der großen Masse
der bekennenden Christen vorherrscht. Der Geist wird oft auch durch die
Einführung menschlicher Organisation ausgelöscht, die dem Geist keinen Raum zur
freien Wirksamkeit lässt. Darüber hinaus finden wir den schrecklichen Unglauben
und oft äußerste Untreue bei vielen, die sich als Diener Gottes bekennen
und praktisch alles verleugnen, was sie hochzuhalten verpflichtet wären. Der
Geist wird innerhalb der Versammlung betrübt und ausgelöscht, und
diese Tatsache allein würde zur Erklärung genügen, warum Er jegliche große
Offenbarung seiner Macht zurückhält. Aber glücklicherweise ist es eine Tatsache,
dass Er immer noch wirkt und Seelen gesegnet werden, auch wenn sein Werk ruhiger und weniger auffällig vor sich geht.
Frage: Kraft für den Dienst — obgleich wichtig — ist sicher
nicht alles. Wie können wir die Kraft des Geistes zum Sieg in unserem Leben
erfahren?
Durch das Wandeln im Geist, zu dem Galater 5,16 uns
auffordert. Aus Epheser 1,13 wissen wir, dass der Geist uns gegeben wird, wenn
wir dem Evangelium unseres Heils glauben. Er versiegelt uns als Gott gehörend.
Aber wir müssen auch in Ihm wandeln, das heißt, Er muss in praktischer
Weise die Quelle und Kraft unseres Lebens und Handelns sein. Wandeln (Gehen) ist
das Erste und Frühste, das ein Mensch tut, darum wird es zum bildlichen Ausdruck
all unserer Tätigkeiten gebraucht. Unsere Gedanken, unser Reden und Handeln,
alles muss unter der Führung des Geistes geschehen. Dann werden wir die Lust des
Fleisches nicht vollbringen, wie das sonst der Fall wäre. Das ist es, was wir in
Galater 5,16-17 finden. Der Geist Gottes übt eine Macht über uns aus, die höher
ist als die Anziehungskraft des Fleisches, das uns herunterziehen will; und das
erfahren wir, wenn wir im Geist wandeln.
Frage: Einige von uns sagen vielleicht: Wir wünschen wohl, „im Geist zu
wandeln“, aber wissen nicht, wie wir das im praktischen Leben tun
sollen. Wie geht das praktisch vor sich?
Galater 6,7-9 hilft uns, diese Frage zu beantworten. In
praktischem Sinn besteht unser Leben aus Säen und Ernten. Es ist, als gingen wir
jeden Tag hinaus, an jeder Seite einen Korb mit Samen tragend. Wir können unsere
Hand auf die eine Seite, in den Korb mit Samen des Fleisches, ausstrecken und für
das Fleisch säen oder auf die andere Seite, in den Korb mit Samen des Geistes
greifen und für den Geist säen: Das heißt, wir können den Dingen nachgeben, die
nur das Fleisch befriedigen, und so den Samen des Fleisches ausstreuen, oder
wir können uns den Dingen des Geistes hingeben und so Samen säen, der Frucht zur
Ehre des Herrn bringen wird.
Das ist nicht etwas, was Gott für uns tut. Das müssen wir
selbst tun. Wir tun es den ganzen Tag in der einen oder andern dieser beiden
Richtungen. In welcher Richtung liegt unsere Wahl? In welchen Korb greift unsere
Hand? Das Geheimnis liegt darin, den einen entschlossen zu meiden, den
ändern dagegen zu pflegen. So müssen wir es machen.
Frage: Und doch ist mancher Christ, der sich in seinem äußeren Wandel keine schlimmen Fehler zuschulden kommen lässt, nicht besonders
durch Freiheit oder Kraft des Geistes gekennzeichnet. Wie erklärt sich das?
Solche sind wahrscheinlich durch Mangel an Konzentration
auf die Dinge Gottes oder durch ausgeprägte Faulheit gekennzeichnet. Sie werden
leicht durch unbedeutende Dinge abgelenkt. Der Geist ist da, um die Dinge Christi zu nehmen und sie uns zu zeigen, und Er kann
betrübt werden, weil wir unaufmerksam oder träge sind. Wenn du zu
einem Bekannten gingest, um ihm wichtige Nachrichten von einem vielgeliebten
Freund zu erzählen, und er würde dich nach wenigen Augenblicken mit belanglosen
Bemerkungen über Nebensächlichkeiten unterbrechen, oder du entdecktest, dass er
schläfrig in seinem Stuhl sitzt, so hörtest du auf mit deiner Erzählung, betrübt
und entrüstet.
Der Geist Gottes ist empfindlich, was die Ehre Christi
betrifft. Sowohl Unaufmerksamkeit wie offene Sünde betrüben Ihn. Möchten wir uns
doch alle von Gott zeigen lassen, wie viel von unserer geistlichen Armut und
Kraftlosigkeit auf diesen Mangel zurückzuführen sind!
aus dem Buch Das große Heil Gottes, Beröa-Verlag,
1990, S. 103-115
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